Feministische Liebesromane und Dominanz

Ein Artikel bespricht feministische Liebesromane. Nach einigen Ausführungen zu Heldinnen, die aktiv die Story gestalten und Sex, bei dem die Frauen aufblühen und ihre Sexualität ausleben kommt eine interessante Stelle:

Grant echoes that romance novels have the ability to not only turn their readers on but, in fact, show their readers what exactly turns them on: „romance (being written by women as it is) is a way for women to explore what we’d like sex to look like, and to define sexual success or validation for ourselves.“

Still, there continue to be romance novels published where consent between the main characters is fuzzy. Robin Lynne, a scholar who writes on romance at the site Dear Author, argues that we should not see this as a failure of the genre but rather how it reflects the ambiguity of real life. „Women struggle with our sense of physical vulnerability, in some instances every day. So why would it be a surprise that a genre consumed by intimate relationships between men and women would not also be consumed by the issue of sexual force (and other types of emotional and physical coercion).“ This is complicated by the fact that a fair amount of women find sexually dominant men to be titillating. And almost any romance author you speak to about the genre will quickly tell you that what they write is not true life but a fantasy. The critical space between what one reads and likes and what one actually does is something that critics of the genre must remember, especially because their own policing of women’s desires is the product of the patriarchal system they are trying to criticize. MacLean argues that „we have to give ourselves permission as women to have fantasies. We aren’t saying that men should threaten sexual dominance or harassment or abuse. But it’s okay if we, at some point, find the idea of that threat hot.“ In a society that often wants to boil women’s sexual experiences into the polar opposites of purity or sluttiness, romance novels, even when we may as individuals judge their plots to be problematic, are the largest cultural space available for women to read about and imagine their own sexual fantasies.

Schon interessant in einem Artikel über feministische Romane etwas über die Vorliebe vieler Frauen für dominante Männer zu lesen. Passend dazu finde ich allerdings einen Kommentar unter dem Artikel:

Feminists who abhor any male boldness and those who „get hot“ to it need to decide which message they want to send men as they control the conversation. As always, we are used to mixed signals, but this one is unacceptable to relations between the sexes. Men want to fulfill fantasies yet have been specifically and routinely (from school through workplace) taught to avoid any association with sexual boldness.

Aus meiner Sicht wesentlich stimmiger innerhalb der feministischen Theorie: Wer meint, dass solche Dominanz bestimmte Rollenbilder stärkt und die Rape Cultur stützt, der kann eben auch nicht über solche Bücher das Signal senden, dass so etwas sexy ist.

Leider aber ist es nun einmal sexy für viele Frauen. Und insofern sieht man wahrscheinlich gerne über die eigentliche Unstimmigkeit mit feministischen Thesen hinweg

21 Gedanken zu “Feministische Liebesromane und Dominanz

  1. @ Christian

    Wollte mich ja fast schon freuen über eine vernünftige Feminist.I.n, die in den Spiegel schaut und tatsächlich WAHRnimmt.

    Dann aber, natürlich, das:

    * especially because their own policing of women’s desires is the product of the patriarchal system *

    Schuld an Negativem ist IMMER der Mann oder das Männliche oder das Patriarchat.

    Selbst bei einer Feminist.I.n , die zur Kenntnis nimmt, das viele (ich würde sagen sehr viele, die große Mehrheit von Frauen, nicht unbedingt von Feminist.I.nnen, die ja oft sehr „männliche“ Frauen sind) dominante Männer bevorzugt, ist das so.

    Das hat natürlich auch gesellschaftsweite Auswirkungen.

    Wer im Bett erfolgreich dominiert, Dominanzlust erfährt und mit weiblicher Lust (Hingabelust, Unterwerfungslust) belohnt wird, wird nicht plötzlich zum Schoßhündchen, wenn er das Schlafzimmer verlässt und in’s Büro/an den Arbeitsplatz geht.

    Die gleichen Persönlichkeitsmerkmale, die einen Mann zum erfolgreichen, dominanten Liebhaber machen, wirken auch im Alltagsleben, lassen sich nicht einfach abstellen.

    Umgekehrt: Wer es genießt, im Bett, beim Sex, dominiert zu werden, sich hinzugeben, der wird nicht außerhalb des Schlafzimmers plötzlich zur dominanten Führungspersönlichkeit, zum aggressiv seine Ziele verfolgenden Menschen.

