„Bei Genderpolitik hört der Spass auf“

Fleischhauer schreibt im Spiegel:

Genderpolitik ist ein ernstes Thema. Kein Wunder, schließlich ernährt es mittlerweile einen riesigen Apparat. Es ist schwer, einen Überblick zu bekommen, wie viele Menschen davon leben, dass sie anderen erklären, warum Geschlecht nur ein soziales Konstrukt ist. Aber man darf getrost davon ausgehen, dass diese Minderheit nicht mehr ganz so klein ist.

Es wäre wirklich interessant da mal nähere Zahlen zu zu lesen. Wenn jemand Statistiken dazu hat, dann würde mich das auch interessieren. Jedenfalls aber kann man festhalten, dass es einige Leute in diesem Sektor gibt, die der Bereich gut ernährt.

Kaum ein Studienfach hat in den vergangenen Jahren eine solche Karriere hingelegt wie die von der modernen Geschlechtertheorie inspirierten Gender Studies. An deutschen Hochschulen gibt es inzwischen über 40 entsprechende Institute und Einrichtungen, darüber hinaus hat sich die Gender-Forschung an nahezu jedem geisteswissenschaftlichen Lehrstuhl etabliert. Auch im Verwaltungsalltag ist die moderne Gendertheorie längst angekommen. Jede Landesregierung, die etwas auf sich hält, fühlt sich der Förderung der Geschlechterneutralität verpflichtet, was man nicht mit gängiger Quotenpolitik verwechseln sollte.

Hier hat man in der Tat ganze Arbeit bei der Errichtung von Tabus geleistet. Wer entsprechende Anträge ablehnt, solche Projekte nicht verfolgen möchte, der sieht sich schnell dem Vorwurf der Frauenfeindlichkeit ausgesetzt. Es ist insofern einfacher für die Verantwortlichen entsprechende Programme vorzusehen und dann zu hoffen, dass man deren wahnsinnigere Vorschläge ignorieren kann.

Das ist ein bemerkenswerter Erfolg für eine Theorie, die ihren Ursprung in den Seminarräumen der philologischen Fakultät einer kalifornischen Hochschule hat und bis heute ohne jede wissenschaftlich nachprüfbare Fakten auskommt. Dass Menschen sich nicht entscheiden können, ob sie sich als Männer oder Frauen fühlen, mag vorkommen – auf der Überwindung des biologischen Geschlechts aber ein Konzept aufzubauen, das dann Richtlinie staatlichen Handelns wird, verlangt einiges an Phantasie. Der klassische Feminismus hat sich aus gutem Grund bescheidenere und in jedem Fall pragmatischere Ziele gesetzt wie die Veränderung der Machtverhältnisse.

Das sind erfreulich deutliche Worte. In der Tat ist der Unterbau dieser Theorien überaus schwach. Da das eines der Dauerthemen dieses Blogs ist, erspare ich mir hier das weiter auszuführen.

Wenn man einmal angefangen hat, über die Benachteiligung der Andersgeschlechtlichen nachzudenken, kommt man zu einer ganzen Reihe von Reformvorschlägen, um auch dem „Dritten Geschlecht“ zu seiner rechtmäßigen Anerkennung zu verhelfen. Dazu gehört ein Verbot der Ehe und damit ein Ende der „unsäglichen Subventionierung heterosexueller Liebe durch das Ehegattensplitting“, wie es die Nachwuchsorganisation der Grünen schon vor Jahren gefordert hat. In einem weiteren Schritt ist man dann bei der Abschaffung von „Geschlechtsangaben in Pässen“ und der Einführung einer „gegenderten Sprache“ im Rahmen der nächsten Rechtschreibreform.

Glücklicherweise gehen diese Themen und deren Präsentationen den meisten Menschen an der Lebenswirklichkeit vorbei. Ich kann mir vorstellen, dass Leute durchaus interessiert wären an der Frage, ob man das Ehegattensplitting ändern sollte, aber nicht unter dem Gesichtspunkt, damit die Heteronormativität zu bekämpfen. Und Geschlechtsangaben in Pässen sind auch keine drückenden Lasten in den Köpfen der meisten Menschen (wenn auch sicherlich einiger Transsexueller oder Transgender). Die gegenderte Sprache hingegen wird den meisten schlicht ein Greuel sein, jedenfalls, wenn sie sie selbst verwenden sollen.

