Testosteronspiegel bei Jägern und Sammlern

Der Spiegel berichtet über einen Jäger- und Sammler Stamm, bei dem die Männer im Schnitt einen sehr niedrigen Testosteronspiegel haben.

Hamburg – Manchmal ist weniger mehr. Das zeigt eine Studie US-amerikanischer Forscher am Volk der Tsimane in Bolivien. Die Männer dieses Regenwaldstammes von Jägern und Sammlern arbeiten körperlich hart, dazu müssen sie Krankheiten überstehen und werden von Parasiten geplagt. Doch in ihrem Blut fanden Forscher überraschend kleine Mengen des Männlichkeitshormons Testosteron. Sie haben davon nur ein Drittel so viel im Blut wie Männer in den Industrieländern, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

Auf den ersten Blick scheint der niedrigere Testosterongehalt ein Nachteil für die Tsimane-Männer zu sein, sorgt er doch für weniger Muskelmasse und damit Stärke. Doch: „Mehr Muskelmasse zu produzieren, kostet Energie – und hohe Testosteronwerte verringern zudem die Leistung des Immunsystems“, schreiben Benjamin Trumble von der University of Washington in Seattle und seine Kollegen. Wer in einer Umwelt mit vielen Parasiten und Krankheiten lebe, für den sei es biologisch sinnvoller, den Testosteronwert niedrig zu halten.

Das Testosteron sich auf das Immunsystem auswirkt ist bereits seit längerem bekannt. Ich hatte das schon einmal in „Testosteron und Immunsystem“ dargestellt.

Die Schlußfolgerung:

Die hohen Testosteronwerte der Männer in den Industrieländern seien evolutionär gesehen eine neue Erfindung, meinen die Forscher. Möglich wurden sie erst durch den Nahrungsüberfluss und die gute medizinische Versorgung.

„Unser Lebensstil ist eine Anomalie, eine Abweichung von der Jahrtausende alten Lebensweise unserer Art als Jäger und Sammler“, sagt Michael Gurven, einer der Leiter der Studie von der University of California in Santa Barbara. Das Streben nach möglichst hohen Testosteronwerten, beispielsweise durch Hormonpflaster oder sonstige Präparate, hat demnach mit ursprünglicher Männlichkeit oder gar altem Jägererbe wenig zu tun.

Der Schluß überzeugt mich nicht. Bei Zugrundlegung der Out-Of-Africa-Theorie steigt der Testosteronspiegel der Männer üblicherweise, um so mehr wir uns dem „geographischen Ursprung der Menschheit“ nähren. Was eher annehmen lässt, dass der Testosteronspiegel in Rahmen der Auswanderung gesunken ist und nicht nachträglich gestiegen ist.

Eher scheint mir ein umgekehrter Schluß wahrscheinlicher:

Wenn die meisten Völker auf dieser Erde einen höheren Testosteronspiegel haben als der geschilderte Stamm, dann spricht das eher dafür, dass bei diesem Stamm eine Selektion auf einen niedrigeren Testosteronspiegel stattgefunden hat.

Hierfür bieten sich relativ isolierte Stämme auch an: Der Verwandtschaftsgrad steigt aufgrund der kleinen Gruppe, was intrasexuelle Kämpfe unter Männern genetisch unrentabler macht und Hierarchien verflachen hilft.

Bei Betrachtungen von heutigen Jäger und Sammler Gesellschaften sollte man auch bedenken, dass gerade die, die weniger auf Status und intrasexuelle Konkurrenz aus sind auch eher Jäger und Sammler bleiben, einfach weil der Aufbau von Status und der Ausbau von Macht Entwicklung fördern kann (vgl. dazu Jared Diamond „Guns, Germs and Steel„.)

