Männliche Superhelden, die wie weibliche Superhelden posieren

Bei Feministing geht es in dem Beitrag „What if dude superheroes posed like lady superheroes?“  darum, dass die Avengers bescheuert aussehen würden, wenn man sie in weibliche Posen zwängen würde. Das soll durch zwei Plakate verdeutlicht werden.

 

Das ist aus meiner Sicht in etwa so, als würde man anführen, dass ein Tennisspieler bescheuert aussieht, wenn er eine komplette Footballausrüstung anzieht.

Es sind eben nicht die sozialen Rollen, die hier die Posen vorgeben, sondern den Posen liegen bestimmte Attraktivitätsmerkmale zugrunde, die bedient werden sollen.

Weil diese Attraktivitätsmerkmale verschieden sind, müssen natürlich auch die Posen verschieden sein.

Ich hatte das hier schon einmal für Rüstungen  und auch für Superhelden dargestellt.

Bei den Avengern ist es so, dass Männer insbesondere Status, Macht und natürlich auch gutes Aussehen darstellen sollen, weil dies alles Merkmale sind, die Männer attraktiver machen. Zur Darstellung der Macht gehört auch ein muskulöser, kräftiger Körper etc.

Frauen hingegen bauen Attraktivität vollkommen anders auf. Sie profitieren wesentlich weniger von Macht und Status und wesentlich mehr von der Darstellung ihres Körpers, weswegen sie in Posen stehen, liegen, sich räkeln, bei denen man möglichst viele körperliche Attraktivitätsmerkmale sieht, eben nach Möglichkeit Hintern, Busen, Gesicht, vielleicht noch Beine oder Bauch. Zudem wirkt auf Männer weibliche sexuelle Erregung wesentlich attraktiver als männliche sexuelle Erregung auf Frauen. Das ist evolutionär auch naheliegend, weil Lust auf Sex bei einer Frau zu bemerken und davon selbst Lust auf Sex zu haben aufgrund der geringen Kosten des Sex erhebliche Fortpflanzungsvorteile bringt, während dies bei einer Frau weitaus weniger der Fall ist.

Ein Mann, der sich daher auf die gleiche Weise darstellt, wie eine Frau wirkt bei so etwas zwangsläufig eher lächerlich, während eine Frau, die sich darstellt wie eine Mann immer noch sexy wirkt, wenn sie ansonsten schön ist.

Autos als Statussymbole

Bei mir haben sich zwei Anekdoten zum Thema „Autos als Statussymbole“ angesammelt:

1. Der Vorgesetze

Ein anderer Freund hat, nachdem er ein paar Jahre im Beruf ist, ein neues Auto gekauft. Einen 1er BMW. Er erzählt:

Ich hatte auch über einen 3er nachgedacht, der ist bei gebrauchten teilweise nur wenig teurer und man hat etwas mehr Raum. Aber der Juniorchef bei uns hat auch einen 1er und da kann ich ja dann schlecht einen 3er daneben stellen

2. Der Anwalt

Ein Freund von mir hat gebaut (ja, langsam kommt man in das Alter). Es geht etwas schief, er wendet sich an eine baurechtliche Kanzlei, ein Verfahren wird eingeleitet. Ich frage ihn, wie es läuft.

Er sagt: Eigentlich ganz gut. Ich bin ja auch ganz zufrieden mit meinem Anwalt. Er ist noch recht jung, aber es läuft soweit ich das beurteilen kann okay. Aber neulich hatten wir einen Termin mit einem Sachverständigen und dem Anwalt der Baufirma. Der Anwalt der Gegenseite fuhr mit einem ganz neuen S-Klasse Mercedes vor, der Sachverständige mit einem dicken BMW und daneben parkte mein Rechtsanwalt mit einem Golf 5 3-Türer. Und irgendwie wirkt er plötzlich kleiner und man ärgert sich fast etwas und hofft, dass es gut geht.

Männliche Sexualität, nackte Haut und Feminismus

Lucien Maverick bringt in dem Blogbeitrag „Modern Feminism is a Joke! (Part IV)“ ein paar interessante Punkte zu männlicher Sexualität und Feminismus:

She also have videos showing how clothing ads are a way for men to have their sexist desires be shown on television. I have a question for you, FF, does the fact that men are attracted to women just bug you? For real, she has a problem with any outfit or anything that shows that men are attracted to women. Anything even slightly sexual is something that we have to fight against. (…) I would have a modicum of respect for FF if it weren’t for the fact that her and all those like her seem to feel the need to make personal discomfort into some massive conspiracy against women. Not to mention, biology, bitch! Yes, we have ads that display women being sexual. Yes, there is porn. Yes, we have clothing in the world that shows women’s features. I hate to break it to you, but men have been into women for a long time. Men like boobs. Sorry, but no amount of old-Irish Catholic clothing is going to stop men from liking boobs. Your refusal to understand this is interesting. So is Rebecca Watson’s, so is Eve Bit First’s. All of these women seem to not understand that the liking of boobies is perfectly natural. (…) Question – how should men act around women who they are sexually interested in? Do men just NEVER bring it up? Do we just pretend that things that naturally evolved to evoke a sexual response don’t exist? The fact that women have breasts all the time, not just when they are nursing young evolved directly for the purpose of engaging the sexual desires of men.

Ich sehe auch wenig Sinn darin, meine Sexualität in diesem  Punkt zu leugnen oder zu verbergen und mir scheint ebenfalls die in vielen Teilen des  Feminismus dazu herrschende Meinung relativ männerfeindlich. Zu den sexnegativen Elementen in großen Teilen des Feminismus hatte ich ja hier auch schon das ein oder andere geschrieben:

Der Feminismus sollte sich ein entspannteres Verhältnis dazu zulegen, dass heterosexuelle Männer sich gern Frauen anschauen. Die Überfrachtung durch „Frauen werden zu Objekten reduziert“ (vgl auch hier) und „Mit solchen Darstellungen soll das Patriarchat gefestigt und Frauen unterdrückt werden“ ist meiner Meinung nach nicht haltbar.

Komplimente, die Frau aufs Podest stellen und Flirtphasen

Ich treffe mich mit einer Freundin  um mal wieder bei ihrem Leben auf dem neusten Stand zu kommen. Sie ist gerade Single und flirtet mit ein paar Männern.

Zu einem Kontakt kam es als die besagte Freundin mit einer Studienaufgabe nicht weiter gekommen ist und deshalb auf Facebook um Hilfe bat. Der Kontakt, ein alter Schulfreund, meldete sich prompt und erklärte ihr eine Stunde lang das Thema über das Telefon.

Sie konnte daher die Aufgab abschließen und abgeben. Nachdem diese gut bewertet wurde chattete sie den Helfer an, teilte ihm mit, dass sie dank seiner Hilfe gut bestanden hätte, dass es aber auch so nett gewesen wäre, mal wieder von ihm zu hören und bedankte sich noch einmal.

