Zum Verhältnis von Sprache und Realität bei Judith Butler

Leser El Mocho hat eine interessante Kritik an Judith Butler geschrieben, die ich gleich mal etwas prominenter herausstellen möchte:

Judith Butler ist bekannt für ihre Theorie, die sich „gegen die Annahme eines faktischen, materiellen körperlichen Geschlechts (wendet), das mit einem sozialen Konstrukt (gender) überschrieben wird. Sie geht davon aus, dass der Begriff des biologischen Geschlechts und der damit zusammenhängende Rekurs auf Naturalität selbst „eine kulturelle Norm, die die Materialisierung von Körpern regiert“ ist. (http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rper_von_Gewicht#Materialit.C3.A4t_des_Geschlechts)

Das da die Frage naheliegt, wer denn der Konstrukteur dieses Konstruktes sei, bzw. woher denn diese kulturelle Norm stammt, wenn sie schon bei der Identitätsbildung von Menschen ansetzt, also praktisch bevor diese überhaupt handelnd aktiv werden können, weiß Butler selber. Sie schreibt:

„If gender is a construction, must there be an “I” or a “we” who enacts or performs that construction? How can there be an activity, a constructing, without presupposing an agent who precedes and performs that activity? How would we account for the motivation and direction of construction without such a subject?“ (Bodies that matter, p. 7)

Und antwortet auf die Frage:

„I would suggest that it takes a certain suspicion toward grammar to reconceive the matter in a different light. For if gender is constructed, it is not necessarily constructed by an “I” or a “we” who stands before that construction in any spatial or temporal sense of “before.” Indeed,- it is unclear that there can be an “I” or a “we” who has not been submitted, subjected to gender, where gendering is among other things, the differentiating relations by which speaking subjects come into being. Subjected to gender, but subjectivated by gender, the “I” neither precedes nor follows the process of this gendering, but emerges only within and as the matrix of gender relations themselves.” (a.a.O.)

“Suspicion toward grammar” verstehe ich so, dass sie meint, die Grammatik würde uns zwingen, zu einem Verb (einer Tätigkeit) immer ein Subjekt (das die Tätigkeit ausführt) hinzu zu denken, obwohl dies in der Realität keineswegs notwendig wäre. Etwas später im Text heißt es entsprechend:

„Construction is neither a subject nor its act, but a process of reiteration by which both “subjects” and “acts” come to appear at all. There is no power that acts, but only a reiterated acting that is power in its persistence and instability.” (p. 9) und weiter:

“Construction is neither a single act nor a causal process initiated by a subject and culminating in a set of fixed effects. Construction not only takes place in time, but is itself a temporal process which operates through the reiteration of norms; sex is both produced and destabilized in the course of this reiteration.” (p. 10)

Für mich ergeben sich da ein paar fundamentale Fragen: Wie ist das Verhältnis von Sprache und Realität? Muss nicht die Realität der Sprache notwendig voraus gehen? Muss es nicht erst Menschen (und vor allem erst eine Welt, die zumindest so stabil ist, dass in ihr evolutionäre Prozesse ablaufen können) geben, bevor es Sprache geben kann? Ist nicht der Übergang von Nicht-Sprache zu Sprache höchst fließend, von den einfachen Signallauten niedriger Tiere bis zu den schon relativ komplexen Signalsystemen nichtmenschlicher Primaten? Und wenn dem so ist, ist dann nicht Sprache notwendig von der Welt konstruiert durch Evolution (indem sie einer bestimmten Spezies einen erheblichen Selektionsvorteil verschafft) und nicht umgekehrt?

Vielleicht kenn ich Butlers Werk nicht genug, aber in diesem Buch geht sie auf diese Fragen nirgendwo ein. Und andere Sozialkonstruktivisten tun dies auch nicht; ist dies nicht ein Schwachpunkt, an dem jeder Sozialkonstruktivismus scheitern muss?

Dies gilt aus meiner Sicht zumindest für radikale Formen des Sozialkonstruktivismus, die nicht nur davon ausgehen, dass es keinen nicht durch die Gesellschaft bestimmten Zugang zur Realität gibt, sondern dass die Realität überhaupt nur das Ergebnis sozialer Prozesse ist.

Der Prozess der Konstruktion wird genauer so beschrieben:

„To “refer” naively or directly to such an extra-discursive object will always require the prior delimitation of the extra- discursive. And insofar as the extra-discursive is delimited, it is formed by the very discourse from which it seeks to free itself.” (p. 11)

Und an anderer Stelle: „The body posited as prior to the sign, is always posited or signified as prior.” oder : “To posit by way of language a materiality outside of language is still to posit that materiality and the materiality so posited will retain that positing as its constitutive condition.” (p 30)

Demnach konstruiert der Diskurs also, indem er zwischen sich selbst und den außerdiskursiven Objekten unterscheidet? Damit wird der Relativismus auf die Spitze getrieben, als würde die Existenz der Welt davon abhängen, ob sich irgendwelche menschlichen Diskurse auf sie beziehen. Hier wird ganz deutlich, dass Butler offenbar unfähig ist, sich eine unabhängig vom menschlichen Bewusstsein existierende Welt vorzustellen, sie existiert immer nur in Beziehung auf den sie erkennenden Menschen.

Natürlich ist die Welt für uns nur zugängig, indem wir uns erkennend auf sie beziehen, aber daraus folgt ja nicht, dass die ohne dieses Erkennen nicht existieren würde.

Butler fragt nirgendwo nach der Sprache, sie wird einfach als gegeben vorausgesetzt. Das ist aus meiner Sicht eine große Ignoranz, aber sie ist üblich bei geisteswissenschaftlich orientierten Philosophen. Letzten Endes läuft dies auf eine solipsistische Position heraus, die das eigene Subjekt für absolut setzt, indem es die Existenz der Welt von sich abhängig macht.

Aber Butler geht ja wesentlich um Sex und Gender und nicht um allgemeine Erkenntnistheoretische Fragen. Sie schreibt:

„To “concede” the undeniability of “sex” or its “materiality” is always to concede some version of “sex,” some formation of “materiality.” Is the discourse in and through which that concession occurs not itself formative of the very phenomenon that it concedes? … there is no reference to a pure body

which is not at the same time a further formation of that body.“ (p. 10) und:

“What will and will not be included within the boundaries of “sex” will be set by a more or less tacit operation of exclusion. … there is no reference to a pure body which is not at the same time a further formation of that body.” (p. 11)

Hier passiert wieder das gleiche wie oben. Das Sexualität eine besondere Strategie im Rahmen der natürlichen Auslese sein könnte und nicht davon abhängt, wie Menschen dieses Phänomen verstehen und beurteilen, bleibt außerhalb von Butlers Horizont.

Warum kommen Menschen fast ausschließlich mit bestimmten physischen Geschlechtsmerkmalen zur Welt? Warum gibt es zwei Geschlechter?

Judith Butler hat auf diese Fragen keine Antwort und übergeht sie stillschweigend.

Die Einleitung zu Butlers Buch kann übrigens hier: http://schwarzemilch.files.wordpress.com/2009/02/butlerintroduction.pdf

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Catherine Hakim: Honey Money: Das erotische Kapital

Catherine Hakim hat ein Buch über das erotische Kapital geschrieben: Honey Money. Das Buch habe ich noch nicht gelesen, aber eine Besprechung klingt interessant:

we can reveal the central premise of Catherine Hakim’s book, which is that not only do looks matter, but that they should matter a great deal more. Furthermore, the people who tell young people – and in particular young women – that their beauty and sex appeal are of little importance are themselves ugly, if not physically then at least morally. For, as Hakim sees it, it is an „unholy alliance“ of wannabe patriarchs, religious fundamentalists and radical feminists who have – in Anglo-Saxon countries especially – acted to devalue what she terms „erotic capital“. In Hakim’s estimation, for all young women, and in particular those who are without other benefits – financial, intellectual, situational – an entirely legitimate form of self-advancement should consist in their getting the best out of – if you’ll forgive the pun – their assets.

