Selbermach Samstag VII

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

22 Gedanken zu “Selbermach Samstag VII

  1. KiMiss-Studie 2012:

    Mittels der KiMiss-Studie 2012 wurden Daten zur Lebenssituation von Trennungs- und Scheidungskindern in Deutschland aus der Sicht von Elternteilen erhoben, die getrennt von ihren Kindern leben und weniger Kontakt zu diesen haben, als sie sich wünschen. Im Befragungszeitraum 08.01.2012 bis 07.05.2012 wurden Fragebögen für 1426 Kinder ausgefüllt, 1170 davon erfüllten die (Deutschland-spezifischen) Einschlusskriterien für diese Studie.

    Die Studienergebnisse zeigen systematische Probleme im familiengerichtlichen Bereich auf. 70-80% der Befragten berichten, dass ihnen systematisch eine Elternschaft verwehrt werde und sie an einem geeigneten Kontakt zum Kind / zu den Kindern gehindert würden. 75% der Befragten sehen ihr Kind in der geschilderten Trennungs- oder Scheidungssituation einer Form von Kindesmissbrauch oder -misshandlung durch den anderen Elternteil ausgesetzt, 49% verwenden diese Begriffe auch in ihrer direkten Form. Etwa 20% der Befragten geben an, dass das Kind vollständig von ihnen entfremdet sei.

    Täuschung von Gerichten, Falschbeschuldigungen und Beeinflussung von Verfahren und Verfahrensbeteiligten werden in fast jedem zweiten Fall genannt. Eine Kommerzialisierung des familienrechtlichen Systems durch Rechtsanwälte und Sachverständige wird kritisiert. Betroffene berichten von Willkür und Inkompetenz von Behörden, oder dass sie psychisch und/oder finanziell zerstört und um einen der wichtigsten Bestandteile ihres Lebens beraubt worden seien.

    http://www.kimiss.uni-tuebingen.de/de/2012studie.html

  2. So, dann will ich mal wieder meine „frauenfeindliche Scheiße“ unters Volk bringen:

    Das hier

    ist ein in Gänze sehenswertes Video mit Arne Hoffmann, Prof. Walter Hollstein, Gerhard Amend usw. und es geht um Themen wie den drastischen Anstieg im Ritalinkonsum von Jungen um das 52fache, es geht um einen offenbar ebenfalls drastischen Anstieg an Impotenz (laut Kinsey-Studie in den 50ern bei 1,3 % aller Männer, heute angeblich bei einem Drittel aller), um Missbrauch von Jungen durch die eigenen Mütter, um Feminismus usw. – sind viele Themen, die teils hier schon diskutiert wurde, teils noch diskutiert werden können.

    Was war diese Woche noch für mich interessant an Links, die Feministinnen pauschal als „sexistische Kackscheiße“ einstufen würden?

    Das hier:

    Thema: Pick Up, Frauenquoten, absolute Beginner, Verhältnis der Geschlechter zueinander, Verunsicherung der Männer, Feminismus, dass Frauen nur „nach oben“ heiraten usw. – unter anderem mit Maximilian Pütz. Auch in Gänze sehenswert und auch gut zum Weiterverbreiten geeignet.

    Wat war noch so? Ach ja: Dat da mit de Wiki-Cybermobbing-Pedia, hatte der Arne wat zu geschrieben. Alle sollen es wissen, unbedingt weiterverbreiten:

    http://arnehoffmann.blogspot.de/2012/11/politische-manipulation-in-der_11.html

    http://arnehoffmann.blogspot.de/2012/11/politische-manipulation-in-der.html

    http://www.genderama.blogspot.de/2012/11/vera-lengsfeld-wie-wikipedia.html

    So, „liebe“ Feministinnen, ich hoffe, das hat gesessen. Jetzt ärgert euch schön! Am besten gebt ihr auf. Ihr könnt eh nicht mehr gewinnen, am Ende habt ihr euch selbst besiegt. Irgendwann weiß jedes Kind das alles und auch, wie Harald Eia euch in Norwegen vor die Wand gefahren hat. Ihr werdet eure Schwachstellen und eure ideologische Verbortheit nicht ewig verstecken können, ebenso wenig werdet ihr für immer die zunehmenden Benachteiligungen des männlichen Geschlechts weiter tabuisieren können, die das Verhältnis der Geschlechter zueinander verschlechtern werden und damit auch Frauen schaden. Es wird alles ans Tageslicht kommen, auch irgendwann in den Massenmedien, und dann kriegt ihr ENDLICH die Forschungsgelder, Jobs als „Gleichstellungsbeauftragte“ und alles gestrichen.