Er chattetet zurück:

Er: Kein Problem, deine Stimme hören zu dürfen ist mir Dank genug 

Sie: Schleimer 😉

Er: (nach einiger Zeit): Nein, wirklich, ich meine das ganz ernst.

Sie meinte zu mir: Irgendwie klingt das doch komisch oder? Ich dachte erst, er meint es als Scherz, aber so, wie er daran festgehalten hat… es klingt irgendwie unsexy.

Ich kann ihre Bedenken gut nachvollziehen. Er wirkt damit viel zu needy. Er kling, als sei er ihr schon vollkommen verfallen, nur weil er ihr helfen durfte. Er hat ihr nichts geliefert, was ihr wirklich verständlich macht, warum er sie mag. Abgesehen vielleicht von gutem Aussehen, aber das wird Frauen nicht wirklich überzeugen.

Deswegen rät Pickup dazu, zunächst den eigenen Wert darzustellen und auf Zeichen zu warten, dass sie einen gut findet. Und erst dann etwas an ihr zu finden, was erklärt, warum man sie gut findet. Also erst „Female-to-male-Attraction“ und dann „Male-to-Female-Attraction“, und das aus einem Grund, der nicht in ihrem Aussehen liegt.

Bei Mystery wären die klassischen Phasen eines Flirts so eingeteilt:

The attraction phase is divided into :

A1 – Approach

A2 – Attracting the HB or Female-to-male Interest

A3 – Male-to-Female Interest

The comfort phase is divided into :

C1 – Building rapport

C2 – Building emotional connection and physical connection

C3 – Intimacy

The seduction phase is divided into :

S1 – Foreplay

S2 – LMR

S3 – Sex

Es ist aber verständlich und ein häufiger Fehler von Männern, die eben die Attraktivität der Frau zunächst erst einmal über das Aussehen und damit sehr schnell aufbauen. Wobei der Satz in dieser Form wohl auch für einen Mann merkwürdig klingen würde.

Er war zu deutlich, zu stark und für sie nicht nachvollziehbar. All das läßt ihn merkwürdig klingen. Gerade weil er ihn noch nachträglich so bestätigt hat. Wenn er da einen Spruch nachgeschoben hätte, etwa „Nein wirklich, ihre rauchige Klanglage erinnert mich an meinen Opa, Gott hab ihn selig“ oder was weiß ich, wäre er denke ich besser gefahren als sie so offensichtlich auf ein Podest und sich in den Staub davor zu setzen.

Inzwischen gruselt es mich etwas, wenn ich so etwas erzählt bekomme. Dabei habe ich bestimmt so etwas früher auch gesagt und mich dabei für sehr romatisch gehalten, darauf gehofft, dass sie die Tiefe meiner Gefühle erkennt oder was auch immer.

Ich glaube, dass Frauen es hassen zu früh mit überzogenen Komplimenten angegangen zu werden, die keinerlei konkreten Bezug haben. Eben weil es beliebig wirkt.

Ich wette auch, dass er keine Ahnung hat, was ihr daran nicht gefällt. Würde er es verstehen, sein leben wäre einfacher. Deswegen würde ich sageen, dass Pickup Flirtvorgänge nicht komplizierter und technischer macht, sondern einem das Leben erleichert und Frustation reduziert.

„Feminismus ist die Idee, dass wir beide Geschlechter gleich machen können, indem wir uns nur auf die Angelegenheiten eines Geschlechts fokussieren“

Auf dem bereits erwähnten Blog von Lucien gibt es ein interessantes Zitat von TJ Kincaid, welches ich ganz interessant finde:

Feminism is the idea that we can make both sexes equal by focusing solely on the issues of one of them.

Das ist in der Tat eine Position, die häufig in großen Teilen des Feminismus durchkommt. Es ist Bestandteil des gynozentrischen Feminismus, wie er in Deutschland zB auf „Anarchie und Lihbe“ oder von Lantzschi vertreten wird.

Das Gegenargument ist natürlich, dass Feminismus sich ja um die Belange der Männer kümmert, denn wenn die Gesellschaft befreit ist von der hegemonialen Männlichkeit, dann gehe es eben auch den Männern besser. Das ist aus meiner Sicht allerdings für viele Teile des Feminismus nicht zutreffend, da dieser eben gynozentrisch ausgerichtet ist und eine Alleinverantwortung des Mannes vorgibt, die so in der Realität nicht existiert. In diesem System kann es teilweise eben keine Diskriminierung der Männer geben, so dass deren Anliegen auch nicht vorgebracht werden können. Die Männer müssen sich insoweit darauf beschränken behauptete Privilegien abzulegen, ohne bezüglich dieser auch nur ein Mitspracherecht zu haben. Der „männliche Profeminismus“ soll eben einfach feministische Theorie unkritisch übernehmen.

Dazu auf dem zitierten Blog:

TJ’s quote is absolutely right. But the lambasting that he got was the point of interest. Of course, they said that it was ignorant (which it isn’t). There is a huge number of feminists who believe that all inequality between the genders favors men over women. All of them. This is an interesting position to take, because if one has a very clear eye, not covered in a film like these peoples’ are, then you can see why it’s wrong.

There are a plethora of inequalities facing women over men. For example – domestic violence, which is just as common with men from women. The law doesn’t take it seriously, neither does society, but it’s there. In the issue of custody of a child, the gap favoring men over women is HUGE! Women are so completely favored by the system in that regard. It’s wrong, outright, because there are plenty of deadbeat moms out there. The media is good about not showing that (gee, I wonder why). In media-land, mothers are usually (almost always) the good parent, while the father is the bad one.(…)

Looking at inequality in realms of the law – women get less prison time than men, by as much as 40%, for equal crimes. And when it comes to divorce proceedings, women usually are the ones getting paid alimony. The courts immediately assume that women need protecting.

Or how about how men are the ones who have to sign up for the draft, and women don’t? Where’s the outrage there? Where is all the talk about inequality on this issue?

 Aber das Thema hatten wir ja wiederholt, ebenso wie den Punkt, dass das Patriarchat, dass hinter all der Frauenfeindlichkeit stecken soll, eine Fiktion ist.

Kerstin Palm zu biologischen Geschlechtertheorien und Evolutionärer Psychologie

Kommentator Chomsky verwies in dem Beitrag „Kritik an evolutionärer Psychologie“ in einem Kommentar auf einen Vortrag von Kerstin Palm (PDF), (Homepage) der feministische Kritik an evolutionsbiologischen Betrachtungen enthält. Mal sehen, was sie zu bieten hat:

„Das ästhetische Beurteilungsvermögen ist aus evolutionsbiologischer Sicht also eine angeborene Befähigung zur zeichengestützten Bewertung potentieller Sexualpartnerinnen und -partner, ein funktionales Instrumentarium zur Sicherung der maximalen Selbstfortsetzung.“

Das finde ich gar nicht so schlecht und passend formuliert. Ich hätte es allerdings eher auf die Weitergabe der Gene bezogen, was präziser wäre.

