Soziologische Theorien zu den Geschlechtern

Leser Chomsky schrieb in einem Kommentar das Folgende:

Ich würde mal behaupten, dass folgende Theorien realtiv gut empirisch abgesichert sind:

Wie gesagt: Die Entwicklungspsychologie geht von einer Überdeterminierung der Geschlechtsidentität aus.

Bekräftigungstheorie:

Imitationstheorie:

Kognitive Ansätze:

Geschlechtsschema-Theorien

Ich habe dazu mal gesucht:

1. Bekräftigungstheorie

Die Bekräftigungstheorie beinhaltet laut KASTEN (2003: 36), dass Jungen und Mädchen schon sehr früh, wahrscheinlich im Kleinkindalter schon, für Verhalten, dass ihrem Geschlecht angemessen erscheint, bekräftigt werden. Bekräftigung erfolgt durch Lob, Anerkennung, Belohnung o. ä. Dem Geschlecht unangemessene Verhaltensweisen werden hingegen nicht bekräftigt, sondern sogar bestraft, missbilligt oder einfach ignoriert. Die Bekräftigungstheorie basiert darauf, dass bestimmte dem Geschlecht entsprechende Verhaltensstereotype existieren und Eltern ihre Kinder diesen Stereotypen gemäß erziehen. Das würde aber implizieren, dass Eltern ihre Kinder unterschiedlich behandeln.

CHODOROW (1985: 130) erklärt, dass hinsichtlich der Eltern – Kind – Interaktion, die Wärme der Eltern, das Ausmaß an Lob und positiver Rückmeldung, in den ersten vier bis fünf Lebensjahren kaum Unterschiede bezüglich des Geschlechts nachzuweisen sind.

Gegen diese Theorie spricht aus meiner Sicht, dass sie Transsexuelle, weiblichere Homosexuelle, CAH, CAIS und weitere Sonderfälle nicht erklären kann. In diesen kann man hingegen Zusammenhänge mit pränatalen Testosteron sehen.

Gerade bei „weiblicheren Homosexuellen“ mit dominanten Eltern, die ihr Kind zu einem „männlichen Verhalten“ erziehen wollen, zeigt sich, dass dies nicht klappt. Ebenso sind die Erfahrungen mit geschlechtsneutraler Erziehung eher negativ.

Ebenso erklärt die Theorie nicht die Unterschiede innerhalb der Geschlechter und ihre Zusammenhänge mit dem pränatalen und postnatalen Testosteronspiegel oder die genetischen Grundlagen der Transsexualität oder anderer Genderidentitätsabweichungen vom Phänotyp. Auch Cloacal exstrophy ist nach diesen Theorien eigentlich problemlos, man muss sie nur in dem gewählten Geschlecht bekräftigen. Der Wechsel bei “5a-reductase-2 deficiency” (5a-RD-2) passt ebenfalls nicht in dieses Modell, wenn man nicht annimmt, dass die ganzen Bekräftigungen vorher einfach folgenlos verpuffen, wenn die Pubertät eintritt.

2. Imitationstheorie

Zu der Imitationstheorie erklärt KASTEN (2003: 42 f.), dass Kinder geschlechtstypisches Verhalten durch die Beobachtung gleichgeschlechtlicher Modelle und die Nachahmung und Übernahme deren geschlechtsangemessenen Verhaltens erwerben. Dabei gelten also die Bezugspersonen als Vorbilder, im Hinblick auf erfolgreiches oder erfolgloses Verhalten. Erfolgreich und erfolglos ist hier im Sinne von bestrafen oder nicht bestrafen gemeint. Nachgeahmt wird vorwiegend erfolgreiches Modellverhalten, meist am gleichgeschlechtlichen Vorbild.

Kritikpunkte dieser Theorie liegen u.a. darin, dass Jungen und Mädchen in unserem Kulturkreis heutzutage in der frühen Kindheit meistens von weiblichen Bezugspersonen betreut werden. Trotzdem imitieren Jungen nicht nur weibliches Verhalten, was ja nach der Imitationstheorie der Fall sein müsste. Außerdem haben Jungen und Mädchen in der späteren Kindheit und Jugend in annähernd gleicher Weise die Gelegenheit, gleich- und gegengeschlechtliches Modellverhalten zu beobachten. Warum sie sich trotzdem vom anderen Geschlecht abgrenzen und ihrem Geschlecht angemessenes Verhalten oft übernehmen, kann die Imitationstheorie nicht erklären.

In der Identifikationstheorie wird angenommen, dass durch die sogenannten Primärbeziehungen geschlechtsspezifisches Verhalten gefördert bzw. erlernt wird. Mit Primärbeziehungen sind die Beziehungen der Kinder zu den wichtigsten Bezugspersonen gemeint, mit denen sich in den ersten Lebensjahren häufig eine intensive gefühlsmäßige Beziehung und Bindung entwickelt. Durch diese Bindung ist die Grundlage und der Anlass gegeben, dass das Kind sich mit der Person identifiziert. Es wird angenommen, dass Mädchen sich mit der Mutter und Jungen sich mit dem Vater identifizieren, d.h., dass Jungen und Mädchen sich innerlich mit den gleichgeschlechtlichen Elternteil als sehr ähnlich oder identisch erleben. Dieses Gefühl der Ähnlichkeit bewegen dann Jungen und Mädchen innere Einstellungen, Werthaltungen und äußere Verhaltensweisen zu übernehmen (Ders. 2003: 45 f.).

Die Abgrenzung zur Imitationstheorie fällt schwer und wird wahrscheinlich darauf beruhen, dass bei der Identifikationstheorie nicht nur äußeres Verhalten nachgeahmt und übernommen wird, sondern auch innere Einstellungen und Werte der Bezugspersonen.

Die Kritik wird in dem zitierten Teil bereits vorgebracht. Auch hier können im übrigen die Sonderfälle nicht erklärt werden. Gerade die biologischen Fälle, in denen mit Einsetzen der Pubertät die Geschlechterrolle wechselt, werden dieser Theorie einige Probleme bereiten.

3. funktionelle-strukturelle Theorie

PARSONS hat mit seiner strukturell- funktionalen Systemtheorie einen Ansatz versucht, die Übernahme von Geschlechtsrollen aus der Perspektive der Funktionen für ein System zu erklären. Nach der Systemtheorie lernt das Kind in dem System Familie durch Sozialisation, wie es sich in einem anderen gesellschaftlichen System, z. B. Schule, verhalten soll, um den gesellschaftlichen Erwartungen und Normen zu entsprechen, und ist somit wichtig für den Erhalt eines Systems, und für ein störungsfreies Funktionieren der gesellschaftlichen Ordnung. Diese funktionalistische Auffassung von Parsons wurde von Feministinnen kritisiert, da darin insgeheim die Unterordnung von Frauen und ihre Einschränkung auf den familiären Bereich legitimiert wurde. Er unterstellt die Notwendigkeit der geschlechtlichen Arbeitsteilung in der Familie, nach der der Mann berufstätig und die Frau für die Versorgung der Kinder zuständig ist. Diese Auffassung vernachlässigt jedoch die Komplexität des weiblichen Lebenszusammenhangs. Frauen waren schon immer in beiden gesellschaftlichen Bereichen, in der Familie und im Erwerbsleben tätig.

Auch hier wird nicht erklärt, warum einige Kinder sich anders verhalten, als es der Struktur und ihrer „Funktion“ entspricht. Eben die bekannten Gruppen, die ich oben schon genannt habe.

4. Geschlechtsschema Theorie

Welche grundlegende Aussage trifft die Geschlechts-Schema-Theorie? Die Geschlechts-Schema-Theorie besagt, dass unsere Kultur und die Sozialisierung der Geschlechterrollen uns bestimmte Geschlechtsschemata liefert. Ein Schema kann als Bündel von Eigenschaften verstanden werden, die wir als typisch für Männer und Frauen, Jungen und Mädchen empfinden. Es wirkt wie ein Filter, durch den wir geschlechtsrelevante Informationen verarbeiten. Diese Schemata bestimmen z. B., welche Eigenschaften einer Situation unsere Aufmerksamkeit erregen, und sie beschränken die Art und Anzahl der Merkmale in einer Situation, die wir verarbeiten. Auf diese Weise können sie unsere Aktionen und Reaktionen auf bestimmte Situationen beeinflussen. Das heißt, diese Schemata beeinflussen die Art und Weise, wie wir andere (und uns selbst) wahrnehmen, und helfen uns, Entscheidungen zu unserem daraus resultierenden Verhalten zu treffen. Als Kinder und später auch als Erwachsene benutzen wir Geschlechtsschemata, um eine mentale Einordnung der erwarteten Eigenschaften unseres eigenen und des anderen Geschlechts vorzunehmen.

Auch hier zeigen die bereits genannten Gruppen ein deutliches Ausbrechen, entgegen der Schemata.

5. Weiteres

Die Theorien scheinen mir sehr simpel angelegt und wenig hinterfrage zu sein. Natürlich haben sie ihre Berechtigung bei der Ausgestaltung der Geschlechterrollen und ich kann mir gut vorstellen, dass dort Imitation etc stattfindet. Aber die wesentlichen Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen und später Männern und Frauen, sei es im Rough and Tumble Play und in der Gruppenbildung bei Kindern oder später im Erwachsenenverhalten lässt sich wesentlich besser und stimmiger über die Biologie erklären. Ich verweise auch noch einmal auf den Artikel „Steven Pinker zur biologische Grundlage der Unterschiede zwischen Männern und Frauen„, der weitere Argumente aufführt.

Sollten die Theorien die oben genannten Sonderkonstellationen in ihre Theorie einbinden können, dann bitte ich um Mitteilung wie ihnen das gelingt.

62 Gedanken zu “Soziologische Theorien zu den Geschlechtern

  1. @Christian

    Diese Theorien wollen die G E S C H L E C H T S I D E N T I T Ä T erklären und nicht die sexuelle Orientierung, falls Dir da ab und an was durcheinander gerät. Zudem müsstest Du mal schauen, falls z.B. Metaanalysen vorliegen, wie hoch die Effektstärken dieser Theorien sind.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Effektstärke

    Wenn ich es richtig im Kopf habe, hat z.B. die Bekräftigungstheorie in Metaanalysen eine Effektstärke von 0,43 erzielt. Was in etwa einer „mittleren Effektstärke“ entspricht. Nicht grandios – aber immerhin.

    Dein Einwand des pränatalen Testosteronspiegels: Hier habe ich noch nichts darüber gelesen, wenn es um die Geschlechtsidentität geht. Habe jedoch schon etwas darüber gelesen, wenn es um die sexuelle Orientierung geht (Homosexualität). Aber hier wird von gewissen Wahrscheinlichkeiten gesprochen, dass hier ein Zusammenhang (keine Kausalität) besteht. Nun, die Wahrscheinlichkeit, dass heute in der Schweiz, auf einer Höhe von 500 Meter, Schnee fällt, ist ziemlich gering! 😀

      • @Nick

        Was ist daran unverständlich?

        Bekräftigungstheorie (Erwartunshaltung, Bekräftigungen für unterschiedliches Verhalten) = unabhängige Variable.

        Geschlechtsidentität = abhängige Variable

        Effektstärke: Grösse des Effekts der unabhängigen Variable auf die abhängige Variable.

        Metanalyse: Zusammenfassung/Sichtung einer Vielzahl von Primärstudien/Primäranalysen.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Metaanalyse

        • @Nick

          Ich vermute, dass gar nicht groß isoliert wurde. Die Tests werden nicht als Test gegen biologische Theorien gelaufen sein.

          Ich kann mir gut vorstellen, dass Eltern ihre Kinder eben dann bekräftigen, wenn sie merken, dass ihr Kind ein bestimmtes Verhalten mag und es sich wohlfühlt.
          Wenn ein Junge eben mehr an Rough and tumble Play, also toben und raufen angepasst ist, dann wird man ihn auch eher bekräftigen, sich auszutoben. Wenn man aber weiß, dass das Mädchen dies nicht ist und es im Spiel mit zB Jungs dann irgendwann anfängt zu heulen, weil es zu viel wird, dann wird man sie da eher rausholen. Einmal hat man ein Geschlechterklischee bekräftigt, einmal nicht bekräftigt, weil es gegen ein Klischee war

          Dessen ungeachtet kann ich mir vorstellen, dass ein etwas männlicheres Mädchen, dass eher gerne so wild ist, schon weniger bekräftigt wird und insofern die Geschlechterrollen schon das Verhalten der Eltern beeinflussen. Gleichzeitig denke ich, dass sie dennoch wild spielen wird, wenn sie kann. Sie wird sich diesem Verhalten nicht anpassen, was ja die Vorhersage der Bekräftigungstheorie ist, sondern wild bleiben

      • Die effektstärke sagt einfach aus wie viel Prozent der abhängigen Variable von der unabhängigen Erklärt werden kann. Das ist zwar nur Korrelation, aber dennoch nicht zu verachten. 0,43 zeigt, dass es da ganz klar irgendeinen Zusammenhang gibt, aber nicht die Kausalität.

