Gender Studies, Voreingenommenheit und Wissenschaftlichkeit

Leser Peter schreibt in einem Kommentar zum Thema Objektivität in der Wissenschaft:

Absolute Objektivität gibt es nicht, schon klar. Wenn aber eine Geschlechterforschung zentrale Fragen, die es zu beantworten gilt, schon in ihren Glaubensdogmen abschliessend beantwortet, dann befinden wir uns nicht mehr im Bereich der Forschung, sondern (im Fall der GenderStudies) im Bereich der Gesellschaftspolitik. Nicht etwas zu beweisen ist primär ihr Anliegen, sondern etwas zu erreichen. Die “Forschung” hat sodann primär das Ziel, Forschungsergebnisse zu generieren, die dem politischen Ziel dienen und Ergebnisse, die das politische Ziel in Frage stellen, zu ignorieren.

Die Einseitigkeit der GenderStudies, insbesondere ihre Weigerung, kritische Fragestellungen überhaupt zuzulassen, zeigt, dass keinerlei BEMÜHEN vorhanden ist, einen objektiven Standpunkt einzunehmen. Dieser Einwand wird, wie von Joachim vorexerziert, mit der saloppen Feststellung gekontert, dass es (absolute) Objektivität nicht gäbe. Dies ist eine grundsätzliche Absage an wissenschaftliche Methodik.

Die GenderStudies sind bekanntlich von den Analysen Focaults beeinflusst:
Eher ist wohl anzunehmen, dass die Macht Wissen hervorbringt […]; dass Macht und Wissen einander unmittelbar einschließen; dass es keine Machtbeziehung gibt, ohne dass sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert.

Die feministische Schlussfolgerung zu Focaults Ansicht der Verschränkung von Wissen und Macht ist naheliegend: Wer Macht hat, der konstituiert Wissen, wer Wissen konstituiert, der bestimmt, was als wahr und was als falsch zu gelten hat. Genau so operieren Feministen. Nicht das Argument zählt, sondern die Macht, “Wissen” zu generieren und Anschauungen gesellschaftlich zu etablieren. Ein solches “Wissensgenerierung” nenne ich politische Propaganda, die vortäuscht, Wissenschaft zu sein.

In der Tat scheint mir in den Genderwissenschaften ein sehr großer Druck zu herrschen, zu den richtigen Ergebnissen zu kommen, also eine Gleichheit der Geschlechter zu ermitteln und eine Benachteiligung der Frau.

Hingegen müssen andere Wissenschaftler keineswegs bezüglich der Geschlechterfrage und auch nicht bezüglich eine Anlage-Umwelt-Debatte so vorbeeinflusst sein. Wer zB über Transsexualtiät forscht, der will als Mediziner eben neue Methoden finden, die den Wissenstand weiterbringen. Er muss nicht unbedingt eine Ungleichheit von Mann und Frau feststellen.

Zumal hier eben der Vorteil ist, dass man die Zusammenhänge mit bestimmten Genen etc gut überprüfen kann. Was bei dem philosophischen Ansatz der Genderwissenschaften in der Regel nicht gemacht wird.

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Sind einige Homosexuelle weiblicher in ihren Gesten und Verhalten?

Ich schrieb in einer anderen Diskussion zum Thema „Erkennen von männlicher Homosexualität“:

Ich habe keine Ahnung, wie hoch meine Trefferquote ist, vielleicht gibt es genug unerkannte Homosexuelle in meinem entfernten Bekanntenkreis. Ich vermute mal, dass besonders klischeehafte Schwule, also solche mit deutlicherem weiblichen Verhalten sich auch eher/leichter outen. Es hält sie ja eh jeder für schwul.

In einer einschlägigen Bar war ich erst einmal, dort gehen aber auch viele Heteros hin.

Der Theorie nach müßte es natürlich auch Schwule geben, die sich klassisch männlich verhalten. Nach der “Drei-Zentren-Theorie zu pränatalen Testosteron” sind die Zentren ja unabhängig voneinander, die Chance ist nur höher, dass ein Umstand, der für einen niedrigeren Testosteronspiegel in einer Phase sorgt auch ein der anderen Phasen betrifft, also länger anhält. Zwingend ist das aber nicht.

