Sport und Testosteronhöchstwerte für Frauen bei den Olympischen Spielen

Die Mädchenmannschaft klagt über die Behandlung von Frauen im Sport. Frauen mit einem hohen Testosteronspiegel wären ausgeschlossen:

So deutete es sich vor zwei Jahren bereits an: Bei diesen Olympischen Spielen dürfen nicht alle Frauen teilnehmen. Ausgeschlossen werden Frauen mit hohem Tes­tos­teron­level – und das nicht bei nachgewiesenem Doping sondern bei natürlich er­höh­tem Testosteron­spiegel. An dieser Entscheidung ist soviel falsch, dass es schwer ist, mit einer Kritik anzufangen.

Wann genau der Testosteron­spiegel bei einer Frau „zu hoch“ ist, ist umstritten. Bei allen Menschen schwankt er abhängig von Tages­zeit, Alter, sozialem Status und körperlicher Fitness. Darüber hinaus ist auch der oft an­ge­prangerte Vorteil für Frauen nicht zwingend der Fall. So ist lange bekannt, dass es auch Frauen gibt, deren Körper Testosteron nicht verarbeiten kann. Unter Athletinnen sind sie sogar überrepräsentiert.

Trotzdem wird immer wieder angeführt, mehr Testosteron gäbe einen unfairen Vorteil. Dieser geschlechtlich-konnotierte Vorteil ist allerdings der einzige, der jetzt zu Konsequenzen führt. Alle anderen Mutationen und Variationen der Natur werden hingenommen oder sogar gefeiert. Die englische Ausgabe der Wikipedia widmet den körperlichen Besonderheiten von Michael Phelps einen extra Absatz. Männer mit biologischem Vorteil: hui. Frauen mit biologischem Vorteil: Freaks, verkleidete Männer, pfui.

Es ist schade, dass dort nicht einmal versucht wird, diese Wertung nachzuvollziehen und die dortigen Argumente kritisch zu hinterfragen, sondern diese insgesamt abgelehnt werden, weil Frau eben sein soll, wer sich selbst als Frau sieht.

Das Argument für eine solche Abgrenzung ist ja nicht, das man – wie die Mädchenmannschaft meint – Frauen besonders einschränken will oder bei ihnen aus politischen Gründen eine engere Kategorie schafft, sondern dass man den Athletinnen ermöglichen will, auf eine faire Weise miteinander zu konkurrien. Denn Testosteron hat eine Wirkung im Sport und diese ist unabhängig davon, ob man sich als Frau definiert.

Deutlicher wird dies vielleicht an einem Vergleich der Gewichtsklassen. Wenn es eine offene Klasse und eine Klasse bis 60 kg gibt, dann dürfen eben in der Klasse bis 60 kg nur diejenigen antreten, die maximal 60 Kilogramm wiegen. Meint zB ein Kampfsportler, dass er trotz seines Gewichts auch in der offenen Klasse starten kann, dann wird er dort zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren, aber das ist dann sein Problem. Wenn jemand, der 120 Kilogramm aber sagen würde, dass er Gewichtsprobleme für eine Plagen der Menschheit hält und sich selbst als schlank und leicht und daher als 60 Kilomenschen definieren würde, dann würde man dort anführen, dass er in dieser Kategorie dennoch nicht starten könne.

Dies erreicht im Bereich der Intersexualität allerdings eine politische Bedeutung, weil man dazu erst einmal definieren muss, was eigentlich eine Frau ist und hier in Grabenkämpfe gerät. Jemand mit einem weiblichen Phänotyp, aber innenliegenden Hoden, die ihn mit einem mehr an Testosteron versorgen, in der „Sonderkategorie“ starten zu lassen, ist da eher unfair den anderen Frauen gegenüber. Denn diese haben eben keine innenliegenden Hoden, die ihnen helfen.

Die Wirkung von Testosteron im Sport war bereits wiederholt Thema:

Sie sollte eigentlich auch in der heutigen Zeit nach intensiver Erforschung in der Sportmedizin nicht mehr wirklich umstritten sein.

Die Mädchenmannschaft stellt noch darauf ab, dass das Testosteron vielleicht gar nicht wirksam ist:

Darüber hinaus ist auch der oft an­ge­prangerte Vorteil für Frauen nicht zwingend der Fall. So ist lange bekannt, dass es auch Frauen gibt, deren Körper Testosteron nicht verarbeiten kann. Unter Athletinnen sind sie sogar überrepräsentiert.