        • Wenn man nicht nach monokausalen Gründen sucht, kann der Faktor schon gut sein

          Wenn man beispielsweise 10 Faktoren hat, die den Menschen formen, ist das einer davon.
          Und selbst wenn von diesen 10 einer besonders heraussticht, kann man nicht sagen „das ist DER Grund dafür“, denn selbst der ist nur einer von vielen, weil man die anderen nicht einfach ignorieren kann.
          Das wär ja sonst nur Zahlenjonglieren.

          Man muss immer unterscheiden: versucht sich da jemand einigermaßen der Realität zu nähern, und sich darauf eine Meinung zu bilden. Oder hat jemand sich schon eine Meinung gebildet und versucht nur noch Beweise dafür zu finden?
          Dann fokussiert man bewusst oder unbewusst stärker, was man wahrnimmt und was nicht. Menschliche Wahrnehmung funktioniert nur durch fokussieren des einen und ausblenden des anderen. Denke da liegen die natürlichen Grenzen des Hirns. Man erkennt meist nur durch Kontraste

    • „Wenn ich es richtig im Kopf habe, hat z.B. die Bekräftigungstheorie in Metaanalysen eine Effektstärke von 0,43 erzielt. Was in etwa einer “mittleren Effektstärke” entspricht. Nicht grandios – aber immerhin. “
      1. Was wurde als Effektstärke verwendet?
      2. Welches Modell wurde für die Metaanalyse verwendet?
      3. Welchen Standardfehler hat die Effektstärke/War dieser Signifikant?
      4. Ist die Effektstärke in Bezug auf die betrachtete Population(aggregiert) von relevanter Größenordnung?

  2. Du immer mit Deinem pränatalen Testosteron…

    Ich bitte um klare Beantwortung folgender Fragen (zum warmwerden erstmal nur 4):

    1. Die meisten Studien leiten die Höhe des pränatalen Testosterons aus dem Längenverhältnis zwischen dem Zeigefinger und dem Ringfinger Erwachsener ab – richtig/falsch?

    2. Ein hoher Testosteronwert im letzten Drittel der Schwangerschaft, wie er durch Nabelschnurblutmessungen nachgewiesen werden kann, korreliert mit sprachlichen Entwicklungsverzögerungen bei Jungs, nicht aber bei Mädchen (bzw. sogar im Gegenteil) – richtig/falsch?

    3. Vor der Pubertät gilt bei beiden Geschlechtern derselbe unterste Testosteronwert als normal – richtig/falsch?

    4. Während der Pubertät kann zuviel Testosteron bei Jungs zur Ausbildung eines Busens führen, weil ein Teil dessen in Östrogen umgewandelt wird – richtig/falsch?

    Btw: Wusstest Du eigentlich, dass das Preußische Landrecht vor 200 Jahren moderner war als unser heutiges, weil es einen „Zwitterparagrafen“ kannte?
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitreisen/957311/

    • @muttersheera

      Zum pränatalen Testosteronspiegel habe ich übrigens auch mal ne schöne Kritik gefunden (zwar in einem anderen Zusammenhang). Kritik ist m.E. nicht vollständig gelungen, aber gewisse Kritikpunkte halte ich für berechtigt:

      „Im Folgenden möchte ich mich einem Thema zuwenden, bei dem die Fragen auch grundfalsch gestellt werden (mit der Konsequenz der richtig falschen Antworten): der biologistischen Begründung der Geschlechterunterschiede. Dies möchte ich anhand einer Studie über den Zusammenhang von unterschiedlichen Berufsinteressen und dem pränatalen (vorgeburtlichen) Testosteronspiegel diskutieren.

      Die Suche nach einem biologisch begründeten Unterschied zwischen den Geschlechtern existiert seit der Entzauberung von Gott durch die Aufklärung und seine Ersetzung durch die (Natur-)Wissenschaft. So wird beispielsweise seit über 100 Jahren nach Geschlechterunterschieden im Gehirn gesucht. Ein weiterer Bereich, der öfter zur Aufrechterhaltung einer natürlichen zweigeschlechtlichen Ordnung herhalten muss, ist der der Hormone. Speziell das so genannte männliche Hormon Testosteron wird gerne zur Begründung von Geschlechterunterschieden herangezogen. Das Fingerlängenverhältnis wird von Forscher_innen als Indikator für den pränatalen Testosteronspiegel angesehen und für soziales Verhalten und Geschlechterunterschiede verantwortlich gemacht: für Aggression, Leadership, reduzierte Spermienzahl oder unterschiedliches Verhalten der Geschlechter beim Hochfrequenzhandel an der Börse.

      „Das Berufsinteresse mit in die Wiege gelegt“

      In einer Pressemitteilung der Universität Konstanz vom 15.07.2011 heißt es in der Überschrift: „Das Berufsinteresse mit in die Wiege gelegt – Psychologen der Universität Konstanz belegen einen Zusammenhang zwischen pränatalem Hormonspiegel und beruflichen Interessen.“ Sie untersuchen den Zusammenhang zwischen dem pränatalen Testosteronspiegel und der Ausbildung von beruflichen Interessen getrennt nach Geschlecht. Sie meinen einen statistisch signifikanten Zusammenhang gefunden zu haben. Signifikanz bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Zusammenhang zufällig besteht, nur gering ist. Männer seien aufgrund ihres hohen pränatalen Testosteronspiegels eher technisch und Frauen aufgrund ihres niedrigen eher sozial ausgerichtet. Benedikt Hell, Mitautor der Studie, schließt daraus, dass wir keine Gleichverteilung der Geschlechter in den unterschiedlichen Berufsfeldern erwarten oder gar fordern sollten. Dies ist eine klare Absage an Frauenförderung und an Programme, die das Interesse von Mädchen und jungen Frauen an technischen Berufen und Studiengängen erhöhen wollen. Diese werden obsolet, da ja Hormone, auf ganz natürliche Weise, steuern, was wir werden. Die sozialen Bedingungen und gesellschaftlichen Ursachen für eine ungleiche Verteilung von Lebenschancen werden mit solchen Aussagen naturalisiert. Mehr noch: Wenn wir diese Bedingungen verändern wollten, handelten wir gegen die Natur. Solche Biologismen sind wenig neu. Damit sie nicht unwidersprochen die Deutungshoheit für sich beanspruchen können, ist eine Kritik daran, wie ich sie im Folgenden entlang von vier Ebenen übe, immer wieder wichtig.

      Ausgangsfrage der Konstanzer Untersuchung ist, ob die beruflichen Interessen von Männern und Frauen tatsächlich nur der Erziehung geschuldet sind oder ob nicht doch genetische oder evolutionäre Mechanismen eine Rolle spielen. Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen dem Fingerlängenverhältnis, der absoluten Fingerlänge und den Berufsinteressen zu klären. In einem Selbsttest zur Studienorientierung wurde eine Abfrage nach der Fingerlänge eingebaut, welche die Befragten selbst messen und dann online eintragen sollten. In die Auswertung gingen 6935 Fälle ein, davon 35,1% Männer.

      Die Vorannahmen der Studie

      Die erste Kritikebene ist erkenntnistheoretisch. Zur Klärung der Forschungsfrage operieren die Autor_innen mit drei Vorannahmen. Erstens gehen sie davon aus, dass es zwei Geschlechter gibt, Männer und Frauen, und dass diese beiden sich unterscheiden. Es ist jedoch nicht einsichtig, warum untersucht werden sollte, dass es biologisch begründete Unterschiede zwischen den Geschlechtern und ihrer Berufswahl gibt. Eine Forschung, die beständig nach Unterschieden zwischen den Geschlechtern sucht, wird auch welche finden bzw. die Ergebnisse dahin gehend interpretieren. Die Forschenden arbeiten mit fragwürdigen Vorannahmen und setzen die Geschlechterdichotomie voraus. Sie versuchen beständig, einen Unterschied aus der Biologie zu generieren und gesellschaftliche Ungleichheit zu naturalisieren.

      Sie gehen des Weiteren davon aus, dass das Verhältnis des Zeige- und des Ringfingers mit dem pränatalen Testosterongehalt einhergeht und dieser mit biologischen und psychischen Merkmalen. Wenn der Unterschied zwischen Zeige- und Ringfinger groß ist, ergibt sich ein geringerer Indexwert, was, so die Annahme, ein Indiz für einen hohen pränatalen Testosteronspiegel ist. Begründet wird dieses Vorgehen damit, dass die beiden Phänomene durch dieselbe Gensequenz gesteuert würden. Allerdings wird diese Annahme selbst von Psycholog_innen zurückgewiesen, die von einer biologischen Geschlechterdifferenz ausgehen (vgl. Asendorpf 2012). Grund dafür ist die ihrer Meinung nach uneindeutige Befundlage.

      Eine weitere Voraussetzung, die sie treffen, ist die des RIASEC-Modells. Demzufolge gibt es sechs verschiedene Berufsinteressengruppen: Realistic (realistisch/technisch), Investigative, Artistic, Social, Enterprising und Conventional. Die Zuordnung zu diesen Gruppen geschieht mittels eines quantitativen Fragebogens, mit dem die Befragten nach Persönlichkeitsmerkmalen kategorisiert werden (http://www.was-studiere-ich.de). Die Testgestalter_innen versprechen, dass mit dem Test herausgefunden werden kann, welches Studium am besten zu den Befragten passt. Problematisch hieran ist, dass durch dieses Modell Rückschlüsse über ein weitestgehend unveränderliches Wesen der Befragten gezogen werden.

      Der diskrete Charme der Zahlen

      Zweitens ist der Verwendungszusammenhang statistischer Methoden zu kritisieren. Die Autor_innen der Studie betreiben die Psychologie als eine Naturwissenschaft. Diese ist jedoch nicht objektiver als andere Wissenschaften, nur weil sie quantitativ arbeitet. Quantitative Forschung hat den diskreten Charme der Evidenz. Mittels Hypothesen und Zahlen sollen die Welt und individuelles Verhalten erklärt werden. Eigentümlicherweise wird dem Rechnen, wie bei der 42, und den Zahlen oftmals mehr Glauben geschenkt als qualitativer Forschung oder gesellschaftstheoretischen Überlegungen. Auch ein quantitatives Design ist, wie oben beschrieben, von bestimmten theoretischen Vorannahmen geleitet, welche die Erhebung und Auswahl der Daten, ihre Einschlüsse und Auslassungen und die Interpretationen beeinflussen. In einer Gesellschaft, die von Geschlechterkonstruktionen grundlegend geprägt ist, wirkt Geschlecht somit auch auf Erkenntnis- und Gestaltungsprozesse in den vermeintlich neutralen Naturwissenschaften.

      Was nicht sein darf, kann auch nicht sein

      Die dritte Kritikebene betrifft die Methodik. Die Autor_innen führen eine bivariate Korrelation durch, die den Zusammenhang zwischen zwei oder mehreren Variablen abbildet. Sie errechnen, getrennt nach Geschlecht, mathematische Zusammenhänge zwischen dem Fingerlängenverhältnis bzw. der absoluten Fingerlänge und den Berufsinteressen in Form der realistischen und der sozialen Ausprägung. Der Wertebereich einer Korrelation reicht von -1 (negativer Zusammenhang) über 0 (kein Zusammenhang) bis zu +1 (positiver Zusammenhang). Bei naturwissenschaftlichen Fragestellungen gilt 0,8 als ausreichender Wert für einen starken Zusammenhang, bei sozialwissenschaftlichen Fragestellungen kann 0,5 schon als recht guter Wert angesehen werden. Die Ergebnisse der Konstanzer Studie jedoch belegen nur einen sehr geringen Zusammenhang, da die Werte der Korrelation sich immer unter 0,1 bewegen. Allerdings, so die Autor_innen, gibt es signifikante Unterschiede innerhalb der Gruppe der Männer. Hier konnte bestätigt werden, dass eine realistische Orientierung statistisch signifikant negativ mit dem Fingerlängenverhältnis verbunden ist, was bedeutet, dass ein höheres Interesse an Dingen besteht. Unter Frauen konnten hingegen keine statistisch signifikanten Unterschiede gefunden werden.

