Depressionen und Feminismus

Gerade im radikalen (Netz-)Feminismus scheint ein gewisser Hand zu Depressionen zu bestehen. Nachdem zB Nadine Lantzsch sich in der Hinsicht schon geoutet hat fallen einem auch eine Reihe anderer davon betroffener Netzfeministinnen auf. Ein Artikel bei Anarchie und Lihbe stellt es gerade auch noch mal in einer Jahresendzeitdepression dar:

Ich weine nicht über tote Kaninchen, ich weine um die Welt. Ich weine über die Situation der vielfältigen Unterdrückten. Über meine Situation. Über den Mehrwert, die Ware, den Zinseszins. Über die Erkenntnis, dass ich nicht mal eine Sprache besitze, die jenseits des kapitalistischen Rahmens klingt. Dass der kapitalistische Rahmen sich mit jedem meiner Schritte , und den Schritten anderer, ein Stück weiter ausdehnt, wie ein Luftballon, den man aufpustet, wie das Universum, in manchen Theorien. Ich weine um meine Unsichtbarkeit, die sich gar nicht so unsichtbar anfühlt, weil ich doch pinke Haare habe und grelle Klamotten und erst kürzliche noch auf einer Bühne stand. Ich weine um meine geringe Handlungsfähigkeit angesichts der Übermacht der *istischen Diskurse. Angesichts der Uhr, die läuft, von 0 bis 12 und von 12 bis 0. (…)

Ich soll Sport machen. Bewegung als das beste Antidepressivum. Die Frage ist : Will man funktionieren, wieso, und macht es das nicht schlimmer? Wenn ich jetzt klein beigebe, weitermache, die Zähne zusammenbeiße. Depression aushalten kommt nahe ran an eine ehrliche Haltung zum Sachverhalt. Konsequenter vielleicht als Lächeln und Winken.

Freund_innen/Verbündete/Andere, die alle das gleicheProblemzu habenscheinen.

Ich frage mich, was da das verbindende Glied ist.

Ein kurzes Googeln brachte zumindest die folgenden Symptome:

Stimmungen von depressiven Menschen

  •  sie sind bedrückt, traurig, verzweifelt
  • sie haben ein andauerndes Elendigkeitsgefühl
  • Minderwertigkeitskomplexe ( Man denkt, man ist nichts wert)
  • ängstlich, Angst vor dem Leben
  • hoffnungslos, Gefühl von Hilflosigkeit
  • sie wollen sich verkriechen
  • lebensmüde Gedanken, nicht mehr aufwachen wollen, alles Sch…
  • man sieht alles negativ
  • das Leben scheint sinnlos, warum lebt man überhaupt?
  • Hemmungen
  • Schuldgefühle
  • Schwinden des Selbstwertgefühls
  • Interessenverlust
  • Unruhe
  • Gefühlslosigkeit

Teile davon kann man denke ich durchaus im Feminismus ausleben. Die Unterdrückung durch den Mann/das Patriarchat/die hegemoniale Männlichkeit erlaubt einen, einen Grund für seine Angst zu finden, eine Theorie, die einen erlaubt sich richtig elendig zu fühlen, die Hoffnungslosigkeit vermittelt.

Es scheint auch einigen Feministen selbst so aufgefallen zu sein:

I use this anecdote to illustrate something I’ve been thinking about for a long time: are feminists depressed/anxious because they’re feminists, or are they feminists because they’re depressed/anxious? Are we the chickens, or are we the eggs?

From childhood on I felt uneasy with cultural norms–I was always the only kid in my social circle who loathed the ending of “Grease.” She changed for a guy? Yuck! We sensitive types recognize injustice more quickly and are attuned to suffering more deeply, so it makes sense that we would seek to participate in movements that are dedicated to ending injustice and relieving suffering.

We are chickens. Depressives and anxiety fiends make great feminists.

The work of feminism, whether in action or in our own minds, is exhausting. Being aware of oppression is a painful state. In the phraseology of most popular philosophical text of the late 20th century, we swallowed the red pills, not the blue ones. Additionally, feminism confronts the horrors of rape, sexual assault and abuse, domestic and dating violence and other REALLY REALLY AWFUL THINGS that over time become re-traumatizing. A lot of the things I hear and know are very upsetting, and there are times when I just can’t fucking take anymore.

We are eggs. Feminism can make you greatly depressed and anxious.

Hier also der Gedanke, dass Feminismus sowohl eine hohe Anziehungskraft auf Depressive haben kann als auch selbst depressiv machen kann.

Mich überzeugt da eher der erste Teil. Ich denke, dass Feminismus gerade für depressive Menschen eine besondere Anziehungskraft haben kann. Es erlaubt einem, sich in der Schlechtigkeit der Welt zu wälzen, es erlaubt einem gleichzeitig vielleicht das Gefühl zu haben, an den Problemen zu arbeiten. Ich denke auch, dass Leute mit einer gewissen Disposition für Depressionen hier ein Denken annehmen, dass immer weiter in einer Depression führt, weil IDPOL eine Abwärtsspirale erzeugt und nicht erfüllbare Anforderungen aufstellt.

Nein, dass bedeutet nicht, dass Feminismus per se depressiv macht und auch nicht, dass alle Feministen depressiv werden. Aber es wäre vielleicht besser für die depressiven, wenn sie sich eine positivere Weltsicht zulegen würden.

195 Gedanken zu “Depressionen und Feminismus

  1. Ein Aspekt der auch dazu kommt ist, dass bei einigen (nicht allen!) der Auslöser für das feministische Engagement in traumatischen Erfahrungen mit Männern (Missbrauch, Vergewaltigung) zu suchen ist. Die Folge davon können ebenfalls Depressionen und Ängste neben der PTBS sein.

    • „der Auslöser für das feministische Engagement in traumatischen Erfahrungen mit Männern“
      Mit wem haben den heterosexuelle Frauen den größten Teil der Zeit Umgang? Mit dem Gebüsch vorm Haus? Ihrer Freundin?

      Wahrscheinlich mit Ihrem Partner und das ist ein Mann. Damit kann man ja praktisch alles was einem nicht passt, gelingt, schief geht dem Manne zuschreiben – was nicht heißt, dass das nun auch geschieht, aber die Möglichkeit besteht schon.

      Der Straftatbestand Vergewaltigung der für Frauen mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,014 % (PKA – 2009 http://www.bka.de/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/pks__node.html) zutrifft,macht 0,1% aller Straftagen aus.

    • Ein ebenso wichtiger Aspekt ist dass viele einen Schuldigen für ihr persönliches Problem ausserhalb von sich selbst suchen.

      Eine Depression ist schlecht zu „verkaufen“, Pech gehabt, dumm gelaufen.

      Erfindet man aber eine gar schreckliche Geschichte, die natürlich dem Zeitgeist entsprechend plausibel ist, so lassen sich persönliche Probleme besser „verkaufen“, ja evtl. sogar gewinnbringend.

  2. Depressive grübeln mehr. Da ist es ganz logisch, dass man als Betroffene/r irgendwann auf einen Bereich stößt, in dem man Handlungsbedarf sieht. Du wirst ebenfalls höhere Depressionszahlen bei Tierschützern, Umweltschützern etc. finden.

    Weißt du, wie ekelhaft sich dieser Artikel für Depressive liest?

    Du hast wohl wirklich überhaupt keine Hemmschwelle, wenn es darum geht, die blöden Feministinnen zu diskreditieren.

    Allein die Lächerlichkeit, die Symptome einer Depression zu googlen (!!!) und das hier zur „Diskussion“ zu stellen!

    „Eine positivere Weltsicht zulegen“… ich kotze im Strahl. Zynismus pur.

    Du hast offensichtlich keine Ahnung von Depressionen (sowie von vielen anderen psychologischen Themen). Da könnte man auch einfach mal die Fresse halten!

    gezeichnet:
    Robin, bekennende Feministin seit ca. 1 Jahr und depressiv seit 13 Jahren (7 Jahre mit Diagnose)

    • Ach du scheiße, ich hab nur überflogen und den letzten Satz gar nicht wahrgenommen. Das ist wirklich zynisch. Ich würde diesen „Tipp“ streichen, denn er ist einfach dermaßen daneben. Oder würdest du einem Krebspatienten den guten Rat geben, doch einfach mal gesund zu werden statt so doof krank zu sein?

      • ich halte es einfach für eine schlechte Idee, wenn depressive sich in dem radikalen Teil einer Ideologie verrennen, der ihr Depression noch unterstützt.

        IDPOL ist ja auf eine andauernde Abwärtsspirale angelegt.

        es gibt ja auch Teile des Feminismus, die wesentlich weniger radikal sind, wenn man bei dem Thema bleiben möchte.

        ich glaube nicht, dass ein weiteres hineindenken in eine solche extreme Ideologie, in der man zwangsläufig immer wieder extrem angeeckt und letzten und sich selbst immer mehr Verhaltensregeln aufgibt und ein immer dichteres Netz von richtig und falsch knüpft hilft, im Gegenteil.

        deswegen glaube ich, das es gut für sie wäre da rauskommen und sich ein positiveres Menschenbild zuzulegen, in dem nicht alle schlecht und z.B.rassistisch sind. dass das nicht einfach ist, ist eine andere Sache

        • Ich finde den Rest des Artikels nicht schlecht, damit das nicht falsch rüberkommt^^ Nur der letzte Satz wirkt völlig deplatziert. Du meintest ihn vielleicht anders aber er kommt eben auf gewisse Weise hämisch daher wenn man bedenkt, dass grade das etwas ist, woran ein Depressiver ja verzweifelt.

        • Der Satz ist scheiße und du hättest ihn überhaupt nicht schreiben sollen. Ob mit oder ohne Absatz!

          Hast du eine Ahnung, wie es ist, schon im Geiste einen Abschiedsbrief zu verfassen und dann von Idioten zu hören kriegst: „Stell dich nicht so an, morgen sieht die Welt wieder anders aus“?!

          Nein, natürlich nicht. Schön für dich!!!

          • @Robin

            bitte fahre deine Aggressivität etwas runter. ich schrieb nicht, dass sie sich nicht so anstellen sollen. sondern, dass es besser für sie wäre. was nichts darüber aussagt, ob das Ziel einfach durch sie selbst oder nur in Rahmen einer Therapie umzusetzen ist

        • „Sei doch mal fröhlich, du bist auch viel hübscher wenn du lächelst“

          BTW, Robins Kritikfähigkeit steht nicht zur Debatte. Auch so ein Zeichen von mangelnder Kritikfähigkeit, wenn man diese versucht auf den Kritisierenden zu übertragen.

        • „Auch so ein Zeichen von mangelnder Kritikfähigkeit, wenn man diese versucht auf den Kritisierenden zu übertragen.“

          Naja, das ist ja eigentlich das, was du gerade gegenüber Christian praktizierst, nicht wahr ?

    • @Robin

      ich hatte bewusst vom radikalen (Netz-)Feminismus gesprochen, zu dem du meiner Einschätzung nach nicht gehörst und hoffentlich (für dich) auch nie gehören wirst.

      im übrigen hatte ich ja eine Feministin zitiert, die ebenfalls gewisse Zusammenhänge sieht, was würdest Du denn zu deren Einschätzung sagen ?

      • Mein Gott, das ist mir doch scheißegal, ob du vom radikalen Feminismus schreibst oder von sonstwas! Du hast hier nicht nur Feministinnen beleidigt, sondern Depressive, indem du eine potentiell tödliche Krankheit mal einfach so bagatellisierst!! Und dann auch noch einspannst, um ein bisschen Feministinnenbashing zu betreiben!!

        • @Robin: Also ich war selber mal depressiv Robin und deswegen auch stationär in Behandlung. Ich fühle mich von dem Thema hier nicht wirklich angegriffen. Im Grunde hat er ja Recht. Kann es sein das du der Störung selbst noch nahe stehst?

        • @Galloway: Du bist halt auch kein Feminist. Für Nicht-Feministen ist dieser letzte Satz nicht an und für sich beleidigend, sondern nur unzutreffend und blöd, weil positive thinking an und für sich dumm und blöd ist. Erst die angenommene logische Folgerung aus diesem Satz, daß jedermann selbst daran schuld wäre, daß er sich beschissen fühlt, macht daraus eine Beleidigung, weil es sich dann um eine Schuldzuweisung handelt.

        • @Georgi: Ich bin gar kein Ideologe, vielleicht einer im Sinne des Zeitgeistes der Aufklärung.

          Positive Thinking mag sich aus mancher Geisteslage aus als „dumm“, „naiv“ oder „blöd“ darstellen. Meist kommen aber öfter und bessere Ergebnisse zustande als sich in negativistischer Paralyse zu befinden.

          Ich selbst bevorzug eher eine ausgewogenere Sicht der Dinge. Ich versuche in den meisten Situationen eher die mir angenehmen und auch die unangenehmen Sache zu sehen. Das mag manchmal gegen die eigenen Intuition gehen aber ich fahre damit sehr gut. Wobei ich ein Irren in positiver Hinsicht unbedenklicher finde als einen negativen Bias zu haben. Ganz einfach weil die Handlungsmotivation und somit die Möglichkeit gute Erfahrungen zu machen größer ist.

          @Christians letztem Satz: Ich finde er hats eh relativ vorsichtig formuliert. Ich denke das nimmt man nur dann so stark wahr wenn man dahingehen sensibilisiert ist, d.h. selbst davon betroffen ist.

          @Schuldfrage bei Depressionen und psychischen Störungen allgemein:

          Ich glaube die Frage ist hinfällig. Meist sind die Ursachen komplex die Auslöser in wenigen Fällen einfach. Es geht nicht um Schuld. Es geht darum einen Weg zur Besserung zu finden und die Störung als Bewältigungsstrategie nicht mehr zu brauchen. (Für den Fall das es keinen reine organische Störung ist.)

      • Sich eine positive Weltsicht zuzulegen, ist im Grunde immer eine gute Idee, egal für wen. Das Problem ist, es ist nicht so einfach. Man kann weder positive noch negative Gedanken steuern.

        Was man aber tun kann, ist ohnehin schon vorhandene negative Gedanken nicht noch vertiefen. Beschäftigt man sich allerdings mit einer Ideologie, die einen in eine ständige Opferposition bringt, verstärkt sich alles Negative noch. Es spricht vieles dafür, damit aufzuhören. Damit tut man sich selbst und anderen einen Gefallen.


    • Robin, bekennende Feministin seit ca. 1 Jahr und depressiv seit 13 Jahren (7 Jahre mit Diagnose)

      Ich frage mich, was für Therapeuten einem ein solches Selbstkonzept vermitteln. Man bekommt eine Depression (oft leider nicht nur eine), aber man ist keine.
      Mir ist klar, dass es auch chronifizierte Zustände (s.a. Dysthymie) gibt und man selbst eher nicht das Gefühl hat, als kommen und gingen sie wie ein Schnupfen (vor allem auch weil man seine persistierenden Lebensprobleme mit der Erkrankung verwechselt).

      Aber wenn jemand nicht zu mir sagt, er leide unter bzw. habe Depressionen, sondern er/sie als Personsei (seit XY Jahren) depressiv, wäre dieses Labeling das erste, was ich angehen würde.

      • Elende Wortklauberei. In meinem Sprachgebrauch ist es scheißegal, ob man schreibt, man habe Depressionen oder man sei depressiv. Das ist absolut dasselbe. Meine Güte, ey!

        Wenn du nicht kapierst, warum ich dieses „Selbstkonzept“ gerade jetzt so geschrieben habe, kann ich dir leider auch nicht helfen.

        • In meinem Sprachgebrauch ist es scheißegal, ob man schreibt, man habe Depressionen oder man sei depressiv. Das ist absolut dasselbe.

          Meiner Ansicht nach ganz und gar nicht. Es ist ein ganz wesentlicher Unterschied und ich habe es gut gemeint.

