Mario Balotelli, Fanny Neguesha und Sex als Preis

Balotelli, in Deutschland traurigerweise sehr bekannt (Triggerwarnung für den Link!), läßt interessantes verlautbaren:

Der Skandalstürmer ist sich vor dem CL-Halbfinal-Rückspiel zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund sicher: Die Königlichen haben sich mit dem 1:4 vergangene Woche in Dortmund ihre Chance auf das Finale verspielt. Für den Fall, dass sich die Dortmunder die Butter doch noch vom Brot nehmen lassen, hat der 22-Jährige nun seinen unmoralischen Wetteinsatz der Öffentlichkeit mitgeteilt: «Wenn Real Madrid Borussia Dortmund eliminiert und sich für den Final der Champions League qualifiziert, werde ich meiner Freundin erlauben, mit ihnen zu schlafen», zitiert die «Marca» Balotelli.

Die Originalmeldung war wohl diese hier:

Tremendas las últimas declaraciones del siempre polémico Mario Balotelli. El delantero del Milan está tan seguro de que el Madrid no remontará ante el Dortmund que se juega a su novia, la bella Fanny Neguesha, en esta peculiar y arriesgada apuesta: „Si el Real Madrid remonta al Borussia Dortmund y se clasifica a la final de la Champions League, dejaré que mi novia duerma con todos los jugadores“.

Wenn ich das richtig verstehe, dann ist die obige Übersetzung richtig und es geht darum, dass seine Freundin dann mit den Spielern schlafen darf, nicht diese mit ihr.

Die Presse zitiert es allerdings genau anders rum: Für den Fall eines Sieges dürfen alle Spieler mit ihr schlafen, also quasi als Preis.

So macht es jedenfalls die bessere Story. Sex als Preis, etwas verdorbenes, die Freundin wird übergangen, man kann zugleich berichten und moralisch entrüstet sein.

Es ist immer wieder erstaunlich, dass Sex als Preis so hoch angesetzt wird. Viele (alle?) der Spieler von Real sind Millionäre und sehr sportlich, ihr Status ist hoch, sie werden keine Probleme haben, Frauen zu finden, die mit ihnen schlafen und ganz überwiegend sehr hübsche Frauen/Freundinnen haben. Die zusätzliche Motivation mit der Freundin von Balotelli, Fanny Neguesha, zu schlafen, dürfte daher nicht so hoch sein, dass sie neben den anderen Vorteilen (unmittelbare Siegprämie, Marktwertsteigerung, Status) wesentliche Leistungsreserven mobilisiert.

Immerhin scheint sie mir ein attraktiveres Angebot zu sein als Charlotte Roche seinerzeit:

Fanny Neguesha

Fanny Neguesha

Ein hübsches Gesicht und etwas für Freunde „kurviger Frauen

Ob er sein Mate Guarding aufgeben wollte und sie ihren Lüsten freien Lauf hätte lassen können oder ob sie tatsächlich ein Preis sein sollte wird wahrscheinlich unklar bleiben.

Geschlechtsunterschiede bei Gefühlen

Auf „Mein Naturwissenschaftenblog“ finden sich allerlei interessante Studien und zudem ein Auszug aus Male/Female von David Geary, der sich mit den Geschlechterunterschieden bei Gefühlen beschäftigt

Although there are a few exceptions, the majority of studies reveal that women express emotions more frequently and intensely (e.g., wider smile) than men (Buck, Savin, Miller & Caul, 1972; J.J. Gross & John, 1998; Kring & Gordon, 1998; Vigil, in press), although women’s and men’s expressiveness is moderated by social context (Buck, Miller, & Caul, 1974; M.L. Hoffman, 1977). Gross and John identified five affective facets or subdomains that are common across measures of emotions and feelings: expressive confidence (the ability to act out emotions without feeling them), positive expressivity (the expression of positive emotions), negative expressivity, impulse intensity (intensity of feelings and difficulty controlling their expression), and masking (suppression of feelings). There were no sex differences in expressive confidence, but about 3 out of 4 women reported more positive expressivity than the average man, and 2 out of 3 reported more negative expressivity than the average man.

Also zumindest drücken Frauen Gefühle stärker aus als Männer und das wie man an den Zahlen sieht sehr deutlich.

Wether women or men have more intense feelings – that is, unobservable personal experience of an emotion – is not clear. The phenomenon is obviously more difficult to study than observable emotions, but it has nonetheless been assessed using self-report, physiological reactivity, and brain imaging methods. Women typically report more intense feelings than men (Buck, Miller, & Caul, 1974; M. Grossman & Wood, 1993). Using diary methods, Barrett, Robin, Pietromonace, and Eysell (1998) found that women and men reported a similar range of emotions during day-to-day social interactions, but women rated the intensity of their accompanying feelings higher than did men. In their analysis of multiple emotions and feelings scales, Gross and John (1998) found that 6 out of 7 women reported more intense emotional impulses – difficulty in inhibiting the expression of feelings – than did the average man, whereas 2 out of 3 men reported more masking than did the average woman.

