Prostitution, Zwangsprostitution und Zuhälterei

Ein Thema, dass in Geschlechterdebatten immer wieder eine Rolle spielt, ist die Prostitution. Die einen machen daran symbolisch die Unterdrückung der Frau und das Böse im Patriarchat fest, rücken die Prostitution in die Nähe der Vergewaltigung, die anderen sehen es als Dienstleistung wie jede andere auch, auf die sich die jeweiligen Personen freiwillig einlassen.

Hier mal ein Versuch, die Probleme anzureißen, die in diesem Zusammenhang bestehen.

1. Warum überhaupt Prostitution?

Die Antwort ist einfach: Männer haben im Schnitt, ob homosexuell oder heterosexuell, eine recht sachliche Einstellung zu Sex, die ihnen erlaubt ohne weitere Bindung zu einer Person mit dieser rein aufgrund optischer Kriterien (und auch diese können niedrig angesetzt sein) Sex zu haben. Zudem genießen Männer Abwechselung: Eine Frau, mit der sie noch nicht geschlafen haben, bietet andere Stimuli als eine Frau, mit der sie schon geschlafen haben. Hinzu kommen Sexfantasien oder der Wunsch mit einer Frau über dem eigenen Partnerwert schlafen zu wollen. Dies in Verbindung mit dem stärkeren Sexualtrieb der Männer erschafft automatisch einen Markt, bei dem Männer Sex nachfragen und in dem sie bereit sind, für diesen zu bezahlen. Natürlich nicht alle Männer, aber anscheinend hinreichende Anzahlen.

Hier noch einmal meine Artikel zu unterschiedlichen Sexualtrieben und Testosteron:

Nimmt man die Anzahl an Prostituierten mit vermutenten Freiern pro Tag mal (wobei ich keine Ahnung habe, wie man diese Berechnung unter Berücksichtigung von kurzzeitiger Prostitution (zB einen Monat im Jahr oder was weiß ich) ergibt sich eine erstaunliche Zahl sexueller Kontakte.

Der Markt ist also vorhanden.

2. Freiwillige Prostituion vs. Zwangsprostituion

Zwangsprostituion ist, bei enger Definition, dass Ausüben der Prostituion gegen den erklärten Willen der Prostituierten.

Insoweit dürfte allgemeine Einigkeit bestehen, dass Zwangsprostituion oder Sexsklaventum unmoralisch, ethisch falsch und zu recht strafbar ist.

a) Regeglungen in Deutschland zur Zuhälterei

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang die Strafbarkeit der Zuhälterei sein, die sich aus § 181 a StGB ergibt:

§ 181a

Zuhälterei

(1) Mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer

1. eine andere Person, die der Prostitution nachgeht, ausbeutet oder

2. seines Vermögensvorteils wegen eine andere Person bei der Ausübung der Prostitution überwacht, Ort, Zeit, Ausmaß oder andere Umstände der Prostitutionsausübung bestimmt oder Maßnahmen trifft, die sie davon abhalten sollen, die Prostitution aufzugeben, und im Hinblick darauf Beziehungen zu ihr unterhält, die über den Einzelfall hinausgehen.

(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer die persönliche oder wirtschaftliche Unabhängigkeit einer anderen Person dadurch beeinträchtigt, dass er gewerbsmäßig die Prostitutionsausübung der anderen Person durch Vermittlung sexuellen Verkehrs fördert und im Hinblick darauf Beziehungen zu ihr unterhält, die über den Einzelfall hinausgehen.

(3) Nach den Absätzen 1 und 2 wird auch bestraft, wer die in Absatz 1 Nr. 1 und 2 genannten Handlungen oder die in Absatz 2 bezeichnete Förderung gegenüber seinem Ehegatten vornimmt.

Da haben wir also einmal die Ausbeutung, worunter man wohl verstehen wird, dass ein überwiegender Teil ihrer Einnahmen bei dem Zuhälter verbleibt und das allgemeine unter Druck setzen bzw. der Aufrechterhaltung des Berufs. (Ausbeuterische Zuhälterei, Dirigierende Zuhälterei, Gewerbsmäßig fördernde Zuhälterei und Ehegattenzuhälterei)

Voraussetzung der Ausbeutung ist der Eintritt einer sprärbaren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage des Opfers aufgrund planmäßig hieraus gericherter Handelungen des Täters.

Aus der dirigierenden Zuhälterei folgt, dass in der Praxis Prostituierte in einem Bordell quasi selbständig sind und kommen und gehen können wann sie wollen (allenfalls mit dem Risiko, dann nicht wieder gebucht zu werden).

Arbeitsrechtliche Verpflichtungen zu bestimmten Handlungen generell oder mit einer bestimmten Person sind damit nicht verpflichtend, sondern unwirksam und strafbar.

Bei der Betrachtung der reinen Rechtslage genießt die Prostituierte damit eine weitgehende Freiheit.