      Neben der Korrelation verwenden die Verfasser_innen eine moderierte Regression, die dann eingesetzt wird, wenn es keinen linearen Zusammenhang gibt, sondern eine bestimmte Kombination von unabhängigen Variablen die abhängige Variable erklärt. Die moderierte Regression wird verwendet, um zu untersuchen, ob es Interaktionen zwischen dem Fingerlängenverhältnis und der absoluten Fingerlänge gibt, die zur weitern Erklärung der Streuung des Datensatzes bei den Berufsinteressen beiträgt. Auch hier sind die mathematischen Werte der Regressionsanalyse sehr gering. Die Werte für Frauen sind wiederum nicht signifikant. Lediglich für Männer gibt es ein statistisch signifikantes Ergebnis, wonach das Fingerlängenverhältnis und die absolute Fingerlänge einen Einfluss auf die Ausbildung einer realistischen Orientierung haben.

      Seltsamerweise halten die Autor_innen an ihrer These eines Zusammenhanges zwischen dem pränatalen Testosteronspiegel und beruflichen Interessen fest, obwohl sie dafür keine oder nur sehr schwache statistische Belege finden. Am Ende ihres Artikels merken die Verfasser_innen selbstkritisch an, dass die Schwäche der Studie in dem korrelativen Forschungsdesign besteht. Denn aus dieser kann keine Kausalität, kein ursächlicher Zusammenhang, abgeleitet werden. Dies hindert die Autor_innen jedoch nicht daran, weiterhin davon auszugehen, dass der pränatale Testosteronspiegel die Berufsinteressen beeinflusst und zu geschlechtsspezifischen Interessensprofilen führt. Allerdings sind diese Effekte ihrer Meinung nach so gering, dass andere Einflussgrößen eine Rolle spielen, wie bspw. andere Hormone, Fähigkeitsunterschiede, Persönlichkeitsmerkmale oder soziale Einflüsse. Meiner Meinung nach wäre es bei den dargestellten Ergebnissen angebracht, von keinem Zusammenhang zwischen pränatalem Testosteronspiegel und Berufsinteressen auszugehen. Denn auch die signifikanten Unterschiede helfen den Autor_innen hier nicht weiter. Aus der Signifikanz ergibt sich ebenso wenig ein kausaler Zusammenhang wie durch eine Korrelation. Ein schönes Beispiel, das zeigt, dass statistische Ergebnisse auch immer theoretisch rückgebunden und vorsichtig interpretiert werden müssen, ist dasjenige der Störche und der Kinder. In einer Beispielrechnung gibt es eine hoch-signifikante statistische Korrelation zwischen der Zahl der Storchenpaare und der Geburtenrate. Dennoch ist das Ergebnis offenkundiger Unsinn.

      Hauptsache Unterschied

      Meine abschließende Kritik bezieht sich auf die wissenschaftliche Publikationspraxis. Ganz allgemein gilt, dass Unterschiede berichtenswerter sind als keine Unterschiede. Weiterhin wird durch die Bevorzugung der Darstellung von signifikanten Ergebnissen, die an sich noch nicht viel erklären, der Fokus eben auf diese Ergebnisse gelegt und in diesem Fall unzulässig überzeichnet. Ein weiterer Kritikpunkt an der Studie ist der eklatante Unterschied zwischen dem Ende des Artikels, an dem die Autor_innen vorsichtig argumentieren und der eingangs erwähnten Pressemitteilung. In dieser ist jegliche Differenzierung verschwunden und damit die Ergebnisse noch einmal verflacht und vereindeutigt. So wird Wissenschaft falsch verallgemeinert und publik gemacht. Auf diese Weise werden die fest im Alltagsverstand verankerten vermeintlich biologisch begründeten Unterschiede zwischen den Geschlechtern weiter bestätigt und reproduziert, obwohl auch die empirische Forschung allen Grund gibt, diese zu dekonstruieren.“
      http://www.feministisches-institut.de/biologischer-determinismus/

      • „Erstens gehen sie davon aus, dass es zwei Geschlechter gibt, Männer und Frauen, und dass diese beiden sich unterscheiden. Es ist jedoch nicht einsichtig, warum untersucht werden sollte, dass es biologisch begründete Unterschiede zwischen den Geschlechtern und ihrer Berufswahl gibt. Eine Forschung, die beständig nach Unterschieden zwischen den Geschlechtern sucht, wird auch welche finden bzw. die Ergebnisse dahin gehend interpretieren.“
        Aha. Es gibt keine zwei Geschlechter, aber wenn die Forschung danach sucht, wird sie Unterschiede finden, die darauf schließen lassen (bzw. Forscher werden Ergebnisse dahingehend interpretieren). Damit das nicht passiert, erklären wir die Frage für treife oder haram.

        Ich war kein Fan dieser Studie (lässt sich nachprüfen), ich bin kein Fan des Fingermessens (lässt sich ebenfalls nachprüfen), aber dogmatische Sesselpupser, die aus ideologischen Gründen Fragen verbieten wollen, mag ich noch weniger als beides zusammen.

  3. @chomsky

    bei „weiblichen Schwulen“ scheint aber alle Bekräftigung nichts zu nutzen, sie verhalten sich nicht wie typische Männer. Warum klappt es da nicht

    solange du nur eine Metastudie behauptest ist es ein Autoritätsargument. Hast du eine Fundstelle?

    Ich bio gespannt, wie sie gerade die Bekräftigung isoliert haben.

    • @Christian

      Die Zahl der Effektstärke von 0.43 wurde offenbar in folgender Metaanalyse ermittelt:

      Lytton, H., & Romney, D. M. (1991). Parents’ differential socialization of boys and girls: A meta-analysis

      • @Chomsky

        Ich schau es mir noch an. Bin über das Wochenende nicht zum antworten gekommen,

        Allerdings:
        Das entkräftet dennoch nicht meine Hauptkritik, auf die du noch nicht eingegangen bist:

        Die Theorien können die diversen Sonderfälle nicht erklären. Solange sie das nicht können, sind sie nicht viel wert.
        Du müsstest also schon einen Artikel oder eben mehrere finden, in denen diese Sonderfälle hinreichend in die Theorie eingebunden werden.
        Oder sie eben selbst einmal durchgehen und erklären, wie die Theorien diese Sonderfälle erklären.

        • Ich zitiere mal die zentralen Aussagen aus der Studie von Lytton und Romney:

          Differences are also generally
          rather small in the primary studies. For instance, only 2 of 22
          effect sizes for encouragement of achievement are significant,
          one in each direction, and 7 of 40 in the area of restrictiveness.
          Hence, one cannot speak of parents making any consistent difference
          in these areas.

          We summarize the results as follows:
          1. The effect sizes for most socialization areas are nonsignificant
          and generally very small, fluctuating in direction across
          studies
          .

          It must be borne in mind, however, that
          such encouragement may build on the child’s already existing
          preferences, and that it is the child’s genotype that may evoke
          differential responses from others
          (the so-called evocative genotype
          -»• environment effect; cf. Scarr & McCartney, 1983).
          There is, indeed, some evidence that supports such an interpretation:
          Snow, Jacklin, and Maccoby (1983) reported that fathers
          were less likely to give dolls to 1-year-old boys than girls, but
          boys also played less with dolls when given them than girls did.

          Moreover, it has been shown that girls who have been exposed
          to heightened levels of masculinizing hormones prenatally

          (congenital adrenal hyperplasia) show greater preferences
          for male sex-typed toys in childhood (Berenbaum & Hines,
          1989; Money & Ehrhardt, 1968), and also that levels of prenatal
          testosterone (ascertained through amniocentesis) are related to
          block building in boys at age 4 (Finegan, Bartleman, Zacher, &
          Mervyn, 1989). Thus, some biological substrate may exist even
          for same-sex toy preferences, and parents therefore may simply
          reinforce these preferences rather than create them.

          Von einer Mean effect size von .43 (entspräche übrigens nach Cohen einem kleinen Effekt und nicht wie fälschlich behauptet einem mittleren!) habe ich nichts gefunden. Zum Einen werden viele differenzierte spezifischere Hypothesen untersucht, zum anderen wird kaum etwas signifikant, und wenn dann nur bei noch niedrigeren Effektstärken.

          Die Ergebnisse widersprechen also keinesfalls biologischen Theorien für geschlechtstypisches Verhalten, ganz im Gegenteil!

          Die Aussage, dass „DIE Bekräftigungstheorie“ mit einer mittleren Effektstärke bestätigt sei, so als habe eine Theorie eine spezifische ES und nicht etwa bestimmte daraus ableitbare Hypothesen, ist sowieso schon mal vollkommen unqualifiziert.

          Du darfst dich auch gar nicht erst auf den Denkfehler einlassen, dass die angeführten Theorien (die von Chomsky auch falsch wiedergegeben werden und in diesem Artikel fälschlicherweise als „soziologische“ statt psychologische Theorien bezeichnet werden) vollumfännglich als direkte Gegenpositionen zu biologischen Erklärungen gesehen werden müssen.

          Ich habe keinen Zweifel daran, dass geschlechtstypisches Verhalten u.a. durch differentielle Verstärkungsdynamiken mit ausgeformt werden. Das heißt aber eben nicht, dass diese Differenzierung willkürlich-arbiträr aus dem lulftleeren Raum kommt, es heißt auch nicht, dass Kinder und ihr Genotyp keinen Anteil an der Dynamik hätten oder etwa dass biologische Dispositionen nicht eine darüber hinaus wichtige Rolle spielen.

          Ich kann es nur noch einmal betonen: Chomsky hat zu diesen Themen hier noch nichts von Substanz beigetragen. Er bewegt sich da gerne prätentiös auf einem ihm fachfremden Gebiet, indem er mit Halbwissen und schwammigen Konzepten wie „Geschlechtsidentität“ jongliert, die überhaupt nicht das umfassen was hier alles zum Thema diskutiert wird.

          Er operiert mit äußerst oberflächlichen Wissensbröckchen, Autoritätsargumenten und Quellen, die er offensichtlich nie gelesen hat. Dann stellt er Theorien und Positionen auch noch völlig falsch dar, da schlägt das Halbwissen zum Teil auch in schlichte Lügen um.
          Ich würde vorschlagen ihn zu ignorieren.

          Entgegen seiner Darstellung hat Biologie in der Psychologie sehr viel Platz und steht in gutem Einklang mit vielen psychologischen Theorien und Wissenständen. Sie ist außerdem meiner Ansicht nacht viel weniger anfällig für Ideologien, Dogmen und Kampfbegriffe als es die Soziologie ist.

          Nebenbei noch eine interessante Erkenntnis des Meta-Reviews:

          Fourth, the hypothesis that sex
          differentiation may have been greater in „unenlightened“ earlier
          times is not corroborated at least for the period from the1950s on. The effect sizes in different socialization areas over
          the years seem to fluctuate almost randomly.

          • @David

            Ah, danke, dass passt ja sehr gut zusammen.

            Moreover, it has been shown that girls who have been exposed
            to heightened levels of masculinizing hormones prenatally
            (congenital adrenal hyperplasia) show greater preferences
            for male sex-typed toys in childhood (Berenbaum & Hines,
            1989; Money & Ehrhardt, 1968), and also that levels of prenatal
            testosterone (ascertained through amniocentesis) are related to
            block building in boys at age 4 (Finegan, Bartleman, Zacher, &
            Mervyn, 1989). Thus, some biological substrate may exist even
            for same-sex toy preferences, and parents therefore may simply
            reinforce these preferences rather than create them.

            Da geht er ja auch zumindest auf einen der Sonderfälle ein.

            Vielleicht sagt Chomsky ja noch mal, wo er die 0,43 her hat.

        • Die 0.43 (-> kleiner Effekt, bitte nicht als Prozentwert interpretieren!!) finden sich tatsächlich, bei dem Unterpunkt „encouraging stereotyped play by parents“.