Die geschlechtspolitisch derzeit anspruchsvollste Frage ist zweifellos, wie sich die Genderdiskussion mit der Debatte um die Frauenquote verträgt, die bis nach Brüssel gerade alle politischen Instanzen beschäftigt. Zeigt das Beharren auf Quoten nicht eine Fixierung auf die bipolare Geschlechterordnung, wie man sie eigentlich überwinden will? Oder anders gesagt: Wie geht man korrekt mit jemandem um, der zwar äußerlich alle Attribute eines Mannes trägt, sich aber der „Selbstkategorisierung in das binäre Geschlechtersystem“ verweigert? Muss es für solche Menschen demnächst eine eigene Unisex-Quote geben? Oder sollte man künftig auch Männern erlauben, Frauenstellen einzunehmen, wenn sie geltend machen, dass sie sich meist als Frau fühlen?

Das ist das Paradox wenn man vertritt, dass es eigentlich keine Geschlechter gibt, sie nahezu nicht zu bestimmen sind und dann gleichzeitig eine Frauenquote vertritt. Wobei das Leugnen von Geschlechtern an sich ja in dieser radikalen Form selten sein wird. Meist wird man zugestehen, dass eine Einteilung nach Phänotyp durchaus möglich ist, daran dann aber eben soziale Normen festmachen, die Privilegien für ein Geschlecht bedeuten, was dann wieder eine Frauenquote ermöglicht.

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Selbermach Samstag XXVI

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Das feministische Recht auf Wut

Immer wieder liest man auf feministischen Bl0gs etwas davon, dass eine Feministin wütend ist, richtig wütend, und das es anderen nur nicht einfallen soll, sie daran zu hindern. Sie explodiert fast vor Wut und sie lässt sich auch nicht gefallen, dass andere ihr den Mund verbieten wollen/sie Mundtot machen wollen/ihr ihre Wut absprechen wollen.

Gerade beispielsweise wieder hier:

das alles spielte sich in den letzten 4 Jahren ab und in dieser zeit machte ich meine ersten bewussten begegnungen mit rassismus theorien und anderen -ism. dann kam erst mal eine große welle wut. die hab ich großzügig um mich verteilt…wer konnte ging in deckung, wer den selben leidensdruck verspührte machte mit und diejenigen, sie damit nichts anfangen konnten begaben sich in eine verteidigungshaltung

Ich finde dieses Recht auf Wut immer wieder faszinierend. An anderer Stellte hatte ich ja schon auf „feminist rage“ als Begriff verwiesen. Wie man oben sieht folgt die Wut aus der Aufnahme der feministischen Theorien und dem Leidensdruck, den man dabei erfährt.

Die Reaktionen sind wie zu erwarten nicht sonderlich positiv:

meine wutwelle und mein allgemeiner weltschmerz kamen im real life nicht unbedingt gut an….eh klar, immerhin hing und hängt meine wut mit strukturen zusammen, von denen der großteil meiner damaligen bezugspersonen im alltag mächtig profitierte.

wie oft wurde ich aufgefordert doch weniger agressiv und unbequem zu sein, wie oft wurd ich gebeten, meine politischen statements aus freund_innenschaften herauszuhalten. im gegenzug aber anhaltende diskriminierungen zu dulden – es war ja nicht böse gemeint…hm. ja,nee is klar. also wer tatsächlich denkt, dass ungleiche machtverhältnisse und unterdrückungsmechanismen in freund_innenschaftsstrukturen nicht auch vorhanden sind, hat etwas ziemlich wichtiges nicht gecheckt. kackscheiße bleibt kackscheiße, so lieb sie auch formuliert wird und auch wenn alle lachen.

Letztendlich dient die Wut insofern auch der Abgrenzung nach Außen:  Der andere muss die Wut nachempfinden können, weil er auch benachteiligt ist oder aber akzeptieren, dass der andere wütend ist, weil er ja auch allen Grund dazu hat: Wer die Wut nicht akzeptiert, der stützt letztendlich das System, der macht sich den Kampf gegen das System nicht zu eigen, der kann nicht mehr Freund sein.

