Tiefe Stimmen und Politik

Tiefe Stimmen scheinen in der Politik eine gewisse Rolle zu spielen:

Dass die Höhe respektive Tiefe der Stimme die Attraktivität beeinflusst, ist in der Anthropologie an sich nichts Neues. Männer mit tieferen Stimmen werden laut Studien als anziehend, physisch stark und sozial dominant wahrgenommen. Bei Frauen ist die Sachlage etwas komplizierter: Hohe Stimmen gelten einerseits als attraktiv, andererseits scheinen sie der sozialen Dominanz abträglich zu sein.

Anderson hat nun mit der Biologin Susan Peters und dem Politikwissenschaftler Casey Klofstad die Stimme als Faktor politischer Wahlen untersucht. Die drei Forscher baten Frauen und Männer ins Labor, um folgenden Satz ins Mikrofon zu sprechen: „I urge you to vote for me this November“ – „Ich bitte Sie mich im November zu wählen“.

Daraus stellten die drei Forscher Varianten in höherer und tieferer Stimmlage her, die sie wiederum mehr als 150 Probanden vorspielten. Das Urteil war einhellig. Sowohl Frauen als auch Männer entschieden sich für die Kandidaten mit der tieferen Stimme. Eine zweite Testrunde legte Differenzen offen: Kandidatinnen mit sonorem Organ wurden sowohl von Frauen als auch von Männern als kompetenter, stärker und vertrauenswürdiger eingestuft.

Oder wie es die Forscher selbst fassen:

It is well known that non-human animals respond to information encoded in vocal signals, and the same can be said of humans. Specifically, human voice pitch affects how speakers are perceived. As such, does voice pitch affect how we perceive and select our leaders? To answer this question, we recorded men and women saying ‘I urge you to vote for me this November’. Each recording was manipulated digitally to yield a higher- and lower-pitched version of the original. We then asked men and women to vote for either the lower- or higher-pitched version of each voice. Our results show that both men and women select male and female leaders with lower voices. These findings suggest that men and women with lower-pitched voices may be more successful in obtaining positions of leadership. This might also suggest that because women, on average, have higher-pitched voices than men, voice pitch could be a factor that contributes to fewer women holding leadership roles than men. Additionally, while people are free to choose their leaders, these results clearly demonstrate that these choices cannot be understood in isolation from biological influences.

Quelle: Sounds like a winner: voice pitch influences perception of leadership capacity in both men and women

Aus Sicht der Evolution recht einfach zu erklären. Bei Männern lassen tiefe Stimmen auf viel Testosteron und große Brustkästen schließen. Also auf jemanden, der mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit als Sieger aus einem intrasexuellen Konflikt hervorgeht. Es lohnt sich also ihn zu bevorzugen.

Bei Frauen wirken helle Stimmen attraktiver, weil sie auf Östrogene hindeuten. Tiefe Stimmen hingegen deuten eher auf Testosteron hin und damit in der Tat auf mehr Dominanz und Wettbewerbsfähigkeit. Auch das Auseinanderdriften ist damit verständlich.

Hinzu kommt, dass Frauen in einem Kampf um die Anführerrolle gegen stärkere Männer schlechte Karten haben, sofern sie nicht selbst andere Männer auf ihre Seite zogen. Auch nicht die beste Voraussetzung für den Kampf um die Führung, was vielleicht erklärt, warum wir Frauen in diesem Bereich weniger auf unserem Radar haben.

Ungerecht? Ja, natürlich. Aber die Natur ist eben nicht gerecht, moralisch oder gut.

Nachteilig für weibliche Kandidaten in der Politik, dem Betrieb oder andere Führungspositionen? Auch das. Aber es zeigt eben auch wieder, dass wir in solchen Bereichen immer noch von unserer Biologie beeinflusst werden, auch wenn wir das gar nicht in dem Maße merken. Die Leute werden ja nicht darauf abstellen, was eine tiefere Stimme bedeutet, sondern einfach ein bestimmtes Gefühl haben, dass der mit der tieferen Stimme irgendwie vertrauenserweckender, dominanter, anführerhafter klingt.

Ich zitiere noch mal aus der Studie:

Additionally, while people are free to choose their leaders, these results clearly demonstrate that these choices cannot be understood in isolation from biological influences

Wie so häufig.