Hier kann auch das bessere Immunsystem ein weiterer Vorteil gewesen sein, der aber nur genutzt werden kann, wenn die Vorteile einer hohen Wettbewerbsfähigkeit aufgrund engerer Verwandschaftsverhältnisse oder anderer Umstände, die auf Friedfertigkeit selektieren, nicht mehr in dem Maße anfallen.Das Volk in vielleicht in der Steinzeit geblieben, vielleicht gerade weil es wenig Testosteron hat und damit weniger Anlass für Statusdisplay und Hierarchien.

Bestimmte Stämme werden ja auch in Debatten gerne als Beispiel dafür angeführt, was eine andere Kultur alles erreichen kann und wie konstruiert und kulturbestimmt die Geschlechterrollen sind. Genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein: In einer gegenseitigen Beeinflussung von Kultur und Biologie entwickelt sich der Mensch, genug Abgrenzung und einen hinreichend langen Zeitraum vorausgesetzt, nach den jeweiligen Gegebenheiten. Die Biologie folgt der Kultur, die Kultur folgt der Biologie.

Interessant dazu auch der Hinweis auf die Testosteronspitzen im Wettbewerb:

„Trotz ihrer krankmachenden Umgebung ist es auch für die Tsimane wichtig, Testosteron für kurzzeitige Wettkämpfe und große Kraftanstrengungen freizusetzen“, sagt Gurven. Ähnliche Hormonausschüttungen gebe es auch bei Männern in den Industrieländern in Wettbewerbssituationen. Das zeige, dass diese Hormonspitzen ein fundamentaler Aspekt der menschlichen Biologie seien. Sie blieben selbst dann erhalten, wenn dies bedeute, kurzzeitig das Immunsystem zu schwächen und eine Infektion zu riskieren.

Die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit durch Testosteron ist natürlich auch im Geschlechterverhältnis interessant. Männer haben bereits mehr Testosteron und schütten im Rahmen von Fight oder Flight Strategien auch mehr davon aus. Es spricht damit vieles dafür, dass Männer auch eher auf Wettbewerb ausgelegt sind als Frauen und sich daher  – im Schnitt – in diesem wohler fühlen.

Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT)

Ein spannender Bereich aktueller Forschung betrifft unterschiedliche Arbeitsweisen des Gehirns bei Männer und Frauen. Das Mittel zur Beobachtung dieser ist die Funktionelle Magnetresonanztomographie.

Aus der Wikipedia dazu:

Durch fMRT-Aufnahmen ist es möglich,Durchblutungsänderungen von Hirnarealen sichtbar zu machen, die auf Stoffwechselvorgänge zurückgeführt werden, welche wiederum mit neuronaler Aktivität in Zusammenhang stehen. Hierbei macht man sich die unterschiedlichen magnetischen Eigenschaften von oxygeniertem und desoxygeniertem Blut zu nutze (BOLD-Kontrast). Bei der Aktivierung von Kortexarealen kommt es zu einer Steigerung des Stoffwechsels, wodurch das aktivierte Areal mit einer überproportionalen Erhöhung des Blutflusses reagiert (sog. neurovaskuläre Kopplung). Dadurch erhöht sich die Konzentration von oxygeniertem (diamagnetischem) relativ zu desoxygeniertem (paramagnetischem) Hämoglobin. Über den intermolekularen Elektronendipol-Kerndipol Relaxationsmechanismus bewirkt diese Konzentrationsänderung eine Veränderung der effektiven transversalen Relaxationszeit der beobachteten Wasserstoff-Kernspins und führt damit zu einer Signaländerung in der MRT. Um so Rückschlüsse auf den Ort einer neuronalen Aktivität zu ziehen, wird dasMagnetresonanz-Signal des Gewebes zu zwei Zeitpunkten verglichen – z. B. im stimulierten oder Experimentalzustand einerseits sowie im Ruhe- oder Kontrollzustand andererseits. Die Aufnahmen können durch statistische Testverfahren miteinander verglichen und die statistisch signifikanten Unterschiede (die den stimulierten Arealen entsprechen) räumlich zugeordnet und dargestellt werden.