    Das hat natürlich auch „Züchtungsfolgen“.

    Wenn vor allem eher dominante Männer die Gina tingeln lassen, pflanzten sich über Generationen dominante Männer besser fort als weniger dominante und verbreiteten so die Genmuster, die dominierende Persönlichkeitsmerkmale entstehen lassen, vor allem bei Männern (weil’s denen bei der Fortpflanzung hilft, mehr als Frauen).

    Umgekehrt der Effekt bei Frauen: Männer bevorzugen eher feminine, „kleinere“ Frauen (nicht nur körperlich – sind nicht so bedrohlich für den Mann, der ja „Leistung“ zeigen MUSS, sichtbar – entweder er steht seinen Mann oder er steht nicht), IM SCHNITT.

    So züchten Frauen eher dominante Männer und Männer eher submissive Frauen – Mühlsteine, die aufeinander laufen und sich gegenseitig formen.

    Wo der eine Rillen hat, hat der andere Grate und umgekehrt.

    • @Alexander

      Du schreibst:

      Umgekehrt: Wer es genießt, im Bett, beim Sex, dominiert zu werden, sich hinzugeben, der wird nicht außerhalb des Schlafzimmers plötzlich zur dominanten Führungspersönlichkeit, zum aggressiv seine Ziele verfolgenden Menschen.

      Kommentar:

      Hmmm, habe ich aber schon anders rum gehört, obwohl natürlich ohne Gewähr auf Repräsentativität: Aber man hört doch immer wieder, dass gerade Männer, die beruflich oben aus schwimmen (Führungsebenen), dann zu einer Domina gehen, um mal die Kontrolle abgeben zu können und den Underdog spielen zu können, ausgeliefert zu sein, sich unterwefen zu können. Ok, ist vielleicht ein Klischee, aber habe ich zumindest schon mehrmals gelesen.

      • Das dürfte wohl schon richtig sein. Aber zwischen einer domianten Partnerin fürs Leben und für die Kinder und gelegentlichen Besuchen bei einer Domina ist doch ein großer Unterschied.
        Ich würde auch so alle 1 bis 2 Monate gerne mal von meiner Freundin im Bett dominiert werden. Das kommt aber meistens dann vor, wenn ich sonst viel Stress im Alltag habe und mich gegen viele Probleme zur Wehr setzen muss. Aber im Allgemeinen bevorzuge ich doch kleinere, feminine Frauen und das Tonangeben im Bett.

      • @chomskyy

        Es ist mal wieder das alte Problem mit „digitalem“ Denken.

        NICHT ALLE MÄNNER WOLLEN DOMINIEREN, sondern viele wollen auch mal dominiert werden und viele eigentlich und eher dominante Männer wollen auch mal dominiert werden.

        Es ist keine Frage von Schwarz und Weiss, Ganz oder Gar-Nicht, sondern von Mehr und Weniger, Häufiger und Seltener.

        Wenn (meine Schätzung) rund 60 % der Männer eher dominant sind, sind immerhin 40 % der Männer eher submissiv, eine Menge Kunden für Dominas.

        Dazu noch die Männer, die zwar hauptsächlich dominant sind, aber gelegentlich auch ihre „weiblich-submissive“ Seite ausleben wollen.

        Aber gerade die Existenz von Dominas sagt ja etwas aus: dass das Dominanzangebot, dass es von Frauenseite gibt, das „umsonst“ zu haben ist, nicht ausreicht.

        Deshalb müssen Männer dafür zahlen.

        Daraus kann man schließen, dass entweder viel mehr Männer dominiert werden wollen als Frauen dominieren wollen/können oder, der Ansicht bin ich, dass tatsächlich das Angebot an dominieren-wollenden Frauen auf dem Partnermarkt so knapp ist, sie so selten sind, dass Männer diese Leistung einkaufen müssen.

        Umgekehrt gibt es keine Dominatoren, die davon leben könnten (und Dominas sind neben Luxuscallgirls die bestbezahlten Huren).

        Offenbar ist das Angebot an dominieren-wollenden und -könnenden Männern so groß, dass Frauen ihre Submissionssehnsüchte „umsonst“ stillen können mit ihrem Alltagslover.

        Weshalb kein Markt entsteht, auf dem Geld fließt.