Kommentator Nihilst schrieb daraufhin:

Was daran “weiblich” sein soll, wenn ein Mann einen anderen Mann will, wird mir für immer ein Rätsel bleiben. Vielleicht ist diese Unterstellung einfach das Erklärungsmodell für Heteros, die aufgrund ihrer eigenen Erfahrung nicht anders denken können als in einer Mann-Frau-Dichotomie.

So hatte ich es auch nicht gemeint. Es geht nicht darum, dass Schwule immer weiblicher sind. Sondern, dass einige von Ihnen Gesten und Verhaltensweisen und Sprechweisen zeigen, die häufig als weiblich interpretiert werden.

Kommentator Hottehü dazu weiter:

ich habe noch keine einzige frau getroffen, die sich wie ein tuntig-schwuler mann verhalten hat. bedeutet: schwule verhalten sich nicht weiblich, sondern schwul. was völlig ok ist. aber eben nicht weiblich. für transsexuelle gilt übrigens das gleiche. sie imitieren das, was sie für weiblich halten.

Einig werden wir uns wohl sein, dass es ein typisch „tuntig-schwules Verhalten“ gibt. Die Frage ist insoweit, wie dies entsteht.

  • ist es eine Imitation dessen, was sie für weiblich halten?
  • oder die Hormone bei der Arbeit: Ein pränatal auf „weibliches Verhalten“ formatiertes Gehirn, dass dann unter dem weiteren Einfluss (gegebenfalls schwächeren als bei anderen Männern) postnatalen Testosteron zu einem weiblicheren Verhalten, Gestik, Sprechweise führt, sei es direkt, indem dazu bestimmte Vorgaben enthalten sind oder indirekt, weil sich diese aufgrund Vorgaben, die andere Punkte betreffen, auf eine gewisse Weise entwickeln. Dabei würden sich Unterschiede sowohl aus dem Grad der „Umgestaltung“ des Verhaltenszentren durch pränatales Testosteron als auch durch die von Frauen abweichenden Testosteronstände ergeben.

Was meint ihr? Ist es eine „weiblichere Art“ oder einfach ein ganz anderes Verhalten?

Schönheitsideal Victorias Secret vs. Dove Real Beauty

Zwei Werbekampagnen die so gesehen unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch beide Für ein gutes Körpergefühl werden sollen

 

victorias Secret vs dove

 

Die Werbung von Dove wurde als positives Körperbild aufgenommen, bei dem Frauen sich zeigen wie sie sind und gerade dadurch schön sind, ganz natürliche Frauen eben, die keine komplexe wegen ihrer Körper haben und damit auch gegen den Perfektionismus und die den frauenfeindlichen Druck, der über die Medien aufgebaut wird, etwas sagen.

Hingegen besteht die Victorias Secret Kampagne aus Topmodeln.

1. Die Werbebotschaft

Meiner Meinung nach setzen beide Produkte ganz verschieden an und müssen dies vielleicht auch. Dove wird als Hautpflegemittel beworben, es soll ein allgemeines Wohlfühlen auslösen und zudem auch für die Haut gut sein und damit die Schönheit erhöhen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man bei den Dove-Frauen keinerlei Hautunebenheiten sieht und alles, was an der Haut nicht glatt und makellos war gephotoshopped wurde. Denn das ist die Botschaft: Egal wie du sonst aussiehst, du kannst wenigstens schöne Haut haben.

Der Beauftragte Bildbearbeiter dazu:

Dangin said recently. “The people who complain about retouching are the first to say, ‘Get this thing off my arm.’ ” I mentioned the Dove ad campaign that proudly featured lumpier-than-usual “real women” in their undergarments. It turned out that it was a Dangin job. “Do you know how much retouching was on that?” he asked. “But it was great to do, a challenge, to keep everyone’s skin and faces showing the mileage but not looking unattractive.”