„Einige Studien berichten davon, dass Männer große Augen, eine kleine Nase und ein kleines Kinn und/ oder volle Lippen bei Frauen besonders attraktiv fanden, andere sahen bestätigt, dass kindlich aussehende Frauen von Männern bevorzugt wurden. Dem standen aber Studien, auch von Grammer selbst, entgegen, die eher erwachsen und reif aussehende Frauen mit leicht hervorstehenden Backenknochen und leicht eingefallenen Wangen als besonders attraktiv bewertet fanden“

Es ist eben mal wieder so, dass die Biologie in diesem Bereich flexibler ist als sie dargestellt wird. Bei all diesen Merkmalen handelt es sich um Attraktivitätsmerkmale, die im Schnitt sehr häufig als attraktiv empfunden werden, aber verschiedene Funktionen erfüllen.

Die kleine Nase und die großen Augen sind  Anzeichen für Jugendlichkeit, die gerade Männer bei Frauen attraktiv finden. Die Backenknochen und die leicht eingefallenen Wangen entstehen jedoch in der Pubertät und sind ein Zeichen für Östrogene, und damit Fruchtbarkeit.

Natürlich kann der eine Mann dies und der andere Mann das bevorzugen.

Ebenso ist es bei Männern, die sie nachfolgend beschreibt. Hier kommt es insbesondere sehr auf die Frage an, weil es einmal um sexy und zum anderen um langfristige Beziehung gehen kann. Die Antwort von Frauen auf die Frage „mit wem willst du einen One Night Stand“ oder „mit wem würdest du dir eine Beziehung vorstellen können“ unterscheidet sich üblicherweise und teilweise sogar mit dem Zyklus.

Und wenn das Durchschnittsgesicht bewertet wird, dann geht es um Symmetrie ein klassisches Zeichen guter Gene. Wenn ein deutliches Kinn bewertet wird, dann geht es um Testosteron, ein klassisches Zeichen für verschiedene andere Sachen.

Natürlich kann es auch hier Unterschiede zwischen den Frauen geben.

Ich sehe da erst einmal keine Widerspruchlichkeit.

Auch bei dem Hüft-Taile-Verhältnis von 0,7 zeigen sich in der Tat verteilt über die Welt unterschiede. Aber das spricht nicht dagegen, dass dieses Verhältnis nicht biologisch festgelegt ist. Schließlich haben wir auch verschiedene Hautfarben und diese sind ebenfalls biologisch festgelegt. Die Abweichungen zeigen sich aber üblicherweise auch mit einiger Entfernung voneinander (Zuwanderung ausser acht gelassen), was mit evolutonären Vorgaben durchaus zu vereinen ist.

„Zum zweiten fällt auf, dass die von Grammer dargestellte Attraktivitätstheorie der Geschlechterdifferenz auf zwei divergierenden Begründungen fußt, die es ermöglichen, einen scheinbar widersprüchlichen Befund als plausibel darzustellen. Attraktivität bei Frauen weist auf Gesundheit hin, die der Fortpflanzung zuträglich ist, bei Männern hingegen auf Gesundheitsgefährdung, die aber zugleich durch widerständige innere Stärke nicht bedrohlich, sondern sogar ebenfalls zuträglich für die Fortpflanzung ist“

Hier zeigt sich sehr schön, dass sie sich mit den Theorien nicht auseinandergesetzt hat.

Es ist auch für sie schwer zu verstehen, denn sie kommt ja aus einem Dogma der Gleichheit.

Männer und Frauen sind aber nicht gleich. Männer und Frauen tragen insbesondere vollkommen andere Kosten der Fortpflanzung und stehen damit unter gänzlich anderen Evolutionsdrücken.

Weil Frauen vorsichtiger mit Sex sein müssen als Männer, weil sie schneller auf den Kosten sitzen bleiben, liegt auf Männern ein stärkerer Wettbewerb um die Frauen, der sich einmal in einer intersexuellen Selektion, also einer Auswahl der Männer durch die Frauen niederschlägt, und zum anderen einer intrasexuellen Konkurrenz, die sich in einem Kampf/wettbewerb der Männer um die Frauen niederschlägt.

Hierbei ist Testosteron ein Costly Signal. Es macht stark, aber es belastet das Immunsystem. Wir finden solche Signale zuhauf im Tierreich, etwa bei allen Vögeln mit langen Schmuckfedern: Hier würde Palm vermutlich auch anmerken, dass mit ungleichen Maß gemessen wird, denn das weibchen unterliegt ganz anderen Regeln als das Männchen, bei dem Männchen soll plötzlich etwas, was das Weibchen aus gutem Grund nicht hat, schön sein. Das ist aber evolutionsbiologisches Einmaleins, wer sich auch nur etwas mit evolutionären Betrachtungen der Geschlechter beschäftigt, der kommt am Pfauenschwanz nicht vorbei.

Hier ein paar Artikel dazu:

Und ihre Probleme damit:

„Diese Logik ließe sich durchaus umkehren und beispielsweise postulieren, dass Frauen mit auffälligen Extremmerkmalen wie einem sehr breiten Kinn oder Bartwuchs ebenfalls im Sinne der Evolutionstheorie attraktiv sein müssten, da sie signalisieren, dass sie trotz ihres immunschwächenden Testosteronüberschusses in der Lage ist, gesund zu sein.“

Das könnte man. Aber bei Frauen schlägt Testosteron natürlich auch voll auf die Fruchtbarkeit durch und sie unterliegen nicht dem gleichen Selektiondruck wie Männer. Vielmehr zeigen entsprechende genetische Betrachtungen, dass sich Frauen in weitaus größerer Zahl fortgepflanzt haben als Männer. Ebenso wie die Pfauenhenne nicht auf den Pfauenschwanz angewiesen ist ist die menschliche Frau auf ein kräftigeres Kinn und Bartwuchs angewiesen. Das Argument ist um so schlechter, wenn man bedenkt, dass Selektion – leider für den Genderfeminismus – nicht darauf ausgerichtet ist Unterschiede zwischen den Geschlechtern verschwinden zu lassen. Vielmehr besteht eher ein gewisser Druck, die Geschlechter leichter erkennbar zu machen. Ein die Fruchtbarkeit vermindernder Testosteronschub als Merkmal für einen besonders guten weiblichen Partner hat daher bereits erhebliche Anfangshürden zu überwinden. Im Rahmen der – im Tierreich durchaus seltenen – doppelten Partnerwahl hat aber auch die Frau Kennzeichen entwickelt, die das für sie relevante Hormon anzeigen – Brüste. Eine wesentlich bessere Methode als die Verwendung von Testosteron.