        Meine Vermutung, dass auch Menschenmänner eher dominant sind und Menschenweibchen eher submissiv leitet sich u.a. daraus ab, was unter Säugetieren und Primaten die Regel ist.

        Wir sind nun mal Säugetiere und unsere Sexualverhalten lässt sich gut in ein Puzzle einordnen, indem Männchen um Weibchen sehr viel härter konkurrieren als umgekehrt Weibchen um Männchen, dadurch die Männchen allmählich größer und im Schnitt aggressiver werden als die Weibchen und das heißt eben auch dominanter.

        Und die Weibchen suchen sich sehr freiwillig die Paarung mit dem dominantesten verfügbaren Männchen aus – das wird bei Menschen über Lust gesteuert.

        • @ Korrektur

          *…das Angebot an dominieren-wollenden Frauen auf dem Partnermarkt so knapp ist, sie so selten sind, dass Männer diese Leistung einkaufen müssen, obwohl es viel weniger Männer als Frauen gibt, die hauptsächlich dominiert werden wollen.*

        • @Roslin: „Aber gerade die Existenz von Dominas sagt ja etwas aus: dass das Dominanzangebot, dass es von Frauenseite gibt, das “umsonst” zu haben ist, nicht ausreicht.“

          Diese Fakt muss nicht zwangsläufig mit Dominanz oder Submissivität zusammenhängen. Es geht vielmehr darum, dass es für Frauen generell einfacher ist, Sex umsonst zu bekommen als für Männer. Daher gibt es ja auch wesentlich weniger „normale“ männliche Prostituierte als weibliche.

    • @Roslin: „Wer im Bett erfolgreich dominiert, Dominanzlust erfährt und mit weiblicher Lust (Hingabelust, Unterwerfungslust) belohnt wird, wird nicht plötzlich zum Schoßhündchen, wenn er das Schlafzimmer verlässt und in’s Büro/an den Arbeitsplatz geht.“

      Das ein muss nicht zwangsläufig mit dem anderen Zusammenhängen. Es gibt sowohl Menschen, die im Bett dominant und im Alltag Schoßhündchen sind als auch den umgekehrten Fall und natürlich auch Leute, die immer dominant sind.

      Also bischen viel Klischee hier…

  2. Die Männer sind immer schuldig, an allem Bösem.
    Das kennen wir nun schon.
    Aber @ Christian, habe ich das richtig verstanden?
    Manchmal möchten Frauen dominiert werden
    und dann soll der Mann dominieren…..
    aber nur wenn und solange es der Frau auch recht ist?
    Das ist ja wie die Aufforderung: Sei spontan.

    • @ Buchstabenzähler

      *Manchmal möchten Frauen dominiert werden
      und dann soll der Mann dominieren…..
      aber nur wenn und solange es der Frau auch recht ist?*

      Ja, Frauen möchten oft geführt werden vom „starken“ Mann, dominiert werden.

      Aber eben nur dorthin und in der Form, wohin sie will, wie sie es will.

      In diesem Sinne bedeutet Dominanz ja gerade nicht, den Willen des anderen zu brechen.

      Das wäre Vergewaltigung.

      Aber es gibt hier eine gefährliche Grauzone des Überganges, wo lustvoll erlebtes Dominanzverhalten überschlägt in erlittene Vergewaltigungserfahrung.

      Weshalb man sich davor hüten sollte.

      • Wiiiie? Dominanz wäre Vergewaltigung?
        Ernsthaft?

        Dann ist mir allerdings einiges klar,
        nicht alles allerdings, aber immerhin 😉

      • @Roslin: „Aber eben nur dorthin und in der Form, wohin sie will, wie sie es will.

        In diesem Sinne bedeutet Dominanz ja gerade nicht, den Willen des anderen zu brechen.“

        In der Realität sieht die Sache doch nicht ganz so einfach aus. Natürlich ist es so, dass ein dominanter Mann seine Dominanz nur in bestimmten Grenzen ausleben kann. Aber im großen und ganzen ist es eher so, dass nicht die submissive Person bestimmt, wohin es geht. Das wäre echt merkwürdig…

        Und Willen brechen muss nicht immer mit illegalem Zwang zusammenhängen und demnach nicht zwangsläufig zu Vergewaltigung führen.