Wenn sie kein Testosteron erkennen könnten, dann wären sie im Sport nicht so weit gekommen. Aber dazu müßte man sich im Mädchenblog einmal mit der Wirkung von Testosteron auseinandersetzen. Die Stärke der Rezeptoren ist allerdings auch nur sehr schwer zu messen. Mir ist jedenfalls keine diesbezügliche Möglichkeit, die nicht einfach auf die direkten Folgen, die an der Wirkung des Testosterons sichtbar sind, abstellt.

Auch bei verminderter Stärke der Rezeptoren kann im übrigen ein höherer Testosteronspiegel immer noch einen Vorteil bedeuten, eben dann wenn der erhöhte Testosteronspiegel durch verminderte Rezeptoren nicht vollständig ausgeglichen wird. Quellen dafür, dass die Athletinnen trotz ihres Testosteronüberschusses einen „Testosteronnachteil“ haben, weil dieser nicht erkannt wird, nennt die Mädchenmannschaft auch nicht.

Zu dem bekanntesten Fall, Caster Semenya hatte ich hier auch schon zwei Artikel:

Die Lösung der Mädchenmannschaft:

Auf Geschlechtstests zu verzichten wäre da ein deutliches Zeichen, die Selbst­identifikation von Frauen zu respektieren und nicht durch unnötige Tests ihre Pri­vat­sphäre und körperliche Integrität zu gefährden. So bleibt es bei Erfolgen an der Oberfläche, während darunter weiter Sexismus waltet.

Die Selbstidentifikation. Sie hat eben den Nachteil, dass dann einige Frauen quasi Doping betreiben dürfen, eben wenn sie einen weiblichen Phänotyp haben, aber so etwas wie innen liegende Hoden.

Die Mädchenmannschaft vertritt hier in gewisser Weise eine Form des Essentialismus: Wer Frau ist, ist Frau und wer meint Frau zu sein, der wird schon genug weibliche Essenz haben, um eben eine Frau zu sein. Und alle Frauen sind eben gleich und damit ist es auch fair. Aber es gibt eben schleichende Übergänge zwischen Mann und Frau und diese müssen im Sport hin zu den Frauen abgegrenzt werden, weil dies die Gruppe ist, die aufgrund verminderter Leistungsfähigkeit einen besonderen Status hat, der durch eine Nichtabgrenzung unterlaufen werden würde.

Es geht eben an dem eigentlich Ziel vorbei, wenn man sich in einer extra ausgewiesenen Schutzkategorie (und nichts anderes ist die Einteilung in Männer- und Frauenkategorien aufgrund der Leistungssteigernden Wirkung von Testosteron in den allermeisten Fällen) darüber beschwert, dass dieser Schutz aufrecht erhalten wird und dazu Kriterien gebildet werden, die sich an der Schutzkategorie (leistungssteigenderes Testosteron) und nicht dem reinen Phänotyp oder noch schlimmer der “selbsteinschätzung” ausrichtet (vollkommene Unterlaufung des Schutzzwecks).

P.S.: Da die Diskussion eigentlich bereits gestern in den Kommentaren eines anderen Artikels gelaufen ist, ich den Artikel aber bereits fast fertig hatte, stelle ich ihn zusätzlich rein.

29 Gedanken zu “Sport und Testosteronhöchstwerte für Frauen bei den Olympischen Spielen

  1. Auf Geschlechtstests zu verzichten wäre da ein deutliches Zeichen

    Ich hätte jetzt eher gedacht, dass aus Sicht der Mädchenmannschaft doch eher die Aufhebung der Geschlechtertrennung die beste Lösung sein müsste. Mag sein, dass dann Frauen vllt. eine Zeitlang benachteiligt wären, aber auf Dauer (über ein paar Generationen) müssten sich doch die körperlichen Fähigkeiten angleichen, wenn man mehr und mehr auf die Geschlechter-Konstruktion verzichtet.

    Das haben dort auch schon zwei Kommentatoren angesprochen, bislang hat die Autorin noch nicht drauf geantwortet. Fänd ich aber interessant, ihre Ansicht dazu.