Ganz besonders kann er das natürlich nicht, wenn er nicht meint, dass die jeweilige Feministin keine Macht hat und nicht unterdrückt wird, wenn er also ihre machtvolle Opferrolle nicht akzeptiert. Auch klar: Es gibt keine Grauzonen, was „kackscheiße“ ist, kann nicht lustig sein.  Der radikale Feminismus kann über so etwas nicht lachen, die Aufforderung doch etwas Humor zu haben, gilt eher als Angriff bzw. als Stützung des Systems.

ich habe das gefühl bekommen, dass meine Gesellschaftkritik als neues hobby missinterpretiert wurde. als gewählter freizeitspass. Ich hab öfters versucht des aufzuklären, bin es aber mittlerweile leid. Wenn menschen (noch) keine lust haben, sich kritisch mit ihren lebensrealitäten und positionen auseinander zusetzen, tja dann kann ich das auch nicht ändern.

Übersetzt: Warum nehmen mich die Leute nicht ernst, wo ich so wichtige Themen anspreche und ihnen ihre und insbesondere meine UNTERDRÜCKUNG und BENACHTEILIGUNG aufzeige? Warum sehen sie nicht wie erst mir das ist?

ich brauche gesellschaftkritik oder ein bisschen wut in meiner gegenwart nicht als liebesbeweis. wer zufrieden ist mit dem was sie_er hat – bitte schön. ich bins nicht und mein harmoniebedürfnis geht k.o wenn es gegen weltschmerz ankämpft.

umso schöner, dass es menschen gibt, die ähnliche wut spüren!

wut tut gut! mut zur wut!

ich surfe gerne mit euch auf der wutwelle, empöre mich mit euch und sammle tumblr gifs für mansplainer und nichts checker_innen.

es tut gut euch zu haben und wir stellen fest: wut kann oft sehr lustig sein. neben oder gerade durch all unser theoriegerede, unseren beschwerdebriefen und unserer unbequemlichkeit, hab ich in euch kritische freund_innen gefunden, die mir nicht nach dem mund reden, sondern mich rütteln und schütteln und mir helfen beim klar kommen.

Die Mansplainer und die Nichts-Checker_innen, die Dummen also, die es noch nicht verstanden haben und deswegen nicht wütend sind. Wir dagegen: Rebellen. Unbequem! Stacheln im Fleisch der anderen

Ich kann mir gut vorstellen, dass dabei ein schönes Gruppengefühl entsteht. Man grenzt sich ab zu den anderen, schafft ein klares Feindbild, erklärt sich zur Elite derjenigen, die alles durchschaut haben und jetzt verbessern, weist also sich selbst und der Gruppe Status zu.

Zudem erlaubt es Wut auch sehr schön die eigene Meinung als Taboo auszugestalten, ein Dogma aufzubauen, welches nicht hinterfragt werden darf. Ein Dogma bietet viele Vorteile, weil man es eben nicht inhaltlich hinterfragen darf, was bei der Angreifbarkeit feministischer Theorien auch nicht günstig wäre. Man muss sich auch nicht selbst hinterfragen, man muss nur akzeptieren. Wer aber das Dogma in Frage stellt, das Taboo angreift, den darf gerechter Zorn treffen.

Jesus als „Costly Signal“

Der Gedanke der Opferung des Sohnes Gottes damit er selbst den Menschen vergeben kann erscheint mir etwas bizarr.

Die Kreuzigung Jesus wird, wenn man es zunächst mal als die Kreuzigung eines Menschen sieht, der bestimmte Lehren verkündet hat und der Sohn Gottes zu sein behauptet, als notwendig angesehen, damit der Mensch von der Erbsünde erlöst wird:

Der Karfreitag ist im Zusammenhang mit Ostern für die Christen einer der höchsten Feiertage. An ihm gedenkt die Kirche des Todes Jesu Christi in Erwartung seiner Auferstehung. Nach ihrem Glauben litt und starb Jesus als „Gottesknecht“ und nahm im Kreuzestod freiwillig die Erbsünde und Schuld aller Menschen auf sich. Durch Tod und Auferstehung Jesu wird allen Menschen erst Sündenvergebung und damit Errettung aus dem Tod und ewiges Leben ermöglicht. Gleichzeitig betont die katholische Theologie zunehmend die Konsequenz seiner Gottessohnschaft, deren Botschaft von der Zuwendung des Schöpfergottes zu den Menschen eben nicht an Gewalt und Tod ihre Grenzen findet.