Jeder Mensch fühlt demnach. Aber Frauen scheinen stärkere Emotionen zu haben. 6 von 7 Frauen teilten mit, dass sie stärkere emotionale Impulse hatten, die sie nicht verbergen konnten, als der durchschnittliche Mann, wohingegen 2 von 3 Männern beschrieben, dass sie ihre Gefühle eher verbergen konnten.

The physiological and brain imaging studies reveal a much more nuanced picture. Sometimes women show more intense physiological reactivity (e.g., sweating) than men to affect-eliciting situations (e.g., viewing an injury), consistent with their reports of more intense feelings, but sometimes they do not (Eisenberg & Lennon, 1983; Gard & Kring, 2007; Wager, Plan, Liberzon, & S.F. Taylor, 2003). Buck et al. (1974) found disconnections between expressed emotions, reported intensity of accompanying feelings, and physiological indicators of affective reactivity. In situations designed to elicit a range of affective reactions, more women than men expressed emotions, reported intense reactions, but showed little physiological indication of reactivity. In support of Grossand John’s (1998) finding that men report more masking, Buck et al. found more men than women inhibited emotional expressions, reported less intense feelings, but at the same time showed stronger physiological reactivity to the situation.

Es ist insoweit nicht unbedingt verwunderlich, dass das Geschlecht, dass weniger Angriffsfläche bilden darf, weil es in einer stärkeren intrasexuellen Konkurrenz steht.

In a meta-analysis of brain imaging studies in this area, Wager et al. (2003) found no evidence for more overall brain activation in women than in men during the processing of affective information (e.g., car accident), but there were sex differences in the pattern of activation. The brain activity of men suggested that they focus more on the „sensory aspects of emotional stimuli and tend to process them in terms of implications for required actions, whereas women direct more attention to the feeling state engendered by the emotional stimuli„. If Wager et al. are correct, many women experience feelings in a more personally intense way than men.

Das wäre dann also der Unterschied zwischen dem empathischen und dem systematischen Gehirn. Oder auch der lösungsorientierte Ansatz und der gefühlsbetonte Ansatz.

Men’s masking of their feelings is consistent with both socialization and the dynamics of male-male competition. … The disconnection between emotions and feelings in many women is intriguing and suggests some women are using emotional expressions strategically. These women are not experiencing the corresponding feelings but are expressing the emotion for social effect.

Frauen scheinen also eher Emotionen auszudrücken, auch wenn sie sie gar nicht empfinden, um damit sozialen Umständen gerecht zu werden

Der Laubenvogel („Bowerbird“) und sexuelle Selektion

Ein interessantes Beispiel dazu, wie sexuelle Selektion zu einem ganz speziellen Verhalten führen kann, ist der Laubenvogel oder Bowerbird.

Dieser baut kunstvolle Bauten, die nur den Sinn haben, seine Baufähigkeit und damit gute Gene zu demonstrieren. Die Laubenvögel-Weibchen inspektieren die Bauten und paaren sich dann mit denen, die den besten Bau haben und diesen mit besonders viel Farben ausgestaltet haben, weil diese letztendlich Costly Signals sind, mit denen er zeigt, dass er solche seltenen Farben zusammentragen kann.

Der Bau ist insoweit im Sinne von Dawkins ein „extended Phenotyp“, also eine Erweiterung seines Körpers, mit der er seinen Wert darstellen kann.

Zu den einzelnen Bauarten:

Die Bauten der Laubenvögel können in drei Typen eingeteilt werden:

  • Der Hof oder die Tenne besteht aus einem gereinigten Platz, der mit Blättern ausgelegt wird.
  • Der Maibaum ist ein aus Stöcken gefügter Turm, der um einen dünneren Baumstamm oder um einen Baumfarn angelegt wird. Zu den Maibäumen zählen auch die äußerst komplexen überdachten Hütten des Hüttengärtners.
  • Eine Allee besteht aus zwei parallelen, aus Stöcken verflochtenen Wänden (z. B. Laube des Seidenlaubenvogels).

Hier einmal etwas, damit man sich ein Bild von den Bauten machen kann:

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Bowerbird

Bowerbird

Man sieht auf dem Bild schön, dass alles genutzt wird, was eine bestimmte Farbe hat, auch entsprechender Müll.

Hier zudem noch ein Film dazu:

Zu dem Laubenvogel gibt es einige interessante Studien, die das Paarungsverhalten betreffen:

Sexual selection driving display trait divergence has been suggested as a cause of rapid speciation, but there is limited supporting evidence for this from natural populations. Where speciation by sexual selection has occurred in newly diverged populations, we expect that there will be significant differences in female preferences and corresponding male display traits in the absence of substantial genetic and other morphological differentiation. Two allopatric populations of the Vogelkop bowerbird, Amblyornis inornatus, show large, qualitative differences in a suite of display traits including bower structure and decorations. We experimentally demonstrate distinct male decoration color preferences within each population, provide direct evidence of female preferences for divergent decoration and bower traits in the population with more elaborate display, and show that there is minimal genetic differentiation between these populations. These results support the speciation by sexual selection hypothesis and are most consistent with the hypothesis that changes in male display have been driven by divergent female choice.