    • hi matthias

      ich habe von anderer seite auch schon negatives über wiki gelesen.
      es ging darum das bei wiki offensichtlich extrem linke zeitgenossen ihre eigene meinung verbreiten und alles andere löschen. das ergebnis war dann das das ef-magazin in die nazi ecke geschoben wurde.

      damit sich jeder selber ein bild machen kann…
      http://www.ef-magazin.de/

      • Genau – und durch solche Typen erfahren dann Begriffe wie „Nazi“ oder „Antisemit“ so eine richtig „schöne“ Inflation. Die NPD wird´s freuen!

    • Hey, das Gesicht von Kathrin Henneberger kommt mir bekannt vor.
      Es ist der Prototyp des Gesichts in das ich blicke wenn ich mich mit den besten Frauen der Welt unterhalte.

  3. hier auch ein interessanter artikel. es geht um studien die manipuliert werden/wurden.

    „…Eine aktuellen Studie im Journal Proceedings of the National Academy of Sciences zeigt, dass seit 1973 fast 1000 biomedizinische Studien zurückgezogen worden waren, weil irgendjemand im System geschummelt hat. Das sind massive 67% aller biomedizinischen Studien. Und es wird schlimmer – im vorigen Jahr hat Nature berichtet, dass der Anstieg der Rate zurückgezogener Studien die Anzahl der veröffentlichten Studien überstiegen hat. …“

    http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/wissenschaftlicher-betrug-grassiert-es-ist-an-der-zeit-fuer-gute-wissenschaft-zu-demonstrieren/

    • Könnte und wird vermutlich was damit zu tun haben, dass Publikationen primär deshalb veröffentlicht werden, damit Menschen ihren Dr.-Titel und ihre Habilitation bestehen, damit sie danach genommen werden, damit sie weiter Forschungsgelder bekommen, alles schön fristgerecht, immer die heilige Deadline beachten usw. – am Ende kommt dann ein Murks bei raus.

      Hängt vermutlich auch damit zusammen, dass heute viele Studien (z. B. im pharmazeutischen Bereich) mit wirtschaftlichen Interessen verflochten sind, Forschungsgelder von Firmen kommen usw.

      Unter den heutigen Forschungsbedingungen hätte ein Charles Darwin und auch ein Wallace so leicht keine Evolutionstheorie auf die Beine stellen können, weil sie viel zu früh Ergebnisse hätten vorstellen müssen, auch Zwischenergebnisse, weil sie nicht lange genug unterstützt worden wären, weil Grundlagenforschung und zweckfreie Forschung out sind usw. – alles beschissen heute.

      • Nachtrag: Aus solchen Gründen – also weil jemand unbedingt einen Titel oder sonst wie Reputation braucht, Fristen krampfhaft einhalten muss, auf der Uni als Mädchen für alles missbraucht wird während des Doktorats usw. wird ja auch so viel mit der „Guttenberg-Methode“ (=Strg + c +v) „promoviert“. Besonders bei den vermutlich unehrlichsten aller Leute, den Politikern. Kommt aber auch so vor.

        Es gibt viele, die um jeden Preis, auch um den der eigenen Würde (Bei einer Doktorarbeit mit Plagiaten vorgehen geht aus meiner Sicht gegen die eigene Würde!), einen Dr.-Titel wollen. Oder ihn deshalb haben müssen, weil ein nicht bestandenes Doktorat gerade im Zeitalter der Massenarbeitslosigkeit echt nicht gut kommt im Bewerbungsgespräch. Mehr Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt und eine bessere Organisation an der Uni, aber auch mehr Kontrolle, würden die Leute ehrlicher machen.

