„Feministinnen sind…“

Auf dem Blog „High on Clichees“  findet sich eine Aufstellung von Clichees über Feministinnen die interessant ist:

1. … Männerhasser

Hier wird angeführt, dass Feministinnen nicht Männer hassen, sondern sich eben nur kritisch mit dem männlichen Rollenbild auseinandersetzen. Auch daraus, dass Männer für privilegiert gehalten werden, ergäbe sich nicht, dass Feministinnen Männer hassen würden.

Meiner Meinung nach wird hier leider nicht hinreichend differenziert. Denn im Radikalfeminismus gibt es meiner Meinung nach durchaus einen gewissen Männerhass. Ich hatte dazu schon verschiedene Artikel:

In beiden Artikeln geht es darum, dass Männer „der Feind“ sind.

Aber auch in der Ansicht, dass lediglich eine männliche Rolle gehasst wird, versteckt sich meiner Meinung nach mitunter durchaus Männerhass. Denn wer davon ausgeht, dass bestimmte Männer Geschlechterrollen aufrechterhalten, um Frauen zu unterdrücken und bestimmte Verhaltensweisen als Errichtung einer hegemonialen Männlichkeit genutzt wird, dann ist es leicht den Hass auf diese Verhaltensweisen auf die Personen, die sie ausüben zu richten.

Ich finde es nicht so einfach diesen Hass auseinander zu halten. (vgl auch „Woher kommt der Hass im Feminismus und Maskulismus?“ und „Der Lackmustest für Fanatismus im Maskulismus und Feminismus„).

2. “…versessen darauf, jedes Substantiv weiblich zu machen.”

Hier geht es um die verschiedensten Versuche „die Geschlechter sichtbar zu machen“, etwa in Konstruktionen wie “Frau*”, “Mann*”, “Feminist*in” bzw. “Feminist_in”

Meiner Meinung nach ist das Hauptproblem, dass eine unsprechbare und unpraktische Kunstsprache geschaffen wird und dadurch wenig erreicht wird. Sprache lässt sich meiner Meinung nach nicht so einfach umgestalten. Auch denke ich, dass der Feminismus den Sprechakt überbewertet, wie es der Poststrukturalismus  nun einmal so an sich hat. Richtig ist, dass viele Feministinnen über den „Gendergap“ auch Transsexuelle und Intersexuelle mit einbeziehen wollen. Mir scheint aber eine gewisse Tendenz zu bestehen, eher Bürgerinnen und Bürger als Verbrecherinnen und Verbrecher zu sagen.

3. “…unrasiert.”

Ich denke mehr als der Schnitt der Frauen. Was damit zusammenhängt, dass viele Feministinnen von einem rein kulturellen Schönheitsideal ausgehen, das man ändern kann und das Entfernen der Haare an diversen Körperstellen als unnötig ansehen. Dabei wird meiner Meinung nach übersehe, dass auch kulturelle Veränderungen des Körpers einen biologischen Hintergrund haben können und Haarlosigkeit ein Zeichen von Jugend und geringen Testosteron sein kann, weswegen darauf ein Schönheitsideal aufbauen kann. Ein Hervorheben körperlicher Schönheit oder das „Herausschmücken“ kann in Teilen auch bereits als „Anbiederung an das Patriarchat“ gewertet werden. Aber natürlich gibt es genug Unterschiede auch in diesem Bereich.

Auf „High on Clichees“ wird das so ausgedrückt „Euch ist schon klar, dass Frauen* sich nicht rasieren müssen, nur weil Leute, die auf Frauen* stehen, das manchmal mögen?“ Ja, natürlich. Aber euch ist schon klar, dass Attraktivität (auf welchen Faktoren auch immer beruhend) eine enorme Bedeutung hat und Leute immer danach bewertet werden?

4. “…lesbisch.”

