„Vergewaltiger und Männermagazine verwenden die gleiche Sprache“

Eine Studie soll ermittelt haben, dass sich die Aussagen aus einem Männermagazin und solche, mit denen Vergewaltiger ihre Tat rechtfertigen, sehr stark ähneln:

Research has suggested that some magazines targeted at young men –lads’ mags– are normalizing extreme sexist views by presenting those views in a mainstream context. Consistent with this view, young men in Study 1 (n = 90) identified more with derogatory quotes about women drawn from recent lads’ mags, and from interviews with convicted rapists, when those quotes were attributed to lads’ mags, than when they were attributed to convicted rapists. In Study 2, 40 young women and men could not reliably judge the source of those same quotes. While these participants sometimes voiced the belief that the content of lads’ mags was ‘normal’ while rapists’ talk was ‘extreme’, they categorized quotes from both sources as derogatory with equal frequency. Jointly, the two studies show an overlap in the content of convicted rapists’ talk and the contents of contemporary lads’ mags, and suggest that the framing of such content within lads’ mags may normalize it for young men.

Quelle: „Lights on at the end of the party”: Are lads’ mags mainstreaming dangerous sexism?

Viele feministische Blogs haben die Studie besprochen und eine neue Bestätigung der Rape Culture darin gesehen (zB Jezebel/Fatal Feminist/TAZ)

In einer Besprechung der Studie habe ich die konkreten Aussagen gefunden um die es da geht: Ich kommentiere sie auch gleich

Quotes sourced from convicted rapists

1 There’s a certain way you can tell that a girl wants to have sex . . . The way they dress, they flaunt themselves.

Da haben sie sich ja eine hübsch harmlose Aussage rausgesucht. Das Problem des Vergewaltigers ist ja, dass er nicht nur aus ihre Kleidung Rückschlüsse auf ihre Bereitschaft zu Sex schließt, sondern daraus schließt, dass er sich über ihren Willen hinwegsetzen kann. Das man bei einer sehr sexuell gekleideten Frau vermutet, dass sie ihre Reize nutzen will, kann natürlich falsch sein, sie kann auch einfach besonders gut in der intrasexuellen Konkurrenz unter Frauen ankommen wollen, es muss aber nicht falsch sein. Wenn ein Date relativ sexuell gekleidet ist, wenn wir uns treffen, dann ist das bisher meist in der Tat ein gutes Zeichen gewesen.

2 Some girls walk around in short-shorts . . . showing their body off . . . It just starts a man thinking that if he gets something like that, what can he do with it? . . .

Kann auch eine harmlose Aussage sein. „If he gets something like that“ muss ja nicht ein negativer Aspekt sein, es kann auch einfach gemeint sein, dass man mit ihr zusammen kommt. Und dann kann man eben einvernehmlichen Sex haben.

3 What burns me up sometimes about girls is dick-teasers. They lead a man on and then shut him off right there.

Auch hier kann die Aussage harmlos sein: Natürlich kann es jemanden ärgern, wenn Frauen sexuell reizen und ihre Reize einsetzen um Vorteile herauszuholen. Wenn man merkt, dass mit einem gespielt wird. Eine normale Reaktion wäre solche Frauen zu meiden oder ihrerseits mit ihnen zu spielen („Die großen Augen sind schon gut, aber der Kopf muss noch etwas schiefer“). Das ist alles kein Problem und harmlos. Ein Vergewaltiger würde eben aus den sexuellen Reizen Rechte herleiten, die ihm nicht zustehen

4 You know girls in general are all right. But some of them are bitches . . . The bitches are the type that . . . need to have it stuffed to them hard and heavy.

Schon eine härtere Aussage. Aber auch hier wäre eine Auffassung, dass man sie verführen sollte und sie gerade sehr zickige Frauen eher härteren, aber einvernehmlichen Sex mögen und dann weniger zickig sind vielleicht machohaft, aber weit weg von einer Vergewaltigung. Der Vergewaltiger würde eben denken, dass ihr Verhalten eine Korrektur notwendig macht, die durch Sex erfolgt und gegen ihren Willen erzwungen werden sollte.