          Das heißt, es wurden Studien zusammengefasst – bei einigen wurde mit dem Fragebogen retrospektiv erfragt, inwiefern Eltern Mädchen und Jungs in stereotypen Spielsituationen bestärkt haben – bei anderen Studien wurden z.B. 10-minütige Spielsituationen beobachtet und ausgewertet.
          So wie ich es verstehe wurde der Einfluss den dies dann auf das spätere Spielverhalten, geschweige denn Persönlichkeit hatte, gar nicht untersucht.

          In diesem kleinen Unterpunkt stereotyped play findet sich dann ein kleiner (!) Effekt, das Konfidenzintervall zeigt zudem stark schwankende Werte an je nach Studie. Weder schließt das aus, dass die Kinder sowieso spielen wie sie wollen und ihre Neigungen unbeeinflusst bleiben, noch dass die Eltern bei möglicherweise leicht differenziellem Verhalten lediglich auf deren Dispositionen intuitiv eingingen, anstatt Stereotype zu perpetuieren.

          Und Chomsky macht daraus: DIE BEKRÄFTIGUNGSTHEORIE wurde bei mittlerer Effektstärke bestätigt. Klar, und Sozialisatiion wurde isoliert, die „Geschlechtsidentität“ als abhängige Variable verwendet, und biologische Disposition ausgeschlossen.

          Das ist billigste Scharlatanerie, im besten Falle gefährliches Halbwissen und Inkompetenz bei der Interpretation psychologischer Studien.

  4. @ Christian schrieb:

    „Die Theorien scheinen mir sehr simpel angelegt und wenig hinterfrage zu sein. Natürlich haben sie ihre Berechtigung bei der Ausgestaltung der Geschlechterrollen und ich kann mir gut vorstellen, dass dort Imitation etc stattfindet. Aber die wesentlichen Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen und später Männern und Frauen, sei es im Rough and Tumble Play und in der Gruppenbildung bei Kindern oder später im Erwachsenenverhalten lässt sich wesentlich besser und stimmiger über die Biologie erklären.“

    Ich fände es eigentlich interessanter, wenn hierzu mal ein konsistentes integratives Modell entwickelt würde, dass die bestabgesichertsten biologischen und soziologischen Theorien zur Entstehung von durchschnittlichen Geschlechtsunterschieden in eine Synthese bringt.

    Es ist doch naheliegend, dass manche biologische Dispositionen durch soziokulturelle Einflüsse bis zu einem gewissen Grad verstärkt oder abgeschwächt werden können und trotz gewisser biologischer Dispositionen als menschliche Universalien gibt es ja auch signifikante Unterschiede in den Bildern und Erwartungshaltungen bezüglich Männlichkeit und Weiblichkeit quer durch verschiedene Zeiten und Kulturen, die sich auf das Verhalten auswirken.

    So real die biologischen Dispositionen auch sind, es ist doch trotzdem klar, dass die biologischen Erklärungsansätze alleine, wenn man eine vergleichende Perspektive hinsichtlich Kulturen, Subkulturen, sozialen Schichten etc. einnimmt, zu kurz greifen.

    Dass Geschlecht keinesfalls ausschließlich sozial konstruiert ist, bedeutet nicht, dass es keinen konstruierten Anteil gibt. Insofern ist der interessanteste Aspekt doch die Frage der Gewichtung der jeweiligen (biologischen und sozialen) Einflussfaktoren, die natürlich für jede Einzeleigenschaft gesondert untersucht werden müsste.
    In der Entwicklung solcher integrativer Modelle sehe ich persönlich die Zukunft der empirischen Geschlechterforschung. Mehr „sowohl als auch“, weniger „entweder/oder“.

    • @ Leszek

      *Es ist doch naheliegend, dass manche biologische Dispositionen durch soziokulturelle Einflüsse bis zu einem gewissen Grad verstärkt oder abgeschwächt werden können und trotz gewisser biologischer Dispositionen als menschliche Universalien gibt es ja auch signifikante Unterschiede in den Bildern und Erwartungshaltungen bezüglich Männlichkeit und Weiblichkeit quer durch verschiedene Zeiten und Kulturen, die sich auf das Verhalten auswirken.*

      Das sehe ich ähnlich.

      *In der Entwicklung solcher integrativer Modelle sehe ich persönlich die Zukunft der empirischen Geschlechterforschung. Mehr “sowohl als auch”, weniger “entweder/oder”.*

      Auch da sind wir uns einig, eine Aufgabe der Soziobiologie, eine Wissenschaft, in der soziologisch gebildete unideologische Biowissenschaftler mit biologisch gebildeten, unideologischen Sozialwissenschaftlern zusammenarbeiten müssen.

      • Wikipedia macht folgende Aussage:

        „Sociobiology is a field of scientific study which is based on the assumption that social behavior has resulted from evolution and attempts to explain and examine social behavior within that context.“

        Wenn das richtig ist, ist das eben auch genau der Punkt an dem ich sagen würden: Das ist eine zu starke Voraussetzung. Es ist nicht ausgemacht, dass das Sozialverhalten X notwendigerweise aus der biologischen Evolution herstammt. Vielmehr müsste untersucht werden, welche Komponente welchen Anteil hat. Unter so einem Paradigma scheint das aber nicht möglich zu sein. Das heißt aber, dass die Soziobiologie als Forschungsprogramm ungeeignet wäre, sich dieses Problems anzunehmen.

        Und das als „unideologisch“ darzustellen, ist selbst ideologisch. Zwar ist die Soziobiologie an sich nicht per se Ideologie, nimmt jedoch eine sehr restringierte Perspektive ein. Wenn man diese Perspektive dann jedoch als die einzig „unideologische“ Perspektive ausgibt, hat man den Schritt in die Ideologie gemacht.

        • @Itsme

          Du schreibst:

          Und das als “unideologisch” darzustellen, ist selbst ideologisch. Zwar ist die Soziobiologie an sich nicht per se Ideologie, nimmt jedoch eine sehr restringierte Perspektive ein. Wenn man diese Perspektive dann jedoch als die einzig “unideologische” Perspektive ausgibt, hat man den Schritt in die Ideologie gemacht.

          Kommentar:

          Ich würde mal behaupten, die Soziobiologie ist primär nicht mehr oder weniger als andere Theorierichtungen und Forschungsprogramme vor ideologischen blinden Flecken und ideologischer Vereinnahmung gefeit. 🙂

        • Ich würde mal behaupten, die Soziobiologie ist primär nicht mehr oder weniger als andere Theorierichtungen und Forschungsprogramme vor ideologischen blinden Flecken und ideologischer Vereinnahmung gefeit.

          Selbstverständlich ist sie das nicht per se.

          Wenn ihr in dem Maße eine Streitkultur fehlt wie den Genderwissenschaften, dann wird sie wohl gleichfalls völlig unbekümmert solche Elaborate wie die eines Hinrich Rosenbrocks durchgehen lassen.

        • Es ist nicht ausgemacht, dass das Sozialverhalten X notwendigerweise aus der biologischen Evolution herstammt.

          Das denke ich auch.

          Insbesondere kann z.B. ein unter Bedingungen der Vergangenheit vielleicht biologisch disponiertes Verhalten zu Kultur gerinnen, und so unter aktuellen Bedingungen eher nur noch sozial bedingt sein.

          Das Ideal der Hausfrau fällt mir spontan dazu ein, unter den Bedingungen der Vergangenheit (Schwerindustrie, keine Verhütung) mag es tatsächlich biologisch disponiert gewesen sein. Heute sehe ich eher das „work/life balance“-Ideal als biologisch disponiert. Insofern würde auch ich biologische Dispositionen als relational betrachten.

          Ein Ansatz, der Sozialverhalten primär mit Evolution erklärt ist natürlich kein integrativer Ansatz, auch wenn er imho eine dafür notwendige Perspektive liefern kann.

    • @Leszek

      trotz gewisser biologischer Dispositionen als menschliche Universalie

      Ich möchte an dieser Stelle einmal darauf hinweisen, dass Dispositionen in einem bestimmten Sinn relationale Eigenschaften sind. Sie nehmen Bezug auf bestimmte Bedingungen, die vorliegen müssen, damit bestimmte andere Wirkungen sich äußern. Es macht m.E. daher keinen Sinn biologische Dispositionen sozialen Dispositionen gegenüberzustellen, wenn biologische Dispositionen nur in sozialen Situationen ausgelöst werden. Wenn ich nämlich versuche den konkreten Inhalt einer biologischen Disposition zu definieren (über eine Implikation zwischen einer Menge von kontrafaktischen Sachverhalten als Auslöser und den jeweiligen Resultaten), dann wird sich zeigen: Der konkrete Inhalt biologischer Dispositionen ist sozial.

      Das ist m.E. auch der Grund warum sich in der Linguistik gezeigt hat, dass sprachliche Universalien sehr abstrakt sind, d.h. nur einen sehr kleinen Teil der realen Eigenschaften menschlicher Sprache erfassen. Und warum ich konkreten Universalien, die ganz spezifisches Verhalten vollständig beeinhalten, sehr skeptisch gegenüberstehe.

      • Eine Disposition ist nmE eine gewisse Wahrscheinlichkeit, in einer gegebenen Situation Verhalten X zu zeigen. Davon zu unterscheiden ist imho eine Determinierung von Verhalten: Eine Disposition kann man schnell mal (z.B. aus Praktikabilitätsgründen, die sich in einer konkreten Situation ergeben) übergehen, eine Determination eher nur unter Zwang.

        Da macht es imho schon Sinn zu untersuchen, ob diese Wahrscheinlichkeit eher biologisch oder eher sozial bedingt ist.

        Meistens wird beides vorliegen, dann wäre es eine Frage der Gewichtung.

      • @ Itsme

        Ich erinnere mich, dass Du schon mehrfach in diese Richtung argumentiert hast. Könntest Du es nochmal durch ein Beispiel konkretisieren?

        Mich würde auch interessieren, ob und inwieweit Dein Verständnis von biologischen Dispositionen als relationale Eigenschaften sich eigentlich vom Konzept der evolutionsbedingten psychologischen Mechanismen in der Evolutionären Psychologie von David Buss unterscheidet.

        Buss schreibt: „Die Definition eines psychologischen Mechanismus, der die Schlüsselbestandteile Input, Entscheidungsregeln und Output enthält, hebt hervor, warum Adaptionen keine „rigiden“ Instinkte sind, die ständig im Verhalten auftauchen. Erinnern Sie sich an das Beispiel des Schwielen produzierenden Mechanismus, der sich entwickelte, um die Strukturen der Haut zu schützen. Mann kann seine Umwelt so gestalten, dass man keiner wiederholten Reibung ausgesetzt ist und in diesem Fall wird dieser Mechanismus nicht aktiviert. Die Aktivierung eines Mechanismus hängt vom kontextuellen Input der Umgebung ab. AUF GLEICHE WEISE ERFORDERN ALLE PSYCHOLOGISCHEN MECHANISMEN INPUT, UM AKTIVIERT ZU WERDEN (Hervorhebung von mir).

        Psychologische Mechanismen sind aus einem weiteren wichtigen Grund nicht wie rigide Instinkte: wegen der Entscheidungsregeln. Entscheidungsregeln sind „wenn, dann“ – Aussagen, z.B. „wenn die Schlange zischt, dann renne um Dein Leben“ oder „wenn die Person, die Du attraktiv findest, Interesse zeigt, dann lächle und verringere den Abstand“. Für die meisten Mechanismen bieten diese Entscheidungsregeln ZUMINDEST MEHRERE MÖGLICHE OPTIONEN DER ERWIDERUNG (Hervorhebung von mir) (…)
        Im Allgemeinen kann man sagen, je komplexer der Mechanismus, desto mehr Optionen stehen zur Verfügung auf einen Input zu reagieren.

        (David, Buss, Evolutionäre Psychologie, 2. Auflage, S. 90)

        Ist das in etwa das Gleiche, was Du meinst oder gibt es einen bedeutsamen Unterschied?

        (Ich kann mir übrigens nicht verkneifen, mal anzumerken, dass diese von Buss postulierte Komplexität der wechselseitigen Individuum-Umwelt-Interaktion und die potentielle Flexiblität, die nach Buss den meisten evolutionsbedingten psychologischen Mechanismen inhärent ist, von Christian und Roslin meinem Eindruck nach selten angemessen hervorgehoben werden. Oft hat man auf diesem Blog den Eindruck, wir hätten es mit einer jener Theorien „rigider Instinkte“ zu tun, von der David Buss sich mit seiner Ausformulierung der Evolutionären Psychologie ja gerade abgrenzen wollte.)

