Brain Activity Map – Detailierte Karte des Gehirns

Im Spiegel ist ein Bericht über ein interessantes Projekt:

Erkenntnisse über unser Denken und Fühlen.

Die Funktionsweise des menschlichen Gehirns gilt als eines der größten Rätsel der Menschheit, mit einer konzentrierten Aktion soll es nun gelöst werden. Die US-Regierung plant die Förderung der „Brain Activity Map“ – mit dem Projekt wollen Wissenschaftler eine detailliere Karte unseres Denkapparats erstellen, mit der sich die Abläufe im Hirn dokumentieren lassen. Therapien zur Behandlung von Parkinson, Alzheimer und anderer Krankheiten sollen so gefunden, Fortschritte in der Intelligenzforschung erzielt werden.

Für das Projekt seien mehrere Milliarden Dollar veranschlagt, es werde ein wichtiger Bestandteil des Haushaltentwurfs sein, den US-Präsident Barack Obama im kommenden Monat vorstellen wird, schreibt die „New York Times“. Erste Pläne für das Projekt zur Kartierung des menschlichen Gehirns gebe es bereits. Beteiligt seien führende Wissenschaftler aller großen nationalen Forschungseinrichtungen.

Das Projekt ist ambitioniert: Allein in der äußeren Schicht des Großhirns sitzen mehr als zehn Milliarden Nervenzellen. Sie alle reagieren auf äußere Reize und erzeugen wiederum Signale – eine derart komplexe Kommunikation konnten Wissenschaftler bislang nur in Teilen dokumentieren, meist sind dazu auch Eingriffe in das Gehirn nötig.

Sensoren in Molekülgröße speichern Denkprozesse

Eine Gruppe amerikanischer Nanotechnologen und Neurologen – darunter George Church von der Harvard Medical School, Francis Collins, der Direktor des National Institut of Health (NIH) und Ralph Greenspan vom Kavali Institut for Brain and Mind (San Diego) – will nun mit neuen Techniken versuchen, das Gehirn zu kartieren und dessen Abläufe dokumentieren, berichtet die „New York Times“. Erste Ansätze wurden bereits im vergangenen Juli im Fachmagazin „Neuron“ veröffentlicht.

Geplant haben die Forscher etwa Sensoren in Molekülgröße, die Abläufe im Gehirn sichtbar machen, ohne in dessen Prozesse einzugreifen. Als Speichermedium sind DNA-Moleküle geplant.

Klingt für mich nach einem sehr interessanten Projekt. Das Human Genom Projekt hat denke ich schon einiges interessantes hervorgebracht und neues Wissen gebracht, eine Karte unseres Gehirns wird dabei sicherlich auch viele neue Erkenntnisse bringen.

Hier noch ein Verweis auf den Wikipedia Artikel hierzu:

The Brain Activity Map Project is a collaborative research initiative announced by the Obama administration in 2013, with the goal of mapping the activity of every neuron in the human brain in ten years.[1]

Based upon the Human Genome Project, the initiative is projected to cost more than $300 million per year for ten years.[1] It is going to be organized by the Office of Science and Technology Policy, with participation by the National Institutes of Health, the Defense Advanced Research Projects Agency, and the National Science Foundation, along with collaboration by the Howard Hughes Medical Institute and the Allen Institute for Brain Science. Representatives from Google, Microsoft, and Qualcomm have also taken part in planning the project.[1]$$

By using new non-invasive methods of electrophysiology derived from nanotechnology, in which synthetic DNA molecules will be used to store and report the sensed activity of single neurons, and combining them with methods of neuroimaging and neuroanatomy, participating scientists hope to map activity of each of the approximately 100 billion neurons in the human brain.

Ich bin gespannt, welche Ergebnisse das Projekt bringen wird.

41 Gedanken zu “Brain Activity Map – Detailierte Karte des Gehirns

  1. Da wird nicht viel Sinnvolles rauskommen, da die Forscher keine semantischen Zusammenhänge begreifen können, sondern nur HIrnaktivitäten zu sehen bekommen. Alles hochspekulativ und einer materialistischen Verblödung geschuldet.

    So werden dann Ergebnisse herauskommen wie: Wer bei den und den Hirnregionen die und die Veränderung aufweist, hat so und so ein Risiko so und so zu handeln.

    Psychische Ursachen wie Traumen und emotionale Verletzungen in der Kindheit, die bereits heute nachweislich zu Veränderungen im Gehirn führen, werden weiterhin schön ignoriert werden können.

