Feministische Flügelkämpfe

Seitdem die Mädchenmannschaft queerfeministisch und poststrukturalistisch geworden ist und in dieser Ausrichtung immer radikaler wurde, werden die internen Flügelkämpfe deutlicher geführt.

Ein weiterer Beitrag kommt nunmehr von Opalkatze in „Frauen und Blogs: Die Rückkehr zur Normalität„:

Es war dieser neue, dogmatische Ton, der eine Zeitlang die gesamte Feminismusdebatte im Netz bestimmt und mich abgestoßen hat. Ich wollte mir nicht anhören, was ich erst mal alles lesen müsse, um überhaupt mitreden zu dürfen. Die akademische Diskussion ist wichtig, sollte aber an entsprechender Stelle stattfinden und nicht Frauen ausschließen, die sich mit dem ganz alltäglichen Wahnsinn der Geschlechterdebatte auseinandersetzen wollen. Eine neue, unabhängige Plattform dieser Art gibt es meines Wissens nicht, obwohl auf einzelnen Blogs weiterhin sachlich und allgemein verständlich diskutiert wird. Dabei wäre sie dringend notwendig. (…)

Ich habe absolut keine Lust, mich auf Debatten über Feminismus einzulassen, die sich nicht im Geringsten mit lebendigen, atmenden Frauen beschäftigen oder nur den Versuch machen, sie mitzunehmen. Für mich ist die Durchschnittsfrau eine, die Alltagsprobleme hat, und wenn die mit ihrem Frausein zusammenhängen, braucht sie Lösungen, und keine 50 Bücher oder ein Soziologiediplom. Sie braucht Rückendeckung, Selbstbewusstsein und ganz normalen Hausverstand. Man kann tatsächlich nützliche Strategien entwickeln, ohne jemals von Gender Studies gehört zu haben.

Das scheint mir ein Wunsch nach der Rückkehr zum untheoretischen Feminismus zu sein, was sich indirekt wieder in der Art der Kritik niederschlägt: Es sind eher Sticheleien und eine gewisse Entäuschtheit, aber keine wirkliche inhaltliche Kritik an der dortigen Theorie: Die Gründe, aus denen heraus diese Theorien so schädlich und zur Spaltung einladend sind werden innerhalb dieser Kritiken nicht aufgegriffen.

Aus der Ecke der Mädchenmannschaft kam von dem Blog Shehadistan eine Antwort:

“Man kann tatsächlich nützliche Strategien entwickeln, ohne jemals von Gender Studies gehört zu haben.” Nah, selbstverständlich! Und wir, sowie auch viele unserer Kolleg_innen, die zwischen Hassnachrichten und ungefragten Besserwisserei-Lektionen jeden Tag so ziemlich alles auf`s Butterbrot geschmiert kriegen, die zudem nicht alle Gender Studies studieren oder studiert haben, können auch mal beschließen, dass wir uns das mit der Höflichkeit™ einfach mal in die Haare schmieren. Weil auch wir tatsächlich nützliche Strategien haben mit all dem umzugehen, ohne beide Wangen gleich zwanzigtausendmal zum draufklatschen hinzuhalten, immer und immer und immer wieder.

Man betont also, dass man es einfach nur satt hat die andere Wange hinzuhalten und deswegen auf diese Weise agiert. Die unterschiedlichen Vorstellungen werden auch hier nicht angesprochen.

Aus meiner Sicht wäre es eher hilfreich, wenn man sich mal trauen würde, die tatsächlich bestehenden theoretischen Differenzen und die Gründe, aus denen man die anderen Theorien ablehnt konkret zu benennen. Aber das wäre wohl zuviel Streitkultur für eine solche auf Konsens ausgerichtete Bewegung.

12 Gedanken zu “Feministische Flügelkämpfe

  1. @Christian

    Du schreibst:

    Aus meiner Sicht wäre es eher hilfreich, wenn man sich mal trauen würde, die tatsächlich bestehenden theoretischen Differenzen und die Gründe, aus denen man die anderen Theorien ablehnt konkret zu benennen. Aber das wäre wohl zuviel Streitkultur für eine solche auf Konsens ausgerichtete Bewegung.

