Kunst als evolutionäre Adaption zur Darstellung guter Gene

Matt Ridley schreibt in „The Mating Mind„:

The idea that art emerged through sexual selection was fairly common a century ago, and seems to have fallen out of favor through neglect rather than disproof. Darwin viewed human ornamentation and clothing as natural outcomes of sexual selection. In The Descent of Man he cited the popularity across tribal peoples of nail colors, eyelid colors, hair dyes, hair cutting and braiding, head shaving, teeth staining, tooth removal, tattooing, scarification, skull deformations, and piercings of the nose, ears, and lips. Darwin observed that „self-adornment, vanity, and the admiration of others, seem to be the commonest motives“ for selfornamentation. He also noted that in most cultures men ornament themselves more than women, as sexual selection theory would predict. Anticipating the handicap principle, Darwin also stressed the pain costs of aesthetic mutilations such as scarification, and the time costs of acquiring rare pigments for body decoration. Finally, he argued against a cultural explanation of ornamentation, observing that „It is extremely improbable that these practices which are followed by so many distinct nations are due to tradition from any common source.“ Darwin believed the instinct for self-ornamentation to have evolved through sexual selection as a universal part of human nature, more often expressed by males than by females (..)

The idea that art emerged through sexual selection was fairly common a century ago, and seems to have fallen out of favor through neglect rather than disproof. Darwin viewed human ornamentation and clothing as natural outcomes of sexual selection. In The Descent of Man he cited the popularity across tribal peoples of nail colors, eyelid colors, hair dyes, hair cutting and braiding, head shaving, teeth staining, tooth removal, tattooing, scarification, skull deformations, and piercings of the nose, ears, and lips. Darwin observed that „self-adornment, vanity, and the admiration of others, seem to be the commonest motives“ for selfornamentation. He also noted that in most cultures men ornament themselves more than women, as sexual selection theoryPowerful reactions like aesthetic rapture are the footprint of powerful selection forces. Like our sexual preferences for certain faces and bodies, our aesthetic preferences may look capricious at first, but reveal a deeper logic on closer examination. If art evolved through sexual selection, our aesthetic preferences could be viewed as part of our mate choice system. They are not the same preferences we use to assess another individual’s body, because, like most other animals, we already have rich sexual preferences about body form. Rather, they are the preferences we use in assessing someone’s extended phenotype: the set of objects they made, acquired, and displayed around their bodies. To explain our aesthetic preferences, we should be able to use the same sexual selection theories that biologists use to explain mating preferences. As we saw in previous chapters, these boil down to three options: preferences that escalate through runaway effects, preferences that come from sensory biases, and preferences evolved to favor fitness indicators. (…)

Beauty conveys truth, but not the way we thought. Aesthetic significance does not deliver truth about the human condition in general: it delivers truth about the condition of a particular human, the artist. The aesthetic features of art make sense mainly as displays of the artist’s skill and creativity, not as vehicles of transcendental enlightenment, religious inspiration, social commentary, psycho-analytic revelation, or political revolution. Plato and Hegel derogated art for failing to deliver the same sort of truth that they thought philosophy could produce. They misunderstood the point of art. It is unfair to expect a medium that evolved to display biological fitness to be well adapted for communicating abstract philosophical truths. (…)

When we talk about the evolution of art, perhaps we are really talking about the evolution of a human tendency to make material objects into advertisements of our fitness. When we talk about aesthetics, perhaps we are really talking about human preferences that evolved to favor features of human-made objects that reliably indicate the artisan’s fitness. This view suggests that aesthetics overlaps with social psychology. We possess a natural ability to see through the work of art to the artist’s skill and intention. Seeing a beautiful work of art naturally leads us to respect the artist. We may not fall in love with the artist immediately. But if we meet them, we may well want to find out whether their actual phenotypes live up to their extended phenotypes.

Ich finde es eine interessante Betrachtung von Kunst. Es passt zum Sexappeal, dass viele Künstler haben und gibt eine gute Erklärung dafür, warum wir Kunst an sich mögen. Es würde erklären, warum mehr Männer als Frauen auf der produzierenden Seite tätig sind, aber viele Frauen Kunstausstellungen und Theater etc mögen.