Quelle: Sexual selection drives rapid divergence in bowerbird display traits

Hier wurde also untersucht, wie sich innerhalb der Art verschiedene Vorlieben durch die weibliche Selektion herausgebildet haben.

Male satin bowerbirds often destroy the bowers of other males. Bowers are a key element in male sexual display and their destruction represents a unique pattern of sexual competition. For two mating seasons bowers of displaying males were continously monitored to produce a complete record of bower destructions. The number of destructions at bowers and the amount of destruction of bowers were invesely correlated with bower quality. The best predictor of male bower destroying behaviour is male aggressiveness at feeding sites. Males directed most destructions at adjacent bower sites. These results show that male interactions are important in determining differences in the quality of display among male satin bower-birds, and are consistent with the view that females use bowers as indicators of male quality in mate choice.

Quelle: Bower destruction and sexual competition in the satin bowerbird (Ptilonorhynchus violaceus)

Hier hat man dann die Gegenseite: Wenn der schönste Bau die Herzen der Damen erobert, dann muss man zum einen einen solchen Bau errichten, aber gleichzeitig darauf achten, dass andere Männchen keinen schöneren haben. Zudem kann es einfacher sein, seinem Nachbarn einfach alle Materialien mit gleicher Farbe zu klauen statt sie selbst zusammenzusuchen. Was wiederum auch bedeutet, dass ein Männchen mit einem schönen Bau sich zudem noch gegen andere durchsetzten kann und seinen Bau verteidigen kann (Was wiederum ein Zeichen guter Gene ist)

Interessant ist auch, wie ausgereift die Bautechnik teilweise ist:

Sexual selection studies normally compare signal strengths, but signal components and sensory processing may interact to create misleading or attention-capturing illusions. Visual illusions can be produced by altering object and scene geometry in ways that trick the viewer when seen from a particular direction. Male great bowerbirds actively maintain size-distance gradients of objects on their bower courts that create forced-perspective illusions for females viewing their displays from within the bower avenue. We show a significant relationship between mating success and the female’s view of the gradient; this view explains substantially more variance in mating success than the strength of the gradients. Illusions may be widespread in other animals because males of most species display to females with characteristic orientation and distance, providing excellent conditions for illusions.

Quelle:  Illusions Promote Mating Success in Great Bowerbirds

Aus der Wikipedia noch dazu:

The most notable characteristic of bowerbirds is their extraordinarily complex courtship and mating behaviour, where males build a bower to attract mates. There are two main types of bowers. One clade of bowerbirds build so-called maypole bowers, which are constructed by placing sticks around a sapling; in some species, these bowers have a hut-like roof. The other major bowerbuilding clade builds an avenue type-bower made of two walls of vertically placed sticks. In and around the bower, the male places a variety of brightly colored objects he has collected. These objects — usually different among each species — may include hundreds of shells, leaves, flowers, feathers, stones, berries, and even discarded plastic items, coins, nails, rifle shells, or pieces of glass. The males spend hours arranging this collection. Bowers within a species share a general form but do show significant variation, and the collection of objects reflects the biases of males of each species and its ability to procure items from the habitat, often stealing them from neighboring bowers. Several studies of different species have shown that colors of decorations males use on their bowers match the preferences of females.

Uy and collaborators[who?] have shown that mate-searching females commonly visit multiple bowers, often returning to the male several times, watching his elaborate courtship displays and inspecting the quality of the bower and tasting the paint the male has placed on the bower walls[dubious – discuss]. Many females end up selecting the same male, and many under-performing males are left without copulations. Females mated with top-mating males tend to return to the male the next year and search less.

Man sieht an diesen Vögeln, dass eine genetisch vorgegebene Verhaltensweise – baue einen möglichst guten Bau bzw Wähle das Männchen mit dem besten Bau – entstehen kann und dann durch Lernen, Kopieren und Übung eine Fertigkeit erworben wird, diese Punkte umzusetzen. Man könnte hier von einer Bauwerk-Kultur sprechen, die aber deutliche biologische Wurzeln hat und insoweit nur Teile der Umsetzung betrifft

Nochmal: Berufswahl von Frauen

Ein Artikel in der Welt, der die Berufswahl der Geschlechter behandelt:

Erst einmal die folgende Grafik:

nachgefragte Lehrstellen

1 nachgefragte Lehrstellen

Wie man sieht gibt es recht wenig Überschneidungen.

Aus dem Text:

Das beginnt schon bei der Berufswahl: Während es die Mädchen in die Friseursalons, in Krankenhäuser oder Grundschulen drängt, bevorzugen die Jungs Fabriken, Baustellen und Forschungslabore. In den zukunftsträchtigen Studiengängen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, den sogenannten MINT-Fächern, sind die männlichen Studenten weiterhin fast unter sich.

Dass die Berufswahl sehr stereotyp verläuft scheint man mir recht umfassend so zu sehen. Die Fragen ist eben, woran das liegt. Der Feminismus wird sagen, dass dies eben an den Geschlechterrollen liegt, die die Mädchen und Jungs eben in bestimmte Richtungen beeinflusst.

