„Innerhalb der Geschlechter gibt es weit größere Unterschiede als zwischen den Geschlechtern“

Leserin Muttersheera verweist auf zwei klassische Sätze in der Geschlechterdiskussion. Es wird dabei auch noch Hausmann zitiert, von dem ich eigentlich hoffte, dass er das nicht in der simplen Form als Argument verwendet hat:

Innerhalb der Geschlechter gibt es weit größere Unterschiede als zwischen den Geschlechtern«, sagt der Biopsychologe Markus Hausmann, der an der Universität Bochum über Männer und Frauen forscht. »Die Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern sind viel größer als die Differenzen.«

Ich hatte dazu schon mal was geschrieben, zB hier in einem Kommentar:

@Salvatore

“dass die Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer sind als als dazwischen, ist so ein klassischer Neofeministinnen Spruch.”

ja, in der Tat der Spruch kommt recht häufig. Kennt jemande seinen Ursprung? Er ist allerdings auch bereits in sich ein schwaches Argument. Ich hatte das schon mal erläutert:

Wenn Männer zwischen 1.45 und 2.30 m groß werden und Frauen zwischen 1,40 und 2,10 (fiktive Zahlen), der Durchschnittsmann aber 1,80 und die Durschnittsfrau 1,70, dann ist der Unterschied innerhalb der Kategorie Männner und innerhalb der Kategorie Frauen stärker ausgeprägt als der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Trotzdem ist der Unterschied deutlich vorhanden und die Aussage „im Schnitt ist ein Mann größer als eine Frau“ wahr. Ebenso wären mit hoher Wahrscheinlichkeit die 10 größten Menschen alle Männer etc.

Zudem ist das Argument auch relativ nichtsagend, weil es nichts darüber sagt, wie die Mengenverhältnisse sind.

Helena Cronin schreibt dazu:

The ‚differences within and between‘ argument somehow has a politically correct air. But it’s actually useless — or downright misleading — as a guide to making decisions.

I also suspect — I say ’suspect‘ because ‚within and between‘ is a bit vague — I suspect that, although this is a popular argument with feminists, it doesn’t always fit happily with other feminist arguments. If there are wide ‚differences within‘, then women aren’t very homogenous — there’s a wide spread of abilities and dispositions — and some proportion of women will be in the male end of the distribution. That might be for any characteristic, from hormone levels to 3D rotation (being able to imagine rotating objects in space — a notoriously male trick). But how does this mesh with the idea that women who are high achievers in traditionally male pursuits — engineering, mountaineering or whatever — are ‚role models‘ for other women? The idea is that these women are just like the others and it’s only male prejudice and self-doubt that’s holding the other women back. But maybe these women are the extremes of those ‚differences within‘ that feminists themselves emphasise — and so they’re not just like the next woman? But then how can feminists confidently claim that it’s only prejudice and self-doubt that’s preventing any woman from achieving the same?

Worse, how can anyone confidently point to these women — as anti-Darwinians often do — as evidence against evolved sex differences? And, actually, it does turn out that this confidence is seriously misplaced. Far from undermining an evolutionary analysis, these women are probably exceptions that prove the Darwinian rule. So, for example, with 3D rotation, women exposed in the womb to high levels of androgen perform far better than normal women — indeed, almost as well as men. And with dispositions, too — women in traditionally male professions respond to challenges with a characteristically ‚male‘ high adrenaline charge; and it seems that their job choice follows their disposition rather than — as I wrongly guessed when I first heard this — their disposition being shaped by the job.

A final example. ‚Within and between‘ is used routinely to remind people like me that sex differences are only statistical generalisations and that they don’t hold true for all individuals — which is, of course, right. But isn’t the glass ceiling ‚only‘ a statistical generalisation? There’s an overlap in men’s and women’s jobs, particularly in middle management; some women are higher up than the average man — and so on. But is that a reason for dismissing the glass ceiling as unimportant? Statistical generalisations are exactly what many feminist issues are all about.

I think that the statistical distribution of male-female differences is a really interesting issue, with important implications for policy. It’s one of those areas that’s just waiting for the marriage of the evolutionary approach — which deals with universals — and behavior genetics — which deals with individual differences. I’m really keen to see research on this. It seems to me to be something that Darwinism, feminism and policy-makers most definitely need to deal with. Meanwhile, ‚within and between‘ gets us nowhere.

Eine Feministin, die dieses Argument anführt, sollte sich also zusätzlich zu seiner Sinnlosigkeit auch noch bewusst machen, dass es ebenfalls einen Teil feministischer Theorie entwerten würde. Es würde eben keine durch Geschlechternormen einheitlich eingezwängte Masse Frau mehr geben und auch keinen Gender Gap: Die Lohnunterschiede innerhalb der Geschlechter (von 100 € für Aushilfsjobs bis mehrer Millionen als Geschäftsführer eines großen Unternehmens) sind größer als die Unterschiede zwischen den Geschlechtern (23%). Der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern wäre also wenn das Argument stimmt egal.

Auch noch kurz zu dem weiteren Argument, dass auch die Gemeinsamkeiten größer sind‘: Natürlich sind sie das, wir sind ja Menschen. Wir haben jeweils 2 Arme und Beine, viele vergleichbare Funktionen, aber die Unterschiede zeigen sich eben dennoch sehr deutlich, weil sie in bestimmten Bereichen auftreten und man sie in diesen deutlich wahrnimmt.