  4. Dann will ich auch noch ein geschätztes Video beisteuern: Girlwriteswhat spricht über Male Dispoability, Feminismus und die übliche Verlogenheit/Ignoranz beim Umgang mit diesem Phänomen.

    Wer’s lieber schriftlich nachliest, hier ist der Text, ein sehr guter Text:

    http://www.avoiceformen.com/feminism/feminism-and-the-disposable-male/

    Girlwriteswhat ist der lebende Beweis, dass die holde Weiblichkeit nicht nur aus feministischen Egomaninnen besteht.

    Die sind nur besonders laut, besonders schrill, besonders aggressiv und besonders beliebt bei den femizentrischen Medien und den Zeitgeistigen in den Geistes“wissenschaften“.

    Noch ein recht guter Blogbeitrag auf Englisch mit einigen sehr zutreffenden Beobachtungen:

    http://www.the-spearhead.com/2012/11/16/the-missing-ingredient-to-womens-happiness/

  5. Ein kleines Erlebnis vom heutigen Samstag. Ich hatte vor einigen Monaten eine Versicherung gekündigt und bekam von dieser heute noch einmal ein Werbeschreiben, in dem es um die neuen Unisex-Tarife ging. Als ich das Schreiben durchzulesen begann, wurde mir gleich als erstes eröffnet, dass die neuen Studien irgendeines Wissenschaftlers gezeigt hätten, dass Frauen inzwischen intelligenter als Männer seien. In der Vergangenheit sei es umgekehrt gewesen. Natürlich alles ohne irgendeinen Beleg.

    Ich habe mich nur kurz über diesen primitiven Sexismus geärgert, dann fand ich die Koinzidenz, Kündigung der Versicherung und einen hämischen Werbebrief, der Männer als dümmer darstellt, fast schon lustig. Keine Ahnung, ob dies eine gezielte Rache dieser Versicherung war. Grundsätzlich kommt es mir jedenfalls ziemlich dumm vor, solche Schreiben an männliche Kunden zu versenden.

    Ich will das allerdings auch nicht verharmlosen. Wenn man mit dieser Männerabwertung aktiv bis in den Privatbereich verfolgt wird, hat das schon eine besondere Qualität. Deshalb wäre es vermutlich angebracht, sich in der Sache an den Werberat zu wenden, vermute ich. Was würdet ihr mit so etwas machen ?

    • @ Kareem

      *dass die neuen Studien irgendeines Wissenschaftlers gezeigt hätten, dass Frauen inzwischen intelligenter als Männer seien. In der Vergangenheit sei es umgekehrt gewesen. Natürlich alles ohne irgendeinen Beleg.*

      Das geht auf Flynn zurück, der im Sommer, wohl um sein neues Buch zu promoten, verkündete, Frauen seien in einigen Ländern, die er als besonders modern charakterisierte (ich glaube, es waren Argentinien(!!!), Neuseeland, Estland und Israel) im Schnitt um 1 (!) Punkt intelligenter seien als Männer.

      Das liegt im Bereich des statistischen Rauschens, außerdem auffällig, dass keine bevölkerungsstarken modernen Länder dabei sind (USA, Deutschland, Frankreich, Italien, GB, Japan z.B.), statt dessen Estland, Argentien, israel und Neuseeland, das einzige Land mit einigermaßen großer Bevölkerung ist Argentinien, das aber nicht so sonderlich modern ist, ebenso wie Israel mit seinem hohen Anteil fundamentalistischer Juden und Moslems.

      Das riecht nach Auswahlbias.

      Offenbar die Länder, die den passenden Knalleffekt für’s Buchmarketing lieferten, wurden ausgewählt.

      Zudem testete er 15-30 Jahre alte Probanden, mit einem Schwergewicht bei 15-18jährigen, d.h., er hatte mehr unreife Jungen, die später in die Pubertät kommen und sie später hinter sich lassen, in seinen Samples als Mädchen, von denen ein höherer Prozentsatz mit 15/16 schon ausgereift ist als das bei Jungen der Fall ist.

      Die volle kognitive Leistungsfähigkeit zeigt sich aber erst nach der Pubertät.

      Bei nur 1 Punkt Unterschied ist das von Bedeutung.