        Ist die Betonung dieser Aspekte etwa schon zu „marxistisch“? 🙂

        • Entschuldigt die Fehler, mir geht es da manchmal ähnlich wie Roslin, ich lese es nicht mehr durch, sondern schicke zu früh ab. Der letzte Satz hätte z.B. noch in die Klammer gemusst.

          (Schade, dass es keine Korrekturfunktion gibt.)

        • @ Leszek

          „(Ich kann mir übrigens nicht verkneifen, mal anzumerken, dass diese von Buss postulierte Komplexität der wechselseitigen Individuum-Umwelt-Interaktion und die potentielle Flexiblität, die nach Buss den meisten evolutionsbedingten psychologischen Mechanismen inhärent ist, von Christian und Roslin meinem Eindruck nach selten angemessen hervorgehoben werden. Oft hat man auf diesem Blog den Eindruck, wir hätten es mit einer jener Theorien “rigider Instinkte” zu tun,“

          Diesen Eindruck habe ich im Fall von Alexander
          überhaupt nicht. Seine Beiträge sind sehr
          differenziert und ihm quasi vorzuwerfen er
          bevorzuge Theorien „rigider Instinkte“ oder
          seine Sicht sei zu wenig komplex ist
          nun völlig daneben.
          Andererseits werden wichtige Instinkte wie
          die weibliche Hypergamie auf diesem Blog
          praktisch völlig negiert.

        • Ich les hier noch nicht lange, aber Chomsky vertritt ja auch eher einen „interdisziplinären“ Ansatz. (Zumindestens versteh ich es so). Das könnte diese Theorie von David Buss auch einschließen.

          (Oder bessergesagt: so wie ich die Theorie von David Buss verstehe klingt es danach, dass es beispielsweise nicht viel bringen würde in Prozentzahlen ernsthaft ausdrücken zu wollen, wieviel Anteil an etwas „Umwelteinfluss“ und wieviel „Geneinfluss“ hat, weil da blos Wahrscheinlichkeitsrechnung draus werden könnte.
          Das Problem ist aber nicht unbedingt, dass man etwas in Zahlen ausdrücken möchte. Sondern, dass viele mit diesen Zahlen mehr erklären wollen, als die Zahlen her geben. Zahlen sind da vereinfachte und abstrahierte Beischreibungen der Wirklichkeit, viele verwenden sie aber so, als wären sie in Stein gemeißelte
          Festlegungen, als wären sie eine naturgetreue Kopie der Wirklichkeit.
          Das Problem wären also nicht die Zahlen selbst, sondern der Umgang damit. Man braucht Hintergrundwissen um etwas treffend interpretieren zu können.)

      • Für die meisten Mechanismen bieten diese Entscheidungsregeln ZUMINDEST MEHRERE MÖGLICHE OPTIONEN DER ERWIDERUNG

        Das scheint mir eine vernünftige Erklärung zu sein: Biologische Dispositionen verschieben sozusagen nur die Gewichte in der Entscheidungsmatrix.

        Je geringer der Entscheidungsspielraum, desto geschlechtsunspezifischer das Verhalten: Deshalb gibt es wohl in der patriarchalen Türkei mehr Ingenieurinnen.

      • „Es macht m.E. daher keinen Sinn biologische Dispositionen sozialen Dispositionen gegenüberzustellen, wenn biologische Dispositionen nur in sozialen Situationen ausgelöst werden.“

        Wobei sich natürlich die Frage stellt, was denn soziale Situationen sind bzw. wie man sich diese zu erklären hat? Als wäre die Gesellschaft nicht auch eine Einrichtung, die den menschlichen Lebwesen beim Überleben hilft. Gesellschaft kann ohne Bezug auf Biologie nicht erklärt werden.

        • „Gesellschaft kann ohne Bezug auf Biologie nicht erklärt werden“

          Natürlich nicht.
          Aber Biologie ist nicht starr wie z.B. ein Computerprogramm, sondern interagiert mit seiner Umwelt, quasi.

  5. @Chomskyp
    die studien, die Lytton et al zugrundeliegen scheinen mir Bekräftigung weder hinreichend abgrenzen zu können noch überhaupt biologische Faktoren hineinzurechnen oder herauszurechnen. Die Übereinstimmung kann schon dadurch entstehen, dass Eltern, die selbst nicht den Geschlechternormen entsprechen und sie daher auch nicht bekräftigen ihre Gene an ihre Kinder weitergeben

    • @ Christian

      Das ist mir auch schleierhaft, wie Lytton biologische Ursachen für unterschiedliche Bekräftigungen ausschließen will.

      Schließlich sind die Bekräftigten selbst bereits Jungen/Mädchen, die sich von allem Anfang an unterschiedlich verhalten, so selbst unterschiedliches Verhalten von Männern und Frauen ihnen gegenüber herausfordern.

      Zu sozialisierende Kinder sind keine passive Knetmasse in den Händen ihrer Eltern, sondern lassen selbst erkennen, was ihnen passt, was nicht, zeigen an, was sie gerne annehmen, was nicht.

      Kinder gestalten so ihre Sozialisation selbst mit: Jungen wollen in der Regel zu Jungen sozialisiert werden, Mädchen zu Mädchen, weil Kinder Unterschiedliches wollen.

      Empfehle dazu die Lektüre dieses Buches

      http://www.amazon.de/Von-Natur-aus-anders-Geschlechtsunterschiede/dp/3170192876/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1342257652&sr=8-2

      Wer sich vorher über den Argumentationsstil der Autorin kurz informieren will, der kann es anhand dieses Vortrages tun, der allerdings themenbedingt nur die Jungenseite beleuchtet.

      http://www.bischof.com/mat/bischof-koehler_loccum.pdf

      • @ Chomsky

        Welche Belege gibt es denn, dass mittels Sozialistation die Geschlechtsidentität „neutralisiert“ oder die Geschlechterrolle egalisiert werden konnte?

        Wo ist es gelungen, wodurch und inwieweit, die Geschlechter gleich zu machen?

        Es müsste dazu ja Beispiele geben, wenn die Sozialisation das leisten könnte, was Soziokulturalisten ihr zuschreiben.

        Kennst Du solche Beispiele?

        Ich kennen nur ein sehr überzeugendes Gegenbeispiel:

        *A significant feature of the Kibbutz was the enhanced absence of gender roles. In the early days of the kibbutz movement, kibbutzim tended to be male-dominated with significantly more male members. Nevertheless, women performed many of the same tasks as men. Both men and women worked in the fields and performed guard duty, but also both filled traditional female roles, such as cooking, sewing, and cleaning. The desire to liberate women from traditional maternal duties was another ideological underpinning of the Children’s Society system. Interestingly, women born on kibbutzim were much less reluctant to perform traditional female roles. It was the generation of women born on kibbutzim that eventually ended the Societies of Children. Also, although there was a „masculinization of women“, there was no corresponding „feminization“ of men. Women may have worked the fields, but men did not work in childcare.*

        Es war das umfangreichste, am längsten laufende, am radikalsten umgesetzte Versuch zur Angleichung der Geschlechter.

        Er ist gründlich gescheitert.

        Vielleicht spielt er deshalb in den Diskussionen der Gender Mainstreamer keine Rolle, wird dieses wunderbare Experiment so hartnäckig übersehen.

        Pulverisiert es doch die ideologischen Hoffnungen der Sozialisationsgläubigen.

        Societies of Children waren jene Kinderkollektive, in denen die Kinder, dem Einfluss der „patriarchalen“ Vater-Mutter-Kind-Familie entzogen, außerfamiliär so geschlechtergleich wie nur möglich, egalitär, bis hin zu einheitlicher Kleidung für Jungen/Mädchen zu neuen, absolut gleichen, auch geschlechtergleichen, sozialistischen Menschen geformt werden sollten.

        *The kibbutz (communal) ideology demanded members share everything: food, labor, clothing, and naturally – also childcare. Up until the 1980s, many if not most kibbutz children were raised, for the most part, apart from their parents, in peer groups cared for by a metapelet (female caretaker in Hebrew). Mothers would care for their babies along with the metapelet until the babies were 6 weeks old; then, after the mothers returned to work, the babies were cared for by the metaplot, and later on, by group counselors, until adulthood (which meant age 18 and upon conscription into the army). Parents, typically, were in contact with their children for about 3 hours daily, though this wasn’t a rigid arrangement: parents could visit whenever they were free to do so, and usually took care of their children when they were sick.*

        http://mainstreamparenting.wordpress.com/2009/01/01/a-society-of-misfits-the-kibbutz-experience/

        Wie jeder, der Kibbuze heute besucht, feststellen kann, sind auch dort, nach 100 Jahren des Bemühens, der alte Adam, die alte Eva, höchst lebendig.

        Der Versuch der Geschlechtergleichrichtung ist gescheitert.

        Männer verhalten sich, na, wie soll ich sagen…, wie Männer, seltsamerweise.

        Und Frauen – Überraschung! – Frauen.

        Nothing new under the sun.

        Im Kibbuz heute besetzen vor allem Männer die Machtpositionen in Politik und Verwaltung, die technischen Werkhallen, die einsamen, „autistischen“ Traktorenjobs, vor allem Frauen die Versorgerjobs (Erziehung, Kinderfürsorge, also Schule, Kindergarten, Krankenpflege) und die mittleren Verwalterjobs.

      • @Alexander

        Zu Bishof-Köhler habe ich auch noch eine schöne Rezension gefunden! 🙂

        „Die Kultur als Fortsetzung der Natur mit anderen Mitteln
        Doris Bischof-Köhler auf der Suche nach der Natur psychischer Geschlechtsunterschiede
        Von Rolf Löchel

        Was Machos, Macker, Chauvis und überhaupt Frauenfeinde jeglicher Couleur schon immer wussten, aber seit längerem kaum noch zu sagen wagen, wird nun von einer Frau nicht nur ausgesprochen, sondern als wissenschaftlich fundiert nobilitiert: Frauen sind „von Natur aus anders“, sie neigen zur Unterwürfigkeit und beten dominante Männer an, sie sind „eher für das seelische Wohlbefinden zuständig“ und erlangen eine „tiefe Befriedigung in der Kinderbetreuung“, außerdem sind sie weniger eifersüchtig als Männer. Zudem ist „die von den unterschiedlichen Fortpflanzungsfunktionen der Geschlechter nahegelegte Aufgabenteilung der Familie“ von der Natur „vorgezeichnet“. Bei Lichte betrachtet entspricht die Vielweiberei der menschlichen Natur immer noch am besten, oder wie die Entwicklungspsychologin Doris Bischof-Köhler weniger provokativ formuliert: „biologisch dem Menschen affiner als die Monogamie dürfte die Polygynie sein“.

        Das sind pointiert zusammengefasst die von Bischof-Köhler in ihrem Buch über die „Psychologie der Geschlechtsunterschiede“ vertretenen Thesen zur Geschlechterdifferenz. Dabei legt sie allerdings Wert auf die Feststellung, dass es sich hierbei nur um deskriptive, keinesfalls jedoch um normative Aussagen handelt, und dass „Naturgegebenheiten“ grundsätzlich nicht zur Begründung moralischer Normen dienen können. So ist es den Menschen auch, wie sie ohne weiteres zugesteht, durchaus möglich, der Natur zuwiderzuhandeln. Doch folgt ihre Warnung auf dem Fuß: „Auch wenn die Natur nichts erzwingt, so fordert sie doch ihren Preis“, orakelt die Autorin düster, auf dass die von Natur aus ängstlichen Frauen diese Gefahr scheuen mögen. Gleichwohl versäumt sie nicht zu versichern, dass die Befürchtung, „Anlageunterschiede“ könnten „missbraucht“ werden, um die Diskriminierung von Frauen zu legitimieren, „gar nicht ernst genug genommen“ werden könne. So sehr scheint sie diese Gefahr dann allerdings auch wieder nicht zu beunruhigen, belässt sie es doch bei dieser einen beiläufigen Anmerkung und richtet sodann ihre ganze polemische Kraft gegen Feministinnen, DekonstruktivistInnen und Gender Studies betreibende WissenschaftlerInnen – allesamt für die Autorin nicht viel mehr als „Emanzipations-Fundamentalistinnen“, und „Weltverbesserer“ die stets „rasch bereit“ sind, „die Verdammten dieser Erde notfalls auch zu ihrem Glück zu zwingen“, und die mittels der „kollektiven Zwangsneurose“ Political correctness bereits heute eine „an Meinungsterror grenzende soziale Kontrolle“ ausüben, so dass sich „manche Frauen“ schon gar nicht mehr trauen zuzugeben, „wieviel Spaß“ es ihnen eigentlich macht „’nur‘ Hausfrau“ zu sein.