    • @Georg

      Insgesamt hält sich Helga da ja sehr vage. Testosteronwerte schwanken (ja, aber innerhalb bestimmter Rahmenwerte), Testosteron wird in Östrogene umgewandelt (ja, aber nur zu einem gewissen Anteil und selbst dann ist erst einmal mehr Testosteron vorhanden), vielleicht wird es auch gar nicht erkannt (Nachweis, dass dies gerade bei den Sportlern der Fall ist? Nicht vorhanden).

      Mal sehen, ob sie sich traut die Gründe dafür anzuführen, dass Männer und Frauen doch nicht zusammen antreten sollen.

  2. Wenn schon die Selbstbezeichnung als Frau genügen würde, um in dieser Klasse anzutreten, finden sich bald Menschen, denen man zumindest optisch keine weiblichen Eigenschaften zuweisen würde, die in dieser Klasse antreten wollten. „Die“ hat aber Bartwuchs? Keine Brüste? Eine Beule in der Hose? – Ja, ihr wolltet doch die Selbsteinstufung. Viel Spass damit.

    • Ich fände, man sollte das durchaus einführen, einfach damit das Thema dann geklärt ist, wenn die nächsten drei, vier Wettkämpfe die Spitzenplätze von Teilnehmerinen mit Penis besetzt sind, die sich doch Arg diskriminiert fühlen, wenn man sie als Männer bezeichnet.

      • Ganz realistisch wird das nicht kommen – es sind ja längst nicht alle Frauen „Feministinnen“ in der Art, wie man sie bei MM etc. findet, viele haben die realistische Einsicht, dass die aktuelle Einteilung bei den Spielen in „Männer“ und „Frauen“ bei allen Mängeln immer noch recht gut funktioniert – vor allem für die weiblichen Teilnehmer, die sich in Unisex-Wettkämpfen meist eher nicht durchsetzen würden.

        Wenn Du die richtigen „Frauen*“ fragst (die, die sich selbst als Gruppe mit Sternchen schreiben), finden die sicher eine in ihrer Gedankenwelt stimmige Erklärung, warum das nicht etwa ein Privileg für Frauen, sondern wieder ein Beweis für „male privilege“ ist.

        Ich fände das Argument interessant, wer denn die (nur den als „Frauen“ zugelassenen Sport-Treibenden nützenden) Grenzen zieht und warum bzw. mit welcher Begründung. „Das war schon immer so“ kann ja für Testosteron-Werte nicht gelten.

      • Ich denke in meinen zynischen Momenten, man könnte den gesellschaftlichen Diskurs enorm beschleunigen, wenn man auch einfach mal die offensichtlich dummen Ideen, uneingeschränkt und ohne schutz der umsetzenden umsetzt.

        Das würde imho auch den Frauen ohne Sternchen, oder generell: allen anderen einigermaßen unwahnsinnigen Menschen nutzen, weil man endlich mal einen Punkt unter ein Thema setzen könnte.

        Viele der Diskussionen können imho nur deshalb am Leben bleiben, weil diejenigen, die etwas vorschlagen, sich darauf verlassen können, dass sie niemals diejenigen wären, die es tatsächlich umsetzen müssten, sondern sie weiterhin in der bequemen position bleiben, alle Fehler auf jemand anderen schieben zu können.

        Kurz: scheiss auf Democracy, wir brauchen Do-ocrathy 😉

  3. Ja, man sollte Frauen wirklich gleichberechtigen, ohne Wenn und Aber. Schluss mit den Wimmenz-only-Laufställchen, in die Männer keinen Zutritt haben, faire Konkurrenz auf allen Ebenen, auf Augenhöhe, nach den gleichen Bewertungsmaßstäben/Leistungsanforderungen.

    Der Bessere oder von mir aus die Bessere möge gewinnen.

    Also Schluss mit reinen Frauen-/Männerwettkämpfen.

    Sie widersprechen schon im Ansatz der Gleichberechtigung.

    Wir würden bald feststellen, dass Frauen nicht Gleichberechtigung meinen, wenn sie von Gleichberechtigung reden, sondern Rücksichtnahme (der Männer), Förderung (der Frauen) und Privilegierung (der Frauen, die es besonders zu schützen und vorrangig zu versorgen gilt, natürlich wiederum vor allem von Männern zu leisten).