          Hier könnte man mal von einem performativen Sprechakt sprechen. Gerade als Feministin müsstest du da doch etwas Sprachsensibler sein, die Bedeutung erkennen.

          Fände es schade, wenn du mir das übel nimmst, da ich dich bisher als angenehme Diskussionspartnerin in Erinnerung habe.
          Ich wollte dich wie gesagt mit Sicherheit nicht kränken.

        • Gerade diese „Sprachsensibilität“ geht mir unendlich am Arsch vorbei. Lies meinen Blog.

          Der Satz hat sich so angeboten. Ich wollte die Zeiträume herausstellen. Ich hätte auch schreiben können „Feministin seit X Jahren und Depressive seit Y Jahren“, aber das klingt scheiße. Genauso wie „von Depression betroffen“. Das Adjektiv passte am besten.

          Für mich ist es dasselbe.

          Wenn ich übrigens sagen will, dass ich mich ganz aktuell sehr schlecht fühle, sage ich „Ich bin GERADE depressiv“ oder „Ich habe gerade eine depressive Phase/depressiven Schub“. Das habe ich nicht immer (Gott sei Dank). Aber das ändert nichts daran, dass ich IMMER depressiv bin bzw. IMMER Depressionen habe, auch wenn ich die nicht immer spüre.

          So, und jetzt geh ich ins Bett.

        • Nachtrag: als „state“ (ich bin gerade depressiv) ist es sicher dasselbe. Aber hier schien es ein „trait“ zu sein.
          Also solcher ein gefährliches Label. (s. Etikettierungseffekt)

      • Sie sagte ja nicht „Ich bin eine Depressive seit 13 Jahren“ – wenn wir schon bei Wortklaubereien sind.^^
        Natürlich ist so ein Label nicht förderlich, aber ich finde, du liest da grade sehr viel rein. Und gleich über therapetische Qualitäten und Ansätze zu spekulieren… nun ja.^^

        • Ich glaube nicht, dass ich da mehr reingelesen habe, als eine recht offensichtliche Überidentifikation mit diesem Konzept, als eine globale Selbstzuschreibung („seit 13 Jahren depressiv“) .

          Und sowas ist in keinem Falle förderlich, sondern steht einer Externalisierung (ich bin nicht meine Erkankung!) im Wege.

          Das ist mir einfach sehr wichtig zu sagen, auch wenn ich hier leider anscheinend den falschen Ton getroffen habe.

          • Ich denke, ein Grund könnte sein, dass du mit Fachvokabular um dich wirfst als gäbe es dafür einen Preis^^ Das alles ließe sich auch weit weniger kompliziert ausdrücken (insbesondere wenn man dann die einfache Erklärung noch in Klammern dahinter setzt).
            Davon auszugehen, anhand eines einzigen Satzes eine Überidentifikation herauslesen zu können ist vermessen. Das könnte auch ein Therapeut mit x Jahrzehnten Berufserfahrung nicht, denn um das beurteilen zu können sollte man doch etwas mehr Zeit mit einer Person verbringen als ein Kommentaraustausch.

        • anhand eines einzigen Satzes eine Überidentifikation herauslesen zu können ist vermessen.

          Wenn ich davon ausgehe dass ein solcher Satz vor dem Alter von 35 fällt und ernst gemeint ist: Nein.

        • Das kommt darauf an, ob du das und wie ich hier schreibe mit therapeutischer Arbeit verwechselst, oder ob du mir inhaltlich aufzeigen kannst, dass ich fachlich Unsinn schreibe.

          • Es ist schlicht nicht seriös aufgrund weniger Sätze (noch nich einmal real mit Körpersprache sondern lediglich gelesen) eine Überidentifikation zu bescheinigen. Ein Therapeut, der so etwas ernsthaft tut überschätzt seine Fähigkeiten stark. Wenn ich davon ausgehe, dass er dies auch während seiner therapeutischen Arbeit täte, würde ich dies als gefährlich für seine Patienten ansehen. – So in etwa würde ich argumentieren wenn ich dich anhand dieser weniger Zeilen einschätzen müsste.

        • Ach so, jetzt verstehe ich. Du hältst „Überidentifikation“ für eine Diagnose. Quatsch. Das ist nichtmal ein wissenschaftliches Konzept.

          Sondern das kannst du ebenso unbedenklich „bescheinigen“ wie du einen Internetnutzer der etwas längeres in korrektem Deutsch schreibt als deutschsprachig bezeichnen darfst.
          Oder so wie du mich hier als seriös oder unseriös einschätzen zu können glaubst.

          Ich würde sogar soweit gehen und dir Größenwahn bescheinigen, sofern du dich als allwissend oder allmächtig beschreiben würdest. Natürlich ebenso unter der Voraussetzung, du meintest es ernst. 😉

          • Nein, ich halte es nicht für eine Diagnose, keine Sorge, ich weiß was Diagnosen sind. Hätte ich das gemeint hätte ich auch „diagnostizieren“ gemeint. Die Überidentifikation die du da ansprichst ist lediglich deine Einschätzung, deine Theorie. Aber auch diese ist zu weit gegriffen für das, was da stand. Aber von mir aus können wir das so stehenlassen. Alles gute mit der Prüfung, wenn sie ansteht^^

        • @david
          Würd mich Robin und erzaehlmirnix anschließen. Allgemeinsprache ist doch sehr unscharf, und eine einzelne Formulierung so herauszuheben, finde ich schon etwas „übereifrig“, zumal Robin nach deinem Einwand alternative Formulierungen vorgetragen hat. Du nimmst ihr diese offenbar nicht ab. Ich bin selbst oft verärgert über meine sprachlichen Fehlgriffe, die ich erst beim nochmaligen, späteren Lesen bemerke. Möcht nicht wissen, was du dir da schon gedacht hast.

          Dieses „Labeln“ psychischer Syndrome scheint ja dein Steckenpferd zu sein, hab ich recht? 😉

          „Hier könnte man mal von einem performativen Sprechakt sprechen.“

          Da kann ich nicht mehr folgen. Performativ wäre doch so etwas wie „Hiermit bin ich depressiv“.

        • @Stephan: also ich bin auch nicht gerade sehr stolz auf diesen leider mal wieder sehr altklugen und bornierten Diskussionsstrang hier meinerseits.
          Es ist vielleicht albern auf einer Interpretation zu beharren, wenn jemand sagt, er habe das ursprünglich gesagte ganz anders gemeint (versuch das mal bei einem Freudianer 😉 ) , aber im Grunde stehe ich dazu, dass die Aussage „seit 13 Jahren (ununterbrochen?) depressiv“ nicht nur fachlich sehr fragwürdig ist (denn ein solcher Verlauf im jungen Alter ist eigentlich nicht bekannt), sondern auch dass eine solche Selbstzuschreibung zeigt, dass jemand wahrscheinlich ein Krankheits- bzw Selbstkonzept hat, das seiner Gesundheit nicht förderlich ist. Ich glaube die wenigsten Therapeuten könnten so etwas unkommentiert lassen 😉

          Dieses “Labeln” psychischer Syndrome scheint ja dein Steckenpferd zu sein, hab ich recht?

          Ich müsste dir doch eher durch Ent-Labeln aufgefallen sein, oder nicht? 😉 Wenn sich jemand als schizophren bezeichnet, nur weil er mal Stimmen gehört hat, würde ich auch direkt nachfragen, ob das wirklich ein Therapeut oder Arzt diagnostiziert hat.
          Und nur weil ich mich etwas hochgestochen und bestimmt ausdrücke, heißt es nicht dass für mich die Vorteile unscharfer Alltagssprache nicht gelten – schließlich ist „Überidentifikation“ genau wie „unseriös“ ja kein fest umrissener Fachbegriff geschweige ein „Syndrom“.
          Anderes Beispiel: Wer sich als „schwul“ bezeichnet, weil er in einem für ihn ungewohnten Moment erregt war, überidentifiziert sich imho auch mit dem Begriff. Dazu braucht man nicht viel Sachverstand.

          Jetzt aber wirklich genug der Wortklauberei und sorry an Robin.

          Da kann ich nicht mehr folgen. Performativ wäre doch so etwas wie “Hiermit bin ich depressiv”.

          Du bist der Linguistik-Experte. Ich dachte an den bekannten Satz von de Beauvoir aber habe da wohl etwas falsch verstanden mit der Performativität

          • „ich glaube, die wenigsten Therapeuten könnten sowas unkommentiert lassen“
            – Lieber David, du magst es nicht für möglich halten, aber du hast mit einer diskutiert. Und grade als solche fand und finde ich es ungünstig im Netz und auf Verdacht Menschen mit solchen Interpretationen auf die Art zu begegnen. Man mag in so einem Moment mal nachfragen, aber gleich so mit der „Ich bin Experte und sage dir jetzt mal…“-Keule draufzuschlagen vermittelt m.E. kein gutes Bild von unserem Berufsstand. Auch das automatische davon ausgehen, dass ich als Gegenüber unqualifiziert sein müsse (Ach du hältst Überidentifikation für eine Diagnose) fand ich in dem Moment ärgerlich, habe aber nicht den Nutzen darin gesehen jetzt im Gegenzug meine Qualifikationen einzuwerfen. Jetzt, wo wir beide etwas Abstand haben zur Diskussion ist das hoffentlich was anderes. Nach wie vor alles Gute bei der Prüfung, das nötige Fachwissen scheint ja zu sitzen 😉

        • Da kann ich nicht mehr folgen. Performativ wäre doch so etwas wie “Hiermit bin ich depressiv”.

          Für poststrukturalistische Positionen entscheidend ist die Differenzierung zwischen Performanz (performance) und Performativität. Während Performanz verstanden als Aufführung oder Vollzug einer Handlung ein handelndes Subjekt vorauszusetzen scheint (das ist auch die Position der Sprechakttheorie), bestreitet der Terminus Performativität gerade die Vorstellung eines autonomen, intentional agierenden Subjekts. Die Performativität einer Äußerung unterstreicht deren Kraft, das Äußerungssubjekt und die Handlung, die sie bezeichnet, in und durch diesen Äußerungsakt allererst hervorzubringen.

          http://differenzen.univie.ac.at/glossar.php?sp=4

        • Und grade als solche fand und finde ich es ungünstig im Netz und auf Verdacht Menschen mit solchen Interpretationen auf die Art zu begegnen. Man mag in so einem Moment mal nachfragen, aber gleich so mit der “Ich bin Experte und sage dir jetzt mal…”-Keule draufzuschlagen vermittelt m.E. kein gutes Bild von unserem Berufsstand.

          Sehe ich jetzt mal ganz kleinlaut ein. Sorry.

          Auch das automatische davon ausgehen, dass ich als Gegenüber unqualifiziert sein müsse (Ach du hältst Überidentifikation für eine Diagnose)

          Der Begriff und meine besserwisserische Art haben vielleicht suggeriert, dass dies eine Art Sub-Diagnose sei. Ich hätte das lassen sollen, auch wenn es wie gesagt unterstützend gemeint war (kennst ja die Floskel „Du BIST nicht deine Depression“. Das Konzept Depression als Trait ist ja wissenschaftlich sehr zurückgedrängt worden, daher predigen das wie ich viele auch für den alltagssprachlichen Gebrauch).
          Aber als dann so getan wurde, als sei diese Deutung weniger offensichtlich und für mich erlaubt, als die Deutungen anderer, wurde ich stur. Inhaltlich vertrete ich das nach wie vor, nur die Form war falsch.

          Nach wie vor alles Gute bei der Prüfung, das nötige Fachwissen scheint ja zu sitzen

          Danke! Ist bei mir noch ne Weile hin…

          • Wie schon im ersten Kommentar gesagt, du hast ja fachlich nicht unrecht damit. Das ist auch was, was ich grade bei Persönlichkeitsstörungen oft noch schlimmer finde (Hallo, ich bin die Tina, ich bin Borderlinerin). Und auch ich versuche da gegenzusteuern wenn ich das Gefühl kriege, jemand überidentifiziert sich.
            Aber auch du, der mit Patienten arbeitet, weißt sicher, dass es grade bei chronifizierten Erkrankungen irgendwann automatisch identitätsbildend wird und das nicht „einfach weggewischt“ werden sollte. Das führt jetzt zwar etwas weit aber ich finde allgemein (nicht auf dich bezogen), dass oft viel zu schnell etwas weggemacht wird, bevor ausreichend Alternativen da sind.
            Na ja, wie meinte damals in der Ausbildung meine Kollegin: „Das wichtigste ist, sich immer wieder zu hinterfragen“ – insofern können sich deine Patienten glücklich schätzen so jemanden zu haben.

  3. Depressive grübeln mehr. Da ist es ganz logisch, dass man als Betroffene/r irgendwann auf einen Bereich stößt, in dem man Handlungsbedarf sieht.

    Würde ich absolut nicht so sagen. Kennzeichnend für Rumination ist ja gerade das reduzierte Reasoning, die herabgesetzte Problemlösefähigkeit. Das Gedankenkreisen welches als Symptom oder begünstigender Faktor einer Depression bekannt ist, lässt sich eher als eine Art dysfunktionales Coping mit Problemen zu verstehen, vermeidend im Sinne der Emotionsregulation. Die Gedanken kreisen immer wieder um die selben Aspekte eines Problems, meist aus egozentrischer Perspektive und einhergehend mit den klassischen Attributionsfehlern, Wahrnehmungsverzerrungen (negativer Fokus etc.) und kontrafaktischem Denken. Dabei gelangt man nicht zu neuen Einsichten, sondern es bleibt bei einer eingeengten, zirkulär strukturierten Perspektive.

    Ich finde es sehr problematisch, dass Depressionen im aktuellen Zeitgeist verkitscht und verklärt werden als Merkmal angeblich besonders reflektierter und intelligenter Menschen. Die besonders feinfühligen, die die ganze Tragik der Wirklichkeit erst verstanden haben, müssen ja förmlich depressiv werden…

    Nein. Rumination verstellt den Blick auf funktionale Handlungsmöglichkeiten, es stellt sie nicht her.

    Du wirst ebenfalls höhere Depressionszahlen bei Tierschützern, Umweltschützern etc. finden.

    Wäre zu beweisen und glaube ich absolut nicht. Wer Muße und Energie hat, sich sozial für etwas zu engagieren ohne dass es die Bewältigung eigener Unterdrückungserfahrung ist, der wird wohl eher weniger mit Grübeln/Rumination zu kämpfen haben.
    Es bleibt vielleicht noch zu sagen, dass Rumination als dysfunktionales Coping bei Frauen häufiger vorkommt, aber allgemein längst nicht für jede Depression oder Angststörung das charakteristische Element sind.

    Ich finde auch, dass auffällig viele Feministinnen an psychischen Störungen leiden, aber dieselben Denkmuster werden auch unter Maskulisten überdurchschnittlich häufig ausgeprägt sein.

    Allein die Lächerlichkeit, die Symptome einer Depression zu googlen (!!!) und das hier zur “Diskussion” zu stellen!

    “Eine positivere Weltsicht zulegen”… ich kotze im Strahl. Zynismus pur.

    Ich finde deine Kritik nachvollziehbar und verstehe, dass das zynisch und verharmlosend klingt, vielleicht auch im Artikel eine gewisse Häme mitschwingt.

    Aber auch Psychotherapie versucht durch kognitive Umstrukturierung von z.B. Attributionsstilen oder dysfunctional beliefs im Grunde nichts anderes, als trivial gesagt, eine „positivere Weltsicht“ herzustellen, die Depressionen beseitigt und vorbeugt.

    • Weißt du, du kannst mit so vielen Fachwörtern um dich werfen wie du willst, aber ich kenne hunderte von Depressiven und meine Erfahrung ist eine andere.