Das Karfreitagsgeschehen ist nicht isoliert zu betrachten, sondern steht in einer Reihe mit Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Nicht das Opfer Jesu soll damit allein das Große sein, sondern der Sieg über Hölle, Tod und Grab.

Die Erbsünde ist eh ein interessantes Konzept:

Grundsätzlich ist es wohl der Umstand, dass Adam und Eva, als tatsächlich vorhandene erste Menschen, einen Apfel vom Baum der  Erkenntnis gegessen haben, gegen die Anweisung Gottes. Das hat dann wohl eine Trennung zwischen Gott und den Menschen verursacht:

Der Begriff wird in der orthodoxen, römisch-katholischen und den verschiedenen evangelischen Traditionen verschieden aufgefasst. Gemeinsam ist in allen christlichen Traditionen die Lehre der Trennung des Menschen von Gott, bedingt durch die Erbsünde. Mit Hilfe von Jesus Christus kann die Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt werden. Der Mensch allein besitzt nicht die Kraft dafür. Unterschiede bestehen innerhalb der christlichen Konfessionen hinsichtlich der Art des Weges, welcher zur Erlösung gegangen werden muss.

Man braucht also ein Opfer mit dessen Hilfe der Mensch wieder die Gemeinschaft mit Gott herstellen kann. Dazu opfert man den Sohn Gottes, der gleichzeitig er selbst ist., was ihm aber nicht bewusst ist, da er sich am Kreuz von Gott verlassen sieht, sich also nur als tatsächlichen Sohn sieht.

Insgesamt scheint mir das Konzept sehr konfus:

  • Die Erbsünde scheint etwas zu sein, was außerhalb des Einflusses Gottes liegt, was er also nicht ohne weiteres korrigieren kann oder will. Er benötigt hierzu anscheinend ein bestimmtes Opfer, welches die Sünden symbolisch auf sich nimmt (dann aber trotz Übernahme dieser Sünden an der Seite Gottes sitzt?)
  • Eine andere Betrachtung wäre, dass das Opfern Jesus Gott als Werkzeug dient, die außerhalb seines sonstigen Einflusses liegende Erbschuld zu überwinden
  • Eine etwas banalere Erklärung wäre, dass Erkenntnis aus naheliegenden Gründen eine Trennung zwischen Gott und den Menschen herbeiführt und dies aus Sicht jeder Religion sündig erscheinen muss. Mit der Akzeptanz Jesus als Sohn Gottes und Retter der Menschheit wäre wieder mehr Unkenntnis in der Welt, die mehr Glauben ermöglicht und damit in der Tat de Kluft zwischen Mensch und Gott verringert. (zu Religion selbst als Costly Signal)

Jedenfalls scheint es allgemein wichtig zu sein, dass Gott hier seinen eigenen Sohn opfert oder aber dieser sein eigenes Leben für die Gemeinschaft gibt.

Jesus sendet oder ist damit in dieser Religion ein „Costly Signal“, eine Schuld, der der Mensch gerecht werden muss.

Das passt gut dazu, dass Religion auch die Möglichkeit ist, mit einer höheren Instanz um ein besseres Leben zu verhandeln. Gott legt hier insofern vor.

 

Evolutionäre Vorteile der verdeckten Ovulation

Menschliche Frauen haben im Gegensatz zu anderen Primaten eine verdeckte Ovulation, es ist also nicht ohne weiteres klar, dass sie gerade fruchtbar sind.

Gründe dafür können die Folgenden sein:

1. Investitionen des Vaters sicherstellen

Eine deutlich dargestellte Ovulation, wie etwa bei Schimpansen, erlaubt den Männchen sich nur dann um eine Befruchtung zu bemühen, wenn das Weibchen fruchtbar ist. Brautwerbung kann so auf ein Minimum beschränkt werden.