Dazu aus dem Text:

Dabei versuchen Wirtschaft und Politik seit vielen Jahren, die Mädchen für solche Männerdomänen zu begeistern, schließlich fehlt gerade in den Technik- und Ingenieursberufen der Nachwuchs.

Doch Arbeitgeber und Gleichstellungspolitiker sind gleichermaßen frustriert darüber, dass weder der alljährliche Girls‘ Day, bei dem Mädchen in Männerberufe hineinschnuppern, noch andere Aufklärungskampagnen oder Berichte über bessere Verdienstchancen die Jobpräferenzen der Frauen entscheidend verändert haben. Die Mädchen wollen kreativ sein oder sich in sozialen Berufen engagieren, aber keinen Blaumann anziehen.

Und zu den Gründen, warum Frauenjobs häufiger schlecht bezahlt werden:

In der Industrie kann durch Investitionen in neue Maschinen und Technologien die Produktivität des einzelnen Mitarbeiters ständig gesteigert werden, was wiederum Spielraum für Lohnsteigerungen schafft. In den sozialen Berufen sind dagegen die Möglichkeiten, Effizienzreserven durch technischen Fortschritt zu heben, naturgemäß begrenzt.

Eine Pädagogin, die heute 25 Kinder unterrichtet, wird nicht in zehn Jahren 40 Schüler in der Klasse haben, und die Krankenschwester kann gleichfalls nicht mit der nötigen Sorgfalt immer mehr Patienten versorgen.

Kräftige Gehaltssteigerungen für Krankenschwestern oder Lehrer hätten somit automatisch einen Kostenschub in den öffentlichen Haushalten zur Folge. Im Klartext: Die hohen Löhne in exportorientierten Industrien treffen zum großen Teil die Käufer in anderen Ländern, während wir die von Gerechtigkeitsaposteln verlangten Gehaltssteigerungen für Pflegekräfte oder Erzieher voll aus eigener Tasche zahlen müssten, sei es über höhere Steuern oder steigende Sozialabgaben.

In der Tat kann die Industrie eher die Löhne erholen, solange sie die Kosten weitergeben kann. Dies ist bei staatlichen Jobs zumindest schwieriger.

Zu der Freiwilligkeit der Berufswahl heißt es:

Weil die Frauen schlechter bezahlte Jobs hätten, sei die Arbeitsteilung in den Familien von vornherein klar, und die Mütter übernähmen nach einer längeren Babypause automatisch die Position der Hinzuverdienerin, monieren die Feministinnen. Sie wähnen ihre Geschlechtsgenossinnen in der „Teilzeitfalle“.

Dass ein großer Teil der Eltern angibt, dass genau dieses Familienleben ihrem Ideal entspricht, ficht die selbst ernannten Modernisierer keinesfalls an. Es sei die Gesellschaft, die den Mädchen von klein auf ein überkommenes Rollenverständnis eintrichtere, lautet ihr Argument.

Deshalb halten es die Vorkämpfer der Gleichstellung durchaus für politisch legitim, die Frauen auch gegen deren Willen auf den vermeintlich richtigen Weg zu führen. Frauen sollen gefälligst wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen, lautet die Parole.

Eine so klare Parole wäre ja fast schon was. Tatsächlich wird ja häufig Wahlfreiheit vertreten, es sollen aber trotzdem genau so viele Frauen wie Männer in Führungspositionen vertreten sein.

Selbermach Samstag XXX

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Spieletheorie und Evolutionäre Spieltheorie

Eine der besten Ansätze Interaktionen von Personen (oder Lebewesen) zu verstehen ist aus meiner Sicht die Spieletheorie.

Sie erlaubt es, die Interessen der einzelnen Personen zu beschreiben und ihr Vorgehen strategisch zu analysieren. Häufig ergeben sich aus diesen Analysen Erklärungen, auf die man nicht ohne weiteres kommt, die aber den Ausgang einer bestimmten Situation bestimmen können.

Natürlich sind der Spieletheorie Grenzen gesetzt: Die haargenaue Aufschlüsselung aller möglichen Interessen und Nutzen ist bei vielen Alltagsentscheidungen kaum möglich und Menschen verhalten sich eben auch deswegen scheinbar irrational.

Meiner Meinung nach wäre eine umfassende Betrachtung des Geschlechterverhältnisses nach diesen Regelungen sehr interessant. Eine solche Aufarbeitung gibt es meiner Meinung nach noch nicht.

1. Spiele

Hier eine Kurzdarstellung einiger Spiele, mit denen man sich aber auf alle Fälle auseinandersetzen sollte:

a) Gefangenendilemma (Prisoners Dilemma)

Zwei Gefangene werden verdächtigt, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Beide Gefangene werden in getrennten Räumen verhört und haben keine Möglichkeit, sich zu beraten bzw. ihr Verhalten abzustimmen. Die Höchststrafe für das Verbrechen beträgt sechs Jahre. Wenn die Gefangenen sich entscheiden zu schweigen (Kooperation), werden beide wegen kleinerer Delikte zu je zwei Jahren Haft verurteilt. Gestehen jedoch beide die Tat (Defektion), erwartet beide eine Gefängnisstrafe, wegen der Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden jedoch nicht die Höchststrafe, sondern lediglich von vier Jahren. Gesteht nur einer (Defektion) und der andere schweigt (Kooperation), bekommt der erste als Kronzeuge eine symbolische einjährige Bewährungsstrafe und der andere bekommt die Höchststrafe von sechs Jahren.

