War Rosa früher eine Jungenfarbe und Blau eine Mädchenfarbe?

Eine gerade in Genderkreisen gerne gehörte Aussage ist, dass die Farbe-Geschlecht-Zuordnung früher eine andere gewesen sein soll. Die Wikipedia dazu:

Rosa wirkt sanft und weich, weshalb es seit den 1920er Jahren allgemein mit Weiblichkeit assoziiert wird. Vorher galt Rosa als männlicher Babyfarbton. Rot hat die Assoziationen Leidenschaft, Blut, aktiver Eros und Kampf.[2] Somit galt es lange Zeit als „männliche“ Farbe und Rosa, das „kleine Rot“, wurde Jungen zugeordnet. Blau dagegen ist in der christlichen Tradition die Farbe von Maria. Somit war Hellblau, das „kleine Blau“, den Mädchen vorbehalten. Dies hatte eher in der Oberschicht eine Bedeutung. „Ausgeblichene“ Pastelltöne waren für öfters gewaschene Kinderkleidung geeignet. Gewaschen wurde damals mit der Hand, die Textilfarben waren nicht kochfest. Oft gewaschene Babykleidung war meist neutral weiß und man verwendete höchstens farbige Bändchen.[3] Nach dem Ersten Weltkrieg fand ein Umbruch der Auffassungen statt, die Farbe Blau wurde zum Symbol für die Arbeits- und Männerwelt. Die Blautöne der Marineuniform, blaue Arbeitsanzüge, der Blaumann förderte die Symbolik von Hellblau der Jungen. Jungen trugen die zu Anfang des 20. Jahrhunderts modischen (marineblauen) Matrosenanzüge. Für die weiblichen Babys blieb als traditioneller Kontrast das Rosa. Kinderkleidung wird heutzutage immer farbenfreudiger, die Echtheiten und die Vielfalt der Textilfarbstoffe nimmt zu, die Klassifikation für Babybekleidung verliert an Bedeutung. Das Farbadjektiv rosa (wie auch hellblau) besitzt noch eine eindeutige Funktion, zum Beispiel bei Spielzeug[2][4] und sogar in der Nahrungsmittelindustrie.[5] Abgeschwächt wird diese Einteilung nach Rosa und Hellblau in der Erwachsenenwelt ebenfalls eingesetzt.[1][6] Für erwachsene Frauen ist Rosa die viertschönste und siebtunbeliebteste Farbe, für Männer die achtschönste und die drittunbeliebteste. Für Männer bedeutet diese Farbe meist Hilflosigkeit, Naivität und Schwäche.[7]

Marco Del Giudice, Mitautor der Studie zur Größe der Geschlechtsunterschiede in der Persönlichkeit, hat sich die „Farbumkehr“ (bei ihm „Pink blue reversal“ (PBR)) mal angeschaut:

The searchresults are shown in Fig.1.Gender-coded references to pink and blue begin to appear around 1890 and intensify after WorldWarII. However, all the gender-color associations found in the database conform to the familiar convention of pink for girls and bluefor boys.An equivalent search of the British English corpus (googlebooks-eng-gb-all-20090715) revealed exactly the same pattern.In other words,this massive book data base contains no trace of the alleged pink-blue reversal;on the contrary,the results show remarkable consistency in gender coding over time in both the U.S. and the UK, starting from the late nineteenth century and continuing throughout the twentieth century. If one considers the totality of evidence,the most parsimonious conclusion is that the PBR as usually described never happened, and that the magazine excerpts cited in support of the PBR are anomalous or unrepresentative of the broader cultural context. Not only do the present findings run counter to the standard PBR account;they also fail to support Paoletti’s claim that pink and blue were inconsistently associated with gender until the 1950s.They are, however, consistent with the notion that gender color associations became progressively more salient across the twentieth century

In conclusion, there are strong reasons to doubt the validity of the standard PBR account; if anything, gender-color associations seem to be much more stable than currently believed. Intriguingly, the pink-blue convention may ultimately depend on innate perceptual biases toward different regions of the color spectrum in the two sexes (see Hurlbert & Ling, 2007). Starting from age 2 and continuing throughout preschool, girls display increasing preference for pink while boys show increasing avoidance of the same color (LoBue & DeLoache, 2011). In addition to social learning, these developmental trajectories may reflect the activation of evolved sex differences in color processing.Ofcourse,the PBR is a big stumbling block for biological explanations of gender-color associations; but far from being an established fact,the PBR shows many warning signs of a scientific urban legend.Uncritical acceptance of the PBR may have hindered theoretical and empirical progress in this fascinating area of research

Er fand also nach seiner Recherche keine Farbumkehr statt. Und in der Tat könnte man davon ausgehen, dass eine solche Farbumkehr seine Spuren hinterlassen hätte und in irgendeiner Form bei der Büchersuche hätte ausfallen müssen.

Vielleicht muss man sich insoweit einmal die tatsächlichen Argumente der Gegenseite anhören und nachprüfen worauf sie beruhen.

Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn sie keine Basis hat und einfach als Geschichte weitergegeben wurde, weil sie so gut ins Konzept passt.

70 Gedanken zu “War Rosa früher eine Jungenfarbe und Blau eine Mädchenfarbe?

  1. Hab mal kurz gegoogelt nach Kinderkleidung vor 1800

    Es gibt immer wieder Jungen in Blau, allerdings auch in Rot (würde sagen, seltener als in Blau, müsste man statistisch auswerten und unterscheiden nach Alltags-und Repräsentationskluft.

    15. Jhdt.

    17. Jhdt. (könnte dunkelblau oder auch anthrazit sein)

    18. Jhdt:

    Freie Farbwahl war zudem erst möglich nach Entwicklung der Industriefarben, die billiges Färben für Massenkleidung möglich machte. Vorher war die Farbpalette für den Durchschnittsmenschen sehr eingeschränkt, je ärmer, deto farbloser die Kleidung. Außerdem gab es für bestimmte Stände Farbvorschriften (bestimmte Farben waren nur dem Adel/Klerus vorbehalten).

    Genauso fand ich Mädchen in Blau und Rot (und in etlichen anderen Farben), hier kann ich auf Anhieb keine Domnanz einer Farbe feststellen, vielleiccht weil die Farben Mariens Blau, Rot und Weiß sind, nicht wie in der Wikipedia behauptet nur Blau, meist ist Mariens Schleier blau und das Gewand rot oder umgekehrt, hier eine Tiepolo-Madonna:

  2. Vielleicht muss man sich insoweit einmal die tatsächlichen Argumente der Gegenseite anhören und nachprüfen worauf sie beruhen.

    Ich habe schon mal recht intensiv gesucht, und nach meinen Reherchen lief alles auf einen einzigen Zeitungsartikel hinaus, demzufolge ein Prinzenzimmer von Blau auf Rosa umgestaltet werden musste, weil man eigentlich eine Prinzessin erwartet hatte.

    • eine solche Farbumkehr_in hinterlässt seine/ihre Spuren

      (ist das die männliche Rache für das Vermeiden des generischen Maskulinums 😀 😉 ?)

  3. Und selbst wenn die Farbzuweisung sich geändert hätte. Was würde das belegen? Warum ist diese Geschichte dann in Genderkreisen beliebt?
    Immerhin steht in dem Wikipedia-Artikel, dass rosa mit männlichen Assoziationen und blau mit weiblichen belegt wurde.

    Die Genderisten haben in diesem Fall recht: Farbzuweisungen sind Blödsinn, es sind gesellschaftliche Machtansprüche, die kleine Kinder schon früh in eine Geschlechtsrollen-Schablone pressen sollen.