Eine verdeckte Ovulation bedeutet hingegen, dass sich das Männchen umfangreicher um das Weibchen bemühen muss, da er die genauen Zeiten der Fruchtbarkeit nicht kennt. Statt also einfach zu versuchen mit jedem Weibchen zu schlafen, welches gerade fruchtbar war, lohnte es sich immer wieder nur mit einem Weibchen zu schlafen, um so sicherer den Zeitrahmen der Fruchtbarkeit zu erwischen. Gleichzeitig lohnte es sich eher für das Männchen dauerhaft andere Männchen von der Frau fernzuhalten um so eine Befruchtung zu verhindern, was sonst nur an den fruchtbaren Tagen sinnvoll gewesen wäre. Daraus kann sich dann die Paarbindung  entwickeln und eine Unterstütztung bei der Schwangerschaft.

2. Vaterunsicherheit erhöhen

Ein weiterer möglicher Vorteil könnte darin bestehen, dass eben genau der Effekt, dass jederzeit eine Befruchtung eintreten kann, dazu führen kann, dass andere Männer sich ebenfalls als mögliche Väter sehen und dadurch die Wahrscheinlichkeit besteht, das diese evtl Kinder auch fördern oder im Fall einer neuen Partnerschaft nicht verstoßen/töten.

3. Bessere Möglichkeiten Sex als Belohnung/Tauschmittel einzusetzen

Bei einer angezeigten Ovulation ist Sex nur dann interessant/lohnenswert, wenn Fruchtbarkeit besteht.

Bei einer verdeckten Ovulation hingegen bleibt die Option auf Befruchtung immer bestehen, so dass Sex durchgängig interessant bleibt. Damit kann  durchgängig Sex zB gegen Versorgung getauscht werden zB über Nahrung nach guter Jagdbeute etc.

4. Selbsttäuschung der Frauen

Eine These, die ich neulich hörte, baut darauf auf, dass menschliche Kindern im Verhältnis zur Körpergröße der Frau sehr groß sind und die Geburt des Kindes damit eine der problematischsten und schmerzhaftesten ist, die es gibt. Eine verdeckte Ovulation verhindert, dass Frauen an den fruchtbaren Tagen Sex meiden, um die Schmerzen der Geburt zu vermeiden.

 

Jäger und Sammler: Frauen als Jägerinnen?

In der FAZ ist ein Artikel, der sich mit „anti-emanzipatorischen Argumente für Steinzeit für immer“ beschäftigt. Dort heißt es zur Jagd:

Was nämlich spricht dagegen, dass auch Frauen jagten? Nichts. Das ist schon die ganze Antwort. Niemand weiß, wer die Speere oder Lanzen benutzt hat, die gefunden worden sind, möglich ist alles. Zu schwach? Zu viel Arbeit mit den Kindern? „Jagende Frauen“, sagt Miriam Haidle, Paläoanthropologin und Koordinatorin eines Forschungsprojekts über kulturelle Evolution an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, „sind weltweit ethnographisch belegt, von der Polarregion, Nordamerika, Südamerika, Afrika, Asien, Australien.“ Der Grad der Beteiligung an der Jagd sei veränderlich, „von einzelnen bis zur Mehrheit der Frauen, die Beute reicht in der Regel von Kleinwild bis Mittelwild“.

Zunächst kommt es natürlich darauf an, was man unter Jagen versteht. Kleinwild jagen ist etwas anderes als größeres Wild jagen. 

Bei größeren Wild spricht in der Tat zunächst die Körperkraft dagegen:  Eine lange Zeit erfolgte die Jagd mit einem Stoßspeer, Fernkampfwaffen sind relativ jung. Mit einer Waffe nahe an ein größeres Tier heranzugehen und eine Waffe direkt einzusetzen erfordert einiges an Kraft und hat ein hohes Verletzungsrisiko.

Hier ein paar körperliche Unterschiede zwischen Mann und Frau:

  • Männer wiegen etwa 15% mehr als Frauen
  • Männer sind im Schnitt 15 cm größer als Frauen
  • Der Oberkörper von Männern ist im Schnitt 40-50% stärker
  • der Unterkörper von Männern ist im Schnitt 30% stärker
  • Männer haben relativ zu ihrer Körpergröße mehr Lungenvolumen (ca. 30%)
  • Ellenbogen und Knie sind beim Mann c42-60% stärker
  • die Haut von Männern ist dicker und fettiger
  • Männer haben mehr Körperbehaarung als Frauen
  • Männer haben im Schnitt 5,2 Millionen rote Blutkörperchen pro Kubikmililiter, Frauen 4,6 Millionen
  • Männer haben mehr Hämoglobin als Frauen und können daher mehr Sauerstoff speichern
  • Männer haben im Verhältnis zu ihrem Körper ein um 10% größeres Herz
  • Männer haben stärkere Knochen
  • Frauen wandeln mehr ihrer Nahrung in Fett um, Männern mehr in Muskeln
  • Männer können mehr Hitze abgeben, weil sie mehr Schweißdrüsen haben
  • Frauen haben mehr weiße Blutkörperchen (bessere Imunabwehr)
  • Männer haben mehr Gerinnungsfaktoren und Inhibitoren im Blut (schnellere Wundheilung)