Hakim scheint also für eine Anerkennung des erotischen Kapitals zu plädieren. In der Tat ist es erstaunlich, dass sexuelle Macht in Form des erotischen Kapitals so häufig geleugnet wird. Es ist erstaunlich, was einige Leute – und meist sind es Männer – alles tun, um an Sex/Liebe/Nutzung des erotischen Kapitals zu kommen und was sich mit dem geschickten Einsatz dieses erreichen läßt.

Ihr Ansatz wird dabei wie folgt dargestellt:

Taking as her starting point Pierre Bourdieu’s well-established analysis of forms of individual capital – monetary capital itself, human capital (intelligence potentiated by education) and social capital (patronage, nepotism and other network benefits) – Hakim proposes another form: „erotic capital“. She acknowledges that this term has been used by sociologists in the US to refer to physical appearance and sex appeal, but claims that her definition – widened to encompass other skills such as charm, sociability and actual sexual expertise – is both original and powerfully explicatory.

Gutes Ausehen, Sexappeal, Charme, Geselligkeit und sexuelle Fähigkeiten können einem in der Tat einiges an Macht verleihen. Ob man das nun in andere Theorien wie etwa die von Bourdieu eingliedern kann, dass können andere auf diesem Blog sicherlich eher sagen als ich.

Und zu dessen Nutzung:

Hakim endorses Schopenhauer’s characterisation of the „striking effect“ of young women’s beauty and sex appeal, and gives us cross-cultural statistics to prove that not only is their „erotic capital“ consistently greater than that of young men, but that it is also always undervalued: it is attractive young men who get the better jobs and secure the higher wages, attractive young men who end up being US president – regardless of their skin colour. This might seem counter-intuitive in a world seemingly plastered with images of this „striking effect“, displayed in every possible state of dress and undress, but the strength of Hakim’s analysis lies in the very crudeness of its metric. According to her, while young women may possess considerable charms, men’s desire for them always vastly outstrips supply. The reverse is simply not the case: men are both less attractive to women, and markedly less desired by them, especially as those women grow older. What Hakim terms „the male sex-deficit“ underlies both the ubiquity of female sexual imagery – as pornography, as marketing adjunct – and the persistent unwillingness of society at large to „valorise“ women’s good looks. It is, quite simply, not in the interests of all those priapic patriarchs to allow women to actualise their erotic capital, for to do so would seismically alter the balance of power between the sexes.

Hier kann ich ihr nicht so recht folgen, vielleicht wird es klarer, wenn man das Buch gelesen hat. Das Man Sexappeal nicht so gut in Jobs umsetzen kann liegt wohl weniger daran, dass Männer dies nicht zulassen, sondern vielleicht auch eher daran, dass man es eher in Männer umsetzen kann, die dann die Jobs machen. Recht hat sie, wenn sie ein „Male sex deficit“ beschreibt: Da Männer den stärkeren und weniger an Beziehungen geknüpften Sexualtrieb haben, ist Sex insoweit einfacher für Frauen zu haben, die ihn in dieser Form größtenteils aber einfach nicht wollen. Die Vorstellung, dass Frauen entfesselt Sex wie Männer hätten, wenn sie nicht Patriarchen verhindern würden, dass sie ihr diesbezügliches Kapital nutzen, finde ich etwas merkwürdig.

According to Hakim, Christian monogamy is, quite simply, a „political strategy“ devised by the patriarchy in order to ensure that even the least attractive/wealthy/powerful men gain at least one sexual partner.

Die Monogamie ist für beide Geschlechter so gesehen ein Kompromiss. Sie verhindert eine zu starke intrasexuelle Konkurrenz unter Männern, die auch zu Lasten der Frauen gehen würde. Sie gibt Frauen gleichzeitig einen festen Partner, was die meisten denke ich durchaus wollen. Monogamie ist nicht nur eine Männerstrategie. Wäre sie es, dann würden wir heute wesentlich mehr Ausbrüche von Frauen aus ihr sehen. Damit meine ich nicht die Ehe auf Lebenszeit, sondern eine Monogamie solange es eben passt, was evtl auch eine serielle Monogamie sein kann. Daneben gibt es heute natürlich auch viel Sex einfach so, aber im Schnitt denke ich schon, dass Männer weniger Probleme mit Sex einfach so haben als Frauen.

Das Männer mehr Sex wollen als Frauen scheint aber auch Hakim so zu sehen:

In a typically razor-sharp exchange of dialogue which establishes – yet again – that The Simpsons provides the most coruscating illumination of contemporary mores, Lisa says to her grade school teacher that „Good looks don’t really matter“, to which Ms Hoover replies: „Nonsense, that’s just something ugly people tell their children.“ Stripping away the layers of irony from this statement we can reveal the central premise of Catherine Hakim’s book, which is that not only do looks matter, but that they should matter a great deal more. Furthermore, the people who tell young people – and in particular young women – that their beauty and sex appeal are of little importance are themselves ugly, if not physically then at least morally. For, as Hakim sees it, it is an „unholy alliance“ of wannabe patriarchs, religious fundamentalists and radical feminists who have – in Anglo-Saxon countries especially – acted to devalue what she terms „erotic capital“. In Hakim’s estimation, for all young women, and in particular those who are without other benefits – financial, intellectual, situational – an entirely legitimate form of self-advancement should consist in their getting the best out of – if you’ll forgive the pun – their assets.

Honey Money: The Power of Erotic Capital

by Catherine Hakim

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Hakim, a senior lecturer at the London School of Economics, is no tub-thumping provocateur, but a well-established sociologist with a string of publications to her name. And Honey Money, despite its somewhat racy title – which comes, apparently, from an expression employed by Jakarta prostitutes: „No money, no honey“ – is configured as a serious academic exercise, complete with rather leaden prose, extensive annotation, reams of statistical evidence, appendices and tedious repetitions. Nevertheless, I envisage a blizzard of opprobrium enveloping Hakim, for she has set out here a thesis seemingly purpose-built to inflame the passions of a wide swathe of the opinionated. Taking as her starting point Pierre Bourdieu’s well-established analysis of forms of individual capital – monetary capital itself, human capital (intelligence potentiated by education) and social capital (patronage, nepotism and other network benefits) – Hakim proposes another form: „erotic capital“. She acknowledges that this term has been used by sociologists in the US to refer to physical appearance and sex appeal, but claims that her definition – widened to encompass other skills such as charm, sociability and actual sexual expertise – is both original and powerfully explicatory.

In some ways I think she’s right. There’s something altogether refreshing about Hakim’s spade-calling, which recalls to mind Schopenhauer’s infamous remarks in his essay „On Women“: „With girls, Nature has had in view what is called in a dramatic sense a ’striking effect‘, for she endows them for a few years with a richness of beauty and a fullness of charm at the expense of the rest of their lives; so that they may during these years ensnare the fantasy of a man to such a degree as to make him rush into taking the honourable care of them, in some kind of form, for a lifetime – a step which would not seem sufficiently justified if he only considered the matter.“ Certainly the pessimistic philosopher’s own dealings with women conformed to this view: a lifelong bachelor, he was not so much an enthusiastic as a dutiful customer of prostitutes – attending the brothel as regularly as other haute-bourgeois men visit their club.