    Kommentar:

    Ev. solltest Du nicht immer nur feministische Blogs lesen, sondern auch feministische Zeitschriften oder wissenschaftliche Artikel oder wissenschaftliche Bücher, hier wäre zum Beispiel einer:

    „Die Verhältnisse gingen und die Kategorien kamen. Intersectionality oder Vom Unbehagen an der amerikanischen Theorie
    Tove Soiland“

    http://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/694/702

    Soll heissen: Ich vermute, die theoretischen Differenzen sind wahrscheinlich längst auch herausgearbeitet und reflektiert worden (jedoch wahrscheinlich nicht in den Blogs, weil dort m.E. kaum jemand grösseres theoretisches Wissen und Interesse hat) und somit würde ich eben vermuten, dass es eben einen wissenschaftlicher Diskurs (im Sinne von Habermas) innerhalb des feministischen Zirkels gibt und man nicht pauschal von fehlender Streitkultur sprechen kann. Ich könnte mir vorstellen, dass die Wagenburgen zwischen einerseits Naturwissenschaften und andererseits Sozial- und Geisteswissenschaften viel extremer sind, als die zwischen Genderwissenschaft und anderen Geistes- und Sozialwissenschaften.

      • Logo! Das lässt die linken Herzen höher springen! Und jetzt darfst Du Dir einen Keks holen! 😀

        Äussert gerne lese ich übrigens die Zeitschrift krr (kultuRRevolution) – Zeitschrift für angewandte Diskurstheorie – herausgegeben von einem meiner Lieblingsintellektuellen (Jürgen Link): Im neusten Heft geht es übrigens um Folgendes:

        „wieviel kultuRRevolution am mittelmeer?“

        „Heft 21 der kRR (Juli 1989) hatte den Titel: »Kulturrevolution: Brav gewühlt?“ Es bezog sich auf die letzten großen und populären Studentinnenstreiks hierzulande, besonders an der FU Berlin, im Wintersemester 1988/1989, und es zitierte natürlich das berühmte Schlusskapitel des Brumaire-Essays: „Aber die Revolution ist gründlich. Sie ist noch auf der Reise durch das Fegefeuer begriffen. Sie vollbringt ihr Geschäft mit Methode. Bis zum 2. Dezember 1851 hatte sie die eine Hälfte ihrer Vorbereitung absolviert, sie absolviert jetzt die andere. […] Und wenn sie diese zweite Hälfte ihrer Vorarbeit vollbracht hat, wird Europa von seinem Sitze aufspringen und jubeln: Brav gewühlt, alter Maulwurf!“ Der damalige Titel zitierte nicht bloß eines der bekanntesten Kollektivsymbole von Revolution, das später von Jacques Derrida in Spectres de Marx im Kontext des Hamlet und Hegels dekonstruktiv gelesen wurde, sondern signalisierte speziell das Projekt der kRR, gleichzeitig analytisches und theoretisches Labor wie engagiert-praktisches Instrument zu sein. Diese beiden Aspekte wirklich engzuführen, ist fast so schwierig wie die Engführung einer Fuge. Die Schwierigkeiten sind zum Teil immanent: Gute Analysen setzen gute Fragestellungen und gute Antworten voraus – nützliches Engagement erfordert gute Darstellung und gute kairologische Zielung. Aber zum Teil sind die Schwierigkeiten einfach extern und historisch: „Wozu Dichter in dürftiger Zeit?“ fragte Hölderlin – appliziert: Wozu kulturrevolutonäre Theorie in scheinbar solide normaler Zeit? (Nur scheinbar solide normal natürlich.)

        Aber seit 2008 behauptet niemand mehr, die Zeiten seien solide normal. Anders gesagt. Jetzt laufen die Maschen der Denormalisierung, jetzt proliferieren kulturrevolutonäre Drives südlich und nördlich des Mittelmeers, jetzt hat sich der Kairós des Projekts kRR weit geöffnet. Das klingt pathetisch, aber der springende Punkt ist gerade, dass es die aktuelle Situation lediglich ohne Pathos kennzeichnet.