(zu einem anderen Artikel, der aus dem Interview mit Cronin entstanden ist: „“Die meisten feministischen Schulen sind sich einig, dass sie anti-darwinistisch sind”)

Ergänzung:

Deutlich wird dies auch, wenn man sich einmal eine Grafik dazu anschaut, die in etwa zu den Werten passt, die beim räumlichen Denken auftreten:

Effektstärke Männer Frauen

Hier sieht man, dass es große Unterschiede innerhalb der Gruppen gibt und diese auch viel gemeinsam haben. Gerade bei einer Betrachtung des äußeren Endes sieht man aber, dass der Anteil derer mit sehr hohen Werten aufgrund des Unterschiedes deutlich höher ist. Wenn die besten 5% mit diesen Fähigkeiten üblicherweise einen bestimmten Beruf, der mit dieser Fähigkeit in Verbindung steht, ergreifen, dann wird der Anteil der einen Gruppe deutlich höher sein als der Anteil der anderen Gruppe.

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Rainer Brüderle, Laura Himmelreich und sexuelle Belästigung

Im Stern soll über sexuelle Belästigung durch Politiker berichtet werden, insbesondere anhand eines Vorfalls der Journalistin Laura Himmelreich mit Rainer Brüderle. Frau Himmelreich sollte Brüderle vor etwa einem Jahr interviewen und schildert dies wie folgt:

„Brüderles Blick“, schreibt Laura Himmelreich, wandert auf meinen Busen. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie. „Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen.“ „Herr Brüderle“, sage ich, „Sie sind Politiker, ich bin Journalistin.“ „Politiker verfallen doch alle Journalistinnen“, sagt er. Ich sage: „Ich finde es besser, wir halten das hier professionell.“ „Am Ende sind wir alle nur Menschen.“

Gegen ein Uhr nachts tippt ihm seine Sprecherin an die Schulter. Brüderle verabschiedet sich von den umstehenden Männern. Dann steuert er mit seinem Gesicht sehr nah auf mein Gesicht zu. Ich weiche einen Schritt zurück und halte meine Hände vor meinen Körper. Die Sprecherin eilt von hinten heran: „Herr Brüderle!“, ruft sie streng. Sie führte ihn aus der Bar. Zu mir sagt sie:“Das tut mir leid.“ Zu ihm sagte sie: „Zeit fürs Bett.“

Ein Bild im Dirndl von Laura Himmelreich war nicht zu finden, bereits ein Ganzkörperfoto ist schwer zu finden.

Laura Himmelreich

Laura Himmelreich

Hier zum Vergleich ein Foto von Rainer Brüderle:

Rainer Bruederle

Rainer Bruederle

Aber hier geht es natürlich nicht um aussehen. Man darf davon ausgehen, dass Politiker aufgrund ihres Status für viele Frauen durchaus attraktiv sind und in soweit häufiger auch mit blöderen Anmachen Erfolg haben, einfach weil Status attraktiv macht. Das kann dann natürlich auch zu unangemessenen Verhalten führen, welches belästigend ist.

Ich finde es bei der Schilderung oben erstaunlich, dass ihre Reaktionen nahezu vollkommen ausgeblendet werden:

„Brüderles Blick“, schreibt Laura Himmelreich, wandert auf meinen Busen. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“

Hier wäre es natürlich interessant zu sehen, wie das Dekollete des Dirndls aussah und wie sie sich präsentiert hat:

Dirndl Dekollete

Darf man auf ein prächtiges Dekollete einen entsprechenden Kommentar geben? Es ist ja immerhin ein sexuelles Signal (Victim Blaming), welches sich eigentlich auch nicht für ein Interview gehören würde. Es kann natürlich auch sein, dass sie etwas züchtigeres anhatte, aber eine weitergehende Information wäre schon interessant gewesen.

Auch dann stellt sich natürlich die Frage, welche Reaktion er hier noch bringen konnte. Bei entsprechender Präsentation ihrerseits finde ich es keinen absolut unvorstellbaren Kommentar.

Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie. „Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen.“

Auch hier erfährt man nicht, wie sie auf seinen ersten Spruch reagiert hat: Verschämtes Schweigen und umlegen eines Schals? Ungläubiges Entsetzen mit offenen Mund? Verschmitztes Grinsen und ein bestätigendes Nicken? Wie lief das Gespräch weiter? Wenn sie hier „Indicators of Interest“ gesendet hätte finde ich seine Reaktion nach diesem Spruch keineswegs schlimm. Ein Handkuss ist eher alte Schule und wenn sie auf den Busenkommentar passend reagiert hätte, dann konnte er wohl davon ausgehen, dass er einen Handkuss wagen kann zumal man auch hier langsam die Hand nehmen und zum Mund führen kann und erst dann, wenn sie es zulässt einen Kuss aufdrückt. Wir erfahren auch hier wieder sehr wenig über den gesamten Vorgang oder ihre Reaktion. Wie hat er ihre Hand genommen, wie hat er reagiert, war sie in einer Schockstarre und merkte er das? Es fehlt jegliche Schilderung, die den Handkuss abschätzbar macht.

„Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen.“

Wenn wir einmal von der vorteilhaftesten Version für Brüderle ausgehen, dann hat sie den Spruch über ihren Busen akzeptiert, den Handkuss akzeptiert, es spricht nichts dagegen sie um einen Tanz zu bitten. Wenn sie natürlich jeweils mit Abscheu reagiert hat, dann wäre es etwas anderes.

