Wie der innere Patriarch Feministinnen am bloggen hindert

In dem Blog Wolkenkuckucksblog geht es darum, dass sich viele Frauen nicht trauen ihren eigenen Blog zu betreiben, weil sie Angst haben ihre Meinung zu sagen. Es ist ein Aufruf, diesen Blog, der immer irgendwo in der Fantasie (eben im Wolkenkuckucksheim) betrieben wurde, doch entgegen aller Widerstände ins Netz zu stellen:

Die Darstellung der Widerstände ist interessant:

Diese existentielle Angst, wenn ich mal einen Blogkommentar (zweimal in meinem Leben habe ich mich das – unter Pseudonym! – getraut) oder ein Mailinglistenposting geschrieben habe – irgendwie fühlte sie sich doch sehr ähnlich an wie der Fluchtimpuls, der mich regelmäßig in platzhirschdominierten Gesprächsrunden ergreift. Dieser Drang, bloß unsichtbar zu bleiben. Diese Stimme, die mir einredete, ich habe nichts Sinnvolles beizutragen: War das nicht vielleicht der „innere Patriarch“, vor dem mich eine wohlwollende ältere Kollegin immer gewarnt hatte? Diese ständigen Gedankenschleifen: Ich blogge unter meinem richtigen Namen, ist doch Quatsch sich zu verstecken. Aber was, wenn ein wahnsinniger Internettroll mich aufspürt? Also doch ein Pseudonym? Aber das ist doch feige! Und da capo. War diese Angst vor „dem bedrohlichen Internet“ nicht sehr vergleichbar mit der Angst vor dem gefährlichen Park / der unheimlichen Seitenstraße / dem finsteren Hinterhof / der einsamen Haltestelle in der Dämmerung?

Das finde ich – mit Verlaub – doch etwas sehr weit hergeholt. Als ob irgendein Patriarch in irgendeiner Form Blogs, noch dazu feministische Blogs verbietet. Hier wird eine Opferrolle aufgebaut, die fern ab jeder Wirklichkeit ist.

Feministische Blogs gibt es vielmehr wie Sand am Meer, die Mädchenmannschaft wurde bereits mit Preisen überschüttet und es dürfte eher Mut verlangen, einen maskulistischen Blog aufzumachen, weil das tatsächlich erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen kann („Die innere Matriarchin?“).

Natürlich können auf einem Blog merkwürdige Kommentare aufschlagen. Aber dafür hat der Blogbetreiber ja genug Möglichkeiten, dies wieder zu ändern. Natürlich werden ein paar Idioten ihre Anonymität ausnutzen und blöde Sprüche machen. Aber daraus folgt nichts in der Wirklichkeit. Seinen kleinen feministischen Blog mit 100 Zugriffen am Tag sollte man auch nicht zu wichtig nehmen.

Hier wird ein normales Lampenfieber in eine patriarchale Unterdrückung umgemünzt. Vielleicht sollte man einfach dazu stehen, dass es nicht immer leicht ist, sich der Kritik andere auszusetzen, wenn man bloggt – um davor Angst zu haben, braucht man kein „inneres Patriarchat“.

85 Gedanken zu “Wie der innere Patriarch Feministinnen am bloggen hindert

  1. Genau das ist es, was den Fem so erfolgreich macht.
    Für jede beliebige eigene Unzulänglichkeit wird ein Sündenbock angeboten.
    Das Patriarchat (sprich: die Männer) sind schuld daran, dass ich ______________________.
    (man setze Beliebiges ein).
    Und das Ganze findet auch noch stromabwärts statt, spielt in einer Mannschaft mit dem natürlichen Bias gegen Männer.
    Sündenbockideologien haben eine lange Tradition in die sich der Fem nahtlos einreiht.
    Traurig bloß, dass das nach all dem in der Vergangenheit geschehenen noch immer funktioniert. „The Wave“ lebt.

    Ich hatte noch in den 90ern wirklich Hoffnung, dass sich da etwas heranbilden könnte, die neue Frau, die die Beschwerlichkeiten des Lebens mitschultert. Geblieben ist davon nichts. Ich sehe statt erwachsener, verantwortlicher Frauen nur quengelnde mit dem Füssen aufstampfende Kleinkinder welche gar nicht auf die Idee kommen, dass es mit der Geduld ihrer Eltern (Staat und Männer) jemals vorbei sein könnte.

    Ich kann die sich daraus ergebenden Konsequenzen erkennen, obschon sie mir nicht gefallen.

    • @ Clochard

      Ja, bei uns herrscht ein Treibhausklima zur Züchtung infantilisierter Narzisstinnen, die empauert werden ohne Ende, sich selbst für nichts Negatives verantwortlich fühlend – weder im eigenen Leben noch in der Gesellschaft – da ist man dann ganz Frau, ganz Opfa, ganz Unschuld, unfähig zur Selbstkritik, zur ehrlichen Selbstreflektion, reflexhaft zur Verantwortungsverschiebung neigend, die ihnen auch noch allenthalben erlaubt wird.

      Das ist mit vernünftiger Argumentation wohl nicht mehr viel zu korrigieren.

      Das muss man in den Abgrund, auf den es zuläuft, stürzen und ungebremst aufschlagen lassen.

      Erst wenn es richtig weh tut, werden einige heilsam wach.

      • @ Roslin
        Das sehe ich ähnlich wie du.
        Jene Frage, die mich im Moment mit Abstand am Meisten beschäftigt ist diese :
        Lohnt es sich hierzubleiben und das mitanzusehen ? Ich glaube nicht an 15 Reinkarnationen, ich glaube ich habe ein einziges Leben, und das lebe ich hier und jetzt. Und als Befürworter der Eigenverantwortung obliegt es mir das eine Leben, das ich habe bestmöglich zu nutzen.
        Wäre es unter dieser Prämisse nicht klüger in ein Land auszuwandern, wo der Anteil infantiler Narzisstinnen weitaus geringer ist, wo unter Feminismus nicht der Erlass männerfeindlcher Gesetzgebung verstanden wird, wo eine Heirat nicht einem emotional-ökonomischen Todesurteil gleicht, wo man um die Zukunft seines vielleicht männlichen Nachwuchses nicht mehr als bangen muss, wo einem die Karriere nicht wegen Quoten verbaut und die eigenen Kinder nicht so leicht vorsätzlich entzogen werden können ?
        Lohnt es sich hierzubleiben und zu kämpfen oder sollte man diesen langsam vermodernden Moloch nicht besser sich selbst überlassen ?
        Obendrein sind die Metastasen des feministischen Krebsgeschwürs ja beileibe nicht das Einzige, was hierzulande zum Himmel stinkt.