Gerade bei dicken Frauen wird meiner Meinung nach um so mehr nachbearbeitet, damit die Wahrnehmung stimmt und trotz der Körperfülle eine Illusion von Schönheit entsteht. Und das bei einem Produkt, dass weitaus mehr darauf abstellt, dass man sich etwas gutes tut und dabei noch zumindest eine schöne Haut bekommt. Es gibt den Spruch, dass Frauen so gern Schuhe kaufen, weil Füße nicht dick werden können und man sich damit weniger mit seinem Körper auseinandersetzen muss, wenn einem etwas nicht steht. Bei der Haut ist das ähnlich: Sie ist erst einmal da und nicht das Hauptkriterium für Schönheit, auch wenn glatte, makellose Haut als Zeichen auch von Jugend ein wesentlicher Schönheitsfaktor sein kann. So hat man das Gefühl sich über die Pflege der Haut etwas gutes getan zu haben und auch noch schöner geworden zu sein.

Victorias Secret verkauft Unterwäschesets, also BHs und dazu passende Slips/Strings etc. Und Reizwäsche /sexy Unterwäsche ist ein Bereich, der optisch weibliche Schönheit hervorheben soll und damit direkt in die intrasexuelle Konkurrenz hinein geht. Die Frage, die sich bei sexy Unterwäsche stellt, ist: „Werde ich darin gut aussehen?“ und damit auch, um es mehr in intrasexueller Konkurrenz auszudrücken: Werde ich mir damit gegenüber anderen Frauen einen Wettbewerbsvorteil herausholen?

Das ist eine ganz andere Fragestellung als sie sich bei einem Hautpflegeprodukt stellt. Sie ist unmittelbarer, sexueller, konkurrenzlastiger.

Und die Folge davon ist, dass Unterwäsche durchgängig mit sexy Frauen beworben wird. Ein gutes Beispiel dafür ist neben den Victoria Secret Damen auch die Sloggi-Werbung

Natürlich wurde da nachgearbeitet. Aber auch hier geht es eben um Schönheit. Einen String oder ein Unterwäscheset mit nicht hübschen Frauen darzustellen wirft einfach zu viele Fragen auf: Würde ich auch so dick darin aussehen? Sollte ich das tragen oder sehe aus wie die Frau da? Macht mich das wirklich sexier?

Durch die Betonung von Busen, flachen Bauch und Becken kann sich ein Unterwäscheset wesentlich weniger Raum gönnen als ein Pflegemittel. Es muss vielmehr ein Bild von Sexiness zeichnen und hoffen, dass die Frauen es so abspeichern.

Mit dem Bild einer hübschen Frau hingegen bleibt das Produkt erst einmal mit Schönheit verbunden. Natürlich sieht man darin nicht so gut aus, wie ein Topmodell, aber man wird eben für seine Verhältnisse etwas schöner. Das ist das Gefühl, was hier verkauft wird.

Es passt gut zu diesem Ansatz, dass die Victorias Secret Modells in diesem Bild eher etwas zu dünn sind. Denn gerade das zu dünne ist weniger ein Merkmal männlicher Vorlieben als weiblicher intrasexueller Konkurrenz, wenn ich mit den von mir vertretenen Theorien richtig liege.

2. Wer sieht besser aus?

Es ist aus meiner Sicht keine Frage, wer besser aussieht. Die Victoria Secret Frauen sind insgesamt wesentlich hübscher. Auf dem Foto oben würde ich die Beine sehr dünn finden und vielleicht würden sie mit 3-4 Kilogramm Gewicht besser aussehen. Die Frauen der Dove-Kampagne finde ich größtenteils sexuell uninteressant. Nicht unbedingt schlecht oder unattraktiv, aber ich würde mich nicht besonders für sie interessieren. Die fünfte von links hat soweit man es erkennen kann ein hübsches Gesicht, sie gefällt mir von den Frauen noch am besten, aber sie ist nicht hübsch und würde einem nicht weiter auffallen. Sie mögen natürlich und so sein, wie viele Frauen eben aussehen. Aber das bedeutet nicht, dass das schön ist oder besser aussehen muss.

Natürlich sind die Geschmäcker verschieden. Wie schön findet ihr die Frauen? Mit welchen Frauen würdet ihr, wenn ihr auf Frauen steht, lieber Sex haben?

