Männer, die für Frauen sterben

Bei dem Aurora-Attentat bei dem Batmanfilm haben sich wohl ein paar Männer schützend vor ihre Freundinnen bzw. einen Freund geworfen und sind gestorben. (via Genderama)

Three survivors of the Colorado movie-theater massacre escaped with minor wounds, but were left with broken hearts because their heroic boyfriends died saving them.

In final acts of valor, Jon Blunk, Matt McQuinn and Alex Teves used their bodies to shield their girlfriends as accused madman James Holmes turned the Aurora cineplex into a shooting gallery.

Auf Fathers and Families heißt es etwas trockener:

What we do know from the reports coming forth are that three of these four men thought first to protect their girlfriends and second of their own safety. And one of these men, thought first to protect his fellow airman and second of his own safety.

We do not have any reports of women hurling themselves in front of their boyfriends or anyone else accompanying them.

Im Maskulismus würde man dabei wohl hervorheben, dass Männer eben das entsorgbare Geschlecht sind und deswegen eher solche Schutzpflichten zugunsten von Frauen auferlegt bekommen.

vgl. dazu:

Hugo Schwyzer dazu:

All of the chatter about a lost male heroism misses the point. The reality is that these sacrificial gestures, as impressive and touching as they are, belong to a tradition that dates back to an era when far more women died for men than vice-versa. Until the advent of modern medicine, childbirth was one of the leading causes of death for women; a conservative estimate places the historic rate of maternal mortality at 1 for every 100 births. Even now, at least 800 women die worldwide every day as a consequence of childbirth.

Throughout human history, more women have died giving birth than male soldiers have died in war. As a result, in many places, women had shorter life expectancies than men. The ubiquity of “wicked stepmothers” in old fairy tales is a subtle reminder of these high rates of maternal death. From a purely demographic standpoint, it was women whose bodies were more vulnerable and disposable.

Every woman who dies in childbirth dies as a result of sex with a man. Vaginal intercourse with a man was—and in many places still is—one of the riskiest activities in which any woman could engage (…)

From an historical context, the kind of male gallantry we saw in Aurora is both compensatory and rarely required. When they reacted heroically to the start of the shooting, McQuinn, Blunk, and Teves surely weren’t thinking “I’m covering my girlfriend with my body because of the risks she might take in childbirth.” But the reason why we celebrate their undeniable bravery, the reason it strikes such a chord in us, may well be because it appeals to an ancient, partly-buried sense of fairness. In other words, perhaps on a subconscious level we still cling to the idea that men should be willing to die for women not because men are worth less, but because women have died so much more often for men.

Was ich eine recht furchtbare Haltung finde. Moderne Frauen haben keinen Anspruch auf kompensatorisches opfern moderner Männer. Zumal auch die damaligen Männer bereits entsprechende Risiken auf sich genommen haben. Wenn sich jemand für seine Freundin opfern will, weil er sie beschützen will, dann mag er das tun. Aber gerade in diesem Kontext die Geschlechterrollen auszublenden und sie als unkritisch hinzustellen erscheint mir doch eine sehr simple Sicht der Dinge.

Interessanterweise scheint diese Denkweise auch bei Männern gegenüber Frauen, mit denen man nichts zu tun hat, nachzulassen:

Besonders schlechte Überlebenschancen dagegen hätten weibliche Passagiere und Kinder: Lediglich den Untergang der Titanic und ein weiteres Schiffsunglück haben laut Studie mehr Frauen als Männer überlebt. Bei elf Katastrophen blieben dagegen mehr Männer am Leben.

Dabei könne der Kapitän die Überlebenschancen von Frauen und Kindern mit einfachen Mitteln erhöhen, indem er befiehlt, sie zuerst zu retten. Das Kommando ertönte jedoch nur bei fünf der 18 untersuchten Untergänge. „In der Regel führt die Anweisung, Frauen und Kinder zuerst vom Schiff zu bringen, dazu, dass Frauen und Männer ähnliche Überlebenschancen haben“, sagt Mikael Elinder von der Universität in Uppsala.

Auch die grundsätzliche gesellschaftliche Entwicklung zu mehr Gleichberechtigung kommt Frauen im Unglücksfall offenbar zu Gute: Seit dem ersten Weltkrieg sei der Abstand bei den Überlebenschancen zwischen Frauen und Männern geschrumpft, berichten die Forscher. Das führen sie auf das gesteigerte soziale Ansehen und größere Selbständigkeit der Frauen zurück.

Alles hat eben seine Nachteile. Warum sollte der einzelne Mann sein eigenes Überleben gefährden, damit die Gruppe Frau besser abschneidet? Es bringt ihm nichts und sein Leben ist nicht weniger wert als das einer Frau. Gruppengerechtigkeit bei dem Untergang eines Schiffes einzufordern kann man unter dem Gesichtspunkt gerecht finden, dass jede Gruppe die gleiche Chance haben soll, ist aber dem einzelnen Menschen, der sein Leben retten will, schwer entgegen zu halten.