Matrilokal oder patrilokal

Die Frage, ob Primaten patrilokal oder matrilokal leben, also ob die Männchen bei ihrer Familie leben oder die Weibchen, entscheidet sich wohl im wesentlichen wie folgt:

Weibchen sind im stärkeren Maße als Männchen auf beständige Nahrungsversorgung angewiesen. Dies resultiert insbesondere darauf, dass sie als Säugetiere zum einen das Kind im Mutterleib unterhalten müssen und bei kurzzeitiger starker Unterversorgung zu befürchten ist, dass das Kind nicht geboren wird und zudem daraus, dass danach das Kind noch versorgt werden muss und über lange Zeit unselbständig bleibt.

Ein sicherer Rückhalt ist dabei die Familie, bei denen bereits aufgrund der Verwandtenselektion ein gewisses Interesse daran besteht, dass das Kind, dass eben mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch ihre Gene verbreitet, überlebt. Dies ist wohl auch der Grund, warum die meisten Säugetiere eher in diesem Modell leben. Hier können sich dann die Weibchen untereinander Schutz geben und sich so auch gegen stärkere Männchen durchsetzen.

Die Versorgung durch die Familie hat aber einen Nachteil: Wenn Nahrungsmittel knapp sind, dann befinden sich die Familienmitglieder in direkter Konkurrenz um die Nahrung. Dies kann ein Verhalten begünstigen, bei dem patrilokal gelebt wird, da dann die Mutter und das Kind nicht mit den Genen der Verwandten in einem Konflikt stehen, sondern mit denen des Vaters, was für die Mutter günstiger sein kann.

In einer Spezies mit starker Paarbindung unter den Männchen und den Weibchen mag zudem noch der Vorteil bestehen, dass das Weibchen über die Bindung zu ihrem Mann auch die Vorteile von dessen Verwandten nutzen kann, wenn diese auch nicht in einem so engen Verhältnis zu ihr wie zu ihm stehen.

Der weitere Vorteil ist, dass in diesem Modell die Männchen von der leichteren Gruppenbildung profitieren. Kommt dann noch intrasexuelle Konkurrenz unter den Männchen dazu und werden Hierarchien ausgebildet, dann lohnt sich die Zusammenarbeit noch mehr, da zwei Männchen sich auch gegen ein Männchen durchsetzen können, welches eigentlich stärker ist als sie einzeln. Da zudem intrasexuelle Konkurrenz unter Männchen nicht nur zum Schutz und Nahrungssuche genutzt wird, sondern auch zum Statusaufbau und besseren Fortpflanzungsmöglichkeiten besteht hier üblicherweise eine höhere Konkurrenz.