Mich würde interessieren, wie dies im konkreten umgesetzt wird, ich vermute, dass die meisten Prostituierten einen Festpreis für Zimmer etc zahlen und es dann ihre Sache ist, wie sie Kunden besorgen. Die BordellbetreiberIn sollte sich hüten Geld in irgendeiner Form für den Einzelfall von den Freiern anzunehmen, dass sie dann direkt weiterreicht, sondern allenfalls direkt mit der Prostituierten eine, allerdings nicht zu hohe Beteiligung an den Einnahmen absprechen.

b) Warum sollte eine Frau sich überhaupt freiwillig prostituieren?

Ein beliebtes Arguement gegen Prostituition ist, dass unverständlich ist, dass Frauen sich überhaupt prostituieren.

Das Frauen dies freiwillig machen mag vielen Unverständlich sein, es scheint mir aber keineswegs so schwer zu bergründen zu sein. Es gibt wohl kaum einen Beruf, wo man als unqualifizierte Kraft so viel Geld verdienen kann. Wir akzeptieren, dass Menschen zu Räubern, Mördern und Drogendealern werden, aber das sie ihren Körper für Geld verkaufen, obwohl sie damit einen wesentlich geringeren Risikofaktor eingehen, dass wird nicht akzeptiert.

Das erscheint mir gerade bei einer dekonstruktiven, rein gesellschaftlich begründeten Einstellung erstaunlich. Warum sollte jemand nicht in der Lage sein, bei richtiger gesellschaftlicher oder personlicher Erziehung bzw. Reflexion seiner Wertvorstellungen, simmulierten Sex als eine Dienstleistung zu sehen, die er anderen anbieten kann?

Mir scheint, dass es sicherlich nicht für jede Frau etwas ist, aber ich kann mir durchaus einen gewissen Pool vorstellen, der Sex recht sachlich sehen kann, wobei sicherlich auch Gewöhnung dabei ist.

Interessante Einblicke geben hier die Blöcke von Prostituierten selbst:

Beide scheinen mir einen vernünftigen, abgeklärten Eindruck zu machen und mit der Prostituion umgehen zu können.

Verkauft wird hier eine Illusion von Sex. Männer wollen nicht das Gefühl haben, Geld dafür zu geben dass sie mechanisch zum Abspritzen gebracht werden, werden die Frau das verabscheut (abgesehen von Sadisten vielleicht), sondern das Gefühl einer gerne erbrachten Leistung haben, die dem anderen vielleicht sogar gefällt oder bei der zumindest die Illusion hinreichend ist, dass es Sex ist und sie einen gerne erregt.

Zur Bedeutung Freude am Sex hatte ich ja auch schon etwas geschrieben

c) wieviel Zwangsprostituiton gibt es

Immer wieder kommen im Vorfeld größerer Ereignisse feministische Warnungen vor Massen an Zwangsprostituierten. Diese lösen sich dann allerdings während des Ereignisses in Luft auf.

Ich kann mir vorstellen, dass es in dem Bereich durchaus einiges gibt, halte die Szenarien aber für übertrieben.

Die Anzahl der Ermittlungsverfahren wegen Zwangsprostitution sind nicht so hoch

Die Anzahl der Verfahren in diesem Bereich ist sehr gering:2003 wurden in Deutschland Ermittlungsverfahren eingeleitet, in denen es um insgesamt 1.235 Opfer (1.226 Frauen und 9 Männer) ging. Davon waren nur 127 (= 10,7%) Deutsche, die übrigen 1.108 nicht. Die Dunkelziffer ist hoch.

Der tatsächliche dunkle Keller, in dem Frauen verliesartig eingesperrt sind dürfte jedenfalls äußerst selten sein und nur extreme Wünsche bedienen. Das scheitert bereits daran, dass man die Kundschaft ja auch werben muss und sie von den jeweiligen Gelegenheiten erfahren muss. Wer eine der örtlichen Gratiszeitungen durchblättert findet bereits die einschlägigen Adressen, Datenbanken im Internet zeigen ebenfalls, dass dieser Bereich erheblich beworben wird. Das Internet dient wohl auch der Vermittlung über „Arbeitsmarktportale“ für Prostituierte, die dort Anzeigen einstellen oder auf Anzeigen von Bordellen reagieren können.

Es ist dabei natürlich die Frage, wie weit man den Zwangsprostituiertenbegriff zieht.

Eine wirtschaftlich schlechte Lage, die (mit einigem Unwohlsein) über Prostitution überbrückt wird, ist, sofern kein Zwang im Sinne des Zuhälterparagraphen ausgeübt wird, aus meiner Sicht keine Zwangsprostitution.

Ein Weg von Schulden loszukommen besteht auch über Jobs, gerade schöne Frauen dürften wenig Probleme haben einen Job zu bekommen. Zur Not gibt es in Deutschland ein Privatinsolvenzverfahren. Das tägliche Leben ist zumindest für Deutsche über die Sozialhilfe abgedeckt.

