Digit Ratio und Fußball

Manning zu Digit Ratio und Fußball:

Fetal and adult testosterone may be important in establishing and maintaining sex-dependent abilities associated with male physical competitiveness. There is evidence that the ratio of the length of the 2nd and 4th digits (2D:4D) is a negative correlate of prenatal and adult testosterone. We use ability in sports, and particularly ability in football, as a proxy for male physical competitiveness. Compared to males with high 2D:4D ratio, men with low ratio reported higher attainment in a range of sports and had higher mental rotation scores (a measure of visual–spatial ability). Professional football players had lower 2D:4D ratios than controls. Football players in 1st team squads had lower 2D:4D than reserves or youth team players. Men who had represented their country had lower ratios than those who had not, and there was a significant (one-tailed) negative association between 2D:4D and number of international appearances after the effect of country was removed. We suggest that prenatal and adult testosterone promotes the development and maintenance of traits which are useful in sports and athletics disciplines and in male:male fighting.

Quelle: Second to fourth digit ratio and male ability in sport: implications for sexual selection in humans

In seinem Buch „The Finger Book“ geht er hierauf auch sehr lange ein, weil es einer der Beispiele ist, an denen er bestimmte Punkte erläutern will. Er hat diverse Messungen näher dargestellt, die auch noch einmal auf der Seite Handresearch wiedergegeben sind:

Manning published in his books detailed reports about sample of amateurs & professionals from England, including: 304 professional players (e.g. from the Premier Division clubs: ‚Liverpool‘ and ‚Coventry City‘), and 99 players from Brazil (e.g. First Division club: ‚Sport Club Internacional‘).

The results of Manning’s reports on football players should be seen in the perspective that populations from England are known for having a relative high average digit ratio: 0.98 for males, and 1.00 for females.

A few of the reported digit ratio facts:

ENGLAND:

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in football amateurs (N=533) = 0.98;

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in football professionals (N=267) = 0.95;

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in football internationals (N=37) = 0.94;

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in black football professionals (N=13) = 0.93;

BRAZIL:

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in football professionals (N=99) = 0.93;

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in first team professionals (N=20) = 0.92;

Manning führt aus, dass man in jedem Land natürlich Personen haben kann, die eine sehr niedrige Digit Ratio haben. Aber um so niedriger die Digit Ratio im Schnitt ist, um so größer ist der Talentpool, der zur Verfügung steht, womit dann auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein Talent gefunden und genutzt werden kann (zu den unterschiedlichen Digit Ratios einige Völker (wie meist bei Artikeln zur Digit Ratio mit viel Kritik))

Es könnte auch daran liegen, dass Brasilien 5 Mal Weltmeister wurde (19581962197019942002) und England erst ein Mal (1966) (und da natürlich zu unrecht).

Räumliches Sehen: Lernen oder Kalibrieren

Ein Spiegelartikel, der wahrscheinlich von Genderfeministen, noch einige Male zitiert werden wird als Beleg dafür, dass räumliches Sehen nicht angeboren ist und daher auch ein Unterschied zwischen Männern und Frauen im Bereich „räumliches Denken“ nicht angeboren sein kann:
 Wie aber entwickelt sich diese Fähigkeit? Ist sie vielleicht angeboren? Ungarische Forscher bezweifeln dies. Sie glauben, dass Babys das räumliche Sehen vielmehr nach und nach erlernen. Frühgeborene könnten innerhalb einer vergleichbaren Zeitspanne nach der Geburt beidäugig sehen wie zum normalen Zeitpunkt geborene Babys, schreiben ungarische Forscher in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.
Beides hat natürlich erst einmal wenig miteinander zu tun. Es ist ein Unterschied, ob wir überhaupt kein räumliches Sehen haben oder unser Sehvermögen anhand der Umwelt kalibrieren. Letzteres ist geradezu bei gewachsenen Wesen zu erwarten.
Der Mensch enthält eben keine Baupläne mit Längenmaßen und Queerschnittszeichnungen, sondern einen Wachstumsplan. Das Wachsen des Auges, des Körpers, des dazu passenden Gehirns, ist ein langsamer Vorgang, der natürlich auch von Versorgung und vielen anderen Umweltfaktoren abhängt. Zudem sind viele Gene an diesem Wachstum beteiligt und das Auge ein Gesamtprodukt. Es gibt letztendlich keinen Bauleiter, der Nachbesserungen vornimmt oder den Gesamtplan überwacht. Die Unterschiedlichen Abschnitte der Wachstumspläne werden dabei auch noch evtl von verschiedenen Persoen erstellt und ihr Zusammenspiel ist keineswegs sicher.
Vieles am menschlichen Auge ist „schlecht designet“, weil es eben ein Produkt langsamer stettig vorteilhafter Schritte ist, die nicht auf ein Endziel gerichtet sind.
Kein Wunder, dass bei einem Präzisionsinstrument wie dem Auge nach der „Erstinbetriebnahme“ zunächst eine Kalibrierung erfolgt, die die Richtwerte für dieses konkrete, insofern recht individuelle Augenpaar ermittelt.
Das ist – ähnlich wie bei der Sprache  – ohne eine bereits vorhandene „Software“, die dieses Aufgabe übernimmt, quasi nicht möglich. Wenn wir ein „Blank Slate“ hätten, dann müßte die Funktionsweise des Auges und das Zusammenspiel sowie die Berechnung der dreidimensionalen Bilder ad hoc, im Gehirn des Säuglings geschrieben werden und das jedes Mal.
Und natürlich kann auch dann, wenn eine solche Kalibriernung stattfindet, die weitere Ausstattung oder die zugewiesene Rechnerleistung unterschiedlich sein. Eine Kalibrierung muss stattfinden, ob man dahinter einen „+10 Rechner für räumliches Denken“ oder einen „+5 Rechner für räumliches Denken“ hat.
Ich bin mal gespannt, wann mir diese Forschung das erste Mal vorgehalten wird bzw. sie anderweitig als Beleg verwendet wird.