      Natürlich hindert ein akuter depressiver Schub jeden Menschen erfolgreich daran, in irgendeiner Weise tätig zu werden (ich bin dann ja schon froh, wenn ich es schaffe, aus dem Bett aufzustehen), aber nur die absoluten Härtefälle fühlen sich ständig so bzw. sind von Medis so durch den Wind, dass da überhaupt keine komplizierte Handlung mehr möglich ist.
      Depressive dieses Schweregrades gibt es nicht viele, denn diese bringen sich schlicht und ergreifend irgendwann um. Zurück bleiben die Depressiven mit mittelschwerer oder leichter Depression.

      Es ist eine elendige Unterstellung, dass jeder mit dieser Diagnose nicht leistungsfähig ist. Letzte Woche erst habe ich einen ganzen Tag geheult und heute stand ich dreizehneinhalb Stunden auf der Arbeit (und war übrigens noch nicht im Bett). Na sowas aber auch!

      „Aber auch Psychotherapie versucht durch kognitive Umstrukturierung von z.B. Attributionsstilen oder dysfunctional beliefs im Grunde nichts anderes, als trivial gesagt, eine “positivere Weltsicht” herzustellen, die Depressionen beseitigt und vorbeugt.“

      Du hast recht, das ist wirklich trivial gesagt.

      • aber ich kenne hunderte von Depressiven

        Hunderte? Also auch aus beruflichen Gründen oder wie kann sowas denn sein?

        aber nur die absoluten Härtefälle fühlen sich ständig so bzw. sind von Medis so durch den Wind, dass da überhaupt keine komplizierte Handlung mehr möglich ist.

        Ich habe überhaupt nicht von schwer Depressiven oder Handlungsunfähigkeit gesprochen, bitte nicht falsch verstehen.
        Du sagtest, Depressive neigen zum Grübeln. Das ist richtig, aber dieses Grübeln welches mit Depressionen einhergeht ist eben keines, was zu einer objektiven und lösungsorientierten Problemeinsicht führt. Definitiv nicht.


        Es ist eine elendige Unterstellung, dass jeder mit dieser Diagnose nicht leistungsfähig ist.

        Wo willst du das denn herausgelesen haben?
        Selbstverständlich nicht, allenfalls im Durchschnitt und während einer depressiven Episode ist die Leistungsfähigkeit mehr oder weniger stark vermindert.

        Letzte Woche erst habe ich einen ganzen Tag geheult und heute stand ich dreizehneinhalb Stunden auf der Arbeit (und war übrigens noch nicht im Bett). Na sowas aber auch!

        Ich finde es schade, dass du dich persönlich angegriffen fühlst und Pauschalisierungen aus meinem Posting herausliest, die nie gefallen sind. Es war weiß Gott nicht meine Absicht, jemanden zu kränken. Lies doch vielleicht einfach nochmal mein Posting

        Ich denke als Tierschützer könnte man sich auch gekränkt fühlen (wenn man denn meint, die Diagnose als Kränkung verstehen zu müssen). Ich sagte nur dass ich nicht denke, dass der Anteil Depressiver unter Aktivisten die sich nicht für sich selbst engagieren, im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht ist. Mehr nicht.

    • @David

      danke erstemal für deinen Kommentar, ich hatte gehofft, dass du als Fachmann etwas dazu schreibst.

      Rumation ist interessant, würde denke ich einiges erklären.

      natürlich ist es auch im Maskulismus anzutreffen, scheint dort aber nicht so dargestellt zu werden.

      in beiden Richtungen ist die Weigerung, mal die andre Perspektive einzunehmen stark ausgeprägt.

    • „Ich finde es sehr problematisch, dass Depressionen im aktuellen Zeitgeist verkitscht und verklärt werden als Merkmal angeblich besonders reflektierter und intelligenter Menschen. Die besonders feinfühligen, die die ganze Tragik der Wirklichkeit erst verstanden haben, müssen ja förmlich depressiv werden…“

      Generell würde ich „Modediagnosen“ misstrauen, besonders wenn sie derart aufgeweicht werden wie bei Depression. Ein Depressiver kann auch mal glücklich sein, er ist auch durchaus handlungsfähig, etc. So wird quasi überspitzt gesagt jeder Weltschmerz zu einer behandlungsbedürftigen Krankheit, wegen der man (nicht ungefährliche) Medikamente nehmen sollte.
      Meine Therapeutin, die ich jetzt wechseln musste gab mir den Rat BLOSS NICHT zu einem Psychiater zu gehen, da die Kollegen oft den Rezeptblock sehr locker sitzen haben. Und wenn ich eins nicht bin, dann depressiv, ich hatte einfach ein Scheißleben bisher 😀

      Es ist tatsächlich ärgerlicherweise so, dass viele ihre Diagnose nutzen
      um ihrer Persönlichkeit eine gewisse „Tiefe“ verleihen zu wollen, hab ich auch mehr als einmal erlebt. Fröhlich sein ist uncool, eine negative Weltsicht (auch gerne umschrieben mit „Ich bin kein Pessimist sondern Realist“) wird als abgeklärt und lebensklug gesehen. Fröhliche Menschen gelten oft als naiv und ein bisschen dumm. Doofe Tendenz in unserer Gesellschaft.

      Dazu kommt dann noch, dass einem durch die Medien ein unheimlicher Druck aufgehalst wird, was das Führen eines glücklichen Lebens angeht. Tolle Freunde, toller Mann, perfekte Kindheit, super Job, keine Geldprobleme und 24/7 total glücklich. Das ist natürlich unrealistisch. Wenn nun etwas davon fehlt, wird das als unheimliches Defizit begriffen. Auch wird ausgeblendet, dass jeder halt mal Phasen hat, wo es einem einfach nicht so gut geht, dass es normal ist, nicht immer Lust auf Partys zu haben, dass einem Freunde auf die Nerven gehen können, dass man auch nicht immer 100% geben kann. Das muss nicht Depression heißen.

      Auch ist es oftmals schwieriger, tatsächlich etwas an unglücklichmachenden Lebensumständen zu ändern als sich ein Rezept abzuholen. Das würde ja implizieren, dass man tatsächlich mal falsche Entscheidungen getroffen hat, was natürlich der angestrebten Lebensperfektion im Wege steht, während eine Depression ja sowas wie eine Krankheit ist, dafür kann man nix, die ist gesellschaftlich anerkannt („Volkskrankheit“), man ist ja nicht wirklich verrückt, zudem wirkt man noch unheimlich deep.
      Ähnlich wie alle auf einmal Aspergerpersönlichkeiten sind, die quasi nen Freibrief haben, sich arschig verhalten zu dürfen.

      Das soll natürlich nicht heißen, das alle Diagnosen falsch sind, aber wenn ich für jedes Mal, wo mir ein „geltungsbewusster“ Mensch oder jemand der den Arsch nicht hoch kriegt und lieber den ganzen Tag zockt ungefragt von seiner „Diagnose“ erzählt, oder demonstrativ sein Weltschmerzgesicht aufgesetzt hat, nen Euro gekriegt hätte, hätte ich ganz schön viele Euros.
      Und ja, ich traue mir aufgrund meiner eigenen Psychiatrie- und allgemeinen Lebenserfahrungen zu, das unterscheiden zu können.

      • @maren: Kann ich so unterschreiben und was Anti-Depressiva einer Libido antun können ist nicht zu unterschätzen. Da geh i lieber 3mal die Woche laufen.

        • Ja geht gar nix mehr da unten bei dem scheiss. Es scheint doch krasser ins gehirn einzureifen als man denkt.

          Man stumpft total ab.

          Wird ja auch gerne verschwiegen das viele selbstmoerder und amoklaeufer voll mit dem zeug waren.

      • Mit dem letzten Satz hast du zwar ziemlich vieles wieder eingerissen, aber ansonsten wollte ich mal noch meine generelle Zustimmung.

        Wobei, „bloß nicht zu einem Psychiater“, halte ich auch für eine unprofessionelle und gefährliche Anmaßung..auch wenn ich den Tenor unterstütze.

        • ….Zustimmung hierunter setzen. Ging natürlich an Maren.

          Und als Kritiker von Psychiatern, der ich schon von Berufs wegen fast sein muss, trotzdem:
          Depressionen und andere psychische Störungen haben nicht selten organische Ursachen, für deren Erkennung ein psychologischer Psychotherapeut nicht hinreichend ausgebildet ist.
          Und Antidepressiva helfen nun mal zumindest kurzfristig ähnlich gut, manchmal besser als Psychotherapie, geben in der Kombination vielen Menschen Lebensqualität zurück, die nachhaltige Selbsthilfe erst wieder ermöglicht.
          Im Extremfall entscheidet das dann auch über Leben und Tod.

          Also nicht so dogmatisch bitte, bei aller berechtigter Kritik.

        • Das sag ich ja gar nicht, dass Medikamente der Teufel sind.
          Genauso wie Ritalin oftmals sehr erleichternd wirken kann sind Antidepressiva auch oft ein Segen. Ich frage mich nur, ob es in einigen Fällen nötig ist. Und dann ist es natürlich auch öfter mal so, dass die Behandlung bei Medikamenten beginnt und endet. Das ist einfach nicht in Ordnung.

          *Wobei, “bloß nicht zu einem Psychiater”, halte ich auch für eine unprofessionelle und gefährliche Anmaßung*

          Warum? Ich bin ja nicht krank. Ich brauch nur ein bisschen Unterstützung mit Traumata umzugehen.

        • @maren: Okay, auf deinen speziellen Fall und damaligen Zustand bezogen kann das natürlich richtig sein.
          Ich hatte gedacht, du hättest einen generellen Ratschlag bekommen, dich von Psychiatern fern zu halten.
          Ich würde mir zwar wünschen, viele würden das tun, aber so hätte ich es auch nicht stehen lassen können 😉

        • @ david

          da kommen wir mal zum kern der sache.

          Du meinst das depressionen organiscxhe ursachen haben. An was denkst du da konkret?

          Den dreck den wir als nahrung im supermarkt kaufen mit wachstumshormonen drin z.B.? Also stoffe die schon in kleinsten ,mengen krasse sachen ausloesen?

    • Aber auch Psychotherapie versucht durch kognitive Umstrukturierung von z.B. Attributionsstilen oder dysfunctional beliefs im Grunde nichts anderes, als trivial gesagt, eine “positivere Weltsicht” herzustellen, die Depressionen beseitigt und vorbeugt.

      Was aber, wenn es objektivierbare Gründe gibt, d.h schwierige Lebensumstände vorliegen und die Depression als natürliche Reaktion auf diese schwierigen Lebensumstände rational nachvollziehbar wird?
      Der Therapeut wird sagen: Daran kann ich nichts ändern, ich kann ihnen nur helfen, mit der Situation besser umzugehen (kognitive Umstrukturierung von z.B. Attributionsstilen oder dysfunctional beliefs…). Als Alternative böte sich an, etwas Kafka zu lesen (auf eigene Gefahr).

      Da der Therapeut nur den Hammer als Werkzeug hat, muss alles Nagel sein.

      • @Peter

        Das ist dann eben das, was ich Psychologismus nennen würde! Krankmachende soziale Verhältnisse werden eben vielfach in der Mainstream-Psychologie und Mainstream-Psychiatrie nicht oder stiefmütterlich thematisiert. In der Mobbingforschung ist es gerade eine Binsenwahrheit, dass dem gemobbten Individuum noch mit einer stimatisierenden und schuldzuschriebenden Diagnose die Schuld am Mobbing zugeschrieben wird.

        Der Psychologismus, also wenn quasi soziale Faktoren als Kranheitsursache ausgeblendet werden, entpolitisiert und wird dann eben zur Anpassungs- und ev. Unterdrückungswissenschaft. Aber das sind alles Themen, die die Kritische Psychologie, Sozialpsychiatrie, Kritische Theorie (Verbindung von Marxismus und Freudianismus), Antipsychiatrie etc. längst thematisiert haben, aber in der Mainstream-Psychologie so vielfach nicht thematisiert wird.

        • Das ist dann eben das, was ich Psychologismus nennen würde! Krankmachende soziale Verhältnisse werden eben vielfach in der Mainstream-Psychologie und Mainstream-Psychiatrie nicht oder stiefmütterlich thematisiert. I

          Richtig! Und warum ist das so? Weil sich ausser mir noch niemand darüber Gedanken gemacht hat? Weil die theoretischen Grundlagen fehlen? Natürlich nicht. Der Therapeut benutzt eben das Instrumentarium, das ihm zur Verfügung steht. Und das Instrumentarium wird ihm vom Staat zur Verfügung gestellt. d.h wird vom Staat finanziert. Ob jemand als krank oder gesund klassifiziert wird ist äquivalent zur Klassifizierung, ob jemand arbeitsunfähig oder arbeitsfähig ist. Es sind primär ökonomische Kriterien, die die Unterscheidung zwischen krank und gesund bewirken, nicht medizinische.

          Ich bevorzuge eine systemische Betrachtung. Ein beträchtlicher Teil der depressiven Menschen sind schlicht Individuen, die nicht „passen“, d.h sich nur schlecht oder gar nicht mehr integrieren lassen. Konkret gesprochen ist ein Grossteil der als psychisch auffällig geltenden Personen arbeitslos, mit allen Folgeproblemen. Die Analogie zur kommunistischen Herrschaft in der UdSSR, wo „Abweichler“ psychiatrisiert wurden ist nicht zufällig. Der „Dissident“ in der kapitalistischen Welt ist nicht notwendigerweise ein politisch denkender Mensch, sondern bloss einer, der sich nicht oder nur schlecht verwerten lässt (von den Therapeuten mal abgesehen). Die Psychiatrisierung ist die logische Folge ihrer Unangepasstheit. Das ist die grosse Mehrheit aller Fälle.

          Der Therapeut ist der Diener zweier Herren. Von seiner Persönlichkeitsstruktur (etwas verallgemeinernd,ich weiss) halte ich ihm zu Gute, dass er die Interressen seines Klienten zu vertreten versucht. Die Regeln, in deren Rahmen er operiert, die sind aber nicht im Interesse seines Klienten. Daraus resultiert sodann die bekannte therapeutische Maxime, die Defizite beim Klienten zu verorten und die offensichtliche Ambivalenz des Therapeuten.

        • „Krankmachende soziale Verhältnisse werden eben vielfach in der Mainstream-Psychologie und Mainstream-Psychiatrie nicht oder stiefmütterlich thematisiert. In der Mobbingforschung ist es gerade eine Binsenwahrheit, dass dem gemobbten Individuum noch mit einer stimatisierenden und schuldzuschriebenden Diagnose die Schuld am Mobbing zugeschrieben wird.“
          Das finde ich ein fatales Missverständnis. Es liegt eben nur beschränkt in der Macht des Einzelnen die Verhältnisse – seien es die eigenen oder die gesellschaftlichen – zu ändern.

          Warum soll man nicht diesen Weg gehen, sich zu sagen, dass man eben eine alternative Sicht auf bestimmte Verhältnisse gewinnt und so seine emotionale Handlungsähigkeit zurückgewinnt.

          Etwa so: Ok, die Verhältnisse sind schwierig aber ich kann immerhin wählen wie ich damit umgehe, sogar wie ich mit meiner psychischen Problematik X umgehe.

        • Ergänzung: Eine Veränderung im individuellen Umgang mit problematischen Verhältnissen heißt doch noch nicht automatisch Akzeptanz dieser Verhältnisse.

          Insofren hat ja der Entfremdungseffekt der kapitalistischen Warenproduktion auch seine Vorteile – er erlaubt auch die eigene Emotionsproduktion als Ergebnis entfremdeter Tätugkeit zu verstehen. Hehe!