3. Übertragung auf Männer

Die Diskussion um Schönheit ist auf Männer nur teilweise zu übertragen, weil Männer wesentlich mehr aus Schönheit bezogene Auswahlkriterien haben. Aber ein Versuch kann ich ja mal unternehmen. Unterwäschemodells bei Männern sehen so aus:

unterwäsche model rishi idnani

Niemand würde bei diesen Männern auf die Idee kommen, dass sie mit 10-15 Kilogramm mehr und ohne Training heißer aussehen würden.

Ein Bild „normaler Männer“ in Unterwäsche: Real Beauty?

Die Debatte, dass dickere Menschen „natürlich schöner“ sind, wird insoweit nur bei Frauen geführt. Bei Männern ist sich die Frauenwelt recht schnell einig, dass dies nicht so ist. Auch hier wird es natürlich Frauen geben, die sagen, dass ihnen die anderen Männer zu durchtrainiert sind. Aber das sie abstrakt betrachtet schöner sind, würde wohl kaum eine Frau bestreiten.

 

Beteiligung von Frauen an Gesprächen

Eine Studie dazu, dass Frauen weniger reden, wenn sie in einer Runde mit vielen Männern sind:

exacerbate gender inequality? Does increasing women’s descriptive representation in deliberationincrease their voice and authority? We answer these questions and move beyond the debate byhypothesizing that the group’s gender composition interacts with its decision rule to exacerbate or erasethe inequalities. We test this hypothesis and various alternatives, using experimental data with manygroups and links between individuals’ attitudes and speech. We find a substantial gender gap in voice and authority, but as hypothesized, it disappears under unanimous rule and few women, or under majorityrule and many women. Deliberative design can avoid inequality by fitting institutional procedure to thesocial context of the situation.

Quelle: Gender Inequality in Deliberative Participation

Aus der Besprechung:

In our study, women speaksubstantially less than men in most mixed-gender com-binations. Further, speech is a crucial form of partici-pation that substantially shapes perceptions of author-ity. As critics of deliberation contend, deliberation canproduce inequalities of participation that affect delib-erators’ inffuence.Unequal time used, not merely unequal speakingopportunities given, is problematic for democratic de-liberation especially when it is associated with lowerauthority. Even if men and women enter deliberation with the same preferences and equal formal rights, thedisproportionate exercise of these rights by men erodesthe political and civic standing of women, a group notyet equal in society

Meiner Meinung nach ist es schon wieder erstaunlich, dass einfach von Gleichheit ausgegangen wird. Männer sind unter einer starken intrasexuellen Konkurrenz evolviert, die einen Hierarchieaufbau erzeugt und innerhalb dessen Status eine wesentliche Rolle spielt. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass sie sich in einer Konkurrenzsituation um Redezeit erfolgreich durchsetzen. Frauen, die eine solche Evolution nicht hinter sich haben, sondern eher auf Verträglichkeit und Konfrontationsvermeidung mit Fremden ausgelegt sind, stürzen sich nicht in einen entsprechenden Wettkampf, so dass sich die Männer noch eher durchsetzen.

Die vorgeschlagene Lösung ist diese:

It ispossible to produce equal voice in citizen deliberationby adopting specific decision rules and assigning delib-erators to particular gender compositions. Many gov-ernment and nongovernmental organizations that rundiscussions can do so because they control the condi-tions of deliberation. The results provide some simpleguidelines for promoting gender equality of participa-tion and inffuence. When women are outnumbered bymen, use unanimous rule; when women are a large ma-jority, decide by majority rule. To avoid the maximuminequality, avoid groups with few women and majorityrule. To minimize male advantage, assemble groupswith a supermajority of women and use majority rule.To maximize women’s individual participation, gender-homogeneous groups are best

Also eine Aufteilung vornehmen, die die Nachteile ausgleicht. Das ist eine Möglichkeit, wenn man dies kann. Eine solche Möglichkeit liegt aber nicht oft vor. Der Vorteil scheint mir auch sehr abhängig von den beteiligten Männern, denn der Grundnachteil der Frauen bleibt ja erst einmal bestehen.