Coedukation oder Trennung des Unterrichts nach Geschlechtern?

In letzter Zeit ist die Aufhebung der Coeduktion von Jungs und Mädchen wieder häufiger ins Gespräch gekommen.

Hier ein paar Gedanken dazu:

  • Wenn Jungs und Mädchen verschiedene Fertigkeitsausprägungen haben und sich zudem auch unterschiedlich schnell entwickeln (Jungs eher etwas später als Mädchen), dann liegt der Gedanke nahe, dass man sie besser getrennt unterrichtet.
  • Die Gefahr dabei ist in einem Essentialismus abzugleiten, bei dem vergessen wird, dass es den Mann und die Frau nicht gibt. Sehr weibliche Jungs oder sehr männliche Frauen hätten dementsprechend Nachteile in diesem System, gerade wenn man Unterrichtssysteme starr und ausschließlich auf ein Geschlecht ausrichten würde.
  • Der Vorteil wäre, dass gerade die Leistungsstarken (m/w) evtl. besser gefördert werden können.
  • zu umgehen wäre dies über „Lerntypklassen“, die man einrichtet, was aber schwer zu bestimmen sein wird.
  • Es stellt sich zudem die Frage, wie man eine vernünftige Vergleichbarkeit erreichen will. Es könnten zwar von beiden gleiche Klausuren geschrieben werden wie bisher, was dann aber aufgrund unterschiedelicher Lerntempos und unterschiedlicher Lehrer schnell ungerecht sein kann. Verschiedene Klausuren hingegen werden schnell Ungerechtigkeit produzieren. Von der Mädchenmatheprüfung, die besonders leicht ist (was dann als sexistisch gegenüber den Jungs gewertet wird, weil diese sich mehr anstrengen müssen und sexistisch gegenüber den Mädchen weil diese nicht auf spätere schwerere Prüfungen vorbereitet werden) bis zu anderen sexistischen Gestaltung sind einem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet.
  • bei einer rein getrennten Unterrichtung, also Jungenschulen und Mädchenschulen, geht meiner Meinung nach ein wichtiger Sozialisierungseffekt verloren. Man weiß dann noch weniger über das andere Geschlecht und dessen Reaktionen und hat es demnach später noch schwieriger mit dem Geschlecht vernünftig zu kommunizieren.
  • andererseits könnte man natürlich auch argumentieren, dass beide Geschlechter dann etwas Ruhe voreinander haben und sich unabhängig voneinander entwickeln können. Ganz feministisch könnte man sagen, dass die Frauen sich fernab aller Vorurteile, frei des patriarchalischen Einflusses der Jungs/männlicher Lehrer besser entfalten

„Der Feminismus hat ein Problem mit der Freiwilligkeit der angeblich Unterdrückten“

In der Zeit findet sich ein Artikel zum Feminismus im Netz. Einige Passagen finde ich ganz interessant:

Der jüngere Feminismus hat mit größter Selbstverständlichkeit den spröden Katechismus der Gender Studies übernommen: das »Geschlecht« sei eine rein soziologische Konstruktion, die dem Machterhalt des heterosexuellen weißen »Mannes« über »Frauen« und »alle anderen Gender« diene. Damit hat er leider die Sprachlosigkeit und Verleugnungverlängert, an der schon die Frauenbewegung der sechziger Jahre krankte: dass man für das, was Frauen wirklich anders macht – das Mutter-sein-Können – keine eigenen Worte findet, außer eben solche der Abwehr. Hoch im Kurs stehen die Bücher der Soziologin Barbara Vinken, die vor den finsteren Traditionen der »deutschen Mutter« warnt, und die der französischen Philosophin Élisabeth Badinter, die fürchtet, Frauen sollten zurück an den Herd, diesmal im Namen des Kindes, nicht des Mannes.

Es ist natürlich nicht nur die Mutterfrage, die Frauen anders macht. Aber diese ist ein Anfang. Mir scheint auch als habe der moderne Feminismus dazu keine wirklich Theorie parat. Denn Muttersein, dass ist eben auch etwas sehr heteronormatives und kann gleichzeitig die Geschlechterrollen zementieren, wenn man dem nicht entgegen arbeitet. Um so ernster man die Mutterrolle nimmt um so eher läuft man Gefahr sich im Genderfeminismus entschuldigen zu müssen.

Der Feminismus hat, wie die Studentenbewegung, aus der er hervorging, ein Problem mit der Freiwilligkeit der angeblich Unterdrückten. Wenn selbst ernannte Arbeiterführer erklären sollten, warum die Arbeiter Jahr für Jahr Parteien wählten, die angeblich ihren Interessen zuwiderhandelten, mussten sie immer die Manipulation durch die Medien ins Feld führen. Im Fall der Frauen heißt es nun: Sie kennen eben immer noch nicht ihre wahren Wünsche; oder, wie es Barbara Vinken kürzlich ausdrückte: »Wir müssen auch die mit den Strähnchen erwischen.«

Die Freiwilligkeit der angeblich Unterdrückten ist in der Tat eines der größten Probleme des Feminismus. Es folgt direkt aus dem oben angeführtem Dogma, dass die Zustände auf Unterdrückung beruhen und beruhen müssen. Das Frauen selbst Vorteile in dem gegenwärtigen System sehen kann nicht sein. Sie müssen eben unterdrückt sein, von der hegemonialen Männlichkeit und dem Patriarchat.

Wenn man dieses Dogma einmal kritisch hinterfragen würde, würde es schon viel helfen.

Wer die Melancholie abschütteln möchte, die einen aus feministischen Texten der Gegenwart anweht, der werfe einen Blick in das Blog Mädchenmannschaft. (…) Durch die Zeilen scheint auch auf, dass Feminismus heute für manche Leute etwas ist, das früher Anarchismus hieß: eine Art herrschaftsfreier Raum. Auch Herren haben Zutritt.

Allerdings natürlich nur, solange sie zustimmen. Denn Widerspruch und andere Meinung mag man bei der Mädchenmannschaft nicht. Der Zutritt ist also weitaus eingeschränkter als es die Autorin hier darstellt. Es ist kein herrschaftsfreier Raum, sondern ein feministischer „Schutzraum“, in den nichts böses eindringen darf.

Welche theoretischen Grundlagen sind in die feministischen Theorien eingeflossen und wie?

In den Kommentaren hier kommen immer wieder Bezüge zu anderen philosophischen oder theoretischen Theorien, auf die die feministischen Theorien aufbauen sollen.

Zur hegemonialen Männlichkeit wurde beispielsweise von Leser Itsme auf folgendes verwiesen:

„Der Begriff ist eine ziemliche Verflachung von Gramscis Hegemonietheorie.“

Bei Judith Butler wurde ein verflachter Hegel oder ein verflachter Fichte ins Spiel gebracht:

Robert Michel: 

Ist Butler also eine Art verflacher Hegel?

El Mocho:

Ich würde sagen ein verflachter Fichte. Wenn das Subjekt (durch Diskurse) die Welt hervorbringt, ist man eigentlich wieder beim Absoluten Ich, das sich selbst mitsamt der Welt in einer Tathandlung als seiend setzt.

Bei vielen feministischen Autoren sind Bezüge zu Nitsche und Freud vorhanden, vgl etwa:

Bei letzterer zeigen sich auch Bezugnahmen auch Louis Althusser.