        Diese Situation überfordert viele Intellektuelle, zumal in der ersten Zeit nach „Ausbruch“ der Großen Krise. Maria Corredera erzählte (zusätzlich zu ihrem Beitrag in diesem Heft), dass ein spanischer Intellektueller auf die Frage eines internationalen Mediums: „Was denken Sie über die Bewegung des 15. Mai?“ – antwortete: „Ich sage gar nichts, ich denke gar nichts darüber“. Die sich darin äußernde Überforderung muss natürlich überall aufkommen, wo in intellektuellen Denksystemen und Konzepten Ereignisse wie Denormalisierung, Große Krise, Antagonismus oder gar Kulturrevolution längst und spätestens 1989 „ab-gehakt“ worden waren und statt dessen „Konsumistische Manifeste“ in die Welt gesetzt wurden. Dies ist keine Zeit für „Konverter“.

        Ein bisschen mit dieser intellektuellen Situation hing es auch zusammen, dass dieses Heft verspätet erscheint, dafür aber ein Doppelheft werden musste. Es dauerte länger als zuerst erwartet, authentische Beiträge von in den Bewegungen Engagierten zu erhalten, die die theoretischen mit den praktischen Aspekten verbinden, wie es nun gelungen ist. Es gibt ja auch einen ehrlichen und begründeten Einwand gegen ein solches Projekt: Wie kann man enorme kulturrevolutionäre Prozesse beschreiben wollen, die in wilder Bewegung sind, denen gegenüber die Distanz fehlt, weil wir selbst mitbewegt werden? Daran ist richtig, dass es nur um Versuche („Essays“) gehen kann. Doch hat die kRR seit 1982 einige Instrumente (wie die Kollektivsymbol- und die Normalismustheorie) entwickelt, die im scheinbaren Chaos der Aktualität einige prozessuale Strukturen zu sehen erlauben. und die darüber hinaus verschiedene Fäden des gordischen Knotens (nur Notstandsdiktatoren zücken angesichts des Knotens das Schwert) zu entwirren erlauben. Es geht um sehr viele „Verknotungen“ von Denormalisierungen ökonomischer, technischer, sozialer, politischer, militärischer, immer wieder kultureller und dabei natürlich diskursiver und subjektbildender, besonders auch religiöser (Islam) Art. Ungewollte Denormalisierungen des Kapitalismus und seiner Stabildemokratie und gewollte Denormalisierungen der kulturrevolutionären Bewegungen. Nur einige dieser Verknotungen werden in diesem Heft unter die Lupe genommen. So die zwischen Bewegungen und Popkultur (am Beispiel der Guy-Fawkes-Maske: Oliver Kohns). Hier werden Taktiken der Diskursguerilla, wie sie von den frühen Zapatistas eingesetzt wurden (dazu der Artikel von Anne Huffschmid in kRR 41/42 von 2001), erneut virulent. Ähnliche Formen proliferierten (und proliferieren weiter) auf allen „Tahrirs“. Die Verknotung zwischen der prekären Funktionsweise digitalisierter metro-politaner Ballungsräume und ihrer direkt-demokratischen Blockade beschreiben am Beispiel Athen Margarita Tsomou, Vassilis Tsianos und Dimitris Papadopoulos. Dabei geraten die Eliten der Stabildemokratie angesichts von atomisierten Massen, die sich plötzlich selbständig associieren, in Panik und sehen Monstren. Aber die Monstren praktizieren direkte Demokratie ganz konkret (und ohne Geld, mit Gebrauchswerttausch). (Wir danken den Autoren und der Zeitschrift DISSjournal für die Erlaubnis, diesen Bericht hier noch einmal publizieren zu können.)

        Eine entscheidende Verknotung ist die zwischen den von der Ökonomie ausgelösten ungewollten Denormalisierungen und den gewollten der Bewegungen. Dabei erweist sich die Analyse nach Normalitätsklassen als hochgradig relevant (dazu der Beitrag von Jürgen Link): Die Südküste des Mittelmeers will „aufsteigen in einer höhere Liga“ – die Nordküste soll „absteigen in eine niedrigere Liga“, weil sie „über ihre Verhältnisse gelebt“ haben soll. Daraus entstehen ähnliche „Monstren“ wie in Athen – nur auf einem interkontinentalen Feld.

