Die Grünen, der Frauenanteil in der Politik und die Quote

Die Grünen wollen gerade ihren Frauenanteil erhöhen und starten eine Kampagne deren Slogan wohl sein soll:

„Besser Du als irgendein Kerl.“

Das ist meiner Meinung nach erst einmal eine Abwertung von Männern. Und auch eine Abwertung der Männer, die nach oben kommen, denn die haben meist hart dafür gearbeitet, vielleicht nicht unbedingt am Thema, aber auf jedem Schützenfest und bei jedem Kaninchenzüchterverein.

Es ist auch ein schlechter Spruch: Wer einem Gruppenbestandteil indirekt erklärt, dass er Verantwortung für die Gruppe übernehmen soll, der wird meist wenig Erfolg haben, weil jeder meint, dass es ja der andere für die Gruppe tun könnte. Denn der Einzelne müsste ja die Last tragen, damit die Gruppe Vorteile hat, was unter Betrachtung von Game Strategie meist eher dazu führen wird, dass jeder hofft, dass es der andere tut, um so größer und unabgrenzbarer die Gruppe und um so anonymer die Gruppe, um so wahrscheinlicher wird sich niemand melden, insbesondere wenn das Ziel so abstrakt ist wie „irgendeinen Kerl“ zu verhindern.

Vielleicht sollte man eine direktere Taktik verwenden, beispielsweise über Beschämung:

Eine Frau, die nicht in einer Partei mitarbeitet, ist unemanzipiert

So könnte man wenigstens sozialen Druck aufbauen.

Oder:

Wer die Politik den Männern überlässt und sie nicht selbst mitgestaltet, der kann sich auch nicht beschweren. Mach mit, wenn du mitreden willst.

Oder so was in der Art. Aber das wäre wahrscheinlich schon wieder Victimblaming.

Aber gut, es wirkt immerhin herrlich emanzipiert, wir verhindern den „Kerl“ und so.

Interessanterweise wird in dem Artikel auch der Frauenanteil in den Parteien angegeben:

Von den aktuell gut 59.000 Grünen sind rund 62,6 Prozent männliche und nur etwa 37,4 Prozent weibliche Mitglieder.

Tatsächlich stehen die anderen Parteien noch viel schlechter da in Sachen Frauenanteil:

Die FDP kommt auf lediglich 23 Prozent,

die CDU auf 26, die CSU sogar nur auf rund 19 Prozent

und die SPD auf 31 Prozent.

Nur die Linke liegt mit etwas mehr als 37 Prozent weiblicher Mitglieder ungefähr bei dem Grünen-Wert.

Da haben wir also mit den Grünen eine Partei, die Frauenfragen und dem Feminismus sehr zugetan ist, in dem ein beachtlicher Teil der Parteien Frauen sind, die harte Quoten für diese Frauen hat und sogar umfangreiche Rederechtvorzüge beeinhaltet. Was hindert Frauen eigentlich daran, umfassend die Grünen zu wählen und so dem Patriarchat ein Ende zu bereiten? Naja, es ist das übliche Problem:

Doch das eigene Missverhältnis wiegt für die Grünen besonders schwer, zumal ihnen die Quote als eine Art Glaubensbekenntnis gilt. Und offenbar fällt es auf Landes- und Kreisebene oft schwer, überhaupt Frauen für die quotierten Positionen aufzubieten. Das Dilemma hat inzwischen auch die Grünen-Führung erkannt.

Die Frauen wollen also nicht nach oben. Das muss natürlich daran liegen, dass die Grünen einfach noch zu patriarchisch sind und es kann unmöglich damit zusammen hängen, dass Frauen ein geringeres Interesse daran haben, solche Ämter zu bekleiden. (vgl. auch Frauenquote in den Parteien am Beispiel der Grünen)