Feminismus und Kommunismus

Leser Leszek schreibt zu der Frage, welche Gemeinsamkeiten Kommunismus und Feminismus haben:

Ich schreibe mal auf, was mir spontan so einfällt. Da ich selbst kein Marxist bin, mag es sein, dass ich vieles übersehe, was einem überzeugten, theoretisch informierten Marxisten zu dem Thema noch alles einfallen würde. Jeder, der möchte, darf meine Ausführungen gerne ergänzen oder korrigieren.

Das erste Problem ist, was man hier unter dem Begriff „Marxismus“ verstehen soll: die Philosophie und Soziologie von Karl Marx oder das Weltbild bestimmter einflussreicher marxistischer Richtungen oder bestimmte marxistische Theorieelemente, die von der Mehrheit marxistischer Strömungen geteilt werden? Ich beziehe das mal alles potentiell mit ein und kennzeichne es entsprechend.

Der erste wesentliche Unterschied zwischen Marxismus und Genderfeminismus, hinsichtlich dessen fundamentale Unvereinbarkeit gegeben ist, ist die spezifische Sichtweise, nach der privilegierte und benachteiligte Gruppen bestimmt werden. Im klassischen Marxismus gibt es hierfür ein entscheidendes Kriterium: Das Verhältnis zu den Produktionsmitteln. Wer diese besitzt und kontrolliert, gehört zur herrschenden Kapitalistenklasse, wer dagegen keine Produktionsmittel besitzt und gezwungen ist seine Arbeitskraft zu verkaufen, gehört nicht dazu. (Auf genauere Ausarbeitungen und Differenzierungen von Marx Verständnis von Klassen gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein.) Die Kategorie „Geschlecht“ ist für die Zuordnung zur Gruppe der Privilegierten oder der Benachteiligten gänzlich irrelevant.

Es ist im Rahmen dieses Modells also völlig unmöglich Männer AN SICH der herrschenden Klasse zuzuordnen. Männer, die keine Produktionsmittel besitzen und gezwungen sind ihre Arbeitskraft zu verkaufen sind Teil der Arbeiterklasse, Frauen, die am Besitz von Produktionsmitteln teilhaben sind Teil der Kapitalistenklasse.

Es ist sicherlich möglich, durchschnittliche Unterschiede hinsichtlich der spezifischen Problemlagen von Männern und Frauen der Arbeiterklasse herauszuarbeiten, aber es ist NICHT möglich, eine Zuordnung zur Kapitalistenklasse oder zur Arbeiterklasse ausgehend von der Kategorie „Geschlecht“ vorzunehmen.

Das genderfeministische Verständnis von struktureller Ungleichheit, nach dem Männer an sich privilegiert, Frauen an sich benachteiligt sind, steht dem marxistischen Verständnis somit diametral entgegen. Im Genderfeminismus besitzt der in prekären Beschäftigungsverhältnissen schuftende Unterschichtsmann eine „patriarchale Dividende“ gegenüber der weiblichen Unternehmerin. Es sollte klar sein, wie absurd dies aus marxistischer Perspektive klingt.

Der Marxismus vertritt eine strukturell-soziologische Sichtweise auf den Kapitalismus. Die einzelnen Unternehmen stehen im Wettbewerb zueinander und müssen sich auf dem Markt behaupten. Das dahinter stehende Prinzip lautet: Wachse oder stirb. Jeder Unternehmer ist gezwungen Profite zu erwirtschaften, um sich gegenüber seinen Konkurrenten auf dem Markt behaupten zu können. Die Ausbeutung der Arbeiter resultiert nicht aus einer „bösen Gesinnung“ der Kapitalisten, sondern daraus, dass jeder Unternehmer darauf angewiesen ist, möglichst hohe Profite zu erwirtschaften, um im Rahmen des bestehenden Konkurrenzdrucks der Unternehmen untereinander, bestehen zu können.

Der einzelne Kapitalist handelt, so wie er handelt, nicht weil er „böse“, „gierig“, „antisozial“ wäre, sondern weil die soziologische Struktur des kapitalistischen Systems ihm keine andere Wahl lässt als Profitmaximierung oder Abstieg – so die Perspektive der marxistischen Kapitalismusanalyse und -kritik.

Solche Formen von Kapitalismuskritik, bei denen im Gegensatz dazu, die soziologische Struktur des kapitalistischen Systems nicht berücksichtigt wird, sondern stattdessen nur auf bestimmte Personen oder Gruppen geschimpft wird, werden im Marxismus und im „Neo-Marxismus“ abwertend als „verkürzte, regressive oder personalisierte Kapitalismuskritik“ bezeichnet. Manche Marxisten und „Neo-Marxisten“ verwenden hierfür auch den Begriff „strukturell antisemitisch“. Es gibt kaum etwas, womit man sich in marxistischen und „neo-marxistischen“ Kreisen unbeliebter macht, als eine solche rein „personalisierte Kapitalismuskritik“ zu vertreten, die ausschließlich auf bestimmte Personen oder Gruppen fixiert ist und dabei die strukturell-soziologische Funktionsweise des kapitalistischen Systems unberücksichtigt lässt.

Dem Genderfeminismus geht es hingegen darum, mittels Quoten mehr Frauen in Vorstände und Aufsichtsräte zu bringen. Aus marxistischer Perspektive kann genau daraus aber keine grundlegende Veränderung entstehen, da Frauen in diesen Positionen natürlich genau dem gleichen Zwang zur Profitmaximierung unterworfen sind wie Männer in diesen Positionen.

Das Geschlecht der Mitglieder der herrschenden Klasse ist aus marxistischer Perspektive völlig gleichgültig: die weibliche Unternehmerin ist genauso auf die Ausbeutung der Arbeiter angewiesen, um sich auf dem Markt behaupten zu können wie der männliche Unternehmer.

Die Position im Produktionsprozess bestimmt das Verhalten – nicht das Geschlecht.

Durch einen Austausch des Personals nach Geschlecht kann daher in marxistischer/“neo-marxistischer“ Perspektive keine Änderung der ökonomischen Verhältnisse entstehen.

Weiter unten entwirft Roslin eine Verschwörungstheorie, nach der Sozialisten/Marxisten/Neo-Marxisten ein bewusstes Interesse daran hätten mehr Frauen in Aufsichtsräte und Vorstände zu bringen, weil sie sich davon weniger Wettbewerb und Profitstreben und mehr Kooperation und Umverteilung erhoffen würden – also quasi eine Art Annähehrung an den Sozialismus von oben.

Man braucht schon einen nahezu vollständigen Mangel jeglicher Kenntnis marxistischer und „neo-marxistischer“ Literatur, um eine derart absurde, allen theoretischen Grundlagen marxistischen und „neo-marxistischen“ Denkens widersprechende Behauptung aufzustellen. Das Gegenteil von Roslins Annahme ist der Fall. Eine Sichtweise, nach der der Kapitalismus verbessert oder gar der Sozialismus eingeführt werden könne, indem man mehr Frauen in Aufsichtsräte und Vorstände bringt, würde in marxistischen/“neo-marxistischen“ Kreisen unverzüglich einen Vorwurf der „verkürzten, regressiven oder personalisierten Kapitalismuskritik“ oder des „strukturellen Antisemitismus“ nach sich ziehen. Personen, die so argumentieren würden, wie Roslin dies hier unterstellt, würden in marxistischen/“neomarxistischen“ Kreisen bestenfalls lächerlich gemacht, im Extremfall angefeindet. Was den strukturell-soziologischen Charakter ihrer Kapitalismuskritik angeht, nehmen es Marxisten und „Neo-Marxisten“ nämlich sehr genau.