Man sieht also, dass Männer im Verhältnis zu Frauen wesentlich besser auf körperliche Auseinandersetzungen, sowohl mit Tieren als auch mit anderen Menschen, abgestimmt sind. Sie haben im schnitt deutlich mehr Kraft, sind stabiler gebaut, können mehr Sauerstoff ins Blut bringen, heilen schneller. All das kann sich nur entwickeln, wenn es einen Selektionsvorteil bringt, und all diese Umstände bringen Vorteile bei der Jagd.

Auch mit Wurfwaffen und Schußwaffen wird das Bild nicht besser:

Bei Wurfwaffen wie Speeren ist erhebliche Körperkraft erforderlich, um das Tier damit zu verletzen. Auch hier spricht gerade die im Schnitt erheblich größere Kraft im Oberkörper für eine Selektion durch Jagd. Hinzu kommen Vorteile der Männer durch die im Schnitt besseren Fähigkeiten beim räumlichen Denken, was die Zielgenauigkeit erhöht. Alle Sportarten, die die genaue Platzierung eines Geschosses oder die Berechnung einer Flugbahn erfordern sind üblicherweise deutlich männlich besetzt, beispielsweise Dart ist recht fest in männlicher Hand, obwohl die Körperkraft hier letztendlich keine Rolle spielen wird. (Natürlich wird es immer wieder ein großartige Dartspielerin geben, aber eben seltener als einen männlichen Dartspieler). Ein Bogen mag danach weniger Kraft erfordern, Frauen werden ihre Stärken dennoch eher in anderen Bereichen gesehen haben.

Hinzu kommt, dass bei nahezu allen Naturvölkern die wir heute kennen Jagd eine männliche Angelegenheit ist, lediglich Kleintierjagd wird auch von Frauen betrieben.

Hier eine Tabelle dazu:

Tätigkeiten Männer Frauen

Tätigkeiten Männer Frauen

Wie man sieht ist in den meisten Völkern die Jagd auf große Tiere Männersache, die Jagd auf kleine Tiere wird auch von Frauen vorgenommen.

Dazu allerdings im Artikel:

Eines der prominentesten Beispiele sind die Agta, ein Volk, das auf den Philippinen lebt. Die Frauen tragen Macheten, sie jagen mit Pfeil und Bogen, auch dann noch, wenn sie schwanger sind. Die Beute sind Wildschweine und Hirsche, die Mädchen fangen kurz nach der Pubertät mit dem Jagen an. Kinder werden auch mitgenommen, huckepack auf dem Rücken.

Dazu ist zunächst anzumerken, dass es natürlich immer wieder Kulturen geben kann, in denen Frau Jagd betreiben. Gerade wenn das Sammeln in dieser Gegend wenig ergiebig ist, die Jagd aber schon, dann kann dies dazu führen, dass entsprechende Regeln geändert werden, damit man genug Nahrung hat. Es wird aber den meisten einleuchten, dass eine Jagd mit einem Kleinkind auf dem Rücken oder schwanger nicht gerade ideal ist. Man kann sich nicht anschleichen, weil das Kind vielleicht schreit. Das Kind kann verletzt werden. Es hindert beim Jagen und beim Benutzen der Waffe. Die Verletzungsgefahr für Mutter und Kind ist damit sehr hoch bei einer solchen Jagd. Es spricht damit einiges dafür, dass diese Tätigkeit häufiger und regelmäßiger von Männer ausgeübt wurde.

Insbesondere ist zu bedenken, dass in der Steinzeit zum einen wesentlich mehr Großwild vorhanden war. Wo auch immer der Mensch hin kam folgte ein Aussterben dieser großen Landtiere, so dass man vermuten darf, dass diese der Großwildjagd zum Opfer fielen.