5 You’ll find most girls will be reluctant about going to bed with somebody or crawling in the back seat of a car . . . But you can usually seduce them, and they’ll do it willingly.

Unproblematische Aussagen meiner Meinung nach. Wenn eine Frau verführt wird und sie dann Sex will, dann sollte das ihr gutes Recht sein.

6 Girls ask for it by wearing these mini-skirts and hotpants . . . they’re just displaying their body . . . Whether they realise it or not they’re saying, ‘Hey, I’ve got a beautiful body, and it’s yours if you want it.

Problematische Aussage. Wobei eben ein Freiraum durch „It“ verbleibt. Wer mit „It“ Verführung verbindet, der ist kein Vergewaltiger, sondern hat nur ein (zu) großes Ego.

7 Some women are domineering, but I think it’s more or less the man who should put his foot down. The man is supposed to be the man. If he acts the man, the woman won’t be domineering

Die Aussage „The Man is supposed to be the man“ werden wahrscheinlich durchaus viele Frauen teilen. Problematisch hier ist zum einen der Essentialismus gegenüber Frauen und Männern und zum anderen natürlich das Ausmaß, in dem man dominieren möchte. Wer mit Negs oder ein paar Sprüchen dominieren möchte oder entsprechendes auf ein dominantes Verhalten zurückgibt ist kein Vergewaltiger. Auch hier geht es eben darum, dass man bestimmte Grenzen beachtet.

8 I think if a law is passed, there should be a dress code . . . When girls dress in those short skirts and things like that, they’re just asking for it.

Eine bescheuerte Aussage keine Frage. Schon wegen des totalitären Ansatzes.

Quotes sourced from lads’ mags.

1 A girl may like anal sex because it makes her feel incredibly naughty and she likes feeling like a dirty slut. If this is the case, you can try all sorts of humiliating acts to help live out her filthy fantasy.

Würde ich durchaus für eine Möglichkeit halten. Die Betonung liegt hier meiner Meinung nach auf „may“ „if this is the case“ und auf „Try“. Es spricht nichts dagegen jemanden dabei zu helfen seine dreckigen Fantasien auszuleben und auch nichts dagegen, dass Frauen dreckige Fantasien haben.

2 Mascara running down the cheeks means they’ve just been crying, and it was probably your fault . . . but you can cheer up the miserable beauty with a bit of the old in and out.

Die meisten Frauen werden wohl, wenn sie heulen, nicht unbedingt in der Stimmung für Sex sein. Insofern wird es nicht unbedingt erfolgreich sein. Aber das macht einen nicht zu einem Vergewaltiger. Der Versuch, sie zu Sex zu überreden oder sie durch Sex aufzumuntern ist vielleicht nicht erfolgreich, aber muss nicht negativ sein. Umgekehrt würde es aber wahrscheinlich besser klappen.

3 Filthy talk can be such a turn on for a girl . . . no one wants to be shagged by a mouse . . . A few compliments won’t do any harm either . . . ‘I bet you want it from behind you dirty whore’ . . .

Ja, in der Tat kann es etwas sein, was Frauen mögen. Auch hier spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, dass man so etwas in seinem Sexualleben nutzt, wenn es beide wollen. Dass in die Richtung einer Vergewaltigung zu drehen spricht für eine gewisse Sexfeindlichkeit.

4 Escorts . . . they know exactly how to turn a man on. I’ve given up on girlfriends. They don’t know how to satisfy me, but escorts do.

Hier stellt sich wohl die Frage, wie man zur Prostitution steht. In einer Dworkinschen Auslegung  mag es gleichbedeutend mit einer Vergewaltigung sein. Ich persönlich würde es traurig finden, wenn man durch seine Freundinnen nicht mehr befriedigt werden kann. Dass Escortfrauen sicher einige faszinierende Tricks auf Lager haben kann ich mir durchaus vorstellen: Immerhin ist es ihr Beruf. All dies hat aber nichts mit einer Vergewaltigung zu tun.

5 There’s nothing quite like a woman standing in the dock accused of murder in a sex game gone wrong . . . The possibility of murder does bring a certain frisson to the bedroom.