Dass der Kapitalismus ein „gesellschaftliches Verhältnis“ darstellt, dass nicht durch Personalaustausch geändert werden kann, wird in marxistischen und „neo-marxistischen“ Kreisen vielmehr gerade als DIE große Errungenschaft marxistischer Kapitalismusanalyse gesehen. Die Annahme, man käme durch Frauenquoten dem Sozialismus näher ist daher fundamental antimarxistisch und widerspricht massiv den theoretischen Grundlagen und dem Identitätsgefühl sämtlicher marxistischer/“neo-marxistischer“ Strömungen. Es dürfte daher wohl weltweit keinen einzigen marxistischen oder „neo-marxistischen“ Theoretiker geben, bei dem ein solcher Gedankengang nachweisbar wäre. Und das ist auch ganz simpel der Grund dafür, dass bei diesen ganzen absurden verschwörungstheoretischen Behauptungen über Marxisten/“Neo-Marxisten“ von konservativer Seite nie eine präzise Quellenangabe gegeben wird, in welchem marxistischen oder „neo-marxistischen“ Text denn eine solche Position vertreten wird. Solche Quellenangaben werden nicht gegeben, weil es solche Quellen nicht gibt. Konservative Kritiker (und da ist Roslin natürlich keinesfalls allein) lesen in der Regel gar keine marxistischen/“neo-marxistischen“ Schriften und wissen nicht, was in diesen tatsächlich drin steht – sie stellen nur wilde Behauptungen darüber auf. Es handelt sich hier um konservative Diskursstrategien, nicht um ernsthafte wissenschaftliche Analyse und Kritik

Im marxistischen Denken kommt der Solidarität zwischen (männlichen) Arbeitern und Arbeiterinnen eine herausragende Bedeutung zu: Geschlechtersolidarität (innerhalb der Arbeiterklasse) ist Klassensolidarität. Nur im gemeinsamen solidarischen Kampf der Männer und Frauen der Arbeiterklasse kann der Kapitalismus überwunden werden. Frauenfeindlichkeit und Männerfeindlichkeit gelten daher gleichermaßen als schädlich für die Klassensolidarität und als Behinderung des Klassenkampfes. Dieses Verständnis von Geschlechtersolidarität (innerhalb der Arbeiterklasse) als Klassensolidarität durchzieht auch alle frauenrechtlichen Traditionen der klassischen sozialistischen Arbeiterbewegung. Der Unterschied zum Genderfeminismus liegt auf der Hand: Der Genderfeminismus spaltet mit seiner Männerfeindlichkeit die Klassensolidarität, das Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ behindert den von Arbeitern und Arbeiterinnen solidarisch geführten Klassenkampf, der Ausschluss der „weißen, heterosexuellen Männer“ von der sozialen Revolution würde eine erfolgreiche soziale Revolution in westlichen Gesellschaften unmöglich machen.

Karl Marx war (genau wie sein anarchistischer Gegenspieler Michael Bakunin) ein Gegner eines abstrakten Gleichheitsbegriffs, welcher menschliche Individuen oder Gruppen einem Vielfalt und Individualität zerstörenden „Gleichheitsdiktat“ unterwerfen würde. Marx und Bakunin ging es um die Demokratisierung der ökonomischen Sphäre – eine darüber hinausgehende „Gleichmachung“ menschlicher Individuen und Gruppen, eine Reduzierung menschlicher Vielfalt lehnten sie dagegen radikal ab.

Da dieser Aspekt des Denkens von Karl Marx in der Marx-Einführung von Terry Eagleton zutreffend dargestellt wird, werde ich im Folgenden einen Auszug daraus diktieren:

„Ebensowenig ist eine Gesellschaftsordnung möglich, in der alle Menschen gleich sind. Die Klage, der „Sozialismus würde uns alle gleich machen“, entbehrt jeder Grundlage. Dergleichen hatte Marx keineswegs im Sinn. Er war ein eingeschworener Feind der Gleichförmigkeit. Tatsächlich hielt er Gleichheit für einen bürgerlichen Wert. Er sah darin die Übertragung dessen, was er den Tauschwert nannte – eine Ware wird in ihrem Wert dem der anderen angeglichen -, auf die politische Sphäre. Die Waren seien, sagte er einmal, „verwirklichte Gleichheit“. Ein andermal spricht er von einer Form des Kommunismus, die eine allgemeine soziale Gleichmacherei verlangt, und bezeichnet sie in den „Ökonmisch-philosophischen Manuskripten“ als „eine abstrakte Negation der ganzen Welt der Bildung und Zivilisation“. Außerdem verband Marx den Gleichheitsbegriff mit dem, was er als die abstrakte Gleichheit der bürgerlichen Demokratie verstand, wo unsere formale Gleichheit als Wähler und Staatsbürger dazu dient, die realen Ungleichheiten des Besitzes und der Klasse zu verschleiern. In der „Kritik des Gothaer Programms“ lehnte er auch das Prinzip der Lohngleichheit ab, da Menschen je andere, individuelle Bedürfnisse haben: Einige leisten schmutzigere oder gefährlichere Arbeit als andere, wieder andere haben mehr Kinder zu ernähren und so fort.

Was nicht heißen soll, dass Marx die Idee der Gleichheit gänzlich von der Hand gewiesen hat. Ideen nur deshalb abzulehnen, weil sie von der Mittelklasse entwickelt worden waren, gehörte nicht zu Marx Gewohnheiten. Er blickte keineswegs verächtlich auf die Mittelklasse herab, sondern war ein überzeugter Anhänger ihrer großen revolutionären Werte: Freiheit, Selbstbestimmung und Selbstentfaltung. Selbst abstrakte Gleichheit hielt er für einen gehörigen Fortschritt gegenüber den Hierarchien des Feudalismus. Er glaubte eben nur, dass diese wünschenswerten Prinzipien nicht zum Tragen kommen können, solange es den Kapitalismus gibt. Trotzdem pries er die Mittelklasse als die revolutionärste Gesellschaftsschicht der Geschichte, ein Umstand, den seine Gegner aus der Mittelklasse merkwürdigerweise gerne übersehen. (…) Nach Marx Ansicht krankt der herrschende Gleichheitsbegriff daran, dass er zu abstrakt ist. Zu sehr vernachlässige er die Individualität von Dingen und Menschen – das, was Marx im wirtschaftlichen Kontext „Gebrauchswert“ nennt. Der Kapitalismus standardisiert die Menschen, nicht der Sozialismus. Das ist einer der Gründe, warum Marx eher zurückhaltend mit dem Begriff des Rechts umgeht. So schreibt er: „Das Recht kann seiner Natur nach nur in Anwendung von gleichem Maßstab bestehen, aber DIE UNGLEICHEN INDIVIDUEN (UND SIE WÄREN NICHT VERSCHIEDENE INDIVIDUEN, WENN SIE NICHT UNGLEICHE WÄREN) sind nur an gleichem Maßstab messbar, soweit man sie unter einen gleichen Gesichtspunkt bringt, sie nur von einer bestimmten Seite her fasst, z.B. im gegeben Fall sie nur als Arbeiter betrachtet und weiter nichts in ihnen sieht, von allem anderen absieht.“ (Zitat Marx Ende, Hervorhebungen von mir).

(…) Gleichheit im Sozialismus heißt nicht, dass jeder genauso wie der andere ist – eine absurde Behauptung, wenn es je eine gab. (…) Genauso wenig heißt es, dass jedem genau das gleiche Maß an Besitz und Ressourcen gewährt wird. Echte Gleichheit heißt nicht, dass alle unterschiedslos behandelt werden, sondern dass man die unterschiedlichen Bedürfnisse jedes einzelnen in gleicher Weise berücksichtigt. So ist die Gesellschaft beschaffen, die Marx vorschwebt. Menschliche Bedürfnisse sind nicht kommensurabel. Sie lassen sich nicht mit dem gleichen Maßstab messen. Nach Marx Ansicht hat jeder das gleiche Recht, sich selbst zu verwirklichen und aktiv an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens teilzunehmen. (…) Dadurch würde bewirkt, dass jedem, so weit wie möglich, gestattet wäre, sich als das besondere Individuum, dass er ist zu entfalten. Letztlich existiert für Marx die Gleichheit um des Unterschieds willen.