Und zum anderen waren auch wesentlich gefährlichere sonstige Tiere unterwegs, die Menschen ebenfalls als Beute angesehen haben und die Jagd zusätzlich gefährlich machten.

Allerdings scheinen auch die Berichte über die Agta überholt zu sein:

The Agta of the Philippines are often cited as evidence that women can hunt as proficiently as men, despite encumbrances of childcare. In fact, many forager women, including Ache and Hiwi, participate in hunting activities. However, women rarely make kills of medium-sized or large game; instead, they engage in activities that help men hunt successfully. In contrast, Agta women hunt with bows and arrows and kill the same prey as do men. The Agta data are important because they indicate conditions under which women may actively hunt. However, fewer than 100 Agta women claimed to have ever hunted from a population of about 9,000 on Luzon Island (P. B. Griffin and T. Headland, personal communication). Most women who reported having hunted were no longer hunting during the ethnographic observation period, and most late-twentieth-century Agta had never heard of women hunters (P. B. Griffin and T. Headland, personal communication). Hunting production data exist for a sample of only six women hunters (Goodman et al. 1985), and available data suggest several patterns relevant to women’s hunting:

(1) carbohydrate resources provided low returns and were rarely encountered;

(2) meat was traded for carbohydrates at a favorable rate;

(3) fertility and ratios of dependent children to adults were low, with high availability of alloparents;

(4) women who hunted were often sterile or postreproductive;

(5) all women’s kills resulted from hunting with dogs; and

(6) women’s hunting always took place less than 5 km from camp, allowing rapid return to dependent offspring (Estioko-Griffin 1985, 1986; Goodman et al. 1985).

The first three points may explain why African Pygmy women participate in communal net and bow hunting activities. Dogs immobilize Agta prey, perhaps explaining why they regularly dispatch prey without men whereas Hiwi and Ache women rarely do. No study of Agta women hunters has examined whether active hunting is related to women’s reproductive status at the time of hunting, but anecdotes suggest that women hunted infrequently or not at all when pregnant or lactating (Estioko-Griffin 1986, 42).14

Das bestätigt also im wesentlichen das oben gesagte.

Dann weiter in dem Ursprungstext.

Umgekehrt gibt es natürlich auch in vielen Kulturen sammelnde Männer. Sammler, Frauen wie Männer, brauchen Gefäße, Taschen, Mörser, Messer, sie müssen wie Jäger ausschwärmen und beobachten, es spricht also auch nichts dafür, dass Sammeln kein Motor für Erfindungen sein kann.

Richtig ist, dass auch Männer gesammelt haben. Das dürfte schon damit zusammen hängen, dass Jagdbeute unsicherer ist als das Sammeln von essbaren Pflanzen. Aber das bedeutet nicht, dass bei Männern nicht dennoch eine Selektion auf bessere Jagdeigenschaften eingetreten sein kann.

Der oben für die Grafik bereits zitierte Artikel beleuchtet Gründe für die Jagd:

The role of men in hunter-gatherer societies has been subject to vigorous debate over the past 15 years. The proposal that men hunt wild game as a form of status signaling or “showing off” to provide reproductive benefits to the hunter challenges the traditional view that men hunt to provision their families. Two broad assumptions underlie the signaling view: (1) hunting is a poor means of obtaining food, and (2) hunted game is a public good shared widely with others and without expectation of future reciprocation. If hunters lack the ability to direct food shares and obtain subsequent benefits contingent on redistribution, then the ubiquitous observations of male hunting and universal pair-bonding cannot be explained from a perspective that emphasizes kin provisioning and a division of labor. Here we show that there is little empirical support for the view that men hunt for signaling benefits alone. The ethnographic record depicts a more complex relationship between food sharing patterns, subsistence strategies, mating, and the sexual division of labor. We present a framework incorporating trade-offs between mating and subsistence strategies in an economic bargaining context that contributes to understanding men’s and women’s roles in huntergatherer societies.

Quelle: Why Do Men Hunt? A Reevaluation of “Man the Hunter” and the Sexual Division of Labor

Aus der Studie:

On average, men contribute about 65% of the calories and 85% of the protein to the forager diet (Kaplan et al. 2000; Marlowe 2001).