Wenn das Gehirn, wie es Geoffrey Miller ausführt, eine der besten Möglichkeiten ist, gute Gene darzustellen, weil ein gut funktionierendes Gehirn mit schlechtern Genen nicht funktioniert, dann macht es in der Tat Sinn, die Fähigkeiten des Gehirns über Kunst darzustellen. Es würde erklären, warum wie Musik mit einem gewissen komplizierten System mögen (Fugen etc), warum Rapper mit schnellen, spontanen Reimen Erfolg haben etc.

31 Gedanken zu “Kunst als evolutionäre Adaption zur Darstellung guter Gene

  1. Immerhin fragt sie nicht, welchen Gender wir haben?
    Sie redet immer nur von sex? (Bioligisches Geschlecht)
    Schlimm genug, dass man heutzutage auf so etwas hinnweisen muss.

  2. Wenn das Gehirn, wie es Geoffrey Miller ausführt, eine der besten Möglichkeiten ist, gute Gene darzustellen, weil ein gut funktionierendes Gehirn mit schlechtern Genen nicht funktioniert, dann macht es in der Tat Sinn, die Fähigkeiten des Gehirns über Kunst darzustellen. Es würde erklären, warum wie Musik mit einem gewissen komplizierten System mögen (Fugen etc), warum Rapper mit schnellen, spontanen Reimen Erfolg haben etc.

    Und warum gibt es dann keine Kunst bei Tieren?

    Es ist doch etwas merkwürdig, daß das nur beim Menschen vorhanden ist.

    Sexuelle Selektion gibt’s doch auch bei Tieren.

    Ich habe zufälligerweise gerade auch was zum Thema Kunst bei mir geschrieben.

    Dein Reduktionismus ist schon etwas befremdlich. Kunst geschieht also nicht, weil es schön ist, der Seele Ausdruck zu verleihen, sondern weil sie der sexuellen Selektion zugute kommt.

    Bei dir wird alles äußerlich-materialistisch begründet.

    • Und warum gibt es dann keine Kunst bei Tieren?

      Du verzerrst die Aussage der Theorie. Es ging darum, zu erklären, warum sich Kunst entwickelt hat. Wenn es keine Kunst gibt, gibt es auch nichts zu erklären. Außerdem gibt es ja bei Tieren Kunst. Männchen schmücken sich, sie zwitschern originelle Melodien, versuchen sich als virtuose Architekten beim Nestbau, wollen Weibchen durch bunte Früchte beeindrucken usw. Im restlichen Tierreich läuft es genauso wie beim Menschen. Die Männchen schuften, die Weibchen schmarotzen.

      Warum es bei Tieren keinen Picasso gibt, lässt sich auch ganz leicht biologisch erklären. Schimpansen z.B. malen in Zoos. Ihnen fehlen jedoch im Vergleich zu Menschen kognitive Kapazitäten. Deshalb gibt es bei Tieren nur solche Kunst, die wir, an menschlichen Maßstäben gemessen, nicht als Kunst bezeichnen würden.

      Dein Reduktionismus ist schon etwas befremdlich.

      Ja, mindestens ein Aspekt fehlt bei der Erklärung der Kunst. Christian vernachlässigt die ökonomische Seite. Menschen mussten sich zunächst so weit von den Notwendigkeiten des bloßen Überlebens emanzipieren, dass sie überhaupt erst Zeit hatten, sich der Kunst (und Wissenschaft) zu widmen. Es erforderte Errungenschaften bei der Sicherung der Nahrungsversorgung, die ein Künstlerdasein erst ermöglicht haben.

    • So ein Schwachsinn. Lest doch mal „Hand und Wort“ von Leroi-Gourhan. Der vertritt, grob gesagt, die These, dass Kunst ein „Abfallprodukt“ von technischen, pädagogischen und sozialen Problemlösungen ist. Die ersten „kostbaren“ Kunstobjekte waren Statussymbole und solche Statussymbole waren wichtig, weil ab einer bestimmten Gruppengröße die Rudelhierarchie nicht mehr funktioniert.
      Und was Kunst als Darstellung guter Gene anbelangt: willkommen in der Welt von Baudelaire und Proust, von Kleist und Kafka, von Dickens und Balzac. Echt, manchen Menschen sollte man erstmal ein bisschen Bildung in den Kopf klopfen, bevor die sprechen dürfen. Kunst als Genexpression. So ein dämlicher Unsinn!

      • Die These von Miller hat durchaus viele Unterstützer. Dawkins beispielsweise.

        ist hier natürlich verkürzt dargestellt, ich empfehle sein Buch The mating mind“ für mehr Details zu lesen.