(Terry Eagleton – Warum Marx Recht hat, S. 125 – 128).

Marx Kritik an einem abstrakten, Vielfalt und Individualität negierenden Gleichheitsbegriff ist im sogenannten Neo-Marxismus insbesondere von der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule aufgegriffen und weiterentwickelt worden.

Max Horkheimer vertrat z.B. (ob nun zu Recht oder Unrecht) die Ansicht, dass Karl Marx das antagonistische Verhältnis der beiden Werte Freiheit und Gerechtigkeit (verstanden als Gleichheit) nicht ausreichend mitreflektiert habe. Für Horkheimer galt: Je mehr Gerechtigkeit (im Sinne von Gleichheit), desto weniger Freiheit und je mehr Freiheit, desto weniger Gerechtigkeit (verstanden als Gleichheit). Um zu einer freien sozialistischen Gesellschaft zu gelangen, ist es nach Horkheimer daher sehr wichtig, dieses dialektische Verhältnis der beiden Wertes Freiheit und Gleichheit und die sich daraus ergebenden Komplikationen mitzureflektieren, um zu einem angemessenen Gleichgewicht zwischen diesen Werten zu gelangen.

Im gleichen Geiste sprach Erich Fromm sinngemäß einmal davon, dass er, obwohl keinesfalls Gegner der Frauenbewegung, es bedauere, dass die Frauenbewegung dazu beitrage die menschliche Vielfalt zu reduzieren.

Und Theodor Adorno verfasste in seinem Hauptwerk “Minima Moralia“ bekanntlich eine der schärfsten Polemiken gegen einen abstrakten Gleichheitsbegriff, die es in der Philosophiegeschichte überhaupt gibt:

“Das geläufige Argument der Toleranz, alle Menschen, alle Rassen seien gleich, ist ein Bumerang. Es setzt sich der bequemen Widerlegung durch die Sinne aus, und noch die zwingendsten anthropologischen Beweise dafür, daß die Juden keine Rasse seien, werden im Falle des Pogroms kaum etwas daran ändern, daß die Totalitären ganz gut wissen, wen sie umbringen wollen und wen nicht. Wollte man dem gegenüber die Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, als Ideal fordern, anstatt sie als Tatsache zu unterstellen, so würde das wenig helfen. Die abstrakte Utopie wäre allzu leicht mit den abgefeimtesten Tendenzen der Gesellschaft vereinbar. Daß alle Menschen einander glichen, ist es gerade, was dieser so paßte. Sie betrachtet die tatsächlichen oder eingebildeten Differenzen als Schandmale, die bezeugen, daß man es noch nicht weit genug gebracht hat; daß irgend etwas von der Maschinerie freigelassen, nicht ganz durch die Totalität bestimmt ist. Die Technik der Konzentrationslager läuft darauf hinaus, die Gefangenen wie ihre Wächter zu machen, die Ermordeten zu Mördern. Der Rassenunterschied wird zum absoluten erhoben, damit man ihn absolut abschaffen kann, wäre es selbst, indem nichts Verschiedenes mehr überlebt.

Eine emanzipierte Gesellschaft jedoch wäre kein Einheitsstaat, sondern die Verwirklichung des Allgemeinen in der Versöhnung der Differenzen. Politik, der es darum im Ernst noch ginge, sollte deswegen die abstrakte Gleichheit der Menschen nicht einmal als Idee propagieren. Sie sollte statt dessen auf die schlechte Gleichheit heute, die Identität der Film- mit den Waffeninteressenten deuten, den besseren Zustand aber denken als den, in dem man ohne Angst verschieden sein kann.“

Den gravierenden Unterschied zwischen den Reflektionen zur Gleichheit in den Philosophien von Karl Marx und den Denkern der Frankfurter Schule einerseits und dem abstrakten Gleichheitsbegriff der Genderisten, in dem gerade solche kritischen Reflektionen, wie die von Marx, Adorno und Horkheimer völlig fehlen, muss ich hoffentlich nicht weiter ausführen.

Eine weitere Differenz zwischen Marxismus und Genderfeminismus sollte noch erwähnt werden. Wenden wir die Kategorien der marxistischen ökonomischen Analyse auf den Genderismus an, dann können wir schwerlich zu einem anderen Ergebnis kommen, als dass die herrschende Kapitalistenklasse an der Förderung des Genderfeminismus ein Interesse besitzt: Mehr Frauen auf dem Arbeitsmarkt führt zu einer Vergrößerung der „industriellen Reservearmee“, wie Marx es nannte und ermöglicht daher Lohnsenkungen, (was es den zeitgenössischen großen Unternehmen wiederum erleichtert auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben).

http://de.wikipedia.org/wiki/Industrielle_Reservearmee

(Es versteht sich hoffentlich von selbst, dass eine solche rein deskriptive Analyse kein Plädoyer gegen weibliche Erwerbsarbeit sein soll. Alles, was die Wahlmöglichkeiten für Frauen und Männer erweitert, ist grundsätzlich natürlich zu befürworten. Aber man sollte sich dennoch keinen Naivitäten darüber hingeben, dass die herrschenden Kreise in Politik und Wirtschaft bestimmte Dinge etwa aus ideologischen Gründen (oder gar aus Menschenfreundlichkeit) fördern würden anstatt auf der Grundlage ihrer eigenen Interessen.)

45 Gedanken zu “Feminismus und Kommunismus

  1. Ah, ich wusste nicht, dass du einen eigenen Artikel aus diesem Beitrag machen wolltest.
    Ist natürlich alles nur so mal eben runtergeschrieben.
    Ich habe nicht immer auf das richtige Sachvokabular geachtet, es fehlt auch manches, was man sonst noch hätte anführen können und die Bezugnahme auf die Diskussion mit Roslin ist selbstverständlich eine rein themenspezifische Kritik auf der Sachebene (auf der persönlichen Ebene schätze ich Roslin).

  2. Marxismus und Feminismus

    – hängen beide einem realitätsverleugnenden Menschenbild an
    – haben jeweils (trotz des abundanten Anfalls an theoretisierendem Geschwafel) völlig eindimensionale Erklärungssysteme
    – sind freiheitsfeindlich –
    – von Erlösungsphantasien geplagt
    – und planen deshalb mittels gesellschaftlicher Manipulationen (Propaganda, Repression) die Kreation eines „Neuen Menschen“.

    Die menschlich psychischen Grunddispositionen die von beiden Ideologien „funktionalisiert“ (ist ja aktuell ein Modewort) werden, dürften im wesentlichen die gleichen sein:

    – Neid
    – Externalsierung (Rückführung des eigenen phantasierten oder tatsächlichen Versagens auf den bösen Willen Anderer)
    – Abgabe von Eigenverantwortung
    – Konformitätsbedürfnis
    – narzistische Aufladung durch das Phantasieren eigener moralischer Überlegenheit
    -ein manichäisches Weltbild mit „Feinden“, mit denen man sich nicht inhaltlich auseinandersetzen muß und zu deren Bekämpfung jedes Mittel Recht ist. Sprich: die moralische Überlegenheit, der Kampf für die „richtige Sache“ legitimiert, ungehemmt die eigenen negativ destruktiven Affekte ausleben zu können

    Das zu wissen, reicht eigentlich schon aus.

    • Es gibt aber unterschiedliche Arten des Feminismus! Ich selbst bezeichne mich auch als Feministin, weil ich mich für die Gleichberechtigung einsetze. Bin aber im Gegensatz zu deinen Ausführungen äußerst freiheitsliebend und nicht geneigt, anderen Menschen etwas vorzuschreiben.