        Eine schwere Entscheidung, aber sie wird zu treffen sein.

        • @Clochard

          Ich find es gar nicht so schlimm. Im persönlichen Leben betrifft mich der theoretische Feminismus ja ganz überwiegend nicht. Die meisten Leute finde ich in der Hinsicht recht vernünftig, die meisten Frauen haben eh vollkommen andere Vorstellungen von Männern und Frauen.

      • Es ist in der Tat eine wichtige Frage, was zu tun ist, was getan werden kann. Könnte ich, wie ich wollte, wäre ich schon lange ausgewandert. Es spielen doch immer auch andere Faktoren in die Entscheidungsfindung mit hinein. Ich glaube allerdings, dass ich mit 65 oder 70 *g, falls ich dann noch lebe, nicht mehr in Österreich oder in den Vereinigten Staaten von Europa, im europäischen Zentralstaat sein werde. So sehe ich es für mich.

      • @ Clochard

        Wenn Du hier ein wenig gelesen hast, kennst Du ja meine pessimistische Lagebeurteilung.

        Wäre ich jünger, ich wäre längst gegangen.

        Wer unter 30 ist, sollte gehen.

        Go, young men.

        Hier zu heiraten und Kinder zu zeugen, heißt, Russisches Roulette spielen.

        Im akademischen Milieu wird jede 2. Ehe geschieden, in 2/3 der Fälle reicht die Frau die Scheidung ein, meist verlieren die Väter den kontakt zu den Kindern, werden zu Zahlvätern reduziert.

        Das lohnt sich nicht mehr, unter diesen Bedingungen, Vater zu werden.

        Das Risiko ist zu hoch.

        • @Roslin

          „Im akademischen Milieu wird jede 2. Ehe geschieden, in 2/3 der Fälle reicht die Frau die Scheidung ein, meist verlieren die Väter den kontakt zu den Kindern, werden zu Zahlvätern reduziert.“

          Hast du dazu Zahlen/eine Fundstelle? Klingt durchaus interessant.

      • @ Alexander Roslin

        Ja, das sehe ich auch so. Man(n) kann sich heutzutage nicht mehr auf Ehe und Familie einlassen, obwohl man es will und sich danach sehnt, nur eben unter ganz anderen Bedingungen, nämlich vor allem unter der Bedingung, mit der Frau AUF AUGENHÖHE zu interagieren und es mit einer wirklich erwachsenen, mündigen Person zu tun hat, die für ihr eigenes Verhalten Verantwortung übernimmt, die verlässlich und berechenbar ist, die sich an Vereinbarungen hält, mit der man nicht immer nur böse Überraschungen erlebt usw.

        Ich habe bisher immer das Gegenteil davon erlebt, und gehöre auch zu den vielen, von Scheidungsvätern vorgewarnten Männern.

        Ein Problem sehe ich aber noch: Wenn die Gesellschaft in den Abgrund läuft und ungebremst aufschlägt, schlagen wir Männer dann nicht mit auf? Und auch ungebremst?

      • @ Mathias

        *Ein Problem sehe ich aber noch: Wenn die Gesellschaft in den Abgrund läuft und ungebremst aufschlägt, schlagen wir Männer dann nicht mit auf? Und auch ungebremst?*

        Natürlich tun „wir“ das.

        Das ist ja mein Dilemma.

        Auf der einen Seite bringe ich diesem System nur noch Verachtung entgegen, bin nicht einmal mehr bereit, einen Finger zu seiner Verteidigung/seinem Erhalt krumm zu machen, geschweige denn, zu riskieren.

        Auf der anderen Seite sind Systemzusammenbrüche Katastrophen, bei denen zugegen zu sein ich niemandem wünsche.

        Ich bin nur zu dem Schluss gekommen, dass dieses System ohnhin einfach nicht zu retten ist.

        Je schneller sein Zusammenbruch kommt – der ohnehin unvermeidlich ist – desto geringer der Schuttberg, der auf uns niederrauscht, desto geringer der Trümmerbeseitigungsaufwand danch.

        Aber schlimm wird es, keine Frage, für Männer und Frauen und Kinder.

        Nicht schön, das.

      • Also ich werde mit Sicherheit auswandern. In einem Jahr werde ich mein Physikdiplom (ja, der letzte Jahrgang mit Diplom) mit einer 1.3 bis 1.6 abgeschlossen haben und dann im Ausland meinen Doktor machen. An der Uni zu lehren wäre bis jetzt mein Traumberuf. Es müsste nicht mal Prof. sein, aber es sollte einigermaßen gut bezahlt sein und eine sichere Anstellung sein. Nicht wie bei uns üblich ein auf ca. 1 Jahr befristeter Vertrag.
        In Deutschland sehe ich da allerdings keine Zukunft. Gerade wurde bei uns eine Mathematikprofessur neu besetzt. Von der Eignung her an siebter Stelle stand eine Frau. Jetzt ratet mal, wer den Posten bekommen hat. Da versuche ich mein Glück doch lieber im Ausland. Nach einem einjährigen USA-Aufenthalt sind meine Englischkenntnisse glücklicherweise gut genug zum Auswandern.

      • Kommutator: „In Deutschland sehe ich da allerdings keine Zukunft. Gerade wurde bei uns eine Mathematikprofessur neu besetzt. Von der Eignung her an siebter Stelle stand eine Frau. Jetzt ratet mal, wer den Posten bekommen hat. Da versuche ich mein Glück doch lieber im Ausland. Nach einem einjährigen USA-Aufenthalt sind meine Englischkenntnisse glücklicherweise gut genug zum Auswandern.“
        ‚Bei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt eingestellt‘. Was gleiche Eignung bedeutet, ist in der Praxis klar, oder? Weibliche Genitalien, bzw. ein zweites X-Chromosom gleichen so manche Eignungslücke aus.

      • @ Haselnuss

        „Was gleiche Eignung bedeutet, ist in der Praxis klar, oder? Weibliche Genitalien, bzw. ein zweites X-Chromosom gleichen so manche Eignungslücke aus.“

        Die gleiche Eignung bezieht sich wohl meistens auf die gleiche formale Qualifikation, also in der Regel die zur Bewerbung auf eine Professur vorausgesetzte Mindestqualifikation Promotion und Habilitation, insofern sind dann alle Bewerber „gleich“ qualifiziert. Eigentlich schadet es auch weiblichen Studentinnen, wenn sie von zweitklassigen Leuten unterrichtet werden, die nur aufgrund des Geschlechts den Zuschlag bekommen haben.