        Kunst auch Statusobjekte erzeugt ist übrigens mit dieser These nicht in Konflikt. Natürlich können gerade Objekte, die Ausdruck eines besonderen Intellekts sind mit Status aufgeladen werden.

        Theorie erklärt aber nicht die sexuelle Komponente der Kunst und die Begeisterung vieler Frauen für Künstler. Dies ist bei einer Entstehung durch sexuelle Selektion viel leichter zu erklären.

        genau willst du mit der Aufzählung der Personen sagen? Nur wenn du sie für dumm halten würdest worden ihre Werke ja nicht Ausdruck eines leistungsstarken Gehirns und damit insoweit guter Gene sein

  3. Diese evolutionäre Betrachtung von Kunst macht übrigens nur Sinn, wenn wir davon ausgehen, dass Kunst irgendetwas mit Können oder Leistung zu tun hat. Seit der naiven Wende in der Kunst vor etwa 100 Jahren gilt das nicht mehr. Kunst kann jeder Idiot, man muss nur der erste Idiot sein, der „entdeckt“ wird, um als Künstler zu gelten und dafür bezahlt zu werden. Wenn ich heute schwarze Quadrate male, beweise ich damit weder irgendein von Frauen geschätztes Können, noch verdiene ich damit Millionen. Der Kapitalismus hat die Kunst im wahrsten Sinne des Wortes entartet, der menschlichen Art entfremdet. „Kunst“ erfüllt hauptsächlich das spezifisch kapitalistische Bedürfnis nach Anlage- und Spekulationsobjekten. Handwerk, Fähigkeiten und Fertigkeiten sind keine notwendigen Bedingungen mehr im Entstehungsprozess von „Kunst“. Wirklich menschliche Kunst, als Demonstration der ganzen Bandbreite der kognitiven Fähigkeiten und Kulturtechniken, ist tot. Sie konnte sich ein paar Jahrzehnte im Realsozialismus halbwegs retten. Mit dessen Ende ist nun auch die wahre Kunst am Ende und der Ware „Kunst“ gewichen.

    • Auch das ist eine alberne Aussage. Gerade der russische Konstruktivismus hat sich nicht als Kunst, sondern als Erforschung der menschlichen Gestaltungsfähigkeit gesehen. Siehe das schwarze Quadrat von Malevich. Man kann diese Bilder eben nicht für sich betrachten, sondern muss sie im Kontext der Zeit sehen. Natürlich kann jeder schwarze Quadrate malen, aber nicht jeder kann die „geistigen“ Zusammenhänge dazu denken. Das Bild an sich ist eben nicht viel wert. Was ja auch das Problem des Konstruktivismus ausmacht.
      Was dein Annotat zum Kapitalismus angeht: nur weil ein Bild berühmt und teuer ist, ist es noch lange nicht „ästhetisch“ oder „intelligibel“. Kunst ist dazu da, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Der Markt absorbiert aber diese Aufgabenstellung und ersetzt sie durch (Geld-)Werte. Da stimme ich dir völlig zu. Doch das ist eben ein altes Spiel. Es ist die Bequemlichkeit derjenigen, die keine materiellen Sorgen haben, ein Verharren in selbstverschuldeter Unmündigkeit. Man ehrt Goethe, aber man hat ihn nicht gelesen und wird ihn auch nie lesen. Hier darf man dann den Faust zitieren: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ Sprich: das Kulturartefakt, die Auseinandersetzung, das „Wissen“, bzw. Erfahrung.

  4. Du immer mit deinem Kapitalismus.

    Schwarze Quadrate sind Kunst.

    Heute vielleicht nicht mehr.

    Aber auch vor 200 Jahren gab es halt neue Strömungen und Techniken, die vermutlich auch viele abgelehnt haben.

    Das Problem ist, daß heutige Kunst immer abstrakter und intellektueller wird.

    Dies ist nur eine konsequente Weiterentwicklung.

    Denn Kunst kommt ursprünglich tatsächlich von Können und Handwerk.

    Diese Dinge haben sich halt immer mehr abstrahiert und auf eine philosophisch-suggestive Ebene zubewegt. Mit x Reflexions- und Metaebenen. Mit Selbstbezüglichkeit und allerlei.