    Jungen tragen kein Rosa, spielen nicht mit Puppen, raufen gerne und weinen nicht. Mädchen umgekehrt. Idiotische Vorgaben!

  4. Kinderkleidung war früher wesentlich weniger geschlechtspezifisch; die musste nämlich in aller Regel für mehrere Kinder einer Familie gut sein, egalob Junge oder Mädchen.

    Für die allgemeine Konnotation rot=männlich, blau=weiblich gibt es eine Reihe Indizien; die Übertragung der „kleinen“ Farben hellblau/rosa auf Kinder leidet unter Punkt a).

    Es wäre mir eigentliuch neu, dass diese Story in Gender-Kreisen besonders beliebt ist; bzw ist mir das nie aufgefallen. Ich hätte das eher unter „Geschichts-Nerd-Wissen“ abgelegt, als unter „Gender-Kram“… ;=)

    Eine andere, sehr deutliche „Umwidmung“ hat es seit dem 19. Jh. aber zwefeillos gegeben, die für alle, die sich mit Geschlechterrollen auseinandersetzen, sehr interessant ist: Die heutige Konnotation „Pferde=Mädchenkram“ ist ziemlich genausso alt wie die Ausmusterung des Pferdes aus Transportwesen, Landwirtschaft und Militär. Heute reiten v.a. weibliche Jugendliche; vor 100, 150 Jahren hätten die nicht mals vernünftig im Sattel sitzen dürfen, vgl „Damensitz“…

    • Die Frage dabei ist natürlich, ob die Männer damals zu Pferden das gleiche Verhältnis hatten, wie heute die Mädchen/Frauen.
      .
      Ich habe mal irgendwo gelesen, Pferde und Reiten sind in der Pubertät für Mädchen der erste Schritt zu einer Beziehung mit Jungen. Das klingt interessant, weil Pferde für mich etwas sehr männliches verkörpern. Für Mädchen/junge Frauen vmtl. ebenso.

      Und professionelle männliche Reiter haben auch kein Problem damit, sich als schwul zu outen. Das ist bei diesem Sport im Gegensatz zum Fußball kein Problem.

      • „Die Frage dabei ist natürlich, ob die Männer damals zu Pferden das gleiche Verhältnis hatten, wie heute die Mädchen/Frauen.“

        In Theweleits „Männerphantasien“
        http://www.amazon.de/M%C3%A4nnerphantasien-Geschichte-M%C3%A4nnerk%C3%B6rper-Psychoanalyse-Terrors/dp/3492230415
        nehmen die erotisch-gefärbten Liebesbriefe der Soldaten über ihre Pferde einen größeren Platz ein als die festgehaltenen Gedanken über die jeweiligen Familien (z.B. fanden die Soldaten nichtmal die Namen ihrer Frauen erwähnenswert).
        Da wird Dir schlecht, wenn Du das (im Zusammenhang) liest, garantiert.

        „Und professionelle männliche Reiter haben auch kein Problem damit, sich als schwul zu outen. Das ist bei diesem Sport im Gegensatz zum Fußball kein Problem.“

        Das liegt daran, dass Fussball ein Mannschaftssport ist, bei dem man sich berührt und gemeinsam duscht, glaube ich. Naja, und an den anders-zusammengesetzten Fangruppen…

        • „In Theweleits “Männerphantasien” (…) nehmen die erotisch-gefärbten Liebesbriefe der Soldaten über ihre Pferde einen größeren Platz ein als die festgehaltenen Gedanken über die jeweiligen Familien (z.B. fanden die Soldaten nichtmal die Namen ihrer Frauen erwähnenswert).“

          Interessanter Hinweis. Geht der auch auf das Mensch-Maschine-Verhältnis der technisierten Kriegsführung ein? Panzern, Flugzeugen, Kraftfahrzeugen und v.a. Waffen kann mann ja auch Namen geben und diese höher achten als bspw Frauen, auch wenn die erotischen Fanatasien evtl weniger spannend sind (wobei…).

        • @ muttersheera

          Theweleit klingt nach feministischer = „kritischer“ Männerforschung à la Rolf Pohl.

          Ich habe ihn noch nicht gelesen, lohnt sich wohl auch nicht bei dieser „wissenschaftlichen“ Ahnenreihe postmoderner Postempiriker.

          *Theweleit used Wilhelm Reich, Gilles Deleuze and Félix Guattari for his basic theory, but also empirical research, especially of the leading German left-wing historian of Weimar unrest, his friend Erhard Lucas and he was always discussing his findings with his wife, who has professional clinical experience. Theweleit writes in an anti-academic, highly personal style.*

          http://en.wikipedia.org/wiki/Klaus_Theweleit

          Der Faschist als Prototyp traditioneller Männlichkeit (ist bei ihm auch von der Faschistin die Rede?).

          Daher also Dein Männerbild.

        • Wer nach dem Wurzelgrund der gegenwärtigen, zeitgeistigen Diffamierung des Männlichen sucht, muss nicht wie Kucklick bis in die Zeit der Romantik zurücksteigen, im Post-68’er-Dung jüngerer Vergangenheit wird er fündig, aus dem oben bereits angeführten Link:

          http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208708/default.aspx

          *Die voluminösen Bände wurden vor allem im linksalternativen Milieu „geradezu süchtig verschlungen“.8 „Alle – an den Universitäten, in linken undogmatischen Zirkeln, in Wohngemeinschaften oder Männergruppen – haben das Buch damals gelesen“, schrieb Cora Stephan 1992. Es gehört für sie zu den drei Bestsellern der späten 1970er-Jahre (neben Alice Schwarzers „Der kleine Unterschied“ und Svende Merians „Der Tod des Märchenprinzen“).9 Innerhalb kürzester Zeit waren damals 20.000 Exemplare vergriffen, und man schnappte sich in der Szene gegenseitig die Bücher nahezu eifersüchtig weg.10 Der sich schnell ausbreitende Theweleit-Kult führte dazu, dass in seiner Heimatstadt Freiburg im April und Mai 1978 die reich bebilderten „Männerphantasien“ sogar in einer Ausstellung gezeigt wurden.*

          Natürlich dürfte der rot-grüne Zeitgeistapostel von heute ungern mit den eigenen Ausscheidungen aus den glorreichen 70’er-Jahren konfrontiert werden wollen.

          Darum ist die Flucht in die Epoche um 1800 wohl angenehmer, ferner den herrschenden Vorlieben der herrschenden Zeitgeistpräzeptoren.

        • Tja, Sheera,
          da hast Du Roslin ja wieder mal erfolgreich getriggert.

          Ich habe Theweleit nie gelesen, kenne auch persönlich keinen Linken, der ihn gelesen hat und habe meine Zweifel, ob der Erfolg des Buches in dem Link nicht ein wenig übertrieben wird.

          Aber Wilhelm Reich, Gilles Deleuze and Félix Guattari schätze ich auch – aus anderen Gründen.

          Und Kucklick finde ich großartig!

        • @muttersheera

          Hier sind es Männerphantasien, also vornehmlich die Phantasie eines „besonderen“ Mannes.

          Doch schauen wir uns an was für den Mann wohl das Pferd ersetzt hat: Das Auto.
          Bestes Indiz dafür ist dass eines seiner für Männer essentiellen Eigenschaften, die Motorleistung, immer noch in PS (Pferdestärken) kommuniziert wird. Fachzeitschriften und Hersteller wollen zwar die bevorzugten technischeren KW (Kilowatt) immer angeben, doch die PS folgen in Klammern gleich hinterher.

          Und ohne Frage hat das Auto auch eine erotische Bedeutung für Männer, so wie es ein besonders schönes und edles Pferd wohl auch hat.

          Auto wie Pferd sind Gebrauchsgegenstand und Statusdemonstration für den Mann. Status macht erotisch.