„Herr Brüderle“, sage ich, „Sie sind Politiker, ich bin Journalistin.“ „Politiker verfallen doch alle Journalistinnen“, sagt er.

Finde ich auch erst einmal einen unverdächtigen Dialog – ihr Argument ist ja in der Tat nicht zwingend. Joschka Fischers 3 und 4 Frau waren Journalistinnen (ebenfalls mit starken Altersunterschied),  Auch Gerhard Schröders vierte Frau war Journalistin. Christian Lindners Frau ist ebenfalls Journalistin. Sieht man es als reinen Shittest, dann reframed er ihn eigentlich ganz okay als Argument für eine Entscheidung für ihn. Auch hier erfahren wir nicht, ob sie es mit einem verschmitzten Lächeln und einem leichten Augenaufschlag sagt oder eher ablehnend.

Ich sage: „Ich finde es besser, wir halten das hier professionell.“ „Am Ende sind wir alle nur Menschen.“

Hier wird sie immerhin deutlicher. Und er bringt es in dieser Interaktion okay zu Ende.

Dann steuert er mit seinem Gesicht sehr nah auf mein Gesicht zu. Ich weiche einen Schritt zurück und halte meine Hände vor meinen Körper.

Hier wäre natürlich die Frage, wie nahe er ihr gekommen ist. Ihr einfach so ohne weitere Vorzeichen einen Kuss auf den Mund drücken zu wollen wäre ein absolutes No-Go. Aber auch hier erfährt man eigentlich zu wenig über konkrete Nähe oder überhaupt die näheren Umstände.

Im Ganzen wäre also sein Eingangsspruch wahrscheinlich über die Grenzen hinaus, sofern sie nicht ihrerseits Interesse signalisiert und ihren Busen besonders betont hat. Auch am Ende scheint er etwas viel gewollt zu haben. So richtig erfährt man aber auch nichts über die Einzelheiten, so dass ich an seiner Version interessiert wäre.

Bleibt noch die Frage, warum sie es gerade jetzt so darstellt:

Klar kann man da anführen, dass gerade weil er wieder mehr ins Rampenlicht geht die Bevölkerung auch ein Anrecht darauf hat, ihn entsprechend kennen zulernen. Aber es wirkt eben auch wie eine politisch motivierte Kampagne und ein sich ins Rampenlicht rücken.

Der Artikel schildert, dass auch ansonsten die Politiker wohl eifrig hinter den Frauen her sind:

Es fängt an bei einem bieder-braven CDU-Ministerpräsidenten, der vor den beiden jungen Journalistinnen, die ihn begleiten, plötzlich den Hirsch macht und angeberisch in der Tempo-30-Zone den Rennfahrer gibt; ein Testosteroneinschuss und ein Verhalten wie bei einem 14-jährigen Pubertanten. Es geht weiter beim Parteihäuptling, der zu vorgerückter Stunde auf einem Fest einer Mitarbeiterin so auf die Pelle rückt, dass die von Kolleginnen in Sicherheit gebracht werden muss. Und es hört auf bei einem ehemaligen Wirtschaftsminister, der bei seinen Besuchen im Ausland den Frauen in den jeweiligen Botschaften nachstellte – so impertinent, dass eine Order rausging, junge Frauen nicht mit diesem Mann alleine zu lassen.

Also klassisches Imponiergehabe, Statusaufbau, den starken Mann markieren. Würde mich interessieren, wie hoch da die Erfolgsquoten sind.

Auch interessant, dass wohl das Verhalten von Journalistinnen auch nicht immer einwandfrei ist:

Zur vollen Wahrheit gehört allerdings auch, dass in manchen Redaktionen junge, attraktive Frauen strategisch eingesetzt werden. Dabei geht es nicht nur um einen anderen, weiblichen Blick. Sondern darum, eine größere Nähe zu Politikern herzustellen, eine anders geartete Nähe. Offenherzigkeit gegen tiefes Dekolleté und klimpernde Wimpern. So einfach ist das manchmal wirklich, leider. Und auch das ist Sexismus, nur anders herum. Ein Spiel mit den Trieben.

Ein tiefes Dekollete und klimpernde Wimpern. Inwieweit Laura Himmelreich diese eingesetzt hat um als relativ junge Journalistin einen hohen Politiker besser interviewen zu können, lässt ihre Version schon aus meiner Sicht noch offen.

Die Forderungen daraus:

Ja, es ist ein schmaler Grat. Nein, es geht nicht um das gemeinsame Weinchen in entspannter Atmosphäre. Das sei allen gegönnt, auch Rainer Brüderle. Aber es geht darum, auf welcher Basis sich Journalistinnen und Politiker begegnen. Auf Augenhöhe, wie das etwa der verstorbene Peter Struck mit rauem Charme beherrschte? Oder auf Brusthöhe, wie Brüderle und die anderen schamlosen Böcke in Nadelstreifen. Es ist eine Frage des Respekts, den man sich gegenseitig entgegenbringen sollte, egal welchen Alters, egal welchen Geschlechts. Es geht schlicht um ein Mehr an Zivilisation.