    Die soziale und psychische Ursächlichkeit von Hirnveränderungen wird systematisch ausgeblendet.

    Die heutige Hirnforschung und der Neurologismus z.B. eines Gerhard Roth sind traurige Zeiterscheinungen, die jeder Aufklärung Hohn sprechen und nebenbei auch dem Zweck dienen, das eigene Kindheitsleid der jeweiligen Hirnforscher in Verdrängung zu halten.

    Die Wurzeln der Gewalt sind NICHT unbekannt – Das irregeleitete Gehirn und die verbannten Emotionen

    • @James T. Kirk

      „Da wird nicht viel Sinnvolles rauskommen, da die Forscher keine semantischen Zusammenhänge begreifen können, sondern nur HIrnaktivitäten zu sehen bekommen.”

      Die Neurowissenschaften haben in den vergangenen Jahrzehnten phantastische Fortschritte erzielt, insbesondere auch bei der Frage wie genau Informationen im Gehirn verarbeitet werden.

      Deine Aussage ist so schlicht falsch.

      „So werden dann Ergebnisse herauskommen wie: Wer bei den und den Hirnregionen die und die Veränderung aufweist, hat so und so ein Risiko so und so zu handeln.”

      Nein. Eher „Die von diesen Sensoren aufgenommen Informationen, werden in dieser Region, auf jene Art aufbereitet.“ Oder „Jene Informationen, sind auf solche Art an dieser Stelle gespeichert”.

      „Psychische Ursachen wie Traumen und emotionale Verletzungen in der Kindheit, die bereits heute nachweislich zu Veränderungen im Gehirn führen, werden weiterhin schön ignoriert werden können.”

      Wo soll das denn stattfinden? Es gibt nur wenige Psychologische/Neurologische Schulen, der ich so eine Positionen zutrauen würde. Allgemein wird die Wechselwirkung zwischen Neurologie und Psychologie nicht geleugnet.

        • @hottehü

          Da nimmt er ja auch auf den „Salmon of Doubt“ bezug, der allerdings nicht einfach nur eine Satire ist, sondern Korrektur und Prüfverfahren ermöglicht hat, wie er selbst schreibt. Dazu finde ich diesen Artikel ganz interessant.

          http://blogs.scientificamerican.com/scicurious-brain/2012/09/25/ignobel-prize-in-neuroscience-the-dead-salmon-study/

          Now, to clarify: what exactly were they doing? Well, when you do fMRI studies in the brain, there’s a ton of information there. The information is generally broken down into sections called voxels. Up 130,000 of them in a single study and contrast selection, looking at each one to see if it is ‘activated’ compared to the others. And doing the statistics on these studies gets to be a problem. You have to do thousands of comparisons, and you being to run into something called the “multiple comparisons problem“. If you do a lot of tests, at least some of them will come out positive, even if they are not real. These are called false positives, and they are something you really want to watch out for.

          To solve this problem, there are various methods for correcting the multiple comparisons, but this also means that you lose a lot of statistical power. In other words, you get rid of your false positives, but it might mean you don’t see things that are really there, you might find false negatives instead. There is a running debate in the fMRI field over whether false positives or false negatives are more dangerous. The authors of this study contend (and I am inclined to agree) that the false positives are more likely to get overblown and lead to problems down the line. For a really good wrapup on the stats questions, I recommend neuroskeptic’s piece on the topic.

          So in the final results, the authors compared the normal multiple comparisons, with the multiple CORRECTED comparisons. When they used the multiple corrected comparisons, the dead salmon showed nothing. When they did the multiple comparisons without the correction, the salmon showed significant increases in “activation”, coincidentally, in the brain and spinal cord. This shows the importance of correcting for multiple comparisons and avoiding false positives.

    • Angebliche Fortschritte können auch einmal anders bewertet werden. Sie auch Genom-Projekt, das ein ziemlicher Reinfall war. Ich beziehe mich vor allem auf Leute wie Roth oder Dawkins, die systematisch die Erkenntnisse der Psychologie leugnen und einen primitiven Materialismus und Determinismus predigen. Ich beziehe mich nicht auf die Hirnforschung an sich und bestreite auch keine Fortschritte, ich beziehe mich vor allem auf dümmliche Vorstellungen wie „Diese und jene psychischen Erkrankungen sowie Empathiestörungen und seelische Gestörtheiten, die u.a. zu Verbrechen führten, gründen in hirnanatomischen Ursachen, die einfach so da sind und ‚repariert‘ werden müssen.“

      Ich kritisiere die Enthistorisierung und Entindividualisierung, wie sie sich in simplen Erklärungen mancher Hirnforscher spiegeln.