      • @ Peter

        *Der Therapeut wird sagen: Daran kann ich nichts ändern, ich kann ihnen nur helfen, mit der Situation besser umzugehen (kognitive Umstrukturierung von z.B. Attributionsstilen oder dysfunctional beliefs…). Als Alternative böte sich an, etwas Kafka zu lesen (auf eigene Gefahr).*

        Oder Wilhelm Busch: „Wer Sorgen hat, hat auch Likör.“

        Und die Anschlusstherapie ist gesichert, die Lebensumstände des Therapeuten bessern sich.

        So entgeht wenigstens einer durch Psychotherapie der Depression.

    • @ Robin

      Eine Feminist.I.n fordert Empathie ein?

      Darf ich lachen?

      Wen seine psychische Erkrankung/Störung zu menschenfeindlichen Ideologien führt, die er – so depressiv, das nicht zu tun, ist man denn dann doch nicht! – missionierend vertritt, sollte mit dem Einfordern von Empathie etwas zurückhaltender sein.

      • Robin ist nicht menschenfeindlich (und die weiter unten zustimmend zitierte Camille Paglia ist ja auch Feministin).

        Außerdem fordert Robin Empathie gegenüber Menschen mit depressiven Erkrankungen allgemein ein – nicht gegenüber Feministinnen im Besonderen.

        • @ Leszek

          Stalinisten sind menschenfeindlich, WEIL sie Stalinisten sind.

          Feminist.I.nnen sind menschenfeindlich, weil sie einer Ideologie anhängen, die von männerfeindlichen Prämissen ausgehen MUSS, wenn sie schlüssig sein soll.

          Sie fordert Empathie ein im Rahmen einer Diskussion, in der sie behauptet, Christian habe den Vorwurf „Depression“ ganz unempathisch genutzt, um Feminist.I.nnen zu bashen.

          Das ist Unsinn, hat aber Methode.

          Es dauert nie lange, bis eine Feminist.I.n um die Ecke biegt, um ihr ganz schreckliches, mitleiderregendes, furchtbares Schicksal zum Besten zu geben, wenn man sich mit dieser Ideologie kritisch auseinandersetzt.

          Da bin ich ganz unempathisch geworden.

          Du kennst Vögel, die einen gebrochenen Flügel fingieren, um Räuber von ihrem Nest wegzulocken?

          Nun, viele Feminist.I.nnen zeigen ihre gebrochene Psyche vor, um ihre Ideologie zu schützen.

        • @Roslin

          „Nun, viele Feminist.I.nnen zeigen ihre gebrochene Psyche vor, um ihre Ideologie zu schützen.“

          Das ist eine der hässlichsten Seiten dieser Ideologie, die natürlichen Schutzimpulse gegenüber Frauen auszunutzen, um Kritik zu tabuisieren. Wird ja auch auf politischer Ebene permanent missbraucht. Gefährlich ist dies insbesondere auch deshalb, weil diese Schutzimpulse dadurch auf Dauer geschwächt oder sogar zerstört werden (was sehr traurig ist).

          @Leszek

          „Außerdem fordert Robin Empathie gegenüber Menschen mit depressiven Erkrankungen allgemein ein – nicht gegenüber Feministinnen im Besonderen.“

          Feministinnen sind eine Subgruppe der Menschen mit depressiven Erkrankungen ?

        • @Alexander
          Kaum zu glauben, dass du dem Feminismus mal Sympathie entgegengebracht hast. Du sagst ja, dass du erst seit sechs Jahren Antifeminist bist. Was war eigentlich der Auslöser für diesen Wandel? Und wie weit ging deine Sympathie mit dem Feminismus?

          Ich bin selbst kein Feminist, aber einzelne Forderungen habe ich hier ja schon öfter unterstützt. War das bei dir so ähnlich?

        • Stalinisten sind menschenfeindlich, WEIL sie Stalinisten sind.

          Das ist richtig, auch wenn ich erstaunliche finde, dass es bei dir mit Stalinismus klappt, mit Feminismus (dazu allerdings weiter unten mehr), mit Nationalsozialismus, ich glaube, mit dem Islam auch (bin gerade nicht sicher), aber beim Christentum hört es dann auf. Gegenstück zum Autisten mit Inselbegabung?

          Feminist.I.nnen sind menschenfeindlich, weil sie einer Ideologie anhängen, die von männerfeindlichen Prämissen ausgehen MUSS, wenn sie schlüssig sein soll.

          Dann nenne doch mal diese Prämissen. Anders als bei den von mir oben genannten anderen Ideologien gibt es beim Feminismus nicht mal ansatzweise einen Kanon, den man heranziehen könnte, sowas wie die „Bibel“ des Feminismus. Der [url=https://de.wikipedia.org/wiki/Feminismus]erste Absatz bei Wikipedia[/url] zeigt, dass feministische Quintessenz vielleicht sowas wie „Frauen sollten nicht weniger Rechte haben als Männer“, eine Aussage, der ich uneingeschränkt zustimme. Der mit vertauschen Geschlechtern aber auch, wodurch als einzige Möglichkeit die Gleichberechtigung übrigbleibt. Bin ich nun [i]deswegen[/i] sowohl männer- als auch frauenfeindlich?

          Auf sehr viele aktuelle (und laute) Strömungen des Feminismus bezogen hast du natürlich Recht.

          • ein verbindendes Element der feministischen Strömungen hatte ich hier mal wie folgt zitiert

            allesevolution.wordpress.com/2012/10/08/was-die-stromungen-des-feminismus-gemeinsam-haben/

            “Sie beginnen regelmäßig damit, dass Frauen (und gelegentlich Männer) die Quellen der Unterdückung in ihrem Leben und versuchen, sich von diesen zu befreien“

        • @ Roslin

          „Feminist.I.nnen sind menschenfeindlich, weil sie einer Ideologie anhängen, die von männerfeindlichen Prämissen ausgehen MUSS, wenn sie schlüssig sein soll.“

          Also: Du Feministin – Du menschenfeindlich.

          Muss ein böser „Kulturmarxist“ wie ich Dich darauf hinweisen, dass einfache Feindbildkonstruktionen ein zentrales Element aller Sündenbockideologien sind? 🙂

          Dass Feminismus von männerfeindlichen Prämissen ausgehen muss, gilt nur für die ideologischen Grundlagen der radikalfeministische Ideologie, die leider ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Frauenbewegung sehr einflussreich und zur dominierenden Strömung wurde.

          Grundsätzlich ist Feministin heutzutage aber einfach der geläufige synonyme Begriff für Frauenrechtlerin. Ob einem diese Begriffswahl gefällt oder nicht, so ist es nun mal. Es gibt zwar auch Frauenrechtlerinnen, die den Begriff Feminismus ablehnen, es gibt mit der griechischen Frauenrechtlerin Lily Zografou sogar eine Frauenrechtlerin, die sich selbst als „Antifeministin“ bezeichnete, aber die meisten Frauenrechtlerinnen nennen sich heute Feministin – auch dann, wenn sie keine Anhängerinnen der radikalfeministischen Ideologie sind und nicht von männerfeindlichen Prämissen ausgehen und weder mit dem klassischen Emma-Radikalfeminismus, noch mit dem postmodernen Gender/Queer Studies-Radikalfeminismus etwas zu tun haben.

          Wer sich für Frauenrechte einsetzt, also Diskriminierungen, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen in Bezug auf Frauen thematisiert, muss noch längst nicht männerfeindlich sein bzw. von männerfeindlichen Prämissen ausgehen.

          So betonen z.B. Aktivistinnen, die sich gegen weibliche Genitalverstümmelung engagieren häufiger, dass hier oft gerade nicht Männer, sondern bestimmte Frauen – Beschneiderinnen und einflussreiche initiatorische Frauenorganisationen, deren ökonomisches Auskommen und Status auf Beschneidungen beruhen nämlich – das größte Hindernis für die Überwindung von FGM in den entsprechenden Ländern darstellen.

          Und bei Fällen, wo bestimmte Diskriminierungen oder Menschenrechtsverletzungen tatsächlich von bestimmten Männern ausgehen oder bei sozialen Kontexten, wo Wertesysteme und soziologische Strukturen real gegeben sind, die Frauen diskriminieren, ist die frauenrechtliche Kritik ja auch berechtigt.

          Aus dem Umstand, dass der allgemeine Männerhass des Radikalfeminismus eine Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit darstellt, ist natürlich nicht zu schließen, dass Frauen Männer nicht kritisieren dürften, sondern dass frauenrechtliche Kritik (genau wie männerrechtliche Kritik) sachlich, differenziert und um Objektivität bemüht sein sollte – und natürlich auch den Eigenanteil von Frauen selbst an der Aufrechterhaltung bestimmter realer Mißstände mitreflektieren sollte.

          Am besten geeignet speziell für den sozialen Kontext von Gesellschaften mit prämodernen, traditionellen Wertesystemen ist m.E. Warren Farrells Konzept der bisexistischen Rollenverteilung, welche beide Geschlechter unterdrückt, weil auf dieser Grundlage Benachteiligungen und soziale Problemlagen beider Geschlechter erfasst, analysiert und kritisiert werden können. Es wäre höchst wünschenswert, dass dieses Modell die radikalfeministische Patriarchatsinterpretation ablösen würde.

          Im Allgemeinen muss die radikalfeministische Ideologie als Leitbild für geschlechtsbezogene Diskriminierung natürlich schnellstmöglich beseitigt werden. Gleichzeitig ist es äußerst wichtig, auch der Realität männlicher Benachteiligungen, sozialer Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen zu allgemeiner Wahrnehmung und Anerkennung zu verhelfen, damit sie beseitigt werden können.

          Es wäre allerdings grundfalsch zu versuchen einen einseitigen Feminismus einfach durch einen genauso einseitigen Maskulismus auf akademischer und politischer Ebene zu ersetzen. Warren Farrell und Arne Hoffmann betonten zurecht, dass der Maskulismus lediglich eine notwendige Übergangsphase darstellen soll, bis ein Ausgleich erreicht ist und die realen Probleme beider Geschlechter angemessene Berücksichtigung finden.

          Gerecht ist in letzter Instanz nur ein Ansatz, der sich bemüht stets die Probleme beider Geschlechter im Blick zu haben.

          Wie ich es kürzlich mal formulierte:

          Vernünftig und notwendig wäre ein Ansatz der biologische UND soziale Faktoren berücksichtigt, geschlechtsübergreifend angelegt ist, Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen in Bezug auf Frauen UND Männer (und auch Intersexuelle und Transgender) erforscht und kritisiert, der sich jenseits monokausaler Patriarchats- und Feminatskonstrukte bemüht festzustellen, welche Mißstände real existieren, was die möglicherweise vielfältigen Ursachen dafür sind und versucht realistische Lösungsstrategien zu entwickeln, die dann in einer gerechten, demokratisch legitimierten, kein Geschlecht ausschließenden Geschlechterpolitik zur Anwendung kommen.

          Dazu steht ein gemäßigter Feminismus nicht grundsätzlich im Widerspruch, aber der vorherrschende radikale Feminismus sehr wohl.

          Eine gerechte Geschlechterpolitik ist heutzutage leider nur gegen den vorherrschenden Radikal/Gender- und Staatsfeminismus durchzusetzen, denn dieser wird seine politische Macht und Diskursmacht nicht freiwillig aufgeben (was aber ein allgemein menschliches Problem darstellt.)

          Trotzdem ist es eben wahr, dass nicht alle männlichen Benachteiligen vom vorherrschenden Feminismus herrühren und dass nicht alle feministischen Strömungen und Positionen schlecht sind.

          Radikaler Feminismus ist eine Sündenbockideologie – und undifferenzierter Antifeminismus ebenfalls.

        • @ Leszek

          *Also: Du Feministin – Du menschenfeindlich.*

          Richtig.

          Gilt nicht in jedem Einzelfall, aber in fast jedem Einzelfall.

          Die wenigen weißen Raben, die es gibt (Hoff Sommers, Paglia, McElroy und noch ein paar andere), können meine Erwartungshaltung, dass, wenn sich ein Rabe ankündigt, ich einen schwarzen Vogel sehen werde, nicht verändern.

          Denn diese Erwartungshaltung ist legitimiert durch die Wahrscheinlichkeitsrechnung.

          Ich bin nur verpflichtet, einer Ausnahme gewärtig zu sein, falls sich diese Ausnahme glaubwürdig zu einer erklärt und darstellt, dass ihr Feminismus nicht der übliche ist, der davon ausgeht, dass Männer schuldige Täter und Frauen unschuldige Opfer sind, dass Männer daher gegenüber Frauen zu Reparationszahlungen verpflichtet sind, dass Männer Frauen objektifizieren, Frauen aber nicht Männer, dass die negativen Erscheinungen einer Gesellschaft männlich zu verantworten sind, die positiven Seiten weiblich, dass Männer Pflichten gegenüber Frauen haben müssen, Frauen aber keine gegenüber Männern, dass Frauen besser geschützt zu werden verdienen als Frauen und vor allem Männer für den Schutz von Frauen zuständig sind, nicht aber Frauen für den Schutz von Männern, dass Männer einen tief eingegrabenen Hang haben (ob nun angeboren oder ansozialisiert,ist für die politische Propaganda und die Verbreitung des misandrischen Miasmas, das der Feminismus ausdünstet wie ein nasser, fauliger, schmutziger Schmierlappen seinen Gestank, wurscht), Frauen zu verachten und zu unterdrücken, dass Männer „starke“ Frauen nicht ertragen (und dabei zu übersehen, dass Frauen genausowenig „schwache“ Männer ertragen), dass Männer Frauen formen/beeinflussen wollen nach ihrem (männlichen) Bilde (und nicht zu sehen, dass Frauen Männer formen/beeinflussen wollen nach ihrem – weiblichen – Bilde), dass Männer Frauen zu ihrem (männlichen) Vorteil ausbeuten (und dabei zu übersehen, dass Frauen Männer zu ihrem – weiblichen – Vorteil ausbeuten).

          Wer dem üblichen Feminismus anhängt, hängt einer männerverachtenden Ideologie an, die also menschenverachtend ist.

          Wer sich Feministin nennt, soll sich nicht beklagen, dass ich ihn identifiziere mit dem üblichen Feminismus, so wie sich ein Kommunist auch nicht beklagen, wenn ich ihn mit Völkermord, Straflager, Magadan, Workuta und Kolyma identifiziere.

          Gehört er nicht zu dieser Sorte Kommunist, soll er sich erklären.

          Das ist seine Bringschuld, wie auch die Bringschuld einer jeden selbst ernannten Feminist.i.n sich zu distanzieren von der üblichen, selbstgerechten, strunzdummen Ideologie, die unter dem Label verbreitet wird.

        • 2 Korrekturen

          * dass Frauen besser geschützt zu werden verdienen als MÄNNER…*

          Nicht Frauen, wie da steht

          * so wie sich ein Kommunist auch nicht beklagen, wenn ich ihn mit Völkermord, Straflager, Magadan, Workuta und Kolyma identifiziere.*

          …beklagen KANN, wenn…

      • @ Kareem

        *Gefährlich ist dies insbesondere auch deshalb, weil diese Schutzimpulse dadurch auf Dauer geschwächt oder sogar zerstört werden (was sehr traurig ist).*

        In der Tat.

        Merke ich bei mir.

        Bin nicht stolz darauf, aber das ist wohl unvermeidlich.

        Die Barbarisierung – Vorbereitung für den kommenden Aufstand – schreitet so voran.

        Den ich hoffentlich nicht mehr erleben muss.

        • @ Robin

          Mich musst Du nicht überzeugen.

          Online-Diagnosen sind wertlos und das Reden über psychische Probleme, die man öffentlich ausstellt in Online-Foren, ist eine Art von Exhibitionismus, den ich für fahrlässig und für den Betroffenen schädlich halte.

          Wenn Du also Probleme hast, rede mit einem Psychologen/Psychiater Deines Vertrauens, von Angesicht zu Angesicht.