Die Wikipedia nennt auch gleich verschiedene Schwächen:

Im Vergleich zu den anderen etablierten nicht-invasiven neurophysiologischen Untersuchungsmethoden,etwa EEG oder ERP, zeigt die (verhältnismäßig junge) fMRT zwar deutlich mächtigere Möglichkeiten in der räumlich-lokalisierenden Untersuchung, aber eine prinzipbedingt sehr viel niedrigere zeitliche Auflösung. Eine zusätzliche Unsicherheit ergibt sich aus dem indirekten Charakter der Methode – die neuronale Aktivität wird nicht direkt gemessen, sondern aus Änderungen von Blutfluss und -oxygenierung geschlossen.[8] Dabei wird ein grob lineares Verhältnis zwischen Stimuli, die länger als vier Sekunden sind, und BOLD-Effekt angenommen[9]. Ob der BOLD-Effekt bei kürzeren Stimuli zuverlässig neuronale Aktivität wiedergibt, ist strittig und noch Gegenstand aktueller Forschung.

Weitere technische Limitationen der fMRT-Messung sind:

In intakten Geweben wird der BOLD-Effekt nicht nur durch das Blut in den Gefäßen, sondern auch durch das Zellgewebe um die Gefäße herum verursacht.

Wird bei der Messung des BOLD-Effekts eine minimale Größe des Mess-Voxels unterschritten, können Gefäße, die einen Querschnitt haben, der größer ist als die festgelegte Voxelgröße, fälschlicherweise als neuronale Aktivität gedeutet werden.

Darüber hinaus gibt es an den grundlegenden Annahmen und möglichen Erkenntnissen aus fMRT-Untersuchungen Kritik, die darauf beruht, dass die Visualisierung der Messdaten der fMRT eine konstruktive Komponente hat, wodurch eher die Modellvorstellungen der Forscher als tatsächliche Vorgänge dargestellt werden könnten. Des Weiteren fehlten bei zahlreichen Untersuchungen statistische Korrekturrechnungen, um Zufallsergebnisse auszuschließen.

Feministinnen wie Schmitz sehen darin einen der großen Nachteile:

Doch was zeigen uns diese Bilder wirklich? Zunächst einmal sind sie keine direkten Abbilder aus dem Innern des Gehirns, denn erst mit Hilfe von informationstechnischen Berechnungen und computergraphischen Verfahrensschritten werden aus den Daten des Scanners Bilder konstruiert. Zur Bildrekonstruktion aus Streudaten, zur Bereinigung der Daten von Rauscheffekten, zur Segmentierung und zur 3D-Bildrekonstruktion wird eine inzwischen fast unüberschaubare Menge von Berechnungsverfahren eingesetzt, um die Einzelbilder dem Vergleich zugänglich zu machen. Diese Verfahren werden von unterschiedlichen Laboratorien in unterschiedlichen Kombinationen angewandt, und dies stellt eines der größten Probleme für die vergleichende Analyse dar. Denn im Verlauf der Konstruktionsprozesse wird eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen, was ins Bild hineinkommt, was weggelassen wird, was hervorgehoben wird oder in den Hintergrund tritt. Forscher und Forscherinnen aus einem bestimmten kulturellen Umfeld, geprägt durch bestimmte Vorstellungen von Geschlecht oder Geschlechterdifferenzen, treffen diese Entscheidungen. So konnte beispielsweise Anelis Kaiser zeigen, dass Geschlechterunterschiede in der Asymmetrie der Sprach-areale auftauchen oder verschwinden, je nachdem welche (wissenschaftliche anerkannte) statistische Schwelle bei der Berechnung von Gruppenbildern eingestellt wird.12 Die Bild gebenden Verfahren der Computertomographie haben zweifelsohne viele Vorteile für die neuromedizinische Diagnose und Behandlung von IndividualpatientInnen. Sie bergen aber Gefahren unreflektierter Determinationen, wenn sie Gruppen spezifische Aussagen generalisieren und den Blick in das reale Normgehirn versprechen. Denn dem Gruppenbild „der Frau“ oder „des Mannes“ sind die Variabilität, die zeitliche Dynamik und auch die Widersprüche der zugrunde liegenden Einzelbefunde nicht mehr anzusehen. Zu fordern ist hier Transparenz in der Methodik, um die Entscheidungen im Konstruktionsprozess der Bilderstellung deutlich zu machen. Hier müsste die Neurowissenschaft einen entscheidenden Schritt wagen. Sie müsste die scheinbare Objektivität und technische Neutralität ihrer Verfahren enttarnen und öffentlich diskutieren, dass auch die einprägsamen, bunten Hirnbilder nur eine Form situierten Wissens darstellen und nur ausgewählte Fassetten des Netzwerkes von Gehirn, Denken, Verhalten, Geist und nicht zuletzt Geschlecht malen. Erst auf dieser Grundlage könnte sie ihrer Aufgabe gerecht werden, zum gesellschaftlichen Diskurs über Gehirn und Geschlecht beizutragen.Und auch wenn diese Methoden, wenn man den ein günstiges Ergebnis erwartet, anscheinend auch in den Gender Studies verwendet, bleibt die Annahme (verständlicherweise, denn überwiegend werden ja Unterschiede festgstellt) kritisch.