    Ich wünsche Frauen mehr Gleichberechtigung, als sie überhaupt haben wollen (Tippse natürlich nicht, die lässt sich ja von mir bereitwillig „unterdrücken“), also Schluss mit dieser ungleichberechtigenden Trennung in Männer-und Frauenwettbewerbe.

  4. Es ist schon grotesk, wie sich Feministinnen über diesern sicherlich bedauernswerten Fall empören mit klaren Schuldzuweisungen, aber keine Alternative Lösung nennen bzw sich um deren Konsequenzen herumwinden.

    Wo ist muttersheera, kann sie nicht mal sagen wie man diesen Fall handhaben hätte müssen?

    Warum haben sich eigentlich die anderen Frauen dieses Sports gegen diese furchtbare Diskriminierung (waren bestimmt nur männliche Funktionäre!) nicht zur Wehr gesetzt?

    Ich denke mal die Empörung kommt daher, weil die intersexuelle Semenya von ihnen als Frau gelesen wird. Würde sie sich nicht rasieren, etwas männlichere Körpersprache zeigen und mit nicht ganz hoher Stimme sagen „aber ich fühle mich doch als Frau“, würden wohl die selben Feministinnen einen Lynchmob bilden, um diesem Dreckschwein, das die Frauen jetzt auch noch in deren Sport dominieren will, die nicht-vorhandenen Eier abzuschneiden.

  5. Die Lösung ist wirklich sehr simpel. Schluss mit der Geschlechtertrennung! Das sollte den Feministinen doch sehr zugegen kommen, von wegen Gleichberechtigung und so.

    • Hmm, ich weiß das ist nur eine Polemik, aber ich betone es trotzdem nochmal:
      ich sehe hier und da gerne Frauensport (z.B. Tennis, Biathlon, Leichtathletik) und fände es mehr als schade, wenn wir hier das Geschlecht „dekonstruieren“. Da bin ich dagegen.

      Es ist aber eine der Achillesfersen der Genderisten, dass wenn Frauen (ganz viele Anführungszeichen) noch weiterhin Leistungssport betrieben wollen und jemals Erfolgserlebnisse haben wollen, hier ganz böse und biologistisch (sic!) eine willkürliche Geschlechterzuschreibung durch Autorität anhand vollkommen willkürlicher und demütigender Kriterien vorgenommen werden muss.

      Das kann man wohl nicht oft genug betonen, wenn man es mit Genderisten zu tun hat.

      • „ich sehe hier und da gerne Frauensport“

        Ich nicht.

        „und fände es mehr als schade, wenn wir hier das Geschlecht “dekonstruieren”.“

        Dekonstruieren wir Geschlechter weil Männer und Frauen sich unter- und miteinander frei bewegen dürfen?

      • @ David

        *Hmm, ich weiß das ist nur eine Polemik, aber ich betone es trotzdem nochmal:
        ich sehe hier und da gerne Frauensport (z.B. Tennis, Biathlon, Leichtathletik) und fände es mehr als schade, wenn wir hier das Geschlecht “dekonstruieren”. Da bin ich dagegen.*

        Damit objetifizierst Du bestimmt nur Frauen, Du Sexist!

        Ich dagegen würde Dir Gelegenheit geben, Dich allein an der sportlichen Leistung der Frauen zu erfreuen, denn schließlich darf allein die Leistung zählen, wahlweise auch die inneren Werte, die aber hier nur indirekt zur Debatte stehen (via Trainingsfleiß und Kampfgeist).

        Beachvolleyball z.B. gucke ich auch nur wg. der großartigen Leistungen der SportlerInnen, d.h. ich guckte es, wenn Tippse mich ließe.

      • @ Adrian

        *Immer wieder erstaunlich was man(n) daran schön finden kann *

        Dabei habe ich bei der Auswahl des Bildes auch an Dich gedacht!

        Schau Dir mal diese Schulterpartie an, diese Oberschenkel.

        Ich müsste noch ein paar Stunden im Pump Room absolvieren, um da konkurrenzfähig zu sein.

        Hätte ich nicht an Dich gedacht, hätte ich die hier eingestellt:

        Die gibt mir auch immer so seltsame Zeichen.

        Ich glaube, die mag mich.

      • „Dabei habe ich bei der Auswahl des Bildes auch an Dich gedacht!
        Schau Dir mal diese Schulterpartie an, diese Oberschenkel.“

        Und was soll ich da sehen? Schultern und Oberschenkel einer Frau. Mehr nicht.