Bei Jezebel wird die Studie auch besprochen:

This problem—of women allowing themselves to be talked over and dominated in group settings—is particularly compelling because it dovetails with soooooo many other issues that we, as feminists, grapple with ad nauseam. It is BFFs with internalized male condescension. It went halfsies on a timeshare with mansplaining. It is more than friends with the way that women default to self-deprecation instead of assertiveness.

Perhaps most significantly, it just goes back to that hoary old double standard—when men speak up to be heard they are confident and assertive; when women do it we’re shrill and bitchy. It’s a cliche, but it’s true. And it leaves us in this chicken/egg situation—we have to somehow change our behavior (i.e. stop conceding and start talking) while simultaneously changing the perception of us (i.e. asserting that assertiveness does not equal bitchiness). But how do you assert that your assertiveness isn’t bitchiness to a culture that perceives assertiveness as bitchiness? And how do you start talking to change the perception of how you talk when that perception is actively keeping you from talking? Answer: UGH, I HAVE NO IDEA.

Meiner Meinung nach ist es häufig nicht nur ein Stereotypenproblem: Frauen und Männer reden häufig auf eine andere Weise und betonen auch anders. Mir kommt es schon so vor, dass Frauen dabei häufig persönlicher, aggressiver, mehr auf sich bezogen agieren als Männer. Und das nimmt man dann vielleicht zu recht als etwas bitchy wahr

 

But I guess I will start with this pledge I just made up: I, Lindy West, a shrill bitch, do hereby pledge to talk really really loud in meetings if I have something to say, even if dudes are talking louder and they don’t like me. I refuse to be a turtle—unless it is some really loud species of brave turtle with big ideas. I will not hold back just because I’m afraid of being called a loudmouth bitch (or a „trenchmouth loud ass,“ which I was called the other day and as far as I can tell is some sort of pirate insult). Also, I will use the fuck out of the internet, because they can’t drown you out on the internet. The end. Amen or whatever.

Das scheint immerhin eine Lösung zu sein: Frauen, die nicht verlangen, dass die Männer sich umstellen, sondern selbst loslegen.

Ich vermute die Studie wird häufig eher unter dem Gesichtspunkt: Die Männer müssen ihren Gesprächsstil eben weniger patriarchisch machen. Weniger Patriarchat = besser für alle.

Dabei wird aber vergessen, dass es hier nicht um Gruppeninteressen, sondern immer um die Interessen der Einzelnen geht. Eine Strategie setzt sich dann durch, wenn der einzelne keine bessere Strategie verfolgen kann. Und ein entsprechender Gesprächsstil scheint einem immerhin mehr Redezeit und mehr Möglichkeiten zu geben, seine Auffassung durchzusetzen.

Was auch selten in der Diskussion auftauchen wird: Wenn Frauen sich nicht trauen, sich in Gesprächen mit vielen Männern durchzusetzen, dann wirkt sich dies eben auch auf das Berufsleben aus. Auch hier kann die Frau nicht darauf vertrauen, dass die anwesenden Männer sich in entsprechende Gruppen aufteilen lassen oder andere Maßnahmen einleiten. Sie befinden isch immerhin in einem direkten Konkurrenzverhältnis.

Hier noch eine Stellungnahme von einem anderen Blog, der eher in diese Richtung geht:

Lindy West points to research which finds that women speak up less when they are surrounded by men.  Yes, and scrawny, weakling dudes generally recoil too when they’re surrounded by gregarious, deep-voiced, tall guys.  It’s a dominance game and has less to do with gender differences per se than West thinks.  If you want attention and to get your point of view out there to the group and if more dominant people yield the floor time they gain through a tacit acceptance of their dominance (which is always buttressed by the threat of violence; this isn’t pretty but this is how people socialize even in cordial settings) then say ‘thank you’.  Otherwise the “you should be nice to me just cuz” argument is a non-starter.