          Dort geht es zu wie in einem Beichtstuhl.

          Mit gutem Grund.

      • Ich bin empathisch. DU nicht. Sieht man hier jeden Tag.

        Also nerv mich einfach nicht, jeder weiß, wie du zu Frauen und Feministinnen stehst, das musst du nicht wirklich JEDES Mal aufs Brot schmieren.

        • @ Robin Urban

          *Also nerv mich einfach nicht, jeder weiß, wie du zu Frauen und Feministinnen stehst, das musst du nicht wirklich JEDES Mal aufs Brot schmieren.*

          Mein leicht identifizierbarer Avatar sollte für Dich Triggerwarnung genug sein.

          Also beklag Dich nicht.

          Ich finde es ohnehin bemerkenswert, wie vorgeblich Depressive öffentlich und ausführlich über ihre Depression reden können.

          Was bei mir massive Zweifel an der Echtheit der Depression weckt.

          Scheint auch Feminist.I.nnenprivileg zu sein.

        • „Mir ist schon klar, dass Leute wie du es lieber hätten, wenn wir alle die Fresse halten und stumm vor uns hin leiden würden.“

          So ein Unfug geht aus Roslins Aussagen in keiner Weise hervor und ist eigentlich nichts als billige Ad-Personam Pöbelei. Ich muss eigentlich auch sagen, dass ich mir die Symptomatik von Depressionen anders vorgestellt habe und nicht gerade mit anhaltendem lautstarkem Gebrüll in Verbindung gebracht hätte. Vielleicht liegt tatsächlich eine Fehldiagnose vor, die man korrigieren sollte, um etwas bessern zu können (um das mal in konstruktive Bahnen zu lenken) ?

        • @ Robin

          *Dann zweifel du halt. Mir ist schon klar, dass Leute wie du es lieber hätten, wenn wir alle die Fresse halten und stumm vor uns hin leiden würden.*

          Falsch gedacht.

          Man muss Feminist.I.nnen reden lassen.

          Redet, redet, redet.

          Wer Euch zuhört, kann Euch erkennen.

        • Ich kann dir leider nicht vorführen, wie ich mich verhalte, wenn ich gerade akut depressiv bin, weil ich dann keine Silbe auf den Monitor bringe.
          Jeder einzelne Depressive, den ich kenne, hätte dieser Satz von Christian auch angekotzt. Mehr als die Hälfte hätte allerdings gar nichts dazu geschrieben, weil sie es nicht gekonnt hätten.
          Aber auch Depressive sind nicht gleich.

          Schöne Zwickmühle: Wenn man sich gegen Pauschalisierungen über Depressionen wehrt, kann ja unmöglich depressiv sein. Aber wenn ich nichts sage, bleibt es so stehen.

        • „Ich kann dir leider nicht vorführen, wie ich mich verhalte, wenn ich gerade akut depressiv bin“

          robin, das geht hier auch niemanden was an. du solltes dich diesen leuten nicht zum fraß vorwerfen. siehst ja selbst, was dabei rauskommt.
          und ja, man muss und seine befindlichkeiten auch mal hintanstellen können, nicht alles auf sich beziehen und bei jeder gelegenheit beleidigt sein.

        • Depressionen und krankhafter Narzissmus sind Comorbid.
          Depressionen machen sich in einer Selbstdarstellung besser … Narzissten gibt es auch in intelligent und als Frau.

          Ich habs schon mit genug Narzissten/Depressiven zu tun gehabt.

          Wir haben wirklich keinen Mangel an Solchen.

        • @ Borat

          Das Ausstellen seiner psychischen Verwundungen realisiert immer auch den Krankheitsgewinn (bei Neurotiker.I.nnen, nicht bei endogen Depressiven, also Zuwendung, Aufmerksamkeit gerade in Foren multipliziert durch die Vielzahl der Reaktionen, gerade für depressive Nazrisst.I.nnen hoch attraktiv).

          Diese Realisierung des Krankheitsgewinnes kann dazu führen, dass man sich noch wohliger im Leiden einrichtet, es noch schwerer wird, sich aus dem Leiden zu befreien und zu lösen.

          Auch eine Ideologie wie der Femininismus ist hervorragend „heilsam“, wenn man sich behaglich in der Opfer-und Leidensecke einrichten will.

        • @ Borat

          Nur dass Robin nicht narzisstisch ist.

          Empathie und Gerechtigkeitsgefühl sind bei ihr tatsächlich stark ausgeprägt – bei Dir, Borat, fehlen diese Attribute weitgehend.

        • Nun, wenn ich auch noch kurz was dazu sagen darf! Ich finde, ist meine persönliche Meinung, dass Leute ihre Leiden tatsächlich nicht hier kund tun sollten, weil es deucht mich wirklich der falsche Ort zu sein, darauf hat Alexander ja bereits sehr gut hingewiesen, aber jede Person darf natürlich machen, wie es ihr beliebt, ich würde es auf jeden Fall nie!! machen. Ev. wäre ein Selbsthilfeforum die bessere Adresse. Auf der anderen Seite ist es m.E. auch deplatziert, wenn man sich dann eben ohne Empathie über solche Personen auslässt, egal, was für ein Leiden sie haben.

        • @Leszek

          Und wo bleibt ihre „Empathie“ und ihr „Gerechtigkeitsgefühl“ was mich angeht?

          Ich bin doch auch schwer benachteiligt und gezeichnet, wie du sagst.

          Narzissmus ist die großartigste Persönlichkeitsstörungen aller darin sich selbst zu verneinen, zu verbergen und zu tarnen.

          Was sagte mir ein Hardcorenarzisst mal nach seinem Zusammenbruch der ihn im Krankenhaus (wohl in der psychatrischen Abteilung dort) aufwachen ließ?
          „Die Psychos sagen einem doch eh nur was man schon weiß.“

          Ja, der Narzisst hats halt drauf, total.

          Mach dich mal schlau über Narzissmus.

          Bei Frauen ist der übrigens noch viel verborgener als bei Männern.
          Frauen lässt man „raues“ Verhalten nicht so durchgehen wie Männern, das Selbstverständnis von Frauen will ein besseres Bild von sich abgeben.

        • @Alexander Roslin

          Feminismus ist ein zeitgeistiger Euphemismus für krankhaften Narzissmus.
          Nicht immer, aber immer öfter.

          Wir zahlen einen tödlichen Preis für die Therapie, wie der Narzisst auch und die Masse ist zu satt, zu dumm, zu faul und zu unerfahren dies zu erkennen.

        • @Leszek

          Nur dass Robin nicht narzisstisch ist.

          Empathie und Gerechtigkeitsgefühl sind bei ihr tatsächlich stark ausgeprägt – bei Dir, Borat, fehlen diese Attribute weitgehend.

          Kennst Du Robin oder Borat so genau, um Dir ein Urteil zu erlauben?
          Ich finde Borats Kommentare, abgesehen von einigen politischen Differenzen durchaus authentischer und in gewisser Weise ermutigender.

          Und ansonsten ist m.E. oftmals nur ein schmaler Grat zwischen „Gerechtigkeitsgefühl“ und Selbstgerechtigkeit,
          Vermeintlicher Empathie und einer Scharade der Projektion und Selbstbespiegelung.

          Ansonsten finde ich es hilfreich unterscheiden zu können, zwischen dem, was Leute sagen, dass sie erleben, wie sie sich verhalten und denken und dem wie sie sich tatsächlich
          verhalten, also dass was sie durch ihr Kommunikationsverhalten offenbaren.
          Wer nicht allzu oberflächlich und blendbar ist, bekommt einen differenzierteren Eindruck.

        • @ gedankenwerk

          Sobald Du oder Borat es mal fertig gebracht haben bezüglich eines berechtigten frauenrechtlichen Anliegens mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Vehemenz für dieses einzutreten, wie es Robin bezüglich der Kritik an männlicher Beschneidung und der Forderung nach dem Recht auf genitale Unversehrtheit von Jungen getan hat, können wir dieses Gespräch gerne weiterführen.

          Mit dem Stand der psychologischen Narzißmusforschung bin ich übrigens vertraut, mit Persönlichkeitspsychologie und Moralpsychologie ebenfalls.

  4. Ich habe als Mann auch Depessionen.
    Auch seit Jahren diagnostiziert.
    Wegen meiner Beschneidung. ?
    („Zwangsweise“ im Alter von 17 !)
    Wo bekomme ich Hilfe?
    Genau nirgentwo.

      • @robin urban: Aber als Inhaberin einer Vagina, bekommst Du (in Deutschland) 80 %aller Therapieplätze für Depressionen, 75 % aller Therapieplätze für PTBS (inklusive der Bundeswehr).

        Die einzige Erkrankung aus dem Bereich der F-Diagnosen nach ICD wo mehr für Männer als Frauen ausgegeben wird sind die schizophrenen Diagnosen.

        Männer sollen die Klappe halten und alleine sterben, das ist die Nachricht, und es ist auch Deine Nachricht.

        Hat sich was mit Gleichheit und Solidarität, sofern es Igitt Männer betrifft.

        • „Männer sollen die Klappe halten und alleine sterben, das ist die Nachricht, und es ist auch Deine Nachricht.“

          Inzwischen scheint es ja noch schlimmer zu werden. Vor Kurzem sah ich im Internet die Selbstpräsentation einer Klinik irgendwo in Norddeutschland, die anbot, Depressionen bei Männern zu behandeln (ich fand das beiläufig beim Surfen, bin nicht betroffen). Der „Ansatz“ bestand darin, dass Männer unter Anleitung von TherapeutInnen lernen sollten, die ihnen durch diese patriarchalische Gesellschaft zugewiesene „männliche Rolle“ zu hinterfragen und Schwäche zu zeigen. An verschiedenen Stellen ihrer Präsentation liess diese Einrichtung ihre feministische Ausrichtung ausdrücklich erkennen. Angesichts des Umstandes, dass viele der Betroffenen Männer vermutlich ohnehin ständig demütigenden und sie schwächenden Erfahrungen ausgesetzt sind, finde ich diesen „Therapieansatz“, der sie nicht stärken will, sondern noch weiter zu schwächen versucht, unverschämt, ideologisiert und verlogen. Ich frage mich, ob man von Depressionen betroffenen Frauen irgendwo dadurch zu helfen versucht, dass man ihnen anbietet, ihr weibliches Machtgehabe zu hinterfragen zu lernen und die schädlichen Folgen feministischer Denkweisen nahebringt. Ich glaube nicht, dass z.B. Robin über solch eine Art von Hilfe besonders erfreut wäre.

          Den Link zu dieser Klinik weiss ich nicht mehr, aber vermutlich wird das ja kein absoluter Einzelfall sein. Vielleicht weiss da jemand anders mehr dazu.

        • Es ist ja wohl logisch, dass bei einer Krankheit, von der viel mehr Frauen betroffen sind, mehr Behandlungsplätze von Frauen besetzt werden.

          Trotzdem darf man auf ein Erstgespräch mit einem Therapeuten ca. 6 Monate warten. Und dann ist immer noch nicht sicher, ob der einen nimmt oder nicht.

          Wenn ich ein so arglistig denken würde wie du, könnte ich jetzt sagen: „Eine Frauenkrankheit – klar, dass sich niemand drum kümmert, dass man zeitnah eine adäquate Behandlung erhält.“

          „Männer sollen die Klappe halten und alleine sterben, das ist die Nachricht, und es ist auch Deine Nachricht.“

          Frauen sind böse und zu bekämpfen, das ist die Nachricht und es ist auch deine Nachricht.

          Ich frag mich, wo du so einen Schrott jemals bei mir gelesen hast!!!

        • @Robin
          Das soviel mehr Frauen als Männer an Depressionen leiden stimmt soweit ich weiß nicht. Es wird zwar bei Frauen wesentlich häufiger diagnostiziert aber mittlerweile geht man davon aus, dass sich diese Krankheit bei Männern anders äußert und deswegen bis heute oftmals nicht erkannt wird..
          Bei schweren Depressionen, ist die Häufigkeit zwischen den Geschlechtern annähernd gleich verteilt.

        • Der “Ansatz” bestand darin, dass Männer unter Anleitung von TherapeutInnen lernen sollten, die ihnen durch diese patriarchalische Gesellschaft zugewiesene “männliche Rolle” zu hinterfragen und Schwäche zu zeigen. An verschiedenen Stellen ihrer Präsentation liess diese Einrichtung ihre feministische Ausrichtung ausdrücklich erkennen.

          Das ist in der Tat pervers. Verunsicherte Personen noch mehr zu verunsichern. So operieren faschistische Sekten wie Scientology. Ist die Identität erst mal vollständig zerstört, kann das Individuum beliebig geformt werden.
          Und die real existierende politische Linke, diese Karikatur einer Opposition? Sie nennt diese Kritiker rechtsradikal! Diese Amtsstubenrevoluzzer! Das finden sogar die Pfaffen mit ihrer malthusianisch-darwinschen „Religiöse vermehren sich wie die Karnickel, wir gewinnen“- Theorie symphatisch. Solche Simpel werden hochgejubelt! Scheint ziemlich lukrativ zu sein.

          Ach ja, fürs neue Jahr hab ich ja Besserung versprochen, noch ist aber 2012. Eine Religion, die Steuern erhebt und jeden ausschliesst, der diese (Kirchen-)Steurn nicht entrichtet – was zum Teufel soll das sein?? Ein Glaube oder ein Geschäft?

        • @Robin

          Es ist ja wohl logisch, dass bei einer Krankheit, von der viel mehr Frauen betroffen sind, mehr Behandlungsplätze von Frauen besetzt werden.

          Trotzdem darf man auf ein Erstgespräch mit einem Therapeuten ca. 6 Monate warten. Und dann ist immer noch nicht sicher, ob der einen nimmt oder nicht.

          Trotzdem hast Du da einen kleinen logischen Widerspruch,
          wenn schon Deine 6 Monate Wartezeit bei den 75 % Patientinnen vorliegen, dann muss es für die Männer ja noch übler aussehen (Wartezeit + weniger Plätze).

          Nur würde ich deswegen alleine noch keine Benachteiligung sehen. Der Sektor der Hilfsberufe ist weiblich dominiert, deswegen denke ich, dass Männer da ohnehin nicht viel davon hätten, weil auf ihre Bedürfnisse / Probleme weniger eingegangen wird.
          Wenn man sich das alles richtig durchdenkt, dann ist der Suizid nicht die fernliegenste Lösungsstrategie und je nach Kontext durchaus die vernünftigere Option.
          Je nachdem, wie man Depression defininiert.
          Wenn man es als schwere Krise ansieht, bzw. die Unfähigkeit mit gegebenen Ressourcen ein Leben nach eigenen Bedürfnissen zu führen, dann bedeutet eine „Therapie“ oftmals den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Denn die meisten Sozial- und Hilfsberufe haben vorwiegend den Aspekt des „Funktionierens“ im Fokus. Eigene Möglichkeiten und realistische Spielräume auszuloten klappt wahrscheinlich besser in der Praxis durch Versuch und Irrtum als durch Gespräche mit Leuten, die ganz andere Interessen haben.

        • „Trotzdem hast Du da einen kleinen logischen Widerspruch,
          wenn schon Deine 6 Monate Wartezeit bei den 75 % Patientinnen vorliegen, dann muss es für die Männer ja noch übler aussehen (Wartezeit + weniger Plätze).“

          Nein, überhaupt nicht. Es gibt fast keine Therapeuten, die sich mit geschlechterspezifischen Depressionsformen beschäftigen (da fällt mir gerade auch nur Wochenbettdepression ein), daher stehen diese Therapeuten Frauen wie Männern gleichermaßen offen. Oder eben nicht offen.
          Ob jetzt bei einem Therapeut ein Mann oder eine Frau anruft, ist völlig egal. Beide müssen 6 Monate auf einen Termin warten. Es sagt ja keiner: „Danke, dass Sie angerufen haben, Herr Meier, aber es sind noch drei Frauen vor Ihnen dran, bis ich Ihnen einen Termin anbieten kann.“
          Wie stellst du dir das vor?