Ich selbst kenne mich mit dem Verfahren nicht aus, finde es aber spannend. Ich denke, dass man , auch wenn die Auflösung sicherlich noch verbesseren kann, bereits jetzt gewisse Unterschiede feststellen kann, die zwischen den Geschlechtern bestehen. Wenn gänzlich andere Zentren, Hirnhälften oder Gehirnbereiche arbeiten, dann wirkt sich eine geringe Auflösung nicht aus. Diese Unterschiede kann man dann nicht durch den Verweis, dass sehr feine Unterschiede nicht wahrgenommen werden können, ablehnen, sondern muss eine Erklärung für sie finden, sie sind von der Ungenauigkeit nicht betroffen.

Wie seht ihr das Verfahren? Was kann man damit herausfinden, was nicht? Wie hat sich die Technik inzwischen entwickelt und ist die Ablehnung aus dem (insbesondere) feministischen Bereich gerechtfertigt?

Maskulismus in der Emma

Die Emma hat Maskulismus als Thema. Überraschenderweise kommt der Maskulismus nicht gut dabei weg, wenn man die Vorankündigung liest, in der Maskulismus mit dem radikalen Maskulismus und mit Frauenhass gleichgesetzt wird.

Durchgeknallte Sprüche durchgeknallter Frauenhasser im Internet? Mitnichten. Diese Zitate stammen von Journalisten und Wissenschaftlern und werden in geachteten Blättern verbreitet. Sie sind – in dieser Reihenfolge – von dem Ressortleiter Politik der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS), Volker Zastrow; dem Ex-Ressortleiter Kultur der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Patrick Bahners; dem Ressortleiter des Focus, Michael Klonovsky; dem emeritierten Soziologie-Professor aus Bremen, Gerhard Amendt; dem Ex-Spiegel-Ressortleiter Matthias Matussek und dem Militärhistoriker Martin van Creveld. (…)

Es scheint widersprüchlich, doch ist nur logisch, dass einerseits die Männer, die die Frauen verstehen und an Beziehungen auf Augenhöhe interessiert sind, immer mehr werden – und andererseits die angezählten Helden, die ihre Machtfantasien aus der Unterwerfung der Frauen beziehen, immer lauter. Denn in der Tat, ihre Macht ist in Gefahr. Um sie zu halten, scheinen sie zu allem entschlossen.

Rosenbrock wird als „Der Experte“ zitiert, ansonsten konnte ich aber nicht viel lesen, weil in der Vorschau die Schrift zu undeutlich wurde (die Emma leidet ja eh an sinkenden Verkaufszahlen, da will man wohl nicht zuviel vorwegnehmen.)

