Fördern Männer Männer und Frauen Frauen?

Leser „Bombe20“ behandelt in einem Kommentar die Frage, ob Frauen Frauen fördern und Männer Männer:

Die Patriarchatstherorie der Feministinnen entsteht nicht zuletzt daraus, daß sie ihr eigenes Denken und Fühlen, ihre automatische In-Group-Preference für Frauen, auch den Männern unterstellen – “Wenn ich an der Macht wäre, würde ich Frauen bevorzugen, also tun Männer das auch”. Nur haben Männer (soweit ich Adrian verstehe, muß ich die Einschränkung machen: heterosexuelle Männer) im allgemeinen eben kein Gefühl der Gruppenidentität als Männer (sondern umgekehrt kein Problem damit, sich niederrangigerer Geschlechtsgenossen oder Konkurrenten zu entledigen und Männerrechtler als “Jammerlappen” zu verspotten) und würden vieles tun, um Frauen zu gefallen.

Immerhin wurden alle Gesetze, die Frauen besser stellen (als vorher oder als Männer), von vorwiegend männlichen Regierungen oder Parlamenten beschlossen. Insofern könnte man sich durchaus vorstellen, daß eine Gesellschaft, die Frauen sozial wie juristisch durchgehend privilegiert (sozial vielleicht außerhalb von kleinen Katharsis-Reservaten wie Stammtischen) durchaus von Männern und wenigen aber lauten Frauen herbeigeführt wird, nicht trotz, sondern wegen der gegenseitigen evolutionären Formung der Geschlechter.

Das finde ich interessant, weil es anscheinend in der Tat eine der Grundannahmen ist, die auch der „Patriarchatstheorie“ oder der „Hegemonialen Männlichkeit“ zugrundezuliegen scheint.

Mal ein paar Überlegungen dazu:

1. Der dahinterstehende Gedanke ist wohl, dass er, wenn er andere Männer fördert, zugleich sich selbst fördert, weil er ja ein Mann ist. Dies muss aber keineswegs der Fall sein. Denn er fördert letztendlich immer seine eigene Konkurrenz damit. Es kann wesentlich günstiger sein, Frauen zu fördern, wenn diese die schwächere Konkurrenz darstellen

2. Ein Unternehmer hat kein Interesse daran, Männer zu fördern, wenn er mit Frauen mehr Geld verdienen oder Geld sparen kann. Denn diese Männerförderung kostet ihn zunächst erst einmal einen Vorteil, den er benutzen könnte, um sich selbst zu fördern.

3. Eine Frauenförderung ist auch dann attraktiv, wenn diese in der Position sind, mehr Gewinn zu bringen. Politiker, die in gleichen, geheimen Wahlen gewählt werden, kann es also mehr bringen, auf die Interessen seiner weiblichen Wähler einzugehen, damit diese ihm wählen. Warum ein Politiker hier Männerinteressen besonders beachten sollte, wenn ihm dies nicht gesonderte Vorteile bringt, ist mir nicht verständlich

4. Die Lagertheorie krankt daran, dass wir alle „Kinder beider Lager sind“ und häufig enge Bezugspersonen im anderen Lager haben. Männer haben ein Interesse daran, ihre Frauen, Töchter, Gebliebte oder auch nur Frauen, mit denen sie schlafen wollen oder Frauen, von denen sie sich sonstige Vorteile versprechen zu fördern.

5. Ein Fördern über eine unbestimmte Gruppe wie das Geschlecht bringt erst einmal wenig. Effektiver ist es, Personen zu fördern, die einem selbst etwas bringen. Das kann das eigene Geschlecht sein, aber eben auch nicht. Wenn mehr Männerinteressen gefördert werden, dann wäre die Frage, was Männer tun, um gefördert zu werden und was Frauen gegebenfalls machen müssen, damit Männer das Gefühl haben, dass sich ihre Förderung lohnt.

31 Gedanken zu “Fördern Männer Männer und Frauen Frauen?

  1. Ja, man sollte diese Frage wieder einmal interdisziplinär zu beantworten versuchen: also

    – Biologische Faktoren
    – Psychologische Faktoren (hier gibt es übrigens viele verschiedene Ansätze wie Lernpsycholgie, Sozialpsychologie, Entwicklungspsychologie, Evolutionspsychologie, Kognitionspsychologie, Allgemeine Psychologie etc.)
    – Soziologische Faktoren (auch hier gibt viele, viele unterschiedliche Richtungen)

    Ein Ansatz, der der Frage nachgeht, weshalb Frauen in Führungspositionen untervertreten sind, ist wie folgt (er ist vor allem auf der Intrapersonalen- und Mikroebene angesiedelt – erklärt zwar etwa, erkärt aber z.B. nicht, wie nun genau diese Stereotypenbildung dominant ist):

    Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen die Befunde der vorangegangenen deutschen
    und nordamerikanischen Untersuchungen von Managergeschlechtsrollen und erweitern
    sie um die Differenzierung zwischen Männern und Frauen in Führungspositionen.
    Sie stützen damit die Validität des hier verwendeten Instruments und stehen in
    Übereinstimmung mit der Theorie der Rolleninkongruenz (Eagly/Karau 2002). Die
    Befunde bestätigen auch die Vermutung, dass die bisherigen Untersuchungen, die mit
    einem ähnlichen Ansatz arbeiteten, den signifikanten Zusammenhang zwischen Managerideal
    und dem Geschlecht der beurteilten Person übersehen haben.
    Die Bedeutung dieses Untersuchungsergebnisses für Selektionsroutinen in der
    Unternehmenspraxis liegt darin, dass sie einen doppelten Benachteiligungsmechanismus
    aufzeigen: Weibliche Bewerber für Führungspositionen und Nachwuchskräfte in
    der beruflichen Aufstiegsphase sind nicht nur damit konfrontiert, dass die Erwartungen
    an sie als Führungskräfte mit den gesellschaftlichen Stereotypen gegenüber Frauen
    im Allgemeinen im Widerspruch stehen. Die Erwartungen an sie, stereotyp männliche
    Verhaltensmuster zu zeigen, sind sogar noch höher als gegenüber ihren männlichen
    Mitbewerbern. Diese Befunde verdeutlichen, wie groß die Gefahr ist, dass Frauen in
    Selektionsentscheidungen benachteiligt werden, wenn diese auf Verfahren beruhen,
    die der Anwendung von Geschlechtsstereotypen großen Raum lassen. Daraus ergibt
    sich ein wesentlicher Aspekt bei der vergleichenden Evaluation von interviewgestützten
    Verfahren und den verschiedenen Varianten der Assessment Center Methode
    (Neubauer 1990). Je stärker der Entscheider fehlende Beobachtungen durch verallgemeinernde
    Überzeugungen ersetzt, umso größer ist die Tendenz zur Unterschätzung
    der Managementkompetenz weiblicher Bewerber.
    Auch wenn der Untersuchungszeitraum zwischen 1997 und 2002 viel kürzer ist
    als die zwischen 1975 und 2000 angesiedelten nordamerikanischen Studien von Schein
    et al. und Powell/Butterfield, scheint aufgrund der hier vorgelegten Daten die Frage
    berechtigt, ob die Periode des schrittweisen Rückgangs der Maskulinitätspräferenz,
    wie ihn beide nordamerikanische Datenreihen andeuten, inzwischen zum Ende gekommen
    ist und der Trend wieder in Richtung einer stärkeren Betonung männlicher
    Stereotypen umschlägt. In der Führungslehre scheint das maskuline Leitbild der dominant
    gestaltenden und charismatischen Führungspersönlichkeit das konkurrierende
    Leitbild der eher feminin typisierten, kooperativ-partnerschaftlich eingestellten Führungskraft
    der 80er Jahre inzwischen schrittweise in den Hintergrund gedrängt zu haben.
    Auch wenn zentrale Elemente eines charismatischen Führungsverständnisses
    (Bass/Avolio 1993), wie Inspiration oder geistige Anregung, weder unter den zehn
    männlichen noch den weiblichen Items vertreten sind, sind doch Ähnlichkeiten zu
    den männlichen Merkmalen zielorientiert, vorausschauend, selbstsicher oder überzeugend
    erkennbar.
    Wie ist die Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf die Selektionspraxis zu beurteilen?
    Mit ihrem Forschungsansatz bewegt sich die vorgestellte Studie im Rahmen
    der bislang dominierenden Befragungsforschung zur Bedeutung von Stereotypen in
    hypothetischen Beurteilungssituationen. Deshalb gelten für sie dieselben Einschränkungen
    in Bezug auf die ökologische Validität wie für die gesamte Forschungsrichtung.
    Die Ergebnisse sind aussagekräftig, wenn davon ausgegangen werden kann, dass
    es bei Selektionsentscheidungen eine Geschlechtswahrnehmung gibt und die Anforderungen
    an eine zu besetzende Position nicht durch vollständig beobachtbare Fähigkeitsmerkmale
    zu erfüllen sind: Die hier ermittelte Tendenz der unterschiedlichen
    Eignungsbeurteilung gegenüber Männern und Frauen tritt dann nicht auf, wenn den
    Beurteilenden das Geschlecht der Kandidaten nicht bekannt ist oder die Anforderungen
    der Stelle vollständig transparent und konsensfähig beobachtbar sind. Beides ist
    kaum realistisch, auch wenn mit zunehmendem Standardisierungsgrad der Selektionsprozeduren
    ein geringer Stereotypisierungseffekt zu erwarten ist. Dagegen ist die Zusammensetzung
    des Beurteilerkreises sowohl mit Männern und Frauen, wie sie Neubauer
    (1990) für das Assessment Center mit mehrdeutigem Befund ermittelt hat, nicht
    entscheidend.
    Von einem ‘idealen Manager’ wird nach wie vor erwartet, dass er vor allem stereotyp
    männliche Einstellungen und Verhaltensweisen zeigt, und von einer ‘idealen
    Managerin’ wird das noch mehr erwartet. Diese Erwartungen sind kulturell verankert
    und sie werden medial, über Inszenierungen von Management in Biographien erfolgreicher
    Führungskräfte, Presseberichterstattungen oder auch Cartoons (Sheridan 1994)
    reproduziert – und als Illustrationsmaterial ‘aus der realen Praxis’ auch in Forschung
    und Lehre vermittelt. Zumindest an diesem letzten Punkt könnte die betriebswirtschaftliche
    Aus- und Weiterbildung einen Beitrag zur gezielten Gegensteuerung leisten.
    http://www.hampp-verlag.de/Archiv/4_04_Gmuer.pdf

    • „Ein Ansatz, der der Frage nachgeht, weshalb Frauen in Führungspositionen untervertreten sind,“

      Immer wieder erstaunlich wie sich der Eindruck verfestigt hat, Frauen seien gerade in Führungspositionen untervertreten, weshlab gerade hier Abhilfe geschaffen werden müsse.

      Dagegen sind Frauen in vielen Berufsfeldern untervertreten, vor allem bei Jobs die anstrengend und gefährlich sind.

      • @Adrian

        Das Eine zu thematisieren, würde ja das Andere zu thematisieren, nicht ausschliessen! 🙂
        Es ist davon auszugehen, dass auch bei anstrengenden und gefährlichen Berufen der Stereotypen-Ansatz eine gewisse Erklärungskraft haben könnte.

      • „weshlab gerade hier [in Führungspositionen] Abhilfe geschaffen werden müsse..“
        Ich habe diese Frage mal an eine Feministin gestellt. Ihre Antwort war, dass man diese Frage nicht stelle, das gehöre nicht zum Thema. Als ich nachfragte, weil mich die Antwort doch etwas überraschte, wurde sie sauer und eine Diskussion erübrigte sich.

        Insofern kann ich zweierlei schließen: Erstens, Frauen gehören in Führungspositionen, weil sie in Führungspositionen gehören. Zweitens, sie gehören nicht in andere Positionen, weil sie nicht in andere Positionen gehören.

        Merk ’s dir, dann stellst du solche Fragen nicht mehr.

      • @Haselnuss

        Man kann gut einmal eine Liste aufstellen von anstrengenden und gefährlichen Berufen, die der Durchschnitt der Menschheit eher nicht gerne macht. Und dann kann man dort ja auch eine Geschlechterquote installieren.
        Dann haben wir bei den ultramiesen Jobs eine Geschlechterquote und bei den ultrasuper Jobs eine Geschlechterquote.
        Vorausgesetzt, dieses Vorgehen findet bei der Mehrheit der Bevölkerung Unterstützung.

        Und dann hat das Geplärre, zumindest was Quoten in Jobs anbelangt ein Ende.

      • @ Chomsky

        *Dann haben wir bei den ultramiesen Jobs eine Geschlechterquote und bei den ultrasuper Jobs eine Geschlechterquote.*

        Wäre Feminismus der Geschlechtersozialismus, der zu sein er verbal beansprucht, wäre diese Quotenplanwirtschaft das Endziel.

        Da er aber real nur die Selbstförderung von Alphagören ist, gibt’s Quote nur für Spitzenjobs.