      Das meine ich mit „Semantik“. Eine noch so feine Hirnforschung kann keine semantischen Erkenntnisse zeitigen – aus naheliegenden Gründen.

      • „Sie auch Genom-Projekt, das ein ziemlicher Reinfall war.”

        Inwiefern ist es ein reinfall?

        „Ich beziehe mich vor allem auf Leute wie Roth oder Dawkins, die systematisch die Erkenntnisse der Psychologie leugnen und einen primitiven Materialismus und Determinismus predigen.”

        Na ja, Materialismus und Determinismus leugnet ja nicht per se die Existenz einer komplexen Psyche und sagt auch nichts über die Wechselwirkung zwischen Psyche und Biologie aus.

        Für den größeren psychologischen Strömungen ist mir persönlich jetzt auch nur der Behaviourismus bekannt, der tatsächlich behauptet, wir hätten keine Psyche im eigentlichen Sinne. Den finde ich auch etwas naiv und der ist traditionell in der USA sehr stark. Vielleicht färbt die Denkschule heute noch etwas ab.

        Ansonsten kenne ich kaum Literatur, die behauptet, wie hätten keine Psyche. Wobei ich jetzt von Roth und Dawkins auch noch nicht viel gelesen habe. Muss ich wohl nachholen.

        Beziehst du dich auf eine konkrete Publikation von Dawkins?

        “Diese und jene psychischen Erkrankungen sowie Empathiestörungen und seelische Gestörtheiten, die u.a. zu Verbrechen führten, gründen in hirnanatomischen Ursachen, die einfach so da sind und ‘repariert’ werden müssen.”

        Okay ja: Die Art der Denke ist leider in den USA etwas populärer. Die sind da manchmal auch für meinen Geschmack etwas naiv. Nichtsdestotrotz wird da sehr viel „richtige” Forschung betrieben. Ich habe auch schon viele, viele Papers über Neurologische Forschung aus den USA gelesen und darunter waren keine die solche Zusammenhänge monokausal darstellen.

        „Das meine ich mit “Semantik”. Eine noch so feine Hirnforschung kann keine semantischen Erkenntnisse zeitigen – aus naheliegenden Gründen.“

        Nein, sorry, die sind mir nicht so naheliegend. Eine meiner Interessen in der Neurologie ist die verarbeitung visueller Informationen. Und hier kann teilweise schon bis zum einzelnen Neuron sagen, was genau es macht. Zum Beispiel, weiß man von einigen Ganglienzellen wie genau sie eine „Kantenerkennung” betreiben.

        Und man weiß auch schon recht gut, wie der Temporallappen Objektive erkennt, nämlich über eine Hierachie von visuellen Features.

        Ich persönlich würde das jetzt schon als semantisches Verstehen neurologische Vorgänge bezeichnen.

        • @ kinch

          Die Deutschen sind natürlich wesentlich rationaler als „die“ Amerikaner! 😉

          Anyway…

          „Okay ja: Die Art der Denke ist leider in den USA etwas populärer. Die sind da manchmal auch für meinen Geschmack etwas naiv. Nichtsdestotrotz wird da sehr viel „richtige” Forschung betrieben. “

          Es gibt z.B. durchaus Assoziationen zwischen habituell kontrollschwachem aggressiven Verhalten und bestimmten hirnanatomischen Veränderungen. Keiner behauptet da eine Monokausalität, aber um z.B. zum Serienkiller zu werden, bedarf es nach all dem, was wir wissen, auch mit auf die Welt gebrachte zentralnervöse biologische Dispositionen.

          Biologische Voraussetzungen haben einen großen Einfluß auf z.B. die kognitiven, sportlichen, musikalischen Potentiale eines Kindes. Natürlich auch auf die emotionalen Potentiale. Es kann ja nicht anders sein.

          Die Matrix, innerhalb derer sich äußere Einflüsse in den ersten Lebensjahren formend auswirken, ist nun mal angeboren…diese Matrix ist formbar, aber nicht beliebig.