Hier sieht man das Dilemma: die sicherste Strategie für beide ist es den anderen zu verraten, weil man damit das geringste Risiko eingeht. Würden aber beide Zusammenarbeiten und Schweigen, dann würden beide einen Vorteil haben (2 Jahre Knast). Diesen können sie aber nur durch Vertrauen haben, was leicht ausgebeutet werden kann (wenn einer schweigt, dann kann der andere ihn verraten und ein Jahr bekommen, verraten aber beide sich jeweils, dann bekommen sie vier, was besser ist als sechs).

Das ist der Grund, warum Verbrechersyndikate zusätzliche Kosten einbauen („wer singt, wird umgebracht“), was dann wieder mit Zeugenschutzprogrammen zu verhindern versucht wird. Das Spiel zeigt sich aber auch in vielen anderen Bereichen und ist das Grundproblem, warum sich Kooperation nur schwer entwickelt.

b) Ultimatumspiel

Einem Akteur A1 wird ein Gut c (z.B. Geld) zur Verfügung gestellt. Hiervon muss er einen Teil s wählen (0\le s \le c) und einem anderen Akteur A2 anbieten. Lehnt dieser den ihm angebotenen Teil ab, so muss auch A1 auf seinen Teil verzichten und beide gehen leer aus. Nimmt A2 an, so erhält er das Angebot s und A1 erhält den Rest c-s.

Das interessante an dem Spiel ist, dass es sich rein logisch bei einem einmaligen Spiel schlichtweg nicht lohnt viel anzubieten. Selbst wenn man von 10 € einen Cent anbietet, dann erhält derjenige, der ablehnt, immer noch einen Cent mehr als er bei einer Ablehnung erhalten würde. Seine beste Strategie wäre es, immer anzunehmen. Tatsächlich zeigt sich aber, dass die meisten Menschen Angebote ablehnen, bei denen der Anbietende einen übergroßen Teil behält. Weswegen viele Anbietende die Hälfte anbieten, was dann angenommen wird.

Dieses Spiel zeigt aus meiner Sicht, dass wir biologisch nicht auf einmalige Interaktionen ausgelegt sind bzw. biologisch immer den Ruf im Kopf haben, man also befürchtet, für jemanden gehalten zu werden, den man leicht ausnehmen kann. Dieses Interesse ist ein zusätzlicher Faktor aus unserer Biologie, der es für uns logischer macht in einer Bestrafung für das schlechte Angebot zu investieren und dafür selbst nichts zu bekommen.

c) Feigling Spiel („Chicken)

zwei Sportwagen fahren mit hoher Geschwindigkeit aufeinander zu. Wer ausweicht, beweist damit seine Angst und hat das Spiel verloren. Weicht keiner aus, haben beide Spieler zwar die Mutprobe bestanden, ziehen jedoch daraus keinen persönlichen Nutzen, weil sie durch den Zusammenprall ihr Leben verlieren.

Das Spiel ist im Prinzip eine Form des kalten Krieges oder die Cuba-Krise. Wer zuerst aufgibt, verliert.

Insbesondere die Grenzen und die Art und Weise, wie man das Spiel gestalten kann, sind dabei interessant:

Wenn das Spiel mit dem Untergang in der Realität gespielt wird, haben die Spieler mehr als nur zwei Optionen (Strategien). So stehen sie nicht einfach vor der Entscheidung weiterzufahren oder auszuweichen, sondern sie können z. B. zu verschiedenen Zeitpunkten ausweichen. Des Weiteren kann ein gleichzeitiges Ausweichen in die gleiche Richtung auch zu einer Kollision führen. Außerdem haben sie vielleicht die Möglichkeit, vor der eigentlichen Mutprobe Handlungen auszuführen, die das Verhalten des Gegners beeinflussen, indem sie beispielsweise versuchen, den Gegner davon zu überzeugen, dass sie selbst keinesfalls ausweichen werden. Das könnte über eine glaubwürdige Selbstbindung geschehen: Wenn es einem der Mitspieler gelingt, die Auszahlungen so zu verändern, dass für ihn ausweichen in jedem Fall zu einem niedrigeren Nutzen führt als weiterfahren (weiterfahren als dominante Strategie), dann ist seine Ankündigung, in jedem Fall weiterzufahren, glaubwürdig. Sein Gegner kann sich sicher sein, dass sein (rationaler) Mitspieler seine Ankündigung wahr machen wird. Etwas konkreter könnte einer der Spieler so überlegen: „Nur wenn ich den anderen davon überzeugen kann, dass mein Auto z. B. explodiert, sobald ich nach links oder rechts steuere, ist meine Drohung glaubwürdig und der andere kann die beste Antwort (best response) auf meine Strategie wählen, was in diesem Fall dann vermutlich ein Ausweichen wäre.“ Ein anderes Beispiel wäre: Wenn einer der Spieler vor der Fahrt eine Flasche Wodka leert, die Sonnenbrille aufsetzt und dann während der Fahrt das Lenkrad aus dem Fenster wirft, macht er dem anderen damit deutlich klar, dass er nicht mehr ausweichen kann. Stanley Kubrick deutet mit der Weltvernichtungsmaschine eine solche Möglichkeit für die Nuklearstrategie eines Staates in seinem Film Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (von 1964) an. Allerdings wurde diese Weltvernichtungsmaschine zu lange geheim gehalten und damit für diese Strategie unwirksam. Wenn diese Möglichkeit der glaubwürdigen Selbstbindung explizit in ein symmetrisches, mehrstufiges Modell eingebaut wird, bei dem beide Spieler vor dem eigentlichen Rennen die Auszahlungen entsprechend beeinflussen können, gibt es allerdings wieder zwei (nicht symmetrische) Nash-Gleichgewichte: Spieler 1 bindet sich glaubwürdig, weicht nicht aus, Spieler 2 weicht aus; Spieler 2 bindet sich glaubwürdig, weicht nicht aus, Spieler 1 weicht aus. Diese Komplizierung des Modells hilft also nicht, eine eindeutige Lösung des Spiels zu bestimmen.