        • @Robin
          Zitat: „Es sagt ja keiner: “Danke, dass Sie angerufen haben, Herr Meier, aber es sind noch drei Frauen vor Ihnen dran, bis ich Ihnen einen Termin anbieten kann.”
          Wie stellst du dir das vor?“

          Die Anzahl der Männer, die sich entleiben, sowie derer, die sich mit einer Medikation aus Alkohol und Drogen selbst therapieren ist ja bekanntlich weitaus höher als die von Frauen. Männer leiden anscheinend auch nicht weniger am Leben.
          Gleichzeitig ist die Mehrzahl der Therapieplätze von Frauen belegt. Das muss ja auch seine Gründe haben.

          Als naheliegendst würde ich sehen, dass Männer weniger Unterstützung für ihre Belange erwarten – eine durchaus realistische Einschätzung – und deswegen nach anderen Lösungen suchen.
          Es kann ja viele Ursachen für Konflikte geben, innere (organische, mentale Ursachen) und äußere (durch eine Situation).

          Wenn ich mir dagegen die üblichen Femi-Blogs und Seiten ansehe, sind die dahinterstehenden Krisen m.E. eigentlich recht gut therapierbar und hauptsächlich intrinsisch begründet. Deswegen wahrscheinlich auch der höhere Anteil bei den Therapieplätzen.

          Die häufigsten Gründe sind mangelnde Erkenntniskraft und mangelndes Urteilsvermögen.
          Sprich, es fehlt eine realistische Wahrnehmung von Sachverhalten (diese gelangen nur verzerrt, über- oder untertrieben, oder selektiv ins Bewusstsein) und zusätzlich gibt es Schwierigkeiten Sachverhalte zu bewerten und logische Schlüsse zu ziehen.
          Ich war erstaunt, als ich realisierte, dass sie nicht weniger
          unter ihrem Unvermögen leiden, als die die mit ihnen zu tun haben (wie ich hier im Blog z.B.).
          Das alleine ist aber noch keine Krankheit.
          Auch intellektuelle Vollhonks können ein erfülltes und glückliches Leben führen und sind manchmal dafür z.B. mit motorischer Intelligenz gesegnet.
          Es wäre zu erwägen, ob eine Umorientierung von rein geistiger zu mehr handwerklicher Tätigkeit (Schreinern, Malern/Tapezieren, Bäckerei …) ihnen Linderung verschaffen würde.
          Zumal solche Tätigkeiten auch einen Realitätscheck mit unmittelbaren Feedback darstellen.

        • Mit anderen Worten: Frauen sind doof, sie sollten sich nicht intellektuell überheben, dann haben sie auch weniger Depressionen. Ist es das was du meinst?
          (ernstgemeinte Frage)

        • Meine Güte, was sollen wir denn noch alles machen?

          Natürlich suchen sich Männer weniger Hilfe, selbst wenn sie genauso wie Frauen von Depressionen betroffen sind. Das hat mit überissenen Männlichkeitsvorstellungen zu tun, an denen Feministinnen aber sicher keinen Anteil haben! Im Gegenteil, wenn ich mal einen Sohn bekomme, wäre mir sehr daran gelegen, dass er seine Gefühle artikuliert, bei Überforderung auf die Notbremse tritt und auch mal weint, wenn ihm danach ist.
          Aber wenn man sowas schreibt, ist das feministische Gehirnwäsche! Dabei ist das das einzige, was dazu führen kann, dass betroffene Männer endlich auch einsehen, dass sie Hilfe brauchen, wenn es ihnen schlecht geht – und sich eben NICHT zusaufen und ansonsten die Zähne zusammenbeißen, bis sie sich schließlich umbringen!

          Darum ging es wohl auch in dieser Klinik, die hier so zerrissen worden ist!

          Aber nee, der Mann muss ja hart sein, alles andere ist verweichlichte Frauenkacke. Sich aber dann wundern, wenn Männer weniger Hilfe in Anspruch nehmen!
          Und WENN ein Mann dann Hilfe sucht, ist es dann auch scheiße, dass die in Frage kommenden Therapieplätze von Frauen belegt sind, weil Frauen meist einfach früher einsehen, dass sie Hilfe brauchen (erziehungsbedingt)?
          Was erwartest du? Dass betroffene Frauen sofort zur Seite springen, wenn ein Mann ankommt und einen Therapieplatz will? Weil es ja so lange gedauert hat, bis er eingesehen hat, dass er Depressionen hat?

          Du ahnst es nicht!

        • @ Robin

          „Natürlich suchen sich Männer weniger Hilfe, selbst wenn sie genauso wie Frauen von Depressionen betroffen sind. Das hat mit überissenen Männlichkeitsvorstellungen zu tun, an denen Feministinnen aber sicher keinen Anteil haben!“

          Gegen diese überrissenen Männlichkeitsvorstellungen bin ich auch. SInd viele Maskulisten. Nur: Es hat auch was, unabhängig vom Feminismus, mit den weiblichen Auswahlkriterien bei der Partnerwahl zu tun. Frauen wollen den starken Mann, nicht den psychisch kranken.

          Ein depressiver Mann, dessen Depression bekannt ist, wird mit Sicherheit nicht so leicht eine Frau abkriegen wie eine depressive Frau einen Mann.

          Erstens, weil eine solche als „Schwäche“ empfundene Krankheit einen Mann viel unattraktiver macht als eine Frau, und zweitens, weil es in der Gesamtbilanz eine Konkurrenz des männlichen ums weibliche Geschlecht gibt. „Das Weibchen kriegt eh einen Partner“, wie einer der Dozenten, bei denen ich diverse Lehrveranstaltungen hatte, richtig konstatierte.

          Hängt auch damit zusammen, dass depressive Patienten oftmals arbeitsunfähig oder eingeschränkt arbeitsfähig sind. Doch beruflicher Erfolg und Misserfolg beeinflussen wieder massiv die Attraktivität eines Mannes und kaum die einer Frau – die wird durch zu großen Erfolg eher unattraktiv.

          Außerdem: Ein depressiver Mann, der mir von seinen Problemen erzählte, meinte, die Krankheit zeige sich daran, dass er und wohl auch andere Patienten soziale Kontakte hätten einschlafen lassen. Von Gruppenzugehörigkeit und Status in der Gruppe hängt aber die Attraktivität eines Mannes wieder verdammt viel mehr als die einer Frau. Männer „wissen“ das aufgrund ihres Unterbewusstseins und jammern nicht, weinen nicht, sondern saufen zum Beispiel, was Depressionen verschlimmern soll. Selbst extrem erfolgreiche wie Robert Enke trauen sich oft nicht, die Diagnose zuzugeben (Obwohl eine Frau bereits vorhanden war. Aber die Medien und ihre Berichterstattung!), und schmeißen sich dann vor den Zug. Andere randalieren. Depressionen sollen sich bei Männern oft als Wutattacken äußern. Vermutlich wird ein Mann durch Depressionen somit auch eher straffällig. Und dann wieder härter angepackt als eine Frau mit derselben Diagnose.

          Vor ein Paar Jahren hatte ich einmal eine Frau kennen gelernt, die laut eigenen Angaben an Depressionen erkrankt war, zum damaligen Zeitpunkt bereits ein ganzes Jahr krankgeschrieben war und dagegen Medikamente nam. Sie hatte laut eigenen Angaben rund 120 Kontaktgesuche von Männern im Internet bekommen und die freie Wahl. Ich hätte sie als Partnerin genommen, doch sie brach den Kontakt ab und brauchte vorher manchmal viele Tage, um ans Telefon zu gehen, war wohl schwer depressiv, sie funktionierte halt nicht. Männer konnte sie laut eigenen Angaben haben, so viel sie wollte. Frauen hatten sie auf der Arbeit gemobbt, was sehr schlimm ist, und ihr Elternhaus war wohl auch nicht so gut. Und ein Mann habe ihr das Herz gebrochen, sagte sie. Ich fand diese Frau sehr nett, schlimm, dass sie vorher so schlecht behandelt wurde. Sie war auch arm dran, aber nicht auf dem Partnermarkt.

          „Im Gegenteil, wenn ich mal einen Sohn bekomme, wäre mir sehr daran gelegen, dass er seine Gefühle artikuliert, bei Überforderung auf die Notbremse tritt und auch mal weint, wenn ihm danach ist.
          Aber wenn man sowas schreibt, ist das feministische Gehirnwäsche! Dabei ist das das einzige, was dazu führen kann, dass betroffene Männer endlich auch einsehen, dass sie Hilfe brauchen, wenn es ihnen schlecht geht – und sich eben NICHT zusaufen und ansonsten die Zähne zusammenbeißen, bis sie sich schließlich umbringen!“

          Feministinnen tun nunmal viel dafür, uns Männer unattraktiver zu machen. Sie wollen nicht, dass Mann und Frau zusammenfinden, das wird aus vielen ihrer Äußerungen deutlich. Viele Feministinnen jedenfalls.

          Natürlich müssen Männer weinen und schwach sein dürfen – hast Du Recht. Aber eines können wir nicht ändern: Ist die Frau schwach, weint sie usw., zeigt sie Gefühle, schaltet sich bei vielen Männern der Beschützerinstinkt an. (Bei mir auch.)Sie verliert nicht an Attraktivität. Macht der Mann dasselbe, ist sehr schnell von „Selbstmitleid“, „erbärmlich“ oder „gefällt sich in seiner Rolle“ die Rede. Und wenn nicht, macht er sich durch ein Zuviel an Schwäche und Gefühle zeigen unattraktiv, zumindest auf der Ebene des Urinstinkts der meisten Frauen, unterbewusst halt.

          Nicht umsonst heißt es: Ein richtiger Mann darf nur weinen, wenn die Lieblingsfußballmannschaft verloren oder die Kiste Bier hingeklatscht und alle Flaschen zerbrochen sind. Bestimmt nicht, weil er beruflich überfordert ist – dann trennt sich seine Freundin, wenn er auf der Ebene versagt oder potentielle Freundinnen klicken ihn mit einem Mausklick weg, wenn er keinen Job hat – alles Probleme, die Frauen nicht haben, auch nicht mit Depressionen.

          Ansonsten: Ich habe gestern Deine Darstellung von Weihnachten in Deiner Familie auf Deiner Webseite gelesen. Glaub mir eines: Sowas will ich nicht, dass eine Tochter von ihren Eltern und ihrer gesamten Familie so behandelt wird. Oder das, was Du über Deinen Job in der Gastronomie erzählt hast, sowas will ich nicht, das Menschen welchen Geschlechts auch immer krank gemacht werden. Ich bin für die Familie, aber nicht für die mit Enge, Lieblosigkeit, Desinteresse am anderen, Gefühlsrohheit, Rücksichtslosigkeit, Intoleranz usw.

          Alles, was ich hier schreibe, geht nicht gegen Dich. Wenn es nach mir ginge, hättest Du ein 20mal besseres Leben.

          Es mag auch sein in Deinem Einzelfall, dass Du als Mann nicht an Depressionen erkrankt währest, dass Du das, was Du erlebt hast, erst gar nicht erlebt hättest. Aber vielleicht anderes dafür…

          Währest Du aber ein Mann mit derselben Erkrankung, würde Dir diese Krankheit wahrscheinlich größere Probleme machen hinsichtlich Deiner Situation auf dem Partnermarkt/in der Beziehung, und auch in Sachen gesellschaftlicher Akzeptanz.

          Ein depressiver Mann klagte mal in der Medien, er sei von anderen Männern gefragt worden, ob er ein Mann oder ein Weichei wäre. Kriegen depressive Frauen dieselben Fragen gestellt?

          Wie gesagt, geht nicht gegen Dich, und als Gegnerin oder gar Feindin kann und will ich eine Frau mit der Diagnose und Lebensgeschichte auch nicht betrachten.

          Angesichts der hohen Suizidraten bei Männern, gerade jungen Männern, muss man das aber ansprechen dürfen, genauso, wie man drauf hinweisen darf, dass falsche Formen des Feminismus eine mögliche Ursache für Depressionen bei Männern sind, wenn ein Mann einen Scheidungskrieg verliert zum Beispiel.

          Es ist eine interessante Frage, ob Feminismus Frauen vor Depressionen überhaupt bewart. In einer Hinsicht schon mal nicht: Trennungen werden durch Feminismus wahrscheinlicher, der Partnermarkt wird mehr entfesselt, und dadurch steigert sich das Konfliktpotential zwischen beiden Geschlechtern, was auch Frauen krank machen könnte, wenn sie z. B. Beziehungen vorgetäuscht kriegen oder als 50jährige dann immer noch keine Kinder haben. Oder als Töchter einen vielleicht krank machenden Scheidungskrieg der Eltern erleben.

          Wie gesagt: Ich bin für eine Gesellschaft, in der beide Geschlechter so gut behandelt werden, dass so wenige wie möglich auf beiden Seiten an z. B. Depressionen erkranken.

          P.S.: In dem Punkt, dass niemand zu einem oder einer Depressiven leichtfertig sagen sollte, dass er oder sie sich nicht so anstellen sollte usw. oder sich doch einfach eine positiver Weltsicht zulegen sollte, gebe ich Dir natürlich Recht – man steckt selbst nicht drin und kann nicht wissen, wie das ist.

        • @Kakertratte

          Mit anderen Worten: Frauen sind doof, sie sollten sich nicht intellektuell überheben, dann haben sie auch weniger Depressionen. Ist es das was du meinst?

          Nein, ganz so habe ich es nicht gemeint, obwohl man es auch so sehen könnte.
          Eine Krise kann in jeder Richtung auftreten. Also beispielsweise, weil der Beruf aufgrund von Erkrankung oder Gebrechen nicht mehr ausgeübt werden kann und dann eine Umstellung auf eine geistige Tätigkeit erfolgt.
          Dann aber idealerweise in eine, die möglichst Sinn macht und den Fähigkeiten entspricht.

          Es ging ja auch nicht um Frauen allgemein, sondern um den Netzfeminismus im Speziellen, wie er aus den Blogs ablesbar ist.

        • @Robin

          Natürlich suchen sich Männer weniger Hilfe, selbst wenn sie genauso wie Frauen von Depressionen betroffen sind. Das hat mit überissenen Männlichkeitsvorstellungen zu tun, an denen Feministinnen aber sicher keinen Anteil haben!

          Bist Du sicher, dass es daran liegt und nicht etwa daran, dass sie nicht die Hilfe bekommen, von der sie auch profitieren würden?
          Die ihren Anforderungen und Bedürfnissen gerecht wird?

          Im Gegenteil, wenn ich mal einen Sohn bekomme, wäre mir sehr daran gelegen, dass er seine Gefühle artikuliert, bei Überforderung auf die Notbremse tritt und auch mal weint, wenn ihm danach ist.

          Ich glaube kaum, dass das dem Überleben dienlich wäre.
          Er würde, aus heutiger Sicht, sowohl von Männern als auch Frauen gegängelt werden.
          Wenn ich mir vorstellen würde, in einer kritischen Situation würde mir ein Therapeut so kommen, hinge ich mich gleich auf.

          Aber wenn man sowas schreibt, ist das feministische Gehirnwäsche!

          So ist es.

          Dabei ist das das einzige, was dazu führen kann, dass betroffene Männer endlich auch einsehen, dass sie Hilfe brauchen, wenn es ihnen schlecht geht –

          Hilfe, die sie anscheinend nicht bekommen.
          Hilfe, die nicht, auf sie ausgerichtet ist.
          Denen man vorher noch die Würde und die Identität nimmt und mit Weibergewäsch quält.

          und sich eben NICHT zusaufen und ansonsten die Zähne zusammenbeißen, bis sie sich schließlich umbringen!