Die Emma scheint mir, da es ja nur um Macht geht, alles unter Backlash einzuordnen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung ist natürlich nicht gewünscht.

Was haltet ihr von dem Artikel?

Frauen in Minijobs und die Rente

Gerade warnt das Bundesarbeitsministerium davor, dass Minijobber kaum Rente erhalten werden:

 Millionen erwerbstätige Frauen müssen befürchten, im Alter arm zu werden. Gefährdet sind vor allem diejenigen mit einem jahrelangen Minijob. Ihre Rente wird nach heutigen Werten unter 200 Euro liegen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. (…)

Danach erwirbt ein Minijobber, der ein Jahr lang tätig ist, eine monatliche Rente von 3,11 Euro. Nach 45 Versicherungsjahren beträgt der Anspruch auf Altersgeld auf Grundlage der heutigen Werte nur 139,95 Euro.

Etwas besser sehen die Zahlen des Ministeriums aus, wenn der Minijobber den pauschalen Rentenbeitrag des Arbeitgebers in Höhe von 15 auf die derzeit geltenden 19,6 Prozent aufstockt. Nach 45 Versicherungsjahren beträgt der Rentenanspruch dann 182,70 Euro und mehr als vier Euro für ein Jahr. Diese Möglichkeit nehmen die Beschäftigten jedoch nur selten in Anspruch, obwohl sie damit auch Schutz bei Erwerbsminderung bekommen. So stockten bei den Frauen mit 400-Euro-Jobs 2010 nur 6,9 Prozent auf.

Ein Alarmschrei geht durch die Medien. Frauen werden bei der Rente benachteiligt.

Lediglich ganz am Ende des Artikels heißt es vorsichtig:

 

Das Arbeitsministerium warnte davor, die Zahlen überzubewerten. „Geringe Renten sind kein Indiz für geringe Gesamteinkommen im Alter“, schreiben die Beamten des Hauses von der Leyen und belegen dies mit Zahlen: Demnach betrug die Altersrente von Frauen im Durchschnitt 535 Euro. Da aber andere Einkünfte hinzukommen, liege das Nettogesamteinkommen von alleinstehenden Frauen im Alter bei 1188 Euro. Rentnerehepaaren stand demnach sogar netto 2248 Euro zur Verfügung.

Was sind wohl diese „Anderen Einkünfte“, die da hinzukommen?

Es dürften wohl im wesentlichen die Ausgleichsansprüche gegen Männer sein, also Versorgungsausgleich, Witwenrenten und Unterhaltsansprüche (man kann übrigens auch einen Versorgungsunterhalt geltend machen, der dann nach der sog. Berliner Tabelle berechnet wird. Der reduziert aber üblicherweise den „normalen“ Unterhalt (da ja zusätzlich Geld in eine Altersvorsorge gezahlt werden muss), weswegen er selten gewählt wird).

Es gibt ja häufig einen Grund dafür, dass diese Frauen nur einen Minijob haben: Ihr Mann ist Hauptversorger und sie bessern nur auf.

Es macht mal wieder bewußt, dass die Transferleistungen der Männer selten ausgesprochen und benannt werden. So erscheint das Leben der Frauen ungerechter. Auch wenn sie, wenn sie zB mit 34 ihre 2 Kinder bekommen haben und diese mit 19 das Haus verlassen, 53 sind und damit bei einer klassischen Hausfrauenehe eine „indirekte frühe (Teilzeit)-Rente“ erleben. Natürlich muss man dagegen halten, dass Frauen in diesem Alter als ungelernte Kraft ohne Arbeitserfahrung üblicherweise auch keinen Job mehr bekommen werden. Da stellt man lieber jemanden junges ein.