Mich würde interessieren, welche Bezugnahmen ihr noch seht und wie sich diese mit den ursprünglichen Theorien deckt oder diese verflacht, ausbaut oder weiterentwickelt.

EM 2012: Deutschland vs. Dänemark

Gegen Dänemark sollte eigentlich ein 2:0 möglich sein. Ich vermute, dass Löw noch einige Spieler, die bisher noch nicht zum Zug gekommen sind, einsetzen wird, und das bringt natürlich immer eine gewisse Unbestimmtheit hinein.

Mal sehen, wie sie sich machen.

Theoretisch kann Deutschland noch in der Vorrunde ausscheiden, die Chancen sind aber sehr gering.  Das sollte einen aber nicht dazu verleiten, dass Spiel nicht mehr ernst zu nehmen und gerade deswegen die geringe Chance noch eintreten zu lassen.

Vielleicht ist es insofern gar nicht schlecht, Spieler zu bringen, die sich in dem Spiel beweisen wollen, um sich für zukünftige Spiele zu empfehlen.

Wenn sie es schaffen, dann ist der nächste Gegner vermutlich Griechenland, dass einen Sieg im Fußball innenpolitisch sicherlich gut brauchen kann. Es wird interessant, ob die Wahlen durch den Sieg noch beeinflusst werden, in welche Richtung auch immer.

Die Evolution des Sports: Warum Männer sich mehr für Sport interessieren als Frauen

Ein interessanter Artikel stellt Theorien zur evolutionären Entwicklung von Sport dar:

Sports have received little attention from evolutionary biologists. I argue that sport began as a way for men to develop the skills needed in primitive hunting and warfare, then developed to act primarily as a lek where athletes display and male spectators evaluate the qualities of potential allies and rivals. This hypothesis predicts that (1) the most popular modern male sports require the skills needed for success in male-male physical competition and primitive hunting and warfare; (2) champion male athletes obtain high status and thereby reproductive opportunities in ways that parallel those gained by successful primitive hunters and warriors; (3) men pay closer attention than do women to male sports so they can evaluate potential allies and rivals; and (4) male sports became culturally more important when opportunities to evaluate potential allies and rivals declined as both the survival importance of hunting and the proportion of men who experience combat decreased. The characteristics of primitive and modern sports are more consistent with these predictions than those generated by intersexual sexual selection theories of sport.

Quelle: On the evolution of sport (Volltext, PDF)

Hier ein Auszug dazu, warum eher mehr Männer als Frauen am Sport interessiert sind:

Sports originally provided males with important, but relatively low-cost, opportunities to (1) develop the physical skills (e.g., agility, endurance, eye-hand co-ordination, speed, strength) and behaviors (e.g., context appropriate aggressiveness, competitiveness, and cooperativeness) required for success during male-male competition and as hunters and warriors, and (2) evaluate the physical abilities and behavioral tendencies of potential allies and rivals so as to adaptively interact with them during future encounters.

Men have historically encouraged boys to play sports as a way to teach them the physical skills necessary for primitive hunting and warfare and inculcate in them the behaviors needed for group success (e.g., Ashe, 1988; Carroll, 2000; Cartledge, 2003; Guttmann, 2004a, 2004b). These traits would also benefit them during physical contests over resources and mates. Athletic success also likely provided ancestral men with increased reproductive success through increased status in ways that parallel the increased status frequently obtained by “champion” hunters and warriors among modern hunter-gatherers and athletes throughout recorded history. Both intrasexual and intersexual sexual selection act synergistically, affecting the evolution of sport. Traits that lead to athletic success can become preferred by women during mate choice because they are honest indicators of mate quality (Zahavi, 1975; Puts, 2010). However, male traits associated with competing at and watching sports appear to be better designed for success at male-male competition than for attracting mates (cf. Puts, 2010).