      • @Alexandaer

        Es hört sich vielleicht ein bisschen überheblich an, wenn ich immer wieder mit der Schweiz komme und dann die Schweiz rühme, dass wir eine habldirekte Demokratie haben und somit auch eine Volksabstimmung darüber führen könnten, ob wir Geschlechterquoten wollen oder nicht.

        Ich würde jedoch Folgendes prophezeien, wenn es in der Schweiz eine Volksabstimmung über die Frage geben würde:

        Sie würde wahrscheinlich im Verhältnis von 60:40% abgelehnt. Deshalb gibt es ja auch keine linke Partei oder eine Partei, die eine solche Volksabstimmung wagen würde, weil der Schuss nach hinten losgehen würde. Und wohlgemerkt: Der Frauenanteil in der Schweiz ist auch >50%.
        Deshalb gibt es bei uns in der Schweiz das ganze Quotengeschwätz eben nicht, weil alle wissen, wenn sie wollen, können sie darüber eine Volksabstimmung haben.

      • @ Adrian

        Naja, Frauen sind tatsächlich auch in Führungspositionen unterverteten, genau wie bei der Müllabfuhr und co. – dass sie aber in Führungspositionen unterverteten ist, ist ja heutzutage größtenteils selbstgewählt und nicht schlimm. Denn eine Frau wird für Männer durch das innehaben einer Führungsposition nicht attraktiver. Gleichzeitig werden für solche Frauen viele Männer unattraktiver, da Frauen ja vorwiegend bis nur Männer als Partner wählen, die in Relation zu ihnen selbst einen höheren Status haben. Und Beziehungen/Ehen zu statusniedrigeren Männern sind nicht nur deutlich instabiler, sondern die Frau hat dann beim Sex auch die schlechteren Orgasmen. D. h. fördert man Frauen in Führungspositionen, kommen weniger Beziehungen, Ehen & Familien zustande, und die, die zustande kommen, halten schlechter. Es gibt weniger Kinder, und die, die es noch gibt, dürfen oft ihren Vater nicht sehen, wenn sie ihn überhaupt kennen. Es mag die Nachteile des Mannes wie ein großer Zwang zur Erwerbsarbeit und beruflichem Erfolg zementieren, aber wir brauchen sowas, um von Frauen bei der (Vor-)Auswahl des Partners überhaupt beachtet zu werden, und nicht schon z. B. mit einem Mausklick deaktiviert zu werden. Die Frau braucht nicht Top-Managerin, Professorin oder so zu sein, sondern kann sich einen halten und tut das meist auch lieber – strengt weniger an und törnt mehr an. Wenn die Frauen uns Männern die beruflich fetten Positionen wegnehmen und uns in Sachen Bildung überholen, verringert das unsere Attraktivität so, als würden wir ihnen die schönen langen Haare abrasieren und sie mit Glatze herumlaufen lassen – und das machen wir mit ihnen ja auch nicht.

        Bei homosexuellen Frauen ist es natürlich anders: Die können gern ihre Führungsposition haben. genauso viel wie homosexuelle Männer. Falls es einen Geschlechtsunterschied in der relativen Häufigkeit der homosexuellen Menschen gibt (Gibt´s den eigentlich?), ist der natürlich gerechterweise zu berücksichtigen, falls man eine Quote installiert. Man kann aber auch einfach den Markt entscheiden lassen, wer so eine Führungsposition kriegt, nur nach Fähigkeiten. Zumal bisexuelle Wackelkandidaten zwischen den beiden Ufern die Sache wieder komplizierter machen…

        @ Haselnuss

        Genauso isses. Mit Radikalinskis kann man auch nicht diskutieren. Die haben keine Argumente und werden nur böse, wenn jemand welche hat oder auch nur Fragen stellt.

        @ Chomsky

        Feministinnen wollen eben keine demokratische Abstimmung über ihre Ideologie. Welcher Ideologe will das schon, dass über seinen Ismus abgestimmt wird? Das ist genau wie mit dem Gender Mainstreaming, darüber hat es ja auch weder eine wirkliche Information an die Bevölkerung gegeben, noch eine Debatte, die durch die Medien ging, noch eine Abstimmung. Ist einfach hinter unserem Rücken eingeführt worden. Jahre später dann hört man – mir ging es jedenfalls so – erstmals den Ausdruck „Gender Mainstreaming“ und muss hinterherrecherchieren, was das überhaupt ist. Wir sind in solchen Hinsichten wirklich Untertanen, keine Mitbürger.
        Oder jetzt die „Herd- & Verdummungsprämie“: Warum ist denn die Abstimmung im Bundestag geplatzt? Ich glaub ich weiß warum: Weil die Feministinnen der Politik klarmachen wollten, dass über alles, was ihre Ideologie betrifft, nicht abgestimmt werden darf. nicht diskutiert werden darf, nicht informiert werden darf. Das soll einfach hinterrücks zum Programm gemacht werden, propagiert werden, und der Untertan bzw. die Untertanin soll´s hinnehmen, egal, welche Folgen es hat.

        Ich glaub der Verein IGAF, der mir in einigen Punkten zu weit ging/geht (z. B. mit der Idee, es solle wieder ein „Familienoberhaupt“ geben), hatte in einem Punkt Recht:

        Mit Feministinnen diskutiert man nicht, man bekämpft sie.

      • @Matthias:
        >“Und Beziehungen/Ehen zu statusniedrigeren Männern sind nicht nur deutlich instabiler, sondern die Frau hat dann beim Sex auch die schlechteren Orgasmen. D. h. fördert man Frauen in Führungspositionen, kommen weniger Beziehungen, Ehen & Familien zustande, und die, die zustande kommen, halten schlechter. Es gibt weniger Kinder, und die, die es noch gibt, dürfen oft ihren Vater nicht sehen, wenn sie ihn überhaupt kennen.“

        Hast du dafür Belege? Oder bessergesagt: kann man das so pauschalisieren? Ich mein: Klar kann es teilweise zu diesen Auswirkungen kommen, aber ich glaub nicht dran dass das alle betreffen wird. Und ich glaube dass der Mensch durchaus flexibel sein kann, denn auch im Patriachismus hat doch jeder Mensch noch seine persönlichen Vorlieben.
        Hoher Status und Orgasmusfähigkeit hängen auch nicht miteinander zusammen. Warum sollte es das? Hängt das nicht eher mit Know-How und Empathie zusammen?
        Ein Mann kann auch einen hohen Status haben und sich trotzdem wie ein Elefant im Porzellanladen verhalten.
        Ebenso wie schöne Frauen nicht unbedingt besser im Bett sein müssen, nur weil sie schön sind.