          Ohne Zähne zusammenbeißen würden sich viele wahrscheinlich eher umbringen.
          Denn auch unter Medikation mit SSRI steigt die Suizidwahrscheinlichkeit bei Männern in Therapie erstmal.

        • @Matthias: Erstmal Danke.

          Aber ich kann das trotzdem nicht so sehen wie du. Meine Depressionen haben mir ebenfalls bei Partnerschaften viele Steine in den Weg gelegt. Mein Stiefvater hat sich von meiner Mutter getrennt, weil sie depressiv war.
          Depressionen sind nicht sexy. Das ist klar. Aber das gilt für beide Geschlechter.

          Deine Bekannte, die so viele Anfragen von Männern bekam? Die wollten sie doch nur ficken. Hätte ihr zweifach nichts genützt: 1. ist Sex keine Beziehung und 2. haben Depressive, wenn sie grade in einer Depression stecken, ohnehin keine Lust auf Sex.
          Natürlich können Frauen auch ohne Lust Sex haben (die meisten werden es aber glücklicherweise nicht wollen). Bei Männern klappt das nicht, ohne Erektion kein Sex.

          Männer, die schwach erscheinen, haben es schwer in dieser Gesellschaft. Aber das ist weder meine Schuld, noch die Schuld der meisten Feministinnen.
          Ich schrieb ja mal, wie toll ich es fand, dass mein Freund sich den gängigen Männlichkeitsvorstellungen nicht beugte, sondern Schwäche vor mir zeigen konnte. Womit er mir gleichzeitig bewies, dass er eigentlich stark war.
          Das fandest du damals ja auch nicht gut.

          @Gedankenwelt:

          „Bist Du sicher, dass es daran liegt und nicht etwa daran, dass sie nicht die Hilfe bekommen, von der sie auch profitieren würden?
          Die ihren Anforderungen und Bedürfnissen gerecht wird?“
          Verstehe ich das richtig: Weinen ist Weibergewäsch, temporär schwach sein ist Weibergewäsch, zu seinen Gefühlen stehen ist Weibergewäsch.
          Was bleibt denn da noch übrig? Wie behandelt man einen Mann, der an Depressionen leidet? Erleuchte mich!

          „Ohne Zähne zusammenbeißen würden sich viele wahrscheinlich eher umbringen.
          Denn auch unter Medikation mit SSRI steigt die Suizidwahrscheinlichkeit bei Männern in Therapie erstmal.“
          Wie kann man nur so tendenziös sein.
          Bei MÄNNERN steigt die Suizidwahrscheinlichkeit also durch SSRI? Und was ist mit Frauen? Da ist es doch genauso! Ich bekam mein Fluoxetin auch erst, nachdem mein Neurologe zehnmal nachgefragt hatte, ob ich gerade suizidal bin. (Ich nahm das Zeug nur ein paar Wochen, bevor die Frage kommt, und nehme seitdem gar nichts, will auch nichts haben.)
          Bei dir klingt wirklcih alles wie eine große Verschwörung.

        • @Robin

          Verstehe ich das richtig: Weinen ist Weibergewäsch, temporär schwach sein ist Weibergewäsch, zu seinen Gefühlen stehen ist Weibergewäsch.

          Nein, aber meinen, es würde jedem was bringen,
          das auszuwalzen, ist Weibergewäsch.

          Wie behandelt man einen Mann, der an Depressionen leidet? Erleuchte mich!

          Das hängt vom Mann ab.
          Und ich würde die Wirksamkeit gefährden, wenn ich es ausgerechnet mit Dir ausdiskutieren würde.

        • „Das hängt vom Mann ab.
          Und ich würde die Wirksamkeit gefährden, wenn ich es ausgerechnet mit Dir ausdiskutieren würde.“

          Wow, ich muss ja wirklich unglaublich wichtig sein… *kopfschüttel*

        • Ich schrieb „ich“, nicht „es“.

          Ich wüsste nicht, wie ich kleine Studentin den Therapieerfolg von mir unbekannten Männern negativ beeinflussen könnte. Daher müssen wohl Kräfte in mir schlummern, die niemand erkennt außer du.

        • @Robin

          Ich wüsste nicht, wie ich kleine Studentin den Therapieerfolg von mir unbekannten Männern negativ beeinflussen könnte. Daher müssen wohl Kräfte in mir schlummern, die niemand erkennt außer du.

          Ja, armes harmloses unschuldiges Mäuschen.
          Und abbgesehen davon, dass hier noch ein ganzes Rudel feministischer Ordnertruppen unterwegs ist.

        • @Robin

          Ach scheiße, jetzt hab ich mich kurz als was Besonderes gefühlt.

          Jetzt ist es doch nur die feministische Weltverschwörung

          Schön, dass Du es einsiehst, Du empathiegeladener Charmebolzen.
          Jetzt Husch mal ins Bett, damit Dein Serotonin-Haushalt nicht noch mehr aus den Fugen gerät.

        • @ Robin Urban

          Okay, also:

          „@Matthias: Erstmal Danke.“

          Kein Problem!

          „Aber ich kann das trotzdem nicht so sehen wie du. Meine Depressionen haben mir ebenfalls bei Partnerschaften viele Steine in den Weg gelegt. Mein Stiefvater hat sich von meiner Mutter getrennt, weil sie depressiv war.
          Depressionen sind nicht sexy. Das ist klar. Aber das gilt für beide Geschlechter.“

          Ja, selbstverständlich, das will ich auch gar nicht klein reden. Ich will hier auch nicht eine Opferolympiade zwischen Mann und Frau speziell für Depressive führen. Ich kann mich auch nicht in jemand mit der Diagnose hineinversetzen. Wie gesagt, alles nicht negativ gemeint.

          Der Unterschied ist aus meiner Sicht allerdings schon da. Die depressive (oder in anderen Hinsichten geschwächte, geschädigte) Frau kommt eher an einen Mann als ein depressiver (oder sonstwie beeinträchtigter) Mann an eine Frau. Die laufende Beziehung wird natürlich auch bei depressiven Frauen deutlich schlechter laufen. Doch der Ernstkontakt, die Eroberungsphase, da ist der Unterschied zwischen Mann und Frau aus meiner Sicht gerade dann groß, wenn man bei kranken oder sonstwie gehandicapten Personen beide Geschlechter miteinander vergleicht. Alter/Altersschwäche natürlich ausgenommen.

          „Deine Bekannte, die so viele Anfragen von Männern bekam? Die wollten sie doch nur ficken. Hätte ihr zweifach nichts genützt: 1. ist Sex keine Beziehung und 2. haben Depressive, wenn sie grade in einer Depression stecken, ohnehin keine Lust auf Sex.
          Natürlich können Frauen auch ohne Lust Sex haben (die meisten werden es aber glücklicherweise nicht wollen). Bei Männern klappt das nicht, ohne Erektion kein Sex. “

          Sie hätte mich haben können und ich wollte nicht nur f******. Ob andere Männer in solchen Fällen nur Sex wollen? Weiß ich nicht, wäre schlimm, auf so eine Diagnose keine Rücksicht zu nehmen. Glaub ich aber nicht, dass die alle nur Sex wollten. Hätten wir immer noch das weitgehend monogame Paarungssystem von früher, vor der sexuellen Revolution, dann bestünde das Problem, dass Männer von Frauen oder speziell einer depressiven Frau nur Sex wollten, bei weitem nicht in dem Maße.

          Dass depressive Menschen eine beeinträchtigte Sexualität haben, habe ich auch mal gelesen. Depressive Männer hätten schlechte Testosteronwerte. Eine interessante Frage in dem Zusammenhang wäre, ob männliche Depressionen somit eine ähnliche Grundlage haben wie die Tatsache, dass bei vielen Arten die Männchen nur dann gute Testosteronwerte haben und dementsprechend Ornamente ausbilden, wenn sie ranghoch sind im Rudel. Selbst unabhängig davon, dass sich ranghohe Tiere besser ernähren können, soll eine Entmachtung durch stärkere Männchen die Testosteronwerte beeinträchtigen können. Die Frage ist, ob Depressionen bei Männern somit das Ergebnis von Machtlosigkeit sein können.

          Hier ist auch die Frage, ob Depressionen bei Männern den Testosteronspiegel verringern, oder ob ein (z. B. durch psychische Ursachen, durch Entmachtung usw.) niedriger Testosteronspiegel Depressionen auslösen kann. Ich weiß darüber leider nichts genaues.

          Wie das bei Frauen ist, weiß ich nicht – könnten ähnliche Mechanismen sein.

          „Männer, die schwach erscheinen, haben es schwer in dieser Gesellschaft. Aber das ist weder meine Schuld, noch die Schuld der meisten Feministinnen.“

          Gut, dass Du zugibst, dass es so ist. Und nein, natürlich ist es nicht Deine Schuld. Schuld von einigen Feministinen ist es teilweise schon, die haben schon ihren Anteil an der Jungenkrise und an durch Scheidungskriegen platt gemachten Männern. Und ein schwach erscheinender Mann hat es nicht dadurch leichter, dass Feministinnen ihm zusätzlich noch aufs Dach steigen.

          „Ich schrieb ja mal, wie toll ich es fand, dass mein Freund sich den gängigen Männlichkeitsvorstellungen nicht beugte, sondern Schwäche vor mir zeigen konnte. Womit er mir gleichzeitig bewies, dass er eigentlich stark war.
          Das fandest du damals ja auch nicht gut.“

          Ich fand es aber auch nicht schlecht. Ich hatte nur angemerkt, dass der „Schuss“ bei Frauen auch „nach hinten“ losgehen kann, wenn man sich sensibel zeigt. Und dass das Gerede von Feministinnen, sich so in der Art zu geben, schon darauf abziehlen könnte, dass Männer sich unattraktiv machen sollen. Ich weiß jetzt nicht mehr, was ich dazu genau geschrieben habe.
          Du hattest mich da glaub ich nicht so recht verstanden, und/oder ich Dich auch nicht. Du hattest glaub ich das mit dem Thema Pick Up in Verbindung gebracht, und darauf hatte ich geantwortet.

          War aber nicht böse gemeint. Ich will hier auch echt keinen Geschlechterkampf gegen depressive Frauen führen. (Gegen Vergewaltigungsopfer auch nicht. Wenn die den eigenen Standpunkt nicht verdreht darstellen, ist das umso leichter.)

          Also, liebe Robin, Dir erstmal alles Gute und einen guten Start ins neue Jahr! Depressionen sind heilbar (Auch wenn dies nicht einfach sein mag.), das hat der eine Psychiater gesagt, der Bücher schreibt und bei dem ich auf einer Lesung war, Manfred Lütz heißt er. Der ist sehr witzig, da lachen alle nach jedem zweiten Satz, kann ich nur empfehlen – Lachmuskelkater ist da vorprogrammiert.

        • Nachtrag:

          „ob Depressionen bei Männern den Testosteronspiegel verringern, oder ob ein (z. B. durch psychische Ursachen, durch Entmachtung usw.) niedriger Testosteronspiegel Depressionen auslösen kann.“

          Ich komme daher auf die Idee, weil Testosteron bei Männern eine Art körpereigenes Antidepressivum darstellt.

      • „Frauen sind böse“? Das ist doch Quatsch. Aber Feministinnen sind böse, weil sie, ob bewußt oder nicht, den Anspruch an die Gesellschaft stellen, dass ein bestimmtes Geschlecht per se Anspruch auf den Großteil der Ressourcen der Gesellschaft hat, unbeachtlich der Frage von individueller Leistung oder individueller Bedürftigkeit. Das ist schlicht eine Neuauflage rassistischer und kollektivistischer Überlegenheitstheorien. Und das sind „böse“ Ideologien ( bisschen kindlich vielleicht, aber das ist halt das intelektuelle Niveau dieser Diskussion).

        Das mögen viele Feministinnen anders sehen, die ja damit den Gleicheitsanspruch zwischen Frauen und Männern verbinden.
        Abder dieser hat damit überhaupt nichts zu tun.

        • Natürlich „gibt“ es Hilfe. Ich denke, wir beide haben Überblick über die Therapieangebote.

          Nur gibts die halt nicht für jeden oder sofort. Ich schrieb weiter oben, dass man auf einen Theraplatz rund ein halbes Jahr warten darf.

        • @ Robin: Echt? Wo lebst du? Also bei uns in Österreich gibts genug Plätze. Sind auch genug Depperte 🙂 Kommst halt runter *lol* Ich kenn da eine gute Therapie für Geist UND Köper 😀

        • Ich wohne in Deutschland und hier sind solche Wartezeiten normal, wenn man überhaupt einen Termin kriegt.

          Natürlich kann man auch zu Therapeuten gehen, die Angebote bieten, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden. Da sind die Wartezeiten weitaus kürzer. Aber das kann sich natürlich nicht jeder leisten.

        • Echt? Bei uns ist teilweise ein Ausbildungsüberschuss. Ich krieg meist in der selben Woche einen Termin wenns ist. Ich muss meinen Kollegen mal mitteilen das sie doch in Deutschland ihre Praxis öffnen sollen. Ich kann mir vorstellen das die Flächendeckung in DE schlechter ist vor allem wenn man in der Pampas lebt.

          Also mehr als möglichst viele Theras anschreiben geht wohl dann auch nicht. Prinzipiell kann man die Zeit dahin mit möglichst viel Sport und Bemühung um Selbstheilung bzw. Verbesserung der eigenen Situation verbringen.

        • Mach das! Aber es kommt wie gesagt auf das Therapieangebot an.

          Momentan wird wohl Verhaltenstherapie, Psychoanalyse (von der ich nicht viel halte und die mir auch nichts bringen würde) und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie von der Kasse übernommen. Ich weiß nicht, was es sonst noch so alles gibt, was hilfreich wäre, aber zumindest eine Dozentin von mir, die Psychologin ist, hat mal ihr Konzept vorgestellt, was mir sehr vielversprechend erschien (ich weiß leider nicht mehr, wie man das nennt). Wird aber nicht übernommen.
          Es ist bestimmt nicht schlecht, dass die Kasse nicht JEDE Behandlungsart übernimmt, weil auch hier viele Scharlatane am Werk sind. Aber dennoch erscheint mir das System zu undurchlässig, verkrustet und behäbig. Es geht nicht mit der Zeit.

        • @ Robin

          „Ich weiß nicht, was es sonst noch so alles gibt, was hilfreich wäre…“

          Ich habe Bücher zur Psychotherapieforschung in meinem Bücherregal und werde nächste Woche mal nachschauen, was zu dem Thema drin steht.
          Außerdem kennt sich ein Freund von mir mit dem Thema gut aus, den kann ich auch mal fragen.

          Gerade habe ich leider keine Zeit, dauert also ein paar Tage.

        • Die Arbeit musst du dir eigentlich nicht machen 😉 Es geht dabei ja um Angebote, die NICHT von der Kasse übernommen werden.

          Da ich mir es aber nicht leisten kann, meine Therapie privat zu bezahlen, möchte ich eigentlich gar nicht so genau wissen, was es sonst noch alles gäbe. Dann ärgere ich mich ja nur noch mehr :/

        • @ Robin

          Das geht so.
          Man sucht sich einen Psychotherapeuten mit zwei Psychotherapieausbildungen – eine, die von der Krankenkasse bezahlt wird und die andere, die man machen will.

          Verstanden. 🙂

          Aber wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hat die kognitive Therapie bei Depressionen einen guten Ruf – und die wird meines Wissens von der Krankenkasse bezahlt.
          Aber ich schaue wie gesagt nochmal nach – dann kann ich es sicher sagen.