          Für Mädchen ist es ein Ersatz für das was ihnen heute am meisten Fehlt: Familie und Mann (ein richtiger und kein Frauenversteher).

          In einer Familie muss sich immer um irgendjemand gekümmert werden, seien es die Jüngsten oder die Ältesten.

          So wird sich halt um ein Pferd gekümmert.

          Dazu kommt wohl auch dass heute Reiten etwas luxuriöses und elitäres darstellt.
          Die Reiterin sitzt hoch, wird vom Pferd getragen, kontrolliert es, hat Übersicht und blickt über Andere.
          Ähnlich wie eine Frau die vom Mann alimentiert wird, diesen auch (sexuell) kontrolliert und damit in der Gesellschaft an Ansehen gewinnt.

          Das Pferd ist auch das Symbol für ein „Ersatznutztier“ was der Frau mit dem Mann ein Stück verloren ging.

          Und hier die neue Wendy.

          http://www.wendy.de/

        • @ Leszek

          Es ist erstaunlich, Lesezek, wie der Theweleitsche Sang zusammenklingt mit dem, was heute Gemeinstrom ist.

          *Lothar Baier geißelte dies als einen „Selbstbezichtigungsfuror“. Theweleit habe nahezu um die Auszeichnung „Frau honoris causa“ gebettelt. Die viel zu weitgehende „männliche Selbstkritik“ werde einfach dadurch abgestützt, dass Theweleit die untersuchte Literatur ohne Rücksicht auf Bedeutungsdifferenzen durchforste und im Sinne eines gigantischen Zettelkastens alles zusammenwerfe, was sich auf die ausgemachten Vokabeln von „Fließen“, „Schmutz“ und „Schleim“ bzw. „hart sein“, „aufrechter Gang“ oder „stählen“ reime.32*

          Das ist Schwarzer, Connell, Merian, Pohl und deren Methode der „Empirie“ und Aufarbeitung.

          Getriggert, ja, das triggert mich, mein Gott wie ich das verachte.

          Was für ein honoriger Verein war doch die Frankfurter Schule, was für ein Herr Adorno.

          Ich habe Theweleit nicht gelesen, wie mir vieles an linker Sozialisation dank meiner katholischen Herkunft und Erziehung erspart blieb, was man durchaus als Bildungsdefizit sehen könnte angesichts des heutigen linksbeherrschten Geistes der Geisteswissenschaften, des Schuldkultes, der Herrschaft durch Schuldgefühle, von denen es keine Erlösung, keine Lossprechung gibt, denn das würde jene entmachten, die durch Schuldgefühle herrschen und disziplinieren wollen, die durch die schönen guten Waren „trösten“, all jene, die das Heil nur noch im Rausch und in der Betäubung – auch und gerade durch Konsum – suchen und finden.

          Aber muss ich das wirlich nachholen, 1200 Seiten verquälter Männlichkeit, aufgerührt mit Kulturmarxismus, Psychoanalyse, Feminismus zu einem unbekömmlichen ranzigen Brei verschwiemelter sexueller „Befreiung“, die gerade ausreichte, um den Sexus zu einem weiteren Konsumartikel im Supermarktregal herabzuwürdigen?

          Das ist das syphilitische Rückgrat jener Kultur, die dabei ist, unterzugehen.

          Vielleicht sollte ich Theweleit lesen, um meine Gelassenheit und Gleichgültigkeit gegenüber diesem Prozess zu stärken.

          So mag man den letzten Rest Bedauern und Mitleid ruhigstellen, den letzten Schmerz vertreiben angesichts einer Geschichte, die sich erneut anschickt, zum Weltgericht zu werden.

          Und natürlich, das Bündnis mit den „linksliberalen“, konsumkapitalistischen Eliten darf auch hier wieder nicht fehlen:

          *Neben der eigenwillig mäandernden Argumentationsstruktur verwundert an diesem Buch, dass das anti-akademische und zugleich doch theoriegesättigte Werk, zunächst beim Verlag „Roter Stern“ publiziert, gleich nach Erscheinen nicht nur im linksalternativen „Pflasterstrand“ oder in der feministischen „Courage“ besprochen, sondern eben auch in „Spiegel“, „Zeit“, „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“, „Frankfurter Rundschau“ und in Rundfunkbeiträgen umfassend gewürdigt sowie von Rudolf Augstein in seiner achtseitigen „Spiegel“-Rezension als die „aufregendste deutschsprachige Publikation des Jahres“ gelobt wurde. Der Autor wurde nicht nur im linksalternativen Milieu zu einem intellektuellen Star. Knapp 25 Jahre später liegt das Buch – nachdem es zwischenzeitlich über den Rowohlt-Verlag und den Deutschen Taschenbuch-Verlag zu beziehen war – in einer im Jahr 2000 erschienenen Neuausgabe im Piper-Verlag vor. Es hat sich mittlerweile über 200.000-mal verkauft und wurde ins Amerikanische, Serbokroatische, Holländische, Schwedische und Italienische übersetzt. Seit 1998 ist Theweleit Professor für Kunst und Theorie an der bekannten Staatlichen
          Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und darf mithin längst mehr als bloß Lehraufträge am Institut für Soziologie der Universität Freiburg wahrnehmen.5 Manchem Journalisten gilt er sogar als „omnipräsent“ in „Wissenschaft und Feuilleton“.6

          Letztlich zog das Buch jedoch deutlich weitere Kreise als nur in der linksalternativen oder K-Gruppen-Szene. Dies hatte damit zu tun, dass das Thema der Männlichkeit und der Geschlechterbeziehungen in den 1970er-Jahren gesamtgesellschaftlich in das Blickfeld geraten war. Es war eben Rudolf Augstein, der das Buch in den höchsten Tönen lobte und von Theweleit am liebsten auch gleich noch eine „Nutzanwendung“ und „Therapie“ bekommen hätte, wie man nun die „kranke Menschenwelt“ von diesen ihren Männerphantasien heilen könne.50 In der „ZEIT“ lobte man ebenfalls die „phantasiereiche, umfangreiche und heitere Darstellung“ als „bisher am weitesten führende[n] Beitrag linker Theoretiker zur Faschismusdebatte“.51 Die „Stuttgarter Nachrichten“ schwärmten von einem „hervorragende[n] Buch“ und der „gleichzeitig schönste[n], spannendste[n] und […] wichtigste[n] Neuerscheinung des Jahres“, die „Frankfurter Rundschau“ wiederum von einem „reizvollen Sachbuch“, das sich „über lange Strecken spannend wie ein Krimi“ lese. Der Südwestfunk schließlich berichtete von einer „Pflichtlektüre“, die man „erfühlen, durchfühlen“ müsse.52*

          Quelle, wie gehabt:

          http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208708/default.aspx

          „Eigentümlich mäandernde Argumentationsstruktur“ – woher kenne ich das?

          Richtig.

          Von dem irrationalen Denkfühl-Gesülze, das aus Gender Instituten in die Medien schwappt, frei von Statistik und Empirie, die sich um etwas so Lächerliches wie Objektivität bemüht.

          Wie sehr ist doch dieser Theweleit noch heute auf der Höhe der Zeit.

          Aber Kucklich wird um 1800 fündig.

          Deshalb darf er ja auch positiv Erwähnung finden in der ZEIT und im SPIEGEL von heute.

        • @ Roslin

          Ja, vielleicht sollte ich das Ding auch mal lesen – und dann eine linksmaskulistische psychoanalytisch und kulturmarxistisch fundierte Gegenkritik an Theweleit entwerfen. 🙂

          Aber mich schreckt das Buch auch ab. Muss man Theweleit heute noch kennen? Also in der zeitgenössischen Linken hat der m.E. keine nennenswerte Relevanz mehr.