      Welches realitätsverleugende Menschenbild meinst du denn, dem Feministinnen anhängen?

      • @Miria

        Was meinst Du denn eigentlich mit „Gleichberechtigung“?
        Und auf welchen Gebieten wäre denn diese Gleichberechtigung noch nicht erreicht?

        • Was soll denn schwierig sein an dem Wort „Gleichberechtigung“?
          Ist doch ganz einfach: Gleiche Rechte und Pflichten für alle!

          Auf vielen Gebieten ist das noch nicht erreicht (teilweise selbst rechtlich), ein paar Beispiele:

          1. Kindererziehung wird automatisch als Frauensache betrachtet, wenn Paare getrennt sind. Das bedeutet, dass die Frau einerseits häufig die ganze Belastung trägt, andererseits auch, dass Männer Probleme bekommen können, Kontakt zu ihren Kindern zu haben, wenn die Frau dies nicht will.

          2. Wehrpflicht (nur ausgesetzt, nicht abgeschafft)

          3. Einstellungspolitiken einiger Arbeitgeber: Häufig werden Frauen im gebährfähigen Alter nicht eingestellt, da die Gefahr eines Ausfalls durch Schwangerschaft groß ist. In der sie dann wieder geschützt sind.

          Das ist nur das, was mir spontan einfaällt.

        • @Miria

          Was am Begriff Gleichberechtigung schwer sein soll?
          Tia, gewisse Leute verstehen darunter Gleichstellung und dann Ergebnisgleichheit. Andere verstehen darunter eben Chancengleichheit und nicht Ergebnisgleichheit; deshalb meine Nachfrage.

          Zu den Einstellungspolitiken bei Arbeitgebern: Da könnte man schon ein Antidiskriminierungsgesetz machen, nur würde ich wetten, dass dies sehr leicht umgangen werden kann. Ein Arbeitgeber kann einfach sagen, dass ihm diese Frau aus diesen und jenen Gründen nicht passt (Leistung, Verhalten, passt nicht ins Team, andere Person scheint geeigneter für die Arbeit und das Team etc.) und vor allem muss ja dann die Frau den Beweis erbringen, dass gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstossen wurde und hier den Beweis zu erbringen, wird wohl in den meisten Fällen ein sehr schwieriges Unterfangen sein (meine Mutmassung).

    • „hängen beide einem realitätsverleugnenden Menschenbild an“
      Solange wir beim „Kapital “ von Marx bleiben wird kein Menschenbild vorausgesetzt. Das ist auch logisch, denn Marx als Materialist setzt die Produktionsverhältnise voraus, die den Menschen formen.
      Der Rest ist „Überbau“.
      Wer also von einem sozialistischen ode rkommunistischen Menschenbild spricht, hat nichts mit Marx zu tun. Denn die Annahme eines „Menschenbildes“ als Primat, dem der Mensch nachzuschaffen sei, basiert auf einer phlosophisch idealistischen Position die das genaue Gegenteil eines materialistischen Menschenbildes ist.

      Elaboriert wird dies einerseits in Engels‘ „Dialektik der Natur“ (wo auch allerlei Unsinn drin steht) oder in Lenin „Materialismus und Empiriokritizismus“.
      Und für den Gegensatz zwischen philisophischem Materialismus und IDealismus bemühe man Stöhrs „Kleine Weltgeschichte der Philosophie“.

        • Es gibt zum Menschenbild von Karl Marx eine in der Marxforschung bekannte und einflussreiche Gegenposition zu der Interpretation von Marx als Vertreter eines „Blank Slate“, der nicht an eine universelle menschliche Natur glaubte:

          Norman Geras – Marx & Human Nature: Refutation of a Legend

          http://www.amazon.de/Marx-Human-Nature-Refutation-Legend/dp/0860910660/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1341244598&sr=8-1

          http://en.m.wikipedia.org/wiki/Marx_and_Human_Nature:_Refutation_of_a_Legend

          Geras vertritt die m.E. richtige Auffassung, dass man bei der Klärung der Frage, ob ein philosophischer oder soziologischer Denker vom Konzept einer universellen menschlichen Natur ausgeht oder nicht, das Gesamtwerk vor dem Hintergrund dieser Fragestellung analysieren sollte.

          Das tut Geras und kommt dabei (Althusser widersprechend) zu dem Ergebnis, dass es sowohl vor Marx “Thesen über Feuerbach”, (in welchem ein Marx-Zitat zu finden ist, auf dass sich die Anhänger der Blank-Slate-Interpretation gerne beziehen), als auch DANACH ein Konzept einer universellen menschlichen Natur in Marx Werk gibt.

          Der Anfang einer Buchrezension zu Geras “Marx and Human Nature”, in der Geras Argumentationstendenz einführend beschrieben wird, findet sich hier:

          http://rrp.sagepub.com/content/16/2-3/277.extract

          Eine Leseprobe des Buches findet sich hier:

          http://books.google.de/books?id=Tr7-92dzFEEC&pg=PA11&hl=de&source=gbs_toc_r&cad=4#v=onepage&q&f=false

          Das Gesamtergebnis von Geras Analyse fasst der Anfang des Klappentextes prägnant zusammen:

          “Marx did not reject the idea of a human nature. He was right not to do so.”

        • Also eine Art “Blank Slate”?

          das steht da nicht.

          das wäre ja ein realitätsverleugnendes Menschenbild.

          im gegenteil:

          „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“

          diesem sein kann man die zugehörigkeit zu einem geschlecht getrost hinzurechnen.

        • „“Blank Slate”?“ IAllein die Fragestellung in dieser Form ist einfach nicht „korrekt“. Es gibt eben kein von der materiellen Welt unabhängiges Menschenwesen. Daher kann man nicht von einem „Menschenbild“ an sich sprechen. Das Menschenbild als Teil des Überbaus ist ein Reflex “ Leninspeak“ des konkreten Menschen.

          Hingegen ist die Fragestellung nach dem „blank Slate“ oder Nicht eine Fragestellunglosgelöst vom Materiellen, eine rein begriffliche Angelegenheit. Daher ist diese nicht mit dem materialistischen Weltbild zusammengehörig, oder „kommensurabel“.

          Man kann schlechterdings Idealistische Begriffszusammenhänge und materialistische Begriffszusammenhänge nicht aufeinander abbilden. Allenfalls kann man im Rahmen einer Metatheorie die Differenzen und Gleicheiten ausmachen, muss dabei aber jeweils eine bestimmte Position einnehmen.

          Daher ist die Frage nach dem „blank slate“ oder nicth eine idealistische Position. Im metatheoretischen Sinne wäre es wahrscheinlich so zu beantworten, daß es eine Prägung des Menschend urch seine biologisch- materiellen Grundzüge gibt und darüber hinaus eine prägung durch die materiellen Verhältnisse. Also nein.

          Leszek gibt ja auch Hinweise, wie man dies aus soziologischer Sicht darstellen kann.

          Meine persönliche Auffassung geht dahin, dass der ökonomische Mensch, wie er in Marx‘ Kapital vorkommt durchaus als „blank slate“ gesehen wird, der durch die ökonomischen Verhältnisse (Eigentümer von Produktionsmitteln oder nicht) geprägt wird. ABer der konkrete Mensch hingegen ist durch seine materiellen Grundeigenschaften geprägt, auch durch seine biologische Abstammung (Marx & Konsorten waren ja Darwinisten der ersten Stunde).

          • @dummerjan

            Danke für die Erklärung.

            „Meine persönliche Auffassung geht dahin, dass der ökonomische Mensch, wie er in Marx’ Kapital vorkommt durchaus als “blank slate” gesehen wird“

            Allerdings stellt sich dann die Frage, warum der Mensch gerade in diesem Bereich ein „Blank slate“ sein sollte. Ich meine es gibt einiges an Forschung dazu, dass wir gerade im ökonomischen einige biologische Grundregeln kennen, die uns teilweise leiten.

