Versorgung durch einen Partner vs. Versorgung durch die Gruppe

Gegen evolutionsbiologische Modelle der Paarbildung wird als Gegenargument eingewandt, dass eine Versorgung nicht innerhalb der Paarbindung, sondern auch außerhalb dieser durch die Gruppe erfolgen könne.

Die Vor- und Nachteile der jeweiligen Systeme würde ich wie folgt sehen.

  • Gruppenversorgung stößt gerade in Zeiten von Nahrungsmittelknappheit an ihre Grenzen. Sobald Nahrung knapp wird, ist es günstiger, sie nicht mit der Gruppe zu teilen, sondern zunächst mit Verwandten, Partnern, Verbündeten etc.
  • die Unselbständigkeit menschlichen Nachwuchs und die Behinderungen durch die lange Schwangerschaft machen Nahrungsbeschaffung für eine schwangere Frau mit Kind schwierig, gerade wenn Nahrung knapp ist.
  • die Paarbindung erhöht die Vaterwahrscheinlichkeit und macht die Strategie, das Kind zu versorgen damit attraktiver (bei Gewinnen innerhalb der Spieletheorie, die von einer Ungewissheit abhängen, ist der potentielle Gewinn mit der Wahrscheinlichkeit des Eintretens zu modifizieren).
  • Paarbindung senkt die Kosten intrasexueller Konkurrenz (wenn der Partner verliebt ist, dann sind die Kosten dafür, ihn aus der Partnerschaft zu lösen sehr hoch, so dass dieser Weg unattraktiver wird).
  • Ohne Versorgung in der Paarbindung ist nicht verständlich, warum sich überhaupt eine Vaterschaft und Liebe entwickeln konnte. Wir sollten bei einer reinen Versorgung über die Gruppe nicht in der Lage sein romantische Liebe zu fühlen. Beim Sex Bindungshormone und Hormone, die eine Fixierung auf eine Person bewirken, auszuschütten, wäre dann unverständlich.
  • Gruppenversorgung erhöht die Wahrscheinlichkeit überhaupt etwas zu bekommen, weil einer aus der Gruppe wahrscheinlich Glück hat, sie kann aber auch dazu führen, dass alle nicht genug bekommen
  • Nahrung kann unter steinzeitlichen Bedingungen kaum gelagert werden, insbesondere Fleisch.
  • Gruppenversorgung kann Spannungen aufgrund Neid abbauen, allerdings Spannungen aufgrund von (angeblichen) Freeridern aufbauen.
  • eine standardmäßige Teilung aller Lebensmittel auf die Gruppe raubt den Beschaffer die Möglichkeit sich darüber Gefälligkeiten zu erkaufen
  • eine Standardmäßige Verteilung aller Lebensmittel verringert den Anreiz einen besonderen Fang zu machen.

11 Gedanken zu “Versorgung durch einen Partner vs. Versorgung durch die Gruppe

  1. Was ist mit Gruppenbildung in der Partnerschaften praktiziert werden, so wie es Menschen seit mehreren tausend Jahren machen? Die Versorgung durch einen Partner ist das Produkt der Industrialisierung.

    „die Unselbständigkeit menschlichen Nachwuchs und die Behinderungen durch die lange Schwangerschaft machen Nahrungsbeschaffung für eine schwangere Frau mit Kind schwierig, gerade wenn Nahrung knapp ist.“
    Nö, erst in der heutigen Zeit, in der Frauen verwöhnt und verhätschelt werden, ist das so. Früher sind auch schwangere Frauen aufs Feld, oder die Kinder wurden neber das Feld gelegt bzw. wurden dort mit Tragesystemen getragen. Früher mussten Frauen wenigstens ein bisschen was tun.

    „die Paarbindung erhöht die Vaterwahrscheinlichkeit und macht die Strategie, das Kind zu versorgen damit attraktiver (bei Gewinnen innerhalb der Spieletheorie, die von einer Ungewissheit abhängen, ist der potentielle Gewinn mit der Wahrscheinlichkeit des Eintretens zu modifizieren).“
    Genau deshalb gibt es in der Gruppe Paarbildung.