Das zeigt auch, dass Fleisch gerade als Proteinquelle wichtig war und Jagd einiges an Kalorien lieferte.

Zu der Frage, inwieweit es bei der Jagd um „Brautwerbung“ oder schlicht Nahrung geht heißt es dort:

The provisioning pathways may favor hunting in most societies, but commitment to hunting is reinforced by the signaling payoffs that aid in mating success and coalition building. Hunting may be ubiquitous among men cross-culturally precisely because of the multiple pathways by which it affects fitness via both private and household gains. Both early historical focus on family provisioning and recent emphasis on mating payoffs provide only partial explanations for why men hunt. We have described a model of the sexual division of labor in which men hunt and women gather because of maternal constraints, long learning periods for many foraging activities, and male comparative advantage combined with the goal of providing a diverse multinutrient diet. Furthermore, men’s hunting production is not lost through sharing but is biased toward family members and channeled to others strategically via contingent reciprocity, social insurance, “cooperative breeding,” and costly display. Other models that emphasize political goals, enhanced group size, and well-being in the context of intergroup competition deserve careful consideration. Long-term pair-bonds cannot be explained by the signaling model alone because it implies that women should be indifferent to marrying good hunters and men should abandon their wives as their fecundity declines. Men in foraging societies voice concern for spousal and offspring welfare; they engage in daily activities that indicate such concern, especially when spouses are pregnant. Among the Ache, Hiwi and Tsimane, men often take custody of children after maternal death or divorce and provide extensive support. Several scenariobased experiments conducted with Ache and Hadza men witdependents show that they prefer to reside in groups with good hunters who will help provision their families rather than in groups of poor hunters where status signaling opportunities are high (Wood 2006; Wood and Hill 2000). New physiological data on male-female and male-offspring bonding mechanisms and hormones that promote such bonding (e.g., oxytocin, vasopressin, dopamine, decreased testosterone) may demonstrate that human males were designed by natural selection to increase cooperative sentiment with female partners and to help raise highly dependent offspring (Gray et al. 2004). These mechanisms may set humans apart from other apes and may provide a window into the social structure of our hominin ancestors. Undoubtedly, spousal conflicts arise because of male mating goals, and these conflicts may modify men’s behavioral patterns. Rather than continue to argue over monocausal explanations of men’s hunting, new studies should examine how costs and benefits of male mating and parenting investment vary with ecological circumstance, partner status, condition and need of offspring, and availability of substitutable aid. In addition, they should examine how hunting rather than gathering might best meet male goals given the constraints of human social living.

Die Jagd erlaubte den Männern also besser als das Suchen nach Nahrung sowohl ihre „guten Gene“ darstellen zu können und somit Qualitäten zu zeigen als auch genügend Nahrung herbeizuschaffen. Diese Lage machte Jagd für Männer zusätzlich attraktiv.

7 Tage Sex

Ich habe die Show nicht gesehen, aber die Werbung stellt das Konzept ja hinreichend dar:

Paare, bei denen das Sexleben eingeschlafen ist, sollen sieben Tage lang jeden Tag Sex haben und so wieder die Lust aneinander entdecken.

Viele Männer und wohl auch viele Frauen, die noch nicht so lange in einer Beziehung oder gar Single sind, werden darin wohl kein großes Problem sehen, gerade bei Paaren, die länger zusammen sind, kann aber der Sex schon mal einschlafen und meist wird es dann eher der Mann sein, der mehr Sex will und auch mit den 7 Tagen am Stück wenig Probleme hätte.

Aus meiner Erfahrung sind die Einstellungen schon sehr unterschiedlich. Ich kenne Frauen, bei denen auch bei langen Beziehungen das Sexualleben sehr aktiv ist und Frauen, die sich schon am Anfang einer Beziehung mit einer vergleichsweise geringen Frequenz zufrieden geben (meine Erfahrungen mit Männern sind in der Hinsicht als Heterosexueller sehr beschränkt).

Was haltet ihr denn von so einem Projekt um das Sexualleben wieder in Gang zu bringen? Kann das klappen und die Lust kommt beim Ausprobieren oder ist es dann einfach eine lästige Pflicht für den einen? Welche Methoden gibt es aus eurer Sicht, um das Sexleben wieder in Schwung zu bringen?