Interessant auch, dass man die Journalistinnen, die Politiker anflirten, hier außen vorlässt. Auf ihr Verhalten dürfte ein Teil des Verhaltens der Politiker ja durchaus zurückzuführen sein, weil sie dort Erfolgserlebnisse abholen, die sie annehmen lassen, dass ihr Verhalten erfolgreich ist.

Hier noch ein paar Stimmen von Twitter:

Männer und Aggression

Eine interessante Studie behandelt die Gründe für aggressives Verhalten (via):

Past research indicates that men are more physically aggressive than women, but very little research has examined mediators of this gender difference. Indeed, the only established finding to date is that one plausible mediator – namely trait anger – shows no reliable gender difference whatsoever. Drawing on sexual selection theory and social-learning theories, we predicted that revenge may mediate this gender difference even though anger does not. Three studies using both personality questionnaires (Studies 1 and 2) and objective laboratory measures of aggression (Study 3) provided support for this contention. The results provide some of the first evidence for a reliable mediator of gender difference in physical aggression.

Quelle: Men don’t just get mad; they get even: Revenge but not anger mediates gender differences in physical aggression

Einen Überblick zu den einzelnen Studien findet man auch hier.

Die Studie führt zu den evolutionären Betrachtungen aus:

Sexual selection theory is the most prominent evolutionary explanation of gender differences in physical aggression. According to this theory, men are typically under greater evolutionary pressures to behave aggressively than women. Because women are sometimes unavailable for reproduction due to pregnancy, women are argued to be a more valuable reproductive resource for which men must compete. Men can do so by aggressively excluding other men from mating opportunities or by seeking to attract women. Evolutionary theorists have traditionally argued that men mainly seek to attract women by establishing a more dominant position in the social hierarchy.
According to Daly and Wilson, these factors have converged and made men more prone to aggressive retaliation in the face of minor provocations. In order to deter male rivals from aggression and to achieve a dominant status, men need to establish a reputation for “toughness” (i.e., that they are not vulnerable to mistreatment by others). Thus, even minor insults demand swift and forceful retaliation.
Consistent with this, crime statistics and laboratory experiments have both shown that men are more likely to respond to trivial provocations with extreme retaliation. A large proportion of murders can be attributed to men responding to minor provocations, but similar incidences are exceedingly rare among womenand. Moreover, laboratory experiments show that priming status goals leads men (but not women) to be more physically aggressive in the face of minor provocations.

Gewalt oder Aggressivität hätte damit etwas mit Rufwahrung zu tun: Wer auf kleine Provokationen nicht reagiert, der könnte größere Provokationen einladen. Wer bereits auf kleine Provokationen sehr heftig reagiert, der schreckt weitere Provokationen ab.

So zumindest die Theorie.

Ich würde vermuten, dass dieser Mechanismus der biologische Teil ist, dieser aber durch Kultur ausgestaltet wird, insbesondere in dem dort die angemessenen Reaktionen auf eine Provokation, also die Reaktion, bei der man kein Gesicht verliert, vorgegeben wird.

Das mag zu gewissen Zeiten das Duell auf Leben und Tod gewesen sein, in anderen eine Schlägerei,  bei anderen auch nur ein Spruch zurück.

Steven Pinker führt in The Blank Slate aus, dass die Reaktion bzw. der Ehrbegriff üblicherweise heftiger ausfällt, wenn wenig staatliche Gewalt und kein effektives Recht vorhanden ist. Denn gerade dann muss um so mehr Abschreckung betrieben werden. Also gerade in Grenzbereichen der Zivilisation oder aber in unwegsamen Gegenden. Eine solche Kultur kann sich dann auch halten, wenn die Zivilisation nachrückt, etwa in den amerikanischen Südstaaten, in denen nach Forschungen die Leute heftiger auf Provokationen reagieren.

Es ist insoweit auch gut erklärbar, dass Statusziele eher dazu führen, dass man bestimmte Provokationen anders aufnimmt, denn diese gefährden dann evtl. die Erreichung der Statusziele.

Costly Signals und Kultur

Aus meiner Sicht ist das Setzen von Signalen für die verschiedenen Aspekte von „Guten Genen“ ein Aspekt, der gerade beim Menschen vieles erklärt. Hiergegen wurde bereits eingewendet, dass die ursprüngliche Bedeutung von „Costly Signals“ wesentlich enger war und sich insbesondere auf körperliche Merkmale bezog und die Kosten dort meist wesentlich deutlicher erhöht wurden, etwa durch eine höhere Chance getötet zu werden, weil man durch lange Schwanzfedern eingeschränkt ist.

1. Lohnt sich Signaling nur bei sehr hohen Kosten?

Das Prinzip hinter dem Setzen von Signalen ist, dass diese den eigenen Wert gegenüber einem potentiellen Partner (sei es für Kooperation oder Fortpflanzung) signalisieren sollen. Bei nahe jeder menschlichen Interaktion ist dies von Relevanz, da immer die Frage ist, ob derjenige, mit dem man sie durchführt, der richtige ist, man ihm vertrauen kann, man nicht einen besseren bekommt. Bei jeder menschlichen Interaktion ist es daher wichtig, der anderen Seite die notwendigen Zeichen hierfür so deutlich wie möglich zu übersenden und es ist im Gegenzug für den Empfänger wichtig, diese Zeichen zu empfangen und „ehrliche Signale“ von „unehrlichen Signalen“ zu unterscheiden. Um so kooperativer dabei eine Spezies ist, um so weniger können solche Signale über „Kann sich vor Raubtieren schützen trotz Nachteil X“ gesendet werden. Diese haben in einem auf Handel ausgerichteten menschlichen Zusammenleben schlicht keinen Raum. Im übrigen kommen Signale außerhalb dieser Kategorie auch bei Tieren vor. Der komplizierte Gesang der Singvögel und dessen fehlerfreie Wiederholung zeigt beispielsweise an, dass dieser Teil des Gehirns fehlerlos erstellt ist und damit einen genetisch hohen Wert besitzt, was dann auf den übrigen Genanteil hochgerechnet wird. Komplizierte Balztänze haben eine ähnliche Funktion.

