Weiße und graue Gehirnzellen und Transsexualität

In dem Beitrag „Unterschiede im Gehirn von Männern und Frauen: Struktur“  hatte ich bereits eine Studie zitiert, nach der es Unterschiede in der grauen und weißen Gehirnmasse bei Männern und Frauen gibt:

men had roughly 6.5 times the number of GM voxels identified as related to intellectual functioning as did women, and women had roughly nine times more WM voxels than did men. With respect to regional effects, in women, 84% of the identified GM voxels correlated to IQ were in the frontal region, as compared to 45% in men. Even greater sex differences were observed in WM, where for women 86% of the identified voxels were frontal, as compared to 0% in men.

Zwei andere Studien haben nun überprüft, wie dies bei Transsexuellen aussieht:

Bei Frauen-zu-Männer-Transsexuellen:

Background: Some gray and white matter regions of the brain are sexually dimorphic. The best MRI technique for identifying subtle differences in white matter is diffusion tensor imaging (DTI). The purpose of this paper is to investigate whether white matter patterns in female to male (FtM) transsexuals before commencing cross-sex hormone treatment are more similar to that of their biological sex or to that of their gender identity. Method: DTI was performed in 18 FtM transsexuals and 24 male and 19 female heterosexual controls scanned with a 3 T Trio Tim Magneton. Fractional anisotropy (FA) was performed on white matter fibers of the whole brain, which was spatially analyzed using Tract-Based Spatial Statistics.

Results: In controls, males have significantly higher FA values than females in the medial and posterior parts of the right superior longitudinal fasciculus (SLF), the forceps minor, and the corticospinal tract. Compared to control females, FtM showed higher FA values in posterior part of the right SLF, the forceps minor and corticospinal tract. Compared to control males, FtM showed only lower FA values in the corticospinal tract.

Conclusions: Our results show that the white matter microstructure pattern in untreated FtM transsexuals is closer to the pattern of subjects who share their gender identity (males) than those who share their biological sex (females). Our results provide evidence for an inherent difference in the brain structure of FtM transsexuals.

Quelle: White matter microstructure in female to male transsexuals before cross-sex hormonal treatment. A diffusion tensor imaging study (PDF)

Und für Männer-zu-Frauen-Transsexuellen:

Background: Diffusion tensor imaging (DTI) has been shown to be sensitive in detecting white matter differences between sexes. Before cross-sex hormone treatment female to male transsexuals (FtM) differ from females but not from males in several brain fibers. The purpose of this paper is to investigate whether white matter patterns in male to female (MtF) transsexuals before commencing cross-sex hormone treatment are also more similar to those of their biological sex or whether they are more similar to those of their gender identity.

Method: DTI was performed in 18 MtF transsexuals and 19 male and 19 female controls scanned with a 3 T Trio Tim Magneton. Fractional anisotropy (FA) was performed on white matter of the whole brain, which was spatially analyzed using Tract-Based Spatial Statistics.

Results: MtF transsexuals differed from both male and female controls bilaterally in the superior longitudinal fasciculus, the right anterior cingulum, the right forceps minor, and the right corticospinal tract.

Conclusions: Our results show that the white matter microstructure pattern in untreated MtF transsexuals falls halfway between the pattern of male and female controls. The nature of these differences suggests that some fasciculi do not complete the masculinization process in MtF transsexuals during brain development.

Quelle: The microstructure of white matter in male to female transsexuals before cross-sex hormonal treatment. A DTI study (PDF)

Es passt insoweit zu den Theorien, dass bei Transsexuellen die Formatierung des Gehirns hin zu der üblicherweise bei diesem Phänotyp vorliegenden Gehirnstruktur nicht stattgefunden hat.

17 Gedanken zu “Weiße und graue Gehirnzellen und Transsexualität

  1. Nicht oder unvollständig stattgefunden hat.

    Bei Mann>Frau-Transsexuellen liegt ja eine gewisse Maskulinisierung des Gehirnes vor, wenn sie auf halbem Wege zwischen männlichen und weiblichen Verteilungsmustern der weißen Hirnsubstanz, die bei intellektueller Beanspruchung aktiv ist, „steckengeblieben“ sind.

    Die Vermännlichung des Körpers ist geglückt (normal abgelaufen), die des Gehirnes blieb unvollständig, so dass ein z.T. „weibliches“ Gehirn in einem männlichen Körper steckt.

  2. @Christian

    Ich habe gerade ein bisschen Futter (sprich Schützenhilfe) für Dich gegen Deinen verhassten Konstruktivismus:

    Also die folgende Überlegung finde ich nun wirklich noch überdenkenswert, also wenn man diesen Sätzen ein bisschen vertieft nachgeht, dann ist das Ganze wirklich richtig vertrackt! 😀

    „Der Konstruktivismus will die
    Biologie selbst noch als kulturelles Konstrukt entlarven. Was aber ist dann „Natur“ im Verhältnis
    zu „Kultur“? Wenn Natur gleichgesetzt wird mit einem Kulturprodukt, also ein hergestelltes
    Erzeugnis ist, stellt sich die Frage: Wird in der Konstruktion bereits Konstruiertes konstruiert?
    Und was ist mit den Konstrukteuren selbst? Woher nehmen sie das Unterscheidungswissen
    zwischen kulturell und natürlich? Steht man hier nicht vor der unaufhebbaren Problematik des
    Zirkelschlusses: dass hier nämlich längst ein unthematisches, möglicherweise unreflektiertes
    Vorwissen am Werk ist, mit dem bereits im Vorhinein bestimmt wurde, welche Aspekte als
    konstruiert und welche als natürlich zu gelten haben?“

    http://www.imabe.org/fileadmin/downloads/Kummer_S_Gender_Quo_vadis.pdf

    • Es gibt nun mal nicht außerkulturelles oder außersoziales was der Mensch tut.

      Ansonsten: „Kritik der reinen Vernunft“ von Kant lesen.
      Das nennt man darin die Fähigkeit synthetische Urteile a priori zu fällen.
      Das es immer noch Menschen gibt, die hier eine „theoretische“ Erkärung suchen liegt wohl einfach an mangelnder Bildung.

      Was natürlich mit der Feststellung dieser menschlichen Fähigkeit nicht geklärt ist, ist die Frage, woher diese Fähigkeit stammt. Und natürlich ist die Frage, wie denn nun Konkrete soziale und kulturelle Konstrukte entstehen im Einzelfall noch immer interessant.

      Das regelrecht mystisch beschworene „Vorwissen“ geistert leider immer noch herum, wahrscheinlich weil es die Möglichkeit von autoritärem Wissen und Erleuchtungswissen impliziert. Jemandem der einem kritischen Rationalismus anhängt ist so etwas natürlich ein Gräuel und Anlass zur Verarsche – die fliegenden Spaghettimonster oder die Kirche des Copyismus lassen grüßen.

      Aber genasowenig wie Dummheit und Faulheit nicht aussterben, stirbt deren philosphsche Begründung nicht aus.

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