Political Correctness

Ich finde die Frage interessant, was genau Political Correctness eigentlich erreichen kann.

„Selbst-Diskriminierung“ oder „Selbstironie“ hat meiner Meinung nach den Effekt, dass man eine gewisse Entspannung zeigt. man macht deutlich, dass der andere nicht auf Zehenspitzen um solche Themen herumschleichen muss, sondern man damit umgehen kann. Wenn eine Frau sagt „

Ich habe – Frau wie ich bin – fünf Versuche gebraucht, um in die Parklücke zu kommen“,

dann ist dieses Eingeständnis, in diesem Punkt unter ein Klischee zu fallen, ein Signal, dass man den Umgang der Geschlechter entspannter sieht. und es erlaubt ihr Schuld von sich an die Gruppe (in diesem Fall Frauen abzugeben) Gleichzeitig ist – insbesondere nach einer solchen Erklärung – ein ebenfalls sexiistscher Witz der Gegenseite ein Zeichen, dass man sich nicht als Feind begreift. Den ein Freund oder eben auch ein Nichtfeind, darf einen Tabubruch eher begehen, eben gerade weil man weiß, dass er damit nichts böses bezweckt.

Dabei dient innerhalb dieses Tabubruchs die Überhöhung dazu, genau diese Nichtfeindlichkeit zu demonstrieren.

Unausgesprochen sagt der Verwender das Folgende:

Wenn er „Selbst-Diskrimierend“ ist:

Ich weiß, dass es Vorurteile über mich oder die Gruppe, der ich angehöre, gibt. Hier, ich spreche sie selbst aus. Keine Angst, ich kann mit diesen Vorurteilen umgehen, es ist kein Taboo um das du herumschleichen musst.“

Der „Diskriminierer“ sagt:

Ich mache hier mal einen Taboobruch. Ich begebe mich damit etwas in deine Hände. Denn du kannst mich daraufhin als Diskriminier outen oder mich deswegen ablehnen. Ich vertraue dir aber genug, um zu wissen, dass du mich richtig verstehst und weißt, dass ich nichts gegen dich habe“

Er kann, wenn die diskriminierte Minderheit nicht dabei ist, natürlich auch einen entsprechenden Appell machen:

Seht ihr ich mache mich angreifbar, indem ich etwas politisch nicht korrektes sage. Ich vertraue aber darauf, dass ihr das nicht gegen mich verwendet.

Letztendlich kann damit Diskriminierung ein Costly Signal sein, mit dem man eine In-Group erzeugt. Das macht bei „freundlicher Diskriminierung“, also der Benennung von Klischees ohne Böshaftigkeit gegen die Gruppe, die diese betreffen, den „Wert“ aus.

Das rechtfertigt natürlich nicht Diskriminierung an sich. Bösartige Diskriminierung oder Abwertung aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit oder das Festhalten an Klischees ohne Berücksichtigung des Individuums schon gar nicht. Ebenso sollte man Berücksichtigen, dass viele betroffene Menschen solche Anmerkungen eben sehr stören können, gerade wenn sie den anderen nicht einschätzen können und die Frage, ab wann ein Spruch ins bösartige umschlägt, von jeder Person anderes bewertet werden kann.

Es macht aber auch deutlich, warum die Leute auf übertriebene political Correctness genervt reagieren. Denn in diesem Fall wird dem Diskriminierten das Signal genommen, dass er die Sache entspannt sieht und dem Gesprächspartner des (potentiell) Diskrimierten die Möglichkeit, durch überzogene Diskriminierung Harmlosigkeit zu signalisieren.

Vielmehr bleibt die Gruppenzugehörigkeit evtl im Raum stehen, ohne das jemand etwas dazu sagt, was es viel unangenehmer machen kann.