    „Ohne Versorgung in der Paarbindung ist nicht verständlich, warum sich überhaupt eine Vaterschaft und Liebe entwickeln konnte. Wir sollten bei einer reinen Versorgung über die Gruppe nicht in der Lage sein romantische Liebe zu fühlen. Beim Sex Bindungshormone und Hormone, die eine Fixierung auf eine Person bewirken, auszuschütten, wäre dann unverständlich.“
    Nein. Wenn es nur ein Männchen gibt, dann übernimmt dieser den Schutz der Gruppe. Deshalb verlieben sich Männer in Frauen. Umgekehrt ist das etwas, sagen wir mal, nicht so eindeutiges, ob die Frauen jetzt den Mann lieben, oder nur seinen Status.

    „Nahrung kann unter steinzeitlichen Bedingungen kaum gelagert werden, insbesondere Fleisch.“
    Deshalb wurden versch. wege der Haltbarmachung erfunden. Und in der Steinzeit kommt es drauf an, wo. Hierzulange war Fleich relativ einfach zu lagern, da schön kühl. Ansonsten wurden Körner und Nüsse gesammelt, die sind lange haltbar, also nicht so das Problem.

    „Gruppenversorgung kann Spannungen aufgrund Neid abbauen, allerdings Spannungen aufgrund von (angeblichen) Freeridern aufbauen.“
    Deswegen gibt es hierarchien, damit das geregelt wird.

    „eine standardmäßige Teilung aller Lebensmittel auf die Gruppe raubt den Beschaffer die Möglichkeit sich darüber Gefälligkeiten zu erkaufen“
    Und? Ich weis, ganz schlimm für Frauen, denn dann können sie für Sex nichts verlangen.

    „eine Standardmäßige Verteilung aller Lebensmittel verringert den Anreiz einen besonderen Fang zu machen.“
    Nein, das wird dann anders geehrt. So wie bei Armeen heutzutage, mit Orden z. B., früher dann einen besonderen Stein, ein schmuckstück etc pp.

  2. OT:
    Lebt wohl. Nach einem Jahr der angeregten Diskussion hier ist das mein letzter Beitrag. Die Zensur ist zu massiv geworden, als dass sich die Mühe, Beiträge zu schreiben, noch lohnen würde. Wenn die sachliche Diskussion sabotiert wird, ist es sinnlos, sich länger an ihr zu beteiligen. Menschen mundtot zu machen ist die denkbar stärkste Antithese zu dem hier so gern verordneten respektvollen Umgang. Der Blogwart hat sich selbst von dieser Regel ausgenommen und sich damit als Heuchler, als frei drehender Meinungsdespot entlarvt. Wie jede Macht korrumpiert eben auch die bescheidene Macht eines Blogwarts.

    Wenn Christian keine Argumente hat, greift er gerne zu Gewalt. Gewalt ist seine Geschäftsgrundlage als Kapitalist. Über jedem Beitrag hier schwebt das Damoklesschwert der Zensurgewalt. Argumente zählen nichts. Was der Ideologie des Blogwarts widerspricht, wird zensiert, weil er selbst keine Argumente weiß und Widersprüche zu seiner Ideologie nicht duldet. Bei dieser Bedrohung des Gedankenaustauschs ist ein ergebnisoffener Diskurs nicht möglich. Er ist zum bedeutungs- und folgenlosen intellektuellen Spiel für die Diskutanten und zur ideologischen Selbstdarstellung des Blogwarts, die er durch Abschießen missliebiger Meinungen gewährleistet, verkommen.

    So reiht sich ein weiteres Blog in die zahlreichen feministischen Meinungsdiktaturen im Web ein. Einer der wenigen Orte, die zur wissenschaftlichen Klärung streitiger Fragen aus dem Bereich der Geschlechter einluden, ist damit durch die Gewalt des Eigentums zerstört worden.

    Ein Verlust ist dieser Niedergang des Blogs für alle, die hier einen wissenschaftlich redlichen Austausch pflegen konnten, die mich durch kluge Gedanken inspirierten und die ich vielleicht auch in manchen Punkten, wenn nicht überzeugen, so doch wenigstens auf neue Aspekte hinweisen konnte. Ich verschwinde nicht, ich wurde nur aus diesem Blog geekelt. Für offene Diskussionen stehe ich weiterhin zur Verfügung. Es ist bekannt, dass eine Wunde im Internet durch hunderte, oft bessere, Ersatzlösungen überbrückt wird. Das Ende der mäßig freien Diskussion hier, das schon lange absehbar war, wird viele bessere Lösungen motivieren. Ich selbst sehe den Bedarf für ein unzensiertes Forum für die sachliche Auseinandersetzung über Geschlechterfragen und werde mich um die Einrichtung eines adäquaten Forums bemühen. Jeder, dem ähnliche Lösungen vorschweben oder der sich irgendwie einbringen will, ist willkommen.