        Ungeachtet ihrer eigenen Polemiken und Anfeindungen klagt Bischof-Köhler wiederholt darüber, dass die Diskussion zwischen „Umwelttheoretikern“ und BiologInnen „durch den unbeherrschten Zwang vergiftet“ sei, „die Gegenseite zu verteufeln“, wobei sie die Schuld allerdings alleine bei den „politisch korrekte[n], aber in bezug auf Tierkenntnis eher ahnungslose[n] Sozialwissenschaftler[n]“ ausmacht. Ohne weitere Belege bezichtigt sie Soziologinnen, Germanistinnen und KulturwissenschaftlInnen an einem „antibiologischen Affekt“ zu leiden. Auf Seiten der BiologInnen erkennt sie hingegen „keine vergleichbare Voreingenommenheit“.

        „Wo Wissen fehlt, stellen sich leicht Zerrbilder ein, die sich dann unschwer ins Lächerliche ziehen lassen“, stellt die Autorin ganz richtig fest, und steht nicht an, einen – wenn auch unfreiwilligen, so doch um so überzeugenderen – Beleg zu liefern, indem sie soziologisch-konstruktivistische Theorien mit denjenigen des diskurstheoretischen Dekonstruktivismus vermengt und letzterem eine Argumentation andichtet, der zufolge, „geeignete ‚Dekonstruktionen'“ bestehende Verhaltensunterschiede der Geschlechter „ohne weiteres zum Verschwinden“ bringen können. Die „postmoderne[n] Regie-Egomanen“ seien nämlich der Auffassung „Geschlechterrollen ließen sich ohne Energieaufwand beliebig ‚inszenieren'“. Das ist ungefähr so zutreffend wie die Behauptung, Bischof-Köhler vertrete ihrerseits die These, Menschen seien nichts weiter als durch ihr Geschlecht vorprogrammierte biologische Maschinen, bar jeder Wahlfreiheit des Verhaltens. Allerdings bedient sich Bischof-Köhler tatsächlich schon mal der Metapher der Programmierung und schreibt, dass „der Mann, der eine gut aussehende jugendliche Frau einer älteren vorzieht“, einer „unbewusst wirkende[n] Neigung“ folgt, die „uns einprogrammiert“ ist. Diese Metapher ist zumindest unglücklich gewählt. Durch den Gebrauch des Personalpronomens „uns“ sticht zu dem nicht nur ins Auge, wie sehr sich die Autorin mit dem männlichen Geschlecht identifiziert, sondern auch, dass sie den Mann kurzerhand mit dem Menschen schlechthin gleichsetzt – oder sollte Frauen diese Neigung zu jungen Frauen ebenfalls einprogrammiert sein?

        Überdies krankt Bischof-Köhlers Kritik an missliebigen Ansätzen daran, dass sie nicht immer auf der Höhe des aktuellen Diskurses ist, was sich etwa darin niederschlägt, dass sie glaubt, alles, „was heute ‚gender studies‘ heißt“ und „den Blick über den engen Zaun der Sozialisationstheorie hinaus auch auf das biologische Umfeld zu richten wagt“, durch eine kurze Auseinandersetzung mit einem von Carol Hagemann-White 1984 veröffentlichten Buch erledigen zu können. Schon die implizite Annahme, das eigentliche Betätigungsfeld der Gender Studies sei die Sozialisationstheorie, ruft Verwunderung hervor. Auch scheint Bischof-Köhler Gender Studies betreibende WissenschaftlerInnen aus anderen Disziplinen nicht zu kennen. So sucht man nicht nur vergebens nach einer bloßen Erwähnung der wichtigsten Gender-Theoretikerin des letzten Dezenniums, der Philosophin Judith Butler. Ebenso unbekannt scheinen der Autorin die Wissenschaftshistorikerin Donna Haraway, die Biologin und Wissenschaftstheoretikerin Evelyn Fox Keller oder die Molekularbiologin Anne Fausto-Sterling zu sein – sie alle betreiben Gender Studies und sind in den letzten Jahren mit relevanten Werken im Gebiet des „biologischen Umfeldes“ hervorgetreten. Ungenannt bleibt auch Carmen Gransee – nun tatsächlich einmal eine Sozialwissenschaftlerin – mit ihrer Arbeit „Zum Problem identitätslogischer Konstruktionen von ‚Natur‘ und ‚Geschlecht'“. Solche Desiderate wiegen umso schwerer, als die Autorin mit dem nicht gerade bescheidenen Anspruch antritt, „alles zusammenzutragen, was man wissen sollte, wenn man eine gerechte Lösung für das Zusammenleben und die Verwirklichung der Geschlechter sucht“. (Hervorhebung R. L.) Immerhin wird an einer Stelle positiv auf jüngere Forschungen von Ilse Lenz bezug genommen; dies allerdings ohne den Lesenden zu verraten, dass die – bei Bischof-Köhler als Ethnologin auftretende – Soziologin Gender Studies betreibt.

        Neben der mangelhaften Kenntnis des Gender-Diskurses im ausgehenden 20. Jahrhundert fällt auch die erkenntnistheoretische Unbedarftheit der Autorin ins Auge, welche die Frage nach der Erkennbarkeit von Natur gar nicht erst aufkommen lässt. Mit solchen erkenntnistheoretischen Mängel gehen fast notwendig bestimmte wissenschaftstheoretische Probleme einher. So fragt es sich etwa, ob eine Theorie, die – wie die Autorin betont – durch ein Gegenbeispiel nicht widerlegt werden kann, dem weithin anerkannten Kriterium Karl Poppers entspricht, dem zufolge eine notwendige Bedingung von wissenschaftlichen Thesen ihre prinzipielle Falsifizierbarkeit ist. Um genau solch eine Theorie handelt es sich aber bei der Annahme einer geschlechtsspezifischen „Veranlagung“, die zugesteht, dass es Einzelnen stets möglich ist, gegen diese „Disposition“ zu handeln. Denn wenn dem so ist, kann ihr jeder Einzelne entgegen handeln. Und somit können es letztlich alle. Wie groß ihre Anzahl auch immer sein mag, die Theorie der ererbten Disposition kann sich hiervon unbeeinträchtigt fühlen. Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass es einer Erklärung bedarf, wenn ein „bestimmtes Muster“ geschlechtsspezifischen Verhaltens „auffallend häufig wiederkehrt“. Ob die Annahme einer natürlichen Disposition jedoch eine Erklärung ist, die Poppers Kriterium der Falsifizierbarkeit und somit der Wissenschaftlichkeit erfüllt, ist zumindest fraglich.

        Bevor die Autorin in den Abschnitten „Die biologische Begründung der Geschlechtsunterschiede und ihre Evidenz“ und „Interaktion biologischer und soziokultureller Faktoren“ den Versuch einer biologischen Letztbegründung dafür unternimmt, dass Frauen und Männer „von vornherein in ihren Interessen und Motiven, im Stil ihrer Emotionalität und – was noch am unwichtigsten ist – auch auf dem Begabungssektor verschieden angelegt sind“, und dass demzufolge die Kultur nur „nachzeichnet und akzentuiert, was die Natur vorgibt“, wobei die Sozialisation den natürlichen Dispositionen allenfalls „da und dort noch unterstützend nachhilft“, verwirft sie drei „geschlechtsrollenbezogene Sozialisationstheorien“ als falsch und unzulänglich. Es ist dies zunächst die psychoanalytische Theorie Freuds, über dessen „Anhängerschaft“ die Lesenden nebenbei belehrt werden, dass sie dazu neige, „seine Worte prinzipiell für verbindlich zu halten“, sodann lerntheoretische Erklärungsansätze und schließlich die Theorie der Geschlechtsrollenübernahme des kognitivistischen Ansatzes von Lawrence Kohlberg.

        Ihre These, dass sich die psychologischen Dispositionen der Geschlechter voneinander unterscheiden, „noch bevor wir darüber nachdenken oder an ihnen herumerziehen“, versucht die Autorin zum einen entwicklungspsychologisch zu belegen und zum anderen evolutionsbiologisch zu erklären. Diese geschlechtsspezifischen Dispositionen machten sich vom Tage der Geburt an bemerkbar, ja sogar schon pränatal – schließlich, so die Autorin, strampeln männliche Föten mehr als weibliche. Zum Nachweis des natürlichen Unterschiedes zieht sie überwiegend experimentelle Beobachtungen aus den ersten beiden Lebensjahren von Jungen und Mädchen heran. So kommt sie zu der „Befundlage“, dass Jungen bereits in den „ersten Lebenstagen“ länger schreien, „reizbarer“ und „schlechter zu beruhigen“ sind, dass sie darüber hinaus leichter erschrecken, emotional „labiler“ sind und überhaupt schneller in einen „Zustand der Übererregtheit und Überdrehtheit“ geraten. Bereits im Alter von sechs Monaten gebe es bei Jungen „erste Anzeichen für die Durchsetzungsorientiertheit, die später für das männliche Geschlecht kennzeichnend“ sei. Im Alter von sechs Monaten seien die Jungen zudem „weniger ängstlich“. (Der Widerspruch zur stärkeren Schreckhaftigkeit der Jungen in den ersten Lebenswochen wird nicht thematisiert.) Mädchen besäßen hingegen „vom ersten Tag an“ eine „höhere Kontaktbereitschaft“ und signalisierten „größere Nähe“. Sie seien also von Geburt an „sensibler“ für „Emotionsäußerungen von anderen“. Daher sei es falsch anzunehmen, das unterschiedliche Verhalten von Jungen und Mädchen sei auf eine geschlechtsspezifische Erziehung zurückzuführen. Vielmehr würden sie von ihren „Eltern und Erzieher“ unterschiedlich behandelten, weil sie es durch ein „unterschiedliches Verhaltensangebot“ provozierten. Denn der „Anlagefaktor“ sorge dafür, dass das Geschlecht „vom Beginn unseres Lebens an schon Weichen“ stelle, „die uns in eine naturgegebene Polarisation gleiten“ lassen.

        Zur Erklärung dieses Befundes nimmt Bischof-Köhler die „‚biologische‘ Perspektive“ ein und betrachtet die Organismen, „unter Einschluss aller ihrer Lebensäußerung“, auf ihre „Eignung“ hin, „über den Zeitpunkt des Todes hinaus in künftige Generationen Kopien ihres Bauplans zu hinterlassen“. Denn die „ultima ratio jedes Lebewesens“ sei , „in möglichst vielen und möglichst überlebenstauglichen Nachkommen weiter zu existieren“. Zweifellos ein Tunnelblick. Betreibt sie hier ihrerseits doch gerade eine monokausale Erklärungsstrategie, deren Form sie zuvor bei GeisteswissenschaftlerInnen moniert hat.

        Die geschlechtsspezifischen Verhaltensdispositionen wurden, so die Sichtweise aus biologischer Perspektive, „in einer halben Jahrmilliarde“ durch die „asymmetrische parentale Investition“ „herangezüchtet“, die sich wiederum aus den unterschiedlichen biologischen Funktionen von Männern und Frauen bei der Fortpflanzung erklären lasse. Die Prima causa aller Geschlechtsunterschiede findet die Autorin schließlich darin, dass sich die Keimzellen im Laufe der Evolution in zwei unterschiedliche „Varianten“ ausdifferenziert haben: eine „extrem mobile von kurzer Vitalität“ und eine „energiereiche, die ihre Beweglichkeit geopfert hat“. Da die Individuen einer Spezies „nur je eine Sorte“ dieser Keimzellen produzieren können, müssen sich diese unterschiedlichen „Morphen“ nicht nur „in anderen anatomischen Merkmalen“ sondern auch in all den geschilderten „Verhaltensbereitschaften“ unterscheiden.