2. Intelligenz erzeugt Komplexität, Komplexität schlägt sich auch in den Signalen nieder

Ein weiterer Faktor ist, dass es in einer intelligenteren Spezies mit einem komplexen Sozialleben zu erwarten ist, dass der Partnerwert gerade auch über die Fähigkeit, in sozialen Situationen zu bestehen, dargestellt wird. Denn gerade im Zusammenspiel mit anderen und in der Konkurrenz mit anderen zeigt sich am deutlichsten der Vorteil von Intelligenz. Die Erkennung von „guten Partnern“ ist insoweit gerade unter den Bedingungen, in denen Menschen leben und evolviert sind, eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann. Daraus wiederum folgt, dass auch das Senden solcher Signale von überaus hoher Wichtigkeit ist. Deswegen ist es gerade in solchen auf hohe Zusammenarbeit ausgelegten Arten zu erwarten, dass die Position in der Gruppe, die Bündnisse, die bereits bestehen, die Ressourcen, die man gegen andere verteidigen kann oder von ihnen zugewiesen bekommt, als Signale ausgewertet werden. Um so komplexer ein Lebewesen in ein Beziehungsnetz eingebunden ist und um so eher das Lebewesen durch Arbeitsteilung und Zusammenarbeit Vorteile erlangen kann, um so eher ist es auf Signale angewiesen.

3. Kultur als Signal

Bei dieser Betrachtung ist es zu erwarten, dass Lebewesen, die ein besonders starkes Interesse an der Darstellung von Signalen und deren Erkennung haben, soziale Praktiken entwickeln, die gerade dieser Darstellung dienen. Soziales Interesse der jeweiligen Lebewesen wird gerade auf die Erkennung von Signalen und die Erlangung von Darstellungsmöglichkeiten gerichtet sein.

Darunter würden fallen:

Nimmt man all diese Bereiche, in denen Menschen Signale aussenden sollten, um ihren Wert anzuzeigen, dann wird deutlich, dass Costly Signals einen großen Teil der heutigen Kultur ausmachen oder auf diese zuzurückzuführen sind. Dabei greifen die Kategorien natürlich auch ineinander. Insbesondere bewirken viele Zeichen einen sonstigen hohen Wertes auch eine Erhöhung des Partnerschaftswerts für das andere Geschlecht.

4. Wandelbarkeit von Signalen

Weil die Art, nach der man diese Eigenschaften demonstrieren kann, auch davon abhängen, inwieweit Technik und Kultur oder andere Ausprägungen die Darstellung erlauben, kann ein Signal, welches früher ehrlich war, heute aussagelos sein.

Beispielsweise wäre in der Steinzeit die Herstellung oder der Besitz eines fehlerlosen Tontopfs (symmetrisch, ohne Ungenauigkeiten in der Ausführung etc.) ein Zeichen sowohl hoher Handwerkskunst als auch hoher Ressourcen gewesen. In Zeichen industrieller Herstellung ist aber Perfektion die Norm und nur ein zeichen der zeitunaufwändigen Herstellung, ein Tonkrug (zB als Blumentopf), der Unperfektheiten aufweist, kann heute als Zeichen einer Zeitaufwändigen manuellen Herstellung gerade aufgrund dieser ein besseres Zeichen sein.

Ebenso kann ein überaus verzierte Kleidung aus Seide, mit filigranen Schuhen auf Absätzen und Spitzenkragen ein Zeichen dafür gewesen sein, dass man sich zum einen die teure Seide leisten konnte (Ressourcen) und zum anderen nicht körperlich oder auch gar nicht arbeiten musste, weil andere dies für einen machen (Status). Mit einer Steigerung von Tätigkeiten im geistigen Bereich sinkt hingegen der Nutzen hiervon, zudem drückt praktischere Kleidung dann wieder eher Kooperationsbereitschaft aus, also auch die Bereitschaft wertvolle Arbeit zu leisten aus, die in einer Leistungsgesellschaft wichtiger ist als in einer Ständegesellschaft.

In einer Gesellschaft, in der mangels effektiver Verhütung sexuelle Treue besonders wichtig war, mag die Keuschheit und Unberührtheit einer Frau als Signal betont werden, während in Zeiten effektiver Verhütung Treue in einer Beziehung Keuschheit als Signal ablehnt und sexuelle Signale eine höhere Bedeutung erhalten. Eine Frau, die sich früher für Nacktfotos zur Verfügung gestellt hat, hat in bestimmten Bereichen Signale gesetzt, die negativ waren, etwa indem sie die üblichen Signale von Keuschheit und Unberührtheit durch starke sexuelle Signale überlagerte. Da heute diese Werte kulturell herabgestuft sind und emotionale Treue wichtiger ist, fällt der Malus in diesem Bereich teilweise Weg und die stärkere Aufwertung sexueller Signale führt dazu, dass das Ausziehen für den Playboy gesellschaftsfähig geworden ist. Auch heute aber müssen bestimmte Regeln eingehalten werden, die die Bilder „Stilvoll“ im Gegensatz zu „billig“ machen, wobei der Unterschied meist daran liegt, dass in den Bildern zwar eine Bewertung des Körpers (=Rückschluss auf „gute Gene“) erlaubt wird, aber ein sexuelles Anbieten durch entsprechende, den Sex ermöglichende Stellungen und die Betonung der eigenen sexuellen Erregung unterbleibt.