 

Vorurteile gegen weibliche Wissenschaftler und Bewerbungen

Eine Studie versucht mittels inhaltsgleichen Bewerbungen, die einmal mit männlichen und einmal mit weiblichen Namen abgegeben werden, nachteilige Vorurteile gegen Frauen in der Wissenschaft nachzuweisen:

Despite efforts to recruit and retain more women, a stark gender disparity persists within academic science. Abundant research has demonstrated gender bias in many demographic groups, but has yet to experimentally investigate whether science faculty exhibit a bias against female students that could contribute to the gender disparity in academic science. In a randomized double-blind study (n = 127), science faculty from research-intensive universities rated the application materials of a student—who was randomly assigned either a male or female name—for a laboratory manager position. Faculty participants rated the male applicant as significantly more competent and hireable than the (identical) female applicant. These participants also selected a higher starting salary and offered more career mentoring to the male applicant. The gender of the faculty participants did not affect responses, such that female and male faculty were equally likely to exhibit bias against the female student. Mediation analyses indicated that the female student was less likely to be hired because she was viewed as less competent. We also assessed faculty participants’ preexisting subtle bias against women using a standard instrument and found that preexisting subtle bias against women played a moderating role, such that subtle bias against women was associated with less support for the female student, but was unrelated to reactions to the male student. These results suggest that interventions addressing faculty gender bias might advance the goal of increasing the participation of women in science.

Quelle: Science faculty’s subtle gender biases favor male students (Volltext, PDF)

In der Einleitung machen die Forscher deutlich, dass sie davon ausgehen, dass es keine besonderen biologischen Unterschiede gibt:

With evidence suggesting that biological sex differences in inherent aptitude for math and science are small or nonexistent (6 – 8), the efforts of many researchers and academic leaders to identify causes of the science gender disparity have focused in- stead on the life choices that may compete with women ’ s pursuit of the most demanding positions.

Eine der Fußnoten, auf die sie sich berufen, ist dann allerdings Halper et al 2007:

Sex differences in science and math achievement and ability are smaller for the mid-range of the abilities distribution than they are for those with the highest levels of achievement and ability. Males are more variable on most measures of quantitative and visuospatial ability, which necessarily results in more males at both high- and low-ability extremes; the reasons why males are often more variable remain elusive. Successful careers in math and science require many types of cognitive abilities. Females tend to excel in verbal abilities, with large differences between females and males found when assessments include writing samples. High-level achievement in science and math requires the ability to communicate effectively and comprehend abstract ideas, so the female advantage in writing should be helpful in all academic domains. Males outperform females on most measures of visuospatial abilities, which have been implicated as contributing to sex differences on standardized exams in mathematics and science.

Halper stellt also darauf ab, dass gerade in den höheren Anforderungsbereichen durchaus Unterschiede vorhanden sind und die Geschlechter hier zumindest verschiedene Wege nutzen, um erfolgreich zu sein.

Insofern wäre vielleicht bereits die Prämisse falsch, dass es keine Unterschiede gibt.

Aus der Diskussion der Studie:

Our results revealed that both male and female faculty judged a female student to be less competent and less worthy of being hired than an identical male student, and also offered her a smaller starting salary and less career mentoring. Although the differences in ratings may be perceived as modest, the effect sizes were all moderate to large (d = 0.60 – 0.75). Thus, the current results suggest that subtle gender bias is important to address because it could translate into large real-world dis- advantages in the judgment and treatment of female science students (39). Moreover, our mediation fi ndings shed light on the processes responsible for this bias, suggesting that the female student was less likely to be hired than the male student because she was perceived as less competent. Additionally, moderation results indicated that faculty participants ’ preexisting subtle bias  against women undermined their perceptions and treatment of the female (but not the male) student, further suggesting that chronic subtle biases may harm women within academic science.

Interessanterweise waren die Frauen dabei genau so negativ eingestellt, wie die Männer:

It is noteworthy that female faculty members were just as likely as their male colleagues to favor the male student. The fact that faculty members ’ bias was independent of their gender, scientific discipline, age, and tenure status suggests that it is likely un- intentional, generated from widespread cultural stereotypes rather than a conscious intention to harm women (17). Addi- tionally, the fact that faculty participants reported liking the female more than the male student further underscores the point that our results likely do not reflect faculty members ’ overt hostility toward women. Instead, despite expressing warmth to- ward emerging female scientists, faculty members of both gen- ders appear to be affected by enduring cultural stereotypes about women ’ s lack of science competence that translate into biases in student evaluation and mentoring.

