Die Oscars, Seth MacFarlane und der Boobs Song

Die diesjährigen Oscars waren nach Meinung vieler Feministinnen besonders sexistisch. Insbesondere ein Einspieler des Moderators Seth MacFarlane erregte einiges an Aufsehen:

Dabei meldet sich Captain Kirk aus der Zukunft und warnt MacFarlane, dass er der schlechteste Moderator aller Zeiten sein wird, indem er ihm eine Szene aus der Zukunft zeigt, in dem MacFarlane den „Boobs-Song“ singt. In diesem geht es darum, dass er anwesenden Schauspielerinnen vorsingt, in welchem Film wir bereits ihre Brüste gesehen haben. Die Reaktionen der Schauspielerinnen wurden ebenfalls bereits vor der Show aufgezeichnet und wurden ebenfalls nur eingeblendet, es war kein Live-Auftritt.

Hier das Video:

Zunächst einmal ist noch zu ergänzen, dass MacFarlane der Kopf hinter „Family Guy“ ist, so dass man wohl mit einer gewissen Art von Humor rechnen musste:

In einem Artikel im New Yorker heißt es nun zu der Oscar-Show:

We Saw Your Boobs” was as a song-and-dance routine in which MacFarlane and some grinning guys named actresses in the audience and the movies in which their breasts were visible. That’s about it. What made it worse was that most of the movies mentioned, if not all (“Gia”), were pretty great—“Silkwood,” “Brokeback Mountain,” “Monster’s Ball,” “Monster,” “The Accused,” “Iris”—and not exactly teen-exploitation pictures. The women were not showing their bodies to amuse Seth MacFarlane but, rather, to do their job. Or did they just think they were doing serious work? You girls think you’re making art, the Academy, through MacFarlane, seemed to say, but all we—and the “we” was resolutely male—really see is that we got you to undress. The joke’s on you. At a moment when Sheryl Sandberg, the Facebook chief operating officer, talks about how women have to “lean in” in the workplace, Seth MacFarlane pops up from behind to say, “So we can see your boobs.”

Ich finde den Gedanken ja etwas naiv, dass die Frauen ihre Brüste gezeigt haben, nur um ihren Job zu machen. Natürlich waren sie sich bewusst, wie sich das Zeigen von Brüsten heutzutage auswirkt und das die Filme sich besser verkaufen als wenn sie die Szene so gedreht hätten, dass man nichts sieht. Das kann man natürlich problemlos, genug Filme haben Sexszenen, in denen man man dank des passenden Winkels nichts sieht.

Dennoch ist das Lied natürlich etwas kindisch. Es zeigt aber auch, welch merkwürdiges Verhältnis wir immer noch zu Nacktheit und Sex haben.

Es ist okay nackt in einem Film zu sein, wenn man es rationalisieren kann als zur Rolle gehörend und durch diese gefordert. Es braucht anscheinend immer noch diesen kleinen Zusatz um dem Brüste zeigen das billige zu nehmen. Selbst bei Playboy-Fotos macht man nicht einfach so Nacktfotos mit dem Wissen, dass viele Tausend Männer sich zu diesen befriedigen werden, man macht „anspruchsvolle und künstlerische Fotos“.

Mit dem Song durchbricht MacFarlane diese Illusion in dem er den „Male Gaze“ wieder in den Vordergrund stellt und damit die Rechtfertigung nimmt und die Szenen damit das Zeigen der Brüste wieder auf das reduziert, was es ist: Das deutliche Senden sexueller Signale.

Dabei wirkt MacFarlane wie ein kleiner Junge, der sich über ein paar Brüste freut, die Frauen spielen die genervten, um das Bild noch zu vervollständigen, schließlich soll es ja zeigen, dass er ein schlechter Moderator ist. Er betreibt sicherlich „Slutshaming“ indem er die sexuellen Aspekte so deutlich benennt, gleichzeitig bedient dabei das Klischee der schmutzigen männlichen Sexualität, des unreifen Mannes. Das alles überhöht er pompös, um ihm die Schärfe zu nehmen.

Ich will damit nicht sagen, dass MacFarlane hier hohe Kunst abgeliefert hat und man es nicht kritisieren darf.

