Beauvoir zu weiblichen Qualitäten

Ich habe „Geschlecht – Wider die Natürlichkeit“ von Heinz-Jürgen Voss angefangen, der ein interessantes Zitat von Beauvoir aus einem Interview mit Alice Schwarzer (1986) darstellt:

Die „weiblichen Qualitäten“ sind also nicht angeboren, sondern resultieren aus unserer Unterdrückung. Aber wir können sie auch nach unserer Befreiung bewahren – und die Männer können sie erlernen. Aber man darf nicht ins andere Extrem fallen: sagen, die Frau habe eine besondere Erdverbundenheit, habe den Rhythmus des  Mondes und die Ebbe und Flut im Blut und all dieses Zeug… Sie habe mehr Seele, sei von Natur aus weniger destruktiv et cetera. Nein! Es ist etwas dran, aber das ist nicht unsere Natur, sondern das Resultat unserer Lebensbedingungen. Die so „weiblichen kleinen Mädchen“ sind fabriziert und nicht geboren! Zahlreiche Untersuchungen beweise es! Eine Frau hat a priori keinen besonderen Wert, nur weil sie Frau ist! Das wäre finsterster Biologismus und steht im krassen Gegensatz zu allem , was ich denke.

Beauvoirs „Das andere Geschlecht“ hatte ich hier ja schon besprochen. Es ist immerhin schön zu sehen, dass sie sich von einem „Mutter Mythos Matriarchats Feminismus“ distanziert, wie ihn zB Armbruster vertritt. Interessant, dass sie meint, dass die Frau in der Unterdrückung so viel Gutes entwickelt hat, dass es beibehalten und auf die Männer ausgedehnt werden muss. In „Das andere Geschlecht“ klang es eher noch danach, als sollten die Frauen männlicher werden.

Ansonsten irrt sie meiner Meinung nach natürlich. Zum einen gibt es keine Unterdrückung durch ein Patriarchat und zum anderen spielt die Biologie bei der Schaffung der Geschlechter und damit auch der „weiblichen kleinen Mädchen“ eine entscheidende Rolle.

Den Ansatz, dass das weibliche bewahrt und auf die Männer ausgedehnt werden soll trifft man ja auch heute im Feminismus häufiger. Es muss dann eben die hegemoniale Männlichkeit abgebaut werden, indem die Männer sich ihres Privilegs bewusst werden.

Ich persönlich finde diesen Gedanken relativ vermessen: Die Anforderung an Männer ihr Verhalten zu ändern ist insbesondere in Hinblick auf die moderne biologische Forschung schlicht eine Aufforderung an die meisten Männer sich zu verstellen und ihre Vorlieben zu unterdrücken.

13 Gedanken zu “Beauvoir zu weiblichen Qualitäten

  1. Frau Beauvoir äusserte sich zu Fragen der Geschlechterdifferenz, der Sexualität von Mann und Frau und ihre Bedeutung für die Gesellschaft als Ganzes. Sie selbst verstand sich als Feministin und Philosophin.

    Die marxistische französische Feministin Simone de Beauvoir begann in ihrer Zeit als Gymnasiallehrerin mehrere Beziehungen mit minderjährigen Mädchen, einige davon ihre Schülerinnen. 1943 wurde sie von der Mutter einer Nathalie Sorokine offen wegen Verführung Minderjähriger angeklagt und in Folge aus dem Schuldienst entlassen.

    Frau Beauvoir ist nachweislich eine Person, die einige ihrer Schülerinnen sexuell missbrauchte und deswegen aus dem Schuldienst entfernt wurde. In ihren Werken sind Sexualität und das Verhältnis der Geschlechter zentrale Themen, die insbesondere unter machttheoretischen Aspekten analysiert werden. In ihrer geschwollenen Sprache behauptet sie, ganz die Feministin, Männlichkeit und heterosexuellen Sex als Ausdruck von männlicher Macht und weiblicher Ohnmacht. In Anbetracht ihres sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen wirkt eine solche Gesellschaftskritik heuchlerisch, um es mal moderat auszudrücken.

    Beauvoir war ausserdem eine unkritische Bewunderin von Mao Tse Tung und bereiste China zur Zeit des grossen Sprung nach vorn, als Millionen verhungerten. Davon allerdings nahm sie nichts wahr, denn sie spies und trank vorzüglich, so wie es sich für eine Frau der privilegierten Klasse geziemt und lobte Maos Politik in den höchsten Tönen.