          Und leider funktioniert das mit dem destruktiven Formen offensichtlich einfacher, als mit dem konstruktiven.

          Wirds besser, wenn man das leugnet? Wem hilft es? Was kann das Leugnen für Schaden anrichten?

        • @Kinch
          „Für den größeren psychologischen Strömungen ist mir persönlich jetzt auch nur der Behaviourismus bekannt, der tatsächlich behauptet, wir hätten keine Psyche im eigentlichen Sinne.“

          Könntest du das etwas weiter ausführen, mir ist nicht klar, was du meinst. Die Aussage z.B., dass Absichten, Wünsche usw. nicht real rexistieren, wird doch sicher von den meisten Materialisten geteilt. Was meinst du mit „Psyche im eigentlichen Sinne“?

        • @Stephan Fleischhauer

          „Die Aussage z.B., dass Absichten, Wünsche usw. nicht real rexistieren, wird doch sicher von den meisten Materialisten geteilt.”

          Wieso sollten Materialisten das behaupten? Sie sagen nur, was ich auch denke, dass Psyche den Zuständen unseres Gehirn entspricht, also eine materielle Grundlage haben. Oder meinen wir hier andere Dinge?

          „Was meinst du mit “Psyche im eigentlichen Sinne”?”

          Die Behaviouristen meinen, dass es keine Psyche, im Sinne von Wünschen, Bedürfnisse, Bewusstsein, Unterbewusstein, etc pp gibt, sondern nur eine Persönlichkeit die durch ein Reiz-Reaktions-Schema definiert wird.

        • „sondern nur eine Persönlichkeit die durch ein Reiz-Reaktions-Schema definiert wird“

          Du vergisst operante Konditionierung.

          Was sagen denn die anderen Materialisten? Das ist doch auch nicht besser, da liegen auch einfache physikalische Mechanismen zugrunde. Deniel Dennett zum Beispiel ist kein Behaviorist, sagt aber auch, dass Absichten nicht real existieren.

          Hier mal zwei Texte zur Ehrenrettung des skinnerschen Behaviorismus:

          http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1240#15236

          Klicke, um auf Ickler.pdf zuzugreifen

          Letzteres eine Persiflage ein Vergleich von Aussagen Skinners mit denen seines Phantoms (‚Skinner‘).

        • Die Behaviouristen meinen, dass es keine Psyche, im Sinne von Wünschen, Bedürfnisse, Bewusstsein, Unterbewusstein, etc pp gibt, sondern nur eine Persönlichkeit die durch ein Reiz-Reaktions-Schema definiert wird.

          Nicht ganz. Behaviorismus ist eher ein methodisches Paradigma, das diese Dinge als „Black Box“ behandelt, da man sie für nicht operationalisierbar hielt.

          Ich komm leider erst spätnachmittag dazu, den ganzen Artikel hier zu lesen.

        • @david

          „Nicht ganz. Behaviorismus ist eher ein methodisches Paradigma, das diese Dinge als “Black Box” behandelt, da man sie für nicht operationalisierbar hielt.”

          Es gibt verschiedene Strömungen des Behaviourismus, die den Aspekt mehr oder weniger strikt sehen.

        • @david
          Mein erster Link geht sehr kritisch auf Konzepte der Kognitionspsychologie ein. Ich stieß da mal (in den 90ern) über Linguistik darauf (Theodor Ickler ist Sprachwissenschaftler). Für mich war der Text ein Augenöffner, mich würde deine Meinung dazu sehr interessieren.

        • klingt wirklich interessant, hab aber dafür grade keine Zeit.

          Axiomatische Kritik an der modernen Psychologie überfordert mich aber ehrlich gesagt nicht selten, vielleicht bin ich betriebsblind. Hab mal ein entsprechendes Buch gelesen dass ich zugleich extrem schlau und extrem dumm fand. Mir hat eindeutig die Sprache gefehlt, die Kritik zu analysieren.

      • was ich gut fand:

        Ihre Empathie für gequälte Kinderseelen…auch wenn die in einem erwachsenen Körper stecken.

        „Das Kind ist immer unschuldig“

        Das fand ich im Rahmen meiner peripubertären Wirrungen sehr einleuchtend, entlastend.

        warum finde ich sie jetzt reduktionistisch und ignorant?