        Ist es nicht eher, aus anderer Sicht betrachtet, das Problem für einen „klischeehafteren“ Mann, wenn seine Frau einen höheren Status im Beruf hat als er? Könnte es nicht sein, dass er seine Frau indirekt als Konkurrenz betrachtet oder sich gar nutzlos fühlt, wenn seine Frau in manchen Punkten erfolgreicher ist als er selbst? Zumindestens hab ich das Gefühl dass Männer häufiger wettbewerbsorientierer denken, wärend Frauen manchmal gemeinschaftsorientierter ausgerichtet sind.
        Und ich denke durchaus, dass es auch Beziehungen gibt, die in dieser Konstellation funktionieren können.
        Gibt so vieles auf dem Beziehungsmarkt wo sich denken könnte: „das funktioniert?“
        Auch wenn ich nicht bezweifeln würde dass es ne Menge Menschen gibt, die sich aus irgendwelchen Gründen überhaupt nicht damit arrangieren wollen würden.
        Aber das hängt doch auch eher von persönlichen Vorlieben ab.
        Gibt auch Menschen die keinen Partner mit Segelohren wollen, oder keinen Veganer, oder was auch immer.
        Manche Männer finden es auch ziemlich abtörnend wenn eine Frau ziemlich unselbstständig ist und man mit ihr nicht über Politik etc reden kann. Dem Klischee nach dürfte das nicht so sein, ist aber so.

      • @ Unkraut

        Belege dafür, dass Beziehungen eher zustande kommen, besser halten, wenn der Mann statushöher ist und die Orgasmen der Frau dann besser sind? Ja, gibt es. Ist zum einen aus verhaltensbiologischer Sicht zu erwarten, zum anderen gibt es Belege dafür, die sich konkret auf den Menschen beziehen. Kann ich jetzt nicht konkret benennen, bin kein wandelndes Literaturverzeichnis – aber einfach mal googlen!

        Ob man das pauschalieren kann? Ja, wenn man damit „im Durchschnitt ist es so“ meint. Natürlich gibt es Ausnahmen.

        Ob Männer die Unselbstständigkeit der Frauen mögen oder nicht, spielt keine große Rolle. Die Frauen wählen den Partner aus mehreren werbenden, und nehmen fast nur selbstsichere, starke, zupackende, richtige Männer, die einen höheren Status haben sollen. Man hat auf mehreren Kontinenten unabhängig voneinander nachweisen können, dass Status Mänenr attraktiv macht, und dass frauen fast nur nach oben lieben, XXX machen und heiraten.

        So, jetzt muss ich aber Fernseh gucken (HA HA HA)…

      • @ Unkraut

        *Hoher Status und Orgasmusfähigkeit hängen auch nicht miteinander zusammen. Warum sollte es das? Hängt das nicht eher mit Know-How und Empathie zusammen?*

        Es gibt da eine Studie, die chinesische Daten auswertet.
        Die Autoren konstatieren eine positive Korrelation zwischen der Häufigkeit weiblicher Orgasmen und dem Wohlstand der Partner: Frauen mit wohlhabenden Partnern haben mehr Orgasmen berichtet als solche mit armen Partnern.

        http://www.dailymail.co.uk/femail/article-1121122/Why-rich-men-better-bed–Women-orgasms-wealthy-partners-study-finds.html

        Ich glaube, Macht/Wohlstand/Status bei Männern ist ein mächtiges Aphrodisiakum für Frauen.

        Auch die menschliche Geschichte spricht ja dafür, nehmen wir nur Ludwig XIV. (gut, der sah auch noch blendend aus) oder Willy Brandt (nicht ganz so schön) oder Henry Kissinger (auch kein Adonis).

      • @ Unkraut

        *Gibt auch Menschen die keinen Partner mit Segelohren wollen, oder keinen Veganer, oder was auch immer.*

        Das schlimm Ungerechte ist ja, dass Mutter Natur, die alte, zynische Vettel, häufig Nettes zu Nettem zu gesellen scheint, nach dem Motto verfahrend: „Wer hat, dem wird gegeben.“

        Intelligente Menschen sind überdurchschnittlich hübsch, überdurchschnittlich intelligent, überdurchschnittlich gesund, im Schnitt.

        Das heißt: Wer Segelohren hat, ist oft auch noch Veganer und FeministIn.

        Na ja.

      • Korrektur:

        *Intelligente Menschen sind überdurchschnittlich hübsch, überdurchschnittlich intelligent, überdurchschnittlich gesund, im Schnitt.*

        *Erfolgreiche Menschen sind…“ sollte es werden.

      • @Alexander Roslin:
        „Das heißt: Wer Segelohren hat, ist oft auch noch Veganer und FeministIn.“

        Und in der männlichen Variante Antifeminist, oder was?
        Oder gibts keine Männer mit Segelohren?

        Das hat nen Grund warum ich manche Dinge geschlechtsneutral formuliere. Das dann wieder NUR auf Frauen zu beziehen find ich ziemlich platt.

        „Die Autoren konstatieren eine positive Korrelation zwischen der Häufigkeit weiblicher Orgasmen und dem Wohlstand der Partner: Frauen mit wohlhabenden Partnern haben mehr Orgasmen berichtet als solche mit armen Partnern.“

        Ja, und alle Nachrichtenportale Berichten darüber…lässt sich gut Geld mit verdienen anscheinend. Sagt die Studie doch genau das, was viele lesen wollen. (Wobei: nicht die Studie sagt das, sondern die Wissenschaftler dahinter, die eine mögliche Begründung formuliert haben. )
        Andererseits kenn ich mich mit der chinesischen Kultur zu wenig aus.
        In Afrika herrscht stellenweise das Schönheitsideal von dicken Frauen, in manchen Gebieten werden die Mädchen von klein auf quasi Gemästet um attraktiver zu sein.
        Das heißt, dass Männer auf dicke Frauen stehen, oder? Kann man bestimmt Studien zu durchführen die das belegen.

        Korrelation bedeutet nicht zwangsläufig Kausalität.
        Es können noch andere Faktoren mit reinspielen.
        Und wenn man diese Faktoren weg lässt sieht das Ergebnis manchmal wieder anders aus.