        • @Leszek

          Mein Favorit ist übrigens die rational-emotive Therapie: Also eine Kombination aus Gesprächspsychotherapie und kognitiver Verhaltenstherapie! Weil ich denke, der Mensch besteht noch aus mehr als nur Kognitionen, die selbstverständlich auch die Gefühle beeinflussen, nur denke ich mir, dass eben auch gewisse Gefühle etc. das Denken beeinflussen. Wir also hier eine Interdependenz oder Interaktion haben.

        • ganz kurz, hab leider nicht mehr Zeit:

          Was Robin sagt stimmt, wobei die systemische Therapie im Kinder- und Jugendbereich wohl seit einiger Zeit in irgendeiner Form auch von den Kassen anerkannt wird. Dass mit dem Psychotherapiegesetz 1991 diese 3 Verfahren zugelassen und andere Verfahren ausgeschlossen wurden, hat sicherlich viel mit der Wende zu streng evidenzbasierter Medizin (Cochrane-guidelines etc.) zu tun – aber nicht zuletzt auch damit, dass die traditionell in der Medizin stark institutionalisierten psychodynamischen Verfahren einfach die größere Lobby besaßen als zum Beispiel die klientenzentrierte Psychotherapie nach Rogers (bitte nicht „Gesprächspsychotherapie“, das ist hierfür ein m.E. irreführender Begriff, da alle Psychotherapien in erster Linie „Gesprächstherapien“ sind) – welche damals in der Psychotherapieforschung als ähnlich effektiv eingeschätzt wurde.

          hat die kognitive Therapie bei Depressionen

          Die bekannten kognitiven Ansätze nach Aaron Beck (seine Tochter hat das bessere Übersichtsbuch geschrieben) sowie Ellis (RET: rational-emotive Therapy) sind der Verhaltenstherapie zuzurechnen, welche ja auch eigentlich kognitive Verhaltenstherapie (KVT bzw CBT) heißt.
          Die früher durch harte Grabenkämpfe geprägten Grenzen zwischen den Schulen verschwimmen glücklicherweise zunehmend und es werden systemische Ansätze wie auch interpersonelle bzw. klientenzentrierte Ansätze in KVT-Ausbildungen mit aufgenommen.

          Interessante Ansätze die sich verschiedener Schulen bedienen sind hier beispielsweise Focusing (steht auch in der Tradition Rogers), CBASP und IPT bei chronischer bzw akuter Depression, die Schematherapie nach Joeffrey Young, DBT (insbesondere Borderline-Persönlichkeitsstörung) nach Linehan oder die dem Zen-Buddhismus entlehnte MBSR.
          Alle abgesehen vom Focusing-Ansatz werden vorwiegend von Verhaltenstherapeuten praktiziert und sind auch dementsprechend von den Kassen anerkannt.

        • Nachtrag:
          Aus der Angst- und Traumatherapie wäre vielleicht noch das stark gehypte EMDR zu nennen, das auf dem Rumfuchteln mit dem Finger basiert. Ich halte es angesichts der fragwürdigen Wirkhypothesen zwar nach wie vor für Voodoo, aber die Effektivität ist recht gut abgesichert.

          Zu der soziologischen Kritik an Psychotherapie im allgemeinen weiter oben komme ich leider nicht…dazu ließe sich stundenlang ergebnislos diskutieren.
          Ambivalenz trifft es schon gut, ich würde es vielleicht auch eine etwas differenziertere Ansicht nennen, da man als Psychologe ja im Spannungsfeld zwischen sozialwissenschaftlichem und biomedizinischem Zugang sozialisiert wird.

        • EMDR war die Methode, die meine Dozentin vorgestellt hat.

          Voodoo? Naja. Nur weil man noch nicht weiß, wie etwas funktioniert, heißt das ja nicht, dass es direkt Unsinn ist.
          Ich kann mir vorstellen, dass sowas einen Insider wahnsinnig macht, aber zuerst kann man sich doch mal freuen, was wirksames gefunden zu haben.
          Was natürlich nicht heißt, dass man nicht weiter forschen sollte, woraus diese Wirksamkeit resultiert. Daraus könnten sich ja durchaus noch viel bessere Behandlungsmethoden entwickeln.

          Leider hab ich kein Trauma (zumindest keines, an das ich mich erinnere), daher nützt mir das auch nicht viel.

        • Danke David.

          Hättest Du noch ein paar Infos ganz speziell zur Psychotherapie bei Depression, also, welche Ansätze es da gibt, inwiefern die Wirksamkeit dieser Ansätze in der Psychotherapieforschung bereits erforscht wurde und was die Ergebnisse dazu sind.

          Ich komme leider erst in den nächsten Tagen dazu, mal genauer nachzurecherchieren, fände es aber schön, wenn wir hierzu noch ein paar Infos zusammenkriegen würden, so dass dieser Diskussionsstrang diesbezüglich noch zu ein paar konstruktiven Inhalten geführt hätte.

        • Wie gesagt die bekanntesten Ansätze sind die kognitiven Ansätze nach Beck und RET nach Ellis. Die moderneren sind IPT, Schematherapie und CBASP, wobei die letzteren beiden aus den USA kommen und in Deutschland derzeit noch ausgiebig in multizentrischen Studien evaluiert werden. Was mir noch einfiele wäre Focusing und BOP, FFT (systemisch) , welche aber in der Regel nicht unbedingt von Verhaltenstherapeuten praktiziert werden.
          Aus der KVT ist ein klassischer, störungsunspezifischer Ansatz noch die Selbstmanagment-Therapie, allgemein wird natürlich jeder Therapeut auch verhaltensnah und an Emotionen arbeiten, also auch Analyse von dysfunktionalem Verhalten, Aufbau von Positivem Verhalten, evt. Exposition, Aktivitätsaufbau.

          Psychotherapieforschung gibt es natürlich zu all diesen Ansätzen tonnenweise, halten können sich nur Verfahren, die ihre Wirksamkeit theoretisch und empirisch gut absichern können, dabei sind die Anforderungen an die Methodik solcher Wirksamkeitsstudien extrem hoch und stark standardisiert (siehe RCT-Standards).

          Ich hab selbstverständlich nicht alle Zahlen im Kopf und da es verschiedene Formen der Depression gibt, kann ich auch nicht per se sagen, welcher Ansatz jetzt die größten Effektstärken nachweisen kann.

          Hautzinger als der wohl aktuell bedeutendste deutsche Vertreter der KVT gibt einen ganz guten Überblick, spontan habe ich das gefunden:
          http://www.aeksh.de/akademie/Hautzinger.pdf

          Kurzfristig schlagen über 50% auf KVT an, langfristig ist die Wirksamkeit sowieso jeder Pharmakotherapie klar überlegen.
          Gibt aber auch verschiedene Moderatoren und Outcome-Variablen (Remissions und Rückfallrate nach X Monaten, Anzahl der Symptome, Global Assessment of Functioning etc.) in der Therapieforschung, dementsprechend auch ganz unterschiedliche Angeben je nach Studie über die Effektstärke.

        • @Robin: Persönlich hab ich mit Verhaltenstherapie die besseren Erfahrungen gemacht. Psychoanalytiker gesammelt schlechte Erfahrungen.

          Wenns nicht so schnell geht mit dem Platz finden helfen Gespräche mit vertrauten Personen auch temporär. Dann mal alles Gute.

  5. So, da ich heute schon wieder, wie des Öfteren in den vergangenen Tagen, Mitleser unbeabsichtigterweise gegen mich aufgebracht habe, gehe ich mal in mich und komme mit guten Vorsätzen im neuen Jahr zurück.

    Guten Rutsch allerseits! 😉

  6. Das ist doch eine Frage des Umgangs mit den Dingen und Widerständen in dieser Welt die einem traurig ‚machen‘ und die man nicht ändern kann.
    Es hilft nicht unbedingt sich ein ‚positiveres‘ Welt und Menschenbild zuzulegen, weil man damit tatsächliches (privates oder gesellschaftliches) Unglück bagatellisiert.
    Gleichzeitig sollte man aufpassen das man es durch gewisse Faktoren (Kognitionen) nicht noch schlimmer macht.

    Die Herausforderung besteht also darin für sich eine emotionale Kompetenz zu entwickeln, man der man lernt gewisse Dinge AUCH einfach zu ertragen.

  7. @Christian

    Du schreibst:

    Mich überzeugt da eher der erste Teil. Ich denke, dass Feminismus gerade für depressive Menschen eine besondere Anziehungskraft haben kann. Es erlaubt einem, sich in der Schlechtigkeit der Welt zu wälzen, es erlaubt einem gleichzeitig vielleicht das Gefühl zu haben, an den Problemen zu arbeiten. Ich denke auch, dass Leute mit einer gewissen Disposition für Depressionen hier ein Denken annehmen, dass immer weiter in einer Depression führt, weil IDPOL eine Abwärtsspirale erzeugt und nicht erfüllbare Anforderungen aufstellt.

    Kommentar:

    Ich fiinde ich Deine These und das Thema krud: Aus 2 Blogs (zwei) ziehst Du offenbar bereits den Schluss, dass Leute, die den Feminismus gut finden oder diesen präfererien, vermehrt depressiv sein könnten. Gibt es hierzu repräsentative Untersuchungen: im Längsschnitt und Querschnitt und zwar global? Abgesehen davon, könnte man auch sagen, dass analog Männerrechtler, Tierschützer, Friedensbewegte, Verkehrssicherheitsfanatiker, Gesundheitsapostel, quasi alle, die sich irgendwie für gesellschaftspolitische Themen einsetzen, sich in der Schlechtigkeit der Welt wälzen: Du übrigens eingeschlossen! Die Schlechtigkeit der Welt ist bei Dir offenbar der Feminismus und dann noch viele andere Dinge, die nicht gerade auf dem evolutionsbiologischen Mist gewachsen sind. 🙂

    • Das ist das übliche Abwehrargument: DEN Feminismus oder DIE Frauen gibt es nicht, zumindest wenn sie kritisiert werden. Wenn es darum geht Forderungen zu stellen, sieht das schon ganz anders aus.

      Um die ganze Welt als feindselige Verschwörung gegen sich selbst zu erleben wie z.B. Nadine Lantzsch es tut, muss man sich schon in einem außergewöhnlichen psychischen Zustand befinden, der der Depression ziemlich ähnlich sieht.

      • „Um die ganze Welt als feindselige Verschwörung gegen sich selbst zu erleben wie z.B. Nadine Lantzsch es tut, muss man sich schon in einem außergewöhnlichen psychischen Zustand befinden, der der Depression ziemlich ähnlich sieht.“

        Was hat Depression mit paranoiden Vorstellungen und/oder Projektion am Hut? Wer reflektiert ist, wird nicht depressiv oder wie?

  8. „Es erlaubt einem, sich in der Schlechtigkeit der Welt zu wälzen, es erlaubt einem gleichzeitig vielleicht das Gefühl zu haben, an den Problemen zu arbeiten.“

    Oha, das ist wirklich etwas krude. Hier werden doch verschiedene seelische Krankheitsbilder durcheinandergeworfen. Depression hat doch erstmal nichts damit zu tun, die Schuld bei anderen zu suchen oder keinen Realitätssinn zu haben. Nach der Vorstellung dürften Manisch-Depressive eigentlich gar nicht existieren bzw. eine manische Phase hätte keinen Krankheitswert.

  9. @Christian
    „Aber es wäre vielleicht besser für die Depressiven, wenn sie sich eine positivere Weltsicht zulegen würden.“

    Das erinnert mich auch an bisschen an deine Empfehlungen an Männer, die wenig Erfolg bei Frauen haben: Ein paar Änderungen des Verhaltens bzw. der inneren Einstellungen, und alles geht schon viel besser. Allerdings hast du ja selbst offenbar gute Erfahrungen gemacht mit dieser Devise. Auf viele – mich eingeschlossen – wirkt es aber zu oberflächlich. Deshalb wohl die vielen kritischen Kommentare.

  10. Vielleicht sollte man den depressiven Femis mal die Evo-psy-Herleitung von Depressionen verklickern. 😉

    What is the practical value of evolutionary psychology?
    […]
    One practical application is in the field of clinical psychology. The evolutionary clinical psychologist Steve Ilardi has developed effective treatment for depression based on what he has hypothesized to be plausible mismatches between ancestral and modern environments. In ancestral times, people spent much of their day outdoors in sunshine, engaging in high-activity tasks such as hunting, gathering, building shelters, making tools, and tending to children. They lived in small tightly knit groups rather than isolated nuclear families. And their diets differed from most modern diets. His six-step treatment for depression includes increasing omega-3 fatty acid consumption, getting at least 30 minutes of daily exposure to sunlight, ramping up exercise, socializing daily with friends and family, engaging in antiruminative activity, and adopting patterns of good sleep hygiene—all procedures designed to mimic ancestral living conditions. This evolution-based therapy has produced a 14-week success rate of 75.3%, defined as a greater than 50% reduction in depressive symptoms, compared with a 22% success rate for a waitlist control group (Ilardi et al., 2007).

    These results do not imply that depression was absent in ancestral times. Indeed, there is evidence that some forms of depression (or low mood) may serve different adaptive functions, such as disengaging from strategies that are not working, aiding people to be more objective in reassessing their goals, signaling to loved ones that they are in need of help, or conserving energy. Nonetheless, rates of depression appear to have increased dramatically in the modern environment. A deeper evolutionary understanding of the common modern problem of depression, including its possible functions as well as the ways in which mismatches between ancestral and modern environments exacerbate it, can lead to better prevention and treatment. Although clinical applications are just beginning, evolutionary psychology is starting to yield practical benefits from clinical treatment and lifestyle recommendations.

    http://homepage.psy.utexas.edu/homepage/group/busslab/pdffiles/evolutionary_psychology_AP_2010.pdf

    • Naja, diese Art Behandlung setzt im Prinzip voraus, dass schon die „Heilung“ eingetreten ist, wenn ich mir die erforderliche Energie vorstelle, um ein solches Pensum zu verwirklichen.

      • @ Dummerjan

        *Naja, diese Art Behandlung setzt im Prinzip voraus, dass schon die “Heilung” eingetreten ist,…*

        Nicht unbedingt.

        Omega-3-Fettsäurenkomsuption und Sonnenlicht verändern die Gehirnchemie.

        Ich muss nur die Diät des Kranken umstellen und ihn vor die Tür treten, wenn er nicht selber WOLLEN kann.

        Ähnliches gilt für’s Spazierengehen, für körperliche Aktivität.

        All das wird der Kranke nicht von sich aus starten, aber mittels Anleitung durch eine Vertrauensperson, die ihn an der Hand nimmt, schon.

        Ist er erst einmal in Trab gebracht, verändert auch das seine Hirnchemie und am Ende des Prozesses ist er stimmungsaufgehellt genug, sich selbst zu motivieren, kann wieder selbstständig leben.

        Die Vertrauensperson kann ein Verwandter sein, ein Lebenspartner, der Psychologe/Arzt, eine dominante Krankenschwester, die in Strapsen und BH mit der Peitsche knallt (funktioniert in der Regel allerdings nur bei männlichen Privatpatienten, aus Kostengründen. Bei Kassenpatienten übernehme ich die Motivation – mit vorgehaltener Waffe).

  11. „Aber es wäre vielleicht besser für die depressiven, wenn sie sich eine positivere Weltsicht zulegen würden.“
    Ich kann gut verstehen, dass Robin auf den Satz so aggressiv reagiert. Die eigene Weltsicht ist sicher nichts worüber man die volle Kontrolle hat. Man kann sich nicht eine positivere Weltsicht zulegen wie ein neues Fahrrad. Du unterstellst hier also Feministen eine Kontrolle, die sie vermutlich gar nicht haben. Depressiven scheint es ähnlich zu gehen, man unterstellt ihnen sich einfach so gegen ihre Depression entscheiden zu können, wenn sie denn wollten. Daher finde ich den Satz daneben und oberflächlich.

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