        Die vertrackteste Verknotung betrifft die zwischen Kulturrevolution und Islam. Es würde nichts nützen zu versuchen, um den Brei zu reden und dem potentiell schweren Klotz namens Islam am Bein der nordafrikanischen Bewegungen auszuweichen. Er ist überall in diesen Bewegungen präsent. Khadija-Katja Wöhler-Khalfallah versucht, aus der Perspektive einer engagierten Frau sowohl dem revolutionären Potential gerecht zu werden als auch ihre große Sorge vor der Abwürgung dieses Potentials durch alle islamischen Gruppen, die sie als fundamentalistisch bezeichnet, klar und deutlich zu formulieren. Eine wie auch immer dogmatisch begründete Unterdrückung der Frauen würde die Bewegungen insgesamt töten. Der Knoten dieser beiden Tendenzen bildet das „enjeu“, den Einsatz des Kampfes, der Bewegungen. Wenn man die Frage aus kulturrevolutionärer Perspektive stellt, lautet sie: Wie stark kann man das Potential von Kulturrevolution einschätzen, historische Traditionen zu verwandeln?

        Hierzulande ist deshalb die historische Rekonstruktion und Diskursanalyse des westlichen „Orient“-Bildes (wovon das westliche Islambild einen Teil bildet) weiterhin eine dringende Priorität. Dazu hat schon das Heft kRR 10 von 1985 („Fata Morgana Multikultur?“) Beiträge geliefert, die jetzt hilfreich sein können. Darin ging es bereits um die Islam-Faszination der deutschen Klassik bei Lessing und Goethe. Das ist nur die Spitze eines riesigen Eisbergs. Wer würde es für möglich halten, dass schon in den orientalischen Märchen von Wilhelm Hauff von 1826 die saudische Dynastie und der Wahhabismus, jene in jeder Hinsicht schwärzeste fundamentalistische Bedrohung von heute, als Motive verwendet sind? Im „Märchen vom falschen Prinzen“ ist der Prinz, dem seine Identität durch einen Schneider gestohlen wird und der sie natürlich am Ende zurückgewinnt, der saudische Kronprinz. Von seinem auf den Betrug hereinfallenden Vater heißt es: „Der fürstliche Greis war Saaud, der Sultan der Wechabiten.“ Hauff, dessen Vater für Napoleon gekämpft hatte, hatte den Ägyptenfeldzug und das dadurch in die Rheinbundstaaten gebrachte Wissen über den Orient genauestens studiert. So ist Napoleon einer der Helden seiner Orientmärchen („Die Geschichte Almansors“) und der Ägyp-tenfeldzug west-östliches Hauptmotiv des Rahmens dieses Märchenzyklus. Über Goethes positive Sicht eines (stark sufitisch getönten und pluralisierten) Islam als Symbol der spinozistischen Weltsicht handelte unser voriges Heft (kRR 60) in Auseinandersetzung mit der militant-pauschalen „Islamkritik“ Sarrazins und seiner Sympathisanten. Daraus folgt die Einsicht: Nicht bloß laizistische Illusionskritik kann eine Religion pluralisieren – gerade auch symbolische und poetische Lektüre kann das. Die kRR kann den Be-wegungen dazu ein „Labor“ anbieten.