        Wie gesagt: ich bestreite nicht dass die meisten Frauen auf Männer mit hohem Status stehen. (Hoher Status meint nicht unbedingt Geld) Aber die Orgasmusfähigkeit halte ich dennoch für komplexer. Es hängt zum einen mit Reiz und Technik zusammen, zum anderen aber auch mit Athmosphäre und „fallen lassen können“. Kann natürlich sein, dass jemand, der gewisse Intelligenz und Empathie mitbringt, dadurch sowohl besser im Bett ist, als auch in anderen Bereichen mehr Erfolg hat und somit mehr Geld verdient. Dann ist aber das Geld eine Folge davon, dass er empathisch und intelligent ist. Und der gute Sex auch eine Folge davon, dass er empathisch und intelligent ist. Aber Geld und Orgasmus korrelieren dann nur miteinander, sind aber nicht die direkte Folge voneinander.

        Ich glaub eher, dass Frauen auf hohen Status schielen, weil die wahrscheinlichkeit größer ist, dass derjenige Verantwortungsbewusst, Intelligent und Empathisch ist.
        Status ist nunmal eine soziale Sache, und jemand der das Allgemeinwohl gefärdet wird wohl kaum dauerhaft hohes gesellschaftliches Ansehen genießen. Zumindestens in Kleingruppen. Angeblich ist der Mensch ja auf das Sippenleben geprägt. Und in einer Sippe ist es nunmal einfacher Leute, die quer schießen, auszusieben oder umzuerziehen.
        Es sei denn das Querschießen ist so extrem, dass es andere dominiert oder Gegner einfach niedermäht. Es gibt auch menschliche Parasiten die sich „Status“ durch Angst und Machtmissbrauch sichern. Wenn die „tolle“ Orgasmen herbeiführen, dann nennt man das Stockholm-Syndrom. Je nach Standpunkt sind diese beiden Rollen auch aus „Sicht der Evolution“ sinnvoll. Dient alles dem Überleben.
        Aus Sicht einer Frau ist es für die Brut dennoch besser, so jemandem garnicht erst in die Arme zu rennen

    • Mir persönlich reicht bereits der verhaltensbiologische Ansatz aus, um hier das Entscheidende zu sehen (Auch wenn die anderen Ansätze, lieber Chomsky, natürlich auch ihre Berechtigung haben.): Konkurrenz und Kooperation haben bei vielen Arten, so auch beim Menschen, für das männliche Geschlecht eine andere Funktion als für das weibliche.

      Weibchen kooperieren oft zusammen, um im täglichen Überlebenskampf besser klarzukommen. Sie stärken dabei zwar Rivalinnen, aber bei vielen Arten ist die Rivalität gar nicht so hoch, denn Sex mit dem besten Männchen können sie oftmals eh haben und konkurrieren nicht drum. Es gibt zwar Rivalität unter Weibchen, sie ist aber typischerweise wesentlich geringer als unter Männchen.

      Männchen dagegen konkurrieren typischerweise untereinander sehr stark um Paarungs- und Fortpflanzungsrechte. Wenn sie kooperieren, dann oft nur, um gemeinsam ein anderes Männchen oder eine Koalition anderer Männchen zu entmachten, und ihnen die Weibchen wegzunehmen. Bei ihnen dient also die Kooperation oft der Konkurrenz.

      Weibchen haben oftmals interesse daran, dass es allen anderen Weibchen gut geht, und denjenigen/demjenigen Männchen, das/die als Sexualpartner in Frage kommt/kommen, auch. Sie haben aber kein Interesse daran, dass es den nichtpräferierten Männchen gut geht. Die stören ja nur. Gerade die ganzen junge Männchen, die auf der Rotwildskala nur einem Schmalspießer entsprechen (Der „blöde junge Bock“ halt, mehr ist man in dem Alter ja nicht!), die sich noch nicht bewiesen haben und in dem Alter ja so viel Sex wollen, werden deshalb nur zu oft „an die Hammelbeine gekriegt“, kriegen einen „Tritt in den A…“, den sie angeblich im gegensatz zu gleichaltrigen Frauen brauchen, werden an der Front verheizt, zu gemeinnütziger Arbeit (Zwangszivildienst) verurteilt, viel mehr als jemand, der aufgrund einer Straftat dazu verurteilt wird – der muss nicht wie vor kurzem noch die Zivis fast ein ganzes Jahr lang gemeinnützige Arbeit leisten. Aber es ist schon eine schwere Straftat, ein junger Mann zu sein.

      Nee, wenn sich so eine Feministin über „Old boy networks“ beklagt oder sonst wie ein Zusammenhalten der Männer gegen Frauen postuliert, übersieht sie, dass der „24ender“ von Natur aus überhaupt nicht die geschlechterspezifische Vertretung für andere Geweihträger sein kann, schon gar nicht für den Schmalspießer.

      Das alles ist zwar nur ein Teil der großen ganzen Wahrheit (Die einen Blog-Kommentar sprengen würde.), aber ein entscheidender: Es ist absurd, wenn Frauen von ihrer Einstellung zur Konkurenz & Kooperation auf die diesbezügliche der Männer schließen.

      Frauen halten verhaltensbiologisch eher zusammen als Männer. Der Alpha profitiert von Frauenförderung: Wenn nämlich immer mehr Frauen in Sachen Bildung und Einkommen statushoch sind und zugleich nur nach oben lieben, vögeln und heiraten, dann hat er mehr Frauen zur Auswahl, auf Kosten anderer Männer, zumindest solange er noch ein Alpha ist!

      Will man möglichst viele und möglichst stabile Beziehungen, Ehen und Familien, mit genug Kindern, muss Status unter den Männern möglichst gleichverteilt sein (Ich weiß, ist unmöglich. Aber gleichverteilter geht.), denn eine Polarisierung in immer weniger 24ender und immer mehr Schmalspießer wird uns nicht gut tun.Und die hohen Positionen dürfen dann auch nicht vorzugsweise an Frauen verteilt werden. Sollten sich letztere wieder bevorzugt auf Hausarbeit & Brutpflege konzentrieren, gibt es vermutich auch wieder mehr Beziehungen, Ehen und Familien, denn damit eine Frau einen Mann wählt, muss der Mann ja in Relation zur Frau statushöher sein. Das ist einfacher beim traditionellen Rollenverständnis. Die Brutpflege funktioniert dann auch besser und zerrt nicht so an den Kräften der Frau. Die Frau lebt dann auch länger, und hat bessere Orgasmen. Die Arbeitskraft des Mannes hat wieder einen höheren Tauschwert, und der Mann hat größere Chancen auf einen Arbeitsplatz, auch wenn das natürlich nicht so trivial ist mit dem Arbeitsmarkt. Und die Frau ist dann so abhängig auch wieder nicht, je nachdem, welche Rechtsansprüche sie in Sachen Unterhalt dann an den Mann hat, auch im Scheidungsfall. Letztere dürfen natürlich nicht zu hoch sein, sonst lassen sich Männer auf dieses konstruktive Leben nicht mehr häufig genug ein.