Hakim endorses Schopenhauer’s characterisation of the „striking effect“ of young women’s beauty and sex appeal, and gives us cross-cultural statistics to prove that not only is their „erotic capital“ consistently greater than that of young men, but that it is also always undervalued: it is attractive young men who get the better jobs and secure the higher wages, attractive young men who end up being US president – regardless of their skin colour. This might seem counter-intuitive in a world seemingly plastered with images of this „striking effect“, displayed in every possible state of dress and undress, but the strength of Hakim’s analysis lies in the very crudeness of its metric. According to her, while young women may possess considerable charms, men’s desire for them always vastly outstrips supply. The reverse is simply not the case: men are both less attractive to women, and markedly less desired by them, especially as those women grow older. What Hakim terms „the male sex-deficit“ underlies both the ubiquity of female sexual imagery – as pornography, as marketing adjunct – and the persistent unwillingness of society at large to „valorise“ women’s good looks. It is, quite simply, not in the interests of all those priapic patriarchs to allow women to actualise their erotic capital, for to do so would seismically alter the balance of power between the sexes.

That the religiously dogmatic and the merely male chauvinist should have both demonised – and, paradoxically, diminished – the impact of female sexuality from time out of mind, is, following Hakim, only to be expected. In Anglo Saxon societies, such as our own, the net result is, she avers, that we have less sex overall than they do in steamier, less puritanical climes, while our sexual relations are mediated by a tiresome push-me, pull-you interaction: men wanting sex, women refusing it. According to Hakim, Christian monogamy is, quite simply, a „political strategy“ devised by the patriarchy in order to ensure that even the least attractive/wealthy/powerful men gain at least one sexual partner.

But while this part of Honey Money may be relatively non-contentious for feminists, Hakim does not spare them her condemnation. The sexual revolution of the 1960s – effective contraception, the loosening of monogamous ties, the devaluation of female virginity – far from enabling women to empower themselves, actually exposed them to still more male exploitation. The post-60s male assumption became that women not only wanted sex as much as them – but that they were obliged to provide it, and for free. Free from the obligation to support children, free from the requirement to pay in any other way.

Hakim’s view is that the myth of „equality of desire“ is endorsed by feminists, and that this leads to what she terms the „medicalisation of low desire“, whereby therapists and counsellors try to convince women that their lack of sex-drive is a function of psychopathology rather than hormones. She anticipates being criticised by feminists as an „essentialist“, who defines men and women by biological characteristic, but rejoins – I think fairly – that the feminist position is equally so.

Zum Sextrieb und den Unterschieden hatte ich hier schon eine Metastudie zitiert, die zeigt, dass Männer in allen Beziehungsphasen und Situationen im Schnitt mehr Sexualpartner und sexuelle Kontakte haben wollen als Frauen und die Unterschiede hier recht groß sind. Das kann im Einzelfall anders sein, trifft aber auf den Schnitt zu.

Der Gedanke, dass dies alles nur sozial bedingt ist und Männer und Frauen einen gleich starken Sexualtrieb haben ist angesichts der klaren Forschung zum Zusammenhang des Sexualtriebs mit Testosteron und auch bei einer evolutionären Betrachtung der Kosten des Sexs wenig überzeugend. Dass dieses Märchen in feministischen Kreisen immer noch so oft zitiert wird ist erstaunlich.

Ihr Ansinnen, dass man das erotische Kapital ausnutzen sollte, halte ich jedoch durchaus bei falscher Anwendung für gefährlich. Hugo Schwyzer sagt zu diesen Kapitel ihres Buches das Folgende:

Hakim’s thesis is as insulting to men as it is to women. What she’s hawking, with her crude call for women to exploit the “male sex deficit” to their advantage, is the hoary old myth of male weakness. That myth suggests that men have such a strong sex drive that they can be easily manipulated by women. The myth of male weakness is why we often cast more blame on the woman who sleeps with the married man than on the dude himself; the myth of male weakness is why we blame scantily-dressed women for “distracting” innocent men on the street and in the workplace. Women, as Hakim insists, aren’t that interested in sex to begin with – so they don’t have the same vulnerability to lust.

But men’s frailty is women’s opportunity, she reminds us. And it’s an opportunity women shouldn’t be ashamed to seize. Because men are so weak, good looks and flirtatiousness – the basic currency of erotic capital – don’t just supplement a woman’s intellect. Rather, they can serve to cover up deficiencies in ability or experience. The power of erotic capital lies in men’s willingness to choose sex over anything else. Play your cards right, Hakim seems to be saying, and a male boss will promote you to a position for which you are unqualified based on his attraction to you. Exploit the male sex deficit, she suggests, and your sex-starved professor may just give you a grade you haven’t earned.

Sex einzusetzen, um voranzukommen ist ein Spiel, bei dem man sich schnell selbst ins Abseits stellt. Es ist nichts für Anfängerinnen, die dabei leicht über den Tisch gezogen werden. Ein wenig flirten ist die eine Sache, es ist aber immer ein Spiel mit dem Feuer, wenn man nicht halten kann, was man verspricht und der andere sich hintergangen fühlt.

Das Flirts an der richtigen Stelle etwas bringen ist denke ich klar – viel zu viele Männer springen nur zu schnell darauf an, es kann einem als Mann fast etwas peinlich sein, wenn man so mitbekommt, was Männer für vage Aussichten alles machen und wie sie sich hinhalten lassen oder wie sie in Vorleistung gehen.  Das mag bei einem Professor, bei dem man dieses Semester einen Kurs hat noch ganz gut klappen, weil es kurzfristige Erfolge sind. Wer mit seinem Chef aber langfristig zusammenarbeiten will, der kann meist nicht nur mit ihm spielen.

Zudem ist zu bedenken, dass auch Männer das Spiel spielen können und es dann umdrehen können, einem das Ziel vor die Nase halten können um den Sex zu bekommen.

Schwyzer schreibt:

It’s not a hostility to sex that makes me angry at Hakim’s notion that women should use their erotic capital to exploit men. Rather, what’s so infuriating about her thesis is her ugly insistence that men are never really as interested in a woman’s intellectual gifts as in her cleavage. While there’s nothing wrong with encouraging young people to be gregarious, polite, and well-dressed (match that belt to those shoes, kids!), there is something immensely destructive about suggesting that women’s professional success hinges on their ability to manipulate men sexually. For young women, the celebration of “erotic capital” is a disheartening reminder that their hopes of being taken seriously for their intellectual gifts are almost certain to be dashed. Hakim’s message about men is worse: no matter how professional we may appear, in the end she thinks we’re fragile, conceited, sex-starved and easily bought with a flash of cleavage and a little flattery.

Wenn die Darstellung von Hakim so richtig ist, dann irren meiner Meinung nach beide:

Frauen können Sex oder zumindest sexuelle Spannung und Flirten zu ihren Gunsten einsetzen, es ist etwas, was immer und immer wieder passiert, von der harmlosen Variante der nett lächelnden Frau, die mit großen Augen um einen Gefallen bittet über das tiefer ausgeschnittene Top, dass sie anzieht, wenn sie ihren Wünschen etwas mehr Nachdruck verleihen will bis zu der karrierefördernden Affaire oder gar Ehe wird das erotische Kapital schon eifrig eingesetzt. Ein extremes Beispiel einer Gefangenen, die den Gefängnisdirektor hörig macht hatte ich hier mal zitiert. Entgegen Schwyzers Meinung können viele Männer mit etwas Zeigen von Ausschnitt und etwas Einschmeichelei rumbekommen werden.