            Etwa wenn wir bei einem Ultimatium Game großzügigere Angebote machen als wir müssten oder wenn wir Leute, die sich nicht an die Regeln halten, strafen, auch wenn uns dies etwas kostet und wir nichts davon haben.

            Auch die Tragik des Allgemeinguts und andere Spiele legen das nahe

        • @ Dummerjan

          Wollte nur einmal kurz erwähnt haben, dass ich deine Ergänzungen zu meinen Beiträgen die letzte Zeit stets interessant und bereichernd fand.

        • @ hottehü

          “Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.”

          Egal, was es an postmarxistischer Sonderexegese zu lesen gibt und unabhängig von der profunden Widersprüchlichkeit zu einigen Themen, die Marx und Engels Elaborate zu bieten haben: beim Marxismus handelt es sich letztendlich um eine sehr reduktionistische, mit den aktuellen Erkenntnissen von Psychologie, Soziologie und Neurobiologie nicht zu vereinbarenden Ideologie.

          Die grundlegende Plastizität der menschlichen Persönlichkeit, die die Marxisten annehmen, ist eine Illusion…somit jeder Versuch, den „Neuen Menschen“ zu züchten vergeblich und verderblich.

          Das „gesellschaftliche Sein“ dürfte viel mehr seine Bedingtheit im „Sein“ des Individuums finden, als umgekehrt.

          Eine zielgerichtete Manipulation gesellschaftlicher, insbesondere ökonomischer Rahmenbedingungen mit dem Ziel einer durchgreifenden Änderung der menschlichen Disposition und damit des Wollens, Könnens und Erlebens eines jeden Einzelnen ist nicht möglich.

          Alle Ideologien wie Marxismus, Faschismus, Feminismus, Islam bedienen sich als zentrales Moment des Neids der Individuen, ein Affekt, der bei den meisten von uns sehr leicht aktivierbar ist, gibt man dem Affen Zucker.Die Anstachelung des Neids ist assoziiert mit der Legitimierung von Hassgefühlen und materiellen Begehrlichkeiten gegenüber den ideologischen Antipoden…Kapitalisten/Kulaken, Juden, Männer, Kuffars.
          „Gerechtigkeit“ und „Gleichheit“, bzw. deren vermeintliches Fehlen werden hierbei zu propagandistisch beliebig einsetzbaren Worthülsen, mit denen man die Triebkraft des Neids kanalisieren kann, ohne den niedrigen Affekt beim Namen nennen zu müssen.
          Es gibt leider nur staatliche Manipulationen des Bewußtseins zum Negativen, leider nicht zum Positiven.

        • “Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.”

          Hören wir mal, was David Buss in seinem Lehrbuch der Evolutionären Psychologie dazu zu sagen hat:

          “Die Definition eines psychologischen Mechanismus, der die Schlüsselbestandteile Input, Entscheidungsregeln und Output enthält, hebt hervor, warum Adaptionen keine “rigiden” Instinkte sind, die ständig im Verhalten auftauchen. Erinnern Sie sich an das Beispiel des Schwielen produzierenden Mechanismus, der sich entwickelte, um die Strukturen der Haut zu schützen. Mann kann seine Umwelt so gestalten, dass man keiner wiederholten Reibung ausgesetzt ist und in diesem Fall wird dieser Mechanismus nicht aktiviert. Die Aktivierung eines Mechanismus hängt vom kontextuellen Input der Umgebung ab. AUF GLEICHE WEISE ERFORDERN ALLE PSYCHOLOGISCHEN MECHANISMEN INPUT, UM AKTIVIERT ZU WERDEN (Hervorhebung von mir).

          (David, Buss, Evolutionäre Psychologie, 2. Auflage, S. 90)

          • @leszek

            „AUF GLEICHE WEISE ERFORDERN ALLE PSYCHOLOGISCHEN MECHANISMEN INPUT, UM AKTIVIERT ZU WERDEN“

            Was nicht bedeutet, dass der Input besonders aufwändig sein muss. Um zB als heterosexueller Mann auf weibliche Attraktivitätsmerkmale anzusprechen braucht man nur Frauen in seiner Nähe. Um Hierarchie- und Statusmechanismen zu aktivieren benötigt man nur Menschen um sich herum etc

        • Bei dieser Art von Kritik
          „beim Marxismus handelt es sich letztendlich um eine sehr reduktionistische, mit den aktuellen Erkenntnissen von Psychologie, Soziologie und Neurobiologie nicht zu vereinbarenden Ideologie.“
          bleibt einem wenig zu bemerken außer, dass dieser Vorwurf einer jeden Theorie der Gesellschaft oder eigentliche jeder Theorie zu machen ist. Denn diese sind stets nur Ausschnitte einer Gesamtwirklichkeit, gerichtet auf die Erklärung dieses Ausschnitts.
          Daher sind alle Theorein reduktionistisch usw usf.

          Was ich versuche zu erklären ist, dass eine Vielzahl von marxistisch daherkommenden Erklärungen daran scheitern,d ass diese keinen materialistisch-philosophischen Standpunkt haben: Sie gehen nicht von einer Wirklichkeit aus, an der die Theorie und die daraus abzuleitenden Erklärungen oder Maßnahmen zu messen sind. Ohne das gibt es keinen Marxismus.

          Das ist die bittere Wahrheit Frau Wagenknecht und wie sie alle heißen.

          Und politische Programme der Art : Aber wir dürfen dch nicht zulassen dass… oder „Der Midnestlohn wird uns von der Armut erlösen“ sind ob ihrer Ablehnung der Realität weder marxistisch noch sozialistisch, sondern einfach nur dumm.

        • Vielleicht taucht in diesem Zusammenhang die Frage auf, was der Dummerjan nun davon hält.
          Da ich die materialistische Position der Welt zumindestens im Sinnde von Poppers kritischen Realismus teile, bin ich soweit und in diesem Sinne Marxist (wie wohl praktisch die meisten Menschen mit wissenschaftlich-empirischen Hintergrund).

          Hingegen hege ich die Aufassung, dass ein zenralistisches System der Produktion und Verteilung, aber auch kulturelle oder wissenschaftliche hierarchische Herrschaftssysteme im Mittel und auf Dauer zerstörerisch sind und die Probleme die sie behaupten zu beheben in Wirklichkeit verursachen.

          Um hier Hayek zu zitieren: Der Sozialismus ersetzt das blinde Walten des Marktes durch das Walten des Henkers.

          Aber weder Markts- noch Staatsgläubigkeit sind angebracht, vielmehr eine gesunde Skepsis sowohl in der einen wie auch in der anderen Richtung. Viele Fragen hierzu sind klar aus empirischer Sicht udn auch aus theoretischen Gründen zu beantworten (z.B. Der Mindestlohn verbessert die Lage derer die Arbeit haben und verschlechtert di die Arbeit suchen) andere sind Fragen der gesellschaftlichen Willensbildung (was wollen wir eigentlich für eine Verwaltung des Gemeinwesens).

          O je, weder Fisch noch Fleisch … das gebe ich wohl zu, bis auf dies: Ohne Freiheit ist man nru eines … nämlich tot, auch wenn man schon atmet.

          Selbst das sozialistische Argument, dass jemand der hugnert nicht frei sein kann, zieht nicht. Denn immerhin erlaubt der Kapitalismus zum einen das Überleben als auch den sozialen Aufstieg für die die es wollen. Mehr als jede andere Gesellschaft.