        Ihre „anthropogenetische Argumentation“, so gesteht die Autorin zu, bleibt „notgedrungen hypothetisch“. Daher geht es ihr lediglich um die Frage, ob „evolutionsbiologisch begründete Merkmalsausstattungen“ „abgezüchtet“ worden sein könnten. Die „verfügbare Evidenz“, so Bischof-Köhler, genügt jedoch, „um dies als unwahrscheinlich erkennen zu lassen“.

        Berücksichtige man die vorgelegten Befunde, so gelange man zu der Einsicht, dass „die traditionelle weibliche Rolle“ eine „echte Alternative“ zu allen verfehlten Emanzipationsbestrebungen sei und zumindest einem Teil der Frauen „wirkliche Zufriedenheit und Erfüllung“ geben könne. Sprächen die „phylogenetische[n] Argumente“ doch eindeutig für eine „stärkere fürsorgliche Disposition“ von Frauen. Daher schenke ihnen gerade ihre „Fürsorglichkeit“, die „Pflege persönlicher Beziehungen“ und vor allem die „Verantwortung für das Wohlergehen und die seelische Verfassung anderer“
        ein „gesundes Selbstbewusstsein“. Eine Terminologie, deren Konnotationen entgegen aller Beteuerungen, präskriptiv, nicht jedoch normativ argumentieren zu wollen, eindeutige Wertungen enthalten.

        Auch verrät Bischof-Köhler den Leserinnen, die bis zum Schluss durchhalten, dann doch noch einen Preis, den emanzipationswillige Frauen, der Natur zu entrichten haben, wenn sie es wagen, gegen deren Stachel löcken: Es geht auf Kosten ihrer sexuellen Befriedigung. Denn Männer, die mit „energischen und recht dominanten“ Frauen zusammenleben, seien oft impotent. „Wenn wir also unbedingt die Herrschaft der Männer abschaffen wollen“, so warnt sie mit erhobenem Zeigefinger, „dann schadet es nichts, auch einmal zu fragen, ob wir ‚Schlaffis‘ eigentlich erotisch attraktiver fänden“.
        http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=5545

        • @ Chomsky

          „Was Machos, Macker, Chauvis und überhaupt Frauenfeinde jeglicher Couleur schon immer wussten, aber seit längerem kaum noch zu sagen wagen, wird nun von einer Frau nicht nur ausgesprochen, sondern als wissenschaftlich fundiert nobilitiert: Frauen sind “von Natur aus anders”, sie neigen zur Unterwürfigkeit und beten dominante Männer an, sie sind “eher für das seelische Wohlbefinden zuständig”“

          Dass die meisten Frauen offen oder insgeheim
          auf dominante Arschlöcher abfahren, zumindest
          im Sinne der sexuellen Attraktion, ist
          mittlerweile auf derart verschiedene Art
          und Weise untersucht und betätigt worden,
          dass man sich über die Tatsache als solche
          eigentlich nicht mehr unterhalten muss.
          Weiter ist auch klar, ein wesentliches
          Element dabei scheinen gewisse quasi
          Festverdrahtungen in den Gehirnen zu sein
          und diese sind nur schwer wenn überhaupt
          durch Sozialisation zu beeinflussen.

          Übrigens bei deinen langen Beiträgen habe
          ich auch Mühe durchzuhalten. 🙂

        • Übrigens bei deinen langen Beiträgen habe
          ich auch Mühe durchzuhalten.

          Ein Vollzitat ist allerdings nicht nur aus urheberrechtlichen Gründen äußerst fragwürdig.

        • @ Chomsky

          Meine Zeit ist begrenzt, meine Geduld auch.

          Warum sollte ich den ellenlangen Schrieb eines Herrn Löchels lesen?

          Hat er schon etwas geleistet auf dem Gebiet der Evolutionspsychologie, der Verhaltensbiologie, der Humanetiologie, das ihn zu qualifizierten Aussagen befähigte?

          Ist er Professor?

          Hat er wenigstens gedient?

          In einem Garderegiment oder bei den hessischen Landjägern zu Fuß?

          Will sagen, ich habe die meilenlange Rede des Herrn Löchel nur überflogen und bei der Nennung seiner Hausheiligen die Flinte in’s Korn geworfen.

          Das waren:

          *Auch scheint Bischof-Köhler Gender Studies betreibende WissenschaftlerInnen aus anderen Disziplinen nicht zu kennen. So sucht man nicht nur vergebens nach einer bloßen Erwähnung der wichtigsten Gender-Theoretikerin des letzten Dezenniums, der Philosophin Judith Butler. Ebenso unbekannt scheinen der Autorin die Wissenschaftshistorikerin Donna Haraway, die Biologin und Wissenschaftstheoretikerin Evelyn Fox Keller oder die Molekularbiologin Anne Fausto-Sterling zu sein – sie alle betreiben Gender Studies und sind in den letzten Jahren mit relevanten Werken im Gebiet des “biologischen Umfeldes” hervorgetreten. Ungenannt bleibt auch Carmen Gransee – nun tatsächlich einmal eine Sozialwissenschaftlerin – mit ihrer Arbeit “Zum Problem identitätslogischer Konstruktionen von ‘Natur’ und ‘Geschlecht’”.*

          Warum sie auf Judith Butler nicht eingeht, schreibt sie auf den ersten Seiten der jüngsten Ausgabe ihres Buches: Haltloses Wunschdenken ist das, was Butler in ihren Augen ablässt. Helena Cronin nennt es schlicht balderdash = Geschwätz. Ich füge hinzu: Von keiner Empirie untermauertes, spekulatives, wunschdenkendes Geschwätz in pompös-angeberischer Sprache, wissenschaftliche Hochstapelei.

          Das ist ja ein Leitsympton, das sich bei vielen Gender-„WissenschaftlerInnen“ finden lässt, dieses hochstapelnde Geschwätz in verunklärend-vager Sprache:

          *Haraway’s work has been criticized for being „methodologically vague“[16] and using noticeably opaque language that is „sometimes concealing in an apparently deliberate way.“[17] Several reviewers have noted that her understanding of the scientific method is questionable, and that her explorations of epistemology at times leave her texts virtually meaning-free.[17][18]*

          Balderdash eben, Dekonstruktivistengeschwätz, dass das Wunschdenken meist sexueller Minderheiten, die endlich nicht einfach nur „Normalität gewinnen wollen, sich endlich nicht mehr als Außenseiter und Freaks fühlen wollen, sondern als Avant-Garde einer neuen Geschlechternorm.

          http://en.wikipedia.org/wiki/Donna_Haraway#Criticisms

          Und Fausto-Sterling nimmt sich selbst nicht ernst, damit genau so ernst, wie ich sie nehmen kann:

          *In a paper entitled „The Five Sexes“,[3] in which, according to her, „I had intended to be provocative, but I had also written with tongue firmly in cheek,“,[4] Fausto-Sterling laid out a thought experiment considering an alternative model of gender containing five sexes: male, female, merm, ferm, and herm. This thought experiment was interpreted by some as a serious proposal or even a theory; advocates for intersexual people stated that this theory was wrong, confusing and unhelpful to the interests of intersexual people. In a later paper („The Five Sexes, Revisited“[4]) she has acknowledged these objections.*

          http://en.wikipedia.org/wiki/Anne_Fausto-Sterling

          Mein Physiologieprofessor, ein Wissenschaftsmacho von echtem Schrot und Korn hätte so etwas Chickenshit genannt.

          Und das ist noch geschönt.

          „Gedankenexperimente“.

          Offenbar nehmen Genderstudierte und Herr Löchel das ernst.

          Reingefallen!

          Sie wollte doch nur „provocative“ sein.

          Ab in die Tonne.

          Das ist Zeitdiebstahl und das so etwas sich auf Lehrstühlen fläzt, auch wenn es nur die für Gender, Kultur und Irgendwas sind, ist ein Zeichen dafür, dass unsere Universitäten entschieden zu viel Geld haben.

          Die Werke einer Haraway, einer Fausto-Sterling relevant zu nennen für die Biologie, ist ebenfalls Hochstapelei, dort nimmt sie niemand ernst, relevant sind sie für die Gender Studies, eine Hochburg pseudowissenschafltlicher Hochstapelei.

          Es sind solche Rezensionen, strotzend vor Ahnungslosigkeit und bildungshuberischer Arroganz, die mich arrogant werden lassen gegenüber dem Verfallstadium zeitgenössischer Geisteswissenschaften.

          Sie katapultieren sich mit Rasanz in die Irrelevanz, in verblasene Wunschwelten, die nur dank ihrer Empiriefreiheit, durch das Nicht-Beobachten der Realität, Bestand haben.

          Hast Du mittlerweile eine Realität entdecken können, die zu den poststrukturalistischen Behauptungen passt und in der Lage wäre, das pompöse Geschwätz in den Rang von Hypothesen zu erheben, mit denen die Beschäftigung sich lohnt?

          Wenn ja, dann her damit.

        • Als hätte ich es geahnt: Ralf Löchel

          Letzte Veröffentlichung:

          *Utopias Geschlechter. Gender in deutschsprachiger Science Fiction von Frauen.*

          Ansonsten:

          *Rolf Löchel schreibt seit 1999 für literaturkritik.de.
          Ebenfalls 1999 gründete er zusammen mit anderen den Arbeitskreis Zukunft des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung an der Philipps Universität Marburg und war bis zu dessen Auflösung 2009 Mitglied.

          Arbeitsschwerpunkte:

          Geschlecht in Literatur, Film und Philosophie; feministische Literaturwissenschaft; dekonstruktiver Feminismus und Gender Studies; feministische Science Fiction; Geschichte der Frauenbewegung.*

          http://www.literaturkritik.de/public/mitarbeiterinfo.php?rez_id=18

          Hatte ich schon gesagt, „Ab in die Tonne!“ ?

          Noch nicht?

          Dann spätestens jetzt.

      • Eine schlechte und polemische Rezension erkennt man allzu oft daran, dass der politische Standpunkt des Rezensierenden aus jedem Satz springt.

        Zur Erklärung dieses Befundes nimmt Bischof-Köhler die “‘biologische’ Perspektive” ein und betrachtet die Organismen, “unter Einschluss aller ihrer Lebensäußerung”, auf ihre “Eignung” hin, “über den Zeitpunkt des Todes hinaus in künftige Generationen Kopien ihres Bauplans zu hinterlassen”. Denn die “ultima ratio jedes Lebewesens” sei , “in möglichst vielen und möglichst überlebenstauglichen Nachkommen weiter zu existieren”. Zweifellos ein Tunnelblick. Betreibt sie hier ihrerseits doch gerade eine monokausale Erklärungsstrategie, deren Form sie zuvor bei GeisteswissenschaftlerInnen moniert hat.

        Eine biologische Perspektive wird zwangsläufig davon ausgehen, dass es die ultima ratio eines jeden Lebewesens sei, in möglichst vielen und möglichst überlebenstauglichen Nachkommen weiter zu existieren.

        Möchte Rolf Löcherl etwa die Evolutionstheorie infrage stellen?

        Wahrscheinlich hat Gott die Lebewesen erschaffen, und Satan das Patriarchat 😀

        • Betreibt sie hier ihrerseits doch gerade eine monokausale Erklärungsstrategie, deren Form sie zuvor bei GeisteswissenschaftlerInnen moniert hat.

          Man zeige mir die soziologische/kulturelle Erklärungsstrategie, die „Macht“ nicht als „ultimate cause“ zugrundelegt.

        • ..als ob Feminismus nicht historisch zuallermeist ganz fundamental auf die Evolutionstheorie aufbaut:

          Friedrich Engels kam aufgrund seiner ethnologischen Studien in seinem Werk Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates zu dem Ergebnis, dass das Matriarchat die ursprüngliche, weltweit verbreitete Form des menschlichen Zusammenlebens gewesen sei. Der Übergang zum Patriarchat war demnach die erste große Umwälzung in der Geschichte der Menschheit und gleichzeitig die historische Niederlage des weiblichen Geschlechts. Ursache für den Übergang zum Patriarchat war nach Engels das aufkommende Privateigentum, wodurch die Männer ein Interesse daran hatten, ihr Eigentum an ihre biologischen Nachkommen zu vererben. Das war Engels zufolge nur möglich, wenn die Sexualität der Frauen beschränkt und kontrolliert wird. Diesem Zweck diente die patriarchale monogame Ehe, die Engels als Unterdrückungsinstrument für die Frau bezeichnete. Während Engels noch an einen friedlichen Übergang von Matriarchat zum Patriarchat glaubte, betonte August Bebel den gewaltsamen Charakter dieses Umsturzes. Insbesondere die Amazonensagen deuten seiner Meinung nach auf den massiven Widerstand der Frauen gegen ihre Entrechtung hin.

          http://de.wikipedia.org/wiki/Feminismus

          Wie sollte auch sonst das „Patriarchat“ entstanden sein, wenn nicht aus einem Bestreben der Männer heraus, ihre Macht und ihr Eigentum an ihre Nachkommen weiterzugeben?