Es kann jedoch bei Männern, die damit umgehen können auch schnell umschlagen in etwas, bei dem sich die Frau benutzt fühlt. Wenn eine Frau meint, dass sie Sex als schlichtes Machtmittel einsetzen kann, dann kann es ihr auch schnell passieren, dass sie sich benutzt fühlt. Einen Mann zu Sex zu bewegen bedeutet nicht unbedingt, dass er einem hörig ist oder danach etwas für einen tut. Es kann auch einfach nur bedeuten, dass man Sex mit ihm hatte und man ihm relativ egal ist. Es ist nicht unbedingt ein Zeichen von Macht oder Befreiung vom Patriarchat, einfach so Männer für Sex zu benutzen. Ich hatte dazu schon einmal was anlässlich der „Duke Fuck list“ geschrieben.

Im Ganzen ist ein zu starker Einsatz von erotischen Kapital daher meiner Meinung nach nicht unbedingt etwas für die meisten Frauen. Insofern sehe ich Hakims Buch – wenn denn die zitierten Passagen ein zutreffendes Bild des Buches geben – eher kritisch.

Zustimmen würde ich ihr aber, dass es an der Zeit ist erotisches Kapital auf der Guthabenseite gerade bei vielen Frauen – aber auch bei Männern mit Game oder guten Aussehen – zu verbuchen.

Das extrem weibliche Gehirn und Essstörungen

Ein Artikel beleuchtet einen Zusammenhang zwischen dem „extrem weiblichen Gehirn“ und Essstörungen:

Simon Baron-Cohen pioneered the idea that different brain types evolved to process information in gender specific ways. Here we expand this approach to looking at eating disorders as a byproduct of the extreme female brain. The incidence of eating disorders is higher among females, and recent findings show that hormones may play a role in eating disorders. We present new evidence from four studies that both an empathizing bias and hypermentalizing (as measures of the extreme female brain; EFB) are related to disordered eating and negative evaluation anxiety in women. We also advance the novel hypothesis that concerns about animal welfare (a unique expression of the EFB) may account for the relationship between vegetarianism and eating disorders.

Quelle: From One Extreme to the Other: Negative Evaluation Anxiety and Disordered Eating as Candidates for the Extreme Female Brain

Dazu aus einem Bericht über die Studie:

Zunächst zu dem „extrem männlichen Gehirn“:

According to an influential and controversial theory, autism is the manifestation of an „Extreme Male Brain“. The reasoning goes something like this – the condition is far more prevalent in males than females; people with autism think in a distinctive style that’s more commonly observed in men than women (that is, high in systematising and low in empathising); and greater testosterone exposure in the womb appears to go hand in hand with an infant exhibiting more autism-like traits in later childhood.

Autismus als „extrem männliches Gehirn“ hat aus meiner Sicht als Theorie einiges für sich. Es würde jedenfalls erkären, warum die Krankheit weitaus häufiger bei Männern auftritt.

Und dann zum extremen weiblichen Gehirn:

Simon Baron-Cohen, the psychologist who first proposed the theory, always conjectured that there may also be such a thing as an „Extreme Female Brain“. Now in a new paper, a pair of researchers in the USA have made the case that the Extreme Female Brain exists, it’s highly empathic, and it comes with its own problematic consequences, in terms of a fear of negative evaluation by others, and related to that, a greater risk of eating disorders (which are known to be far more prevalent in women than men).

Also das extrem weibliche Gehirn als besonders empathisch und gleichzeitig besonders darauf bedacht, dass es nicht negativ bewertet wird. Die Essstörung wäre dann eine Übertreibung der kulturellen Normen für Schlankheit durch Übererfüllung.

Aus der Studie:

Evidence from all four studies converge to show that a combination of disordered eating and negative evaluation anxiety are associated with a cognitive style that Baron-Cohen (2002) predicted for the EFB. Social anxiety, particularly negative evaluation anxiety, appears to represent a salient feature of the EFB. The intense fear of becoming fat, a defining feature of eating disorders, may not be the fear of fat itself, but a fear that arises from the potential to be evaluated disparagingly by others. Disordered eating may be a predominant way in which negative evaluation fears manifest. An interesting consequence of eating disorders is the profound decrease in levels of estrogen (Sharp and Freeman, 1993). The changes in estrogen levels are responsible for amenorrhea, a defining characteristic in anorexic women. A significant drop in estrogen levels may also produce changes in empathizing and theory of mind performance. Comparable to the heightened sensitivity to sensory stimuli (auditory, visual and tactile) common among people with autism, individuals with the EFB may be hypersensitive to social stimuli. Disordered eating may ameliorate the experience of negative evaluation anxiety that results from heightened sensitivity to social stimulation. Consistent with this idea, emotional processing deficits have been linked with eating disorders including the inability to recognize, label and describe emotions in detail and to link feelings with bodily correlates (Bourke, Taylor, Parker and Bagby, 1992; Eizaguirre, de Cabezon, de Alda, Olariaga and Juaniz, 2004; Garner, Olmsted and Polivy, 1983). Also, compared to healthy controls, women with anorexia had difficulty recognizing emotions from facial expressions and vocal tones (Jansch, Harmer and Cooper, 2009; Kucharska-Pietura, Masiak, and Treasure, 2003)

Also wie bereits dargestellt die Angst vor der Bewertung anderer. Etwas verwunderlich wäre daran, dass ja gerade Magersüchtige einer solch negativen Bewertung ausgesetzt sind und sich teilweise gerade dagegen behaupten müssen. Das spricht aus meiner Sicht eher für ein gestörtes Selbstbild als nach dem reinen Wunsch anderen zu gefallen.  Vielleicht entsteht dieses gestörte Selbstbild ebenfalls als Folge des extrem weiblichen Gehirns. Ich hatte hier ja schon mal angeführt, dass Schlankheit, wenn man sie als Signal für eine nicht so gute Versorgung und damit einen unzureichenden Versorger sieht, und damit als gute Basis für ein männliches Attraktivitätsmerkmal, gerade von Frauen übertrieben werden könnte, sie also im Rahmen intrasexueller Konkurrenz dünnere Frauen eher als Bedrohung sehen und daher ein noch schlankeres Schönheitsideal entwickeln könnten als Männer. Vielleicht wird auch dies hier übertrieben und es kommt so dazu, dass sie ganz besonders schlank sein will.

Interessant auch der Zusammenhang mit einer vegetarischen Lebensweise:

As shown in Study 1 and replicated in Studies 2, and 3 it is important to reiterate that as scores on the empathizing quotient increase, levels of disordered eating also rise. People with greater empathizing skills would be expected to be more sensitive to the pain and suffering of others. An interesting interpretation of these data involves the disproportionate rates of vegetarianism among individuals with eating disorders. For example, numerous studies have found a positive association between vegetarianism and eating disorders (e.g., Bas, Karabudak and Kiziltan, 2005; Robinson-O’Brien, Perry, Wall, Story, Neumark-Sztainer, 2009; Yackobovitch-Gavan et al., 2009). Most investigators interpret this relationship as evidence confirming health-conscious, restrictive eating patterns among people with eating disorders. However, an alternative hypothesis consistent with the data presented here is that individual differences in empathizing may affect dietary choices as a consequence of heightened concerns about animal cruelty and animal welfare. Rather than being used as a method to reduce caloric intake, vegetarianism may actually be a by-product of the greater empathizing capacities among individuals with EFBs. A study by Yackobovitch–Gavan et al. (2009) showed that vegetarianism is not only associated with disordered eating, but it can be thought of as a premorbid condition that affects the course and outcome of anorexia. In their study, vegetarianism reduced the probability of symptom remission by a factor of over 12 times. If vegetarianism is viewed as an expression of greater empathizing capacities, the corollary hypothesis would be that heightened levels of empathizing may function as a prelude to eating disorders, as well as an important risk factor for its development. Future research should explore empathizing and mental state attributions as variables that may influence both the onset and outcome of eating disorders.

Vegetarier hätten demnach eher Essstörungen, weil gerade Frauen mit extrem weiblichen Gehirn aus Mitleid mit den Tieren eher Vegetarier sind.