  3. „Echte Gleichheit heißt nicht, dass alle unterschiedslos behandelt werden, sondern dass man die unterschiedlichen Bedürfnisse jedes einzelnen in gleicher Weise berücksichtigt“
    Ich bin bei Gott kein Intellektueller oder geschulter Typ, ich hoffe ich darf trotzdem mal fragen.
    Soll das oben zitierte eigentlich heissen dass Pieck oder Lenin alle den Marxismus falsch verstanden haben? Soweit ich weiss gabs in der DDR ja für jeden nur ein bestimmtes Auto.
    Kann es sein dass der Kapitalismus der ‚bessere Kommunismus‘ ist?

    • @ baldasar

      *Kann es sein dass der Kapitalismus der ‘bessere Kommunismus’ ist?*

      Nicht der bessere Kommunismus, aber die „menschlichere“ Ordnung, die Ordnung, die besser den menschlichen Instinkten angepasst ist, was seine größte Stärke und seine größte Schwäche ist.

      Wer sagt denn, dass ein Bedienen unserer Instinkte uns nicht auch in den Abgrund reißt, un so sicherer als wir ihnen relativ freien Lauf lassen und damit gezwungen wären, uns selbst zu zügeln.

      Aber viele glauben ja, der Mensch sei von Natur aus gut und somit könne gerade der ungezügelte Mensch keinen Schaden anrichten – Wunschdenken.

      • Wer traut schon dem Kapitalistmus und der emergenten Wirkung unkoordinierten Handels?

        Wie verständlich dun angenehm fügt sich der Geist hingegen einer hierarchischen Weltordnung. Selstverständlich sind die Anderen die Beherrschten und sie wissen eh nicht was gut für sie ist.

        • @ Dummerjan

          Was bei unkoordiniertem Handeln emergiert, wissen wir nicht, nicht in großem Maßstab.

          Denn wirklich freie Märkte gibt es nicht, gab es nie, kann es nicht geben.

          Denn der zu Anfang freie Markt sorgt dafür, dass sich Unterschiede zeigen: der Eine wird reich, der Andere nicht.

          Reichtum geht IMMER mit einem mehr an Macht einher und so wird der Erfolgreiche versucht sein, die auch zu nutzen, um seinen Freien-Markt-Erfolg abzusichern, indem er die Freiheit der anderen einschränkt.

          Dies wird er können, wenn nicht ein Mächtigerer die Einhaltung der Regeln des freien Marktes erzwingt, also reguliert.

          Damit ist der Markt schon wieder nicht völlig frei.

          Der freie Markt tendiet also dazu, sich selbst abzuschaffen.

          Es ermergiert Unfreiheit.

    • @ baldasr

      Es ist wie immer: die Protagonisten einer Ideologie verstehen das Genialeihrer Ideologie selber nicht (im Gegensatz zu den blitzgescheiten und tatendürstigen Absolventen deutscher geisteswissenschaftlicher Fakultäten natürlich), sonst würde die Umsetzung der Ideologie nämlich zum Paradies auf Erden geführt haben. Das Geschrieben gilt selbstverständlich nicht für den Nationalsozialismus.

      Auch die Muslime verstehen ja in den Augen unserer gutmenschlichen Freunde ihre eigene Religion nicht richtig.

      PS: was ist schon eine eingeschränkte Konsumwahl gegen die Erlösung?

    • @baldasar

      Das erinnert mich an eine studentische Kommunistin aus meiner Studentenzeit, die ein absoluter Markenfan war und immer nur das beste kaufte. Darauf angesprochen, dass dies ja mit dem kommunistischen Gedanken auch nur schwer zu vereinbaren sei, sagte sie, dass in ihrer perfekten Welt nach der Revolution ja jeder nach seinen Bedürfnissen leben könne, weil ja eh genug Reichtum vorhanden sei, dass jeder nur das beste kaufen könne, was aber momentan nicht möglich sei, weil dieser Reichtum im Kapitalismus zu ungleich verteilt wäre und sie eben Qualität mögen würde, wie sie ihn auch nach der Revolution erhalten werde.

      Fand ich hinreißend unrealistisch. War aber ihr ernst.

      • Wo ist denn da deine Kritik? Nur weil sie ein Gegner des Kapitalismus ist, heißt das doch nicht, dass sie sich keine Markenklamotten oder Autos oder sonst was kaufen kann, wenn sie die Mittel dazu hat. Oder siehst du da eine moralische Verfehlung ihrerseits? Schon klar, dass nicht alle Menschen auf dieser Welt Lamborghini fahren und auf 1000 Hektar großen Anwesen leben können, aber das können sie ja jetzt auch nicht und danach tut wahrscheinlich auch kein Kommunist, Kapitalist oder sonst wer streben, weil sehr wahrscheinlich nicht realisierbar.
        Es gibt aber ne Menge Bedürfnisse die allen Menschen gemein sind und die werden auf dieser kapitalistisch geordneten Welt ja wohl kaum erfüllt für alle bzw. erfüllbar gemacht bzw. nur erfüllbar gemacht, wenn man sich für ein anderes Übel entscheidet, nähmlich die Prositution und die ist in Deutschland vielleicht noch halbswegs angenehm, aber wenn du deine Kinder in die Arbeit verkaufen musst und selber in ner einsturzgefährdeten Fabrik arbeitest, denkst du vielleicht anders.

        @ratloser: Deine Argumente sind so sinnlos. Jeder Mensch hat eine Ideologie, auch du. Wichtig ist doch wie nah an der Wahrheit diese Ideologie dran ist und ob man bereit ist diese zu korrigieren, wenn man auf Widersprüche stößt. So funktioniert das zumindest in den Naturwissenschaften. Leuten einfach immer nur gewisse Interessen zu unterstellen ( außer dem an der Wahrheitsfindung ), kann man machen, dann entfernt man sich aber vom Inhalt und es handelt sich nicht mehr um eine Diskussion, sondern eine Anklage.

  4. Für mich sind die Parallelen zwischen feministischer und marxistischer Geschichts-und Wirklichkeitskonstruktion und -deutung evident.

    Nicht einfach nur unbewusst aufgrund ähnlicher psychischer Prozesse („Taraneldenke“ in meinen Augen, in Anlehnung an Nietzsches Kapitel „Von den Taranteln“ aus dem Zarathustra), die dafür sorgen, dass ähnlich strukturierte Psychen sich ähnlich aufgebaute Ideologien aussuchen bzw. diese erzeugen (der ratlose hat sie aufgelistet), sondern ganz bewusst angestrebt z.B. von der einflussreichsten feministischen Ideologin neben Beauvoir, Catharine MacKinnon.

    Hier legt sie das dar, Zitat:

    *Sexuality is to feminism what work is to marxism: that which is most
    one’s own, yet most taken away. Marxist theory argues that society is
    fundamentally constructed of the relations people form as they do and
    make things needed to survive humanly. Work is the social process of
    shaping and transforming the material and social worlds, creating
    people as social beings as they create value. It is that activity by which
    people become who they are. Class is its structure, production its consequence,
    capital its congealed form, and control its issue.

    Implicit in feminist theory is a parallel argument: the molding, direction,
    and expression of sexuality organizes society into two sexeswomen
    and men-which division underlies the totality of social relations.
    Sexuality is that social process which creates, organizes, expresses,
    and directs desire,’ creating the social beings we know as women
    and men, as their relations create society. As work is to marxism, sexuality
    to feminism is socially constructed yet constructing, universal as activity
    yet historically specific, jointly comprised of matter and mind. As
    the organized expropriation of the work of some for the benefit of
    others defines a class-workers-the organized expropriation of the
    sexuality of some for the use of others defines the sex, woman. Heterosexuality
    is its structure, gender and family its congealed forms, sex roles
    its qualities generalized to social persona, reproduction a consequence,
    and control its issue.*

    Das ganze Papier, aus dem später noch ein Buch wurde, hier:

    http://www2.law.columbia.edu/faculty_franke/Certification%20Readings/catherine-mackinnon-feminism-marxism-method-and-the-state-an-agenda-for-theory1.pdf

    Es ist MacKinnonfeminismus, der die Gleichstellungspolitik in westlichen Staaten und via UNO/NGOs (vom Westen und seiner Nomenklatura finanziert und ideologisch orientiert) weltweit bestimmt, top down.