Man hat sie also mehr gemocht, es war unabhängig von dem Geschlecht oder sonstigen Faktoren, es scheint auf einem unterbewußt angenommenen Stereotyp zu beruhen.

Leider wird nicht direkt untersucht, welches Stereotyp es genau ist. Das ist meiner Meinung nach der Knackpunkt der ganzen Sache. Hier bekommt auch wieder die Frage Bedeutung, ob es Geschlechtsunterschiede gibt:

Nimmt man an, dass es Geschlechtsunterschiede gibt, die sich sowohl auf Fähigkeiten als auch auf Interesse an einer wissenschaftlichen Karriere auswirken, dann ist die zusätzliche Angabe des Geschlechts keineswegs einfach nur eine neutrale Angabe, die man auch durch „Gruppe A“ und „Gruppe B“ ersetzen könnte.

Vielmehr wäre es so, dass man Leute für eine bestimmte Tätigkeit aussucht und dabei weiß, dass Gruppe A und Gruppe B verschiedene Häufungen aufweisen. Nehmen wir eine einfache negative Eigenschaft, sagen wir mal ein gewisser Erfahrungssatz würde besagen, dass in der Gruppe B ein überaus hoher Anteil an Alkoholikern ist, Gruppe A hingegen kaum Mitglieder hat, die trinken, sie sind eher als etwas unsoziale Stubenhocker  bekannt.

Nun stellen wir uns vor, dass wir zwei gleiche Bewerbungen vorgelegt werden, in denen jeweils steht, dass der Bewerber gerne mit Leuten abends weggeht.  Bei dem Vertreter der Gruppe B ist die Wahrscheinlichkeit, dass er zu den Trinkern gehört, gerade gestiegen, bei dem Vetreter der Gruppe A ist hingegen die Wahrscheinlichkeit gesunken, dass er ein unsozialer Stubenhocker ist.

In dem Fall ist also der gleiche Text ein Vorteil für A und ein Nachteil für B, einfach weil bestimmte Häufungen in der Gruppe bestehen, der sie angehören und andere Informationen zu den jeweiligen Eigenschaften nicht zur Verfügung stehen. Bei gleicher Qualifikation erscheint der Kandidat der Gruppe B der bessere Kandidat.

Welche Häufungen bestehen nun in den Gruppen „Mann“ und „Frau“?

Bei Gruppe Frau ist die Gefahr höher, dass sie später wegen Kindern aussetzen oder allgemein aus familienbezogenen Gründen kürzer tritt. Ebenso kommt es häufiger vor, dass Frauen in einen personenbezogeneren Job wechseln wollen. Alle Anzeichen, dass ihr der Job nicht gefällt sind bei ihr daher von größerer Bedeutung.

In dem beigefügten Empfehlungsschreiben heißt es dazu:

although Jennifer admittedly took a bit longer than some students to get serious abouther studies earlyin college,she has impressed me by improving over the last two years ofher science course work and has made every effort to make up for lost ground

Das kann man in Richtung einer fleissigen, aber nicht unbedingt begeisterten Forscherin ansehen und es kann eben bei Frauen negativere Implikationen wecken als bei Männern, was sie zu einem unsichereren Kandidaten macht, was dafür sorgt, dass man weniger in sie investieren will, was dafür sorgt, dass man ihr weniger anbietet und sie weniger unterstützen will.

Ein weiterer Punkt wäre evtl. die Nettigkeit. Die Frauen wurden als sympatischer wahrgenommen. Sie wurden aber als Leiterinnen gesucht. Wenn man jetzt will, dass sich ein solcher Leiter durchsetzen kann und seine Mitarbeiter im Griff hat, dann wäre zuviel Nettigkeit evtl. ein Problem. Vielleicht ist auch Durchsetzungsfähigkeit gerade in Verbindung mit dem Durchsetzen gegenüber anderen eine Eigenschaft, bei der man bei Frauen mißtrauischer ist. Erscheint diese dann nett und lieb, dann fehlt die Entkräftung dieser Angst. Hingegen mag man bei einem Mann befürchten, dass er zu dominant auftritt und sich daher über eine gewisse Nettigkeit freuen.