      • @ichichich:
        „Die gleiche Eignung bezieht sich wohl meistens auf die gleiche formale Qualifikation, also in der Regel die zur Bewerbung auf eine Professur vorausgesetzte Mindestqualifikation Promotion und Habilitation, insofern sind dann alle Bewerber „gleich“ qualifiziert. Eigentlich schadet es auch weiblichen Studentinnen, wenn sie von zweitklassigen Leuten unterrichtet werden, die nur aufgrund des Geschlechts den Zuschlag bekommen haben.“
        Ich weiß, worauf sich die gleiche Eignung beziehen soll. Nur weiß ich auch, dass die Formel „bei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt“ in der Realität bedeutet, dass Frauen selbst dann eingestellt werden, wenn sie schlechter sind als alle anderen/viele männliche/n Mitbewerber.

      • @ Haselnuss
        Die neuesten Argumentationsfiguren sind ja, dass man auch schlechter qualifizierte Frauen in führende akademische Posten eingliedern sollte, da dies vor allem in Bereichen, welche traditionell von Studentinnen gemieden werden (Physik, Mathematik, … ) Vorbildwirkung hätte.

        „5. fordert Hochschulen und Fachhochschulen auf, die Vertretung von Frauen in Entscheidungsgremien im Bereich der Forschung zu erhöhen, um auf diese Weise mehr Frauen für eine Tätigkeit im Hochschulwesen zu gewinnen;“

        http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-%2f%2fEP%2f%2fNONSGML%2bCOMPARL%2bPE-480.580%2b01%2bDOC%2bWORD%2bV0%2f%2fDE

        Hurrai, das ist die Hochschulzukunft, fern jeder rationalen Realitätserfassung, fern jeder Qualitätssicherung.

      • @ Kommutator
        Da kann ich dir nur von ganzem Herzen Glück wünschen. Im angloamerikanischen Raum wird es, so denke ich, jedoch auch nicht einfach werden – selbst als Physiker. Im Nachhinein hätte ich vor 3 Jahren auch auswandern sollen. Ich habe jedoch den Umstand, dass meine Karriere vorsätzlich und legal schon am Beginn zerstört wurde, bis heute noch nicht verwunden.

        Es ist wohl so, dass du als Akademiker, selbst mit zwei Hauptstudien, einer Dissertation mit Auszeichnung und mehreren, über die Jahre generierten Leistungsstipendien, keine, wirklich keine Chance hast gegen eine Mitstudentin, solange sie die Mindestanforderung – das Bestehen des Studiums – bei der Bewerbung um die Position eines WMA vorweisen kann.

        Ps. Diese Mitstudentin ist immer noch WMA, nicht promoviert und hat in drei Jahren sage-und-schreibe ganze sechs Veröffentlichungen vorzuweisen (darunter Rezensionen und einen, zusammen mit einem O.Prof. erstellten Fachartikel).

  2. Wenn man den Post aus dem Wolkenkuckucksblog unvoreingenommen liest, dann wird sehr schnell klar, dass es nicht der innere Patriarch ist, der die Autorin vom Schreiben abhält, sondern eine diffuse – wahrscheinlich genetisch bedingte – Angst davor, aufgespürt und mit Gewalt bedroht zu werden. Sie schreibt das – allerdings nur so nebenbei – deutlich hin:

    „Aber was, wenn ein wahnsinniger Internettroll mich aufspürt?“

    Das ist der Punkt, weswegen viele Frauen in der Öffentlichkeit schweigen (wozu ich auch die Internet-Veröffentlichungen zähle). Die ganzen anderen Argumente halte ich für intellektuelle Überhöhungen.

    Diese Angst vor Gewalt „von irgendwo da draußen“ ist auch dann präsent, wenn die Gefahr real gar nicht existiert: man kann ihr weder mit den Mitteln des Schweigens, des Hinnehmens oder der Suche nach falschen Ursachen begegnen. Ich fürchte, sie läßt sich überhaupt nicht wegdiskutieren – sie ist einfach da. Wer weiß, dass die Gefahr trotz den Angst davor nicht existiert, kann ihr begegnen; wer diese Angst als handlungsbestimmende Größe hingegen zuläßt und am falschen Ort nach Ursachen sucht, wird es schwer haben.

    Aber es sollte klar sein: nicht „die Männer“ sind die Ursache jener Angst. Sie kommt aus jahrhunderttausende gelebter grauer Vorzeit, als Frauen mit dieser Angst größere Überlebenschancen hatten als Frauen, die diese angeborene Art der Agoraphobie nicht hatten. Das könnte darauf hindeuten, dass es sich um eine Angst handelt, die nicht auf gewaltbestimmtes Handeln des anderen Geschlechts bezogen ist, sondern auf eine allgemein feindliche Umwelt.

    Der „Internettroll“ muß also – trotz der deutlichen Geschlechtszuweisung – nicht eine Personifizierung eines gewalttätigen Mannes sein, sondern kann auch eine allgemein als bedrohlich wahrgenommene Umwelt darstellen, ohne klare Vorstellung davon, um was es sich eigentlich handelt. Die Zuweisung zum männlichen Geschlecht halte ich eher für einen Ausweg, der etwas benennt, was sonst nicht zu benennen wäre, weil es zwar spürbar, aber nicht zuzuordnen ist.

    Ich sage hier nochmal ganz klar: ich finde diese Angst nicht lächerlich. Sie ist da und sie ist real – auch wenn es ihren Kristallisationspunkt in unserer Gesellschaft gar nicht mehr gibt. Aber man muß sie kennen und darf damit nicht unverantwortlich umgehen: denn alle anderen können auch nichts dafür. Für eine Angst vor dem uralten Patriarchen halte ich sie nicht.

    • @Thomas

      Fehlendes Vertrauen in die eigene Meinung und Angst vor Kritik haben sie davon abgehalten, zu kommentieren und ein eigenes Blog zu betreiben. Der wahnsinnige Internettroll ist bloß ein rationalisierter Platzhalter für ihre eingebildeten Unzulänglichkeiten. Schreibt sie doch auch selbst. „Diese Stimme, die mir einredete, ich habe nichts Sinnvolles beizutragen:“

      Sie hätte auch einfach schreiben können: „Ich habe Angst, mich öffentlich zu blamieren.“ Aus der Evolution eine Entschuldigung für mangelndes Selbstbewusstsein abzuleiten, ist etwas abenteuerlich. Und wäre sie selbstbewusster (gewesen), hätte sie es auch nicht nötig gehabt, einen ominösen inneren Patriarchen als Zensurstelle anzuerkennen.