I hypothesize that sport evolved to function like a non-human mating display lek (e.g., sage grouse, Centrocercus urophasianus), but with an important difference. In typical mating display leks, males congregate in areas that do not contain resources used by breeding females and perform courtship displays observed by females that either directly choose with whom they will mate, or copy the mate choice of others (Höglund and Alatalo, 1995). I hypothesize that athletic contests function as “leks” where male physical prowess and the behaviors important in conflict and cooperation are displayed by athletes and evaluated primarily by male, not female, spectators. Male spectators can inexpensively learn the qualities of potential allies and rivals without having to pay the costs of direct competition. Moreover, athletic contests are like mating display leks that evolved via female preference. Females in lekking species prefer leks with large groups of males allowing them to quickly, relatively safely, and at low cost simultaneously evaluate the qualities of many potential mates (Höglund and Alatalo, 1995). In a similar way, the preferences of male spectators have driven the evolution of sport. Male preferences have determined contest rules, the scheduling of contests, and the physical and mental attributes showcased by different sports (e.g., Guttmann, 2004b; Miller, 2000) so that male spectators can quickly, relatively safely, and at low cost evaluate the qualities of potential allies and rivals. According to the male spectator lek hypothesis, the primary force in the evolution of sport was intrasexual selection driven by the (1) demands of male-male physical competition and (2) need for men to be able to evaluate the quality of potential allies and rivals.

Es klingt für mich nach einer brauchbaren These. Danach wäre Sport etwas, was Männern Informationen über deren Fähigkeiten gibt. Sport wäre demnach hauptsächlich als Wettbewerb unter Männern entstanden, mit dem sie dessen Eigenschaften innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz einschätzen konnten. Dabei mag der Wettbewerb auch dazu gedient haben bei einem Aufeinandertreffen von Gruppen durch den Wettbewerb einiger Ausschluss über die Gruppe zu bekommen. Dies wäre dann, weil die Männer eher die Kämpfe untereinander ausgetragen haben, für die Männer interessant, während es für Frauen eher nur auf Partnerwahlkriterien ankam, die anders ausgestaltet sein können und bei denen Status eine höhere Bedeutung haben konnte als eine Betrachtung des gesamten Wettbewerbs.

Noch kurz zu den Vermutungen der These:

This hypothesis predicts that

(1) the most popular modern male sports require the skills needed for success in male-male physical competition and primitive hunting and warfare

Fußball erfordert eine hohe Fitness und insbesondere räumliches Denken und die Einschätzung von Flugbahnen. Was bei einem Kampf mit Wurfgeschossen, die man gezielt einsetzen und denen man ausweichen ist, wichtig ist.

Basketball verlangt ebenfalls ein hohes räumliches Denken. Bei American Football wird der Kampfaspekt auch sehr deutlich.

Insgesamt wird das räumliche Denken bei allen Ballsportarten abgefragt, meist zusätzlich zu einer Ausdauer und direkter Kraft in dem jeweiligen Bereich

(2) champion male athletes obtain high status and thereby reproductive opportunities in ways that parallel those gained by successful primitive hunters and warriors

Das Sportstars hohen Status haben und für viele Frauen attraktiv sind, ist recht offensichtlich.

Nur zur Untermalung mal ein paar „Spielerfrauen“ der aktuellen EM:

Lena Gercke (Sam Khedira)

Lena Gercke (Sam Khedira)

Irina Shayk (Christiano Ronaldo)

Irina Shayk (Christiano Ronaldo)

Silvia Meichel (Mario Gomez)

Silvia Meichel (Mario Gomez)

Anderer sehr hübsche Sportlerfrauen oder Freundinnen oder Groupies lassen sich in rauen Mengen finden. Dass viele Männer Sportlern ebenfalls einen hohen Status zuweisen braucht auch eigentlich keine weitere Erläuterung.

(3) men pay closer attention than do women to male sports so they can evaluate potential allies and rivals

Das Männer im Schnitt, von Großereignissen wie der EM oder der WM, mehr an Sport interessiert sind, erscheint mir auch eine leicht zu machende Feststellung zu sein.

Das sie dabei Verbündete und Rivalen begutachten wäre dann eine andere Frage. Männer stellen ja meist keinen Vergleich zwischen sich und den Sportlern an, sondern ordnen sich eher einer Gruppe zu. Innerhalb dieser werden die Stärken des eigenen Teams und die Stärken der Rivalen aber aufmerksam beobachtet und genau begutachtet. Zudem wird durch Fankleidung etc. Gruppenzugehörigkeit ausgedrückt. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist ja innerhalb sozialer, intelligenter Wesen überaus wichtig, da die Gruppe dem Einzelwesen immer überlegen sein kann (zur Gruppenbildung bei Männern). Ähnliches hatte ich auch schon mal bei einer Betrachtung zu Sport und Konkurrenzkampf ausgeführt.

(4) male sports became culturally more important when opportunities to evaluate potential allies and rivals declined as both the survival importance of hunting and the proportion of men who experience combat decreased.