      • @ Adrian

        Also gut!

        Zufrieden?

        Oh…, pardon, das hier, das ist richtig.

        Jetzt muss die Schwulenlobby nur noch knappere Outfits durchsetzen. Dann kann’s was werden.

        Frauen scheinen dazu ja nicht willens oder fähig.

        Die Hosen sind ja wohl das Allerletzte.

  6. @Christian

    „Wenn jemand, der 120 Kilogramm aber sagen würde, dass er Gewichtsprobleme für eine Plagen der Menschheit hält und sich selbst als schlank und leicht und daher als 60 Kilomenschen definieren würde, dann würde man dort anführen, dass er in dieser Kategorie dennoch nicht starten könne.

    Es geht eben an dem eigentlich Ziel vorbei, wenn man sich in einer extra ausgewiesenen Schutzkategorie (und nichts anderes ist die Einteilung in Männer- und Frauenkategorien aufgrund der Leistungssteigernden Wirkung von Testosteron in den allermeisten Fällen) darüber beschwert, dass dieser Schutz aufrecht erhalten wird und dazu Kriterien gebildet werden, die sich an der Schutzkategorie (leistungssteigenderes Testosteron) und nicht dem reinen Phänotyp oder noch schlimmer der “selbsteinschätzung” ausrichtet (vollkommene Unterlaufung des Schutzzwecks).“

    Dieser Vergleich ist nicht dein Ernst, oder? Wettbewerbe in Männer und Frauen zu klassifizieren, ist ein Schutzraum, aber unterschiedliche Gewichtsklassen nicht? Das ist doch Käse. Sollte man denn dann nicht auch Männer und Frauen, die längere Beine als der Durchschnitt haben, von Laufwettbewerben ausschließen? Könnte schließlich einen nicht selbst zu verantwortenden Vorteil bedeuten.

    Wenn der Testosteronlevel einen so entscheidenden Vorteil bedeutet, dann ist es eben so, dann haben einige Menschen eben bessere Vorraussetzungen als andere. Heißt trotzdem nicht, dass plötzlich alle Testosteronbomben plötzlich Olympioniken werden wollen.

    • Es ist doch egal, ob man die Gewichtsklassen einen Schutzraum nennt. Manche sagen, dass es beispielsweise beim Boxen in den niedrigeren Klassen technisch fast eine ganz eigene Disziplin ist. Man kann aber auch sagen, es sind Schutzräume für leichtere Boxer, die in der Königsdisziplin (Schwergewichtsboxen ist ja auch am populärsten) nicht mithalten können.

      Eigene Wettbewerbe gibt es ja für Behinderte, aber manchmal auch innerhalb einer Sportart für verschiedene Techniken (Schwimmen, Langlauf), da man unterlegene Techniken nicht marginalisieren will.

      Sinn machen die Abgrenzungen, wenn das Unterscheidungskriterium sehr gut messbar, am besten diskret (diskontinuierlich) ist (bei Geschlecht in der Regel gegeben), und wenn dieses Kriterium sehr stark mit Leistungsfähigkeit korreliert ist (ist auch gegeben, Ausnahme wäre Schach).

      Zu viele Kategorien sind allerdings kontraproduktiv, da sie dem Grundgedanken sportlichen Wettbewerbs (wer ist der beste aus einer möglichst großen Population?) zuwider laufen

      • Dass es die Klassifikationen gibt, kritisiere ich gar nicht. Mich ärgerte nur, dass das eine als Schutzraum bezeichnet, das andere als das Natürlichste der Welt zum Vergleich herangezogen wurde. Ich gehe davon aus, dass der Testosteronlevel bei Männern auch nicht immer gleich ist. Wenn man da nun auch die Ausreißer rausschmeißen würde, fänd ich das genauso hirnrissig.

      • Das ist eine Frage der Verteilung, was man als Ausreißer betrachtet. Bei Männern gibt es diesbezüglich eine Normalverteilung, bei Frauen auch. Bei der Intersexuellen kann gibt es aber QUALITATIVE Unterschiede, die die quantitative Diskrepanz begründen. Übrigens gibt es so etwas ähnliches auch beim 100m-Lauf: wer schon nach 0,1 Sekunden den Startblock verlässt, wird wegen Frühstarts disqualifiziert, da dies einen Extremwert einer schnellen Reaktion darstellt weit außerhalb der Normalverteilung. Daher geht man von einem qualitativen Unterschied (es war keine superschnelle normale Reaktion, sondern starten auf güt Glück) aus, der quantitativ definiert werden muss.