Solange die Macht von Kirchen besonders hoch war, konnte Religionszugehörigkeit ein Costly Signal dafür sein, dass man Bestandteil der Gruppe ist und insofern kooperationsfähig, dass man einen normalen sozialen Umgang pflegt (im Gegensatz dazu mit dem Teufel im Bunde zu sein).

5. Aufnahme als Zeichen trotz heute fehlender Ehrlichkeit

Viele Zeichen, die heute kulturell bestehen, fehlt es allerdings aufgrund des technischen und kulturellen Wandels an Ehrlichkeit. Weil sie aber einmal Costly waren, nehmen wir sie teilweise auch heute noch als Costly wahr. So ist der Besuch in einem feinen Restaurant insbesondere deswegen als Zeichen interessant, weil die Bediensteten einem besonders zuvorkommend und ehrergiebig behandeln und dabei selbst Zeichen eines hohen Status über ihre Kleidung tragen. Ebenso dient der Preis als Costly Signal von Ressourcen, obwohl diese heute auch mit einem normalen Gehalt zu stemmen sind. Ebenso können zB falsche Brüste als Imitat guter Gene gefallen, obwohl wir wissen, dass sie falsch sind. Und die Anonymität und der in das Berufsleben verlagerte Wettbewerb der heutigen Welt in Vergleich zu steinzeitlichen Welten erlaubt uns stärker, auch Statusverhalten, welches eigentlich nicht zu unserem Status passt vorzugeben. Es bestehen also viele Möglichkeiten, heute Zeichen, die früher eine hohe Aussagekraft hatten, zu fälschen.

Rosinenpicken innerhalb der feministischen Theorien

Leser David schrieb in einem Kommentar:

Interessant finde ich es in letzter Zeit immer wieder zu beobachten, wie der Feminismus zwischen diesen beiden Argumentationslinien hin- und herspringt.

a) Frauen und Männer_haben_ dieselben Neigungen und Bedürfnisse -> hiermit lassen sich Quoten und jegliche Gleichstellung rechtfertigen, wenn Frauen in irgendeinem Bereich nicht dieselbe Beteiligung/Erfolgsrate vorweisen

b) Gibt es einen Hinweis dass a nicht der Fall sein könnte, stellt feministin fest, dass Männer und Frauen die gleichen Neigungen und Bedürfnisse _hätten_ (aber derzeit keinesfalls haben können!), wenn die patriarchale Sozialisation nicht fundamentale Unterschiede bereits im Kindesalter einschreiben würde -> hiermit lässt sich radikales degendering von Tag 1 nach der Geburt an rechtfertigen, um a) zu erreichen

Dass aber im Falle b) die Konsequenzen von a) entfallen und umgekehrt, fällt unter den Tisch und kennzeichnet für mich die Schizophrenie dieser Ideologie.

Es ist eine Beobachtung, zu der ich auch schon lange etwas schreiben wollte.

Es ist aus meiner Sicht eine Folge davon, dass im Feminismus sehr häufig vom Ergebnis her argumentiert wird, da mit der Standpunkttheorie ja letztendlich der Weg zum Ziel auch relativ egal ist.

Dabei schließen sich diese Wege in der Tat teilweise aus.

  • Wenn Frauen und Männer gleich sind und keine Unterschiede festzustellen sind, dann kann man die gesellschaftlichen Unterschiede damit begründen, dass Frauen diskriminiert werden. Es kommt einem Ansatz der zweiten Welle entgegen.
  • Wenn Männer und Frauen zwar grundsätzlich gleich sind, allerdings durch die Erziehung in andere Richtungen gedrängt werden, dann müsste man eben zwischen den Geschlechtern auch erhebliche Unterschiede feststellen, eben die Auswirkungen dieser Erziehung. Dennoch werden durch Studien nachgewiesene Ungleichheiten, etwa im räumlichen Denken, oft nicht anerkannt, auch nicht als Folge sozialer Erziehung. Wer behauptet, dass es Geschlechtsunterschiede gibt, der wird sich meist schon erheblicher Kritik ausgesetzt sehen, auch wenn über die Ursachen, also sozial oder biologisch gar nichts gesagt wird.
  • Wenn Biologische Unterschiede etwa im Gehirn festgestellt werden, dann wird gerne auf die Plastizität des Gehirns abgestellt, die dann für all diese Unterschiede verantwortlich sein soll.  Nimmt man dieses Argument ernst und verweist darauf, dass dann momentan allerdings die Frauen mit einem Gehirn versehen sind, dessen Plastizität es auf die weibliche Geschlechterrolle ausgerichtet ist, und daher verständlich wäre, dass zB weniger Frauen in Führungspositionen sind, dann wird dies ebenfalls zurückgewiesen.