        Die Diskursanalyse der verschiedenen Diskurspositionen in den Bewegungen am südlichen Mittelmeer muss sich vor allem auf die binären Reduktionismen beziehen, in deren Zange diese Bewegungen schlimmstenfalls zu scheitern drohen. Der bekannteste dieser Binarismen heißt: Islam vs. westliche Auf-klärung, politisch gefasst Islamismus vs. westliche Stabildemokratie. Wenn die Alternative so gestellt wird, wird sich niemand darüber wundern können, dass große Teile der armen Bevölkerungen sich auf die „islamische“ Seite schlagen werden. Hier ist also ganz dringend das Prinzip der kRR „WNLIA“ (Weder-noch lieber irgendwie anders) gefragt. Das bedeutet auf dieser Seite des Mittelmeers. historische Aufklärung über die Fundamentalismen (Khadija-Katja Wöhler-Khalfallah) und gleichzeitige Kritik einer „Islamkritik“, die sich mit Sarrazin vebündet hat (dazu ausführlich das vorige Heft 60 der kRR). Es gilt, den kulturrevolutionären Pluralismus in alle Religionen einschließlich des Islams hinein proliferieren zu lassen, damit sich alle „dicken Klötze“ auflösen. Auf den groben Klotz der Fundamentalismen gehört eben nicht der ebenso grobe Klotz eines fundamentalistischen Laizismus der Dritten Französischen Republik, sondern die auflösende Energie der Tahrir-Bewegungen: Brav gewühlt, alter Maulwurf!

        *

        Neben dem Schwerpunkt zu den Kulturrevolutionen nördlich und südlich des Mittelmeers führt dieses Doppelheft einige der durchgängig im Fokus von kRR stehenden Themenkomplexe weiter. So knüpft Wilhelm Amann an die Schwerpunkte zur Börsensymbolik an und geht denjenigen antiken Mythen und Mythenfiguren nach, die im Kontext der neu-alten Wirtschaftskrise ver-mehrt genutzt werden, um komplexe ökonomische Vorgänge an Bildungswissen zu koppeln, was durchaus nicht immer friktionslos geschieht. Samuel Sieber am Beispiel des Wahlkampfs in der Schweiz nach der zwiespältige Beziehung von Politik und Medien, denn auf der einen Seite droht die Politik hinter ihren medialen Inszenierungen zu verschwinden, auf der anderen erscheinen gerade die neuen Medien als vielversprechende Vehikel kulturrevolutionärer politischer Interventionen, wie in Nordafrika. Rolf Parr zeigt die spezifische Form rotierender Praktikenintegration Walter Höllerers im Feld von Literatur, Universität und Medien auf, die nicht zuletzt eine der wichtigeren Basen für die Etablierung kultur- und medienwissenschaftlicher Institute und Studiengänge aus der Germanistik heraus darstellte und sich vereinfachend auf die Formel ››Autor plus Wissenschaftler plus Medien minus Politik gleich Intellektueller im Literaturbetrieb‹‹ bringen lässt.

        Den Abschluss des Heftes bilden eine Reihe von Rezensionen zu Titeln, die auf je verschiedene Art für das Feld der angewandten Diskursanalyse und damit für kRR einschlägig sind, mal als einschlägiges Material, mal als theoretisches Instrumentarium der Analyse (Clemens Kammler zur Foucault-Biografie von Michael Fisch, Thomas Schwarz zum Manifest der indischen Aktivistin Arundhati Roy für die
        Ureinwohner Indiens und Wilhelm Amann zu jener Form von ›Public Private Partnership‹, mit der sich finanziell angeschlagene Kommunen am eigenen Schopfe aus der Misere ziehen wollten, die inzwischen aber eher als eine Form von ›Heuschrecken‹ im öffentlichen Raum wahrgenommen werden, die an der Umverteilung von öffentlichem in privates Vermögen arbeiten).“

        • @ Chomsky

          *Aber seit 2008 behauptet niemand mehr, die Zeiten seien solide normal. Anders gesagt. Jetzt laufen die Maschen der Denormalisierung, jetzt proliferieren kulturrevolutonäre Drives südlich und nördlich des Mittelmeers, jetzt hat sich der Kairós des Projekts kRR weit geöffnet. Das klingt pathetisch, aber der springende Punkt ist gerade, dass es die aktuelle Situation lediglich ohne Pathos kennzeichnet.

          Diese Situation überfordert viele Intellektuelle,…*

          Ganz unpathetisch, kurz und knapp:

          Die Kulturrevolution südlich des Mittelmeeres ist eine Konterrevolution aus der kRR-Perspektive.

          Das zu erkennen – vorhersehbar wie es war! – überfordert in der Tat unsere linksverblödete Intellegentsia und Journaille in ihren nicht mal mehr elfenbeinernen Diskursbruchbuden.