    • @Christian

      „Oder einen Weltbewerb mit voller Dopingfreigabe.“

      Vernünftiger ist der Vorschlag von Heredia: „ich glaube, wir sollten Epo, die IGF und Testosteron freigeben, außerdem Adrenalin und Epitestosteron, jene Stoffe also, die der Körper auch selbst produziert – schon aus pragmatischen Gründen, weil nämlich die Verfolgung unmöglich ist, aber auch wegen der Fairness. Alles andere, alles, was gefährlich sein kann verbieten: Amphetamine, Steroide.“

      Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-58853003.html

      • @ Jürgen Bolt

        Die aufgezählten Mittel werden zwar vom Körper produziert, sind aber als Dopingmittel allesamt nicht ungefährlich, können massive, gesundheitsschädliche, auch akut lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben.

        Ihr Einsatz müsste also von Sportmedizinern engmaschig überwacht werden.

        Na, dann könnte man auch alles freigeben, was wirkt.

        Der bessere Rennstall mit dem besseren Rennwagen möge gewinnen.

        Der Mensch würde dann mehr und mehr zur Biomaschine, die von einem Technikerteam im Hintergrund getunt und gewartet wird – eine Karikatur dessen, was der Zuschauer im Leistungssport sehen will (das heroische Individuum, das sich und andere in fairem Wettkampf überwindet).

        Dann sollte man in Zukunft wie in der Formel I auch die „Rennställe“ ehren, all die Technikerteams im HIntergrund und Markenweltmeistertitel einführen, vielleicht Bayer, Sandoz, GlaxoSmithKline mit auf’s Treppchen hieven wie Ferrari oder Mercedes.

        Wäre vielleicht heute schon nötig, wenn man sich ehrlich machen wollte, aber entzöge dem Leistungssport einen gehörigen Teil seines Showwertes, seines Propagandawertes, seines Sexappeals.

        Vielleicht aber auch nicht, Formel-I ist ja auch sehr populär.

  7. Körperlich sind die Unterschiede nun mal halt etwas eklatanter als bei den Verteilungen kognitiver Eigenschaften.
    Man stelle sich aber mal vor, die Natur (Triggerwarnung: Biologismus) hätte es so eingerichtet, dass Männer nicht 10-20% körperlich leistungsfähiger wären, sondern nur 2-5%. Dazu gäbe es auch noch 5% Frauen mit kräftigem Bartwuchs und 5% Männer mit funktionsfähiger Gebärmutter.

    Dann hätte man als Mann auf diesem Blog aber weit weniger zu lachen über durchgeknallte Gendertussis, dann würde nämlich noch ein viel größeres und mächtigeres Fass aufgemacht in Sachen Dekonstruktion arbiträrer tradierter Stereotype. Die Gender Studies würden aus allen Nähten platzen um zu beweisen, dass die läppischen 2-5% nur auf strukturelle Diskriminierung bösartigster dunkler Machtzirkel in Wissenschaft und sonstiger Privilegienpimmel-Gesellschaft zurückzuführen sind. Förderprogramme zum Sex Mainstreaming im Schulsport strukturell benachteiligter Kinder hätten Hochkonjunktur.

    So kann man froh sein, dass dies die Achillesferse körperliches Geschlecht noch eher misstrauisch beäugtes Gebiet (Ausnahme Pioniere wie Voss und Fausto-Sterling) bleibt, welches noch nicht von egalitaristischen Umstrukturierungsmaßnahmen betroffen ist.

  8. Wie wäre es mit dem Kriterium: „Wenn der entsprechende Wettbewerb nach 10 Jahren noch mindestens X Teilnehmer hat“?
    EIn -gewissermaßen – evolutionäres Argument wäre doch ok. Wenn eine Sportart weder genug Teilnehmer noch genug Zuschauer hat, dann wird diese irgendwann nicht mehr ausgeübt.
    Hingegen ist die Frage bezüglich Frau S. eher eine Frage der Auslegung der aktuell bestehenden Regelung, d.h. im Rahmen einer Sportart und Regelung, die ihre Funktionsfähigkeit bewiesen hat.

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