Und in der Tat wird auch bei der Verwendung dieser Theorien Rosinenpickerei betrieben. Wenn man über Frauen als Führungspersonen trifft, dann wird man meist auf die vollkommene Gleichheit kommen, wenn hingegen über Förderungen von Frauen redet, dann wird man eher zu dem Argument greifen, dass sie eben auf eine bestimmte Weise sozialisiert sind und sich zB dewegen nicht durchsetzen können und daher geschützt und gefördert werden müssen. Beide Diskussionen gleichzeitig sind für viele Feministinnen schwer zu führen, weil sich die jeweiligen Standardargumente dann gegenseitig ausschließen. Ich hatte dies schon einmal in dem Beitrag „Starke Frauen in Führungspositionen vs. zur Schwäche sozialisierte Frauen, die die Frauenquote brauchen“ dargelegt.

 

Auswirkungen von Risikobereitschaft, sozialen Präferenzen und Wettbewerb auf die weibliche Berufswahl

Eine Studie zu der Frage wie sich bestimmte Präferenzen auf die Berufswahl auswirken:

In the current survey we study preference differences between men and women, focusing on three factors that are relevant in the labor market: Risk taking, social preferences and reaction to competition.  If women prefer jobs that are less risky, more socially virtuous and less competitive, then this could explain part of the gender differences in the labor market.

Das ist ja eine bereits häufiger besprochene These, die eben nicht auf reine für den Beruf erforderliche Eigenschaften, sondern eher auf die Präferenzen abstellt.

Der erste Bereich ist die Bereitschaft ein Risiko einzugehen:

The findings in this section show clear evidence that men are more risk-taking than women in most tasks and most populations. Some important caveats are, however, needed. Perhaps the most important one for labor markets is that women who chose (or who were trained) in jobs such as financial advisors, are not less risk-taking than their men colleagues. But why do we see so many more men in these positions than women? One answer might be the riskiness of the compensation in these positions. But there are 18 other possibilities as well

Der zweite Bereich sind soziale Komponenten:

First, we identify experiments that have demonstrated gender differences and look for evidence that women 37 are more responsive than men to the conditions of the experiment. We find such evidence in a wide variety of settings.

In dictator games, we find that women’s decisions vary with the size of the pie more than do men’s (Andreoni and Vesterlund), and that women’s decisions are sensitive to the gender (and home state) of their counterpart while men’s are not (Ben-Ner, Kong and Putterman).

In trust decisions we find that the amounts women send varies more than the amounts men send with the identification (and gender) of their counterpart (Buchan, Croson and Solnick), and with the existence of a picture of their counterpart (Eckel and Wilson). Similarly, female trust is sensitive to the size of the pie, the social distance in the experiment and the ability of the second player to respond, while male trust is not sensitive to any of these factors (Cox and Deck). In reciprocal decisions, we again find that women are more sensitive to conditions of the experiment. Men are less likely to punish (reward) a partner who had previously been unfair (fair) than women are (Eckel and Grossman). Women are influenced more strongly than men by the first-mover’s decision in sequential dictator games as well (Ben-Ner, Putterman, Kong and Magan). And women were more reciprocal in trust games than men (Croson and Buchan; Buchan, Croson and Solnick; Chaudhuri and Gangadharan; Snijders and Keren; Schwieren and Sutter)

In social dilemma settings women’s decisions are more sensitive to the ability to communicate than are men’s (Stockard, van de Kragt and Dodge). In the prisoner’s dilemma setting, female behavior varied more than males as the gender composition of their group changed (Ortmann and Tichy).

Second, we look between studies and compare the differences in male and female behavior. Between-study comparisons of levels is always tricky, thus we are more careful in our interpretations here. If our explanation is correct, we will see more variability in female behavior across related studies than in male behavior. We find between-study evidence for our explanation in three different settings. In responder behavior in ultimatum games, we compare the Eckel-Grossman and Solnick papers and find that rejection rates by women differ by 18.6% while rejection rates by men differ by only 8.7%. In dictator giving we compare the Eckel-Grossman and Bolton-Katok papers and find that male giving differed by only $0.62 while female giving differed by $1.46 between the two studies. Finally, in VCM games, we find that gender differences are caused by female contributions changing by 9.9 percentage-points on average, while male contributions change by only 4.6 percentage-points on average.

We believe, as suggested by Gilligan (1982), that men’s decisions are less context-specific than women’s. Participants of both genders are likely maximizing an underlying utility function, but the function that men use is less sensitive to the conditions of the experiment, information about the other party, and (even) the other party’s actions, than the function that women use. This causes what appear to be inconsistent results in our experimental studies; sometimes men appear more altruistic than women and other times, women appear more altruistic than men. But primarily what we see is women’s behavior is more context-dependent than that of men.

These results (and our organizing explanation of them) have important implications for the labor market. If, as the evidence suggests, women are more other-regarding than men they may be more likely to choose jobs that create benefits for others (e.g. in “helping” 39 professions) which are traditionally lower-paid. This may contribute to the wage gap. Similarly our organizing explanation suggests that women’s social preferences are more sensitive to subtle cues than are men’s. This can lead women to choose professions which they think are socially appropriate for women, based on the cues they observe about the workforce (for example, what proportion of women are in this given profession). In contrast, men’s choice of profession would be less sensitive to these cues.

