Kognitive Dissonanz

Wenn man Geschlechterthemen diskutiert oder diskutieren will, dann kommt man immer wieder mit Leuten in Kontakt, die die eigene Meinung absolut setzen und sich weigern, diese zu hinterfragen und andere Meinung bereits als Angriff sehen und sich mit den Gegenargumenten nicht auseinander setzen wollen.

Hiermit in Verbindung steht denke ich die sog. Kognitive Dissonanz:

Kognitive Dissonanz bezeichnet in der (Sozial-)Psychologie einen als unangenehm empfundenen Gefühlszustand, der dadurch entsteht, dass ein Mensch mehrere Kognitionen hat – Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten –, die nicht miteinander vereinbar sind, also eine Art von „Störgefühl“.

Etwas mehr ins Detail:

Kognitive Dissonanz tritt unter anderem auf,

  • wenn man eine Entscheidung getroffen hat, obwohl die Alternativen ebenfalls attraktiv waren;
  • wenn man eine Entscheidung getroffen hat, die sich anschließend als Fehlentscheidung erweist;
  • wenn man gewahr wird, dass eine begonnene Sache anstrengender oder unangenehmer wird als erwartet;
  • wenn man große Anstrengungen auf sich genommen hat, nur um dann festzustellen, dass das Ziel den Erwartungen nicht gerecht wird;
  • wenn man sich konträr zu seinen Überzeugungen verhält, ohne dass es dafür eine externe Rechtfertigung (Nutzen/Belohnung oder Kosten/Bestrafung) gibt.

Ist die Dissonanz stark genug, kann ihre Bekämpfung eine dauerhafte Änderung von Einstellungen und Verhalten herbeiführen. Starke Dissonanz entsteht insbesondere bei einer Gefährdung des stabilen, positiven Selbstkonzepts, wenn also jemand Informationen bekommt, die ihn als dumm, unmoralisch oder irrational dastehen lassen. In der Alltagssprache werden solche Momente als peinliche Momente bezeichnet.[1] Kognitive Dissonanz motiviert Personen, die entsprechenden Kognitionen miteinander vereinbar zu machen, wobei unterschiedliche Strategien benutzt werden, wie beispielsweise Verhaltensänderungen oder Einstellungsänderungen. Falls nötig, werden die eigenen Überzeugungen und Werte geändert, was über temporäre Rationalisierungen weit hinausgeht.

In der Geschlechterdebatte werden insbesondere die Verhalten der Geschlechter häufig in Widerspruch zur eigenen Ideologie gesehen. Es muss insofern das Verhalten dieser in Einklang mit der Ideologie gebracht werden. Man nimmt wahr, dass andere nicht nach der eigenen Ideologie leben, aber hält trotzdem an dieser Fest und muss damit einen Weg finden, wie man beides in Einklang bringt.

Weiter aus der Wikipedia:

Da Dissonanz als unangenehm empfunden wird, versuchen Personen, die Kognitionen in Einklang zu bringen (sie in eine „konsonante“ Beziehung zu bringen), um den negativen Gefühlszustand zu beenden. Die Dissonanzauflösung (auch Dissonanzreduktion genannt) kann an jedem der vier Entstehungsschritte ansetzen:

  • Der Widerspruch zwischen Verhalten und Einstellung wird heruntergespielt („So schlimm ist mein Verhalten nun auch wieder nicht.“)
  • Das Verhalten wird als erzwungen dargestellt („Ich musste so handeln.“)
  • Die physiologische Erregung wird gedämpft, meist durch Alkoholkonsum[7]
  • Die Erregung wird auf andere Ursachen zurückgeführt („Die Scheinheiligkeit der Leute nervt mich“).[8]
  • Nichtwahrnehmen, Leugnen oder Abwerten von Informationen
  • Selektive Beschaffung und Interpretation von dissonanzreduzierenden Informationen

Das wäre dann also so etwas wie „Frauen machen eigentlich genau das gleiche wie Männer“ „Frauen müssen wegen ihrer Sozialisation so handeln“ „Die ganze sexistische Kackscheiße stört mich“, das Einschließen in eine Filterbubble und das Ausschließen anderer Meinungen durch nicht Veröffentlichen von Kommentaren“, das Lesen rein feministischer Literatur“ oder auf der anderen Seite „Männer werden genauso viel sexuelle belästigt wie Frauen (um mal kontrovers zu starten“ „Männer können nicht anders wegen ihrer Sozialisation/weil sie sonst keine Frauen bekommen“ „Die Scheinheiligkeit der (ausbeuterischen) Frauen nervt mich“ kein Interesse für andere Theorien bzw. die Wahrnehmung des Verhaltens der Frau als rein ausbeuterisch.

Ich würde zur Vermeidung dieses Phänomens beiden Seiten raten, die Position der anderen Seite nachzuvollziehen versuchen, auch mal Bücher außerhalb der eigenen Ideologie lesen und sich auf Argumentationen einlassen.