      • @Helena

        „Aus der Evolution eine Entschuldigung für mangelndes Selbstbewusstsein abzuleiten, ist etwas abenteuerlich.“

        Das stimmt, damit hat sich die Bloggerin des Wolkenkuckucksheims elegant in eine Bewohnerin desselben verwandelt.

        Die Evolution ist nicht nur die Ursache für Abweichungen in der Physiognomie von Mann & Frau (Körpergröße, unterschiedliche Verteilung der Gewebearten, unterschiedliche Ausprägung von Körperteilen, unterschiedliche Stimmlagen), sondern selbstverständlich auch für geschlechtsspezifische Verhaltensweisen. Wer da allen Ernstes etwas anderes behaupten möchte, soll sich nicht wundern, wenn er in den Verdacht gerät, mit Scheuklappen durch die Welt zu rennen. So wie die Leute, die behaupten, unterschiedliche Verhaltensweisen seien nur Folge einer geschlechtsspezifischen Erziehung. Das Gegenteil ist der Fall: gleichartige Verhaltensweisen sind das Ergebnis einer gegen das Geschlecht gerichteten Erziehung.

        Und: Einer Entschuldigung bedarf es auch nicht, sehr wohl aber einer Erklärung. Ich muss mich nicht von morgens bis abends für alles, was ich tue oder lasse, entschuldigen – es sei denn, ich handele bewußt gegen mein besseres Wissen, um mir Vorteile zu verschaffen. Das ist die Masche der Feministinnen geworden, und die geht auf die Dauer schief.

      • @ Helena

        * Aus der Evolution eine Entschuldigung für mangelndes Selbstbewusstsein abzuleiten, ist etwas abenteuerlich.*

        Evolution entschuldigt nichts, aber sie erklärt möglicherweise, warum mehr Frauen als Männer an dieser Scheu leiden, sich zu exponieren.

        Man sieht es doch überall, ob bei Wikipedia (10 % Schreiberinnen), in Versammlungen (Frauen müssen oft zum Jagen, sprich Mikrophon, getragen werden), ob an unbesetzten Rektorenposten oder fehlenden Bewerberinnen für Spitzenjobs.

        An all dem soll dann das Patriarchat schuld sein, männliches Platzhirschverhalten etc., das die armen Mäuschen verschüchtert.

        Aber die Vermausung kommt nicht von außen, sondern von INNEN.

        Nicht der Mann ist dafür verantwortlich.

        • @Roslin

          „Aber die Vermausung kommt nicht von außen, sondern von INNEN. Nicht der Mann ist dafür verantwortlich.“

          Das ist natürlich in ein poststrukturalistisches Weltbild schwer einzubauen. Kann da eigentlich was von Innen kommen, wenn Sprache und Normen den Einzelnen bestimmen? Eigentlich ja nur die Abwehr dieser Gestaltungsversuche.

      • Das Patriarchat dafür verantwortlich zu machen, halte ich für groben Unfug. Ich dachte, das wäre schon bei meinem letzten Kommentar deutlich geworden.

        Keine Scheu davor zu haben, sich öffentlich angreifbar zu machen, ist allerdings auch nicht jedem Mann in die Wiege gelegt. DIese Scheu kann man abtrainieren, verliert sich mit der Routine, auch bei Frauen. Dass Frauen möglicherweise seltener in die Verlegenheit kommen, ein solches Training zu absolvieren, mag biologisch oder kulturell bedingt sein, ich weiß es nicht.

        Ich käme nicht auf die Idee, einem Mann die Verantwortung für meine eigenen Unzulänglichkeiten zu geben. Das würde mein Ego nicht verkraften 😉

      • Es ist vor allem eine sehr gewagte Theorie zu behaupten, Frauen hätten Scheu sich zu exponieren. Reden wir von den selben Frauen, die ihre Titten zeigend durch die Straßen rennen und das Ganze „Slutwalk“ nennen?
        Reden wir von den selben Frauen, die unter sich, im Shoppingcenter, beim Schuhe oder Täschchen kaufen mit einer Verve agieren, die jedem Narzissten zur Ehre gereichen würden?

        Spitzenjobs und Wikipedia, so was interessiert die meisten Frauen einfach nicht. Eine Amica mit Mode- und Diättipps ist für Frauen nun mal interessanter als die noch ungelüfteten Geheimnisse des Universums, der Natur, der Technik oder die Frage nach der Zukunft unseres politischen Gemeinwesens.

        • @Adrian

          Es ist eben immer eine Betrachtung über den Schnitt. Auch beim Slutwalk waren ja die wenigsten nackt. Die Bloggerin im Wolkenkuckucksblog klingt eher schüchtern. Da mag das Patriarchat dann eine willkommene Rechtfertigung der eigenen Angst sein.

          „Spitzenjobs und Wikipedia, so was interessiert die meisten Frauen einfach nicht. Eine Amica mit Mode- und Diättipps ist für Frauen nun mal interessanter als die noch ungelüfteten Geheimnisse des Universums, der Natur, der Technik oder die Frage nach der Zukunft unseres politischen Gemeinwesens.“

          Es sind eben insbesondere die Themen, bei denen es um menschliches Miteinander und Gefühle geht, um die Betrachtung und Ausgestaltung des eigenen Seins und das der anderen, die in Frauenzeitschriften angesprochen werden.

      • Adrian, du verkennst, dass Slutwalk und gemeinsames Shoppen Rudelveranstaltungen sind, da verschwindet man in der Masse. Alleine seine Meinung zu vertreten, ohne zu wissen, wieviel Backup im Hintergrund ist, ist damit nicht zu vergleichen.

      • Sie hätte auch einfach schreiben können: „Ich habe Angst, mich öffentlich zu blamieren.“

        Nein, das hätte sie nicht.

        Dann hätte sie kein Thema für den Artikel gehabt, und stünde auch nicht als widerständige Heroine da, die jedes Wort im harten Kampfe dem Patriarchat abgetrotzt hat.

        Als graue Maus stünde sie da.