      Aber die Marketingaktion hat ihren Zweck erfüllt.

      Wie auch Dein Werbebrief zeigt.

      Die femizentrische Frauenpämperungspresse schnappte nach Flynns Aussage wie ein Hund nach der Wurst.

      Allerdings habe ich nichts mehr von dem Buch gehört, das im September/Oktover erscheinen sollte.

      Weiß da vielleicht jemand mehr?

      Das hier

      *That taboo, however, may be breaking down. In his new book, the brilliant psychologist James Flynn, of Otago University in New Zealand, has revealed that, for the first time, women (in some developed countries) are systematically outperforming men in standardised tests of intelligence. This contradicts earlier findings which suggested that, historically, men have had IQs that were a couple of points higher – or rather, have performed marginally better on a whole slew of intelligence metrics, which measure subtly different things.*

      ist schlicht falsch, mag nicht glauben, dass Flynn das so gesagt hat.

      Jahrzehntelang durfte es keinen Geschlechtsunterschied im Mittelwert geben, weil auf 100 genormt wurde.

      Erst etwa ab 2003/04 tauchten Massen-IQ-Tests auf, in denen Männer im Schnitt 3-5 Punkte besser abschnitten als Frauen.

      Auch das ist vernachlässigbar wenig.

      Nicht vernachlässigbar klein sind dagegen die massiven Unterschiede in der Anzahl von Männern und Frauen in den Extrembereichen (etwa je doppelt so viele Männer wie Frauen sowohl unter den extrem Klugen wie unter den extrem Dummen, ein Unterschied, der wächst mit zunehmender Dummheit/Klugheit, also immer mehr Männer im Vergleich zu Frauen, je dümmer/klüger.

      Dazu sagt Flynn überhaupt nichts.

      Und die Presse ebenfalls.

      PS:

      Habe jetzt doch noch etwas über das neue Buch von Flynn erfahren.

      Das liest sich aber etwas anders.

      Interview mit Flynn:

      *Guardian: Your book, Are We Getting Smarter?, talks about the recent IQ gains made by women.

      Flynn: Women today match men but only in advanced countries, where women get an equal shake. One of the most interesting things is that at university women do have IQs about two points lower than men, maybe three, and a lot of scholars say: „Ah-ha, that means women aren’t as bright“, but why do you think that might be?

      Flynn: Is it to do with the type of people who pursue going to university?

      Flynn: Well, it has to do with the fact that, if you take a girl of 17 from secondary school with an IQ of 100, she will get better grades than the typical boy. So that means that the girl with the IQ of 100 may well get to university and the boy won’t. So the male sample is more elite; it has a higher threshold. This reveals one of the disturbing things about British education: if you look at the Organisation for Economic Co-operation and Development statistics, at the end of secondary school, only the top third of boys matches the top half of girls for reading. In America, only the top quarter of boys matches the top half of girls for written composition. This is why so many women are beginning to dominate journalism and law.*

      http://www.guardian.co.uk/technology/2012/sep/23/james-flynn-iq-scores-environment

      Jetzt habe ich aber keine Zeit mehr und muss aufhören.

  6. Ich habe grade „Bodies that matter“ von Judith Butler gelesen. das ist wohl einer der fundamentalsten Texte des feministischen Sozialkonstruktivismus. Nich nur Gender ist eine soziale Konstruktion, sondern die Vorstellung eines männlichen oder weiblichen Körpers überhaupt, oder die Vorstellung von einer Körperlichkeit, die den Diskursen vorausgeht.

    Viellciht schreib ich mal was darüber, wenn ich Zeit habe.

    • @ El_Mocho

      * oder die Vorstellung von einer Körperlichkeit, die den Diskursen vorausgeht.*

      „Und das Wort ist Fleisch geworden.“

      In säkularisierter Form.

      Der Geist schwebt über den Wassern und schafft die Welt, das Wort schafft die Physis, der Logos gestaltet die Materie.

      Eine „pervertierte“ Religion, in’s Innerweltliche gekehrt.

    • Sprachliche Themen interessieren mich.