Die schwer zu akzeptierenden Folgen der Entstehung des Menschen durch Evolution

Leser Denton hat in einem Kommentar auf ein Buch von Hart „Understanding Human History“ verwiesen, in das ich vorerst nur hereingeschaut habe, indem mir aber gleich eine interessante Passage aufgefallen ist.

The theory of evolution was introduced by Charles Darwin in 1859 in his great work, The Origin of Species. In the century and a half since then, there have been several important modifications of his original theory. For example, Darwin did not discuss genetic drift, rarely mentioned mutations, and knew nothing about genes. Furthermore, it seems likely that there will be additional refinements to Darwin’s theory in the future. Still, virtually all modern scientists agree that Darwin’s central insight — evolution by means of natural selection — was correct. Nevertheless, lots of people have never really accepted the theory of evolution. The most obvious of these are religious fundamentalists, many of whom openly dispute the theory. A more important group, however, consists of the numerous persons who say (and think) that they accept the theory of evolution, but who in fact shrink from accepting the implications of that theory.

Das ist meiner Meinung nach in der Tat richtig: Häufig wird zumindest in Europa angegeben, dass der Mensch natürlich durch Evolution entstanden ist, wenn man dann aber in die Details geht, was das eigentlich bedeutet, dann zeigt sich, dass viele vor aus meiner Sicht fast zwangsläufigen Schlußfolgerungen zurückstrecken, die damit zusammenhängen. Ich hatte darauf auch schon in meinem Artikel „Die Angst vor dem durch Evolution entstandenen Gehirn“ hingewiesen

Hier einmal die dann von ihm aufgezählten schwer zu akzeptierenden Folgen der Evolution des Menschen:

1) Human beings are animals: very unusual animals, to be sure, but nevertheless animals. In origin, we are not fallen angels, but apes arisen.

Eine wichtige Feststellung: Wir sind Tiere und da wir durch Evolution entstanden sind haben wir noch viele der damit zusammenhängenden Gehirnbereiche, Attraktivitätsmerkmale, gesellschaftliche Organisationen und Sozialgefüge. Das Gehirn ist nicht eine für den Menschen geschaffene Neukonstruktion, sondern eine Anpassung eines Tierhirns an besondere Situationen, die den Menschen betreffen.

2) Evolution is a completely amoral process.

Das ist ebenfalls etwas, was viele nicht akzeptieren können. Evolution führt nicht zu einer Verbesserung für die Gruppe, wenn es nicht dem Einzelwesen nützt, unterliegt keinen moralischen Bedenken, verlangt keinen Ausgleich zwischen verschiedenen Gruppen, ist einfach nur die Weitergabe von Genen: Welche auch immer sich aus welchen Gründen auch immer im Genpool anreichern, und sei es durch Mord, Vergewaltigung, Betrug oder Unterdrückung, setzten sich durch.

3) A person’s physical capabilities and limitations are strongly influenced by his genes.

Es stellt sich bei vielen körperlichen Eigenschaften heraus, dass diese genetische Ursprünge haben. Vieles ist durch eine gewisse Veranlagung geprägt.

4) A person’s mental attributes (i.e., his individual abilities and proclivities) are also influenced by his genes — not rigidly determined, but strongly influenced. The notion that we are entirely products of our environments is therefore false.

Das geht so weit, dass in der Verhaltensgenetik das erste Gesetz besagt, dass alle Verhaltensmerkmale des Menschen erblich sind. Auch bei den Big Five zeigt sich, dass diese starke genetische und biologische Ursachen haben. Auch das Gehirn ist durch Evolution entstanden. Es ist in vielen Bereichen spezialisiert auf bestimmte Aufgaben, der Grad, in dem dies ausgeprägt ist, macht wesentliche Unterschiede aus.

5) The observed behavioral differences between the sexes are strongly influenced by our genes — again, not rigidly determined, but strongly influenced.

Das das eines der Hauptthemen dieses Blogs ist spare ich mir zu lange Ausführungen: In der Tat sind biologisch Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu erwarten und auch nachgewiesen.

6) Whenever two populations within a species are reproductively isolated, they will diverge from each other genetically. If they are in different environments, this will occur by natural selection; but it will occur by genetic drift even if the environments are the same.

Auch das ist biologisch eine Selbstverständlichkeit. Wenn zwei Populationen isoliert von einander sind, dann werden sich mit hinreichend langer Zeit Unterschiede zwischen ihnen ergeben. Aufgrund des zuvor angesprochenen Umstandes, dass Körper und Geist beide biologische Wurzeln haben versprechen diese Veränderungen eben auch möglicherweise beide Bereiche

7) The process of evolution did not stop with the emergence of Homo sapiens, nor with the emergence of Homo sapiens sapiens (the branch of that species to which all living humans belong). Rather, evolution has continued and has produced visible differences between human groups whose ancestors evolved in different regions.

Evolution hört in der Tat nicht auf. Meiner Meinung nach gibt es zwar gute Gründe dafür, dass sich bestimmte Punkte bis heute aus der Steinzeit hinüber gerettet haben. Aber in anderen Bereichen konnten evolutionäre Unterschiede dennoch auftreten. Etwas die Laktosetoleranz, Resistenz gegen Bakterien und vielleicht auch eine gewisse „Zivilisierung„. Aber es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der Mensch heute der gleiche sein wird, wie der Mensch in 10.000 Jahren.

8) There is no reason to suppose that the visible differences we see between the regional variations of human beings are the only differences that exist between them. On the contrary, it would be very surprising if that were the case.

Auch hier ist im zuzustimmen. Unterschiede, die über das Sichtbare hinausgehen sind zu erwarten, wenn Menschen in Verschiedenen Klimate, Umgebungen und Lebenssituationen leben.

Penetrationssex als Unterdrückung und das Böse

Auf dem Blog Rumbaumeln schreibt eine lesbische Feministin über die heteronormative Welt.

Aber bevor ich auf ihren Text zu sprechen komme hier erst einmal ein Text vorneweg mit der Bitte um Wertung über die fiktive Person, die ihn so vertreten würde:

Ich war beim Arzt und er meinte mein Problem könne nur über eine Darmspiegelung gelöst werden. Der liberale Mistkerl wollte mich nur zum Schwulen machen. Mich von meiner Vorliebe für Frauen durch die Penetration meines Hinterns befreien. Warum kann er nicht akzeptieren, dass ich hetero bin? Warum muss er mich rektal vergewaltigen? Wie kann er überhaupt eine solche Untersuchung vorschlagen und mich dazu überreden wollen statt sofort einen Alternativweg vorzuschlagen, der keine Penetration erfordert?

Ich denke man würde ihn für homophob und unter leichten Verfolgungswahn leidend halten. Es ist sicherlich verständlich, wenn Leute keine Darmspiegelung mögen, aber damit gleich ein politisches Statement zu verbinden und zu meinen, dass es dem Arzt gerade darum geht, einen zu penetrieren und den ärztlichen Hinweis darauf, dass dies die beste Methode ist als weiteres Indiz zu sehen, dass er heterophob ist, würde uns weit hergeholt erscheinen.