Aber sich dabei auf die alte Ausrede zu stützen, dass die Frauen hier nur Kunst machen ist doch etwas einfach

43 Gedanken zu “Die Oscars, Seth MacFarlane und der Boobs Song

        • @Robin

          „Naja, wie kann man Family Guy erwähnen, aber American Dad nicht?!?!1ß“

          Ich finde Family Guy hat noch einen infantileren Humor, wohl auch, weil Peter und sein Sohn dümmer sind. Insofern passt es aus meiner Sicht besser zum „Boobs Song“. Ich finde American Dad sogar seine bessere Show, auch wenn es die gleichen Archetypen sind in all seinen drei Shows.

          „Naja, ich werde zu einem etwas anderen Urteil kommen als du“

          Ich bin gespannt.

          „Hast du mal “Monster” gesehen?“

          Nein, auch wenn ich grob weiß, worum es geht. Er mag insofern nicht in meine Besprechung passen, auch weil die Frau dort ja relativ hässlich sein soll. Natürlich kann Nacktheit auch über Sexualität hinaus etwas ausdrücken, etwa Verletzlichkeit oder Vertrautheit.
          Andererseits ist es wohl verständlich, wenn man Charlizes Therons Brüste sehen will, ob der Rest von ihr dabei hässlich verkleidet ist oder nicht. Sie ist ja an sich eine schöne Frau.

          Ein wesentlicher Teil ist aber eben, dass es in dem Lied darum geht, dass er zu begeistert von Brüsten ist für einen Erwachsenen. es wirkt albern. Das wird durch unpassende Filme eher noch betont. Ich schrieb dazu:

          Mit dem Song durchbricht MacFarlane diese Illusion in dem er den “Male Gaze” wieder in den Vordergrund stellt und damit die Rechtfertigung nimmt und die Szenen damit das Zeigen der Brüste wieder auf das reduziert, was es ist: Das deutliche Senden sexueller Signale.

          Dabei wirkt MacFarlane wie ein kleiner Junge, der sich über ein paar Brüste freut, die Frauen spielen die genervten, um das Bild noch zu vervollständigen, schließlich soll es ja zeigen, dass er ein schlechter Moderator ist. Er betreibt sicherlich “Slutshaming” indem er die sexuellen Aspekte so deutlich benennt, gleichzeitig bedient dabei das Klischee der schmutzigen männlichen Sexualität, des unreifen Mannes. Das alles überhöht er pompös, um ihm die Schärfe zu nehmen.

  1. Ach Robin …

    Wenn du geschwiegen hättest ….

    Was soll das jetzt sein? Was meinst du, jetzt gesagt zu haben?

    Nichts hast du gesagt. Außer einem kindischen „ich bin aber besser als du … ällebätsch“. Und DAS dann auch noch ohne auch nur eine Andeutung einer Substantiierung.

    „Im Gegensatz zur dir kenne ich den Typen und sein Werk“. Ach ja?

    Ich kenne ihn nicht. Ist mir aber auch egal. Ich will jetzt auch wirklich nichts wissen über ihn.
    Ich will aber über dein Kommunikationsverhalten etwas sagen. Ist das überhaupt Kommunikation? Nein. Es ist ein „an-jemanden-hinreden“. Und reines EGO-Pimping. Das habe ich schon einmal eleganter gesehen. Du betreibst es in der plumpest denkbaren Form. Reine Behauptung. „Du Christian, kennst dich nicht wirklich aus – ich aber schon“.

    Hier hätte man jetzt ein wenig Substanz erwartet. Wer so großspurig auftritt im Anspruch wie du, muss jetzt mit ein wenig „Fleisch“ überkommen. Was genau weiß Christian nicht über den fraglichen Typ – du aber schon? In wie weit wäre das von Belang für den hier fraglichen Sachverhalt? Und was kommt von dir?
    Ein brüllendes Nichts.

    DU glaubst, du bist besser als Christian? Bist du nicht!

    Christian leistet hier mit seinem Blog etwas. Und das täglich. Und du versuchst ihm hier halbseiden ans Bein zu pinkeln? Ich sage dir was: Du reichst ihm nicht mal auf Kniescheibenhöhe.

    Du hast ein gekränktes EGO – und selber leider sehr eingschränktes Potential.
    DIESE Art von verbaler Intervention, die du hier demonstrierst, kenne ich tatsächlich nur von Frauen. (Nicht alle Frauen sind so – aber einige). Die Botschaft lautet: Ich habe zwar nichts zu sagen – trotzdem möchte ich alle Aufmerksamkeit auf mich.