      Diese „geschlechtergerechte Sprache“ ist ziemlicher Mist, weil sie den Sprecher dazu zwingt, quasi immer und überall das „natürliche Geschlecht“ des Bezeichneten mit auszudrücken (sowie zu umständlichen Konstruktionen, wenn man explizit beide Geschlechter bezeichnen will).

      Ich wäre dieses Problem (sofern man das „generische Maskulinum“ unbedingt als Problem betrachten will) anders angegangen, und hätte ein Suffix zum expliziten Ausdruck „männliches natürliches Geschlecht“ eingeführt, also z.B. Täter = Täterinnen UND Täteriche, Krankenschwester = entweder eine Krankenschwesterin oder ein Krankenschwesterich usw. usf. 😉

      Mal sehen, ob die meinen (m.A.n. recht harmlosen) Kommentar freischalten 😉

    • Männer arbeiten nicht einfach nur paritätisch, sie arbeiten insegsamt MEHR als Frauen (Erwerbsarbeit, Pflegearbeit, Sorgearbeit, Haushaltsarbeit zusammengerechnet), zwar nur wenig mehr, aber immerhin.

  7. Judith Butler ist bekannt für ihre Theorie, die sich „gegen die Annahme eines faktischen, materiellen körperlichen Geschlechts (wendet), das mit einem sozialen Konstrukt (gender) überschrieben wird. Sie geht davon aus, dass der Begriff des biologischen Geschlechts und der damit zusammenhängende Rekurs auf Naturalität selbst „eine kulturelle Norm, die die Materialisierung von Körpern regiert“ ist. (http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rper_von_Gewicht#Materialit.C3.A4t_des_Geschlechts)

    Das da die Frage naheliegt, wer denn der Konstrukteur dieses Konstruktes sei, bzw. woher denn diese kulturelle Norm stammt, wenn sie schon bei der Identitätsbildung von Menschen ansetzt, also praktisch bevor diese überhaupt handelnd aktiv werden können, weiß Butler selber. Sie schreibt:

    „If gender is a construction, must there be an „I“ or a „we“ who enacts or performs that construction? How can there be an activity, a constructing, without presupposing an agent who precedes and performs that activity? How would we account for the motivation and direction of construction
    without such a subject?“ (Bodies that matter, p. 7)

    Und antwortet auf die Frage:

    „I would suggest that it takes a certain suspicion toward grammar to reconceive the matter in a different light. For if gender is constructed, it is not necessarily constructed by an „I“ or a „we“ who stands before that construction in any spatial or temporal sense of „before.“ Indeed,- it is unclear that there can be an „I“ or a „we“ who has not been submitted, subjected to gender, where gendering is,
    among other things, the differentiating relations by which speaking subjects come into being. Subjected to gender, but subjectivated by gender, the „I“ neither precedes nor follows the process of this gendering, but emerges only within and as the matrix of gender relations themselves.” (a.a.O.)

    “Suspicion toward grammar” verstehe ich so, dass sie meint, die Grammatik würde uns zwingen, zu einem Verb (einer Tätigkeit) immer ein Subjekt (das die Tätigkeit ausführt) hinzu zu denken, obwohl dies in der Realität keineswegs notwendig wäre. Etwas später im Text heißt es entsprechend:

    „Construction is neither a subject nor its act, but a process of reiteration by which both „subjects“ and „acts“ come to appear at all. There is no power that acts, but only a reiterated acting that is power in its persistence and instability.” (p. 9) und weiter:

    “Construction is neither a single act nor a causal process initiated by a subject and culminating in a set of fixed effects. Construction not only takes place in time, but is itself a temporal process which operates through the reiteration of norms; sex is both produced and destabilized in the course of this reiteration.” (p. 10)

    Für mich ergeben sich da ein paar fundamentale Fragen: Wie ist das Verhältnis von Sprache und Realität? Muss nicht die Realität der Sprache notwendig voraus gehen? Muss es nicht erst Menschen (und vor allem erst eine Welt, die zumindest so stabil ist, dass in ihr evolutionäre Prozesse ablaufen können) geben, bevor es Sprache geben kann? Ist nicht der Übergang von Nicht-Sprache zu Sprache höchst fließend, von den einfachen Signallauten niedriger Tiere bis zu den schon relativ komplexen Signalsystemen nichtmenschlicher Primaten? Und wenn dem so ist, ist dann nicht Sprache notwendig von der Welt konstruiert durch Evolution (indem sie einer bestimmten Spezies einen erheblichen Selektionsvorteil verschafft) und nicht umgekehrt?