Was kann nun aber die Schlußfolgerung aus einer niedrigen Rente sein? Eine Aufstockung bringt hier wenig, sie wäre unproportional zum Gehalt und letztendlich auch nichts anderes als Sozialhilfe. Die Lösung kann also nur darin bestehen, Frauen mehr in den Beruf zu bringen. Dabei aber sollte man bedenken, dass Frauen deswegen aussetzen, weil sie die Kinder betreuen. Und Arbeitgeber zurückhaltender sind, weil Frauen eher wegen der Kinderbetreuung aussetzen. Es wird damit kein Weg darum herumführen, die Kinderbetreuung durch die Mutter einzuschränken und die Drittbetreuung auszubauen.

Maßnahmen gegen Mütter wären damit Maßnahmen für eine höhere Rente für Frauen. Da allerdings wird der Feminismus ein vermittlungsproblem haben. Denn die meisten Frauen, deren Ehemann Vollversorger ist, während sie die Kinder betreuen und in einem Minijob arbeiten, werden gegen dieses Modell wenig haben und sich auch dort entsprechend abgesichert fühlen

Status macht attraktiv: Klaus Volkert

Der Prozess gegen die Geliebte des ehemaligen VW-Betriebsratschef Klaus Volkert, Adriana Barros, zeigt gut, wie auch in unserer Spezies das, was man im Tierreich als Statusdisplay bezeichnet, wirkt.

Aus einem Bericht:

Die brasilianische Journalistin Adriana Barros ist schwer beeindruckt, als sie Ende der 90-er Jahre den mächtigen VW-Betriebsratschef Klaus Volkert kennenlernt. Der Deutsche gibt sich weltmännisch, lädt sie zu feinen Essen ein, ins Theater und später auch zu teuren Reisen. Sie jetten durch die Welt, wohnen in Luxushotels, feiern ausgelassene Partys.(…) Immerhin seien sie und Volkert sieben Jahre lang ein Paar gewesen. Sie war schon fasziniert von ihm, als sie ihn 1998 kennenlernte. Sie arbeitete in einem Ferienclub in Brasilien an der Rezeption, als er mit Kollegen und mit mehreren Mädchen hereinkam. „Er war eine sehr charismatische Person“, sagt sie heute. Drei Monate hat Volkert um sie geworben und sie schließlich nach Prag eingeladen. „Ich hatte etwas Angst.“ Aber schließlich ging sie darauf ein. Sie vertraute ihm, fühlte sich geborgen. Er erweckte bei ihr den Eindruck, als sei er „die zweitwichtigste Person bei Volkswagen“.

Das er dabei nur mit fremden Geldern arbeitete ist für das Statusdisplay recht egal. Wichtig ist, dass er ausdrücken konnte, wichtig zu sein und eine entsprechende Postion zu haben.

„Die Top 10 Themen der Männerrechtsbewegung“

Arne Hoffmann bloggt wieder. In dem Gemeinschaftsblog „Cuncti„, der insgesamt wohl eher dem gemäßigteren Maskulismus zugeordnet werden kann, finden sich einige interessante Artikel.

In dem Artikel „Jenseits des deutschen Frontendenkens“ verweist er auf einen Artikel des Blogs „God Men Projects“ und eine dortige Top 10 Liste der Anliegen der Männerrechtsbewegung. Es sind die Folgenden:

10. Die männliche Geschlechtsrolle

09. Die negative Darstellung von Männern in den Medien

08. Die Jungenkrise (im Bildungssystem etc)

07. Sexistische Regierungsprogramme

06. Falschbeschuldigungen

05. Reproduktionsrechte

04. Die Bekämpfung der Einstellung, dass alle Männer Vergewaltiger/Pädophil sind

03. Männerfeindliche Doppelmoral

02. Feminismus

01. Väterrechte

Eigentlich keine schlechte Liste. Welche Punkte findet ihr wichtig, was findet ihr an diesen wichtig?

Ich weise zudem noch auf die Zusammenstellung bei Manndat in dem Text „Was wir wollen“ hin

(eine interessante Betrachtung der dortigen Zusammenstellung in Hinblick auf Nachteile von Frauen/Feminstinnen bei der Umsetzung dieser hat Bombe20 angestellt)

Zudem noch die Frage: Wie gefällt euch „Cuncti“ bisher? Ich finde die Seite bisher recht gelungen, wenn ich auch meine, dass sie die Kommentare freigeben sollten.

