Fehlvorstellungen des Feminismus über Frauen

Mir scheint, dass im (Gender-)Feminismus einige Fehlvorstellungen über Frauen herrschen, die die dortige Theorien beeinflussen

1. Frauen haben keine soziale Macht

Im Feminismus scheint teilweise die Meinung vorzuherrschen, dass Frauen machtlos sind. Dies wird damit begründet, dass sie keine Machtpositionen inne haben. Dies unterschätzt aber die Einflussmöglichkeiten die Frauen haben und unterschätzt, welche Art von Macht Frauen ausüben wollen. Es wollen weniger Frauen den Stress einer hohen Position haben, aber durchaus viele einen mächtigen Mann, was auch ihnen wiederum Macht verleiht.

Zudem haben auch Frauen als Teil der Gesellschaft eine erhebliche Macht durch Billigung und Mißbilligung von Verhalten, die noch dadurch verstärkt wird, dass viele Männer gerade billigendes Verhalten ausüben wollen

2. Frauen haben keine politische Macht

Auch hier ist die Annahme, dass Frauen eben seltener in hohen Ämtern in der Politik sein. Mit einer Bundeskanzlerin an der Spitze des Staates gerät diese Argumentation bereits etwas ins wanken, allerdings ist nur etwa 1/3 der Bundestagsabgeordneten weiblich.

Die vernachlässigt allerdings, dass Frauen die Mehrheit des eigentlich entscheidenden Souveräns einer Demokratie bilden: Der Wählerschaft. Frauen mögen in geringerer Zahl an der Spitze stehen, allerdings haben Frauen die Möglichkeit, diejenigen an die Spitze zu wählen, die nach ihrer Auffassung ihre Interessen am ehesten umsetzen. Bei vielen Wahlen waren die Stimmen der Frauen das ausschlaggebende und „ihre“ Partei ist gewählt worden. Beispielsweise verdankt Obama seinen Wahlsieg wohl den Frauen. Wenn Frauen eine Frau wählen könnten, dann könnten sie dies tun, wenn sie eine Frauenpartei wählen wollten, dann würde diese die Kanzlerin stellen.

Politische Parteien richten ihr Programm daher natürlich auch auf die weibliche Wählerschaft aus .

3. Frauen sind durch ihre Geschlechterrollen fremdbestimmt und erkennen deren Nachteile nicht

Frauen setzen meiner Meinung nach ihre Lebensentwürfe durchaus gezielt um. Sie entscheiden sich überlegt für bestimmte Modelle und nicht einfach nur stumpf, weil sie Frauen sind. Sie wählen bestimmte sehr frauenlastige Berufe, weil sie diese interessieren, nicht aufgrund eines perfiden Planes des Patriarchats. Sie wählen sie auch, weil deren Faktoren sie auf eine bestimmte Weise betreffen, etwa weil sie eine bessere Vereinbarung von Beruf und Kindern erlauben oder eine bestimmte Life-Work-Balance erlauben.

Sie richten ihr Leben weniger auf Status und Karriere oder Verdienst aus als Männer und planen dafür andere Sachen ein, die ihnen wichtig sind.

4. Ohne gesellschaftlichen Druck wären Frauen wie Männer und Männer wie Frauen

Das vernachlässigt die biologische Seite der Geschlechter. Ich denke dazu habe ich hier im Blog auch schon genug ausgeführt.

5. Frauen stützen die gegenwärtige Gesellschaft nicht

In feministischen Texten scheint die Gesellschaft nahezu aussschließlich zum Vorteil der Männer konzipiert zu sein, die dort alle Privilegien haben, während Frauen nur Nachteile haben. In so einer Vorstellung wäre ein stützen der Gesellschaft durch Frauen nur insoweit vorstellbar, wie diese gar nicht bemerken, welche Nachteile sie dort eingehen.