    Vielleicht kenn ich Butlers Werk nicht genug, aber in diesem Buch geht sie auf diese Fragen nirgendwo ein. Und andere Sozialkonstruktivisten tun dies auch nicht; ist dies nicht ein Schwachpunkt, an dem jeder Sozialkonstruktivismus scheitern muss?

    Dies gilt aus meiner Sicht zumindest für radikale Formen des Sozialkonstruktivismus, die nicht nur davon ausgehen, dass es keinen nicht durch die Gesellschaft bestimmten Zugang zur Realität gibt, sondern dass die Realität überhaupt nur das Ergebnis sozialer Prozesse ist.

    Der Prozess der Konstruktion wird genauer so beschrieben:

    „To „refer“ naively or directly to such an extra-discursive object will always require the prior delimitation of the extra- discursive. And insofar as the extra-discursive is delimited, it is formed by the very discourse from which it seeks to free itself.” (p. 11)

    Und an anderer Stelle: „The body posited as prior to the sign, is always posited or signified as prior.” oder : “To posit by way of language a materiality outside of language is still to posit that materiality and the materiality so posited will retain that positing as its constitutive condition.” (p 30)

    Demnach konstruiert der Diskurs also, indem er zwischen sich selbst und den außerdiskursiven Objekten unterscheidet? Damit wird der Relativismus auf die Spitze getrieben, als würde die Existenz der Welt davon abhängen, ob sich irgendwelche menschlichen Diskurse auf sie beziehen. Hier wird ganz deutlich, dass Butler offenbar unfähig ist, sich eine unabhängig vom menschlichen Bewusstsein existierende Welt vorzustellen, sie existiert immer nur in Beziehung auf den sie erkennenden Menschen.

    Natürlich ist die Welt für uns nur zugängig, indem wir uns erkennend auf sie beziehen, aber daraus folgt ja nicht, dass die ohne dieses Erkennen nicht existieren würde.

    Butler fragt nirgendwo nach der Sprache, sie wird einfach als gegeben vorausgesetzt. Das ist aus meiner Sicht eine große Ignoranz, aber sie ist üblich bei geisteswissenschaftlich orientierten Philosophen. Letzten Endes läuft dies auf eine solipsistische Position heraus, die das eigene Subjekt für absolut setzt, indem es die Existenz der Welt von sich abhängig macht.

    Aber Butler geht ja wesentlich um Sex und Gender und nicht um allgemeine Erkenntnistheoretische Fragen. Sie schreibt:

    „To „concede“ the undeniability of „sex“ or its „materiality“ is always to concede some version of „sex,“ some formation of „materiality.“ Is the discourse in and through which that concession occurs not itself formative of the very phenomenon that it concedes? … there is no reference to a pure body
    which is not at the same time a further formation of that body.“ (p. 10) und:

    “What will and will not be included within the boundaries of „sex“ will be set by a more or less tacit operation of exclusion. … there is no reference to a pure body which is not at the same time a further formation of that body.” (p. 11)

    Hier passiert wieder das gleiche wie oben. Das Sexualität eine besondere Strategie im Rahmen der natürlichen Auslese sein könnte und nicht davon abhängt, wie Menschen dieses Phänomen verstehen und beurteilen, bleibt außerhalb von Butlers Horizont.

    Warum kommen Menschen fast ausschließlich mit bestimmten physischen Geschlechtsmerkmalen zur Welt? Warum gibt es zwei Geschlechter?

    Judith Butler hat auf diese Fragen keine Antwort und übergeht sie stillschweigend.

    Die Einleitung zu Butlers Buch kann übrigens hier: http://schwarzemilch.files.wordpress.com/2009/02/butlerintroduction.pdf

    Herunter geladen werden.

  8. Pingback: Zum Verhältnis von Sprache und Realität bei Judith Butler « Alles Evolution

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