        – als erstes begann mich ihre moralistische Haltung zu irritieren

        – dann fiel mir auf, dass sie einen strikt unidirektionalen Beziehungsansatz verfolgt, in dem das Kind immer nur als Opfer des Kinds im Tätererwachsenen vorkommt

        – die völlige Ausblendung biologischer Dispositionen gab mir dann den Rest…

        so in etwa telegrammstilmäßig

  2. @ kirk

    „Psychische Ursachen wie Traumen und emotionale Verletzungen in der Kindheit, die bereits heute nachweislich zu Veränderungen im Gehirn führen, werden weiterhin schön ignoriert werden können.“

    Sorry, aber das zentralnervös prägende Potential äußerer Einflüsse, insbesondere prä- und früh postnatal (v.a. in den ersten vier Lebensjahren) ist doch allgemein akzeptiert.

    Diese Spaltung in nuture OR nature ist doch schon lange passe…….wir wissen doch, dass es organische und funktionelle hirnorganische Folgen von prä- wie postnatalen Einflüssen gibt…zur Struktur geronnene Folgen gestörter frühkindlicher Bindungsbedürfnisse zum Beispiel….

    Bei dem Projekt geht es doch nur darum, die Biologie des Gehirns besser zu verstehen….was ist daran so angsterzeugend?

  3. Danke für den Hinweis. Also Neurologie-Begeisterter finde ich auch ziemlich spannend.

    Angetan bin ich auch von der Art der Forschung. Die Läsion-Studien an Affen fand ich immer ethisch fragwürdig.

  4. Die Funktionen der Gehirnregionen sind doch schon eindeutig ausgemacht:

    Sorry, ich kann so ein Vorhaben nur ins lächerliche ziehen.
    Es kommt mir vor wie mit der Leistungsaufnahme eines Rechners messen zu wollen ob der Benutzer deutsch oder englisch im Word schreibt.

    Oder den Excel- und Word- oder Firefox-Chip im Rechner finden zu wollen.

    • @Borat

      „Oder den Excel- und Word- oder Firefox-Chip im Rechner finden zu wollen.“

      Zumindest die Grafikkarte wird man schon zuordnen können. Außerdem bestehen eben Unterschiede zwischen Computern und dem Gehirn. Schon aufgrund der langsamen Entstehung durch Evolution: Man kann eben nicht von vorne anfangen und den alten Mist rausschmeißen, man muss sozusagen im laufenden Betrieb an- und umbauen. Und man kann eben auch keine abstrakte Software schreiben, sie muss stets auf dem alten aufbauend etwas verbessert werden, eben gerade auf einen kleinen Selektionsvorteil hin.

      • Eine interessante Frage scheint mir, was den enormen Widerstand gegen das Materielle unserer Persönlichkeit…Psyche…Seele betrifft.

        Werden da Omnipotenzphantasien verletzt? Sieht man utopistische Projekte ala dem „Neuen Mensch“ (egal, ob marxistisch, faschistisch oder anderer coleur) in Gefahr?

        Dieser Widerstand blockiert wichtige reformerische Bemühungen in unserer Gesellschaft und führt zu immenser Ressourcenfehlallokation.

        • Oh ja…als ich in der 7. Klasse mal einer Referendarin mitteilte, dass ich keinen prinzipiellen Unterschied zwischen Mensch und Tier sehe, hatte ich´s bei ihr verschissen.

          Eine interessante Konstellation…einerseits PETA-Hysteriker und gleichzeitig das Besondere des Menschseins…die moralische Überlegenheit…

        • @ ratloser

          *Werden da Omnipotenzphantasien verletzt? Sieht man utopistische Projekte ala dem “Neuen Mensch” (egal, ob marxistisch, faschistisch oder anderer coleur) in Gefahr?*

          Das scheint mir das Hauptmotiv.

          Biologische Bedingtheiten menschlichen Verhaltens anzuerkennen begrenzte die Demiurgenphantasien und -hoffnungen der Sozialtechniker.

          Das Paradies auf Erden läge dann nicht mehr um die nächste Ecke.

          Das aber gibt z.B. Feminist.I.nnen Lebenssinn: das Gefühl haben zu dürfen, als Avantgarde der neuen Menschheit am Projekt der Schaffung des neuen Menschen mitwirken zu dürfen (realiter vor allem des neuen Mannes, also des Mannes, der genauso funktioniert, wie es ihrem Egoismus konveniert).