    PS: Ich schätze Leszek ebenfalls, unterstelle ihm ausdrücklich kein Taranteldenken, allerdings ein unrealistisches Menschenbild, das ihn unweigerlich, sollten er und seine Gesinnungsgenossen je Macht erlangen, an den Punkt führen wird, wo er sich entscheiden muss: entweder seine Ideologie aufzugeben oder Gewalt anzuwenden.

    Verzichtet er auf Gewalt, bedeutet das zwangsläufig Aufgabe des Projektes, für das er zu brennen scheint.

    Es gibt Sozialisten, die dazu fähig waren, z.B. die Sozialdemokraten oder die Kibbuzniks in Palästina/Israel.

    Ich persönlich denke, dass er auch dazu fähig wäre, auch wenn er nicht hören will, dass er je in so ein Dilemma geraten könnte.

  5. sehr schön…

    man muß aber den Ostblock-Marxismus von demjenigen des Adorno sorgfätig unterscheiden. Sie sind einander feindlich eingestellt. Freuds Psychoanalyse etwa bildet eine Grundlage der Frankfurter, wurde von den Stalinisten aber auf der anderen Seite der Mauer verworfen. Desweiteren war für letztere die „historische Mission der Arbeiterklasse“ ein wichtiger Teil ihrer Überzeugung, für die Frankfurter kam die Arbeiterklasse überhaupt nicht als revolutionäres Subjekt in Frage. Im Grunde sind Adornisten falsche Marxisten, die längst nicht so revolutionär sind, wie sie auftreten.

    Ebenso dieser Philosemitismus Adornos ist eine Spezialität der Frankfurter. Zionisten verhilft die Frankfurter Schule zu einem linken, freundlichen Gesicht. Moishe Postone führte den Begriff des „strukturellen Antisemitismus“ ein, der für sich genommen eine sehr verkürzte Kritik am Antisemitismus darstellt, aber gerade gut genug ist, um jeden Mi&szlig,vergnügten mit dem Vorwurf des Antisemitismus zu denunzieren, um ihn vor der öffentlichen Meinung kaltzustellen. Für die Kader im Osten hingegen war Israel der Statthalter des Weltimperialismus, zusammen mit Saudi-Arabien der Brückenkopf in die arabische Welt, die im Westen für progressiv, links und friedliebend gehaltenen Kibbuze mustergültige Umsetzung einer faschistischen, völkischen Idee.

    Man sieht, was von ferne ähnlich aussieht, muß es bei näherer Betrachtung nicht sein. Auch der Genderfoucaultismus wäre drüben im Osten recht schlecht angesehen. Auch er wäre als antimarxistisch verurteilt worden.

  6. Ich würde schon annehmen, dass einige Thesen aus dem Kommunismus für den Feminismus genutzt und entsprechend angepasst worden sind.

    Wie ich hier schon schrieb:

    Wir haben eine unterdrückende Gruppe und eine unterdrückte Gruppe. Die eine hat alles, einmal das Geld und die Produktionsmittel, das andere Mal das Geld, die Produktionsmittel und die Privilegien noch dazu. Es sollen aber in beiden Fällen alle gleich gemacht werden, wozu eine Umverteilung notwendig ist.

    Bei dem Artikel zu Judith Butler schrieb ich:
    https://allesevolution.wordpress.com/2012/02/22/judith-butler/

    Louis Althusser steuert diesem Mix noch den marxistischen Überbau bei. Durch diesen wird näher dargestellt, wie die Phallokratie ihre Geschlechternormen weiter absichert. Sie bedient sich dabei besonderen Akteuren, denen jeweils eine bestimmte Rolle zugewiesen ist. Ziel der Gesellschaft ist es eine obligatorische Ideologie der herrschenden Klasse (hier: phallokratische Penisträger) zu errichten. Diejenigen mit Macht versuchen die Herrschaft des Penis abzusichern (vermutlich um ihre Kastrationsangst zu bekämpfen) und das Gesetz des Vaters strikt zu befolgen. Das geschieht mit Hilfe eines Staatsapparates, der über aufgezwungene Rituale und durch die Anrufung der Subjekte durch Institute des großen Anderen, hier also wieder der Phallokratie (oder auch der hegemonialen Männlichkeit). Dabei wird nicht nur repressiv vorgegangen, sondern die Subjekte erhalten die Möglichkeit, sich als Subjekt innerhalb einer Gesellschaft zu konstituieren. Deswegen empfinden sich diese innerhalb ihrer Unterwerfung als frei. Hieraus entwickelte Foucault seine Diskurstheorie, in der die Mächtigenüber die Beherrschung des Diskurses dieses Verhältnis herstellen.
    Die Normen stellen eine Unterdrückung dar, werden aber von allen akzeptiert, weil sie ihnen einen Platz vorgeben.
    Erkennt man aber, dass es eigentlich nur sich verselbständigte Kastrationsängste sind, die zu gesellschaftlichen Regeln gemacht worden sind, dann kann man – quasi erwacht – aus diesem Zustand ausbrechen und bessere Regeln machen.
    Dazu muss man aber die Phallokratie und damit auch die hegemoniale Männlichkeit abbauen.

    Und hier aus der Wikipedia zum marxistischen Feminismus:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Marxistischer_Feminismus

    Marxistischer Feminismus ist eine dem Marxismus nahestehende Form des Feminismus. Marxistischer Feminismus setzt sich vor allem für die gesamtgesellschaftlichen Rechte der Frau ein und sieht für diese als Voraussetzung oder Element für die Überwindung des kapitalistischen Systems an. Ebenso stellt die Frage nach unbezahlter Haus- und Reproduktionsarbeit, gerade in Zusammenhang mit der kapitalistischen Produktion, eine zentrale Thematik dar. Der marxistische Feminismus ist oftmals mit der Arbeiterbewegung verbunden und steht traditionell kommunistischen Parteien oder dem linken Flügel der Sozialdemokratie nahe. In der Bundesrepublik Deutschland war lange Zeit die Demokratische Fraueninitiative ein wichtiger Vertreter des marxistisch orientierten Feminismus. Der Übergang zwischen marxistischem Feminismus und sozialistischer Frauenbewegung ist fließend.
    Innerhalb der feministischen Bewegung wurde traditionell die (teilweise vermeintliche) marxistisch bzw. marxistisch-leninistische Unterordnung der „Frauenfrage“ als Nebenwiderspruch unter den so genannten Hauptwiderspruch, nämlich jenen zwischen Bourgeoisie und Proletariat, in Frage gestellt. Im Zuge dieser Debatten rückten Ansätze hervor, welche die Analysekategorien Klasse und Geschlecht als wechselwirkende ohne zwingende Determination der einen Kategorie durch die andere auffassen (Vgl. Intersektionalität). Dabei werden vornehmlich jene Herrschaftsverhältnisse betrachtet, welche sich erst aus dem Zusammenspiel der beiden Kategorien ergeben: Die Diskriminierung der arbeitenden Frau auf Grund ihrer Geschlechterrolle, sowohl in der häuslichen Sphäre (ungleiche Verteilung von Haus und Reproduktionsarbeit, usw.), als auch in der kapitalistischen Produktion (weniger Lohn für gleiche Arbeit, sogenannte Frauen und Männerberufe, gläserne Decke usw.).

    Den Gedanken, dass Ausbeutung etwas patriarchisches ist und so etwas von Frauen niemals erfolgen könnte, den hört man ja schon häufiger.