Den Satz begreife ich zugegebenermaßen nicht so richtig. „Eine Frau, die eines Mordes beschuldigt wird in einem Sexspiele, dass schief gegangen ist. Die Möglichkeit eines Mordes bringt einen gewisse Spannung in das Schlafzimmer“. Hier ist – wenn ich es richtig verstehe –  die Frau die Mörderin. Ich kann mir hier zwar gewisse Würgespiele vorstellen, aber irgendwie scheint es sich ja hier eher um eine dann wohl weibliche Vergewaltigerin zu handeln?

6 You do not want to be caught red-handed . . . go and smash her on a park bench. That used to be my trick.

Würde ich so übersetzen: „Man sollte sich nicht auf frische Tat erwischen lassen. Fick sie auf einer Parkbank. Das war mein Trick“ Könnte ich mir bei einer Anleitung wie man fremdgeht durchaus als Tipp vorstellen. Ob die Doppeldeutigkeit hier aus dem umgangssprachlicheren „Smash her“ für rauhen Sex und „dem wörtlicheren „schlagen“ kommt?

7 Girls love being tied up . . . it gives them the chance to be the helpless victim.

Alle Frauen sicherlich nicht. Einige Frauen und vielleicht noch nicht mal wenige durchaus. Es spricht auch nichts dagegen so etwas einvernehmlich in sein Sexleben einzubauen.

8 I think girls are like plasticine, if you warm them up you can do anything you want with them.

Sicherlich eine Aussage, die man schnell negativ sehen kann. Letztendlich aber auch recht einfach als „wenn man es ihnen schmackhaft macht oder sie richtig geil sind, dann machen sie sehr viel mit“ fassen kann. Was stimmt. Und was auch nicht bedeuten muss, dass man damit ihren Willen übergeht. Es kann sogar enthusiastischer Konsens dabei vorhanden sein, eben weil sie „warm“ ist. Die wenigsten Vergewaltiger werden meiner Einschätzung nach allerdings ihr Opfer „warm“machen. Sicherlich ein dummer Vergleich, aber aus meiner Sicht in einem passenden Kontext akzeptabel.

Im Ganzen wurden hier also Äußerungen ausgesucht, die von vorneherein relativ unbestimmt waren und gerade bei den Vergewaltigern auch neutraler gesehen werden können.

In der oben zitierten Besprechung findet sich auch noch eine gute Stelle:

What exactly is at stake in normalizing a particular set of views is itself a contentious issue, so in our discussion of this research it’s worth acknowledging some logical possibilities: Possibly having a particular set of attitudes towards women — even sexist attitudes towards women — is completely independent from acting on those attitudes, for example by committing rape. Possibly having a particular set of sexist attitudes towards women might not create any harms for the women with whom one shares a society. Possibly expressing a particular set of sexist attitudes towards women might not create any harms for the women with whom one shares a society.

Interessant ist dabei auch, wie der Sexismus bestimmt wurde. Wir treffen einen alten Bekannten:

Das „Ambivalent Sexism Inventory“ (ASI) dient als Test, ich hatte es hier besprochen:

Sexismus Test

Das der Test eigentlich nicht geeignet ist, tatsächlichen Sexismus zu messen, ist bereits an den Fragen erkennbar.

Einen weiteren Fehler der Studie findet man hier:

In the press release, it’s said that the participants were shown quotes from rapists and quotes from lad mags, but there’s no mention of a control group. I am no expert in psychology research, but this strikes me as odd. Without a third class of quotations – descriptions of women from non-rapist men, perhaps – this research can demonstrate that rapists and lad mags use the same language, but not that this is distinctly “the language of sexual offenders”. It might just be the language of men (though I sincerely hope it isn’t).

Eine Kontrollgruppe hätte also zeigen können, ob tatsächlich in den Magazinen eine solch besondere Sprache gesprochen wird.

Letztendlich werden hier bestimmte Aussagen, die aber nur in einem geringen Zusammenhang mit Vergewaltigung stehen als typische Aussagen von Vergewaltigern dargestellt und Aussagen gegenüber gestellt, die auch nicht in einem Zusammenhang mit Vergewaltigung stehen.

Es ist insgesamt eine wenig ergiebige Studie.