          Dabei übersehen sie dann auch noch großzügig, wie alt und typisch weiblich das Verhalten ist, das Feministinnen an den Tag legen, das sie für schrecklich neu und nie dagewesen halten, wie archetypisch komplementär dazu auch das Verhalten der feministischen Männer oder der weißen, femizentrischen Ritter konservativer Provenienz ist.

      • @christian

        Sicher gibt es Funktionsgruppen, evolutionäre Schichten wie eine Zwiebel im Gehirn, doch sind diese meist nicht so naiv verklärt wie gerne angenommen oder so plakativ wie diese der Masse verkauft werden können.

        Und vor allem:

        Es kommt alles runter auf Emotionen, Unschärfe und Wahrscheinlichkeit wenn man versucht ins Detail zu gehen.
        Kausalität ist eine Erfindung.
        Wir sind kein Computer, denn diese sind für eine abstrakte Welt (unsere Erfindung) gemacht und versagen total im realen Leben den Mensch zu ersetzen. Alleine den Mensch zu unterstützen ist kein banaler Job für die Entwickler der Technik und der Software.
        Das setzt bei den Machern grundlegende Erkenntnisse über den Mensch also über sich selbst voraus, ironischerweise das Gegenteil von dem was Frauen die das gerne als Arbeit mit kalter, seelenloser Technik abwerten und sich selbst aufwerten weil sie was mit „Menschen machen“. Vermutlich haben solche Frauen Angst dass deren wahre, ungünstige Persönlichkeit ein Stück offenbart würde.

        Das Gehirn ist eben nicht, wie oft angenommen, eine „Logik-Maschine“ und das Gehirn „großer Denker“ arbeitet nicht wie ein Computer.
        Nein, das Gehirn ist ein riesiger Analogrechner welcher sensorische Daten nicht „logisch“ sondern mit verschiedensten Methoden teillinearer und nichtlinearer Signalverarbeitung zu einem Ergebnis, unserm Verhalten und für die verschiedenen Aktoren in unserem Körper „errechnet“.
        Verschiedene hochspezialisierte Subsysteme für Visuelle und Auditive Signalverarbeitung.
        Wir haben keine „Fakten“ gespeichert die wir logisch verknüpfen, sondern Emotionen, Muster, Bilder, alle mit schwankender und begrenzter Schärfe oder Genauigkeit, die wir miteinander in nichtlinearer Weise verrechnen.

        Unser Bewusstsein ist nur ein winziger Bruchteil unserer Gehirnleistung, eine Illusion, unsere Gedanken und unser Verhalten haben immer eine emotionale, eine „irrationale“ Basis.

        Ich sehe übrigens keineswegs etwas „unerklärliches“ in unserem Gehirn was mir irgendwelche Illusionen geben soll oder meinen Narzissmus nähren soll.
        Ich sehe in unserem Gehirn etwas tierisches, nur komplizierter, keine Gutmenschenphilosophie im luftleeren Raum schwebend.

        • Der Wissenschaftsjournalismus ist gerade auf diesem Gebiet unterirdisch.

          Absolut. Die Wissenschaft selbst ist bisher leider nicht soo viel besser. Die Verbesserungen seit Salmongate hin oder her.
          Wenn man mal (bzw. nicht) verstanden hat, was da mit den Rohdaten alles passiert bis zur Interpretation der Autoren einer Studie, liest sich jeder Abstract oft auch nur noch mit der selben Ernsthaftigkeit wie die gmx-News.
          Ich spreche natürlich nur von funktioneller Bildgebung. Mein erster Ausflug in diese Forschung wird auch mein letzter bleiben. 1 Jahr Arbeit und Unmengen an DFG-Geldern für die Tonne.

          Dass wir den Neurowissenschaft aber großartige Erkenntnisse verdanken und das das Brain Mapping Projekt äußerst vielversprechend ist, sei unbenommen.

          Es ist nur wahnsinnig frustrierend, dass bei jedem Forschungsantrag heute irgend ein bekacktes Scanner-Experiment mit rein muss, damit Gelder locker gemacht werden.

        • „Es ist nur wahnsinnig frustrierend, dass bei jedem Forschungsantrag heute irgend ein bekacktes Scanner-Experiment mit rein muss, damit Gelder locker gemacht werden.“
          Wird sich mit der Zeit erledigen. Ob du das noch erlebst, ist natürlich eine andere Frage.

    • @ Stephan

      Zum IQ-Genom-Projekt der Chinesen hat nun auch das WSJ einen Artikel gebracht, Forschungsleiter ist ein 20-jähriger „Wunderknabe“ ohne Schulabschluss.