    • @Zhen

      Ich empfehle Dir folgendes Forum!

      http://ratlos-im-netz.forumieren.com/forum

      Ist bis jetzt in etwa das Forum, das ich am „freisten“ erlebt habe.
      Leider hat es auch genau diese Leute angezogen, die am liebsten nur pöbeln und intrigieren wollen und was weiss ich. Du siehst: Freiheit hat auch seine Kehrseite, weil es genau diese Leute anzieht, die den ganzen Tag nichts Besseres im Sinn haben, als sich gegenseitig anzustänkern, sich zu verleumden, Intrigen zu spinnen und sich gegenseitig einen Anwalt auf den Hals zu hetzen. 🙂

    • @Zhen

      Sagt nicht Dein geschätzter Mao: Freiheit nur innerhalb der Grenzen der sozialistischen Disziplin? Davon hast Du mich ja ernsthaft zu überzeugen versucht. Ich meine, dass man sich dann auch nicht über minimale Einschränkungen beschweren darf.

    • @Zhen
      Bin prinzipiell auch gegen Zensur außer in wirklich potentiell schädigenden Fällen (Posten von Realdaten, Adressen usw.)
      Also nicht gleich ins Mäuseloch verkriechen.
      Trotzdem muss ich sagen, dass Du einem manchmal schon ein bisschen Angst machen kannst.

    • Woanders als anti-feministisch bezeichnet, gehört Christian gleichzeitig zur „feministischen Meinungsdiktatur“.

      Meine Ansicht: Wer von beiden Seiten beschimpft wird, hat alles richtig gemacht. 😉

  3. Meiner Meinu8ng nach gibt es seit den Zeiten, ab denen vom einigermaßen modernen Menschen gesprochen werden kann, nur beide „Versorgungssysteme“ gleichzeitig nebeneinander.

    Eine Paarbeziehung gibt den Menschen die emotionale Wärme und Geborgenheit, die ein Mensch braucht, um glücklich zu sein, es gibt dem Nachwuchs einen besseren Schutz und eine bessere Ausbildung, wenn es einen direkten Vater und eine Mutter als Vorbild hat.

    Ein Stamm, eine Gruppe, erhöht die Überlebenschancen aller Mitglieder und lässt auch größere Projekte (Jagd auf Großwild, Bau von Lagerplätzen) realisierbar werden.

    Eins vom anderen getrennt zu betrachten ist nicht möglich, beides braucht und will der Mensch, das ist im Großen und Ganzen heute nicht anders als vor 50000 Jahren.

    • „Eins vom anderen getrennt zu betrachten ist nicht möglich, beides braucht und will der Mensch, das ist im Großen und Ganzen heute nicht anders als vor 50000 Jahren.“

      So sehe ich das auch. Eine künstliche Trennung beider Bereiche erreicht nichts.

    • Bin auch der Auffassung dass für eine erfolgreiche
      Weiterentwicklung ein kombiniertes System die
      Voraussetzung ist. Also einerseits eine gewisse
      Konkurrenz, der Erfolgreichere soll tendenziell
      einen höheren Reproduktions-Erfolg haben. Daneben
      aber Umverteilungsmechanismen, so dass auch schwächere
      Mitglieder der Gruppe mitgenommen werden.
      Ein wichtiger Faktor ist sicher auch die historisch
      noch nicht so alte Erkenntnis der individuellen
      Vaterschaft. Hab da Zahlen von ca. 6000 Jahren
      gehört.
      Damit steigt natürlich die Motivation des Vaters
      kulturelle Techniken speziell seinem Sohn weiter
      zu geben.
      Es soll Naturvölker geben wo die Frauen
      mit mehreren Männern verkehren und daraus
      geborene Kinder werden dann quasi als
      gemeinschaftliches Resultat der Beiträge dieser
      Männer angesehen.
      Die Erkenntnis der Vaterschaft ist ein Meilenstein
      in der menschlichen Entwicklung, vergleichbar
      mit dem Feuer und dem Rad.
      Und natürlich ist sie auch der Ausgangspunkt
      für die Entstehung des pöösen Patriarchats.

  4. Pingback: Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl | Alles Evolution

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