  7. Gleichheit im Sozialismus heißt nicht, dass jeder genauso wie der andere ist – eine absurde Behauptung, wenn es je eine gab. (…) Genauso wenig heißt es, dass jedem genau das gleiche Maß an Besitz und Ressourcen gewährt wird. Echte Gleichheit heißt nicht, dass alle unterschiedslos behandelt werden, sondern dass man die unterschiedlichen Bedürfnisse jedes einzelnen in gleicher Weise berücksichtigt. So ist die Gesellschaft beschaffen, die Marx vorschwebt. Menschliche Bedürfnisse sind nicht kommensurabel. Sie lassen sich nicht mit dem gleichen Maßstab messen. Nach Marx Ansicht hat jeder das gleiche Recht, sich selbst zu verwirklichen und aktiv an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens teilzunehmen. (…) Dadurch würde bewirkt, dass jedem, so weit wie möglich, gestattet wäre, sich als das besondere Individuum, dass er ist zu entfalten. Letztlich existiert für Marx die Gleichheit um des Unterschieds willen.
    ********************************************************************************************
    Irgendwo muss ich ja mal anfangen, also nehme ich mir diesen Teil mal vor.

    Das Sozialismus Gleichheit ablehnt ist ja klar, wo es doch die Priesterkaste gibt, diese Auserwählten, die den Weltgeist dahin schreiten hören. Diese Führer des Proletariats, die Partei und vor allem deren Führer.

    Und was den Zugriff auf Besitz und Resourcen betrifft, er wird gewährt. Wie gnädig! Und von wem? Ja natürlich von denen, die unter all den Gleichen noch gleicher sind!
    Man berücksichtigt die Bedürfnisse des Einzelnen, wie schön. Und wer ist man? Und was die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben betrifft, so hören wir schon wieder das Wort „gestatten“ und jetzt verstehe ich schon, wer da gestattet, oder auch nicht.

    Und ich sehe vor mir eine Anstalt, nein nicht die aus dem Fernsehen, sondern eine Anstalt wie früher, eine Besserungsanstalt, eine Anstalt für psychisch Kranke, eine Anstalt, geführt von weisen Menschen, die stets das Beste für die Insassen wollen, eine wohlmeinende Diktatur.

    Ein grauenhaftes Bild, dieses dümmliche, glückliche Grinsen der Insassen der Anstalt, denen man wohl einen Teil des Gehirns amputiert hat.

    Es ist das Paradies der Anakasten, der Besserwisser, der Klugscheißer und der armen Menschen, die so lebensuntüchtig sind, dass sie nur in einer Anstalt überleben können.

    Das ist Sozialismus. Und das ist auch Feminismus, denn das Weib, so scheint es mir, sucht nicht nach Freiheit, nach Kampf, nach Abenteuer. Das Weib sucht den wohlwollenden Anstaltsleiter, der die bösen Buben hindert, dass sie die Puppenstube umwerfen, das Weib will die Quote, den geschützten Raum, das in Watte gepackte Leben.

    Bürokratie unser, geheiligt werde Dein Name
    Dein Reich komme,
    Dein Wille geschehe, wie in der Öffentlichkeit so in den Familien,
    unsere tägliche Verordnung gibt uns heute und vergibt uns unser eigenständiges Denken und Wollen, wie auch wir nach Konformismus streben,
    und verschone uns vor der Wirklichkeit, sondern erlöse uns von der Freiheit.
    Denn Dein ist der Staat und die Gesetze und die Propaganda
    in Ewigkeit
    Amen

    Aber Gott ist wild und so ist das Leben und wer die Fenster schließt und die Türen verrammelt, der wird in seinem eigenen Mief ersticken.

    Carl Jung

  8. und wieviel von den theorien sind praktisch fassade ein argumentatives gerüsst um menschen seinen willen aufzuzwingen. im grunde ein versuch moral neu zu definieren und damit wiederspruch zu bekämpfen. wo der feminismuss in bild kommt. es wird hier genauso moral neu definiert.

    @christian
    mach doch mal einen artikel zu thema moral und evolution. wo kommt sie her, tiere kennen sowas ja nicht (fressen oder gefressen werden). wie kommt es das sie einheitlich bei menschen ist (damit meine ich themen wie leid zufügen aspekten wo menschen generell sagen das es falsch ist)

  9. Wer sich für ‚marxistische‘ Kritik an Teilen des Feminismus interessiert, dem ist der Vortrag von Peter Decker (Gegenstandpunkt) zu empfehlen.

    [audio src="http://www.archive.org/download/GegenStandpunktDieFrauenfrage/Gegenstandpunkt__Frauenfrage_M_89.mp3" /]

  10. @ Carl Jung

    Das ist Sozialismus. Und das ist auch Feminismus, denn das Weib, so scheint es mir, sucht nicht nach Freiheit, nach Kampf, nach Abenteuer…

    Haha, Freiheit, Abenteuer! Aber zuerst ausstempeln, nicht vergessen, Du Abenteurer!

  11. Weiter oben schrieb ich (ohne weitere Quellenangabe): „Im gleichen Geiste sprach Erich Fromm sinngemäß einmal davon, dass er, obwohl keinesfalls Gegner der Frauenbewegung, es bedauere, dass die Frauenbewegung dazu beitrage die menschliche Vielfalt zu reduzieren.“

    Hier habe ich den Absatz von Erich Fromm gefunden, auf den ich mit diesem Satz Bezug nahm. Die Passage kann als Kritik an der Gender-Ideologie und ihrer Funktion für das kapitalistische System interpretiert werden:

    „In der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaft hat sich die Bedeutung des Begriffs Gleichheit geändert. Man versteht heute darunter die Gleichheit von Automaten, von Menschen, die ihre Individualität verloren haben. (…) Es handelt sich um die Einförmigkeit von Abstraktionen, von Menschen, die den gleichen Job haben, die die gleichen Vergnügungen haben, die gleichen Zeitungen lesen und das gleiche fühlen und denken.
    In dieser Hinsicht sollte man auch Errungenschaften, die im Allgemeinen als Zeichen unseres Fortschritts gepriesen werden, mit Skepsis betrachten, wie etwa die Gleichberechtigung der Frau. Ich brauche wohl nicht besonders zu betonen, dass ich nichts gegen die Gleichberechtigung habe, aber die positiven Seiten dieser Gleichheitstendenz dürfen uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier auch um die Tendenz zur Ausmerzung von Unterschieden handelt. Man erkauft sich die Gleichheit eben um den Preis, dass die Frauen gleichgestellt werden, weil sie sich nicht mehr von den Männern unterscheiden. Die These der Aufklärungsphilosophie (die Seele hat kein Geschlecht), gilt heute ganz allgemein. Die Polarität der Geschlechter ist im Verschwinden begriffen, und damit verschwindet auch die erotische Liebe, die auf dieser Polarität beruht. Männer und Frauen werden sich gleich und sind nicht mehr gleichberechtigt als entgegengesetzte Pole. Die heutige Gesellschaft predigt das Ideal einer nicht-individualisierten Gleichheit, weil sie menschliche Atome braucht, die sich untereinander völlig gleichen, damit sie im Massenbetrieb glatt und reibungslos funktionieren, damit alle den gleichen Anweisungen folgen und jeder trotzdem überzeugt ist, das zu tun, was er will. Genauso wie die moderne Massenproduktion die Standardisierung der Erzeugnisse verlangt, so verlangt auch der gesellschaftliche Prozess die Standardisierung der Menschen, und diese Standardisierung nennt man dann „Gleichheit“.
    (Erich Fromm – Die Kunst des Liebens, S. 25 f.)

    Soweit Erich Fromm. Also mir persönlich argumentiert er hier ja tendenziell etwas zu essentialistisch, (ebenso wie ich Adornos Polemik gegen einen abstrakten Gleichheitsbegriff übertrieben finde). Aber es ging ja darum theoretische Unterschiede zum Genderfeminismus herauszuarbeiten.

  12. Pingback: Kulturmarxismus | Alles Evolution

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