Auch das erscheint mir durchaus stimmig. Wenn die Möglichkeiten zu einer direkten Auseinandersetzung innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz sinken, dann werden Ersatzformen attraktiver und dann kulturell deutlicher ausgestaltet.

Fördern Männer Männer und Frauen Frauen?

Leser „Bombe20“ behandelt in einem Kommentar die Frage, ob Frauen Frauen fördern und Männer Männer:

Die Patriarchatstherorie der Feministinnen entsteht nicht zuletzt daraus, daß sie ihr eigenes Denken und Fühlen, ihre automatische In-Group-Preference für Frauen, auch den Männern unterstellen – “Wenn ich an der Macht wäre, würde ich Frauen bevorzugen, also tun Männer das auch”. Nur haben Männer (soweit ich Adrian verstehe, muß ich die Einschränkung machen: heterosexuelle Männer) im allgemeinen eben kein Gefühl der Gruppenidentität als Männer (sondern umgekehrt kein Problem damit, sich niederrangigerer Geschlechtsgenossen oder Konkurrenten zu entledigen und Männerrechtler als “Jammerlappen” zu verspotten) und würden vieles tun, um Frauen zu gefallen.

Immerhin wurden alle Gesetze, die Frauen besser stellen (als vorher oder als Männer), von vorwiegend männlichen Regierungen oder Parlamenten beschlossen. Insofern könnte man sich durchaus vorstellen, daß eine Gesellschaft, die Frauen sozial wie juristisch durchgehend privilegiert (sozial vielleicht außerhalb von kleinen Katharsis-Reservaten wie Stammtischen) durchaus von Männern und wenigen aber lauten Frauen herbeigeführt wird, nicht trotz, sondern wegen der gegenseitigen evolutionären Formung der Geschlechter.

Das finde ich interessant, weil es anscheinend in der Tat eine der Grundannahmen ist, die auch der „Patriarchatstheorie“ oder der „Hegemonialen Männlichkeit“ zugrundezuliegen scheint.

Mal ein paar Überlegungen dazu:

1. Der dahinterstehende Gedanke ist wohl, dass er, wenn er andere Männer fördert, zugleich sich selbst fördert, weil er ja ein Mann ist. Dies muss aber keineswegs der Fall sein. Denn er fördert letztendlich immer seine eigene Konkurrenz damit. Es kann wesentlich günstiger sein, Frauen zu fördern, wenn diese die schwächere Konkurrenz darstellen

2. Ein Unternehmer hat kein Interesse daran, Männer zu fördern, wenn er mit Frauen mehr Geld verdienen oder Geld sparen kann. Denn diese Männerförderung kostet ihn zunächst erst einmal einen Vorteil, den er benutzen könnte, um sich selbst zu fördern.

3. Eine Frauenförderung ist auch dann attraktiv, wenn diese in der Position sind, mehr Gewinn zu bringen. Politiker, die in gleichen, geheimen Wahlen gewählt werden, kann es also mehr bringen, auf die Interessen seiner weiblichen Wähler einzugehen, damit diese ihm wählen. Warum ein Politiker hier Männerinteressen besonders beachten sollte, wenn ihm dies nicht gesonderte Vorteile bringt, ist mir nicht verständlich

4. Die Lagertheorie krankt daran, dass wir alle „Kinder beider Lager sind“ und häufig enge Bezugspersonen im anderen Lager haben. Männer haben ein Interesse daran, ihre Frauen, Töchter, Gebliebte oder auch nur Frauen, mit denen sie schlafen wollen oder Frauen, von denen sie sich sonstige Vorteile versprechen zu fördern.

5. Ein Fördern über eine unbestimmte Gruppe wie das Geschlecht bringt erst einmal wenig. Effektiver ist es, Personen zu fördern, die einem selbst etwas bringen. Das kann das eigene Geschlecht sein, aber eben auch nicht. Wenn mehr Männerinteressen gefördert werden, dann wäre die Frage, was Männer tun, um gefördert zu werden und was Frauen gegebenfalls machen müssen, damit Männer das Gefühl haben, dass sich ihre Förderung lohnt.

Partisanen Feminismus, das männerschädigende Borg- Patriarchat und die ewige Schuldfrage

Anlässlich eines Interviews mit David Benatar, dem Autor von „The Second Sexism“ gibt es einige interessante Artikel zu der Frage, wer Schuld an diversen Mißständen ist, das Patriarchat, das Matriarchat oder wer auch immer. Anlass sind Passagen im Interview wie diese:

What’s your take on feminism?