    Christians Sicht ist insofern materialistisch, als er offenbar nur biologisch-materielle Zusammenhänge herstellt und nicht den letztlich eigenständigen Charakter von Kunst und „geistigen Produkten“ anerkennt.

    Das ist das Nervige an diesem Gehirn- und Biologiereduktionismus.

    Das alles kann noch so sehr evolutionsbiologisch verwurzelt sein. Der Sinn und Gehalt von geistigen Schöpfungen läßt sich durch diesen Verweis nicht erschließen und man wird dem nicht gerecht.

    Dazu muß man gar nicht viel von Kunst oder Geisteswissenschaften halten.

    @Zhen:

    Mit deinem Hinweis auf die Ökonomie hast du recht, denke ich. Kunst und Wissenschaft werden erst ab einer gewissen Unabhängigkeit möglich und sind daher auch nicht allein auf irgendwelche Triebe zurückzuführen.

    Der Tiervergleich geht meiner Meinung nach fehl. Denn Tiere sind auf ihre „Kunst“ existentiell-materiell angewiesen. Tun sie nicht aus Muße. Aus Reflexion. Aus Liebe zur Schönheit. Aus Selbstabstand und Distanz.

    Das ist der entscheidende Unterschied.

    • @ Kirk

      „Das alles kann noch so sehr evolutionsbiologisch verwurzelt sein. Der Sinn und Gehalt von geistigen Schöpfungen läßt sich durch diesen Verweis nicht erschließen und man wird dem nicht gerecht.“

      Es gibt hin und wieder Formulierungen von Dir, da triffst Du den Nagel auf den Kopf. Das Wesen einer emergierten höheren Ebene lässt sich nicht ausschließlich unter Rückgriff auf die Gegebenheiten der niederen Ebene verstehen – sage ich da mal ganz hegelianisch. 🙂

      Die Evolutionäre Psychologie gewährt uns höchstens die Erkenntnis, welche biologischen Aspekte die Entstehung der menschlichen Neigung und Befähigung zum künstlerischen Schaffen ERMÖGLICHEN.
      Das Wesen der Kunst – ihr psychologischer, phänomenologischer, soziologischer, spiritueller etc. Gehalt für den Menschen kann dadurch nicht ausreichend verstanden werden.

      Ich denke, das ist ein Beispiel für den Aspekt, den Du immer wieder bei Christians Sichtweisen als „reduktionistisch“ kritisierst.
      Du hast diesbezüglich m.E. durchaus Recht.

      Allerdings ist dieser „Reduktionismus“ für viele Biologen und biologisch interessierte Menschen eine wesentliche psychologische Motivationsquelle – er vermittelt das Gefühl zu verstehen, was letztendlich hinter den Erscheinungen liegt. Und das wirkt nicht selten als konstruktiver Antrieb für ihre Arbeit.

      Diese Gefühl ist zwar letztendlich eine Illusion, da stimme ich Dir zu. Viele Geisteswissenschaftler würden vermutlich genau umgekehrt argumentieren, dass selbst wenn alle evolutionspsychologischen Fragen vollständig erforscht und alle Ergebnisse weitgehend gesichert wären, wir die wichtigsten philosophischen Fragen dadurch eben gerade NICHT geklärt hätten, aber für den Evolutionären Psychologen ist die Relevanz seines Wissens eben ein wichtiger Aspekt seines Identitätsgefühls. Bei Forschern in anderen Bereichen ist das genauso. Die Menschen brauchen vermutlich immer das Gefühl, dass ihr jeweiliger Forschungsbereich das „wichtigste“ Wissen produziert.

      Ich denke, diese psychologische Funktion der Neigung zur „Verabsolutierung“ des eigenen Forschungsbereichs sollte man bei solchen Themen stets im Hinterkopf behalten.

      • Die Menschen brauchen vermutlich immer das Gefühl, dass ihr jeweiliger Forschungsbereich das “wichtigste” Wissen produziert.

        Mit anderen Worten: Wenn Dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, wirst Du in jedem Problem einen Nagel sehen…
        War es so ungefähr gemeint?

      • @ gedankenwerk

        Kann man so sagen. Wobei noch hinzuzufügen wäre, dass die jeweilige Person außerdem eine persönliche Neigung besitzt, gerade den Hammer zu benutzen und das Hämmern für sie bis zu einem gewissen Grad eine wichtige Quelle ihres Identitäts- und Selbstwertgefühls darstellt (gilt wie gesagt m.E. für die meisten Fachleute, egal auf welchem Gebiet).