Auch dies ist letztendlich evolutionsbiologisches Ein-mal-Eins und sollte jedem, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hat, bewußt sein. Der „feministschen Biologiekritik“ ist es aber wohl nicht bekannt.

„Und ebenso müsste auch ein eher durchschnittliches, also wenig extrem geschnittenes Männergesicht als attraktiv gelten, da es in dieser Logik gute Gesundheit und damit hohe Reproduktionsfähigkeit anzeigte. „

Richtig. Symmetrische Gesichter sind auch interessant. Aber Anzeichen für Testosteron sind in vielen Fällen eben noch interessanter. Weil bei Männern, die in harter intrasexueler Konkurrenz stehen, die Durchsetzungsfähigkeit in dieser, die in einem Zusammenhang mit dem Testosteronspiegel stehen kann, ein intressanteres Merkmal ist.

„Hier zeigt sich deutlich, dass die Erklärung für eine postulierte Geschlechterdifferenz willkürlich gewählt ist und eigentlich keinen Erklärungscharakter hat, sondern eher alte seit dem 18. Jh. kursierende Geschlechterklischees von dem sich selbst behauptenden Individualsubjekt Mann und dem in der Masse versinkenden Gattungssubjekt Frau bedient“

Nur dann, Frau Palm, wenn man die Theorien nicht versteht. Ansonsten muss man sich schon damit auseinandersetzen, warum eine Frau biologisch andere Attraktivitätsmerkmale aufweist, die sie evtl eher in der Masse versinken lassen als den Mann. Im übrigen ist diese These auch nur bezüglich der Gesichter wahr. Schöne Frauen versinken eben gerade nicht in der Masse. Symmetrie ist eben auf der einen Seite Gleichheit, auf der anderen Seite Perfektion, die aus der Masse heraushebt. Frau Palm vergißt auch, dass die Frau neben dem Gesicht weitere Attraktivitätsmerkmale hat – Haar, Busen, Hintern, Beine, Bauch, die ebenfalls aus er Masse hervorheben. Und sie hat das Glück des stärkeren Geschlechtstriebs des Mannes (LINK!) der sein übriges tut.

„Abgesehen von der unbegründeten Aufteilung der Menschheit in zwei Geschlechter und ihrer heterosexuellen Orientierung,“

Natürlich kann sie auch das nicht in ihrer Ideologie unterbringen. Was eigentlich noch deutlicher zeigt, wie tief sie sich in das Thema eingearbeitet hat, nämlich gar nicht. Aber sie will dazu später noch was sagen, also schauen wir mal, was noch kommt.

„Mit anderen Worten: die Feststellung, dass es bestimmte geschlechtergruppenspezifische Kriterien für die Partnerwahl gibt, sagt noch nichts darüber aus, ob diese Kriterien im Rahmen kultureller und sozialer Aushandlungsprozesse bzw. Positionszuweisungen oder durch eine in der Evolution ausgebildete biologische Anlage entstanden sind, also warum diese vorhanden sind“

Das ist erst einmal richtig. Es ist stets ein Nachweis erforderlich, dass diese Merkmale auf biologischen Anlagen beruhen. Es gibt auch hierzu interessante Studien, sei es eben durch vergleich von Homosexuellen, Transsexuellen, CAH und CAIS etc und ihrer Partnerwahl oder auch dem Wandel von Partnerwahlkriterien mit dem Zyklus, mit Gerüchen, mit Pheromonen oder dem Vergleich mit anderen Völkern. Aus meiner Sicht zeigen gerade Homosexuelle und die Unveränderbarkeit ihrer Präferenzen, dass diese biologisch bedingt sind. Auch das diese bei CAIS-Frauen quasi nicht vorkommt, ist interessant und passt in das biologische Erklärungsmodell.

Nun aber zur Homosexualität:

„Wie erklärt sich nun die Evolutionspsychologie vor diesem Hintergrund das Phänomen der von der Heterosexualität abweichenden sexuellen Orientierungen und Begehrensmuster in Bezug auf Schönheitsempfinden?“

Ich verlinke einfach mal auf Artikel, die ich bereits habe:

Die Studien und Theorien dazu sind eigentlich mit wenig suchen zu finden.

“ Auffällig ist hier, dass Sexualitäten jenseits der Heterosexualität meistens gar nicht in den Möglichkeitshorizont der evolutionsbiologischen Attraktivitätsforschung rücken“

Natürlich rücken sie. Und zwar wie oben bereits beschrieben. Aber was genau kann bei homosexuellen Sex nicht passieren? Und worum genau geht es aus Sicht der Evolution beim Sex?“

Wer jetzt „Die Schaffung neuen Lebens“ und „Die Weitergabe von Genen“ geantwortet hat, der hat schon mehr von dem Thema verstanden als Kerstin Palm.

„Jedenfalls kann festgehalten werden, dass homosexuelle Menschen eine aus evolutionstheoretischer Sicht unerklärliche Existenz haben und daher auch für eine Forschung, die evolutionstheoretische Verhaltens- und Präferenzerklärungen anstrebt, nicht integrierbar erscheinen. „

Das schreibt sie erst einmal. Und führt dann später selbst Erklärungen an, nämlich Verwandtenselektion und Vorteile bei der Gruppenbildung, die sie dann ablehnt.

Es gibt aber natürlich noch weitere, ich habe sie in dem Artikel schon angeführt:

  • Schlichte Fehler in einem der hormonellen Vorgängen
  • Optimierung für ein Geschlecht: Ausgleich über andersgeschlechtliche Geschwister
  • Zusammenspiel von Genen ergibt eine ungünstige Kombination
  • Interessen der Mutter vs. Interessen der Kinder (Fraternal Birth Order)
Kerstin Palm sieht andere Gründe:

„Hier zeigt sich deutlich, dass die Tendenz neodarwinistischer Biologie, alle Merkmale direkt an einen Fortpflanzungszweck gebunden zu sehen, eine bestimmte Forschungslogik vorgibt, die dann die weiteren Untersuchungen bestimmen und ganz andere außerhalb dieser Logik liegenden Deutungsmuster von vornherein unterbindet.“

Es ist schade, dass sie noch nicht einmal die Argumente nennt, aus denen heraus die Fortpflanzung als so wichtig angesehen wird. Das hat ja seinen guten Grund: Wenn keine Gene weitergegeben werden, dann kann die Mutation oder Selektion so gut sein, wie sie möchte, es hat keinerlei Auswirkungen. Ich hatte hier auch schon einmal mehrere Artikel dazu.