Tatsächlich wollen Frauen meiner Meinung nach hochmoderne Gesellschaften, mit einer Wettbewerbsstruktur, die neue Produkte zu billigen Preisen hervorbringt und Luxusartikel schafft. Frauen wollen häufig nicht unbedingt in diesem Wettbewerb stehen und suchen sich Jobs, die im Schnitt weniger wettbewerbsorientiert sind, das bedeutet aber nicht, dass sie die Produkte eines Wettbewerbs nicht zu schätzen wissen. Von Louis Vuitton Taschen über Mode jeder Spielart wollen und fordern Frauen Konsummöglichkeiten und nehmen dabei natürlich in Kauf, dass ihre Kleidung in China gefertigt wird und man das Geld für diverse Luxusartikel für soziale Zwecke moralischer einsetzen könnte. Sie wollen ein sicheres Leben mit finanzieller Abgesichertheit, guter Infrastruktur etc. Ein Leben in einem landwirtschaftlich geprägten Matriarchat wollen sich die meisten Frauen genau so wenig vorstellen wie ein Leben in einem abgeriegelten Kommunismus. Die meisten Frauen wollen einen Rechtsstaat, sie denken nicht, dar wir in einer Rape Culture leben und sie wollen auch keine Revolution mit der Absetzung von Männern und deren Ersetzung durch Frauen, wenn ihnen diese keine konkreten Vorteile bietet, die man erkennen kann.

Sie sind ebenso ihren Männern, Brüdern, Söhnen und Vätern verbunden wie diese jeweils ihren Frauen, Schwestern, Töchtern und Müttern verbunden sind.

6. Frauen sind keine interessante Zielgruppe, deren Umwerbung sich lohnt

Es scheint mitunter die Denkweise vorzuherrschen, dass es sich für Konzerne mehr lohnt, Frauen gegen ihre eigenen Interessen zu beeinflussen als sie als mündige Kunden zu sehen, deren Wünsche und Interessen man berücksichtigt.

Das ist meiner Meinung nach eine merkwürdige Vorstellung vom Kapitalismus: Zunächst muss es den Kunden interessieren, seine Ware zu verkaufen. Wer immer eine Ware hat, die den Wünschen und Vorstellungen von Frauen entspricht, der hat ein Interesse daran, diese Wünsche und Vorstellungen zu bedienen. Ein einheitlicher Plan, diese Wünsche und Vorstellungen zu manipulieren muss damit zu Lasten bestimmter Produzenten gehen, die ihre Waren  sonst besser absetzen würden. Frauen haben eine enorme Nachfragemacht und erledigen einen Großteil der Einkäufe. Sie als Kundengruppe nicht ernst zu nehmen, ihnen nicht ein möglichst gutes Bild in Verbindung mit der Nutzung des Produktes zu vermitteln, wäre gefährlich. Natürlich kann es sich lohnen, hierbei auch Klischees anzusprechen oder auszubauen, aber auf lange Sicht muss sich die Frau mit ihren Wünschen in dem Produkt wiederfinden. Sowohl in der Werbewirtschaft als auch in den Medien ist daher ein Eingehen auf Frauen notwendig.

7. Frauen werden nur in Geschlechterrollen gebracht, sie bringen diese nicht hervor.

Vielleicht nur eine Erweiterung eines oben genannten Punktes, aber wenn man davon ausgeht, dass Frauen bestimmte Verhaltensweisen bei Männern attraktiver finden und diese als attraktiv empfundenen Verhaltensweisen eher der Darstellung eines Mannes, der den Geschlechterollen entspricht,  nachempfunden sind, dann ist das nicht nur ein passives Aufgreifen der Geschlechterrollen, sondern gleichzeitig eine Aufforderung an Männer sich genau so zu verhalten.

Wenn bestimmtes Verhalten gefördert und anderes als langweilig oder unsexy empfunden wird, dann erzeugt dies einen gewissen kulturellen Druck zu einem solchen Verhalten.

Männer und Frauen befinden sich in einem gegenseitigen Beeinflussungsverhältnis, in dem jedes Geschlecht über seine Anforderungen bestimmte Verhaltensweisen des anderen Geschlechts hervorruft. Viele dieser Anforderungen haben über Attraktivitätsmerkmale biologische Hintergründe, die über Kultur stärker oder schwächer ausgeprägt werden können.

Das wäre erstmal meine vorläufige Ideensammlung. Vielleicht fällt ja dem ein oder anderen noch ein Punkt ein, der ergänzt werden sollte.