    So, wie du dich hier intellektuell entblößt, wäre es besser, du würdest dir diese Aufmerksamkeit nicht wünschen. Es wäre besser, du wünschtest: Hoffentlich sieht es keiner, was für einen hilflos gekränkten Charakter ich habe.
    Aber das kannst du nicht.

    Und Frauen wie du bilden sich dann mit SOLCHEN Beiträgen ein, einfach „besser in Kommunikation“ zu sein als die neandertalerischen grunzenden Affen, als die Männer?

    Ich sage dir noch etwas: Frauen wie du müssen erst einmal den Unterschied zwischen Kommunikation und Geschwätz lernen.
    Das da oben ist Geschwätz. Und ein völlig substanzloses noch dazu.

    Die ganze Attitüde, die du hier ventilierst, ist verachtenswert.

    • @virtual-cd

      Wenn man schlecht gelaunt ist, vielleicht gereizt oder von einer bestimmten Person sowieso nur Äußerungen mit einer bestimmten Zielrichtung erwartet, dann interpretiert man schnell etwas in einen Text hinein, das SO gar nicht gemeint war. Ist mir auch schon passiert.

      Ich musste Robins Text noch einmal lesen um zu erkennen, welche Formulierung Dir hier in den falschen Hals gekommen sein könnte. Besteht vielleicht der Hauch einer Chance, dass Du hier ein bisschen überreagierst und Dinge in den Text hineininterpretierst, die dort nicht stehen?

      Lies doch einfach Robins Text nochmal ganz ruhig, ohne Agression und ohne Abwehrhaltung.

      Es gibt übrigens Menschen, die bei einer derartigen Reaktion wie Deiner „PMS“ unterstellen. Oder sexuelle Frustration. Ich unterstelle Dir mal nichts und wünsche Dir einen sonnigen Tag! Lächle! 🙂

        • Falls Du die Frage vom 28. Februar 2013
          um 8:57 vormittags meinst, solltest Du Robin fragen. Ich bin nicht ihr Pressesprecher.

          Darf ich fragen, was das „dann doch“ in Deiner Frage aussagen soll? Habe ich mich dazu geäußert?

      • „Es gibt übrigens Menschen, die bei einer
        derartigen Reaktion wie Deiner “PMS”
        unterstellen.“

        Nun PMS tritt zunehmend auch bei
        Männern auf. Hier aber mit der
        Bedeutung:“Proud Mangina Syndrome“

  2. Ja, dieser Terrorism with Boobs.
    Was z.B. Femen angeht hab ich schon mehr Boobs gesehen als ich will.

    Werden Brüste oder nackte Körper im Film nicht oft gedoubled? Von einer Nacktstuntfrau?

    Das finde ich in der Tat sexistisch, denn das kann sich eine normale Frau nicht leisten.

    Jede Boob-scene erinnert sie an ihre Problemzone, abwertende Kommentare von sexistischen Machoschweinen und das sie so gerne ein Dirndl ausfüllen können würde, #aufschrei!.

  3. @Thema:

    Regiesseure, die Nacktszenen drehen, tun das oft tatsächlich aus künstlerischen Aspekten. Sex natürlich zu zeigen kann über den reinen sexuellen Reiz natürlich künstlerischen Wert haben, etwas über Gesellschaft aussagen. Zumindest wenn wir hier bei den Beispielen bleiben, die MacFarlane bringt, also Hollywood A-Liga. Es ist ehrlich gesagt eher naiv zu glauben, es ginge dabei zuvorderst ums Kasse machen. Das trifft eher bei Sexploitation- etc. B-Movies zu.

    Damit meine ich nicht, dass es keine Leute gibt, die sich Mulholland Drive nur wegen Naomi Watts Brüsten anschauen. Und dass es solche Leute gibt weiß sicher auch Meryl Streep. Aber das steht beim Dreh nicht im Vordergrund und wenn sich MacFarlane für seinen Witz mit diesen Leuten identifiziert kann man das schon gedankenlos finden.