          Der Kairos der Stunde, der kulturelle Drive nördlich des Mittelmeeres, die Denormalisierung, die uns hier bevorsteht, der kommende Aufstand, von dem viele träumen, er wird ein konterrevolutionärer sein.

        • @ Chomsky

          Ist der Herr Link denn wenigstens katholisch?

          Oder überhaupt auch nur getauft?

          Aber mein Missionseifer hält sich ohnehin arg in Grenzen.

          Sonst wäre ich am Ende noch Kapuziner geworden.

  2. Die bestehenden theoretischen Differenzen und die Gründe, aus denen man die anderen Theorien ablehnt werden deshalb nicht diskutiert, weil zumindest eine Seite einen völlig relativistischen Standpunkt vertritt, der gar keine rationale Begründung zulässt (bzw. jeden versuch einer solchen als wieder nur einen Ausdruck spezifischer „Macht“ verwirft).

    Sprich: man müsste ja einen gemeinsamen Standard der Argumentation haben, bzw. sich auf einen Wahrheitsbegriff einigen können, um die Problematik aiszudiskutieren. Und auf der basis des Foucaultschen Macht-Relativismus ist das nicht möglich. Habermas hat schon in den 80er Jahren darauf hingewiesen, und seitdem weichen die Diskurstheoretiker jeder Grundlagendiskussion systematisch aus.

    Stattdessen errichte man eine Drohkulisse, die abweichende Meinungen einfach moralisch diskreditiert werden. Erstaunlicherweise ein relativ erfolgreiches Verfahren.

    • Stattdessen errichte man eine Drohkulisse, die abweichende Meinungen einfach moralisch diskreditiert werden. Erstaunlicherweise ein relativ erfolgreiches Verfahren.

      Das hat man wohl schon lange vor dem „linguistic turn“ getan.

  3. Wenn ich all die mir ans Herz gelegten (besser, die mir anbefohlenen) Bücher gelesen hätte, wäre ich jetzt nicht unsicher, ob ich El_Mocho Recht geben kann. Vielleicht meint er ja auch das Gegenteil.

  4. Das scheint mir ein Wunsch nach der Rückkehr zum untheoretischen Feminismus zu sein, was sich indirekt wieder in der Art der Kritik niederschlägt: Es sind eher Sticheleien und eine gewisse Entäuschtheit, aber keine wirkliche inhaltliche Kritik an der dortigen Theorie: Die Gründe, aus denen heraus diese Theorien so schädlich und zur Spaltung einladend sind werden innerhalb dieser Kritiken nicht aufgegriffen.

    Einen untheoretischen Feminismus gibt es nach meiner Aufassung nicht: Wenn ich der Auffassung bin, dass es einer Veränderung durch eine politischen Bewegung bedarf, dann muss sich das ja auf ein System von Weltanschauungen und Werten stützen. Ebenso muss mir wohl eine Strategie vorschweben, wie ich mein Ziel erreiche. Sonst macht der Begriff „Feminismus“ einfach keinen Sinn.

    Wer meint, hinter seinem Feminismus stecke keine Theorie, der kennt sie nur meistens einfach nicht. Feminismus bzw. Frauenbewegungen gibt es ja nun schon seit mehr als hundert Jahren, es existiert kein kulturelles Vakuum, in dem sich einfach so mal neue Theorien herausbilden.

    (Ich kann ja auch nicht unbefangen ein neues Fahrrad erfinden: Das Bild eines real existierenden Fahrrades habe ich ja unweigerlich im Kopf, und das ist dann eben der klassische Diamantrahmen, der sich in einem Entwicklungsprozess als das Optimum herausgestellt hat. Sicher, neue Materialien und Anforderungen bringen vielleicht Neues hervor, allerdings sind das dann wohlbegründete Ableitungen vom Diamantrahmen)

    Die Strategie dabei kann natürlich sein, Leidensgenossinnen zu politischem Handeln zusammenzubringen: Auf dass sie sich über ihre Unterdrückungserfahrungen austauschen und dabei ein Bewußtsein für die politische Dimension des Ganzen erkennen Mögen („the personal is political“) – Die politische Taktik ergebe sich dann von selbst.