Hier kann man sehen, dass Signale und Zeichen oder Selbstbindungen in diesem Bereich neue Spielmöglichkeiten geben. Dazu, dass wir mit unseren Emotionen teilweise solche Signale setzen, hatte ich bereits etwas geschrieben.

d) Wiederholtes Gefangenendilemma

Beim Gefangenendilemma, dass man nicht nur einmal spielt, sondern immer wieder, kann das bisherige Verhalten als Basis genommen werden um zukünftiges Verhalten zu berechnen. Aber auch hier droht im Prinzip das gleiche Dilemma. Es kann aber mittels verschiedener Strategien daraus ausgebrochen werden, zB Tit for Tat:

In der Spieltheorie bezeichnet Tit for Tat die Strategie eines Spielers, der in einem mehrperiodigen Spiel im ersten Zug kooperiert (sich „freundlich“ verhält) und danach genauso handelt wie der Gegenspieler in der jeweiligen Vorperiode. Hat der Gegenspieler zuvor kooperiert, so kooperiert auch der Tit for Tat-Spieler. Hat der Gegenspieler in der Vorrunde hingegen defektiert („unfreundlich“ reagiert), so antwortet der Tit for Tat-Spieler zur Vergeltung ebenfalls mit Defektion.[3] Die von Anatol Rapoport formulierte Tit for Tat-Strategie beinhaltet nicht nur das gerade dargestellte Prinzip der Reziprozität bzw. des Talions („Auge um Auge, Zahn um Zahn: Tue anderen so, wie sie dir getan haben“[4]), sondern der beschränkten Vergeltung, um Strafen gering und Belohnung hoch zuhalten, unabhängig davon, wie das Gegenüber sich verhält. Die Strategie hat außerdem die Regel, zu Beginn einer Interaktion auf jeden Fall kooperativ zu handeln. Tit for Tat ist daher eine freundliche Strategie. Wenn zwei Tit for Tat-Spieler aufeinander treffen, kooperieren sie immer. Das Potenzial der Tit for Tat-Strategie wurde in einem vielbeachteten Computer-Experiment von Robert Axelrod deutlich. Dabei bat Axelrod Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, ihm Strategien mitzuteilen, die in Form von Verhaltensregeln die Entscheidungen innerhalb eines wiederholten Gefangenendilemmas bestimmen sollten. Mit diesen Strategien simulierte Axelrod ein Turnier, bei dem jeder Spieler wiederholt gegen jeden anderen antrat. Unter verschiedenen Versuchsbedingungen setzte sich immer wieder Tit for Tat als eine der erfolgreichsten Strategien durch.[3] In einem wiederholten Gefangenendilemma über mehrere Runden kann ein Spieler mit der Anwendung der Tit for Tat-Strategie nie besser abschneiden als der jeweilige Gegenspieler, da ja immer dessen Züge nachgemacht werden. Der maximale Rückstand auf den Gegenspieler ist dafür verhältnismäßig klein. Wenn der andere ebenfalls Tit for Tat spielt (oder eine andere Strategie, die auf Freundlichkeit immer freundlich reagiert), entsteht kein Rückstand, da dann beide Spieler genau gleichmäßig Kooperationsgewinne einstreichen. In einem Spiel mit mehreren Mitspielern dagegen schneidet man in vielen Fällen besser ab als Spieler mit anderen Strategien, da sich dort Kooperation bezahlt macht, die Tit for Tat-Strategie sich aber zugleich nicht „ausbeuten“ lässt. Die Strategie „Kooperiere immer“ schneidet hingegen bei unfreundlichen Gegenspielern oder in gemischten Interaktionsgruppen deutlich schlechter ab, da sie sich ausbeuten lässt.