        • Roslin, Leszek

          Ich weine, Jungs, ich weine…

          „Alles, was man im Leben braucht, ist Ignoranz und Selbstvertrauen.“
          sagte Marc Twain.

          Mich macht Ignoranz traurig.

          GERADE bei dem Thema.

          Gute Nacht.

        • So, hab mich wieder gefangen.

          @ Reineke

          „Geht der auch auf das Mensch-Maschine-Verhältnis der technisierten Kriegsführung ein?“

          Ich habe mehr in Erinnerung, wie der Soldatenkörper zur Maschine mutierte (in der Selbstwahrnehmung), aber wahrscheinlich schon irgendwo (ist dick und ich habs gerad verliehen).

          „Panzern, Flugzeugen, Kraftfahrzeugen und v.a. Waffen kann mann ja auch Namen geben und diese höher achten als bspw Frauen, auch wenn die erotischen Fanatasien evtl weniger spannend sind (wobei…).“

          Sowas findet seinen Niederschlag dann in feministischer Linguistik (m.W.n. nur dort werden derartige Skurrilitäten diskutiert), als Beispiele (gibt noch mehr & vermutlich auch Besseres, will jetzt aber Feierabend machen hier):
          http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/die-mutation-der-drohne/
          http://www.gwi-boell.de/downloads/Magisterarbeit_AliTani.pdf

          Mark (peinlich!) Twain war es doch auch, der gesagt hat:

          „Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.“

          Und da hatte er wohl Recht.

      • @Alexander

        Warum ärgerst Du Dich so über Theweleit? Ein Autor, der in einem 3-klassigen Verlag seine Bücher veröffentlichen konnte, mal ein bisschen böse formuliert. Also: Breitenwirkung m.E. nicht grossartig und Qualität auch nicht sooo toll, sonst hätte er sicherlich mal bei Suhrkamp oder Fischer veröffentlichen können.

        Und Deleuze/Guttari sollte man nun wirklich auch nicht sooo ernst nehmen. Das ist eher anarchistische Literatur und Philosophie, aber doch eher keine kritische Sozialwissenschaft.
        Wie gesagt: eher geringe politische Breitenwirkung und auch im universitären akademischen Milieu eher marginal (ausser Literaturwissenschaft) und klar, bei gewissen ausseruniversitären linken intellektuellen Kreisen sicherlich hoch im Kurs, aber eben, diese ausseruniversitären linken intellektuellen Kreisen sind doch eher ein sehr, sehr kleines Grüppchen.

        Ich würde mal behaupten, Deleuze wird doch von den meisten überhaupt nicht verstanden: Wenn man sich nicht gerade 10 Jahre mit ihm befasst, dann sind seine Begrifflichkeiten einfach kaum verständlich! 😀 Also ich habe bei mir zu Hause ca. 4 Einführungen in Deleuze, aber irgendwie bin ich hier nicht so weit gekommen, wie ich es mir gewünscht hätte. Ok, meine Stärke liegt ja auch nicht bei der Literatur, Kunst und Philosophie, aber mich interessiert es auch zuwenig und ich mag nicht 10 Jahre Zeit in etwas investieren, wo ich das Gefühl habe, dass andere Dinge doch ein bisschen wichtiger wären.

        • @ Chomsky

          „Und Deleuze/Guttari sollte man nun wirklich auch nicht sooo ernst nehmen. Das ist eher anarchistische Literatur und Philosophie“

          Das möchte ich dann doch gerne korrigieren.

          Deleuze und Guatarri haben sich m.W. nie als Anarchisten bezeichnet, da hätte ich, glaube ich, dann doch mal was von gehört.

          Und im Gegenwartsanarchismus rezipiert wurden sie auch kaum – eigentlich nur im Post-Anarchismus – im „traditionellen“ Anarchismus überhaupt nicht. Führende anarchistische Theoretiker wie Noam Chomsky und Murray Bookchin hassten alles Postmoderne und lehnten Deleuze und Guatarri ab.

          Also bitte etwas Vorsicht mit solchen Behauptungen.

        • @ Chomsky

          *Warum ärgerst Du Dich so über Theweleit? Ein Autor, der in einem 3-klassigen Verlag seine Bücher veröffentlichen konnte, mal ein bisschen böse formuliert. Also: Breitenwirkung m.E. nicht grossartig und Qualität auch nicht sooo toll, sonst hätte er sicherlich mal bei Suhrkamp oder Fischer veröffentlichen können.*

          Weil er sein Machwerk 200000 mal verkaufen konnte, weil er, wie die Ähnlichkeit der Tonalität und der Leitmotive zeigt, das Männerbild ganzer Generationen von Linksintellektuellen prägte, die heute das Klima in den Geisteswissenschaften prägen, die jene Produzenten der veröffentlichten Meinung ausbilden und formieren, die den Gemeinstrom beherrschen.

          Die Grünuchen z.B. und ihre Übermütter haben sicher nicht arme, alte Romanitker von vor 200 Jahen gelesen, Autoren, die damals schon kaum einer kannte, geschweige denn heute, nach unseren Post-68’er-Bildungsreformen.

          Nein, sie, oder mindestens ihre geistigen Ziehväter, haben Theweleit gelesen.

          DAS ist der Elefant im Raum, den zu übersehen ein Kucklick erlaubt, der die entlegensten Ecken der Geistesgeschichte leerfegt um die nahe liegenden nicht sehen und fegen zu müssen.

          Denn dort hocken die, die immer noch mächtig sind, die immer noch Karrieren zerstören oder erschweren können.

        • @Leszek

          Ok, kann sein, dass ich da nicht sooo genau bin! Also der Operaismus und Postoperaismus (Hardt/Negri mit Empirie-Triologie) geht ja bei mir eigentlich schon so unter Anarchismus, aber habe gerade gesehen, dass es doch eher unter Neomarxismus geht.
          Und Hardt/Negri und die Postoperaisten bauen ja sehr, sehr stark auf Deleuze/Guattari auf.

          Bei den Linken ist ja Hardt/Negri mit ihrem Empire ein sehr einflussreiches Buch und ich habe es auch in meinem Büchergestell, aber ich bin noch nicht dazu gekommen, es zu lesen, weil ich immer wichtigere Dinge lesen muss! 😀

          http://de.wikipedia.org/wiki/Operaismus

        • @ Roslin

          „DAS ist der Elefant im Raum, den zu übersehen ein Kucklick erlaubt, der die entlegensten Ecken der Geistesgeschichte leerfegt um die nahe liegenden nicht sehen und fegen zu müssen.“

          Das wird wohl auch der Grund dafür sein, dass Ilse Lenz höchstpersönlich sich zu einer Gegendarstellung zu Kucklick genötigt fühlte, weil dieser auch dem vorherrschenden Feminismus Männerfeindlichkeit bescheinigt hatte:

          http://www.zeit.de/gesellschaft/2012-05/leserartikel-maennerhass-feminismus

        • @ Chomsky

          Mir hat „Empire“ insgesamt gut gefallen – obwohl viele der im Nachhinein von vielen Linken geäußerten Kritikpunkte durchaus berechtigt sind.

          Allerdings, wenn da manchmal irgendwelche unkritischen Verweise auf Zitate von Lenin und Mao in den Büchern von Hardt/Negri kommen, kriege ich regelmäßig das Kotzen bei Hardt/Negri – übrigens auch bei Zizek.

          Da lobe ich mir die marxistischen Rätekommunisten, die sind wenigstens rigoros anti-leninistisch.

          Aber „Empire“ ist trotzdem lesenswert, lies es ruhig mal, Hardt/Negri sind nicht solche Kleingeister wie manche traditionellen Marxisten, die nur Marx gelten lassen.