Jetzt Bäumchen:

Szene 2: Wir reden über Frauen*ärzt*innen. Heterafreundin hat tolle Ärztin und schwärmt, ich brumme etwas über beschissener Typ und nie wieder. Wasdennwasdenn, meint Hetera. ,,Was ist denn das für ne Scheiße, dass ich da halb vergewaltigt werden muss für ne Untersuchung“, meine ich. Und meine damit das kalte Ding, mit dem Menschen penetriert werden, um sie vaginal zu untersuchen. Freundinnen hatten mir davon erzählt, wie ihre Ärzte mit ihnen dabei umgegangen war, und ich entschied mich, die Untersuchung für mich abzulehnen. Mein Arzt war auch so scheiße. Wie lustig. Als ich es ablehnte, kam die Assistentin zu mir und fragte mit Piepsstimme, ob ich Jungfrau sei

JUNGFRAUSEIN. Ahahaha. Auch so ne Heteroscheiße mit diesem ,,Jungfernhäutchen“, blödes Konstrukt alá echter Frauen* aus Kindheitsstadium herausreißender Erlösersex über Penisconnection

Von einer älteren Frau*, die mich wohl beraten wollte und gar nicht darauf eingehen, dass ich es NICHT WILL, hörte ich dann, ich solle versuchen, mich zu entspannen und durch den Bauch zu atmen während einer solchen Untersuchung. Das klingt verdächtig nach ,,Close your eyes and think of England.” Auch sie schaute mit einem hochzufriedenen Blick dabei, als sei sie amüsiert über mein für Frauen* ihrer Ansicht nach unreifes Verhalten.

Ich sehe da deutliche Parallelen zu meinem oben geschilderten Fall. Sie scheint wirklich der Auffassung zu sein, dass es den Leuten darauf ankommt, sie in einer Analogie zum hetereosexuellen Sex zu penetrieren und so eines Teils ihrer lesbischen Identität zu rauben. Für sie scheint die Untersuchung bereits ein Angriff auf ihre Sexualität zu sein, weil jedes Eindringen nur die Macht des Patriarchats festigen und sie der männlichen Herrschaft unterwerfen soll. Dass eine bestimmte Untersuchung auf diesem Weg am schnellsten und einfachsten durchzuführen ist und es dem Arzt (man fragt sich warum sie mit einer solchen Einstellung überhaupt einen Arzt gewählt hat) genau darum geht, sie effektiv zu untersuchen, dass scheint ihr keinen Gedanken wert zu sein. Dass die ältere Frau ihr einen guten Tipp geben möchte, dass sieht sie auch nicht, es ist alles nur ein Sinnbild weiblicher Unterwerfung durch Sex und im ganzen eine Vergewaltigung.

Nochmal: Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass jemand eine bestimmte Untersuchung nicht möchte, gerade eine so intime. Aber von einem halbwegs denkenden und empathischen Menschen sollte man erwarten können, dass er die Motive des Arztes richtig deutet, einmal aus seiner Sicht die Sache durchdenkt und vielleicht auch einmal überlegt, dass ihre Ansichten relativ extrem sind und insofern eine gewisse Erklärung erfordern: Ich vermute mal, dass die meisten Lesben eine solche Untersuchung durchaus mitmachen, weil sie auf diese Weise medizinisch sinnvoll durchzuführen ist und vielleicht sogar noch Dildos etc einsetzen oder mit Fingern in einander eindringen, wenn ihnen danach ist. Auch  bei einer lesbischen Frau dürften diese Vorhalte in dieser Form eher nicht zu erwarten sein. Die Vermutung des Arztes bzw. seiner Helferin, dass sie Angst hat, ist insofern nahe liegend.

Auch ihr erstes Beispiel zeigt, dass sie aus meiner Sicht etwas zuviel Heteronormativität bei den Menschen vermutet:

Szene 1: Ich werde gefragt, ob ich Tampons habe, da eine der Mädels ihre Tage hat. Nein, sage ich, ich benutze nur Binden. Aber warum?, fragt das Mädel sofort. Und redet eindringlich auf mich ein. Gibt es denn einen Grund wieso? Und die sind doch viel besser als Binden! Hast du etwa ein Problem damit, die dir einzuführen? Na? NA?

Warum müssen Menschen mit Vaginas immer stets bereit sein, sich irgendwas in ihre Vagina einzuführen?

Ich würde wiederum vermuten, dass auch genug Lesben Tampons benutzen. Und ich würde vermuten, dass es schon eine gewisser Glaubenskrieg sein kann, ob man Tampons oder Binden benutzt und es Frauen gibt, die einfach nicht verstehen können, warum man nicht die aus ihrer Sicht bessere Methode benutzt. Denen wird es weniger darum gehen, dass man irgend etwas in sich einführt. Sondern sie verstehen einfach nicht, wo das Problem ist und sehen im Gegenzug die aus ihrer vorhandenen Vorteile einer solchen Methode.

Bei ihr ist es aber anscheinend einfach die Vorstellung, dass alle Frauen von der Gesellschaft angehalten werden, sich penetrieren zu lassen, damit sie der Herrschaft des Mannes unterworfen werden.

Aus meiner Sicht ist es ein schon recht extremes Feindbild und etwas Verfolgungswahn. Wenn man nur in Heteronormativitätsabwehr denkt, dann führt das eben dazu, dass man überall einen Angriff sieht, auch wenn er gar nicht vorhanden ist.

Selbermach Samstag VII

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Wie verteilt man die Ausgaben in einer Beziehung?

Ausgehend von dieser Schilderung bei Geschlechterchaos, die „zufälligerweise“ in einer heterosexuellen CIS-Beziehung lebt:

Wir legen Wert darauf, dass wir beide etwa gleich viel für die Wohnung/das Leben darin zahlen. Das kann auch mal ungleicher ausfallen in besonderen Situationen wie Arbeitslosigkeit oder finanziellen Engpässen aber ist keine dauerhafte Möglichkeit. Weder möchte ich mich von ihm “aushalten” lassen (gesellschaftlich anerkannte und strukturell geförderte Variante) noch möchte ich für alles zahlen. Wir führen Buch darüber. (…)  Wie es mit der geschlechtsspezifischen Bezahlung unserer Arbeiten aussieht, wird sich noch zeigen. (…)

Ein befreundetes Paar hat ein gemeinsames Konto zusätzlich zu den je persönlichen, auf das beide jeden Monat einen bestimmten Betrag einzahlen und von dem der gemeinsame Haushalt (Miete, Strom, Wärme, Essen…) getragen wird. Wir überlegen, ob das auch für uns eine gute Idee ist.

stellt sich mir die Frage, wie man so etwas am besten organisiert.

Ich denke mal es ist auch eine Frage, in welchem Stadium sich die Beziehung befindet:

  • Beziehung mit getrennten Mietwohnungen
  • Beziehung mit gemeinsamer Mietwohnung
  • Beziehung mit Kindern und Arbeitsteilung (im folgenden mit gemeinsamer Wohnung)
  • Heirat ohne Kinder
  • Heirat mit Kindern und Arbeitsteilung

Das wären aus meiner Sicht verschiedene Stadien, die alle eine eigene Planung erforderlich machen.

  • Bei der Beziehung mit getrennten Wohnungen würde ich immer eine „jeder zahlt selbst, gibt einer was aus, dann versucht man es auszugleichen“ Aufteilung vorschlagen.
  • Bei einer Beziehung mit gemeinsamer Wohnung wird es schon etwas schwieriger. Man kann sich die Miete teilen und einen Topf für gemeinsame Ausgaben einrichten oder gleich ganz gemeinsame Kasse machen. Letzteres scheint mir etwas übertrieben, wenn die Beziehung nicht schon sehr stark verfestigt ist.
  • Eine Beziehung mit Kindern und Arbeitsteilung macht eine gemeinsame Kasse attraktiv. Schließlich bedeutet die Aufteilung, dass einer von beiden sein Einkommen einschränkt. Eine eingeschränkte gemeinsame Kasse kann je nach dem, wie sie befüllt wird, einen vielleicht wieder für die Beziehung ungünstige Machtposition einbringen, bei der einer der beiden dem anderen Geld zuteilt.
  • Bei einer Heirat ist zu bedenken, dass ohne Ehevertrag in Deutschland am Ende eh der Zugewinn abgeschöpft wird, wenn er auftritt. Insofern kann man dann wohl auch gemeinsame Kasse machen. Es kann sich aber auch anbieten dann nach wie vor getrennt zu wirtschaften, da jeder ja die gleichen Möglichkeiten hat Geld zu verdienen.
  • Bei einer Heirat und Kindern gilt im Prinzip das oben gesagte.