      Und last but not least werden Homosexuelle nach diesem wundervollen (und vermutlich gottgewolltem, hihi) Backlash nicht gehasst und ausgegrenzt, weil die Gesellschaft dann dazugelernt hat.

      Könnte man jedenfalls so sehen, oder?

    • @Chomsky

      Auch wenn zentrale Elemente eines charismatischen Führungsverständnisses (Bass/Avolio 1993), wie Inspiration oder geistige Anregung, weder unter den zehn männlichen noch den weiblichen Items vertreten sind, sind doch Ähnlichkeiten zu den männlichen Merkmalen zielorientiert, vorausschauend, selbstsicher oder überzeugend erkennbar.

      Was mich immer wieder erstaunt sind diese Metastereotypen in der Forschung über Stereotypen. Ich habe nie verstanden wieso „zielorientiert, vorausschauend, selbstsicher oder überzeugend“ männliche Eigenschaften sein sollen. Es sind schlicht geschlechtsunabhängige Charakteristika von unabhängiger Handlungsfähigkeit.

  2. @ Chomsky

    Ich höre Dich die Schweiz gerne loben, denn eine Stärkung des Elementes Volksabstimmung ist das letzte Mittel, um die Verkrustung und den Verfall westlicher Demokratien aufzuhalten, deren Funktionärs- und Medieneliten auf breiter Front den Kontakt zur Masse der Bevölkerung, gerade der Menschen, die nicht in ihren Zirkeln verkehren, also der nicht akademisch Gebildeten, verloren haben.

    Sie sprechen nicht mehr deren Sprache, vertreten nicht mehr deren Interessen.

    So können Ideologien kleiner, einflussreicher Gruppen, z.B. der Marktradikalen oder der Gendersektierer top-down der immer apathischer an der „Demokratie“ „teilnehmenden“ Bevölkerung aufoktroyiert werden.

    Sie müssen ja nur eine genügend große Unterstützung in den kleinen Elitezirkeln erreichen, die auf den selben Universitäten „gebildet“, die selben Bücher gelesen haben, die selben Dogmen verinnerlicht haben, dabei immer die egoistischen Interessen ihrer kleinen Zirkel im Blick.

    Das lässt sich nur noch mit Volksabstimmungen und „Populismus“ aufbrechen, die popanzenhafte Arroganz der besserwissenden, geschwätzführenden Klasse, die sich in Salons, Hinterzimmern, Uniseminaren, Zeitungsredaktionen, Talkshows nur noch selbst begegnet, für die das Volk nur noch Masse ist, die mit Spindoktoren und Werbekampagnen in die erwünschte Richtung manipuliert werden soll, ansonsten herzlich verachtet, weil immer noch nicht auf ihrer „Höhe“ der Einsicht und des Gedankens, die sich oft genug verschanzt hinter einem Bildungsjargon – prototypisch die hohle Phrasendrescherei der Genderideologen mit ihrer geblähten Kunstsprache, die dazu angelegt scheint, nur zur Selbstverständigung unter Eingeweihten zu dienen, die nicht verstanden werden WILL von der breiten Bevölkerung, die sonst viel zu leicht erkennen könnte, wie nackt der Kaiser in seinen neuen Kleidern ist.

    Eine Einschüchterungssprache, eine Angebersprache, die die Hohlheit der Konzepte verhüllt, die Plattheit des Wunschdenkens der interessierten Zirkel und ihrer Egoismen.

    Volksabstimmungen würden das Geschäft der geschwätzführenden Klasse zwar nicht verunmöglichen, aber wenigstens erschweren.

    Etwas Sand im Getriebe eines geschmierten, dem Volk immer weniger dienenden Apparates.

    • Große Zustimmung! Mit einer Einschränkung: Wenn man das Volk z. B. über die Todesstrafe abstimmen lassen würde, hätten wir diese sofort wieder hier. Bin ich gegen, weil das aus meiner Sicht Gott spielen ist, Fehlurteile nicht revidiert werden können, zu unmenschlich, man den tod nicht gut genug kennt, um ihn als strafe zu verhängen usw. Gefährliche Typen kann man ja wörtlich für immer wegsperren. (Die Todesstrafe wäre natürlich, wenn ohne Alternative, das kleinere Übel, als z. B. einen Kindermörder weiter morden zu lassen. Es geht aber auch ohne Gott spielen. Außerdem darf man(n) nicht vergessen, dass es Falschbezichtigungen gibt, die dann überwiegend Männer auf den elektrischen Stuhl brächten.)

  3. Euer Hohelied auf die direkte Demokratie kann ich nicht mitsingen. Demokratie ist für mich ein nowendiges Übel, wenn über etwas gemeinsam entschieden werden muss. Doch wann ist das eigentlich konkret der Fall?

    • @ Matthias

      Grundwerte kann man in einer Verfassung sichern und dem alltäglichen Meinungskampf entziehen, den kurzfristigen Stimmungsschwankungen, eine Verfassung, die nur mit 2/3 Mehrheit anzunehmen bzw. zu ändern ist, wenn bereits eine existiert.

      Allerdings kann ich die Todesstrafe nicht dauerhaft verhindern, wenn eine große Mehrheit sie energisch will – was für alles gilt, was einen Rechtsstaat ausmacht.

      Wenn der nicht mehr von einer Mehrheit getragen wird, ist er am Ende.

      Ich vertraue darauf, dass sich immer (abgesehen von Zeiten besonderer Emotionalisierung, vor denen ein 2/3 Quorum schützt, hoffentlich) eine Mehrheit gegen die Todesstrafe aussprechen wird.

      @ Adrian

      Auch für mich ist Demokratie, wie jede Regierung, ein notwendiges Übel.

      Deshalb so wenig Regierung wie irgend möglich.

      Weil sie aber notwendig ist – aufgrund der egoistischen Natur des Menschen bedeutet für mich Anarchie Chaos und Gewalt, ausmündend in die unvermittelte, ungemilderte brutale Herrschaft der Starken und Skupellosen über die Schwächeren und Skupulöseren – ich bin kein Anarchist, für mich ist der Mensch nicht von Natur aus gut, sondern böse – ist in meinen Augen unter allen notwendigen Übeln, die zur Auswahl stehen, der demokratische Rechts- und Sozialstaat das am wenigsten üble.

    • Ganz einfach: Wenn die Neoliberalen gegen die Mehrheit der Bevölkerung z. B. die Rente mit 67 einführen sollen. Ist aus meiner Sicht Mist, weil zu alt und zu wenig offene Stellen für junge Leute. Oder Rentenkürzungen – auch Mist.