          Negri hat einen auf Spinoza beruhenden Marxismus entworfen und lässt auch sonst in der westlichen Geistesgeschichte eigentlich nichts liegen – selbst der hl. Franziskus wird am Ende des Buches begeistert aufgegriffen.

        • Hier sind ein paar der Passagen von Kucklick, die Frau Lenz offenbar so verärgert haben, (obwohl Kucklick ja durchaus diplomatisch formuliert hat):

          http://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner/seite-7

          Christoph Kucklick:

          „Moralische Gleichheit würde auch verhindern, dass eine Gleichstellungsbeauftragte, wie im vergangenen Jahr in Goslar, zum Rücktritt genötigt wird, weil sie auch für die Belange von Jungen und Männern einzutreten gedachte.

          So ließe sich das große Werk des Feminismus vollenden. Dessen historische Leistung, die Benachteiligungen und die Stereotype des Weiblichen zu benennen und zu bekämpfen, wird oft von einer Bekräftigung der Stereotype des Männlichen begleitet. So hat die Bewegung es versäumt, eine andere Geschichte der Männlichkeit zu erzählen als jene, die um 1800 auf den Weg gebracht worden ist. Nun gilt es, mit dem Feminismus über ihn hinauszugehen, um auch das männliche Verhängnis des modernen Geschlechterdenkens zu enttarnen.

          Man mache sich nichts vor: Der Widerstand gegen die ethische Waffengleichheit dürfte gewaltig sein. Es steht so viel auf dem Spiel. Die Gesellschaft müsste ihren Moralhaushalt neu organisieren. Die vage Reservemoralität, die wir im Weiblichkeits-Stereotyp bunkern, wäre obsolet. Die tröstliche Gewissheit, dass, wie schlimm es auch immer komme, die Ausputz- und Trümmerfrauen parat stehen, um den ganzen Mist der Männer zu beseitigen – sie müsste zerbröckeln.“

        • @ Leszek

          *Das wird wohl auch der Grund dafür sein, dass Ilse Lenz höchstpersönlich sich zu einer Gegendarstellung zu Kucklick genötigt fühlte, weil dieser auch dem vorherrschenden Feminismus Männerfeindlichkeit bescheinigt hatte:*

          Na, das besagt doch nicht viel.

          Dass der Staub, den Kucklick beim Ausfegen der hintervorletzten Ecken aufwirbelt, bereits zu viel ist für den asthmatischen Feminismus einer Frau Lenz, ist klar.

          Er hat bereits damit sämtliche roten Linien überschritten, was aber sicher keine Kunst ist, denn die wird wohl jeder überschreiten, der ihr nicht den Rosenbrock macht.

        • @ Sheera

          Theweleit wurde übrigens auch von links scharf kritisiert.
          Hier ein interessantes Zitat des von mir geschätzten marxistischen Faschismusforschers Reinhard Kühnl zu dem Buch von Theweleit:

          „Die zahlreichen neueren Versuche, an die Tradition der „Linksfreudianer“ anzuknüpfen, die besonders im Gefolge der antiautoritären Studentenbewegung entstanden, haben über das von Reich und Fromm erreichte Niveau nicht hinausgeführt, in manchen Fällen sind sie sogar dahinter zurückgeblieben. Den höchsten Grad an Irrationalität und methodischer Verworrenheit erreicht dabei das Buch von Theweleit, das den Faschismus auf ein gestörtes Verhältnis der Männer zur Frau reduziert und das gesamte reichhaltige Material in dieses Erklärungsschema presst. Damit wird nicht einmal mehr das geleistet, was die Psychoanalyse leisten könnte. Elisabeth Endres hat die Mängel dieses Buches in einer präzisen Kritik offengelegt: „Die Männlichkeit ist an allem schuld. Weil die Männer die Frauen entweder zu Idolen erheben oder sie als das Strömende und Flutende schlechthin empfinden, fühlen sie sich unterlegen, gefährdet oder herausgefordert. Deshalb machen sie Terror, die Männer, nicht etwa eine soziologisch oder politisch abgrenzbare Gruppe von Menschen“ Es sei genau diese „Droge des intellektuellen Irrationalismus“, die einschläfert und lediglich „den sehr kühl denkenden Machthabern (hilft), die sich zur gegebenen Zeit den Irrationalismus zunutze machen. Wie schon gehabt.“
          In der Tat lehrt Theweleit, dass es nicht aufs Bewusstsein, sondern aufs richtige Gefühl ankomme. Muss man sich wundern, dass dieses Buch, das ganz in der feministischen Welle mitschwingt, von der Presse zum Teil enthusiastisch begrüßt wurde (…)?

          (Reinhard Kühnl – Faschismustheorien. Ein Leitfaden, S. 133)

          Das angegebene Buch von Reinhard Kühnl ist, obwohl schon etwas älter (von 1990) übrigens das beste Buch zum Thema „Theorien zur Entstehung von Faschismus und Nationalsozialismus“, das ich kenne.
          Auch wer Argumente gegen die zeitgenössische dümmliche rechte „Der Nationalsozialismus war links“-Phrase sucht, wird hier fündig.

    • @Reineke: „Die heutige Konnotation “Pferde=Mädchenkram” ist ziemlich genausso alt wie die Ausmusterung des Pferdes aus Transportwesen, Landwirtschaft und Militär. “

      Diese Rolle ist ja heute von Auto, LKW, (Motorrad?), Flugzeug, Rakete übernommen. Und das gilt (z.B. im Spielzeugbereich) durchaus als „Bubenkram“.
      m.W. ist „Auto“ eins der ersten Wörter, das Buben lernen 😉

  5. @ Adrian:

    Das Farbzuweisungen Blödsinn sind, kann ja sein. Allerdings kommt es ja nicht von ungefähr, dass Mädchen eher mit Puppen spielen und Jungen sich lieber raufen. Frauen gebähren nun mal Babys und Mädchen wollen wie Mama sein. Männer haben seit es Menschen gibt, die Familie verteitigt. Mir haben meine Eltern deshalb aber niemals gesagt, weinen ist nichts für Jungen oder komm geh dich mal schön mit deinen Freunden raufen. Und die Gesellschaft hat das auch nicht getan, soweit ich mich erinnere. Trotzdem hab ich jede Gelegenheit dazu genutzt. Wieso das so ist weiß ich nicht aber es war bei fast allen meinen Freunden so. Musstest du dich prügeln und durftest nicht weinen???

    • „Allerdings kommt es ja nicht von ungefähr, dass Mädchen eher mit Puppen spielen und Jungen sich lieber raufen.“

      Hab ich auch nichts gegenteiliges behauptet. Aber aus dem „ist“, muss kein „sollen“ erfolgen.

      Tu nicht so, als wären Geschlechtsrollen nicht starr in der Gesellschaft verankert und hätten Menschen mit abweichenden Geschlechtsrollen keinerlei Probleme.

      • @ Adrian:

        „Tu nicht so, als wären Geschlechtsrollen nicht starr in der Gesellschaft verankert und hätten Menschen mit abweichenden Geschlechtsrollen keinerlei Probleme.“

        Ich tu überhaupt nichts. Natürlich sind sie das. Ich frage mich eher in welchem Ausmaß das geschieht und warum das so ist?

        Warum dieser pampige Ton???

    • „Allerdings kommt es ja nicht von ungefähr, dass Mädchen eher mit Puppen spielen und Jungen sich lieber raufen.“

      stimmt. wenn man mädchen puppen schenkt, sie zum spiel damit anhält und positiv verstärkt, spielen sie logischerweise auch damit.