Also stärkere Auswirkungen von sozialen Gegebenheiten bei Frauen. Diese würden sich eher Jobs suchen, in denen sie anderen helfen und dabei anscheinend auch eher darauf achten, was andere Frauen machen.

Zuletzt geht es dann um den Wettbewerb:

First, a higher fraction of men choose competitive environments than women. Second, men and women were more likely to choose competitive environments when they have an advantage in performing the task than when they do not. Women who choose competitive environments perform just as well as men in those settings. Under this more sophisticated view, the source of the observed gender differences in reaction to competition is driven by the fraction of competitive types, which is higher among men than among women.

Meiner Meinung nach passt das sehr gut zu den biologischen Theorien: Testosteron steht in einer gewissen Verbindung mit der Wettbewerbsbereitschaft. Da mehr Männer als Frauen die entsprechende Schwelle in dem Bereich überschreiten sind Männer auch häufiger in Wettbewerbssituationen zu finden. Die Frauen, die aufgrund ihrer biologischen Grundlagen allerdings ebenfalls damit gut zurechtkommen, schlagen sich genau so gut.

Dann geht es innerhalb des Wettbewerbs um die Präferenzen beim Verhandeln:

In a direct measure of attitudes rather than behavior, Babcock, Gelfand, Small, and Stayn (2003) asked several hundred people about their negotiating experience. They found that men place themselves in negotiation situation more often than women, and regard more of their interactions as potential negotiations. This difference is robust to age. Why do we see this difference in attitudes and behavior? We believe that it reflects differences in men and women’s attitudes toward competitive situations. As in the research above, when people can choose men are more likely to choose competitive interactions (like negotiation) than women are. This type of sorting can have strong implications for labor market outcomes (e.g., Lazear, 2000). Differences between career choices and promotion speeds can be caused by the desire to avoid competitive situations. High status positions are usually highly competitive. If men are more eager to participate in competitive environments than are women, this could explain a large part of the gender gap.

Dass würde dann dazu führen, dass die Frauenquote nur den Frauen hilft, die eh Freude an diesem Wettbewerb haben.

Aus der abschließenden Besprechung:

In general, this literature has documented fundamental preference differences between the two genders (with exceptions noted in the text). These differences are consistent with preferencebased explanations for the gender gap in wages.

For example, most lab and field studies indicate that women are more risk-averse than men (section 2). This risk-aversion can lead to the attraction of women to jobs with lower mean, lower-variance salaries. This preference-based explanation is consistent with some gender-gap evidence without resorting to discrimination arguments.

A number of studies also indicate that women’s social preferences are more sensitive to subtle cues than are men’s (section 3). This can lead women to choose professions which they think are socially appropriate for women, based on the cues they observe about the workforce (for example, what proportion of women are in this given profession).

Finally, a third stream of literature suggests that women’s preferences for competitive situations are lower than men’s. This can lead women to choose professions with less competition (and again to end up receiving lower wages on average). It can also lead to women earning less or advancing more slowly within a given profession.

Of course, the fact that the gender gap can be explained by preference differences does not mean that discrimination does not occur, nor can we conclude that social policy affecting this domain would not be welcome or value-creating

Hier müsste man also, damit Frauen bereit sind in entsprechenden Jobs zu arbeiten und für diese zu arbeiten, gerade diese Eigenschaften fördern. Und natürlich auch prüfen, inwieweit sie auf Biologie beruhen.

Dazu ist auch noch etwas in der Studie:

One important and interesting question about these differences is whether they are ingrained or taught. By taking a step back and asking what causes the gender difference we can also connect some of the different elements discussed in this paper. For example, a large body of literature in evolutionary biology and socio-biology documents differences in competitiveness between males and females, in many species. 10 This literature argues that the differences in competitiveness arise because, due to differences in the cost of reproduction, competitive males will attempt to mate at every opportunity. Females, on the other hand, are inherently choosy, reserving their favors for the strongest suitor. Connecting competitive behavior with risk taking, Dekel and Scotchmer (1999) developed an evolutionary model of preference-formation, to investigate to what extent evolution leads to risk-taking in winner-take-all environments (like reproduction). They show that winner-take-all games are related to the survival of risk-takers and the extinction of risk-averters. Since in many species a winner-take-all game determines the males’ right to reproduce, the argument suggests that males will evolve to be risktakers. Similar evolutionary explanations are consistent with women being more sensitive to social cues than men. In exercising choosiness about mate selection, women who were sensitive to these cues could, on average, produce more fit offspring than those who were not. In contrast this increased sensitivity did not affect a male’s chance of reproduction, and was thus not selected for. Indirect evidence on the nature/nurture question comes from the studies with children (before nurture has full impact) and cross-culturally (when nature remains constant but nurture changes). The evidence we have here suggests that gender differences in preferences remain among children and in different cultures, providing support for the nature over nurture explanation. Of course, some cultural differences have been identified, suggesting that nurture has an effect as well.

Also eine klassische evolutionspsychologische Erklärung. Wem diese zu vage ist, der kann auch eine rein medizinisch-hormonelle Erklärung suchen. Die Präferenzen, die hier geprüft worden sind, stehen meines Wissen nach jeweils mit Testosteron (Risikobereitschaft und Spass am Wettbewerb) bzw. Östrogen (Empathy und soziale Punkte) in Verbindung.

Selbermach Samstag XVI

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