Wer sich diese Probleme bewußt macht, der versteht, warum die Entwicklung von Kooperation bestimmte menschliche Verhaltensweisen geformt hat. Wir spielen in gewisser Weise kompliziertere Versionen von Tit for Tat, wobei wir unsere Strategie noch nach bestimmten Informationen und auch unserer Kultur anpassen. Wir sind üblicherweise freundlich, gerade gegenüber der Ingroup, aber auch gegenüber Fremden, sofern diese nicht als feindlich eingeschätzt werden (man also meint, dass sie eh „Defekt“ spielen werden). Wir sind um unseren Ruf besorgt, weil man mit Leuten, die den Ruf haben zu defekten nicht spielen will. Wir setzen Vertrauenszeichen unseres guten Willens etc.

2. Evolutionäre Spieltheorie

Interessant ist in dieser Hinsicht natürlich auch die evolutionäre Spieltheorie.:

In der evolutionären Spieltheorie suchen die Spieler keine Lösung. Diejenigen, die eine weniger erfolgreiche Strategie haben, scheiden ganz einfach aus der Population im Laufe der Zeit aus. Dies bedeutet, dass diese Theorie mit einem extrem beschränkt rationalen Entscheidungsverhalten startet. Es bleibt jedoch insofern rational, als der Anteil von Spielern mit einer erfolgreichen Strategie wächst. Die Rationalitätslösung ergibt sich somit nicht aus der Voraussicht rationaler Akteure, sondern ist Folge eines Selektionsmechanismus. Dies kann als Lernen interpretiert werden. Dieses Lernen findet dann aber auf der Ebene der gesamten Population der Spieler statt. Über das Lernen eines bestimmten Spielers werden dabei jedoch keine Aussagen getroffen. Auch die bewusste Wahl einer Strategie in dem Wissen um Interaktion mit anderen Spielern steht in der evolutionären Spieltheorie ganz im Hintergrund. Stattdessen haben die Spieler im evolutionären Kontext automatenhaft bestimmte Verhaltensmuster und die zentrale Frage zielt darauf ab, welche Verhaltensmuster in welchem Ausmaß im Spiel ‚überleben‘ und welche neuen Verhaltensmuster (Strategien) in das Spiel erfolgreich eindringen können.

Das die Selektion auch nach den Regeln der Spieletheorie erfolgt erscheint logisch: Wer über Gene ein Verhalten  bewirkt, welches den Genträger eine besonders sichere Strategie verfolgen läßt, dessen Gene kommen in die nächste Generation und reichern sich dort an.

So gesehen ist das Spiel der Konkurrenzkampf darum, möglichst viele Kopien der eigenen Gene in den Genpool zu bringen, wer die meisten Kopien dauerhaft unterbringt gewinnt und ein aktives Spielen ist insofern nicht erforderlich. Es kann beispielsweise eine erfolgreiche Strategie sein, einen Mann Status aufbauen zu lassen, weil Status ein nicht leicht zu fälschendes Signal ist und damit beiderseitige Vorteile bestehen können: Wer Status aufbaut, kann seine Fitness darstellen. Und Frauen, die das Signal attraktiv finden, erhalten tatsächliche Informationen über den potentiellen Partner. Es kann auch Vorteilhafter für Männer sein, sexuelles Interesse von Frauen zu überschätzen und für Frauen, sexuelles Interesse zu unterschätzen etc.

3. Weiteres zur Spieletheorie in der Biologie

Einige interessante Angaben gibt es auch noch in der Wikipedia

The payoffs for games in biology, unlike those in economics, are often interpreted as corresponding to fitness. In addition, the focus has been less on equilibria that correspond to a notion of rationality and more on ones that would be maintained by evolutionary forces. The best known equilibrium in biology is known as the evolutionarily stable strategy (or ESS), and was first introduced in (Smith & Price 1973). Although its initial motivation did not involve any of the mental requirements of the Nash equilibrium, every ESS is a Nash equilibrium.

In biology, game theory has been used to understand many different phenomena. It was first used to explain the evolution (and stability) of the approximate 1:1 sex ratios. (Fisher 1930) suggested that the 1:1 sex ratios are a result of evolutionary forces acting on individuals who could be seen as trying to maximize their number of grandchildren.

Additionally, biologists have used evolutionary game theory and the ESS to explain the emergence of animal communication (Harper & Maynard Smith 2003). The analysis of signaling games and other communication games has provided insight into the evolution of communication among animals. For example, the mobbing behavior of many species, in which a large number of prey animals attack a larger predator, seems to be an example of spontaneous emergent organization. Ants have also been shown to exhibit feed-forward behavior akin to fashion, see Butterfly Economics.

Biologists have used the game of chicken to analyze fighting behavior and territoriality.[citation needed]

Maynard Smith, in the preface to Evolution and the Theory of Games, writes, „paradoxically, it has turned out that game theory is more readily applied to biology than to the field of economic behaviour for which it was originally designed“. Evolutionary game theory has been used to explain many seemingly incongruous phenomena in nature.[19]

One such phenomenon is known as biological altruism. This is a situation in which an organism appears to act in a way that benefits other organisms and is detrimental to itself. This is distinct from traditional notions of altruism because such actions are not conscious, but appear to be evolutionary adaptations to increase overall fitness. Examples can be found in species ranging from vampire bats that regurgitate blood they have obtained from a night’s hunting and give it to group members who have failed to feed, to worker bees that care for the queen bee for their entire lives and never mate, to Vervet monkeys that warn group members of a predator’s approach, even when it endangers that individual’s chance of survival.[20] All of these actions increase the overall fitness of a group, but occur at a cost to the individual.