        Weiterhin hätte sie sich damit auseinandersetzen müssen, was der Drang zur Perfektion – für sie selbst – für eine Funktion hat. Und welche Ansprüche an Andere sie daraus evtl. ableitet.

        Gottlob ist die Angst eben nicht ein Teil ihrer selbst, es ist der Patriarch der sie fest im Griff hat.

      • Haha, ach so ist das…

        Ich gebe zu, zu schreiben, man habe es mit dem Patriarchat aufgenommen, klingt heroischer, als einfach zu sagen: „Scheiß auf die Angst, ich mach’s jetzt einfach!“ Auch wenn ich der Meinung bin, dass sie darauf viel stolzer sein könnte, als als Donna Quixote imaginären Windmühlen zu trotzen.

        • @helena

          Ich finde den Artikel dort ansonsten gar nicht so schlecht. Viele Leute trauen sich in der Tat nicht einen Blog zu eröffnen, dabei kann einem gar nicht so viel schlimmes passieren. Zur Not: Einfach anonym anfangen, dann kann man seine Identität immer noch enthüllen.

          Ein „Ich mach es jetzt einfach“ hätte ich auch gut gefunden.

          Aber gerade angesichts der großen Menge feministischer Blogs und der damit verbundenen möglichen Unterstützung sollte man in der Tat keine Windmühlen errichten

      • Aber möglicherweise hätte es ohne den Bezug zum Feminismus wirklich keine Sau interessiert…

        Natürlich nicht.

        So aber reiht es sich in die endlose Reihe praktizierter consciosmess raising-Rituale ein.

        Frauen sprechen miteinander über ihre Erfahrungen, und werden so der systematischen Dimension ihrer Unterdrückung gewahr.

      • (Nach dem Motto:
        A: „Was? Dir geht es auch so?“
        B: „Ja genau! Das kenne ich! Ganz schrecklich!“
        C: „Komisch, mir geht es auch immer so. Ich finde das ganz schlimm“
        D: „Es geht also uns allen so! Da steckt doch wieder das Patriarchat dahinter! Nur DieMänner haben was davon, dass es uns so geht.“
        )

      • ..
        C: Meinst du wirklich?

        D: Warum geht es dann DenMännern nicht so? Es sind immer Männer, die Blogs aufmachen! Sie wollen das Netz für sich alleine haben! WirFrauen dürfen nur mit aufgepumpten Titten ins Netz!

        A: Wie heißt eigentlich der Typ, der immer im Englischkurs neben dir sitzt?

        C: Keine Ahnung. Ganz komischer Typ, der kriegt ja fast den Mund nicht auf, nur wenn er mal vorlesen soll.

      • Was mich schon etwas aufregt, ist der letzte Satz: „Reclaim the blogosphere und alles.“

        Wenn meine Englischkenntnisse hier nicht komplett versagen, bedeutet „reclaim“ in diesem Kontext doch „zurück erobern“? Als ob ihr jemand etwas weg genommen hätte, ist doch absurd.

      • @ Christian

        *Eigentlich ja nur die Abwehr dieser Gestaltungsversuche.*

        Eigentlich auch die nicht.

        Aber um die Inkonsistenzen eines absurden Weltbildes sollen sich die bekümmern, die ihm anhängen.

      • @Helena:
        Wenn meine Englischkenntnisse hier nicht komplett versagen, bedeutet „reclaim“ in diesem Kontext doch „zurück erobern“?

        Ja.

        Sie rekurriert damit auf den alten Slogan „reclaim the night“ oder „take back the night“

        en.wikipedia.org/wiki/Take_Back_the_Night

        In ihrem Artikel heißt es:

        Mit dem Slogan „Reclaim the night“ haben sich mutigen Feminist*innen gegen das systematische (sic) Vertreiben ganzer Bevölkerungsteile (Frauen, durch sexuelle Gewalt) von den Straßen gewehrt. Eigentlich müsste es doch auch in Bezug auf das Internet möglich sein, den Fluchtimpuls kritisch zu reflektieren und möglicherweise in einen Angriffsimpuls umzuwandeln.

        Das ist die Theorie der Rape-Culture, derzufolge die allgegenwärtige und systematische Bedrohung durch sexuelle Gewalt Frauen in der Gesellschaft (und folglich auch im Netz) in einer inferioren Position hält.

        Der Vergewaltiger als Söldner des Patriarchates, sozusagen.

        ist doch absurd.

        Welcome to the feminists world.

      • @Roslin:

        Eigentlich auch die nicht.

        Den Gedankenknoten habe ich auch noch nie hingekriegt.

        Freiheitsdrang müsste ja ebenso ein arbitäres soziokulturelles Konstrukt sein. Der Wert Freiheit sowieso.

      • @ Nick

        Mal eine Frage an Dich. Du kennst Dich doch ziemlich gut aus in der Geschichte des Feminismus.

        Ich habe kürzlich ziemlich viel zu Andrea Dworkin recherchiert (ohne Frage eine problematische Person mit irgendeiner Persönlichkeitsstörung).

        Bei der Recherche zu Andrea Dworkins radikal-feministischen Anschauungen fiel mir zunehmend auf, wie stark der Radikalfeminismus in vielen zentralen Positionen offenbar von diesem Denkansatz geprägt zu sein scheint. Es machte auf mich zunehmend den Eindruck, dass der misandrische Radikalfeminismus, der den klassischen (in meinen Augen insgesamt positiv zu beurteilenden) liberalen Feminismus abgelöst hat, wesentlich eine Art „Dworkinismus“ darstellt. Die für Andrea Dworkin typischen Sichtweisen finden sich in unterschiedlichen Ausprägungen quer durch die meisten radikalfeministischen Unterströmungen, die mir bekannt sind.

        Irre ich mich da und überschätze ich ihren Einfluss? Gab es hier vielleicht mehrere Personen, die in etwa zur gleichen Zeit ähnliche Ideen entwickelt und verbreitet haben? Oder ist der Radikalfeminismus wesentlich tatsächlich ein „Dworkinismus“? Weißt Du mehr dazu?

      • @Leszek:

        So richtig intensiv habe ich mich nicht damit beschäftigt, und es ist schon etwas her.

        Es machte auf mich zunehmend den Eindruck, dass der misandrische Radikalfeminismus, der den klassischen (in meinen Augen insgesamt positiv zu beurteilenden) liberalen Feminismus abgelöst hat, wesentlich eine Art „Dworkinismus“ darstellt.