That’s another topic that I discuss in some detail in the book. I don’t think that there is just one feminism. One form of feminism – what I call “egalitarian feminism” – is interested in equality of the sexes, and its adherents will oppose sex discrimination irrespective of whether the victims are male or female. This stands in contrast to another form of feminism – what I call “partisan feminism” – which is interested only in advancing the position of women and girls irrespective of whether they are better or worse off than males in a particular way. I endorse the first kind of feminism but not the second. Sometimes people profess egalitarian feminism when they are in fact partisan feminists. How particular feminists respond to evidence of the second sexism will provide an insight into whether they really are egalitarian feminists.

Und in einer weiteren Besprechung seines Buches:

Benatar believes this is a false distinction – and that our ignorance of the „second sexism“ stems from what he terms „partisan feminists“, who are interested only in the advancement of women’s rights, rather than true equality and co-operation between the sexes. „It is true that women occupy fewer of the highest and most powerful positions,“ he writes, „but this also does not show that women are in general worse off. To make the claim that women are worse off, one must compare all women with all men, rather than only the most successful women with the most successful men. Otherwise, one could as easily compare the least successful men with the least successful women and one would then find that men are worse off.“

Melissa McEwan von Shaekesville poltert dazu:

Men like Benatar shake their fists and aim their rhetorical arrows at feminists, because they don’t want to hold other men accountable. Thus do they effectively mask the real sexism that is directed at men—the Patriarchal narratives that continue to encourage displays and expressions of a „traditional masculinity“ (and the systemic misrepresentation of that construction as evolutionary imperative to discourage alternative displays and expressions) which are increasingly at odds with modern culture.

It is the same gossamer promise that holds poor Republican voters in thrall—the lie of the American Dream that they could be wealthy and powerful someday—writ just for men: The Patriarchal Promise that every man could be an Alpha Male, a man of influence, a man in charge. Just follow the prescriptions of the Patriarchy and you, too, could be Somebody! (…)

The world is changing, but the Patriarchy isn’t. This is putting men who most buy into what the Patriarchy tells them they should be at the greatest disadvantage in almost every professional and personal situation.

That’s the sexism that most stands to hurt men. And it ain’t women who are the primary gatekeepers of that bullshit. It’s other men.

 Es ist also der Patriarchismus, der Männern sagt, wie sie sich zu Verhalten haben und Frauen haben damit nichts zu tun. Meiner Meinung wird dabei mal wieder vernachlässigt, wie eng Männer und Frauen miteinander verbunden sind und wie sehr sie ihr Verhalten gegenseitig beeinflussen und insbesondere durch jeweilige sexuelle Selektion beeinflusst haben und das eben auch auf einer genetisch-biologischen Ebene. Die beste Erklärung für einen starken Wettbewerb zwischen Männern, wie McEwan ihn hier darstellt, ist nicht etwa eine nebulöse Weltverschwörung der Männer.  Es ist eher anzunehmen, dass es ein Produkt der intrasexuellen und intersexuellen Selektion der Männer ist, die sich mit Frauen fortpflanzen wollten. Und genau dieser Einfluss von Frauen, die eben lieber einen gut aufgestellten Statusmann haben wollen, als einen, der sich aus dem Weltbewerb ausklingt und Hausmann werden will, wird eben unterschätzt.

Unsere Biologie kann die Rolle einer „Weltverschwörung“ der Männer (oder auf der anderen Seite der Frauen) viel besser spielen, weil so tatsächlich ein verbindendes Element besteht und der Verschwörungscharakter herausgenommen werden kann.

Und bei Feministing stößt man ins gleiche Horn:

Dudebros: When you’re a proud member of a class that has been dominant for millennia, and occasionally you find yourself not on top, that’s not oppression–that’s backfiring. It’s a side effect. No system is perfect. When you create and enforce a system of gender roles in which “real men” are strong, fearless, stoic, and violent; and “real women” are delicate, emotional, compassionate, and nurturing; you will occasionally find yourself held to those same standards. When you establish combat and money-earning as “men’s work” and childrearing and caregiving as “women’s work,” you will occasionally find yourself stuffed into an assigned role. Even when they aren’t your standards or your preferred roles, per se–when you personally want to diverge from them and are being punished for it–it’s still your system, your patriarchy, and you’re still soaking in its benefits.