    Mao blieb für sie der grosse Revolutionär und Menschenfreund, der Mao, der in Tat und Wahrheit einer der grössten Massenmörder der Geschichte war. Was sagt uns das über diese Ikone der Frauenbewegung, insbesondere über ihr Urteilsvermögen? Kann es da noch verwundern, dass Frau Alice Schwarzer in Frau Beauvoir ihr grosses Vorbild erblickt? Und ist es notwendig, eine solch dumme Tusse, zeitlebens privilegiert wie nur wenige, mit einem Urteilsvermögen, das Debilität vermuten lässt, als valable Quelle anzuerkennen und zu diskutieren?

    Ach ja, dicke Bücher schreiben konnte sie. Und eine grosse Schar – Fanbase – von unterbelichteten Feministen konnte und kann sie auch vorweisen.

  2. Nein! Es ist etwas dran, aber das ist nicht unsere Natur, sondern das Resultat unserer Lebensbedingungen.

    „Es ist nicht natürlich, sondern liegt in der Natur unserer Unterdrückungserfahrung als Klasse“

    Der übliche feministische Taschenspielertrick, Negatives kann man so schön als „Biologismus“ abwehren, Positives als kollektiv wirkenden kulturellen Essentialismus verkaufen.

    Eine schöne Legitimationsplattform für nahezu beliebigen Männerhass. Kein Wunder, dass Alice Schwarzer das freudig annimmt.

    Es ist immerhin schön zu sehen, dass sie sich von einem „Mutter Mythos Matriarchats Feminismus“ distanziert, wie ihn zB Armbruster vertritt.

    Sie distanziert sich eben nur vordergründig. Ob das Weib nun per se den Mondzyklus fühlt oder per se die bewußtseinserweiternde Unterdrückungserfahrung gemacht hat spielt keine Geige, sie ist per se dem Manne überlegen.

  3. Die „weiblichen Qualitäten“ sind also nicht angeboren, sondern resultieren aus unserer Unterdrückung. Aber wir können sie auch nach unserer Befreiung bewahren – und die Männer können sie erlernen

    Das passt zum Sektierer Voss, dass er diesen intellektuellen Dünnpfiff auch noch zitiert.

    Sind diese „weiblichen Qualitäten“ nur bei Frauen zu finden, ausnahmslos, obwohl nicht biologisch begründet?

    Frau Beauvoir ist der Meinung, dass der die Unterdrückte über Qualitäten verfügt, die er sie erst durch seine ihre spezifische Sozialisation entwickelte.

    Warum aber werden diese Qualitäten weibliche genannt? Warum werden sie nicht „jüdische“ genannt, haben die Juden doch eine lange Geschichte der Diskriminierung und Unterdrückung erlitten? Warum werden sie nicht „schwarze“ genannt, wurden doch Schwarze lange Zeit als Sklaven missbraucht.

    Warum konnte die wohlhabende Frau aus den Südstaaten, die wesentlich von den Erträgen der schwarzen Sklaven auf den Baumwollfeldern ihres Guts lebte, diese Qualitäten entwickeln, der männliche schwarze Sklave, der sich auf dem Baumwollfeld abrackerte hingegen nicht? Wenn doch, warum werden diese mysteriösen Qualitäten „weiblich“ genannt? Vielleicht um die sexistische Behauptung zu implizieren, Frauen in ihrer Gesamtheit seien eine Klasse der Unterdrückten, egal ob es sich um die wohlhabende Bürgersdame oder die schwarze Sklavenarbeiterin auf dem Baumwollfeld in den Südstaaten des 19 Jahrhunderts handelt?

    Inwiefern konnte Frau Beauvoir, Teil einer privilegierten Klasse (wohlhabend) diese Qualitäten entwickeln? Oder war Frau Beauvoir trotz ihrer unbestreitbaren Privilegien benachteiligt, weil Frau?

    Spätestens hier wird klar, dass es sich um eine kaschierte vulgärbiologistische Konzeption handelt, die pauschal eine bestimmte, nicht näher beschriebene Sozialisation am Geschlecht festmacht und pauschal einem Geschlecht Fähigkeiten zuschreibt, diese weiblich nennt und sie dem anderen abspricht. Das ist so strunzdämlich, dass sich eine ausführlichere Kritik erübrigt.