    Ich denke du liegst auch falsch das eine Rationalisierung eigentlich niederer Triebe zu nennen. Ästhetisierte Photos haben gegenüber Coupé-Bildchen einen tatsächlichen Mehrwert. Die Gedanken, die da in die Bildkomposition, Beleuchtung, Winkel, Setting, Farbgebung gesteckt werden, kann man künstlerisch nennen (über den Kunstbegriff an an sich kann man natürlich ewig streiten). Auch hier: es gibt Leute, die kaufen sich die Sports Illustrated nur, um auf Kate Upton die Palme zu wedeln. Das sagt aber nichts über den künstlerischen Wert der Bilder aus.

    • *Regiesseure, die Nacktszenen drehen, tun das oft tatsächlich aus künstlerischen Aspekten. *

      Aber bitte.

      Das was ich schreibe, schreibe ich auch meist aus literarisch-künstlerischen Aspekten.

      *Es ist ehrlich gesagt eher naiv zu glauben, es ginge dabei zuvorderst ums Kasse machen. Das trifft eher bei Sexploitation- etc. B-Movies zu.*

      Richtig, ich verdiene doch auch nichts daran.

      Deine Beispielfrauen sind mir jetzt aber etwas zu „Blondiert“.

      Zum Palmewedeln bediene ich mich lieber der zahllosen karrierehungrigen, internationalen Nachwuchstalente im Internet.

      Die zeigen nicht nur Brüste, du wärst entsetzt.

      Coupe ist jetzt aber total oldschool, cool. Die gesammelten Jahrgänge werden bei vielen Haushaltsauflösungen gefunden.

      Retropalmwedeln.

      • Natürlich wird mit Filmen Geld verdient, die Frage war, ob Sexszenen nur zu dem Zweck geschrieben werden, um die Einnahmen zu erhöhen.

        Meine „Beispielfrauen“ habe ich gewählt, weil sie – oh Wunder – in dem von Christian besprochenen Video vorkommen. Gleich am Anfang. Wenn du hier diskutieren willst schau es dir doch einfach erst einmal an.

        • *Natürlich wird mit Filmen Geld verdient, die Frage war, ob Sexszenen nur zu dem Zweck geschrieben werden, um die Einnahmen zu erhöhen.*

          Es gibt Szenen die geschrieben werden um die Einnahmen zu senken?

          Ist doch egal mit den Beispielfrauen, ich hab halt bei meiner Fixierung auf neue, internationale Talente aus dem Internet den Überblick über die Hollywoood-Großen im etablierten Geschäft der Palmwedelei verloren.

          Das, zusammen mit einschneidenden Auslandserfahrungen, hat wohl mein ästhetisches Empfinden ruiniert.

        • Das Ausland ist ja schon bei uns.

          Ich bin aber auch da in einem Dilemma.
          Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem hellen, asiatischen Typ (mit den schönsten Boobs, gibts da nicht mal einen Hollywoodfilm?), und den Dunkeläutigen oder „faulen Asiaten“ wie die hellhäutigeren Herrenasiaten die auch mal nennen.

          Also konkret solltest du besser den ganzen südostasiatischen Raum und Japan, Korea und China meiden, zur Sicherheit.

          Ich finde eh dass z.B. in Thailand westliche Frauen nie eine gute Figur abgeben. Entweder sie wirken wie gestrandete weiße Wale oder sie wirken zu groß, zu blondiert, zu unsymphatisch und geben sich herrisch gegenüber den einheimischen Frauen.

          Das ist nicht gut, die Frauen dort müssen doch schon mich und die ganzen anderen ekligen Sextouristen ertragen. Und dazu kommen noch die absolut stoffeligen Thaimänner! Kleine Supermachos! Eine furchtbare Mehrfachbelastung.

    • @luc

      „Regiesseure, die Nacktszenen drehen, tun das oft tatsächlich aus künstlerischen Aspekten. Sex natürlich zu zeigen kann über den reinen sexuellen Reiz natürlich künstlerischen Wert haben, etwas über Gesellschaft aussagen. Zumindest wenn wir hier bei den Beispielen bleiben, die MacFarlane bringt, also Hollywood A-Liga.“

      Natürlich können Nacktszenen eine gewisse Botschaft rüberbringen, sie können einen künstlerischen Wert haben und die Kunst allgemein ist ja auch an sich nicht arm an der Darstellung von Brüsten.
      Allerdings sollen viele Szenen auch einfach schlicht durch das Darstellen der Nacktheit erotischer werden, die Sinne in einem sexuellen Sinne mehr ansprechen, es ist nicht nur ein reines Transportieren einer Story, sondern auch ein bewusster Einsatz eines sexuellen Signals.