      • @Leszek

        Wobei noch hinzuzufügen wäre, dass die jeweilige Person außerdem eine persönliche Neigung besitzt, gerade den Hammer zu benutzen und das Hämmern für sie bis zu einem gewissen Grad eine wichtige Quelle ihres Identitäts- und Selbstwertgefühls darstellt (gilt wie gesagt m.E. für die meisten Fachleute, egal auf welchem Gebiet).

        Ich meinte die Aussage auch nicht ausschließlich auf ein bestimmtes Fachgebiet bezogen. Nur hier wird es eben anscheinend mal wieder deutlich.
        Eine Lösung wäre, seine Begriffe und Definitionen entsprechend zu erweitern, damit sie mehr der Realität entsprechen (einer größeren Bandbreite von Realität).
        Also das was man z.B. unter einem „Gen“ versteht und einer Ausprägung. Dass ein „Gen“ oder eine Anlage auch nichts festes ist, sondern auch durch einen Kontext bedingt ist, wenn es sich um komplexe Merkmale handelt, jenseits von Augen- und Haarfarbe.
        Oder sich mehr bewusst zu machen, wo eben die Grenzen der eigenen Profession liegen.
        Mein Hintergrund liegt auch eher im Bereich Informationstechnologie und zu den ersten Sachen, die man bei den theoretischen Grundlagen lernt, gehört eben auch, was die Grenzen der zugehörigen formalen Systeme bzw. formaler Systeme überhaupt sind.
        Salopp gesagt, dass es mehr Wahrheiten als (mit den zur Verfügung stehenden „Werkzeugen“) beweisbare Wahrheiten gibt. Dass man eben immer auf „Axiome“ angewiesen ist und dass man, selbst wenn man diese grundlegenden Axiome
        aufweicht oder total ändert manchmal wieder zu Isomorphien kommen kann, die in der Realität auf zauberhafte Weise trotzdem wieder funktionieren.
        Dies gilt selbst für die reinste und edelste Königin unter den Wissenschaften, die Mathematik.
        Ein paar gewisse Basiskenntnisse in Wissenschaftstheorie als Meta-Wissenschaft, täten allen Forschungszweigen ganz gut, denke ich.
        Also sich darüber Gedanken zu machen, was kann ich wie überhaupt zeigen. Wie hüte ich mich vor allzu schnellen Bewertungen und Folgerungen. Welche Rolle spielt der Mensch, der das ganze fabriziert und seine spezielle Motivation.
        Also, was und wie kann ich jemanden mitteilen, dass meine Thesen stimmen, auch wenn der andere nicht glaubenswillig ist.
        Und dabei machen sich große Sprünge ganz schlecht. Meine, genauso gut könnte man die Attraktion der Geschlechter auf molekularer Ebene zu erklären versuchen und das Atommodell für Analogien menschlichen Verhaltens herziehen.

  5. nail colors, eyelid colors, hair dyes, hair cutting and braiding, head shaving, teeth staining, tooth removal, tattooing, scarification, skull deformations, and piercings of the nose, ears, and lips.

    Wie der Sprung jetzt von „Body Art“ im Speziellen zu Kunst im Allgemeinen zu kommen soll, konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Und wo dann diesbzgl. ein künstlerisches Mann / Frau Gefälle ist, ebensowenig. Würde sagen, die sind doch zwischen Mann und Frau ganz gut gefächert. Ohrringe sind zeit- und kulturübergreifend weder typisch männlich noch weiblich, Piercings im Allgemeinen noch weniger, Färbung von Nägeln und Augenliedern haben im westlichen Kulturkreis mehr weibliche Anhänger, würde ich sagen. Usw. usw.

  6. Christian argumentiert nicht materialistisch, sondern idealistisch, weil er das Kunstschaffen aus biologischen Trieben herleitet.
    Damit bleibt Kunst ein unerklärliches Phänomen.

    Kunst ist für Ihn in autistischer Art und Weise ein Ausdruck guter Gene oder Intelligenz.
    Viele Verliebte betrachten den gleichen Kunstgeschmack als Seelenverwandtschaft.
    Der Grund wird wohl eher darin liegen das Kunst nicht primär ein Ausdruck guter Gene ist, sondern vielmehr ein Ausdruck von politischen und philosophischen Anschauungen, Moralauffassungen und ästhetischen Wertmaßstäben.
    Damit ist Kunst ein Ausdruck der Beziehung des Menschen zur Wirklichkeit. Und es ist wohl so das die meisten Menschen keinen Geschmack haben, wenn sie sich mit den minderwertigen Produkten der Kulturindustrie identifizieren.