        Ich denke nicht, dass man das so sagen kann. Dworkin war natürlich eine exponierte und einflussreiche Vertreterin, aber als spiritus rector kann sie imho auch nicht gelten.

        Es war nach meiner Auffassung eine allgemeine Tendenz ab etwa mitte der 1970er. Feminismus zog sich in Subkulturen zurück (Frauenhäuser, Frauenzentren etc), und wurde immer separatistischer (Politlesbianismus) Die ersten Womens-Studies konnten durchgekämft werden, und selbstverständlich wurden die paar übriggebliebenen liberalen und moderaten Feministinnen dort herausgebissen.

        Feminismus wandte sich dem Thema „Sexuelle Gewalt“ zu, und stellte einen Zusammenhang mit „Penetration“ an sich her. Es wurden immer inflationärere Dimensionen vor allem der sexuellen Gewalt „aufgedeckt“ und auf breiter Front skandalisiert, wobei der Gewaltbegriff immer weiter entgrenzt wurde.

        Der wieder etwas heißer werdende Kalte Krieg trug auch wesentlich bei, mit dem drohenden nuklearen Inferno als logische Konsequenz des „Patriarchates“. Die Umweltproblematik und die Begrenztheit der Rohstoffe kamen aufs Tapet, natürlich war auch das Folge des Patriarchates.

        Das Patriarchat war global, transhistorisch und die eigentliche Ursache aller Unterdrückung und Zerstörung der Welt. Der Gynozid in Form der Hexenverfolgung übertraf doch die Judenverfolgung bei Weitem. Andererseits brachen die gesellschaftlichen Utopien der 1960er zusammen.

        Prüderie wurde, zumindest in den USA, wieder hoffähig, wobei Feminismus und Konservativismus eine unausgesprochene Allianz eingingen.

        Dworkin war wesentlich an der Dämonisierung von Sex beteiligt, aber das war imho letztendlich auch nur ein Baustein.

      • @ Nick

        *Es war nach meiner Auffassung eine allgemeine Tendenz ab etwa mitte der 1970er. Feminismus zog sich in Subkulturen zurück (Frauenhäuser, Frauenzentren etc), und wurde immer separatistischer (Politlesbianismus) *

        Es ist auffallend, wie viele radikal misandrische, penetrationsfeindliche Feministinnen lesbisch sind.

        Inwieweit ist radikal misandrischer Feminismus gekoppelt mit einer besonderen psychischen Konstitution, die bei lesbischen Frauen vielleicht besodners häufig vorkommt?

        Was bedingt diese besondere Neigung zum Männerhass?

        Ist das vielleicht nur eine Fehlwahrnehmung meinerseits?

        Es gibt ja keine gesicherten statistischen Erhebungen, nur meinen persönlichen Eindruck und der etlicher anderer.

        Rationalisierung eines „Triebes“, eines Instinktes?

        Verarbeitung spezifischer Demütigungen/Frustationen, die lesbische Frauen besonders häufig und oder intensiv betreffen?

        Lohnte sich zu untersuchen, ist aber so tabuisiert, dass das in absehbarer Zeit nicht passieren wird.

      • @Roslin:
        Es ist auffallend, wie viele radikal misandrische, penetrationsfeindliche Feministinnen lesbisch sind.

        In der Tat.

        Auf der anderen Seite wurde offenbar – es klingt paradox – lesbischer Sex gleichfalls dämoninsiert:

        Echols and Willis have both written that radical feminism was, ultimately, dismissive of lesbian sexuality. On the one hand, if the central struggle was to take place within personal heterosexual relationships, as envisioned by the Redstockings, lesbians were marginalized. On the other, political lesbianism granted lesbians a vanguard role, but only if they would play down erotic desire. Those lesbians whose sexuality focused on genital pleasure were liable to be dismissed by the advocates of political lesbianism as „male identified“. The result, through the 1970s, was the adoption by many of a „sanitize[d] lesbianism“, stripped of eroticism.

        http://en.wikipedia.org/wiki/Radical_feminism#Criticisms

        Es wird schon seinen Grund gehabt haben, warum gerade Lesben die „feminist sex wars“ in den 1980ern angezettelt haben.

        Inwieweit ist radikal misandrischer Feminismus gekoppelt mit einer besonderen psychischen Konstitution, die bei lesbischen Frauen vielleicht besodners häufig vorkommt?

        Es klingt natürlich banal, aber das ist es vielleicht auch: Wenn immer wieder Angebetete sich lieber Männern zuwenden, dann sorgt das wohl nicht gerade für eine männerfreundliche Grundhaltung. (Das darf man natürlich nicht laut sagen, nur Herr Rosenbrock darf das, mit umgedrehtem Vorzeichen)

        Auf der anderen Seite denke ich, dass die 1950er tatsächlich eine ganze Menge „männergeschädigte“ Frauen hervorgebracht haben. Bei Frauen ist die sexuelle Orientierung ja nicht so festgelegt wie bei Männern, da wendet man sich eben Frauen zu.

        Dworkin ist für mein Empfinden ein klarer Fall von „Überzeugungslesbe“. Die derart exzessive und paranoide Beschäftigung mit männlicher Heterosexualität spricht für mich Bände.

        Mary Daly hingegen war eigentlich sogar noch misandrischer, aber dabei wesentlich abgebrühter. Sie ist imho eher eine „Anlagenlesbe“. Da trifft „Rationalisierung eines „Triebes“, eines Instinktes“ imho durchaus zu, wobei das aber eher für frustrierte und/oder narzisstisch gestörte Lesben gilt.

        Jede Weltverschwörungsideologie hat einen gewissen Anteil an Wahrheit, Gewalt wird vor den 1970ern tatsächlich ein innerhalb der Familie völlig normales Konfliktlösungsmittel gewesen sein.

        (Kachelmanns Anwalt Schwenn beispielsweise äußerte sich mal zu seiner Refrendariatszeit so, dass damals Vergewaltigungsopfer vor Gericht tatsächlich sehr schlechte Karten gehabt hätten)

        Die Gesellschaft hatte, in den 1960ern und Anfang der 1970er, ein sehr offenes Ohr für solche Mißstände, aber eben in jeglicher Hinsicht. Ironischerweise tauchte der Begriff „Rape Culture“ zuallererst als Titel eines Filmes auf, in dem es um die Vergewaltigung von Männern in Gefängnissen geht.