      „Frauen gebähren nun mal Babys und Mädchen wollen wie Mama sein.“

      zu dem zeitpunkt, wo mädchen ihre rolle nahegelegt wird (das beginnt quasi schon der geburt, wenn das kinderzimmer rosa gestricken und mädchensachen gekauft werden), wissen mädchen noch gar nicht, dass sie „wie mama“ sein wollen, weil sie mädchen sind. geschweige denn haben sie eine ahnung davon, dass frauen kinder gebären.

      • Ich bestreite doch garnicht das dass mit den Farben gesellschaftlich so gewollt ist, Punkt 1. Punkt 2: Dieses Schubladen-Denken, ist wirklich nicht mein Ding. Weder sind die weiblichen und männlichen Rollen ausschließlich gesellschaftlich, noch rein biologisch oder evolutionär zu erklären. Aber dieses ALLE Mädchen haben Rosa Zimmer und müssen mit Puppen spielen und ALLE Jungen MÜSSEN mit Autos zu spielen, mag so gewesen sein, ist aber längst nicht mehr so.

        • @7th sign
          „Aber dieses ALLE Mädchen haben Rosa Zimmer und müssen mit Puppen spielen und ALLE Jungen MÜSSEN mit Autos zu spielen, mag so gewesen sein, ist aber längst nicht mehr so.“

          War auch nur eine ganz kurze Periode nach dem Krieg so. Schon vor dem ersten Weltkrieg, gab es KFZ Mechanikerinnen, das Bierbrauen war mal fest in Frauenhand usw usw.

          Man sollte sich vielleicht auch mal an den Gedanken gewöhnen, das Frauen sehr gerne dieses Bild pflegen und wollen, verschafft es doch zugang zu nicht schwerer Arbeit und massenhaft Freizeit.

        • „Aber dieses ALLE Mädchen haben Rosa Zimmer und müssen mit Puppen spielen und ALLE Jungen MÜSSEN mit Autos zu spielen, mag so gewesen sein, ist aber längst nicht mehr so.“

          das es um ALLE geht, hat auch niemand behauptet.
          hier geht es um ein prinzip.

          den aktuellen stand dazu kannst du dir gern mal in einer kinderabteilung im kaufhaus ansehen.

      • @hottehü: „stimmt. wenn man mädchen puppen schenkt, sie zum spiel damit anhält und positiv verstärkt, spielen sie logischerweise auch damit.“

        Na, so „logischerweise“ ist das nicht. Wenn man Buben Puppen schenkt und das Spielen damit „positiv verstärkt“, spielen die noch lange nicht so wie Mädchen damit. Dann ist eher zu erwarten, daß sie „der kleine Heimchirurg“ spielen (also z.b. aufschneiden um zu sehen, was drin ist) oder „Superman“ (die Flugkünste so einer Puppe erproben). Es ist recht unwahrscheinlich, daß sie z.B. die Puppe kämmen, schön anziehen, im Kinderwagen rumfahren und knuddeln …

        • @ hottehü:

          Kann nur von dem berichten was ich selber erlebt habe und was ich in meiner Umgebung mitbekomme. Um auf das Bsp. Jungen prügeln – Mädchen spielen mit Puppen zurück zu kommen: Meinst du nicht auch das jedes normale Elternpaar Mädchen dazu erzieht, selbstbewusst zu sein, stark zu sein, sich behaupten zu können? Meinst du echt es ist der Regelfall das Eltern ihrer Tochter den Ball abnehmen wenn sie Spass am Fußball hat und sie dazu zwingen mit einer Puppe zu spielen, weil es gesellschaftlich so „gewünscht“ ist?? Auch werden Eltern ihren Jungen nicht dazu erziehen hart zu sein, Krieg zu spielen und keine Gefühle zu zeigen. Das macht, gerade heutzutage wenig Sinn. Es macht aber sehr wohl Sinn wenn Mädchen das Bedürfnis haben mit Puppen- Mama zu spielen, weil diese nämlich irgendwann selber Kinder bekommen werden. Auch macht es Sinn, wenn Jungs sich raufen, zum einen wegen des höheren Testosterongehalts und zum anderen, weil sie so lernen können, einen fairen Kampf bzw. Wettbewerb zu führen den sie später haben werden. Sie lernen so auch besser und kontrollierter mit ihren Aggressionen umzugehen. Es ist einfach eine komplexere Angelegenheit, als sozial konstruiert vs. evolutionär bedingt.

    • In Bezug aufs „Mama“-Spiel hab ich die Erfahrung gemacht, dass meine Tochter sich bis zum Kindergarten GAR NICHT mit ihren Puppen beschäftigt hat (mit Autos und Pferden schon), dann erst mit den Anderen gemeinsam VATER-Mutter-Kind spielte, und erst seit sie meine zweite Schwangerschaft mitbekommen hat, mir Löcher in den Bauch fragte und nun auch verstanden hat, dass sie irgendwann (wenn sie will) Kinder bekommen wird, ist sie eine richtige „Puppenmutti“. Und Stolz darauf als „große Schwester“ mithelfen zu können.

      (Übrigens: Als ich bereits Wehen hatte verkleidete sie sich als Ärztin, rührte mir einen „Zaubertrank gegen Schmerzen“ an und „entband“ mich im Spiel. Eine wirklich wunderschöne Erinnerung …)

      • In Bezug aufs “Mama”-Spiel hab ich die Erfahrung gemacht, dass meine Tochter sich bis zum Kindergarten GAR NICHT mit ihren Puppen beschäftigt hat (mit Autos und Pferden schon), dann erst mit den Anderen gemeinsam VATER-Mutter-Kind spielte, und erst seit sie meine zweite Schwangerschaft mitbekommen hat, mir Löcher in den Bauch fragte und nun auch verstanden hat, dass sie irgendwann (wenn sie will) Kinder bekommen wird, ist sie eine richtige “Puppenmutti”.

        Eben. Hättest du ihr vorher Puppen gegeben, hätte sie sie wahrscheinlich in die Ecke geschmissen. Kinder wissen was sie wollen und was nicht. Man kann es versuchen zu beeinflussen aber letztendlich werden sich die Menschen früher oder später zu dem entwickeln was sie sind, nämlich Männchen und Weibchen. Darum ist da zwar was dran, dass wir bestimmte Rollen vorgeben bekommen aber es ist eben auch die natürlichste Sache der Welt das bestimmte Verhaltensweisen zwischen Mädchen und Jungen sich eben unterscheiden. Der Natur kann man eben nur schwer rein reden.

  6. „Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn sie keine Basis hat und einfach als Geschichte weitergegeben wurde, weil sie so gut ins Konzept passt.“

    Basiert „Gender“ und Feminismus nicht großteils auf Behauptungen die keiner Nachprüft?

    Hat der Feminismus nicht vorwiegend Themen bei denen Behauptungen leichter fallen da Nachprüfen schwieriger sind oder sogar tabuisiert?

  7. Vielleicht sollte man auch auf Erwachsenenkleidung schauen. Ist in der Geschichte der Männerkleidung Rosa jemals verbreitet gewesen?

    Noch ein anderer Gesichtspunkt: Ich vermute, dass Pastellfarben sich besser mit eher blasser, feiner Haut kombinieren lassen, darum wohl auch die typischen Babyfarben.

    Rosa ist zudem der natürlichen Hautfarbe relativ ähnlich (kann bei größerem Betrachtungsabstand schon mal zu Täuschungen führen 🙂 )

    Dazu Farbpsychologie (rot=warm/blau=kalt)

    Fazit: Die aktuelle Geschlechterzuordnung der Farben scheint mir durchaus folgerichtig und nachvollziehbar.