        • Dominanz hat in normalen
          Beziehungen nix mit Gewalt zu tun.
          Die Dominanz wird auch vom
          Partner nicht nur akzeptiert,
          sondern sogar gewollt und gesucht.
          Und es hat auch nix mit Willen
          brechen zu schaffen.
          Aber wem sag ich das?
          Roslin hat auch sicher das alles mit
          Rape vergleichen wollen, der wollte
          nur ein Spassecken machen 😉

        • Das hängt jetzt von der Definition von „Gewalt“ und „Willen brechen“ ab, wobei ich das Gefühl habe, dass wir da nicht unbedingt die gleiche haben…

          Was ist außerdem eine „normale“ Beziehung?

          Ja ich weiß, ich lege jedes Wort auf die Goldwaage, aber nur um sicher zu sein, dass wir uns richtig verstehen 🙂

        • Normal sind Beziehungen, wo Vergewaltigung nicht vorkommt,
          auch nicht als „Option B“.
          Auch keine Gewalt.

          Und Willen brechen, dazu ist
          eigentlich auch nix zu erklären?
          Dominanz zeigt sich daran, das
          der Dominante weiß was er will,
          kompetent ist und auch Verantwortung übernimmt.
          Dem Partner Hilfestellung gibt
          (starke Schulter), …….
          eben der Traum vieler Frauen.

        • Aber im großen und ganzen ist es eher so, dass nicht die submissive Person bestimmt, wohin es geht

          Richtig.
          Aber die der öffentlichen Meinung nach „angeblich unterdrückte/submissive Person“, also die Frau, bestimmt sehr oft, „wohin es geht“.
          Klischee-Beispiel: die Frau, der irgendwas nicht passt, die zu ihrem Mann sagt: „mach mal was dagegen!!!“

        • Nachtrag: ich bin erschreckt darüber und schäme mich da auch oft genug für mein Geschlecht, wenn ich darüber nachdenke, wie oft der Mann in solchen Dingen dann auch tatsächlich „springt“ (also wenn die Frau ihm sagt: „mach was“).

    • Die Männer sind immer schuldig, an allem Bösem.
      Das ist ja auch im Wesentlichen richtig 😉
      Die Kehrseit der Medaille ist, die Männer sind dann aber auch schuld an allem Guten 😉 Männer sind nun mal „die Täter“, „die Macher“ 😉

  3. Ich schätze, es gibt da auch einfach unterschiedliche Definitionen von Dominanz.
    In Liebesromanen bleibt der Mann niemals unzugänglich und die Frau schlecht und respektlos behandeln tut er schon garnicht.
    Er vergöttert sie, wenn schon nciht am Anfang, dann doch zum Ende des Buches hin, heiratet sie und sie bleiben ewig glücklich zusammen.
    Er kann gerne ein harter Kerl sein, aber immer nur im positiven, nicht bedrohlichen Sinne.

    Und noch dazu ist Dominanz im Bett etwas andere als Dominanz ausserhalb. Und wenn man das eine will, heisst das nicht dass man auch das andere will.

  4. „Aber im großen und ganzen ist es eher so, dass nicht die submissive Person bestimmt, wohin es geht“

    Natürlich.
    Zumindest beim Sex. Deshalb gibt es bei S/M Sachen ja auch sog. Safewords um jederzeit abbrechen zu können.

    Wenn jemand sagt, fessel mich und schlag mich, dann ist der Dominante ja im grudne nicht dominant bzw. er ist nur so dominant wie der Sub es erlaubt und tut nur das was der Sub sagt. Auch wenn die Handlung von der Dynamik her genau gegenteilig wirkt.
    Ansonsten ist man als Dominanter Part doch mit einem Bein im Knast.

    Und ausserhalb des Bettes ist es halt die Frage, wie hörig der Zu Führende ist. Lässt sich jemand der sich führen lässt, überallhin führen auch wenn es gegen die eigenen Vorstellungen geht oder wird dann gestoppt?
    Ich z.B kann ab und zu gerne folgen und muss nicht immer alles im griff haben und kontrollieren. Aber nur solange es halt ok für mich ist. Wenn ich der meinung bin, der Führer macht einen Fehler oder trifft eine falsche Entscheidung, dann mache ich nicht mehr mit.

  5. Pingback: „Frauen, hört endlich auf euch zu unterwerfen!“ | Alles Evolution

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