Die Rechte des leiblichen Vaters

Leider hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einem neueren Urteil die Einschränkung der Rechte leiblicher Väter für zulässig erklärt.

Der Focus berichtet unter der Überschrift „Wie deutsche Väter einfach entsorgt werden“

Man kann den Aufschrei der Empörung fast noch hören: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat am Donnerstag entschieden: Wer biologischer Väter eines Kindes ist, hat weder einen zwingenden Anspruch darauf, dass seine Vaterschaft auch juristisch anerkannt wird, noch darf er für sein leibliches Kind wie ein Vater sorgen (Beschwerdenummer 45071/09 und 23338/09).

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Die Mitgliedstaaten der Menschenrechtskonvention – darunter auch Deutschland – hätten in solchen Fällen einen weiten Beurteilungsspielraum. Der Gesetzgeber habe sich entschieden, „einem bestehenden Familienverband zwischen dem betroffenen Kind und seinem rechtlichen Vater, der sich regelmäßig um das Kind kümmert, Vorrang einzuräumen gegenüber der Beziehung zwischen dem (angeblichen) leiblichen Vater und seinem Kind“.

Die Konventionsstaaten seien zwar verpflichtet, den Umgang des leiblichen Vaters mit dem Kind zu ermöglichen, wenn dies im Interesse des Kindeswohl liege, ergänzte das Gericht unter Verweis auf eine frühere Entscheidung. „Daraus folgt aber nicht notwendigerweise eine Verpflichtung (…), biologischen Vätern die Möglichkeit einzuräumen, den Status des rechtlichen Vaters anzufechten.“

Der bestehende Familienverbund bedeutet, dass die Frau bereits mit einem andren Mann in einer festen Beziehung oder Ehe wohnt und dieser das Kind als seines akzeptiert. Warum das etwas daran ändern soll, wer der Vater ist, erschließt sich mir nicht. Wenn ein Vater das Kind nach der Geburt schnappen würde und es mit Hilfe einer anderen Frau aufziehen würde, dann würde niemand auf die Idee kommen, dass die Mutter nicht mehr die Mutter ist. Es würde uns als absurdes Ergebnis vorkommen. Warum dies dann der Fall sein soll, wenn die Mutter mit einem anderen Mann zusammen das Kind erzieht erscheint mir unverständlich.

Es scheint sich mir aus einer konservativen Einstellung zu ergeben, dass ein in der Ehe geborenes Kind eben aus der Ehe stammt und dort hingehört. Es mag sein, dass diese Regelung vieles einfacher macht und eine anderweitige Regelung vieles komplizierter gemacht hätte. Aber das kann kein Grund sein Rechte wie die Vaterschaft in dieser Form zu beschneiden.

Es wird Zeit, die Vaterschaft rein biologisch zu regeln. Wer genetisch der Vater ist, der sollte auch seine Vaterrechte haben. Ausnahmen für Samenspenden  halte ich insoweit für zulässig, aber in allen anderen Situationen ist dieses Kriterium letztendlich das, was wir unter Vaterschaft verstehen.

Eine soziale Beziehung zu einem „sozialen Vater“ ist hingegen sicherlich eine gute Sache, aber auch wieder zu beliebig, um die Vaterrechte des leiblichen Vaters zu beschränken.