Ist das gerecht? Natürlich nicht. Ist es logisch? Wenn die Häufungen vorhanden sind schon.

Für mich spricht für solche Faktoren der Umstand, dass sich die „Vorurteile“ bei allen Fakultäten und auch gerade bei Männern und Frauen aus dem Fachbereich halten. Wenn es lediglich gesellschaftlich erlernte Vorurteile sind, dann würden zumindest die Frauen eigentlich ein gewisses Gefühl dafür haben müssen, dass diese nicht auf Frauen generell zutreffen. Geht es aber um Wahrscheinlichkeiten, die bestimmte Eigenschaften betreffen, dann ist es gut möglich, dass diese von allen ungefähr gleich wahrgenommen werden und als Faktoren in die Berechnung einfliessen.

„Na und?“ mag man dann sagen „Vorurteile sind Vorurteile, ihre Anwendung gegen den Einzelnen ist ungerecht und benachteiligt Frauen“. Sicher. Aber solange gewisse Häufungen bestehen, werden sie wahrgenommen. Und damit auch zur Grundlage einer Personalentscheidung gemacht. Man kann diese Grundlagen nicht verbieten, gerade dann nicht, wenn sie zutreffend sind (und Frauen zB tatsächlich die schlechtere „Inverstition“ sind, weil sie schneller wieder ausscheiden).

Es bleibt dann nur die Grundlagen so zu ändern, dass die Beobachtungen nicht mehr in dieser Richtung anfallen. Sie nur zu übertünchen hilft nicht. Den Frauen dürfte mehr gedient sein, wenn man ermittelt, welche genauen Faktoren negativ ausgelegt werden und ihnen Tipps zu geben, wie sie diesbezügliche Ängste oder Sorgen gegenüber ihrer Person entkräften können.

 

 

 

Feministisch korrekte Sprache: sexuelle Positionierung und männlich und weiblich gelesene Personen

Elitemedium berichtet „Neues aus dem Neusprechland„. Es geht um folgende Begriffe:

Sexuelle Positionierung: ist eigentlich das gleiche wie sexuelle Orientierung. Aber – um Lantzschi zu zitieren –  eigentlich geht’s im Zusammenhang mit Privilegiertheiten in dem Feld ja nicht um Identitäten, sondern um Positioniertheiten in einem Gefüge, dass sich die Individuen nicht selbst wählen können. (ergo auch keine Orientierung/Identität). Es ist also nicht eine Orientierung, die der Mensch nun einmal hat, sondern etwas, in dem er durch die Gesellschaft oder andere Umstände positioniert wird. Vermutlich gäbe es ohne die gesellschaftlichen Zwänge und Regeln keine Orientierung und jeder wäre entweder bisexuell oder was er auch immer sein will. Ich vermute viele Homosexuelle werden dem ebenso wie die aktuelle Forschung widersprechen und sagen, dass sie schwul/lesbisch sind und nicht dazu gemacht wurden. Aber so ist es eben korrekter

Männlich/weiblich gelesene Personen: Nur weil ein Mensch einen bestimmten Phänotyp zu haben scheint bedeutet es natürlich im Feminismus nicht, dass er weiblich oder männlich ist. Denn weiblich und männlich sind einfach nur Zuschreibungen, die am Körper ansetzen können oder eben auch an anderen. Das muss man in zwei Richtungen beachten: Wer beispielsweise als männlich gelesen wird, der nimmt eben auch an den diesbezüglichen Privilegien teil. Zudem muss sich ein guter Feminist auch immer selbst prüfen und Menschen nicht einfach ein Geschlecht unterstellen. Er kann also bei ihm unbekannten Personen schreiben „ein Mensch, den ich als männlich gelesen habe“, wenn da dem Phänotyp nach ein Mann vor ihm steht.

Beides erscheint mir viel zu theorieüberladen um sich außerhalb extremer Radikalität durchzusetzen.