Angela McRobbie: Konsumgesellschaft und Feminismus

Im Spiegel wird die Feministin Angela McRobbie interviewt . Eine Stelle finde ich dabei ganz interessant:

SPIEGEL ONLINE: Welche Folgen hatte das speziell für Frauen?

McRobbie: Parallel zum Aufstieg der Konsumkultur wuchs die Sichtbarkeit von Frauen, speziell jungen Frauen sowie deren Verdienstmöglichkeiten. Frauen wurden ermutigt, in den Arbeitsmarkt einzutreten, später zu heiraten und so möglichst viel frei verfügbares Gehalt anzuhäufen. Das sollten sie dann bei H&M oder sonstigen Geschäften ausgeben. Gleichzeitig schwenkte die Konsumkultur auch immer stärker auf die Re-Traditionalisierung der Geschlechterrollen ein. Wieder galt die Argumentation: Wenn Frauen jetzt gleichberechtigt sind, schadet es doch nicht, auch wieder traditionelle Männlichkeit und Weiblichkeit zu feiern. Deshalb gibt es zum Beispiel wieder so viel geschlechtsspezifisches Spielzeug, so viel pinkfarbene Mädchenkleidung oder sogar Kosmetik für Achtjährige.

Sie scheint das alles fremdbestimmt zu sehen, während man ja auch gut darauf abstellen kann, dass Frauen nichts schlimmes darin sehen, Frauen zu sein und sich in dem Geschlecht nicht gefangen sehen, sondern eben durchaus gerne Frauen sind. Vielleicht bringt mehr Freiheit für die Frauen auch deswegen eine stärkere Betonung der Geschlechter, weil dies die Leute so wollen und weil sie sie von Aspekten der Geschlechterrollen, die sie nicht mögen, trennen können. Also kein „Wenn ich pink trage, dann muss ich auch X machen“ sondern „Ich mag Pink, deswegen muss ich X noch lange nicht machen“.

SPIEGEL ONLINE: Nun werden Frauen ja nicht nur blind von der Konsumkultur verführt, sondern entscheiden sich zum Teil sehr bewusst dafür. Was haben sich Frauen von der kulturellen Neoliberalisierung versprochen?

McRobbie: Frauen hat der Neoliberalismus sehr attraktive Angebote gemacht, gewissermaßen gab es einen Vertrag zwischen den Geschlechtern über ethnische und wirtschaftliche Grenzen hinweg: Frauen wurden dabei unterstützt, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und ihre sexuellen Freiheiten auszuleben, ohne dafür verteufelt zu werden – so wie es zum Beispiel in „Sex and the City“ vorgelebt wurde. Zusammen mit den Frauenmagazinen, die Shopping glorifiziert haben, kam das einer landesweiten Einladung an Frauen gleich, ihre Weiblichkeit zu feiern. Das klang alles sehr ansprechend und stach gewissermaßen den Feminismus aus. Doch das Angebot war heuchlerisch: Frauen wurden neue Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten nur suggeriert, schließlich galt die Einladung nie für die Politik. Nirgendwo wurde gesagt: Bringt euch in die Politik ein, stellt euch für Wahlen auf!

Oh Nein! Da werden sie nur dabei unterstützt wirtschaftlich erfolgreich zu sein und ihre sexuellen Freiheiten auszuleben, aber sie werden nicht explizit dazu aufgefordert auch die Politik zu gehen! Dann können die wirtschaftlich erfolgreichen Frauen das natürlich auch nicht machen.

Es ist schon erstaunlich, wie unselbständig die Frauen hier erklärt werden, sie nehmen anscheinend nur an, was ihnen auch gesellschaftlich vorgesetzt wird. Dabei stimmt diese Aussage auch zumindest in Deutschland nicht: Die Parteien suchen händeringend Frauen für die Politik und in Parteien wie den Grünen sorgen mit Quoten dafür, dass Frauen, die nach oben wollen, auch gute Chancen darauf haben.

Es ist aus meiner Sicht wieder das typische Opferbild. Die Frau wird gesellschaftlich abgehalten und nur auf Konsum gedrillt, sie hat keinen eigenen Willen.

Ein reichlich negatives Frauenbild.