Und das wirkt sich auch gleich aus:

„Es könnte ja beispielsweise auch eine biologische Theorie entworfen werden, die besagt, dass Sexualität bei vielen Lebewesen gar nicht mehr primär auf Fortpflanzung ausgerichtet ist, sondern ein erfülltes Sexualleben einfach das Wohlbefinden und die sozialen Bindungen steigert. Diese Theorie würde sogar dem zentralen Paradigma der modernen Biologie, der Evolutionstheorie, nicht widersprechen, da sie im Sinne dieser Theorie postulieren würde, dass sich sexuell und sozial glückliche Lebewesen einfach einer erhöhten Lebensqualität erfreuen, die sich positiv auf ihre Gesamtkonstitution auswirken würde“

Was aber bringt eine erhöhte Lebensqualität und eine positive Gesamtkonstitution? Wie wirkt sie sich aus? Nehmen wir an, wir haben einen Homosexuellen, der sein Leben aufgrund des nicht auf Fortpflanzung ausgerichteten Sexes mit anderen Männern genießt und dem es deswegen bestens geht. Er hat aber keine Kinder. Wie also sollen sich seine Gene in der nächsten Generation auswirken?

Sie können es nicht, weswegen sich der Mensch auf diese Weise nicht entwickelt haben kann.

Natürlich kann Sex Spannungen abbauen und entsprechende Lebensformen existieren ja auch, zB bei den Bonobos. Aber das hat Konsequenzen: Bonobos sind nämlich leider auch nich in einer der feministischen Biologiekritik entsprechenden Welt: Sie konnten eine entsprechden Sexualität nur entwickeln, indem sie auf Spermienkonkurrenz setzten. Bonobomännchen haben deswegen, weil es für sie bei Sex eben biologisch immer um Fortpflanzung geht und nicht nur um Spass, riesige (enorme! gewaltige!) Hoden. Und die Weibchen eine biologische Möglichkeit die Spermien gegeneinander antreten zu lassen. Bei Bonobos findet die intrasexuelle Konkurrenz beim Sex statt, bei uns aber wesentlich deutlicher auch davor.

„die biologische Forschung liest erneut bzw. immer noch die alten Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit, daran geknüpftem heterosexuellem Begehren und biologisch fundierten dichotomen Geschlechterrollen in ihre Prämissen und Theoriebildungen ein und reproduziert damit unreflektiert weiterhin die heterosexuelle Matrix in einer ausgeprägt unveränderten Weise.“

Man darf raten, ob sich Frau Palm jemals mit den Gründen dafür, dass es zwei Geschlechter gibt beschäftigt hat. Die Red Queen Theorie, inszwischen mit einem guten Forschungsunterbau versehen, könnte es ihr erklären, aber das wird sie gar nicht wollen.

Es darf angemerkt werden, dass der Vortrag als feministische Forschung in einem Buch gelandet ist, Herausgeberin unter anderem Frau Sigurd Schmitz, die Frau, bei der auch Heinz Voss promoviert hat. Was eigentlich schon vieles sagt.

Kritik an evolutionärer Psychologie

Kommentar Chomsky hat etwas zu Kritik an Evolutionärer Psychologie geschrieben:

Kritik an evolutionärer Psychologie:

– Die EP vertritt einen zu starken Nativismus;

Das ist erst einmal kein Argument. Es müsste weiter ausgebaut werden. Was, wenn die Welt nativistisch ist? Was ist wenn die Betrachtungen in anderen Bereichen noch nicht nativistisch genug sind und diese umdenken müssen? Die Forschung bestätigt denke ich eher eine nativistische Betrachtungsweise. Aber in dieser Generalität kann man das Argument auch nicht besprechen. Man müsste es am einem konkreten Fall machen.

Hinzu kommt, dass die Gegner hier häufig Evolutionsbiologie, Biologie, Medizin und Evolutionäre Psychologe durcheinander werfen. Der starke Nativismus wird ebenso vertreten in der Biologie, der Medizin und der Evolutionspyschologie. Letztere bezieht die Ergebnisse, die dort vorgefunden werden mit ein und ordnet sie häufig nur in ein System ein. Ich behaupte, dass man in vielen Punkten die Evolutionspsychologie nicht heranziehen müsste, aber dennoch zu gleichen Ergebnissen kommen würde.

– Die EP vertritt einen Panadaptionismus;

Auch erst einmal wenig aussagekräftig als Argument. Es müsste wohl weiter ausgeführt werden. Ich zitiere im Gegenzug mal den folgenden Text

Stephen Jay Gould (2000), among others, have understood evolutionary psychologists to hold that all parts of all organisms under any descriptions are adaptations. In contrast, evolutionary psychology, like evolutionary biology, takes natural selection to be the only known source of organized functional complexity, but does not take all features of organisms to be functional features. Any functional aspect of the phenotype must necessarily have concomitant byproducts, features that are incidental consequences that were not selected by virtue of a functional role. The colors of internal organs are examples. The fact that the liver is brown is a byproduct of the physiology, but its color does not contribute to its function per se. It is worth noting that identifying byproducts requires the same type of rigor as identifying adaptations: a hypothesis that a trait is a byproduct generally requires an account of the adaptation or adaptations of which the trait in question is a byproduct.

-.Die EP ist nicht falsifizierbar (m.E. ein extrem heikler Kritikpunkt);

– Die EP steht auf einer schwachen empirischen Basis;

Ich werfe diese beiden Komplexe mal in einem Topf und behaupte im Gegenzug: Evolutionäre Psychologie ist im Geschlechterbereich die am besten abgesicherte Theorie, die vertreten wird. Den meisten Leuten ist die Fülle von Belegen nur nicht bekannt, die hinter diesem Bereich steckt und sie schätzen die Basis daher geringer ein als sie tatsächlich ist. Um darzustellen, dass ein Verhalten auf evolutionärem Vorgängen und damit Biologie beruht kann man sich der kompletten Biologie, Medizin, Anthropologie, Genetik, Zoologie, Achäologie  etc bedienen. Nur wenn zunächst festgestellt ist, dass ein Verhalten wirklich einen biologisch-medizinischen Hintergrund hat kann man auch die entsprechenden evolutionären Herleitungen machen. Natürlich kann man, wie in jedem wissenschaftlichen Bereich eine These aufstellen, aber das ist ja dann auch nur eine These und als solche zu behandeln. Jeder Wisssenschaftsbereich baut auf bestimmten Erkenntnissen auf, bei der Evolution sind dies eben auch bestimmte Prinzipien, die in der allgemeinen Evolutionsbiologie entwickelt worden sind. Prinzipien wie sexuelle und intrasexuelle Selektion haben bestimmte Folgen und Prinzipien, die sich beim Menschen eben auch erkennen lassen.

Und natürlich kann man evolutionspsychologische Theorien zumindest teilweise falsifiziern: Eben indem man feststellt, dass der Vorgang nicht biologisch geprägt ist, sondern sozial bedingt. Oder indem man über Test herausfindet, dass die Vorhersagen der These nicht eintreten. Oder indem man eine Nichtübereinstimmung mit anderen Prinzipien feststellt.