Political Correctness

Ich finde die Frage interessant, was genau Political Correctness eigentlich erreichen kann.

„Selbst-Diskriminierung“ oder „Selbstironie“ hat meiner Meinung nach den Effekt, dass man eine gewisse Entspannung zeigt. man macht deutlich, dass der andere nicht auf Zehenspitzen um solche Themen herumschleichen muss, sondern man damit umgehen kann. Wenn eine Frau sagt „

Ich habe – Frau wie ich bin – fünf Versuche gebraucht, um in die Parklücke zu kommen“,

dann ist dieses Eingeständnis, in diesem Punkt unter ein Klischee zu fallen, ein Signal, dass man den Umgang der Geschlechter entspannter sieht. und es erlaubt ihr Schuld von sich an die Gruppe (in diesem Fall Frauen abzugeben) Gleichzeitig ist – insbesondere nach einer solchen Erklärung – ein ebenfalls sexiistscher Witz der Gegenseite ein Zeichen, dass man sich nicht als Feind begreift. Den ein Freund oder eben auch ein Nichtfeind, darf einen Tabubruch eher begehen, eben gerade weil man weiß, dass er damit nichts böses bezweckt.

Dabei dient innerhalb dieses Tabubruchs die Überhöhung dazu, genau diese Nichtfeindlichkeit zu demonstrieren.

Unausgesprochen sagt der Verwender das Folgende:

Wenn er „Selbst-Diskrimierend“ ist:

Ich weiß, dass es Vorurteile über mich oder die Gruppe, der ich angehöre, gibt. Hier, ich spreche sie selbst aus. Keine Angst, ich kann mit diesen Vorurteilen umgehen, es ist kein Taboo um das du herumschleichen musst.“

Der „Diskriminierer“ sagt:

Ich mache hier mal einen Taboobruch. Ich begebe mich damit etwas in deine Hände. Denn du kannst mich daraufhin als Diskriminier outen oder mich deswegen ablehnen. Ich vertraue dir aber genug, um zu wissen, dass du mich richtig verstehst und weißt, dass ich nichts gegen dich habe“

Er kann, wenn die diskriminierte Minderheit nicht dabei ist, natürlich auch einen entsprechenden Appell machen:

Seht ihr ich mache mich angreifbar, indem ich etwas politisch nicht korrektes sage. Ich vertraue aber darauf, dass ihr das nicht gegen mich verwendet.

Letztendlich kann damit Diskriminierung ein Costly Signal sein, mit dem man eine In-Group erzeugt. Das macht bei „freundlicher Diskriminierung“, also der Benennung von Klischees ohne Böshaftigkeit gegen die Gruppe, die diese betreffen, den „Wert“ aus.

Das rechtfertigt natürlich nicht Diskriminierung an sich. Bösartige Diskriminierung oder Abwertung aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit oder das Festhalten an Klischees ohne Berücksichtigung des Individuums schon gar nicht. Ebenso sollte man Berücksichtigen, dass viele betroffene Menschen solche Anmerkungen eben sehr stören können, gerade wenn sie den anderen nicht einschätzen können und die Frage, ab wann ein Spruch ins bösartige umschlägt, von jeder Person anderes bewertet werden kann.

Es macht aber auch deutlich, warum die Leute auf übertriebene political Correctness genervt reagieren. Denn in diesem Fall wird dem Diskriminierten das Signal genommen, dass er die Sache entspannt sieht und dem Gesprächspartner des (potentiell) Diskrimierten die Möglichkeit, durch überzogene Diskriminierung Harmlosigkeit zu signalisieren.

Vielmehr bleibt die Gruppenzugehörigkeit evtl im Raum stehen, ohne das jemand etwas dazu sagt, was es viel unangenehmer machen kann.