      Oder wenn die Feministinnen so Programme wie Gender Mainstreaming installieren wollen oder kleinere Sachen, gegen die es Mehrheiten gibt.

      Schattenseite: Wie gesagt, wenn es um Todesstrafe und vielleicht sogar wenn es um Folter geht.

      So gesehen kann ich ein Hohelied darauf auch nicht singen. Ist in jedem Fall vermutlich anders, was besser ist: Parlamentarische oder direkte Demokratie. Interessante Frage auch, was von beidem in welchem Fall besser ist gegen die Macht der Medien.

      • Und wieso gibt es ein verbrieftes Recht auf Rechte mit 65. Wieso gibt es überhaupt ein Recht auf Rente finanziert über Steuern, also über anderer Leute Geld?

        „Oder wenn die Feministinnen so Programme wie Gender Mainstreaming installieren wollen oder kleinere Sachen, gegen die es Mehrheiten gibt.“

        Woher willst Du wissen, dass es dafür keine Mehrheiten gibt? Oder anders: Wenn es eine Mehrheit für GM oder den radikalen Feminismus geben würde, macht es diesen dann besser? Oder fairer?

        Was ist wenn die Mehrheit für die Euthanasie ist? Oder für die Inhaftierung von Homos? Oder dafür, dass jeder nur ein oder mindestens drei Kinder bekommen muss?

        Oder dass man in meinen vier Wänden nicht mehr rauchen darf? Oder in der Öffentlichkeit? Dass Bier trinken verboten wird? Oder das Verzehren von Fleishc aus nicht-biologischem Anbau?

      • @ Adrian

        *Oder anders: Wenn es eine Mehrheit für GM oder den radikalen Feminismus geben würde, macht es diesen dann besser? Oder fairer?*

        Es gibt keine Sicherheiten, keine Garantien.

        Was wäre denn in einem autoritären Regime anders?

        Wenn der Machthaber ein aufgeklärter Tyrann ist und schwulenfreundlich – wunderbar für Schwule.

        Was aber, wenn sein Nachfolger ein Schwulenhasser ist?

        Und keine Regierung – wer schützt dann Minderheiten, die immer in besonderer Weise verwundbar sind, vor einem Mob, der sich zusammenrottet, z.B. um Synagogen anzuzünden oder Moscheen oder Kirchen oder die sozialen Treffpunkte von Schwulen?

        Es gibt keine absolute Sicherheit, nur relative.

        Der demokratische Rechts-und Sozialstaat ist die beste Versicherung gegen die Fährnisse des Lebens, die Menschen je hatten.

        Aber wir zerstören gerade (schon seit einiger Zeit) seine Fundamente.

        Mal sehen, was kommt, wenn er zusammenbricht.

        Es hilft da nur Optimismus (den ich als Pessimist nicht aufbringe, schon gar nicht nach einem Blick in die Geschichtsbücher) oder Gottvertrauen (das ich aufbringe).

        Alles wird gut 🙂

        Irgenwie.

        Und irgendwann.

        Leben ist eben wie das Hüpfen über ein Minenfeld.

        Genießen wir’s, solange nicht auch noch die Artillerie hineinschießt.

      • @ Roslin

        „Der demokratische Rechts-und Sozialstaat ist die beste Versicherung gegen die Fährnisse des Lebens, die Menschen je hatten.

        Aber wir zerstören gerade (schon seit einiger Zeit) seine Fundamente.

        Mal sehen, was kommt, wenn er zusammenbricht.

        MAXIMALE Zustimmung!

        „Leben ist eben wie das Hüpfen über ein Minenfeld.

        Genießen wir’s, solange nicht auch noch die Artillerie hineinschießt.“

        Genau – leider. Der erste Beinahe-Atomkrieg in meinem Leben war, als meine Mutter mit mir schwanger war. Zwei weitere Beinahe-Atomkriege waren, als ich noch in die Windeln machte. Kurz drauf wurden Pershing-II-Raketen und Marschflugkörper gegen den Iwan in Stellung gebracht. Fazit: Schwein gehabt, aber schwerstens. Man ist noch nicht auf der Welt, und schon wird man beinahe gegrillt. Man ist im Leben so bedroht, wie in Ice Age diese komische Kreuzung aus Eichhörchen & Säbelzahntiger.

        Die scheiß Minen und die scheiß Artillerie müssen weg. Blöd nur: Engagiert man sich dafür, dass sie weg kommen, wird man bekämpft und von vielen sogar gehasst.

        Aber wäre das Leben ein Hüpfen ohne Minen, das wäre doch toll!

    • @Adrian

      Die Schweiz hat seit 1848 eine halbdirekte Demokratie. Wir können jedes Jahr wohl vier bis fünf Mal abstimmen gehen und das sind dann so gegen 20 Sachvorlagen (also auf Bundesebene – wenn Kantons- und Gemeindeebene dazugezählt werden, sind es natürlich viel mehr) pro Jahr.

      Ich kenne bisher nur zwei, drei Gesetze, die ich selbst wirklich total daneben fand: Eines war das Minarett-Verbot in der Schweiz, weil das verstösst m.E. in erweitereter Form gegen die Religionsfreiheit.

      Du musst aber berücksichtigen: Die Schweiz hat natürlich auch die EMRK (Europäische Menschrechtskonvention) und andere Konventionen (UNO) unterschrieben,, somit wird der Spielraum für extreme Entscheidungen schon sehr eng. Das Minarett-Verbot hat gute Chancen, dass es eben gegen die EMRK verstöss und wenn jemand dagegen klagt, könnte es dann vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gekippt werden.

      Es kommt eine weitere Korrkturfunktion für extreme Gesetze hinzu: Bei Volksinitiativen müssen die Mehrheit der Bevölkerung wie die Mehrheit der Stände (also Kantone) zustimmen, damit wird es schon schwieriger, wirklich extreme Gesetze durchzubringen.

  4. Warum gibt es eine gesetzliche Rente? Weil dies Elend vermeidet. Man hat früher mal schlechte Erfahrungen mit ohne Rente gemacht, und die würden jetzt bei den viel weniger Kindern noch schlimmer. Problem ist: wenn es tierischen Lebensformen schlecht geht, werden sie widerlich. Das gilt auch für Menschen. Denn sie sind ja vom Verhaltensinventar an ein System angepasst, in dem jede Generation ein neuer Überschuss an Nachkommen entsteht, der dann um begrenzt vorhandene Lebensräume und Nahrungsressourcen konkurriert. Wer es schlecht hat, fährt die Krallen aus. Beim Menschen sieht das dann konkret auch mal so aus, dass Sündenböcke gesucht werden. Das sind meist Menschen, die „anders“ sind. Zum Beispiel Homosexuelle. Genau, das ist es: Keine Rente (weniger durch Steuergelder, mehr durch Rentenbeiträge), mehr Armut. Mehr Armut, mehr Widerlichkeiten. Mehr Widerlichkeiten, größere Bereitschaft, es an Sündenböcken abzulassen. Letzteres kann sich konkret in Homosexuellenfeindlichkeit zeigen.