    • „Christian argumentiert nicht materialistisch, sondern idealistisch, weil er das Kunstschaffen aus biologischen Trieben herleitet.
      Damit bleibt Kunst ein unerklärliches Phänomen.“

      Nun ja, ich bezweifle, ob die Erklärung von Kunst als „Ausdruck von politischen und philosophischen Anschauungen, Moralauffassungen und ästhetischen Wertmaßstäben“ wirklich weiter führt.

      Der Zusammenhang von Schönheitsempfinden und Sexualität ist zunächst mal evident; und die biologisch/materialistischen Erklärungen haben damit zumindest einen Realitätskern, den die idealistisch/diskurstheoretischen so nicht haben.

      Der Zusammenhang von Sexualität und Schönheistempfinden reicht natürlich nicht aus, um zu erklären, warum wir z.B. bestimmte Gebäude oder abstrakte Kunstwerke als schön empfinden; in sofern ist Ästhetik nicht überflüssig. Aber der biologische Aspekt sollte nicht vernachlässigt werden.

      • Die Künste beschränken sich heute aber nicht mehr ausschließlich auf die Sinnlichkeits-Lust, sondern beziehen ihre Erregung von ‚Unlust‘, von Ekel und Schmerz in ihre Domäne mit ein.

  7. @Christian

    Kritik an Deiner Hypothese aus Wikipedia:

    Schwierigkeiten und Kritik [Bearbeiten]

    Wie bei anderen Modellvorstellungen der Evolutionspsychologie (siehe auch dort) besteht eine zentrale Schwierigkeit darin, dass sich viele Thesen bestenfalls plausibilisieren, aber kaum nachvollziehbar rekonstruieren lassen.[14]

    Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, evolutionär bedingte ästhetische Präferenzen von kulturell geprägten zu unterscheiden. Ein evolutionärer Hintergrund würde bedeuten, dass es sich bei den jeweiligen ästhetischen Vorlieben um Universalien handelt, sie also bei Menschen aller Kulturen zu beobachten sind. Dies ist jedoch nur in einzelnen Fällen nachweisbar. Gábor Paál bezeichnet diese Art von Präferenzen als „elementarästhetisch“.[15]
    Zudem kann die evolutionäre Ästhetik nicht erklären, wie es innerhalb relativ kurzer Zeiträume zu grundlegenden Veränderungen ästhetischer Präferenzen gekommen ist, beispielsweise dass im 18. Jahrhundert Gebirge, deren Anblick man zuvor vermieden hatte, nun wegen ihrer ästhetischen Qualitäten aufgesucht wurden – ein Wandel, für den kulturalistische Ansätze plausible Erklärungen anzubieten vermögen.[16]

    Der Versuch, konkrete Schönheitsideale evolutionär zu erklären, beinhaltet meist die Gleichsetzung von Schönheit mit biologischer „Attraktivität“ bzw. von Schönheits- mit „Lust“-empfinden.[17] Paál weist jedoch darauf hin, dass die biologische Reaktion auf einen attraktiven Reiz meist unbewusst abläuft, während ein ästhetisches Urteil eine vergleichend-abwägende, also geistige Entscheidung ist.[18] Mittlerweile mehren sich auch die Hinweise aus der Neurowissenschaft, dass beim Lustempfinden andere Prozesse im Gehirn aktiv sind als beim bewussten ästhetischen Urteil, ob ein Objekt schön ist oder nicht.[19] Auch zeigt sich, dass bei Prozessen, die mit biologischer Attraktivität zu tun haben eher Bereiche des limbischen Systems tätig sind, während hingegen ästhetische Urteile vor allem in der Großhirnrinde gefällt werden.[20]

    http://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionäre_Ästhetik#cite_note-19

    • Der Versuch, konkrete Schönheitsideale evolutionär zu erklären, beinhaltet meist die Gleichsetzung von Schönheit mit biologischer „Attraktivität“ bzw. von Schönheits- mit „Lust“-empfinden.[17] Paál weist jedoch darauf hin, dass die biologische Reaktion auf einen attraktiven Reiz meist unbewusst abläuft, während ein ästhetisches Urteil eine vergleichend-abwägende, also geistige Entscheidung ist.

