Coedukation oder Trennung des Unterrichts nach Geschlechtern?

In letzter Zeit ist die Aufhebung der Coeduktion von Jungs und Mädchen wieder häufiger ins Gespräch gekommen.

Hier ein paar Gedanken dazu:

  • Wenn Jungs und Mädchen verschiedene Fertigkeitsausprägungen haben und sich zudem auch unterschiedlich schnell entwickeln (Jungs eher etwas später als Mädchen), dann liegt der Gedanke nahe, dass man sie besser getrennt unterrichtet.
  • Die Gefahr dabei ist in einem Essentialismus abzugleiten, bei dem vergessen wird, dass es den Mann und die Frau nicht gibt. Sehr weibliche Jungs oder sehr männliche Frauen hätten dementsprechend Nachteile in diesem System, gerade wenn man Unterrichtssysteme starr und ausschließlich auf ein Geschlecht ausrichten würde.
  • Der Vorteil wäre, dass gerade die Leistungsstarken (m/w) evtl. besser gefördert werden können.
  • zu umgehen wäre dies über „Lerntypklassen“, die man einrichtet, was aber schwer zu bestimmen sein wird.
  • Es stellt sich zudem die Frage, wie man eine vernünftige Vergleichbarkeit erreichen will. Es könnten zwar von beiden gleiche Klausuren geschrieben werden wie bisher, was dann aber aufgrund unterschiedelicher Lerntempos und unterschiedlicher Lehrer schnell ungerecht sein kann. Verschiedene Klausuren hingegen werden schnell Ungerechtigkeit produzieren. Von der Mädchenmatheprüfung, die besonders leicht ist (was dann als sexistisch gegenüber den Jungs gewertet wird, weil diese sich mehr anstrengen müssen und sexistisch gegenüber den Mädchen weil diese nicht auf spätere schwerere Prüfungen vorbereitet werden) bis zu anderen sexistischen Gestaltung sind einem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet.
  • bei einer rein getrennten Unterrichtung, also Jungenschulen und Mädchenschulen, geht meiner Meinung nach ein wichtiger Sozialisierungseffekt verloren. Man weiß dann noch weniger über das andere Geschlecht und dessen Reaktionen und hat es demnach später noch schwieriger mit dem Geschlecht vernünftig zu kommunizieren.
  • andererseits könnte man natürlich auch argumentieren, dass beide Geschlechter dann etwas Ruhe voreinander haben und sich unabhängig voneinander entwickeln können. Ganz feministisch könnte man sagen, dass die Frauen sich fernab aller Vorurteile, frei des patriarchalischen Einflusses der Jungs/männlicher Lehrer besser entfalten