Ich bezweifele auch, dass die meisten Frauen, die hier rüberkommen, nicht wissen, welche Arbeit sie erwartet. Ich vermute, dass sie eher das Geld lockt.

Drogensucht würde ich hingegen problematisch finden und ein Freier sollte mit einer Frau bei der er eine Drogensucht vermutet, vielleicht eher fern bleiben (wobei: was ist die Alternative? Wahrscheinlich eher Kriminanität wie bei Männern).

Zudem ist das Risiko bei einer Zwangsprostituion sehr hoch für den Betreiber.

Persönliche Abhängigkeiten? Da ist immer die Frage, wie man es sieht. Viele Menschen arbeiten, um einen anderen mitzuversorgen. Ich finde die Regelung im Zuhälterstrafrecht da durchaus ausreichend. Wenn ihr Geld direkt an ihn geht, dann ist es etwas anderes als wenn er von ihr finanziert wird.

3. Prostitution – Legalisieren oder Verbieten

Es gibt hier wohl die folgenden Modelle:

  • Prostitution ist verboten
  • Prostitution ist erlaubt
  • Porstitution ist verboten, für die Prostituierte aber straffrei

Hierbei spricht aus meiner Sicht vieles für die Legalisierung der Prostitution.

Gegen ein Verbit spricht, dass damit die Prostituion in den Untergrund gedrängt wird und Prostituierte weniger Rechte haben. Mir persönlich leuchtet auch nicht ein, warum man ausschließen soll, dass Prostituion überwiegend freiwillig erfolgt.

Das Modell, in dem die Freier strafbar sind, erscheint mir vollends pervers. Die Frau kann locken, erklären, dass sie es freiwillig macht, ihn anmachen und ihn heiß machen, aber er geht in den Knast, wenn er das Angebot einer erwachsenen, voll geschäftstüchtigen Frau ausschlägt? Leuchtet mir nicht ein.

4. Prostituion und Feminismus

Zu den verschiedenen Positionen im Feminismus, insbesondere dem sexpostitiven Feminismus und dem segnegativen Feminismus habe ich bereits in dem Artikel „Der sexuelle Markt und sexnegativer bzw. sexpositiver Feminismus“ etwas geschrieben

Der sexnegative (oder der “normale”) Feminismus vertritt dabei eher die Position, den Sex möglichst teuer zu machen und so die Konkurrenz unter Frauen zurückzunehmen. Das bietet den Vorteil, dass die Frauen Sex zu ihren Bedingungen anbieten können und nicht darauf angewiesen sind, mit der Konkurrenz mitzuhalten. Klassische Positionen wäre dabei die Abwertung des sexuellen soweit es Triebhaft oder als Konkurrenzmodell auftritt. Es wäre aus dieser Position heraus verständlich,

(…)

– Prostitution abzulehnen, weil sie einen einfachen Zugang der Männer zu Sex bedeutet und damit ebenfalls den Druck auf Frauen erhöht, mit diesem Angebot zu konkurrieren

 

Der sexpositive Feminismus hingegen folgt eher der zweiten Position und hat ein Interesse daran, jede Abwertung sexueller Freizügigkeit auszuschalten, damit dieser effektiver eingesetzt werden kann, ohne die damit verbundenen Nachteile zu vermeiden. Wenn alle Frauen Schlampen sind, dann ist keine Frau eine Schlampe und es folgt eine geringere subjektive Qualitätsabwertung. Die Strategie ist zum einen für Frauen, die sich einen geringen Marktwert zuschreiben, interessant, da sie mit Sex als Lockmittel ihren Wert erhöhen können und natürlich auch für Frauen, die sehr starke Lust auf Sex haben, da sie stärker davon betroffen sind den Preis für Sex zu erhöhen als andere Frauen und von einer Gesellschaft profitieren, in der der Marktwert bei billigem Preis für Sex weniger sinkt und bei der sie zudem den Vorteil haben, die anderen Frauen eher übertrumpfen zu können. Gleichzeitig besteht auch bei dieser Spielart ein starkes Interesse daran zwar die Möglichkeit für die Frau, Sex anzubieten, möglichst frei zu gestalten, aber dabei ihr möglichst viele Rechte zu bieten, Nachteile hieraus abzufangen.

Es wäre aus dieser Position heraus verständlich,

(…)

Prostitution zu bejahen, da es eine Normalität von viel Sex mit verschiedenen Männern bestätigt und “normalschlampiges” Verhalten im Gegenzug weniger extrem macht

5. Testfrage: Wolltest du, dass deine Freundin/Tochter Prostituierte wird?

Nein. Aber muss ich deswegen dagegen sein, dass andere Frauen, die dies machen wollen, diese Tätigkeit ausüben? Ich meine nicht.