    • *Ist in der Geschichte der Männerkleidung Rosa jemals verbreitet gewesen?*
      Nein aber Rot. Und rosa ist das „kleine Rot“

      *Rosa ist zudem der natürlichen Hautfarbe relativ ähnlich (kann bei größerem Betrachtungsabstand schon mal zu Täuschungen führen *

      Und?

      *Dazu Farbpsychologie (rot=warm/blau=kalt) *

      Und grün beruhigend. Was ist die Aussage?

      *Fazit: Die aktuelle Geschlechterzuordnung der Farben scheint mir durchaus folgerichtig und nachvollziehbar.*

      Weil Jungs kalt mögen und zudem bei ihnen wichtig ist, dass die Kleidung nicht mit der Hautfarbe verwechselt wird?

      • „Weil Jungs kalt mögen und zudem bei ihnen wichtig ist, dass die Kleidung nicht mit der Hautfarbe verwechselt wird?“

        Das bringt mich gerade auf eine Idee.

        Unbestreitbar geben Frauen ja mehr für Mode/Kleidung aus.
        Die Kleidung der Frauen hat eindeutig das Ziel weibliche Körperformen zu betonen.
        Je „sexier“ sich eine Frau anziehen will desto enganliegender und knapper in bedeckter Hautfläche wird die Kleidung.
        So ist eine hautähnlichere, pastellartigere Farbe wie Rosa nur ein weiterer, logischer Schritt in der Motivation der Frau ihren weiblichen Körper trotz oder mit Kleidung zu betonen.

      • Und rosa ist das “kleine Rot”

        Hast du das aus der Bibel? Ich halte davon nicht viel. Genausogut könnte man es als das „kleine Lila“ bezeichnen.

        *Rosa ist zudem der natürlichen Hautfarbe relativ ähnlich (kann bei größerem Betrachtungsabstand schon mal zu Täuschungen führen *

        Und?

        Sieht nackt aus (schäm)

        Weil Jungs kalt mögen und zudem bei ihnen wichtig ist, dass die Kleidung nicht mit der Hautfarbe verwechselt wird?

        Jups. Jungs duschen gern kalt. Aber man kann das auch metaphorisch sehen (muss da an „warmer Bruder“ denken).

        • @marentrollileinchen

          In der Wikipedia steht zumindest, dass der Rotanteil von Rosa „blaustichig“ ist.

          Es gibt natürlich auch Rosa aus Weiß und Rot sowie eine eher gelbliche Richtung (lachsfarben). Aber es scheint nicht „das“ typische Rosa zu sein.

        • Hab mal mit nem Bild-Editor rumgespielt. Wenn man einem (255,0,0)-Rot etwas Weiß zumischt, bekommt man ein etwas beige-gelblich wirkendes Rosa. Wir etwas Blau wird die Sache rund. Die meisten LCD-Monitore stellen Rot allerdings etwas zu gelblich dar.

        • wie schön, additive und subtraktive farbmischungen zu vermischen….aber egal

          weiß mit rot ergibt ein tolles rosa
          weiß mit magenta gemisch ebenso (wenn auch anders)

          dass magenta blaustichig wirkt liegt nur daran, dass wir meist das gelbstichige signalrot gewohnt sind

          zum eigentlichen Thema trägt das dennoch nicht wirklich bei 😛

        • Mir geht es eigentlich darum, ob Rosa ein „kleines Rot“ ist. Ich denke aber mal, dass es tatsächlich nicht so viel mit dem Farbton zu tun hat.

          Wenn Rot als männlich klassifiziert wird, dürfte es wohl eher dessen Funktion als Signalfarbe gehen. Ich würde dabei das gesamte Spektrum von mittlerem rot bis gelb als Signalfarben sehen (in der Natur dominieren eher Blau-, Grün-, Braun- und Grautöne). Voraussetzung für die Signalwirkung ist aber eine starke Sättigung. Das ist bei Rosa gerade nicht der Fall.

          Also Rosa ≠ „kleines Rot“

        • @unkraut
          „dass magenta blaustichig wirkt liegt nur daran, dass wir meist das gelbstichige signalrot gewohnt sind“

          Soweit ich weiß, ist das, was als „typisches“, „ideales“ Rot empfunden wird, in allen Kulturen gleich. Da gibt es auf jeden Fall Studien drüber.

      • Bei Kleiderfarben scheinen ein paar Grundmuster vorzuherrschen:

        Eher weiblich: Kleidung ins Rötliche gehend, „warm“, Betonung der Haut bzw. gutes Zusammenspiel mit Haut
        Eher männlich: ins Bläuliche gehend, „kühl“

        Eher eher kindlich: reine, stark gesättigte Farben
        Eher erwachsen: „abgetönte“ Farben

        Eher kindlich oder weiblich: helle Farben, also weiß, gelb oder Pastellton
        Eher erwachsen oder männlich: dunkle Farben, schwarz, stärkere Hell-dunkel-Kontraste

        Im sportl. Wettkampf, Extremsport und dergl.: Signalfarben aller Art

        Das soll keine Wertung sein, nur Beobachtung.

        Noch etwas anderes:
        Früher waren stark gesättigte teuer und weniger dauerhaft, also ein costly signal für Reichtum.

        Möglicherweise war früher das Tragen von Kleidchen bei Kleinkindern auch duch die bessere Händelbarkeit des Wickelns bedingt. Heute macht man sich vielleicht mehr Sorgen, dass das Kind frieren könnte.

  8. Seht ihr es eigentlich auch so, dass das im deutschen gebräuchliche Wort „pink“ eher ein etwas bläulicheres Rosa beschreibt?

    Wikipedia zeigt eine Farbreihe

    http://de.wikipedia.org/wiki/Pink_(Farbe)#Webfarben

    und sagt:
    „Es ist umstritten, ob das Wort pink im Deutschen heute einen anderen Farbton als das Wort rosa beschreibt. Manche Quellen behaupten, dass pink schriller, intensiver und weniger weich als rosa sei. Um dieses Verständnis der Farbe Pink korrekt ins Englische zu übersetzen, bedient man sich des Zusatzes hot, also hot pink. Die erste Erwähnung findet hot pink bei der Designerin Elsa Schiaparelli, die dieses auch als shocking pink bezeichnete.“

    Und was ist die typischere Mädchenfarbe? Rosa oder pink?

      • Die Frage ist doch, ab wann denn überhaupt Rosa als Stofffarbe breite Anwendung finden konnte.

        Ab wann konnte man Stoffe von vorneherein rosa einfärben?

        Das, was als Rosa erschien, kann ja ausgeblichenes Rot gewesen sein.

        Rosa als Gebäudefarbe gab es spätestens bereits im 18. Jhdt. (und wird von mir sehr gemocht, blau als Gebäudefarbe dagegen gar nicht, bei Kleidung ist es umgekehrt).

        Hier das Lust-und Jagdschloss Benrath bei Düsseldorf in einem Rosa, das ich sehr liebe, gegen 1750 gebaut.

        Damals musste man mit den Grundstücken auch noch nicht so knausern wie heute (man schaue sich nur dieses Einfamilienhausgewusel drumherum an).

        http://www.webbaviation.de/gallery2/var/resizes/NRW/Luftbilder-von-Düsseldorf/SchlossBenrath_fb34977.jpg?m=1319054098

        Schön, dieses Blassrosa

        http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/fb/Schloss_Benrath_9.jpg/800px-Schloss_Benrath_9.jpg?uselang=de

        Ich glaube, der Prince de Ligne steckte seine Lakaien zu der Zeit auch in rosa Livréen.
        Oder die waren einmal rot und die abgelegten ausgewaschenen Jacken des hohen Herren, noch gut genug für’s genügsame Personal, das froh und dankbar war, ein trockenes und wanzenfreies Bett in einer sauberen Dachkammer zu bekommen, dazu ein Ränftlein Brot und ab und an einen Krug Bier.