Ob man bei getrennten Kassen mit Gemeinschaftsausgaben nun gleich Buch führen sollte ist aus meiner Sicht eine Typsache. Für die einen bringt es vielleicht die notwendige Klarheit und verhindert Streit, den anderen ist es zu aufwendig und kleinkrämerisch und sie führen lieber mentale Konten.

Wie würdet ihr ein „gemeinsames Kasse“-Modell praktizieren? Wie organisiert man so etwas nach eurer Meinung am Besten? Sollte man „privates Geld“ einführen, für das man keine Rechenschaft schuldig ist.?

Letztendlich ist die Frage, wie man so etwas organisieren könnte einer der Kernfragen des Geschlechterverhältnisses. Mit heutigen vergleichsweise lockeren Beziehungen und Ehen ist eine Beziehung nicht mehr notwendigerweise etwas auf Lebenszeit und klare Rollenbilder gibt es auch weniger, so dass neue Regelungsmechanismen notwendig sind.

Auch interessant: Welche Auswirkungen haben Einkommensunterschiede jeweils, zB auch bei der Miete für eine gemeinsame Wohnung? Zahlt man quotenmässig oder streng hälftig?

„(Evolutionäre) Anpassung gibt es nicht für die Zukunft“

Leser David und Hottehü hatten folgenden Dialog in den Kommentaren:

“Warum sollte nicht ein Geschlecht besser an eine bestimmte zukünftige Umweltveränderung angepasst/ihr zugeneigt sein, noch dazu wenn dieses Geschlecht die Entwicklung hauptsächlich selbst hervorgebracht hat?”

die frage ist unsinn. anpassung gibts es nicht für die zukunft.

Das ist ein häufiges Argument, so dass sich ein Artikel dazu lohnt.

1. Gibt es gezielte evolutionäre Anpassung an die Zukunft

Die Antwort ist simpel: Natürlich nicht.

Evolution hat kein Ziel und kann daher nicht ein zukünftiges Ziel ansteuern. Sie arbeitet über Mutation und Selektion und Selektion kann nur anhand der gegenwärtigen Zustände erfolgen.

2. Kann eine evolutionäre Anpassung zu Vorteilen in anderen Umständen führen?

Auch hier ist die Antwort simpel: Ja, sie kann

Eine evolutionäre Anpassung an eine bestimmte Situation kann dazu führen, dass man diese dort genutzten Eigenschaften auch in einer anderen Situation gut verwerten kann.

Weil Delphine Gruppentiere sind, die eine gewisse Lernfähigkeit entwickelt haben, können sie auch Techniken lernen wie für Futter durch einen Reifen zu springen.

Weil Hunde Rudeltiere sind, die einem Alphatier folgen und einen fein entwickelten Geruchssinn haben um Beute aufzuspüren, können sie auf das Finden von Drogen abgerichtet werden. Ihre Eigenschaften sind nicht evolviert, um Drogen zu finden, sie ist aber für diese Tätigkeit nützlich.

Wer ein besseres räumliches Denken entwickelt, um Wurfbahnen zu berechnen und sich besser zu orientieren, der kann besser in bestimmten anderen Fähigkeiten sein, die ebenfalls diese Anforderungen an das Gehirn stellen und das kann dann ein gewisses Technikverständnis oder Mathematik sein.

Natürlich ist hier – wie so häufig bei der Evolution – ein gewisses Glück erforderlich. Wenn bestimmte Eigenschaften, die aus anderen Gründen nützlich wären, uns nicht ebenfalls zur höheren Mathematik befähigt hätten, dann könnten wir sie eben nicht verstehen. Die Zeit für eine eigene evolutionäre Anpassung und der Selektionsvorteil über die gesamte Menschheit, höhere Mathematik zu beherrschen dürfte dafür zu klein gewesen sein.

Wobei hier vielleicht auch viele Wege zum Erfolg führen können. Würden Fledermäuse intelligenter werden, dann würden sich vielleicht nützliche Anwendungen für ihr Radarsystem und die „Zielauswertung“ mit der die Radarimpulse verarbeitet werden, ergeben. Vielleicht würde ihnen dieser Zielcomputer helfen, noch viel komplexere Denkvorgänge durchzuführen oder solche, die wir nicht begreifen.

3. Motivation muss nicht auf einen bestimmten Gegenstand oder eine bestimmte Technik bezogen sein

Diese Punkte betreffen bestimmte Eigenschaften, die nicht zu ihrem evolutionären Zweck eingesetzt werden. Gerade im Bereich von Interesse und Motivation ist jedoch häufig das Objekt, auf das sich diese Motivation oder dieses Interesse richtet, relativ egal.

Wer einen inneren Wunsch hat zu verstehen, wie bestimmte Sachen funktionieren, der wird sich mit der Verbindung einer Steinaxtklinge mit dem Schaft genauso auseinander setzen wie mit einer komplexen Maschine. Der Wunsch, solche Sachen zu verstehen, wird sich vielleicht an Werkzeugen entwickelt haben, die in der Steinzeit wichtig waren, etwa der Frage, wie ein Feuerstein absplittert oder wie man eine perfekte Klinge aus ihm herausschlägt. Aber ein solches Interesse für Vorgänge lässt sich als geistiges Rätsel auf heutige technische Geräte übertragen. In dem Interesse geht es ja gerade darum, dass man sich dafür interessiert, wie etwas funktioniert, die Evolution ist nicht darauf ausgerichtet, dass man einen ganz bestimmten Gegenstand oder Elektronik an sich versteht.

Und auch eine Vorliebe für Tätigkeiten mit Leuten oder eine Vorliebe für positive Reaktionen von Leuten, denen man hilft, lässt sich problemlos in die heutige Zeit übertragen und kann gleichzeitig dazu führen, dass ein geringes Interesse daran besteht, dass man sich mit „Nichtpersonenbezogenen Jobs“ beschäftigen möchte.

Vernunft, Friedfertigkeit (und etwas Feminismus)

 

In „The better angels of our nature“ stellt Pinker als befriedenden Faktor dar, dass der zivilisatorische Prozess immer mehr dazu führt, dass als Kriterium für ein Handeln Logik im Gegensatz zu Unrationalen Verhalten, etwa aufgrund von Gefühlen wie Stolz, Rache etc herangezogen wird.

Dies soll zu einer Verminderung der Gewalt führen, weil jemand, der sich auf Rationalität beruft diese auch gegen sich selbst gelten lassen muss.

Wer logisch argumentiert, der muss sich auf einen abstrakten Standpunkt begeben, losgelöst von seiner eigenen Perspektive, weil ein Argument aus der Ich-Perspektive kaum einen logischen Wahrheitsanspruch haben kann. Um so abstrakter und universeller eine Idee formuliert ist, um so logischer kann ihr Inhalt betrachtet werden.