          Mir ist jedenfalls keine feministische oder Gender-Theorie bekannt, die „Patriarchat“ als bloßes Zufallsprodukt betrachtet.

    • @Christian

      Könnte sein? Nur könntest Du dann weiter fragen? Weshalb wollen sie die Gene weitergeben? Antwort? Damit sie sich weiterhin reproduzieren. Warum wollen sie sich weiterhin reproduzieren? Irgend einmal landenst Du dann ev. bei den schwarze Löchern und beim Urknall! 🙂

      „Die Möglichkeit einer Letztbegründung wird u.a. von Vertretern des Kritischen Rationalismus in Frage gestellt. Sie verweisen auf ein grundsätzliches Problem eines jeden Versuches einer letzten Begründung. Man kann dieses Problem an einem einfachen Beispiel aus dem Alltag verdeutlichen. Würde ein Kind die Frage stellen, warum der Himmel blau ist und auf jede Antwort mit der Frage „Warum?“ reagieren, so würde man früher oder später nach dem Münchhausen-Trilemma in eine logische Sackgasse geraten, die nach Auffassung der Letztbegründungsgegner lediglich drei Alternativen zur Wahl lässt:
      Infiniter Regress – unendliche Reihe von Antworten
      Logischer Zirkel – in der Reihe der Antworten wird irgendwann auf das zu Beantwortende als Voraussetzung zurückgegriffen (Der Himmel ist blau, weil er blau ist)
      Dogmatismus – an die Stelle einer Begründung tritt eine unbegründete Behauptung (Der Himmel ist blau, weil der liebe Gott wollte, dass wir einen blauen Himmel haben).

      In keinem Fall würde vollkommen unabhängig von der gestellten Frage jedoch eine Letztbegründung möglich.“
      http://de.wikipedia.org/wiki/Letztbegründung#Kritik_an_Versuchen_der_Letztbegr.C3.BCndung

      Aber, ich glaube, wenn Du folgende Literatur liest, dann hättest Du einmal einen guten Forschungsüberblick über die sozialpsychologische Forschung in diesem Gebiet. Und falls es Dich interessiert, welches Forschungsdesing sie gebraucht haben, dann musst Du dann jede einzelne Studie konsultieren und nachschauen, was Du kritisieren könntest.

      Eagly, A.H. Beall, A.E. & Sternberg, R.J. (2004). The psychology of gender (2nd edition).
      Rudman, L. A. & Glick, P. (2008). The social psychology of gender. How power and intimacy shape gender relations.
      Ruble, D. N., Martin, C. L. & Berenbaum, S. A. (2006). Gender development. In N. Eisenberg, W. Damon & R. M. Lerner (Eds.), Handbook of child psychology. Social, emotional, and personality development (6th ed., Vol. 3, pp. 858-932).

      • Warum wollen sie sich weiterhin reproduzieren?

        Sie „wollen“ gar nichts.

        Die erfolgreiche Reproduktion ist lediglich notwendige Voraussetzung für eine biologische Entwicklung.

        Da ist weder ein Sinn noch eine Letztbegründung.

        • wenn es kein Sinn und keine Letztbegründung ist, sollte man aufpassen wenn man vor sich selbst etwas mit „Biologie“ rechtfertigt.

          Ich sag jetzt nicht, dass du das machst.
          Aber es gibt nicht wenige, die z.B. Fremdgehen und Promiskuität oder mangelnde Fähigkeiten zu irgendwas etc damit legitimieren wollen à la „naja, der Mensch ist halt nicht monogam“ oder „Männer/Frauen können halt nicht …“

          (im Pick-Up heißt das dann „Limiting Beliefs“…was aber auch nicht konsequent angewand wird… vielleicht les ich aber auch mehr Zeugs von den Noobs als von den Profis…)

        • @Nick

          Du schreibst:

          Sie “wollen” gar nichts.

          Die erfolgreiche Reproduktion ist lediglich notwendige Voraussetzung für eine biologische Entwicklung.

          Da ist weder ein Sinn noch eine Letztbegründung.

          Kommentar:

          Das mag richtig sein, was Du sagst, nur hast Du einen Perspektivewechsel vorgenommen. Eine Letztbegründung hat ev. Christian vorgenommen (Weitergabe der Gene) und nun argumentierst Du von der biologischen Entwicklung aus.
          Gut möglich, dass die Gene nicht wissen, was sie machen und weshalb sie es machen, aber die Menschen (z.B. Christian, aber auch ich) stellen Begründungen auf, weshalb etwas so und nicht anders geschieht! 🙂

        • Gut möglich, dass die Gene nicht wissen, was sie machen und weshalb sie es machen, aber die Menschen (z.B. Christian, aber auch ich) stellen Begründungen auf, weshalb etwas so und nicht anders geschieht! 🙂

          Begründungen sind aber nicht per se Letztbegründungen.

          „Wir haben einen Sexualtrieb, weil wir uns nur dann biologisch entwickeln konnten, wenn wir uns erfolgreich fortpflanzten“ ist genauso wenig eine Letztbegründung wie „Der Apfel fiel auf Newtons Kopf, weil die Masse der Erde eine Krümmung des Raum-Zeit-Kontinuums hervorrief“

          Wir können uns dieser Erklärungen nicht gewiss sein, sie gelten – aufgrund empirischer Befunde, und bis zu ihrer Widerlegung – lediglich als die derzeit plausibelste Erklärung.

          Gäben sie Letztbegründungen, könnten die Naturwissenschaften die Hände zusammenfalten und proklamieren, dass sie nun endgültig die Welt enträtselt hätten.

          Man nenne mir mal vergleichbare, selbst auferlegte Exitbedingungen für Gendertheorien. Sieht mir nicht so aus, als ob es sowas gäbe, wenn jedes Betrachten des Phänomenes „geschlechtlicher Dimorphismus“ von einer biologischen Perspektive aus als „Bioloismus“ verteufelt wird.

          Das klingt mir schon eher nach einer dogmatischen Letztbegründung 😀

        • ..wobei, wie gesagt, Patriarchatstheorien allzu oft selbst – komplett unhinterfragt – von antropologischen Annahmen ausgehen, die aus der Blütezeit von Biologismus und Sozialdarwinismus stammen.

          Sie haben seit Engels die Hände zusammengefaltet und meinen, das Rätsel sei seitdem endgültig gelöst 🙂

        • „Man nenne mir mal vergleichbare, selbst auferlegte Exitbedingungen für Gendertheorien. Sieht mir nicht so aus, als ob es sowas gäbe, wenn jedes Betrachten des Phänomenes “geschlechtlicher Dimorphismus” von einer biologischen Perspektive aus als “Bioloismus” verteufelt wird.“

          Tun sie das wirklich?
          Also ich meine: Klar wird es einige geben die einen biologischen Ansatz grundsätzlich als Biologismus brandmarken.
          Aber „Biologismus“ bezieht sich, so wie ich ihn verstanden habe, nicht grundsätzlich auf jeden biologischen Ansatz.

          So als Beispiel: wenn Biologie das Christentum wäre, wäre Biologismus die Konfession. Wenn Biologie die Gattung wäre, wäre Biologismus die Art.

          Ich sag nicht, dass alle Menschen die sich mit Gendertheorien befassen diesen Punkt unterscheiden. Du unterscheidest hier aber leider auch nicht.

      • Würde ein Kind die Frage stellen, warum der Himmel blau ist..

        Würde ein Kind seinen feministisch geprägten Eltern fortlaufend die Frage nach dem „warum“ des „Patriarchates“ stellen, landete man auch sehr schnell bei der Evolutionstheorie 😀

  6. Was besagt überhaut der Begriff „Geschlechtsidentität“?

    Ich z. B. halte mich für einen Mann. Ich habe auch einen Penis um es zu beweisen. Stehe aber auf Männer. Hätte aber auch kein Problem damit, den Körper einer Frau zu haben. Fühle mich aber als Mann wohl. Und mag kein affektiertes weibliches Gehabe bei Männern.

    Was sagt uns das jetzt?

    • Du bist „sogar“ ein Mann, auch ein „richtiger“. Dass Männer auch weibliche Seiten haben und Frauen männliche, und dass sich genau das auch auf die sexuelle Orientierung beziehen kann, ist ganz normal.

      Jeder hat eben eine individuell verschiedene Geschlechtsidentität, aus meiner Sicht meint man mit diesem Begriff die Gesamtheit aus allen männlichen und weiblichen Persönichkeitsmerkmalen. Wenn jemand, wie Du offenbar, körperlich ein Mann ist und offensichtlich auch seelisch überwiegend männlich ist, nur in der sexuellen Orientierung weiblich, aber sich als Mann fühlt und damit im reinen mit sich ist, ist er ein Mann. Es gibt mit ziemlicher Sicherheit auch Männer, die heterosexuell sind, aber in vielen Hinsichten weiblicher als ein homosexueller Mann. Im Durchschnitt werden aber vermutlich homosexuelle Männer auch in anderen Hinsichten, die über die sexuelle Orientierung hinausgehen, weiblicher sein, da es sein kann, dass jemand der schon zu wenig pränatales Testosteron hat, auch danach noch, vielleicht sein Leben lang, auch eher geringeTestosteronwerte aufweist, zumindest mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit.. Aber gut, Durchschnittswerte sagen ja nicht so viel.

      • „allen männlichen und weiblichen Persönichkeitsmerkmalen.“
        So etwas existiert nicht. Es ist eine Behauptung und also zu beweisen.

    • Das ist auch so in Ordnung. 🙂 (Freuste dich, gell?)
      Geschlechtsidentität hat aber nicht nur was damit zu tun, was für ein Genital man besitzt, sondern es geht da z.B. auch um die Rolle, die diesem Geschlecht von der Gesellschaft zugewiesen wird. http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Rolle

      Also um die Eigenschaften, die man diesem Geschlecht zuschreibt.
      Du hast z.B. bei dem Begriff „Mutter“ oder „Vereinsvorsitzender“ ein bestimmtes Bild im Kopf. Genauso ist es mit Mann und Frau.
      Das Bild in deinem Kopf ist die soziale Rolle, die dir Informationen über einen Menschen gibt, trotzdem du ihn nicht kennst.
      Das ist auch per se nix schlechtes, da es uns hilft, die Welt einzuteilen.

      Schwierig wird es allerdings, wenn einer sozialen Rolle bestimmte Eigenschaften zugesprochen werden, die nicht (mehr) stimmten, wie zum Beispiel affektiertes Verhalten bei Schwulen (und den meisten Frauen, möchte ich meinen, daher würde ich es nicht als „weiblich“ bezeichnen) oder dass eine Mutter nicht arbeitet.

      Zudem muss bedacht werden, dass ein Mensch immer mehrere Rollen ausfüllt, wie z.B. die Mutter ist gleichzeitig Ehefrau, Friseurin und Bodybuilderin. Da kann es oftmals zu Konflikten kommen.

      • Was bitte ist dann ein „tratiertes“ Rollenbild?
        Und warum ist das perse schlecht?
        Was hast auch Du gegen tratierte Rollen?
        Warum ist es schlecht, wenn ich eine
        Frau als Hausfrau und Mutter darstelle?

      • „Zudem muss bedacht werden, dass ein Mensch immer mehrere Rollen ausfüllt, wie z.B. die Mutter ist gleichzeitig Ehefrau, Friseurin und Bodybuilderin. Da kann es oftmals zu Konflikten kommen.“
        Bei Männern auch, mit entsprechend eigenen Problemen.

  7. @Christian:

    Ich würde Chomskys Vollzitate nicht stehen lassen.

    Ich sehe nicht, warum hier „die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist“

    Du riskierst imho eine Abmahnung.

  8. Pingback: Biologische Faktoren vs. Erziehung: Auswirkungen bei den Geschlechterrollen | Alles Evolution

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