And while I know I might come across as unsympathetic here, sincerely I’m not. I’m right there with you. If you want to know how damaging it can be to function under a patriarchy, ask a woman–or, for that matter, a gender-nonconforming man who probably did try to tell you about it until it became apparent that society was okay with you punching him.

Beim Patriarchat ist also nur was schief gegangen und DIE MÄNNER sind dafür verantwortlich, denn es ist ihr System. Bei Feministcrititics haben sie dafür den schönen Begriff „all men are Borgs„, den ich schon einmal in dem Artikel zum gynozentrischen Feminismus besprochen hatte. Wie genau dieser Borg-Patriarchismus aufrecht erhalten und errichtet wird, darauf geht man in den Artikeln gar nicht ein, es ist eben einfach so, dass es ein Patriarchat sein muss. Es gibt keine Mitverantwortung von Frauen für die Gesellschaft, in der Männer und Frauen leben, alles ist von Männern bestimmt.

Insoweit also nichts neues.

Ich halte auch die Gegenmeinung nicht für richtig, dass wir inzwischen in einem Matriarchat bzw. Feminat leben.  Beide Theorien bedenken die Verbundenheit der Geschlechter und die gegenseitige Verantwortung, die daraus folgt nicht.

Vielleicht muss der richtige Weg einfach sein, sich diese gegenseitige Verantwortung bewusst zu machen, von der Vorliebe der Frauen zu Hypergamy und Status bis zur aus intrasexuellen Konkurrenz entstanden Vorliebe von Männern für Status und Wettbewerb. Es erscheint mir der geeignetere Weg als Verschwörungstheorien zu entwickeln.

Feministische Standpunkttheorie

Wikipedia hat dazu das Folgende:

Eine Standpunkt-Theorie behauptet eine Abhängigkeit der Erkenntnisgewinnung von der Position innerhalb gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse. Sie sagt aus, dass es bessere und schlechtere Standpunkte gebe, von denen aus die Welt betrachtet und interpretiert werden könne. Tendenziell sei der Blickwinkel einer dominierten Gruppe für eine objektive Wahrnehmung besser geeignet als die Perspektive vom Standpunkt einer herrschenden Gruppe.

Der Begriff Standpunkttheorie wurde erst in der Postmoderne in der akademischen Diskussion geprägt. Besonders häufig kam der Terminus als Feministische Standpunkttheorie vor, wurde aber auch auf andere Ansätze erweitert. Vertreter verschiedener feministischer und marxistischer Theorien verwenden selbst den Begriff, während alle anderen Zuordnungen im Nachhinein vorgenommen werden; in den Systemen selbst kommt der Ausdruck nicht vor.

Und weiter:

Die feministischen Standpunkttheorien kritisieren androzentrische Weltanschauungen, in deren Zentrum Männer stehen, beziehungsweise Männlichkeiten als Maßstab und Norm verstanden werden. Darüber hinaus vertreten sie die Position, dass aufgrund des patriarchalen Herrschaftsverhältnisse Frauen einen objektiveren Zugang zur Welt hätten. Bekanntere feministische Theoretikerinnen der Standpunkttheorie sind Nancy Hartsock, Patricia Hill Collins, Sandra Harding und Dorothy Smith.

Sandra Harding unterscheidet die schwache Objektivität, welche lediglich vom Wissenschaftler und von der Wissenschaftlerin eine Objektivität verlangt, von der strengen Objektivität, welche sich dadurch auszeichne, dass Forscher und Forscherinnen den Standpunkt ihrer eigenen sozialen Gruppenzugehörigkeit in die wissenschaftliche Arbeit bewusst miteinbezögen. Die Forschung sollte bei den dominierten Gruppen beginnen. Harding fordert von Angehörigen dominanter Gruppen ein verräterisches Bewusstsein, womit die eigene Arroganz und Ignoranz gegenüber dominierten Gruppen beendet werden solle. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass die Menschen gleichzeitig verschiedenen Gemeinschaften angehörten und somit oftmals gleichzeitig dominierten und dominanten Gruppen zugehörig seien.

Donna Haraway teilt mit der feministischen Standpunkt-Theorie die Kritik an der scheinbaren Objektivität der (patriarchalen) Wissenschaft, die nicht die soziale Situiertheit von Wissen mitbedenke. Sie spricht in diesem Zusammenhang vom Gottes-Trick, da der Wissenschaftler so täte, als nähme er eine Position außerhalb des Forschungsobjektes ein, als sei sein Standpunkt erhaben und gottähnlich.