      Ich würde sagen: Ästhetik ist ein sehr weites Feld. Das reicht nun mal von Lust erzeugend bis hin zu auf einer geistigen Ebene angenehm-stimulierend.

      Wenn es interkulturelle Schönheitsideale gibt, dann spricht eben viel für eine evolutionäre Ursache. Wie will man es denn kulturell erklären, wenn nachweislich voneinander unabhängige Kulturen in manchen Punkten gleiche Schönheitsideale entwickelt haben?

      Zudem kann die evolutionäre Ästhetik nicht erklären, wie es innerhalb relativ kurzer Zeiträume zu grundlegenden Veränderungen ästhetischer Präferenzen gekommen ist, beispielsweise dass im 18. Jahrhundert Gebirge, deren Anblick man zuvor vermieden hatte, nun wegen ihrer ästhetischen Qualitäten aufgesucht wurden – ein Wandel, für den kulturalistische Ansätze plausible Erklärungen anzubieten vermögen.

      Berge scheinen jedenfalls interkulturell einen hohen Symbolwert zu besitzen. Der kann ja durchaus auch ambivalent sein – was ja einen allgemeinen, plötzlichen Sinneswandel zum als Schön empfundenen plausibel macht.

      Den Tiger finde ich auch sehr schön, solange er im Käfig sitzt 😉

    • @Chomsky

      „Der Versuch, konkrete Schönheitsideale evolutionär zu erklären, beinhaltet meist die Gleichsetzung von Schönheit mit biologischer „Attraktivität“ bzw. von Schönheits- mit „Lust“-empfinden.“

      Ich habe hier mal eine Herleitung zu Schönheit und Attraktivität
      https://allesevolution.wordpress.com/2011/10/20/nochmal-schonheit-attraktivitat-und-evolution/

      „Paál weist jedoch darauf hin, dass die biologische Reaktion auf einen attraktiven Reiz meist unbewusst abläuft, während ein ästhetisches Urteil eine vergleichend-abwägende, also geistige Entscheidung ist.“

      Das glaube ich nicht. Das mag bei einigen hochvergeistigten Sachen so sein, aber bei Menschen ist dies nicht der Fall. Du kannst nicht abwägend zu der Erkenntnis kommen als heterosexueller Mann jetzt plötzlich Männer attraktiv zu finden, genauso wenig wie ein homosexueller Mann sich entscheiden kann nicht mehr schwul zu sein.
      Wir nehmen die Reize auf und wissen eigentlich recht schnell, was schön ist.

      • Das glaube ich nicht.

        Doch, das passt schon.

        Paál spricht ausdrücklich von einem ästhetischen Urteil.

        Also davon, wie das mögliche Empfinden (Ästhetik von altgriechisch αἴσθησις aísthēsis „Wahrnehmung“, „Empfindung“) zu beurteilen ist.

        Das ist aber imho eher der Standpunkt desjenigen, der Empfinden systematisiert – und nicht desjenigen, der Empfindet.

        Womit das Ganze zum Zirkelschluß wird 😉

  8. Etwas Off-Topic:

    http://www.wired.com/wiredscience/2012/05/st_darwinfaces

    Darwin hatte damals eine Befragung durchgeführt, um Fotos mit Gesichtsausdrücken hinsichtlich Emotionen bewerten zu lassen. Er wollte damals universellen Gemütsbewegungen von Mensch und Tier auf die Spur kommen.
    Das Experiment wurde zur heutigen Zeit mit einer größeren Gruppe wiederholt, die z.T. auf ganz unterschiedliche Bewertungen zu damals kamen.

    Ergebnis:

    Emotions, it turns out, vary not only cross-culturally but also cross-historically. You might say they’ve evolved.

