FC Siewillja und die Rape Culture

Die Uni Göttingen hat eine studentische Fußballliga, an der die dortigen Studenten mit eigenen Teams teilnehmen können. Wie bei solchen nicht so ernsten Turnieren üblich, haben sich die Teams Fantasienamen gegeben, unter denen sie auflaufen.

Einige dieser Namen haben jetzt für Aufsehen gesorgt, weil sie sexistisch sein sollen.

Die Uni-Liga ist eine Spaßliga. Doch gerade lernt sie die Grenzen von Humor kennen. In diesen Tagen wird nämlich nicht nur lustig rumgekickt. Es wird ernst und scharf diskutiert – über Teamnamen, Sexismus und Zensur.

All das begann mit einem kritischen Kommentar über den Teamnamen „FC Siewillja“ auf der Facebookseite der Mannschaft. Eine Kommilitonin der Fußballer beschwerte sich dort öffentlich über den Mannschaftsnamen und das Wappen: Eine halbnackte Frau und ein Fußball. Die Fußballer wiesen den Vorwurf zurück, und plötzlich war sie da, die heftige Sexismusdebatte.

Und diese wurde durch das Internet und entsprechende Gruppen noch weiter aufgeheizt:

Innerhalb von wenigen Stunden erschienen Dutzende neue Kommentare auf der Seite der Mannschaft, viele nutzten den Mantel der Anonymität im Internet, um ihre Meinung zu sagen. Mitten in der Diskussion auf Facebook tauchte plötzlich auch ein offizielles Gremium der Universität auf: Das Gleichstellungsbüro der Sozialwissenschaftlichen Fakultät schaltete sich ein. „Liebe FeministInnen“, beginnt der Kommentar des Büros, nach einer knappen Zusammenfassung wird aufgerufen, die Studentin zu unterstützen, „da sie sonst im Jahrgang isoliert ist und alleine gegen die Männer von der Mannschaft ist. Los geht’s!“

Die Uni-Kicker waren überfordert: „Wir hatten uns bei der Kommilitonin schon entschuldigt, aber auf einmal kamen massive Anschuldigungen. Es hieß, wir würden Frauen runterstufen und sexuelle Übergriffe verherrlichen“, sagt Koch. Der Schlagabtausch war zunächst auf der Facebook-Seite des „FC Siewillja“ für jedermann einsehbar. Inzwischen aber haben Koch und seine Mitstreiter viele kritische Kommentare von der Seite gelöscht.

Die Turnierleitung hat angekündigt in der kommenden Saison bei der Zulassung der Namen vorsichtiger zu sein. Das immerhin verdient Lob:

Die Gleichstellungsbeauftragte der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Christina Klöckner, begrüßt diese Entscheidung der Uni-Liga. „Die Teamnamen künftig auf sexistische Inhalte zu kontrollieren, ist ein erster, wichtiger Schritt“, sagt sie. Zudem sei eine längst überfällige Debatte endlich ins Rollen gekommen. „Wenn ein Team-Name wie ‚FC Siewillja‘ als lustiges Wortspiel gedeutet wird, wird das Klima, in dem ein solcher Name zustande kommt, ausgeblendet und die Deutungsmacht, ob ein Name oder eine Handlung grenzüberschreitend ist, der überlegenen Machtposition überlassen.“ Die überlegene Machtposition – damit meint Klöckner die Männer.

Da ist sie wieder, die Deutungsmacht. Und danach muss der Name eben schlecht sein, ebenso wie die Abbildung einer nackten Frau.

Denn eine Frau, die will, das ist erst einmal etwas sexistisches. Es beeinhaltet anscheinend sofort die Assoziation, dass sie diesen Willen eigentlich nicht äußert. Die Aussage, dass eine Frau will, beeinhaltet hier anscheinend in dem Opferdenken, dass sie diesen Willen nicht äußert oder er ihr angedichtet wird. Es ist quasi ein Aufruf zur Vergewaltigung, denn was sonst soll die Feststellung, dass sie ja will bedeuten? Es ist also eine klare Förderung der Rape Culture. Und das ist ein Herrschaftsinstrument der Männer.

Interessanterweise hat die Mädchenmannschaft in einem Bericht ein paar Reaktionen von der Seite des FC Siewillja bei Facebook:

Und ich würde laut Fremdwahrnehmung einiger Eurer Face­book-Fans wohl in die Schublade “weltfremde Eman­ze” gehören, oder als jemand identifiziert werden “der (sic) sich davon diskriminiert fühlt sucht entweder ver­zweifelt Aufmerksamkeit und Probleme oder hat ander­weitige schwer­wiegende Probleme und Störungen die er/sie damit zu über­spielen versucht!” Und wahrscheinlich passe ich auch in das Töpfchen “Diesem Gender­quatsch und diesen Feministinnen muss endlich einhalt geboten werden! Die Vorwürfe sind absurd und lächerlich! Nicht den Namen ändern! Also Frau würde ich mich eher schämen, von so hirnverbrannten an der Uni vertreten zu werden. Das ganze gleich schon einer Gehirnwäsche!”

Da sieht man schön die von Feministinnen oft kritisierte Abwehrhaltung. Oder die normale Reaktion innerhalb von Leuten, die mit dem Genderbereich bisher noch keine Erfahrungen haben. Eins von beidem.

Und noch schlimmer: Auf dem Teamfoto der Mannschaft sind sogar zwei Frauen als Teil dieser Mannschaft zu sehen. Die wollten den Namen „FC Siewillja“ bestimmt nicht. Die wurden unterdrückt.