Eine These wie „Die größere Körperkraft von Männern ist durch intrasexuelle Konkurrenz entstanden“ ist zB wiederlegt, wenn man feststellt, dass sie nicht eine Folge der anabolen Wirkung von Testosteron ist, sondern rein sozial bedingt. Sie ist auch widerlegt, wenn genetische Forschung nachweist, dass sich 80% der Männer, aber nur 40% der Frauen fortgepflanzt haben, da dann die intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen wesentlich höher gewesen wäre.

Das kann man dann auch bei geistigen Eigenschaften machen, etwa wenn man Statusdenken und Wettbewerb auf intrasexuelle Konkurrenz zurückführt. Man kann Studien dazu machen, auf welchen biologischen Mechanismen diese beruhen, wie die Hormone dabei wirken, es mit anderen Tierarten vergleichen, wie Gorillas, Schimpansen und Bonobos und vergleichende völkerkundliche Studien, vielleicht verbunden mit Überprüfungen, wie in diesen Völkern die Testosteronwerte liegen (pränatales Testosteron, postnatales Testostern, Rezpetoren), durchführen. Man kann eben auch hier auf die Genetik zurückgreifen, wie in dem obigen Beispiel etc.

Thesen können auch widerlegt sein, wenn man Spieletheoretich nachweist, dass die damit zu verbindenen Verhaltensweisen keine evolutionär stabile Strategie bilden und daher sich nicht allgemein hätten durchsetzen können.  Ebenso kann sie falsifiziert sein, wenn wir sie nicht in unserer Ahnenreihe unterbringen können.

– Die EP kann kulturelle, soziale und gesellschaftliche Fragen nicht beantworten.

Das wage ich zu bezweifeln. Sie kann die meisten Fragen sogar wesentlich besser beantworten als jede andere Forschungsrichtung. Ich würde sogar sagen, dass man die meisten kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Fragen wesentlich besser versteht, wenn man sie in einem biologischen-medizinischen und dann evolutionspsychologischen Erklärungsmodell betrachtet. Erst wenn man die Bedeutung von intrasexueller und intersexueller Konkurrenz erfast hat, kann man das Statusstreben in der Gesellschaft verstehen. Erst wenn man sich anhand der spieletheoretischen Betrachtung deutlich gemacht hat, warum Altruismus ein Out- und eine Ingrouping erfordert, wird man Rassismus und Gruppenbildung sowie Ideologisierung wirklich nachvollziehen können. Und erst wenn man versteht, dass Evolution nicht gut ist und kein Gewissen hat kann man vieles verstehen, was der Mensch so treibt. „Nichts in der Biologie macht Sinn, außer im Lichte der Evolution“. Und der Mensch ist Biologie, ist ein Tier, wenn auch mit etwas mehr Großhirnrinde.

Auch aus der Richtung der Kritischen Psychologie kommt Kritik:

Wolfgang Maiers: Der Etikettenschwindel der Evolutionären Psychologie / The bogus claim of Evolutionary Psychology

Die Evolutionäre Psychologie (EP) zielt wissenschaftlich darauf ab, das für grundlegend fehlerhaft erachtete sozialwissenschaftliche Bild vom menschlichen Verhalten und Bewußtsein durch evolutionsbiologische Bestimmungen der conditio humana abzulösen. Im Zentrum des Beitrags steht eine kritische Überprüfung der methodologischen Prinzipien, theoretischen Voraussetzungen und empirischen Belege der EP. Deren Erkenntnisansatz erweist sich als zutiefst unhistorisch: Irregeführt durch einen genetisch-deterministischen Reduktionismus mündet er in ein eindimensionales und statisches Konzept menschlicher Natur ein.

Das ist ja schlicht falsch. Evolutionäre Modelle sind nur dann statisch und eindimensional, wenn man nicht versteht, was „im Schnitt“ bedeutet. Die biologischen Theorien und auch die evolutionspsychologischen Theorien (sie werden ja gerne in einen Topf geworfen) können natürlich jedes Verhalten bei einem Individuum erklären und abdecken. Ich hatte diesen klassischen Strohmannbiologismus schon ein paar mal besprochen

Hier auch  noch etwas dazu:

hile evolutionary psychology takes there to be a species-typical cognitive architecture – an evolved “human nature” – this does not entail the prediction that all humans will be everywhere the same. Variation has many sources, including genetic differences, contingent responses to the environment (such as language learning, in which a putative universal language acquisition system leads to differences in the specific language leaned depending on the environment), and so on. Evolutionary psychology is committed to the view that there is a human nature, much as there is a flamingo nature, mosquito nature, or oak tree nature. That is, there is a species-typical design with variation among individuals coming from many sources, both genetic and environmental. One important source of variation between individuals derives from the fact that humans learn from one another (Boyd & Richerson, 1985), and information accumulates over time. Because information in other people’s minds is one aspect of the environment for humans, people in different places and different times come to have beliefs because others in the local ecology have them. Sets of beliefs that differ from one group of individuals to another are, therefore, another part of the human phenotype to be explained. Evolutionary psychology takes what is usually termed “culture” to be the product of human minds, albeit a complex one. Far from placing no importance on the role of culture, evolutionary psychology sees culture as one of the most important aspects of human nature to try to explain (Tooby & Cosmides, 1992).

Es ist ein klassisches Fehlverständnis, dass das Feindbild evolutionäre Psychologie betrachtet ohne sich wirklich damit beschäftigt zu haben

Die kritisch-psychologische Anwendung der Evolutionstheorie auf die Psychophylogenese zeigt die Möglichkeit eines alternativen Verständnisses der Anthropogenese – als eines qualitativen Umwandlungsprozesses von der evolutionär-stammesgeschichtlichen zur gesellschaftlich-geschichtlichen Entwicklung – auf. Die einzelwissenschaftliche Auflösung des scheinbaren Paradoxons einer “gesellschaftlichen Natur” des Menschen ist unhintergehbar, wenn die EP als eine pseudowissenschaftliche, ideologisch begründete Ausdehnung des Geltungsbereichs biologischer Erklärungen auf die qualitativ verschiedene Ebene gesamtgesellschaftlich vermittelter menschlicher Existenz wirksam widerlegt werden soll.

Da ist kein Argument vorhanden, es ist reine Stimmungsmache. Der Verfasser hat sich meiner Vermutung nach noch nie ernsthaft mit Evolutionärer Psychologie, aber wohl auch nicht mit der medzinisch /biologischen Forschung in diesem Bereich beschäftigt.

Was man auch dringend beachten sollte ist: Nur weil eine Erklärung keine absolute Gewissheit bildet, bedeutet das nicht, dass sie falsch ist. Sie kann dennoch die wahrscheinlichste Erklärung sein und sogar höchstwahrscheinlich richtig. Zudem verschweigen die anderen Erklärungen gerne, dass sie eben auch erhebliche Unsicherheiten ausweisen. Gerade soziologische Erklärungen werden gern unter vollkommener Ignoranz biologischer Hintergründe entwickelt. Es hat beispielsweise nichts mit Evolutionspsychologie zu tun, wenn man anführt, dass Testosteron einer der Faktoren eines starken Sexualtriebs sind und Männer davon deutlich mehr haben als Frauen. Aber inwiefern taucht dies in soziologischen Betrachtungen auf?