  9. @Christian

    Also, ich kann mich täuschen, aber wenn ich so Deinen Blog anschaue, dann berufst Du ja wohl schon hauptsächlich auf die Evolutionspsycholgie. M.E. katapultierst Du Dich da viel zu einseitig auf eine Theoriekonzeption, die wohl geradeso einseitig ist, wie wenn man die Welt alleine mit Foucault oder Butler erklären möchte. Ev. könnte es ja auch sinnvoll sein, wenn Du mal einen Thread aufmachst, der explizit die Grundlagen der Evolutionspsychologie kritisiert. Ich habe da noch was Spannendes gefunden hierzu, sind zwar nur Schlagwörter, aber ich denke, die darin enhaltenen Kritikpunkte dürften wohl eine gewisse Berechtigung haben und werden wohl die nächsten Jahrzehnte nicht verstummen – soll heissen: an diesen Kritikpunkten wird sich wohl die EP abarbeiten müssen.

    Kritik an evolutionärer Psychologie:

    – Die EP vertritt einen zu starken Nativismus;
    – Die EP vertritt einen Panadaptionismus;
    -.Die EP ist nicht falsifizierbar (m.E. ein extrem heikler Kritikpunkt);
    – Die EP steht auf einer schwachen empirischen Basis;
    – Die EP kann kulturelle, soziale und gesellschaftliche Fragen nicht beantworten.

    http://www.philosophie.tu-bs.de/alt/profile/Frey_EP.pdf

    Auch aus der Richtung der Kritischen Psychologie kommt Kritik:

    Wolfgang Maiers: Der Etikettenschwindel der Evolutionären Psychologie / The bogus claim of Evolutionary Psychology

    Die Evolutionäre Psychologie (EP) zielt wissenschaftlich darauf ab, das für grundlegend fehlerhaft erachtete sozialwissenschaftliche Bild vom menschlichen Verhalten und Bewußtsein durch evolutionsbiologische Bestimmungen der conditio humana abzulösen. Im Zentrum des Beitrags steht eine kritische Überprüfung der methodologischen Prinzipien, theoretischen Voraussetzungen und empirischen Belege der EP. Deren Erkenntnisansatz erweist sich als zutiefst unhistorisch: Irregeführt durch einen genetisch-deterministischen Reduktionismus mündet er in ein eindimensionales und statisches Konzept menschlicher Natur ein. Die kritisch-psychologische Anwendung der Evolutionstheorie auf die Psychophylogenese zeigt die Möglichkeit eines alternativen Verständnisses der Anthropogenese – als eines qualitativen Umwandlungsprozesses von der evolutionär-stammesgeschichtlichen zur gesellschaftlich-geschichtlichen Entwicklung – auf. Die einzelwissenschaftliche Auflösung des scheinbaren Paradoxons einer „gesellschaftlichen Natur“ des Menschen ist unhintergehbar, wenn die EP als eine pseudowissenschaftliche, ideologisch begründete Ausdehnung des Geltungsbereichs biologischer Erklärungen auf die qualitativ verschiedene Ebene gesamtgesellschaftlich vermittelter menschlicher Existenz wirksam widerlegt werden soll.

    http://www.kritische-psychologie.de/fkp/fkp45.html#fkp45hr.

  10. @Christian

    Ganz allgemein wäre es sinnvoll, wenn du deine Artikelzahl etwas reduzierst.

    Dann könnte man einige Themen tiefergehend diskutieren.

    Es hilft da wenig, daß man prinzipiell auch noch in älteren Artikel diskutieren kann.

    Die Diskussionsdynamik wird durch die häufige Artikelzahl negativ beeinflußt.

    Was versprichst du dir denn von so vielen Artikeln? Für mich werden die einzelnen Themen dadurch auch ein bißchen entwertet und trivialisiert, weil sofort das nächste Thema ansteht.

    Ich denke, dein Blog könnte davon profitieren, wenn du die Zahl der Artikel etwas reduzierst.

    Ich hätte z.B. gerne noch bei diesem Thema weiterdiskutiert.

    • @Kirk

      „Ganz allgemein wäre es sinnvoll, wenn du deine Artikelzahl etwas reduzierst.“

      Das schlägst du immer wieder vor. Ich sage dir immer wieder, dass ich es momentan nicht möchte.

      wenn du ein Thema länger diskutieren willst, dann nur zu. Wenn es eine interessante Diskussion ist, dann werden die Leute dort schon weiter machen.

      „Ich denke, dein Blog könnte davon profitieren, wenn du die Zahl der Artikel etwas reduzierst.“

      Meiner Erfahrung nach ist ein Artikel pro Tag am einfachsten für den Blogbetreiber, der regelmäßig posten möchte. Es erlaubt einem keine Ausreden wie „Dann eben morgen/in einer Woche/irgendwann“.

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