      Bei Merrly Streep in Silkwood zeigt sie ihre Brüste zB in einer sehr kurzen Szene als Schockmittel. Man hätte das natürlich auch anders umsetzen können, wenn sie es nicht gewollt hätte.

      Hier sieht man übrigens alle Szenen zumindest als Einzelbild, die in dem Song vorkommen, freundlicherweise von der „Sun“ zusammengestellt:
      http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/showbiz/4812056/topless-actresses-in-movies.html

      „Es ist ehrlich gesagt eher naiv zu glauben, es ginge dabei zuvorderst ums Kasse machen. Das trifft eher bei Sexploitation- etc. B-Movies zu.“

      Natürlich ist es nicht das billige Kasse machen eines Films der einfach nur auf Nacktszenen setzt. Aber es ist nicht so, dass wir mit Nacktheit über das Skalpell eines Chirurgen reden: Schauspielerinnen können auch ohne. Hollywood hat dafür diverse Mittel entwickelt, vom Bettlaken, die Männer bis zur Hüfte und Frauen bis über den Busen gehen bis zu geschickter Verdeckung durch andere Körperteile.

      Wir sehen, obwohl es zum Sex zweifellos dazu gehört, ja auch nie einen steifen Penis (selbst nichtsteife Penisse sehen wir selten) oder die Scheide einer Schauspielerin.

      „Die Gedanken, die da in die Bildkomposition, Beleuchtung, Winkel, Setting, Farbgebung gesteckt werden, kann man künstlerisch nennen“

      Dagegen will ich gar nichts sagen. Auch sexuell ansprechendes kann man natürlich künstlerisch verpacken. Aber schöne Brüste bleiben eben ein sexuelles Signal. Genau das ist ihre Funktion, Frauen bräuchten ansonsten wie man an Primaten und andere Säugetieren sieht, keine Brüste. In vielen Szenen, die er genannt hat, werden sie auch als solches eingesetzt (ich kenne nicht alle Filme, die Vergewaltigungsszene von Judy Foster ist sicherlich etwas anderes)

      Mir geht es darum, dass man dieses Signal nicht einfach nur weil es auch als Kunstmittel eingesetzt wird, einfach so negiert. Ich sehe es etwas als Abwertung der männlichen Sexualität: „Ihr denkt wieder nur an Sex, dabei ist es KUNST“. Natürlich denke ich bei einer Szene wie in Mullholland Drive an Sex. Ich finde es merkwürdig dabei so etwas denken zu sollen wie „diese Szene ist wirklich gut ausgeleuchtet, der Winkel und das Setting sind brilliant“.

      Den Schauspielerinnen ist das auch bewusst, es ist ja schließlich Teil ihres Geschäfts. Die meisten werden sich gut überlegen, ob sie Nacktszenen machen wollen und wie sich diese jeweils mit ihrem Image vertragen. Jede hübsche Schauspielerin ist sich bewusst, dass diese Bilder in diversen Datenbanken wie MrSkin landen und Leute danach suchen. Wenn eine schöne Schauspielerin sich für einen Film auszieht, dann kann sie sicher sein, dass dies dem Film auch bei anspruchsvoller Szene eine gewisse Aufmerksamkeit bringt und die Fotos im Internet herumgereicht werden. „Gia“ mit Angelina Jolie wäre sicherlich ohne Nacktszenen mit Angelina Jolie wesentlich seltener gesehen worden.

      Ich finde insofern die Umstände interessant unter denen dies als akzeptabel gilt und die unter denen es nicht als akzeptabel gilt. Brüste als sexuelles Signal anzusprechen unterliegt insofern einem Taboo. Vielleicht weil Sexuelle Signale wahrzunehmen zu fordernd ist und damit eine gewisse Bedrohlichkeit hat?

      • @Christian: Ok dann sind wir uns im Prinzip einig. Ich hatte den Beitrag erst so gelesen, als wäre die Kunst deiner Meinung nach nur eine Ausrede und sonst nichts.