      *“People have chosen to ignore the genetics of intelligence for a long time,“ said Mr. Zhao (der 20-jährige Leiter des Projektes), who hopes to publish his team’s initial findings this summer. „People believe it’s a controversial topic, especially in the West. That’s not the case in China,“ where IQ studies are regarded more as a scientific challenge and therefore are easier to fund.

      The scientific challenge is significant. Consider the genetics of height, which, like intelligence, is a complex trait governed by many different genes, each one with a tiny influence.

      Attempts to find height-related genes didn’t yield any reliable hits until the number of DNA samples exceeded 10,000. By studying more and more samples, scientists have now identified about 1,000 genetic variations that partly explain why some people are taller than others. Those results are replicable—and they hold true whether a person is from Iceland or Japan.

      By comparison, one of the biggest genomic investigations of IQ attempted so far involves only about 5,000 people drawn from the general population. Scientist say that tens of thousands of regular people would have to be studied just to find the first useful IQ gene.

      That’s where BGI’s genomic deep dive comes in. The team will compare the genomes of 2,200 high-IQ individuals with the genomes of several thousand people drawn randomly from the general population. Because most of the supersmart participants being studied are the cognitive equivalent of people „who are 6-foot-9-inches tall,“ says Dr. Hsu, it should be much easier to identify many key IQ-related factors in their genomes. (Dr. Hsu is now vice president for research and graduate studies at Michigan State University.)

      „The genetic basis of intelligence has been ignored for a very long time,“ says Mr. Zhao. „Our data will be ready in three months‘ time.“*

      Quelle:

      http://online.wsj.com/article/SB10001424127887324162304578303992108696034.html?mod=WSJ_hp_mostpop_read#

      Es würde mich sehr erstaunen, wenn er bereits innerhalb von 3 Monaten Ergebnisse vorzuweisen hätte, da ist der 20-jährige Jungforscher wohl zu optimistisch, aber er hat ja Zeit.

      Untersucht werden die Genome von Menschen mit einem IQ von 160 und mehr.

      1600 Genmaterialproben, die sequenziert werden sollen, stammen von einem Projekt, das aktuell Plomin betreut (eine Langezeitstudie seit 1971, die mathematisch höchst Begabte über Jahrzehnte verfolgt), 500 der insgesamt 2100 Proben stammen von Freiwilligen aus aller Welt (vornehmlich USA, darunter eben auch der Evolutionspsychologe Geoffrey Miller. Womit wir so nebenbei erfahren, dass sein IQ über 160 liegt).

      • „Es würde mich sehr erstaunen, wenn er bereits innerhalb von 3 Monaten Ergebnisse vorzuweisen hätte“

        Das Projekt läuft ja seit 2010.
        „The following year [2010], BGI founded a cognitive genomics unit and named Mr. Zhao as its director.“
        „In the spring of 2010, a theoretical physicist called Stephen Hsu from the University of Oregon visited BGI.“

        Und vielleicht meint er mit den drei Monaten nur die Sequenzierung.
        „Our data will be ready in three months‘ time“
        „Mr. Zhao, who hopes to publish his team’s initial findings this summer“

        Wäre aber schon eine ungewöhnlich schnelle Auswertung der Daten, wenn die im Sommer schon publizieren.

    • @ David

      *“If something happens very slowly over quite some time, maybe over decades, the different parts of the brain take up functions that would normally be done by the part that is pushed to the side,“ adds Muenke, who was not involved in the case.*

      Aus dem Artikel.

      Das könnte auch bereits die Erklärung sein: Das Gehirn des Mannes ist nicht unvollständig, da fehlt nichts, nur das Gewebe ist extrem komprimiert worden, aber nicht zerstört, offensichtlich sind die Neuronen selbst in diesem „zusammengepressten“ Zustand noch weitgehend funktionstüchtig.

      Wahrscheinlich hat sich nach Entfernen der Drainage mit 14 das Ventrikelsystem so allmählich aufgefüllt, dass der sanft ansteigende Druck das Gehirn „schonend“ zusammenpresste, seine Strukturen aber nicht zerstörte.

  5. Pingback: Integrative strukturelle, funktionelle und transkriptomische Analysen der geschlechtsspezifischen Gehirnorganisation bei den Geschlechtern | Alles Evolution

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