        Heute hocken die in nicht geringem Ausmaß in Einfamilienhäusern und verschandeln die Landschaft.

        Und Lohn will die Plebs auch noch haben!

        Um dann ihre Töchter mit Prinzessin Lillifee und ihre Söhne mit Hulk zu quälen.

        Unerhört, das Ganze.

        Was ist die Folge?

        Menschen mit Geschmack haben kein Geld, um sich menschenwürdig zu logieren, müssen hoffen, reich zu heiraten!

        Es ist so demütigend.

        Ist der Feminismus weiterhin erfolgreich, landen wir alle noch im matriarchalen Kabuff mit Plumpsklo in Donnerbalkenausführung auf dem Hof.

        Allein deshalb, zur Bewahrung der Zivilisation, ist Antifeminismus ein kategorischer Imperativ für jedes denkende, fühlende Wesen.

        Im Übrigen müsste man angesichts dieser Lage erst mal feststellen, ab wann Eltern überhaupt daran denken konnten/daran dachten, auf die Farbvorlieben ihrer Kinder Rücksicht zu nehmen.

        Kann ja sein, dass die Mehrheit der Jungen immer schon eine Vorliebe für Blau hatte und die Mehrheit der Mädchen eine für Rosa, dies aber mangels Farbstoff in Massenanwendung keine Rolle spielte, sich diese Vorlieben erst ungehemmt ausdrücken konnten, als die Färbetechniken billige Massenware in Bunt möglich machte.

        • „Hier das Lust-und Jagdschloss Benrath bei Düsseldorf in einem Rosa, das ich sehr liebe, gegen 1750 gebaut.“

          Da hat sich die Farbe aber gut gehalten.

          Hier ein leberwurstfarbenes Haus, 18.Jh.:

          „Damals musste man mit den Grundstücken auch noch nicht so knausern wie heute (man schaue sich nur dieses Einfamilienhausgewusel drumherum an).“

          Ja, furchtbar, nur das schöne Haus in der Mitte sorgt einigermaßen für Struktur. Wie kann man das ganze Drumherum nur dulden, abreißen sollte man den Müll.

        • „Kann ja sein, dass die Mehrheit der Jungen immer schon eine Vorliebe für Blau hatte und die Mehrheit der Mädchen eine für Rosa“

          vor allem aus evolutionsspychologischer sicht ist das überaus plausibel.

        • @ Stephan Fleischhauer

          *Da hat sich die Farbe aber gut gehalten.*

          Erst seit der jüngsten Renovierung hat das Schloss seine originale Farbigkeit zurückerhalten.

          Vorher musste es ein trauriges Ochsenblutrot ertragen anstelle des fröhlichen Pink, das ihm dieser Herr zugedacht hatte, sein Architekt Nicolas de Pigage, porträtiert von einer Frau, der sehr erfolgreichen Malerin Anna Dorothea Therbusch: Pigage in rotem Samt:

          Hier der Auftraggeber des Benrather Schlosses – der Wittelsbacher Kurfürst Karl Theodor, der von seiner Hauptstadt Mannheim aus die Kurpfalz regierte, von seiner Hauptstadt Düsseldorf aus (daher Benrath) das Herzogtum Jülich und Berg, auch in rotem Samt, auch festgehalten von der Therbusch.

          Vielleicht hat er seinem Hofarchitekten ein paar Ellen zukommen lassen. Oder sogar der musste die Joppen seines Herren auftragen.

          Pigage scheint jedoch Pink tatsächlich geliebt zu haben (oder Karl Theodor oder beide?)
          Jedenfalls ist das auf seiner Schwetzinger Moschee noch zarter (ca. 20 Jahre nach Benrath für denselben Bauherren entworfen).

          Ein „türkischer“ Pavillon, als exotische Feerie, Zauberkulisse im Zeitalter der „Entführung aus dem Serail“ für höfische Feste gedacht in einer Epoche, als das Osmanische Reich seinen Schrecken als furchtbare Bedrohung Europas allmählich verlor und – auf dem Wege zum „kranken Mann am Bosporus“ – zum Anknüpfungspunkt europäischer Sehnsüchte nach dem „Ganz Anderen“ werden konnte.

          Die Amerikaner machten nach 45 das Gebäude ganz bestimmungsgemäß, wenn auch etwas demokratisch-robust, zum Nachtclub – Jazz anstelle von Mozart, dann stand es lange leer und wurde in den 70’er Jahren, mittlerweile arg heruntergekommen, doch noch als Moschee genutzt für die islamische Gemeinde Mannheims.

          Die baute sich in den 90’ern eine neue Moschee in Mannheim selbst, so dass Pigages Theaterkulisse für Gartenfeste wieder unbeschränkt zugänglich ist für romantische Träumer wie mich, die den verlorenen Zeiten nachhängen.

          Frisch renoviert ist sie auch.

          Als ich in Heidelberg studierte war ich oft dort im Park des Schwetzinger Schlosses, am späten Nachmittag und Abend im Sommer, wenn sich die Touristenströme bereits verlaufen hatten und der Park mit seinen Statuen und Pavillons sowie das Schloss wieder sich selbst und ihrer Vergangenheit gehörten.

          Dann hörte man Sinfonien von Stamitz oder Arien von
          Cimarosa, Jomelli, Galuppi, wenn im Schwetzinger Schlosstheater (auch von Pigage) oder im Jagdsaal geprobt wurde oder sie erklangen nur in der eigenen Phantasie.

          Um die pinken Träume abzuschließen: das vielleicht schönste Gemälde der Therbusch, ein Porträt der Trompeterstochter Wilhelmine Encke von 1776.

          Was für ein herrliches Kleid!

          Sogar Fifi ist begeistert.

          Als das Bild entstand, war sie bereits seit 7 Jahren die Geliebte des Kronprinzen, fest engagiert von Friedrich dem Großen, der ihr jährlich 30000 Taler zahlte für ihren Dienst am dicklichen Neffen.

          Heute muss man Genderprofessorin werden, um ähnlich fürstlich alimentiert zu werden.

          Tja, wenn Frau Lenz so aussähe wie Wilhelmine, könnte eine Existenz als ihr Fifi ja recht erbaulich sein.

          Doch ach…, die Zeiten, sie sind nicht so.

          Herr Rosenbrock muss ungeschmückt begeistert gucken und dienen.

        • „Was für ein herrliches Kleid!“

          Du meinst bestimmt den besonderen Schnitt um den Hals rum.
          Fifi beachtet das Kleid nicht, scheint eher darauf zu warten, dass sich die Dame in eine Wurst verwandelt.

          Wer ist Rosenbrock? (Hinrich?)

  9. Ein recht interessantes Thema. Die gleiche Zuteilung: Frauen – blau, Männer – rot, habe ich auch bei Eva Heller gesehen (Wie Farben auf Gefühl und Verstand wirken, bzw. Wie Farben wirken, wenn ich mich nicht irre, es sind zwei Ausgaben einer ähnlichen Idee in älterer und dann bearbeiteter Fassung). Die Heller argumentiert dabei auch mit dem klassischen allegorischen Verständnis der Farbensymbolik: rot sei in dieser Hinsicht eine aktive, tätige, unruhige, eventuell Feuerfarbe und blau stehe für Passivität, Ruhe, Unterordnung usw., daher ist die klassische Farbendeutung seit Jahrhunderten davon ausgegangen, dass die erste Gruppe Eigenschaften „männlich“ und die zweite „weiblich“ sind.

  10. Pingback: Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl | Alles Evolution

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