        Das ‚Tabu‘ besteht meiner Meinung nach aber vor allem dadurch, dass es ein eher festliches, öffentlichen Event ist. Abendgarderobe erwünscht. Das ist nicht der Platz, um so einen Witz in der epischen Breite (1:30 min Song nur über Brüste) zu machen – völlig egal, wie offen eine Gesellschaft mit Sexualität umgeht.

        Deshalb halte ich auch den Artikel im New Yorker inhaltlich für schlicht falsch wenn er halb unwohl argumentiert, aber wir Männer seien doch gar nicht so, es sei doch nur ein Job. Darum geht es in Wirklichkeit gar nicht. Es geht darum, dass der zivilisiertere Teil unserer Gesellschaft längst unterscheiden kann zwischen sexuellem Signal und Kontext. Wir kennen Halle Berrys Brüste, aber sie sind zu sehen in einer abgeschlossenen künstlichen Erzählwelt. Wenn ich zivilisiert bin unterscheide ich zwischen der Möglichkeit, sie mir als Standbild auf MrSkin anzuschauen und der Tatsache, in welchem Zusammenhang sie ursprünglich zu sehen waren.

        Und genau das tut MacFarlane nicht. Dass bei Sexszenen Kunst im Vordergrund stehen kann ist keine Illusion, die er wegreißt. Sondern er reduziert ein komplexes Thema auf die banale Erkenntnis, dass der Anblick von Brüsten Männern gefällt und freut sich drüber wie ein Schuljunge vor seinem ersten Nacktbild.

      • „Brüste als sexuelles Signal anzusprechen unterliegt insofern einem Taboo. Vielleicht weil Sexuelle Signale wahrzunehmen zu fordernd ist und damit eine gewisse Bedrohlichkeit hat?“

        Interessante Frage – warum eigentlich diese Sprachverbote, wovor haben da einige Leute Angst? Wenn im Film Brüste gezeigt werden, dann hat das nun mal in der Mehrzahl der Fälle eindeutig sexuelle Konnotationen – das lässt sich wohl kaum bestreiten.
        Es soll aber nicht ausgesprochen werden: Mit der Betonung des Kunstaspekts wird ja die Botschaft gesendet „sprich nicht über das, was eigentlich ganz klar sichtbar ist, sondern sprich nur über erotikfreie Aspekte – selbst wenn die für dich nebensächlich sind“.

        Diesem Sprachverbot verweigert sich dieser MacFarlane ja, indem er sich fast kindlich-anarchisch über boops freut.

        Vielleicht vermischen sich bei diesem Sprachverbot zwei Aspekte: Einerseits Prüderie, die Sexualität generell als zu starke Kraft angesieht. Über die man deshalb nicht sprichen soll – und schon gar nicht anhand von so konkreten Bildern.
        Dazu könnten noch allgemeine Ambivalenzen beim Thema Frauen und Sexualität kommen: Bestimmte Gruppen möchten ja bei Bedarf jeden Zusammenhang von Frauen und Sexualität (abgesehen von Sex für die Mutterschaft) abweisen können.Also „Sex ist das Böse, was nur die Männer wollen“. Das lässt sich natürlich schwieriger umsetzen, wenn über so konkrete Bilder gesprochen wird.

      • „Aber schöne Brüste bleiben eben ein sexuelles Signal. Genau das ist ihre Funktion, Frauen bräuchten ansonsten wie man an Primaten und andere Säugetieren sieht, keine Brüste. “

        Ach, das meintest du tatsächlich universell. Du weißt aber schon, dass die Brüste in manchen Kulturen überhaupt nicht erotisch konnotiert sind?
        Was als erotisch empfunden wird und was nicht, ist kulturell bedingt.

        • Mag sein, dass es kulturelle Überformungen gibt und das Ganze nicht universell ist, aber ich würde behaupten, dass die Ontogenese eine wesentliche Rolle spielt und kulturelle nicht wahnsinnig überformt wird. Ich weiss, was ich als kleiner Junge erotisch fand und das ist bis heute das Gleich gebleiben. Es gab somit bei mir keine grossen Veränderungen mehr und als kleiner Junge (wir hatten keinen TV zu Hause und in einem kleinen Dorf aufgewachsen und sonst auch keinen Pornokram etc.) wurde ich auch nicht wahnsinnig kulturell affiziert! 🙂

        • @Robin

          auf welche Fundstelle oder Studie stützt du deine Einschätzung, dass brüste in einigen Kulturen nicht in die Bewertung von Schönheit einfliessen? natürlich haben sie in Stämmen die immer oben ohne herumlaufen eine andere Wirkung, aber das bedeutet nicht, dass die Form, Festigkeit und Grösse dann egal sind.