    Ich glaube, dass es für Gender Mainstreaming keine Mehrheiten gibt. Ich kann es nicht beweisen, aber ich kann es mir nicht vorstellen, und warum sonst sollten die Ideologinnen Angst davor haben, dass sich die Bevölkerung erstmal mit so was beschäftigt und drüber diskutiert wird?

    Ob Mehrheiten was besser machen? Kommt drauf an, um was es geht.

    „Was ist wenn die Mehrheit für die Euthanasie ist? Oder für die Inhaftierung von Homos? Oder dafür, dass jeder nur ein oder mindestens drei Kinder bekommen muss?“

    Das ist das Ambivalente an Mehrheiten. Einerseits muss Demokratie sein, andererseits kann sie im Einzelfall natürlich auch Unvernunft und Unmenschlichkeit bringen. Das Schlimme im Moment sind die Mainstreammedien, die Kampagnen fahren. Erst setzen sie Programme durch, unter denen Millionen leiden, die Millionen können kaum gegen abstimmen (Hier hätte mehr direkte Demokratie geholfen.), und dann geht es den Millionen schlecht genug, um aggressiv zu sein, radikal zu sein, Sündenböcke zu suchen (Dann schadet direkte Demokratie je nachdem, über was gerade abgestimmt wird.).

    So Sachen wie Rauchen, Bier trinken usw.: Nun, ich will niemanden gängeln, rauche selbst nicht, trinke so vielleicht dreimal im Monat ein Bierchen. Aber als Hersteller davon hätte ich Gewissenbisse, wegen den vielen Toten. Fleisch und ökologische Landwirtschaft? Da ist keine Mehrheit die Bedrohung/Einschränkung für den Einzelnen, jedenfalls nicht wirklich. Die Tiere tun mir leid, aber eine vegane Ernährung ist schwierig (Zink, Eisen, alle Aminosäuren) und im Falle vieler Menschen, so z. B. Diabetiker, fast unmöglich. Ökologische Landwirtschaft? Ist manchmal ökologisch verträglicher als konventionelle, aber nicht immer. Menschen und andere Omnivoren sind von Natur aus so geil auf Fleisch, dass es nie verboten wird. Ein Verbot würde so enden wie die Prohibition: Mit einer gigantischen Bar-B-Q-Party (Bei der Prohibition war es ein Riesenbesäufnis.) Umwelt-, Naturschutz und die Ökologisierung der z. b. Landwirtschaft haben eh ein schlechtes Image, weil die Menschen das selbst dann als Einschränkung empfinden, wenn es gar keine ist. Besonders dann, wenn sie es bereits aus anderen gründen schlecht haben.

    Todesstrafe? Wenn da die Mehrheit für ist, ist sie für mich immer noch nicht gut und richtig. Ich stände dann weder als Richter noch als Henker zur Verfügung. Als Folterknecht auch nicht. „Selbst“ dann nicht, wenn Alice S. gerade auf die Streckbank kommen soll.

    Wenn die Mehrheit für die Inhaftierung von Homos ist? Ist in Deutschland nicht mehr. Aber in anderen Ländern. In letzteren Ländern muss man die Mehrheit wohl umerziehen, damit sie für Homos ungefährlich wird.

    Wie gesagt, das mit Mehrheiten ist ambivalent. Pragmatisch gedacht kann aber ein mehr an direkter Demokratie viele Fehlentwicklungen rückgängig machen oder abmildern, und KANN ein gutes oder böses Korrektiv zum Parlamentarismus sein.

  5. In dem Zusammenhang fiel mir das hier ein:

    „Wissenschaftler aus Dänemark und den USA sind auf verblüffende Veränderungen gestoßen: Die Bezahlung von Frauen in dänischen Unternehmen mit zehn bis fünfzig Mitarbeitern steigt um durchschnittlich 3,2 Prozent, nachdem der Chef zum ersten Mal Vater einer Tochter geworden ist.

    So deutlich gilt das aber nur bei erstgeborenen kleinen Däninnen. Hatte der Boss zuvor bereits eine Tochter zu Hause, bekommen die Mitarbeiterinnen bei der Geburt eines weiteren Mädchens nur noch ein Prozent mehr Gehalt. War der Chef schon Vater eines Sohnes, gibt es im Schnitt immerhin 1,4 Prozent mehr Geld für die Frauen. Dabei gilt: Je wichtiger ihre Stellung im Unternehmen, desto höher das Gehaltsplus. Bei Chefinnen konnten die Forscher keinen Zusammenhang zwischen der Geburt einer Tochter und den Gehältern der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entdecken.“

    http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/spendable-vaeter-chefs-mit-toechtern-bezahlen-frauen-besser-a-816986.html

    • @ muttersheera

      Männer sind naiv, lieben es, weibliche Wesen zu vergöttern.

      Wenn sie schon ein kleines Mädchen haben, sind sie bereits nicht mehr ganz so naiv.

      Natürlich gibt’s von weiblichen Chefs nichts.

      Niemand kennt weibliche Wesen besser als andere weibliche Wesen.

      Die sind nicht naiv.

      Die machen sich keine Illusionen.

  6. habt ihr schon vom geplanten leistungsschutzrecht gehört/gelesen?
    wenn das so kommt kann der blog hier und viele andere sicher dicht machen…

    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2012/06/14/digital-kastriert/


    Über das Leistungsschutzrecht für Verlage wurde viel diskutiert. Heute ist der Referentenentwurf aus dem Justizministerium an die Öffentlichkeit gelangt. Das Papier ist ein Konjunkturprogramm für Rechtsanwälte. Gleichzeitig ist es ein Kniefall vor der Verlegerlobby. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich damit bestätigt.

    • @ Holger

      1.) Noch kann man durch massiven Protest etwas verhindern/verändern. Mal sehen, was z.B. die Piraten dazu sagen/organisieren.

      2.) Soll das nur für gewerbliche Netzpublizisten gelten. Christian verdient nichts (?) mit dem Blog, gibt nicht mal Werbebanner.

      3.) Wenn alle Stricke reißen, habe ich noch mehr Zeit, um Tippse zu ärgern.

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