    Das ist wahrlich nix Neues, es geht wohl auf Mao Zhedong zurück.

    Vera Bunse scheint eine Neuauflage dieser Strategie aus den 1970ern vorzuschweben. Auf dem Weg ins verheißungsvolle Paradies des Untergangs DerMänner und eines noch nie dagewesenen Jahrtausends DerFrauen scheint ihr das Internet ungeahntes Potenzial zu bieten.

    Sie scheint mir eine gynozentische Radikalfeministin aus dem Bilderbuch zu sein, incl. des Fokus auf eine FrauenSubKultur.

    Die MM wiederum ist natürlich stark mit der Sau verbandelt, die gerade durchs Dorf des akademischen Feminismus getrieben wird. Da konstitutionieren natürlich Sprechakte Gewalt und Herrschaft. Für den klassischen Radikalfeminismus hatten Sprechakte eben noch nicht die herausragende Bedeutung. Auch wenn sie natürlich auch eine starke Regulierung von Kulturprodukten (z.B. Pornografie) anstrebten – das haben sie von der ersten Frauenbewegung geerbt.

    IDPOL ist imho beides, insofern sehe ich die Differenzen eher darin, dass die MM sich eben herausnimmt, auch „weiße Frauen“ mit den gleichen Kriterien zu belegen wie der klassische gynozentrische Radikalfeminismus dies mit „HetenMännern“ tut. Wo bleibt da das revolutionäre Kollektivsubjekt?

    • ..lustig finde ich ja sowas:

      Ich fühlte mich dennoch nicht wohl. Ich wollte lernen und wurde wegen meiner Hautfarbe unter einen Generalverdacht gestellt.

      Wenn die feminismusüblichen Muster, die sonst gegenüber Männern zum Tragen kommen, plötzlich auch gegen „weiße HetenCisFrauen“ angewandt werden, wird man eben empfindlich.

      Ansonsten hat man scheinbar erheblich weniger Probleme damit, einfach mal so eine ganze Gruppe unter Generalverdacht zu stellen.

      Sicher, das Wort „Privilegien“ kommt bei Katrin Rönicke eher selten vor, allerdings kann sie sich offenbar nur genau dann von diesem Konzept distanzieren wenn es gegen Frauen geht.

      Ansonsten findet sie z.B. Kimmel & Co voll okay, der sich ja ganz hervorragend auf dieses Kollektivschuldkonzept stützt.

      Auch den Andreas Kemper scheint sie voll in seinem Furor zu unterstützen, jegliche Artikulation der Tatsache dass es auch strukturelle Diskriminierungen gegen Männer gibt möglichst als rechtsextrem zu framen.

      Aber das wäre wohl zuviel Streitkultur für eine solche auf Konsens ausgerichtete Bewegung.

      Ich habe mittlerweile so meine Zweifel, dass es eine fehlende Streitkultur ist.

      Vielleicht ist es tatsächlich ein Genderdingens: Von Männern erwartet man eben, dass sie zu ihrem eigenen Geschwätz stehen. DasWeib ist eben ein komplexes Mysterium, dass tief mit Mutter Erde verwurzelt ist, seine Moral ist über solchen profanen Dingen wie vordergründige Maßstäbe und Logik erhaben.

      Es hat eben auch dann recht, wenn es gestern was ganz anderes erzählt hat: Mit männlicher Vernunft ist die tiefe Wahrheit der weiblichen Gefühle nicht zu ergründen.

      Es sind meistens eher Männer, die auf ihre Maßstäbe festgenagelt werden. Frauen dürfen dabei fast nach Belieben mit dem Zeigefinger herumfuchteln, offenbar ohne zu befürchten, dass die dabei aufgestellten Maßstäbe an sie selbst angelegt würden.

      (Die hier kommentierenden Feministinnen liefern dafür am laufenden Band Exempel)

      So schafft Frau dann selbst das „männliche Privileg“ des für voll genommen werdens, was aber nicht groß zu stören scheint.

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