Die Oscars, Seth MacFarlane und der Boobs Song

Die diesjährigen Oscars waren nach Meinung vieler Feministinnen besonders sexistisch. Insbesondere ein Einspieler des Moderators Seth MacFarlane erregte einiges an Aufsehen:

Dabei meldet sich Captain Kirk aus der Zukunft und warnt MacFarlane, dass er der schlechteste Moderator aller Zeiten sein wird, indem er ihm eine Szene aus der Zukunft zeigt, in dem MacFarlane den „Boobs-Song“ singt. In diesem geht es darum, dass er anwesenden Schauspielerinnen vorsingt, in welchem Film wir bereits ihre Brüste gesehen haben. Die Reaktionen der Schauspielerinnen wurden ebenfalls bereits vor der Show aufgezeichnet und wurden ebenfalls nur eingeblendet, es war kein Live-Auftritt.

Hier das Video:

Zunächst einmal ist noch zu ergänzen, dass MacFarlane der Kopf hinter „Family Guy“ ist, so dass man wohl mit einer gewissen Art von Humor rechnen musste:

In einem Artikel im New Yorker heißt es nun zu der Oscar-Show:

We Saw Your Boobs” was as a song-and-dance routine in which MacFarlane and some grinning guys named actresses in the audience and the movies in which their breasts were visible. That’s about it. What made it worse was that most of the movies mentioned, if not all (“Gia”), were pretty great—“Silkwood,” “Brokeback Mountain,” “Monster’s Ball,” “Monster,” “The Accused,” “Iris”—and not exactly teen-exploitation pictures. The women were not showing their bodies to amuse Seth MacFarlane but, rather, to do their job. Or did they just think they were doing serious work? You girls think you’re making art, the Academy, through MacFarlane, seemed to say, but all we—and the “we” was resolutely male—really see is that we got you to undress. The joke’s on you. At a moment when Sheryl Sandberg, the Facebook chief operating officer, talks about how women have to “lean in” in the workplace, Seth MacFarlane pops up from behind to say, “So we can see your boobs.”

Ich finde den Gedanken ja etwas naiv, dass die Frauen ihre Brüste gezeigt haben, nur um ihren Job zu machen. Natürlich waren sie sich bewusst, wie sich das Zeigen von Brüsten heutzutage auswirkt und das die Filme sich besser verkaufen als wenn sie die Szene so gedreht hätten, dass man nichts sieht. Das kann man natürlich problemlos, genug Filme haben Sexszenen, in denen man man dank des passenden Winkels nichts sieht.

Dennoch ist das Lied natürlich etwas kindisch. Es zeigt aber auch, welch merkwürdiges Verhältnis wir immer noch zu Nacktheit und Sex haben.

Es ist okay nackt in einem Film zu sein, wenn man es rationalisieren kann als zur Rolle gehörend und durch diese gefordert. Es braucht anscheinend immer noch diesen kleinen Zusatz um dem Brüste zeigen das billige zu nehmen. Selbst bei Playboy-Fotos macht man nicht einfach so Nacktfotos mit dem Wissen, dass viele Tausend Männer sich zu diesen befriedigen werden, man macht „anspruchsvolle und künstlerische Fotos“.

Mit dem Song durchbricht MacFarlane diese Illusion in dem er den „Male Gaze“ wieder in den Vordergrund stellt und damit die Rechtfertigung nimmt und die Szenen damit das Zeigen der Brüste wieder auf das reduziert, was es ist: Das deutliche Senden sexueller Signale.

Dabei wirkt MacFarlane wie ein kleiner Junge, der sich über ein paar Brüste freut, die Frauen spielen die genervten, um das Bild noch zu vervollständigen, schließlich soll es ja zeigen, dass er ein schlechter Moderator ist. Er betreibt sicherlich „Slutshaming“ indem er die sexuellen Aspekte so deutlich benennt, gleichzeitig bedient dabei das Klischee der schmutzigen männlichen Sexualität, des unreifen Mannes. Das alles überhöht er pompös, um ihm die Schärfe zu nehmen.

Ich will damit nicht sagen, dass MacFarlane hier hohe Kunst abgeliefert hat und man es nicht kritisieren darf.

Aber sich dabei auf die alte Ausrede zu stützen, dass die Frauen hier nur Kunst machen ist doch etwas einfach