Wer also sagt, „Es ist gerecht, wenn wir die Nachbarn angreifen“, der stellt kein logisches System auf. Eine logische Regel wäre es, wenn man sagt „in dieser oder jener Situation darf man den Nachbarn angreifen“. Eine solche Regel erlaubt die Abstraktheit von der eigenen Position, weil sie bei gleicher Lage dann ebenfalls dem Nachbarn das Recht geben würde, einen anzugreifen. Wer damit Regeln aufstellt, innerhalb derer er Krieg führen kann muss dabei stets im Auge behalten, dass diese auch ihm gegenüber gelten. Da die wenigsten Menschen rationale Gründe zulassen wollen, die nicht mit einem eigenen Fehlverhalten in Verbindung steht, werden abgesehen von dem Recht auf Selbstverteidigung wenig tatsächliche Eroberungskriege mehr geführt. Kriege werden vielmehr unter Oberbegriffen wie „Humanitöär erforderlich um andere zu schützen“ betrachtet. Sicher: Inoffizielle Gründe wie „er hatte halt Öl“ mögen dann eine Rolle spielen, aber auch insoweit muss zunächst ein darüber hinaus bestehender Grund gefunden werden, aus dem man ein allgemeines Handeln rechtfertigen konnte.

Pinker meint, dass durch die immer stärkere Einbeziehung solch logischer Betrachtungen in den modernen Zivilisationen ein zivilisatorischer Prozess eingetreten ist, der die Hemmschwelle für eine kriegerische Auseinandersetzung immer höher werden lässt.

Bei dem Lesen dieser Stelle bei Pinker kam mir der Gedanke, dass es vielleicht genau dieser Grund ist, aus dem heraus im Feminismus subjektive Positionen, die Standpunkttheorie und die Definitionsmacht so beliebt sind.

Subjektive Regeln für die Gruppe zu erstellen ist wesentlich einfacher als rationale Betrachtungen, gerade wenn man eigentlich das Ziel schon genau kennt.

Auch hier wäre der richtige Satz nicht „Frauen sind unterdrückt, wenn“, sondern „Eine Gruppe von Menschen ist unterdrückt, wenn“. In einer rein rationalen Betrachtung wäre es wesentlich schwieriger eine Benachteiligung einer Gruppe einmal Diskriminierung zu nennen und bei einer anderen Gruppe darauf abzustellen, dass sie nicht diskriminiert sind, sondern viel mehr die ihr gegenüber bevorzugte Gruppe wohlwollenden Seximus erleiden muss  (auf maskulistischer Seite wird es ähnliches geben)

Eine einseitige Betrachtung wird erschwert, wenn man die Ergebnisse möglichst rational und objektiv heranziehen muss und sie insbesondere nicht einfach nur aus der Sicht der eigenen Gruppe sehen kann.

Gender Equality Paradox: Das ROSE Projekt

Über Max bin ich über dieses auch von Harald Eia zitierte Projekt aufmerksam geworden: Das Rose Projekt

Dabei geht es um das Interesse von Kinder an Wissenschaft und Technik, wobei auch nach Geschlecht unterschieden wird.

Die Zusammenfassung hat einige interessante Grafiken, die das Gender Equality Paradox gut aufzeigen, also den Umstand, dass gerade in den Ländern mit hoher Gleichberechtigung sich Unterschiede deutlicher zeigen:

Hier sieht man, dass gerade in den höher entwickelten Ländern mit hoher Gleichberechtigung eine gewisse Skepsis vorhanden ist, was Technik und die Vereinfachungen im Beruf angeht. Der Unterschied zwischen den Ländern mag daran liegen, dass wir schon eher auf einem hohen Technikniveau angekommen sind und den zusätzlichen Nutzen eines etwas neueren Computers daher geringer einschätzen als jemand in zB Uganda. Interessant ist insoweit der große Unterschied zwischen den Geschlechter. Länder mit hoher Gleichberechtigung wie etwa Schweden und Dänemark zeigen deutliche Geschlechterunterschiede, patriarchischere Länder wie etwa Griechenland oder die Turkey hingegen relativ kleine.

 

 

Eine weitere Grafik zeigt, dass die Naturwissenschaften gerade in den reicheren Ländern nicht die beliebtesten sind und dies gerade bei den Mädchen der Fall ist. Wiederum auch in Ländern mit einer so hohen Geschlechterparität wie etwa Norwegen.

 

Die oben stehende Grafik zeigt das Interesse daran, wie Computer funktionieren. Auch hier zeigt sich wieder: Gerade in den Ländern mit hoher Gleichberechtigung interessieren sich die Mädchen weitaus weniger für Computer als die Jungen. Auch in Deutschland ist dies der Fall, auch wenn hier das Interesse noch vergleichsweise hoch ist. Die skandinavischen Ländern, weithin gerühmt für ihre Geschlechterpolitik zeigen mit die größten Unterschiede.

Noch deutlicher als bei den Computern zeigt sich der Interessenunterschied bei Motoren und Maschinen. Frauen interessiert es gerade in den reicheren Ländern schlichtweg nich, die Prozentzahlen dümpeln bei ca. 15% der Mädchen, die dies interessiert, im Gegensatz zu etwa 60 Prozent der Jungen. Wiederum ist dies in dern ärmeren, weniger entwickelten Ländern anders.

 

 

Bei explosiven Chemicalien ist ebenfalls ein großer Geschlechterunterschied festzustellen. Es interessieren sich hier mehr Mädchen als für Motoren für das Thema, etwas über 25% und etwa 80% der Jungen.

 

Die Mädchen interessiert hingegen, wie man sich gesund ernährt und fit bleibt. Dies interessiert in den reicheren Ländern mit höherer Geschlechterparität etwa 50% der Jungen und 80% der Mädchen

 

Allgemein scheinen Frauen mehr Wert darauf zu legen, dass sie später in einem Bereich arbeiten, der zu ihren Einstellungen und Werten passt. Im reichen Norden hingegen zeigt sich ein deutlicher Geschlechterunterschied: Männer ist dies nicht so wichtig. Es wäre interessant, welche Werte hier wichtiger sind, es ist zu vermuten, dass Geld und Status hier eine höhere Rolle spielen. Vielleicht auch ein Grund, warum gute Juristinnen eher Richter werden und gute Juristen eher in Großkanzleien gehen.

 

In dieser Grafik zeigt sich ein enormer Geschlechterunterschied bei Kriterien für einen späteren Job: In den hochentwickelten Ländern wollen Frauen gerne mit Menschen arbeiten und weniger gern mit Sachen, den Männern hingegen ist das Arbeiten mit Menschen nicht so wichtig. Die Unterscheidung zwischen empathischen und systematischen Gehirn lässt insoweit grüßen. Dies kann den Trend gegen technische Berufe, der schon in den anderen Grafikten deutlich geworden ist, noch verstärken.

Die Unterscheidung geht insoweit noch weiter. Frauen wollen weitaus häufiger anderen Menschen helfen. Um so reicher das Land um so unwichtiger wird dies insbesondere für Männer für ihre Berufswahl. Die Mädchen wollen insofern mit Leuten arbeiten, denen sie helfen. Männer wollen eher etwas mit Technik und nicht unbedingt mit Leuten zu tun haben und legen auch weniger Wert darauf, dass diese Arbeit als direkte Hilfe verstanden wird. Dies dürfte bei technischen Berufen auch schwieriger sein. Bei den klassischen Berufen von Frauen hingegen, wie Krankenschwester, Ärztin, im sozialen Bereich, Lehrerin, wird alles dies kombiniert.

Auch diese Grafik haut in die gleiche Kerbe. Um so reicher das Land, um so weniger wollen die Frauen einen Job, der etwas mit Technik zu tun hat. Für Deutschland wäre dies bei etwa 20% der Mädchen und ca. 50% der Jungen der Fall. Dies ist schon ein sehr deutlicher Unterschied. In den auf Gleichheit ausgelegten skandinavischen Ländern sind es etwa 10-15% der Mädchen und 50-60% der Jungen.

Insgesamt spricht dies für die hier schon wiederholt angeführte Theorie, dass bei mehr Wohlstand und Wahlfreiheit die Kinder eher ihren Interessen folgen, während in Ländern, die nicht so reich sind, eher das gefragt ist, was einen nach oben bringt.