Ich füge noch ein paar Links an:

Ich finde Kritik wichtig und gut. Daher bitte ich um weitere Kritik in den Kommentaren.

  • Mich würde auch interessieren, welche Theorien ihr als besser abgesichert betrachtet und welche Argumente euch dabei mehr überzeugen.
  • Mich würde interessieren, welche evolutionspsychologischen Theorien euch nicht überzeugen und warum
  • Mich würde interessieren, wie es eine Erklärung für den Menschen geben soll, ohne das man seine Entwicklung mit einbezieht oder gar ausblendet.

Der alte Mann und die Frauen

Ich bin auf einer Geburtstagsfeier, ein 70er Geburtstag, eingeladen. Die Stimmung ist gut, die Reden und Gästebeiträge sogar recht lustig. Ich mache mich auf dem Weg zum Nachtischbuffet und verquatsche mich dort etwas.

Als ich zurückkomme steht in der Runde bei Südländerin ein Herr um die 85 Jahre, der sich mit ihr unterhält. Er sieht fast edel aus, graues Haar, einen hanseatisch geschnittenen Anzug, man merkt ihn an, dass er es gewohnt ist, anderen Leuten etwas zu sagen. Er ist immer noch ein Alpha, aber man merkt ihm sein Alter an. Ich höre Südländerin lachen als ich näher komme und geselle mich dazu. Er erzählt ein paar Seemansgeschichten, nichts großes, aber er erzählt es gut. Er ist ein angenehmer Gesprächspartner. Es ist faszinierend zu sehen, welches Charisma und welche Selbstsicherheit er noch immer ausstrahlt.

Ich frage die Frau des Gastgebers etwas später bei Gelegenheit, wer er ist: Sie sagt, dass er der erste Skipper ihres Mannes gewesen sei, mit dem er gerade früher Hobbysegeln war, im Mittelmeer. Er sei damals ein fescher Kerl gewesen und das habe er auch gewusst. Er habe 3 Mal geheiratet und insgesamt 6 Kinder, auch von seiner letzten Frau habe er sich scheiden lassen und dann immer Freundinnen gehabt, die 30 Jahre jünger gewesen seien. Sie seufzt. Sie habe ihm damals schon gesagt, dass die jungen Dinger nicht bei ihm bleiben werden und ihn gewiss nicht pflegen werden, wenn er alt sei.

Aber er habe nichts davon hören wollen.

Ich schaue ihm nach, wie er am Ende des Abends alleine in seinen Mercedes steigt und davon fährt.

Ob er glücklich ist? Er hat ja schließlich Kinder und wie man auch der Feier gesehen hat auch viele Freunde. Es gibt schlimmeres als bis ins hohe Alter bei (verhältnismäßig) jungen Frauen begehrt zu sein. Im Alter allein sind auch viele andere Leute, z.B. wenn ihre Partner sterben.

Er scheint mir nicht unglücklich gewesen zu sein in seinem Leben, etwas gemacht zu haben, viel erlebt zu haben.  Soweit ich es verstehe, hat er Kinder und Scheidungen auch finanziell gut überstanden.

Ob er es wohl noch einmal so machen würde?

Kunst als evolutionäre Adaption zur Darstellung guter Gene

Matt Ridley schreibt in „The Mating Mind„:

The idea that art emerged through sexual selection was fairly common a century ago, and seems to have fallen out of favor through neglect rather than disproof. Darwin viewed human ornamentation and clothing as natural outcomes of sexual selection. In The Descent of Man he cited the popularity across tribal peoples of nail colors, eyelid colors, hair dyes, hair cutting and braiding, head shaving, teeth staining, tooth removal, tattooing, scarification, skull deformations, and piercings of the nose, ears, and lips. Darwin observed that „self-adornment, vanity, and the admiration of others, seem to be the commonest motives“ for selfornamentation. He also noted that in most cultures men ornament themselves more than women, as sexual selection theory would predict. Anticipating the handicap principle, Darwin also stressed the pain costs of aesthetic mutilations such as scarification, and the time costs of acquiring rare pigments for body decoration. Finally, he argued against a cultural explanation of ornamentation, observing that „It is extremely improbable that these practices which are followed by so many distinct nations are due to tradition from any common source.“ Darwin believed the instinct for self-ornamentation to have evolved through sexual selection as a universal part of human nature, more often expressed by males than by females (..)

The idea that art emerged through sexual selection was fairly common a century ago, and seems to have fallen out of favor through neglect rather than disproof. Darwin viewed human ornamentation and clothing as natural outcomes of sexual selection. In The Descent of Man he cited the popularity across tribal peoples of nail colors, eyelid colors, hair dyes, hair cutting and braiding, head shaving, teeth staining, tooth removal, tattooing, scarification, skull deformations, and piercings of the nose, ears, and lips. Darwin observed that „self-adornment, vanity, and the admiration of others, seem to be the commonest motives“ for selfornamentation. He also noted that in most cultures men ornament themselves more than women, as sexual selection theoryPowerful reactions like aesthetic rapture are the footprint of powerful selection forces. Like our sexual preferences for certain faces and bodies, our aesthetic preferences may look capricious at first, but reveal a deeper logic on closer examination. If art evolved through sexual selection, our aesthetic preferences could be viewed as part of our mate choice system. They are not the same preferences we use to assess another individual’s body, because, like most other animals, we already have rich sexual preferences about body form. Rather, they are the preferences we use in assessing someone’s extended phenotype: the set of objects they made, acquired, and displayed around their bodies. To explain our aesthetic preferences, we should be able to use the same sexual selection theories that biologists use to explain mating preferences. As we saw in previous chapters, these boil down to three options: preferences that escalate through runaway effects, preferences that come from sensory biases, and preferences evolved to favor fitness indicators. (…)

Beauty conveys truth, but not the way we thought. Aesthetic significance does not deliver truth about the human condition in general: it delivers truth about the condition of a particular human, the artist. The aesthetic features of art make sense mainly as displays of the artist’s skill and creativity, not as vehicles of transcendental enlightenment, religious inspiration, social commentary, psycho-analytic revelation, or political revolution. Plato and Hegel derogated art for failing to deliver the same sort of truth that they thought philosophy could produce. They misunderstood the point of art. It is unfair to expect a medium that evolved to display biological fitness to be well adapted for communicating abstract philosophical truths. (…)

When we talk about the evolution of art, perhaps we are really talking about the evolution of a human tendency to make material objects into advertisements of our fitness. When we talk about aesthetics, perhaps we are really talking about human preferences that evolved to favor features of human-made objects that reliably indicate the artisan’s fitness. This view suggests that aesthetics overlaps with social psychology. We possess a natural ability to see through the work of art to the artist’s skill and intention. Seeing a beautiful work of art naturally leads us to respect the artist. We may not fall in love with the artist immediately. But if we meet them, we may well want to find out whether their actual phenotypes live up to their extended phenotypes.