    • Warum konnte die wohlhabende Frau aus den Südstaaten, die wesentlich von den Erträgen der schwarzen Sklaven auf den Baumwollfeldern ihres Guts lebte, diese Qualitäten entwickeln, der männliche schwarze Sklave, der sich auf dem Baumwollfeld abrackerte hingegen nicht?

      Da kann man eben sehen, wie primitiv die Marx’sche Standpunkttheorie (die ich auch als fragwürdig erachte) adaptiert wurde.

      Spätestens hier wird klar, dass es sich um eine kaschierte vulgärbiologistische Konzeption handelt, die pauschal eine bestimmte, nicht näher beschriebene Sozialisation am Geschlecht festmacht und pauschal einem Geschlecht Fähigkeiten zuschreibt, diese weiblich nennt und sie dem anderen abspricht.

      Kryptobiologismus wäre imho auch ein gut passender Begriff.

      (Biologismus als biologischer Determinismus verstanden)

      Das ist so strunzdämlich, dass sich eine ausführlichere Kritik erübrigt.

      Leider offenbar nicht, der Muddikitsch bei vielen Männern und vielen Frauen lechtzt nach sowas.

      • Da kann man eben sehen, wie primitiv die Marx’sche Standpunkttheorie (die ich auch als fragwürdig erachte) adaptiert wurde.

        @ Nick

        Die Standpunkttheorie hat insofern einen wahren Kern, als dass es zwei Qualitäten der Erkenntnis gibt: Die Erkenntnis, die sich aus Erfahrung, aus Erlebtem ergibt und die Erkenntnis, die sich durch die intellektuelle Verarbeitung erschliesst. Es sind zwei Qualitäten, die aber nicht zum Fehlschluss führen dürfen, dass die Klassenzugehörigkeit die Erkenntnisfähigkeit determiniert. Gewisse Erkenntnisse sind nur leichter oder schwerer zugänglich. Man könnte es schlicht und einfach Lebenserfahrung nennen. Soziologen sind gut darin, triviale Einsichten als epochale geisteswissenschaftliche Fortschritte zu verkaufen.

        Amüsant wird es, wenn Leute wie Voss die Vulgärvariante der Standpunkttheorie anführen, um die wundersamen Qualitäten der Frauen und die Defizite der Männer argumentativ zu untermauern, sind sie doch selbst als Angehörige einer privilegierten Klasse denkbar ungeeignet, diese Erkenntnisse (Qualitäten) zu erlangen und andere darüber zu belehren.

        Sind sie sich ihrer Privilegien bewusst und darum die grosse Ausnahme? Das genügt nicht, denn sie müssten ihre Privilegien nicht bloss reflektieren, sondern darauf verzichten. Oder den connellschen Weg gehen und sich des privilegierenden Körperteils entledigen.

  4. Abschliessend: Frau Beauvoir vertritt einen vulgären Essentialismus, der sich in seinem Wesen nicht von einem Vulgärbiologismus unterscheidet.

    • Die Geschichte mit den Schülerinnen war mir teilweise bekannt, wundern tut es mich ja nicht, sind meist doch die offenkundigsten Propagandisten einer „sexuellen Freiheit“ tief in ihrer eigenen, sagen wir einmal Sexualität verfangen.

      Queertheoretiker_innen und Sexualwissenschafter_innen könnte ich dir ein halbes Dutzend aufzählen, welche noch vor nicht einmal zwanzig Jahren kein Problem damit hatten Pädosexualität, natürlich nur wissenschaftlich, zu rechtfertigen. Sexuelle Gewalt geht nur von Männern aus, unter queeren Frauen ist dies nur eine Spielart der Sexualität (Queer-BDSM wird das genannt, mit Betonung darauf, dass die partriarchal-heterosexuelle Zwangsmatrix natürlich im Hintergrund als Unterdrückungsmechanismus bestehen bleibt) – na, alles klar 🙂

  5. @Nick & Peter: Sehr interessante Diskussion, hier kann man einiges mitnehmen.
    Überhaupt ein sehr lesenswerter Blog, auch wenn ich einige Inhalte etwas albern finde und manchmal der eine oder andere verbohrte Frauenhasser bei den Kommentierern stört.

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