        Weil die großen Utopien der 1960er wegbrachen, und sich eine düstre Weltuntergangsstimmung ausbreitete wurde die Verkitschung des Weiblichen wieder populär. Die Frau als Bewahreren des Inneren, des Friedlichen. Das dämonische, allmächtige Männliche, das tragischerweise immer „das Gute“ besiegt. Und der heldenhafte Kampf gegen das Schicksal.

        Die Gesellschaft sah dann nur noch das unermeßliche Leid der Frauen, es war ja ohnehin hoffnungslos sich mit all dem anderen Elend auf der Welt zu beschäftigen.

        Was geradezu zwangsläufig eine Welle von selbstüberhöhendem Opfernarzissmus auslösen musste, auch eine Verena Steffen wollte „keine Männer mehr beherbergen“ – obwohl sie wohl allenfalls als Kind mal eine Ohrfeige von Pappi kassiert hatte, und ihr Freund oder Mann nur so „Kaputt“ war, vorwiegend in seiner Beziehung intimität zu suchen.

        Da hatten die Kampflesben leichtes Spiel.

      • @Leszek:

        Auch Cathy Young spricht ja von „Dworkinism“.

        Was mich an dem Fokus auf Dworkin stört ist, dass sich die Misandrie ja keineswegs aufs Sexuelle beschränkt.

        Auch ein „Sex-Positive“-Feminismus kann sehr misandrisch sein.

      • @Leszek:

        „MacDworkin“ ist allerdings köstlich, und mit MacKinnon hast du ebenfalls eine sehr prägende Person.

        (Man muss ja aufpassen, dass nicht einfach nur die Stalinbilder weggehängt werden)

      • @Leszek:

        Ich glaube z.B. nicht, dass Verena Stefa so sehr von Dworkin beeinflußt wurde.

        Den Bestseller „Häutungen“ hat sie 1974 geschrieben, das Jahr, in dem Dworkins erstes Buch erschienen ist.

        (Damals dauerte es wohl noch etwas länger, bis etwas über den Atlantik schwappte)

        Eine feminstische Rezension zu „Häutungen“:

        http://diestandard.at/1271376166336/Feministische-Klassiker-Ich-beherberge-keinen-Mann-mehr

        Liebe sei eine tausendfache Verwechslung von Begehrtsein und Vergewaltigtwerden: „Ein Mann, der im Allgemeinen bedrohlich ist, soll im Einzelnen liebenswert sein. Ein männlicher Körper, der im Allgemeinen gefährlich ist, soll im Einzelnen lustvoll werden.“

        Ich würde insofern schon eher sowas wie einen Zeitgeist vermuten, auf den Dworkin aufgesprungen ist, und zu dessen Verbreitung sie natürlich erheblich beigetragen hat.

      • Immer wieder hatte sie von Männern gehört, dass diese lieber mit Frauen zusammen seien, weil sie einfühlsamer, spannender, aufgeklärter, die „besseren Menschen“ seien. Warum also sollte sich ein Mann mit seinen Geschlechtsgenossen beschäftigen? „Du kannst nicht verlangen, dass ich mich auch noch privat mit einem Man befasse!“, lässt Verena Stefan Samuel in ihrem Text empört ausrufen und dreht die Frage um: „Warum kann MANN das dann von einer Frau verlangen?“. Es seien also Männer, die sich männerfeindlich gebärden.

        („Die Männer sind Schuld“ ist allerdings wieder eine lustige Logik)

        Man kann das eben so deuten dass Männer, in ihrer Desillusionierung zu der Zeit, Frauen auf ein Podest gestellt haben, und Frauen damit etwas überfordert waren.

        Wenn der Mann nicht einmal mehr weiß wie die Welt zu retten ist, und schon Zuflucht beim Weibe sucht, dann taugt er sehr offensichtlich nichts 😉

      • @ Nick

        Andererseits wird Lesbensex an sehr prominenter Stelle als „heilsam“ abgefeiert, selbst dann, selbst wenn die Situation so ist, dass bei Beteiligung eines Mannes (sonst alle anderen Umstände gleich: Erwachsener – 13jähriges Mädchen) gerade feministInnen von schwerstem Missbrauch sprächen, aber – oh Wunder – ist der Erwachsene eine lesbische Frau, wird der Sex zur heilsamen Erfahrung, z. B. in Eve Ensler Vagina Monologen, die fast schon zum Pflichtprogramm an amerikanischen Universitäten gehören, Zitat:

        *The Little Coochie Snorcher That Could (Titel einer Episode der Monologe) in which a woman recalls memories of traumatic sexual experiences in her childhood and a self-described „positive healing“ sexual experience in her adolescent years with an older woman. In the original version, she is 13, but later versions would change her age to 16. It also originally included the line, „If it was rape, it was a good rape.“ This particular skit has sparked numerous controversies and criticisms due to its content (see below).

        Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Vagina_Monologues

        Oder hier, Julie Bindel, Radikalfeministin, Lesbe und Kolumnistin beim GUARDIAN, einer linksliberalen „Qualitätszeitung“.

        Zitadte:

        aus dem Artikel, Sheila Jeffreys zitierend, bekannte, einflussreiche lesbische Radikalfeministin:““We made the decision to become lesbians because loving and fighting for women was the centre of our lives, and for me it still is. It made little sense to spend our whole time working for women’s liberation and to then go home to men.“

        Julie Bindel selbst, Zitat:

        *To me, political lesbianism continues to make intrinsic sense because it reinforces the idea that sexuality is a choice, and we are not destined to a particular fate because of our chromosomes. I also suspect that it is very difficult to spend your daily life fighting against male violence, only to share a bed with a man come the evening. Then there’s the fact that working with women towards a common goal means you develop a strong and passionate bond with them – why some feminists then block out the possibility of sexual relationships with their political sisters and instead turn to men for intimacy is beyond me.*

        Sexuality – a choice.

        Das mag für einen höheren Prozentsatz von Frauen/Lesben gelten als für Männer/Schwule, aber eben auch immer noch nur für eine Minderheit der Frauen, die größer sein mag als die entscheiden könnende Minderheit bei den Männern, jedoch eine Minderheit – wird völlig ignoriert von Bindel, es gibt keine empirische Unterstützung für die Behauptung, die sexuelle Orientierung sei in jedem Falle oder auch nur in einer Mehrheit der Fälle frei wählbar/ansozialisiert, ignoriert zudem völlig die Verhältnisse im Tierreich, ignoriert den Säugetiercharakter des Menschen, ignoriert seine Evolutionsgeschichte – linker Kreationismus, wieder einmal.