Ich finde es eine interessante Betrachtung von Kunst. Es passt zum Sexappeal, dass viele Künstler haben und gibt eine gute Erklärung dafür, warum wir Kunst an sich mögen. Es würde erklären, warum mehr Männer als Frauen auf der produzierenden Seite tätig sind, aber viele Frauen Kunstausstellungen und Theater etc mögen.

Wenn das Gehirn, wie es Geoffrey Miller ausführt, eine der besten Möglichkeiten ist, gute Gene darzustellen, weil ein gut funktionierendes Gehirn mit schlechtern Genen nicht funktioniert, dann macht es in der Tat Sinn, die Fähigkeiten des Gehirns über Kunst darzustellen. Es würde erklären, warum wie Musik mit einem gewissen komplizierten System mögen (Fugen etc), warum Rapper mit schnellen, spontanen Reimen Erfolg haben etc.

„5a-reductase-2 deficiency“ (5a-RD-2) und „17b hydroxysteroid dehydrogenase-3 deficiency“ (17b-HSD-3)

Interessantes zur Geschlechterentstehung und einen guten Überblick über die Forschung bietet der Artikel „Male Gender Identity and Masculine Behavior: the Role of Sex Hormones in Brain Development“ (PDF)

Ich greife dort mal die Ausführungen zu zwei interessanten Konstellationen, die dort behandelt werden: 5a-reductase-2 deficiency (5a-RD-2) and 17bhydroxysteroid dehydrogenase-3 deficiency (17b-HSD-3)

Ein Auszug:

Gender development and 5a-reductase-2 deficiency (5a-RD-2) and 17bhydroxysteroid dehydrogenase-3 deficiency (17b-HSD-3) Children with 5α-RD-2 have an enzyme defect that prenatally blocks the conversion of testosterone into dihydrotestosterone. Consequently they are born with external genitals that are female in appearance. They are usually raised as girls and seem to have a female gender identity, but, if the condition is not discovered in childhood, these children develop male sex characteristics in puberty: growth of their “clitoris” and scrotum, lowering of the voice, beard growth, masculine muscle development, and masculine body fat distribution. After puberty, many of these youngsters start living as males and develop a sexual attraction toward females. These transitions have been primarily documented in non-Western cultures. When raised as boys, these children have a male identity and behave like boys.

Another condition affecting testosterone biosynthesis, which might lead to impaired virili zation in male infants, but excessive virilization when these children become adolescents, is 17 β-HSD-3. Gender transitions in 46,XY children with 17β-HSD-3 raised as girls have also been reported. However, such changes did not happen in all affected individuals. De Vries and colleagues (2007) reviewed the literature on gender identity outcome and DSD and found that 59% of the female-raised 5α- RD-2 individuals (69 of 117), and 39% of the 17β-HSD-3 individuals (20 of 51), all above age 12, had gender dysphoria to the extent that they chose to live as males later in life.

Ergänzend aus der Wikipedia zum Steroid-5α-Reduktase-Mangel:

Die 5α-Reduktase (SRD5) wandelt Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) um; DHT stimuliert den Androgenrezeptor wirksamer. Bei einem Defizit dieser Isozyme, insbesondere des zweiten Isozyms (SRD5A2), kann es bei Männern zu einem Pseudohermaphroditismus mit einer Hypospadie des Penis kommen, bei dem die äußere Öffnung der Harnröhre im Dammbereich liegt [1].

Biochemisch ist die Testosteron-Konzentration bei Betroffenen niedrig bis normal. Der DHT-Spiegel ist sehr niedrig. Das Verhältnis von Testosteron zu DHT ist somit höher als normal. DHT gehört zu den Androgenen und ist unter anderem für die Bildung der äußeren männlichen Geschlechtsteile des Mannes während der Fötalentwicklung im Mutterleib zuständig.

DHT hat keinen Einfluss auf die Entwicklung des weiblichen Körpers. Betroffene Männer werden zwar mit den typischen Gonaden geboren, diese sind allerdings in den ersten Jahren verborgen. Auch haben die Jungen keinen erkennbaren Penis. Ihr äußeres primäres Geschlecht gleicht den weiblichen Genitalien.

Die Jungen werden so in den ersten Jahren wie Mädchen erzogen. Diese fügen sich auch ohne Probleme in das soziale Bild ein. Beim Einsetzen der Pubertät kommt es dann zur vermehrten Entwicklung des Sexualhormons Testosteron. Die vermeintlichen Mädchen durchleben eine männliche Pubertät. Die Hoden treten nach außen und die Klitoris wächst zu einem Penis aus. Dieser Penis weist in den meisten Fällen ebenfalls die typischen Symptome einer Hypospadie auf.

Die Hoden sind in der Lage zeugungsfähiges Sperma zu bilden. Allerdings kann es durch die Unterentwicklung der Prostata und die Hodenlageanomalie zur Unfruchtbarkeit kommen.

70 bis 80 Prozent der Betroffenen leben nach der vollendeten Pubertät als Mann weiter. Die Wenigsten entsprechen in dem anerzogenen weiblichen Gesellschaftsbild.

Die Gegentheorie wäre wohl, dass sie mit dem männlich werden des Körpers eben die weiblichen Rollen ablehnen und männlicher werden müssen. Die Rollen werden eben auch an dem körperlichen Bild fest gemacht. Mich überzeugt das allerdings wenig. Schließlich sind auch ansonsten soziale Rollen schwer abzulegen.

Und zu 17-beta-hydroxysteroid dehydrogenase deficiency aus der englischen Wikipedia:

17-beta-hydroxysteroid dehydrogenase III deficiency is a rare disorder of sexual development affecting testosterone biosynthesis, which can produce impaired virilization (traditionally termed male pseudohermaphroditism) of genetically male infants and children and excessive virilization of female adults.

It is an autosomal recessive[1] condition and is one of the few disorders of sexual development that can affect the primary and/or secondary sex characteristics of both males and females. (…)

17-beta-hydroxysteroid dehydrogenase III deficiency is clinically characterized by either ambiguous external genitalia or complete female external genitalia at birth; as a consequence of impaired male sexual differentiation in 46,XY individuals. Further investigations on ambiguous genitalia will eventually lead to findings of intersexuality. Severely impaired virilization (often complete absence of male sexual differentiation) can lead to development of female external genitalia. These children are raised as female, and their diagnosis is often discovered when there is absence of menarche (first menstruation) and when they begin to virilize during puberty (slowly become more like a man; deepening of the voice, acne, male musculature etc). At careful examination, testis can often be found in the inguinal channel.