Natürlich muss eine Feministin nicht lesbisch sein. Aber ich denke, der Anteil an homosexuellen Frauen in Feminismus ist höher als der in der Bevölkerung. Das dürfte auch schon damit zusammenhängen, dass über pränatales Testosteron sowohl die sexuelle Ausrichtung hin zur  Homosexualität als auch das geschlechtertypische Verhalten ausgerichtet wird. Frauen, die den Geschlechterrollen nicht entsprechen werden sich in einer Ideologie, die diese ändern will oder die nicht genehmen Geschlechterrollen als falsch ansieht, gut aufgehoben fühlen. Hinzu kommt natürlich, dass viele homosexuelle Frauen die Vorteile der Frauenrolle schlechter nutzen können, weil diese eben teilweise darauf abstellt, gewisse Aufgaben an Männer abzugeben, was heterosexuellen Frauen besser gelingt.

6. “…übersensibel.”

Dazu heißt es im Blog:

Eine Person “übersensibel” zu nennen, wenn sie sich diskriminierendes Verhalten verbittet, ist einfach nur noch privilegiert. Um genau zu sein, setzt man die Diskriminierung weiter fort. Wenn man den Betroffenen dann auch noch rät, einfach damit klar zu kommen und “keinen Aufstand” zu machen, handelt es sich um Victim Blaming.

Die Überempfindlichkeit, auch gerne in Richtung „feministische Humorlosigkeit“ gehend, folgt meiner Meinung nach daraus, dass die Ideologie darauf abstellt, bestimmte Ausrichtungen der Geschlechterrollen zu bekämpfen und Ausformungen dieser als verantwortlich für das Übel dieser Welt ansieht. Aus dieser Schuldzuweisung heraus wird jede Betonung der Geschlechterrollen und jeder Spruch gleich zu einer Stützung der hegemonialen Männlichkeit und damit zu einem Machtmittel des Patriarchats. Hinzu kommt, dass über die Privilegierung der Anderen und das epistemische Privileg schnell eine moralische Überlegenheit der eigenen Position angenommen wird, die dann als absolut gesetzt wird. Der Genderfeminismus sieht dabei die gesellschaftliche Ordnung nicht als Interaktionen Einzelner untereinander, sondern als Gruppen gegeneinander. Damit werden sexistische Witze nicht mehr leichte Grenzüberschreitungen und leichte Provokationen Einzelner, sondern Machtmittel einer Gruppe, die nur durch einzelne Personen ausgeführt werden (vgl. hier für die Vergewaltigung).

Das macht den Feminismus so übersensibel für solche Äußerungen.

7. “…Spalter*innen, die andere Bewegungen unter die Räder kommen lassen.”

Da geht es insbesondere um Intersektionalismus. Mich interessiert dabei eher, inwieweit Männer unter die Räder kommen, aber gegen die gibt es ja eh keinen Sexismus

8. “Feministen* sind Weicheier.”

Männliche Feministen generell abzuwerten halte ich auch für nicht richtig. Einige wollen sich anbiedern, viele sind auch recht fanatisch, andere wollen einfach eine gerechtetere Welt für alle und meinen, dass der Feminismus der richtige Weg dahin ist. Darin können sie relativ hart sein, es erfordert schon einige Härte sich selbst so abzuwerten und alles männliche als schlecht anzusehen.

Die Position von Männern im Feminismus war hier schon häufiger Thema:

Auch hier würde ich allerdings vermuten, dass sehr weibliche Männer eher gewisse Sympathien für den Genderfeminismus entfalten können, weil sie sich davon ein Auflockerung der Geschlechterrollen und der Anforderungen an sie erhoffen.

Zu der Aussage, dass  ein Befreien von der Geschlechterrolle auch für Männer selbst besser ist würde ich sagen: Es kommt darauf an. Natürlich ist der Wegfall bestimmter Elemente vorteilhaft und jeder sollte unabhängig von seinem Phänptyp leben können wie er wollte. Aber das bedeutet nicht, dass es gut ist, bestimmte Aspekte des männlichen zu verdammen und deren Ausrottung zu fordern. Vergessen sollte man auch nicht, dass viele Frauen viele Elemente von Männlichkeit schlicht sexy finden und bereits dies zu einer Stützung führt.