Evolutionary game theory explains this altruism with the idea of kin selection. Altruists discriminate between the individuals they help and favor relatives. Hamilton’s rule explains the evolutionary reasoning behind this selection with the equation c<b*r where the cost (c) to the altruist must be less than the benefit (b) to the recipient multiplied by the coefficient of relatedness (r). The more closely related two organisms are causes the incidences of altruism to increase because they share many of the same alleles. This means that the altruistic individual, by ensuring that the alleles of its close relative are passed on, (through survival of its offspring) can forgo the option of having offspring itself because the same number of alleles are passed on. Helping a sibling for example (in diploid animals), has a coefficient of ½, because (on average) an individual shares ½ of the alleles in its sibling’s offspring. Ensuring that enough of a sibling’s offspring survive to adulthood precludes the necessity of the altruistic individual producing offspring.[20] The coefficient values depend heavily on the scope of the playing field; for example if the choice of whom to favor includes all genetic living things, not just all relatives, we assume the discrepancy between all humans only accounts for approximately 1% of the diversity in the playing field, a co-efficient that was ½ in the smaller field becomes 0.995. Similarly if it is considered that information other than that of a genetic nature (e.g. epigenetics, religion, science, etc.) persisted through time the playing field becomes larger still, and the discrepancies smaller.

Ich denke, dass diese Theorien noch eine hohe Bedeutung haben werden. Mit ihnen lassen sich bestimmte eovlutionäre Vorgänge nachvollziehen. Ich denke auch, dass wir viele Verhalten haben, die nur vor dem Hintergrund zu erklären sind, dass sie auf bestimmte Strategien abstellen.

Männergesundheitsbericht 2013 und psychische Gesundheit

Im Männergesundheitsbericht 2013 geht es um die psychische Gesundheit. Ein Bericht zu den Ergebnissen:

Die Sozialwissenschaftlerin von der Psychiatrischen Klinik der Universität München präsentierte am Mittwoch, zusammen mit einem Team von Autoren, den Männergesundheitsbericht 2013 mit dem Schwerpunkt psychische Gesundheit. Verantwortlich für die Studie zeichnet die Stiftung Männergesundheit, die Deutsche Krankenversicherung DKV unterstützte sie ideell und finanziell. Fazit der Untersuchung ist: Psychische Störungen bei Männern sind unterschätzt, unterdiagnostiziert und unterbehandelt.

Zu den näheren Zahlen:

Auf Platz eins der psychischen Störungen bei Männern stehen die Depressionen, gefolgt von Suchterkrankungen und Angstzuständen. Am Beispiel der Depressionen lasse sich die Unterversorgung gut verdeutlichen, heißt es in der Studie. In Deutschland haben demnach 9 Prozent der Männer, also 3,6 Millionen, eine ärztlich festgestellte Depression. Bei Frauen liege dieser Anteil deutlich höher. Allerdings deute sowohl die bei Männern zunehmende Zahl von Suiziden und Suizidversuchen als auch der rasante Anstieg der Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Probleme auf eine hohe Dunkelziffer hin.

Und zu den Gründen der Unterbehandlung:

Dass schätzungsweise 60 bis 90 Prozent der betroffenen Männer unbehandelt bleiben, hat nach Ansicht des Autorenteams vor allem mit der Angst vor Stigmatisierung zu tun. „Wenn Männer in seelischer Not sind, wird ihnen oft gesagt, sie sollen sich zusammenreißen, dann würde es schon wieder gehen“, sagte Matthias Stiehler, Mitherausgeber des Reports und psychologischer Berater im Gesundheitsamt Dresden. Zudem seien Präventionsangebote häufig nur auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten. Für Männer müsse es mehr spezielle Angebote geben, etwa am Arbeitsplatz, in Schulen, beim Sport oder auch im Internet.

Die Angst der Stigmatisierung ist gerade vor dem Hintergrund der Bedeutung von Stärke und Status im Rollenbild des Mannes gut erklärbar, auf die evolutionären Hintergründe dazu bin ich ja bereits häufiger eingegangen. Ich würde vermuten. dass auch viele Männer selbst eine solche Behandlung ablehnen und davon ausgehen sich zusammenreißen zu können, was eine Behandlung dann noch weiter erschwert.

Auch die Symptome sind interessant:

Tatsächlich äußern sich depressive Symptome bei Männern oft anders als bei Frauen. „Frauen klagen über Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit, bei Männern zeigt sich die Krankheit eher durch erhöhte Aggressivität oder Hyperaktivität, Alkoholmissbrauch oder zwanghaftes sexuelles Verlangen“, fasste Anne Maria Möller-Leimkühler zusammen.

Wäre interessant zu wissen, woran das liegt.