  4. Was der Typ da macht ist einerseits ehrlich, andererseits absolut dämlich. Schauspielerinnen werden nach solchen Aktionen eher schüchterner sein, obwohl die Reaktionen der Angesprochenen recht unterschiedlich waren.

    Die Ausrede, es handele sich um Kunst oder um Charity, sollte nicht angerührt werden, sonst wird es noch prüder. Schon jetzt gibt es „Nacktszenen“ in Filmen, in denen zuerst die Unterschenkel und dann die Schultern gezeigt werden und dann gar nichts, oder Schauspielerinnen, die sich krampfhaft das Laken vor die Brüste halten, obwohl in der Szene sonst niemand im Raum ist.

    Das erinnert eher an die 50er, als an die 70, 80, 90er.

    Und das ist doch wirklich schade.

    • @Salvatore

      „Schauspielerinnen werden nach solchen Aktionen eher schüchterner sein, obwohl die Reaktionen der Angesprochenen recht unterschiedlich waren.“

      Diese waren allerdings vorher als Teil des Einspielers aufgenommen, sie sollten verächtlich sein, waren insofern gescripted. Die Schauspielerinnen, die gezeigt worden sind, waren insofern ausdrücklich mit ihrer Nennung einverstanden, haben auch hier um der Kunst willen ihren Job gemacht.

      „Die Ausrede, es handele sich um Kunst oder um Charity, sollte nicht angerührt werden, sonst wird es noch prüder.“

      Durchaus. Ich will auch keinen Rückfall in keuschere Zeiten. Sie ist aber eben hauptsächlich eine solche soziale Rechtfertigung, plausible Deniability, und man sollte sie daher auch nicht überbewerten

      • Will man Brüste oder Sex generell abseits von Pornos zeigen, künstlerisch verwerten, dann muss eine Gesellschaft natürlich bereit dazu sein. Als Mann muss ich dann eben aushalten können, Brüste zu sehen, ohne dass ich deshalb die Schauspielerin besuchen und begatten darf. Deshalb ist das auch keine „Ausrede“. Jedem ist klar, dass Männer Brüste anziehend finden. Die gesellschaftliche Übereinkunft ist, aus gezeigten Filmbrüsten keine weitergehenden Rechte der Schauspielerin gegenüber abzuleiten. Trotzdem können Sexszenen Kunst sein und um der Kunst willen gedreht werden.

        • *Als Mann muss ich dann eben aushalten können, Brüste zu sehen, ohne dass ich deshalb die Schauspielerin besuchen und begatten darf. *

          Das wäre ja wie ein Zöllibat für Pornodarstellerinnen.

          Trifft ein Mann die Michaela Schaffrath dann weiss er gleich: Mist, da darf ich ja nicht, besser schnell weg.

          Und dass wo die Michaela in einem Alter ist wo viele Frauen sich über Männermangel beklagen.

          Frauen scheinen es manchmal nicht gut miteinander zu meinen.

          Oder wenn jetzt der Bruce seine Demi so entdeckt hat und sie daraufhin besucht und begattet hat?

        • Ja, man kann den Anblick geniessen ohne deswegen ein Fass aufzumachen. Völlig richtig.

          Da fällt mir ein Zitat von Brian Johnson seines Zeichens Sänger von AC/DC ein: „Bei unseren Shows sind teilweise sehr junge Frauen vor der Bühne und zeigen uns ihre Titten. Das ist ja ganz nett, aber schlaflose Nächte haben wir deswegen nun auch nicht gerade.“

          In diesem Sinne.

  5. Ich finde den Blogeintrag etwas überzogen, da er sich sozusagen als „Erklärung für diese unglaublich negative Reaktion“ versteht (oder nicht?)… dabei waren die meisten Reaktionen ganz positiv. Die meisten Leute (Männer und Frauen) die ich kenne fanden es lustig oder eben etwas kindisch aber dennoch witzig^^

  6. eine Sache wurde hier glaub ich noch nicht angesprochen:

    das generell (verallgemeinerung) prüdere Amerika-Kino. Hab mal gelesen dass durch den massiven finanziellen einfluss der church of latter day saints (Mormonen) das Pendel in Amerika zurück richtung Puritanismus in Bezug auf Sexualität in Hollywood zurückgeschwungen ist.

    schaut mal ein paar 70er/80er filme und vergleicht wie dort mit Brüsten und Sex umgegangen wird.

    In „Die Glücksritter“ (Eddie Murphy/Dan Akroyd) bekommen wir ganz beiläufig in einem Film ab 12 die Titten von Jamie Lee Curtis präsentiert,

    In „Fast Times at Ridgemont High“, einem Teenie High School Film, gibt es eine Szene in der ein Mädchen auf dem Sportplatz nachts entjungfert wird, die Szene hat eine gewisse Erotik, ganz im gegensatz wie moderne Filme mit teenager sex umgehen (american pie…)

    will sagen, mcfarlane entlarvt in gewisser weise auch diese doppelmoral, im anspruchsvollen film sind titten künstlerischer ausdruck, im billigen film sind sie tendenziös, im teenie film sollte man keine zeigen, weil sie die jugend verderben.

    dabei sind titten erstmal nur titten. und dem hetero-mann ist es egal unter welchen umständen er sie zu sehen bekommt.

  7. vielleicht nur ein Nebenaspekt aus dem Blogeintrag:

    „Dennoch ist das Lied natürlich etwas kindisch. Es zeigt aber auch, welch merkwürdiges Verhältnis wir immer noch zu Nacktheit und Sex haben.“

    So wie ich das sehe, lässt sich in Amerika mit sexuell konotierten Bildern noch ein Skandal produzieren, wärend das mit Gewaltbildern drüben nicht funktioniert.
    Andersherum ist Deutschland (so wie ich das migekriegt hab) sexuell konnotierten Bildern wesentlich aufgeschlossener, hält mental aber nicht so viel Brutalität wie Amerika aus.

    Okay, klar, dank Globalisierung und permanenter medialer Dauerberieselung verschwimmen die Grenzen, aber dennoch handelt es sich um verschiedene Kulturen mit verschiedenen Tabus.

    Deswegen lachen sich doch so viele darüber Kaputt dass die Amerikaner so „prüde“ sind ( bzw. rüberkommen), man dort Alkohol nicht auf offener Straße konsumieren kann usw. Und was passiert wenn dann mal ein Ausflug nach Deutschland gemacht wird? Dann wird gesoffen ohne Ende… Warum? Weil kein „maßvoller“ Umgang mit Alkohol erlernt wurde.

    Das nur als Beispiel. Amerika ist zum Teil das Land der Extreme:
    Verbote reizen um so mehr, und je Extremer etwas „veboten“ und „tabuisiert“ wird, desto mehr reizt es und desto extremer auch das Verhalten derer, die auf das Verbot/Tabu scheißen.
    (Okay, dieser Mechanismus funktioniert auf der ganzen Welt… damit kann man übrigends auch gut und schnell Schlagzeilen produzieren: Entweder man produziert etwas was die Leute „lieben“, oder was sie „hassen“… hauptsache es spalten sich die Lager…)

    Wer das alles weder als Skandal noch als Märtyrertum sieht, ist ein schlechter Kunde. Der ignoriert die ganzen Schlammschlachten, versucht sich da nicht mit reinziehen zu lassen weil es ihm egal ist, der schenkt ja keine Aufmerksamkeit.

    Vielleicht würd kaum einer eine amerikanische mediale Großverantstaltung sich angucken, wenn alle immer nur lieb und freundlich zueinander wären.
    Die brauchen Skandale damit überhaupt von ihnen gesprochen wird.

    Und der Typ mit dem Boob-Song braucht Leute, die sich über ihn aufregen… der würd sich ja lächerlich machen wenn ihn keiner beachtet.

    Wobei, was ich interessant fände:
    Wenn sich keiner aufregt und ihm alle zustimmen würden, und deshalb nicht beachten würden. Wenn man niemanden mehr damit provozieren könnte, wär es sinnfrei das so vor sich hin zu tragen. Wenn ich nen Song schreib darüber, dass der Himmel blau ist, dann ist das dagegen nicht provokant sondern maximal lächerlich.
    (Naja, gut….auch mit dieser Form von lächerlichem Humor findet man Fans)

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