        Wiederum Bindel:

        *I think it’s time for feminists to re-open the debate about heterosexuality, and to embrace the idea of political lesbianism. We live in a culture in which rape is still an everyday reality, and yet women are blamed for it, as it is viewed as an inevitable feature of heterosexual sex. Domestic violence is still a chronic problem for countless women in relationships with men. Women are told we must love our oppressors, while, as feminists, we fight to end the power afforded them as a birthright. Come on sisters, you know it makes sense. Stop pretending you think lesbianism is an exclusive members‘ club, and join the ranks. I promise that you will not regret it.*

        Es wird Zeit, dass Männer realisieren, dass einflussreiche Personen, die ich nur als psychisch gestört bezeichnen kann, Krieg gegen Männer/Männlichkeit führen, aus einem Hassgefühl heraus, dass es ihnen erlaubt , zu pauschalisieren.

        Das Gift, das von Bindel und ihren akademischen Freundinnen in Gender Studies abgelassen wird, diffundiert von dort in immer weitere Teile der Gesellschaft, denn gerade, vor allem weibliche, Journalisten saugen es auf und verbreiten es weiter und weiter.

        So ist das, was ich vor Jahrzehnten als verschroben – irre Einzelmeinung einer lesbischen Kommilitonin hielt, mittlerweile zur Hintergrundfarbe unserer Alltagskultur geworden, wo überall Männerhass und Mänerverachtung durchschimmern einschließlich eines gehörigen Teiles sich selbst verachtender Männer, die dann zu den Rosenbrocks oder Connnells dieser Welt werden und das Gift weiter und weiter transportieren.

        Wäre so ein Artikel mit umgekehrter Stossrichtung vorstellbar, etwa in der ZEIT oder irgendeinem anderen Erzeugnis des Vainstreams?

        Ich glaube, die Frage stellen, heißt , sie beantworten.

        Auf einem Maskulistenblog wäre so ein anlaog umekehrter Beitrag für die Rosenbrocks ein Beleg für offenen Frauenhass.

        Dieser Aufruf an Frauen, doch die sexuelle Kollaboration mit dem Feind einzustellen, ist nicht aus den 80’ern, sondern im Januar 2009 erschienen, nicht in einer kampflesbischen Untergrundpostille, sondern im GUARDIAN.

        So weit haben sie’s gebracht.

        Es wird Krieg geführt. Männer sollten das registrieren.

      • Auf einem Maskulistenblog wäre so ein anlaog umekehrter Beitrag für die Rosenbrocks ein Beleg für offenen Frauenhass.

        Es ist durchaus in etwa so pathologisch wie das, was Zhen hier so vom Stapel lässt.

        Das ist kein Sex, der da abefeiert wird, es ist neidgeladene Notgeilheit – Na gut, es wird Notsex abgefeiert 😉


        So ist das, was ich vor Jahrzehnten als verschroben – irre Einzelmeinung einer lesbischen Kommilitonin hielt, mittlerweile zur Hintergrundfarbe unserer Alltagskultur geworden, wo überall Männerhass und Mänerverachtung durchschimmern einschließlich eines gehörigen Teiles sich selbst verachtender Männer, die dann zu den Rosenbrocks oder Connnells dieser Welt werden und das Gift weiter und weiter transportieren.

        Es ist eben die spannende Frage, wie es soweit kommen konnte.

        Warum setzt der Verstand aus, der eigentlich den Wahn sofort als solchen erkennen müsste?

        Biologisch ist das wohl nicht zu erklären.

      • @ Nick

        *Biologisch ist das wohl nicht zu erklären.*

        Nicht allein, aber die Biologie ist ein Teil vom Ganzen, ein wesentlicher.

        Fühlten sich Männer nicht instinktiv mehr in der Pflicht, für das Wohlrgehen erwachsener Frauen zu sorgen als Frauen dies in Richtung erwachsener Männer tun, wäre das feministische Spiel mit der Ritterlichkeit nicht möglich, z.B.

        Gäbe es das tief sitzende Minderwertigkeitsgefühl vieler Frauen gegenüber DEN Männern nicht (Kollateralschaden ihres hypergamen Instinktes) wäre die Diffamierung DER Männer, ihre Dämonisierung nicht nötig, z.B.

    • Eieiei, ist das hier ein Maskulistenblog? Bin zum ersten Mal hier und noch nicht in der Szene, wundere mich allerdings ob agressiven Stimmung, nur weil eine schüchterne Wolkenkuckuksbloggerin nach den Ursachen ihrer Unsicherheiten spürt…

      Fakt ist doch, dass „das Weib schweige in der Gesellschaft“ und zwar seit Jahrtausenden im gesamten christlichen Abendland!!? Oder gibt es hier schon Einwände?

      Natürlich gibt es heute in Deutschland keinen Patriarchen mehr, der einen von einer Frau verfassten Artikel oder dergleichen verbieten würde. Aber es sind noch nicht allzu viele Jahrhunderte her, dass Frauen Bücher unter Pseudonym veröffentlichen mussten, um überhaupt veröffentlichen zu dürfen.
      Ich lese die Wolkenkuckuksbloggerin nicht männerfeindlich und auch nicht als nach einem Buhmann Suchende, sondern vielmehr ihr eigenes Verhalten im Internet sowie in Diskussionsrunden reflektierend.

      Wenn ich mich davon als Mann gleich so angegriffen fühlen würde, könnte ich natürlich in Erwägung ziehen, in ein noch patriarchaleres Land auszuziehen, aber ich empfehle tatsächlich eher, mal die eigenen Ängste und Schuldgefühle zu reflektieren und einen weniger aggressiven Ton in Gesprächen mit dem anderen Geschlecht anzuschlagen – die meisten Feministinnen, die ich kenne, sind sehr offene, liebevolle und vor allem geistreiche Freundinnen und Gesprächspartnerinnen.

      Unsere Wolkenkuckuksbloggerin will ihre Angst vor Gesprächspartizipation ergründen und die ist nicht verwunderlich für eine Frau aus unserer Kultur, in der Frauen jahrtausendelang gewaltsam zu Schweigen gebracht wurden.
      Sie spricht nicht von einem Buhmann, einem realen Patriarchen, einem existierenden Verbot, sondern von dem „inneren Patriarchen“.

      Dieser existiert noch in uns allen stärker oder schwächer.

      So schnell schüttelt man seine Wurzeln nicht ab, auch wenn man meint, selbst ganz anders zu sein als der Vater.
      Es gab Vorkämpfer und Vorkämpferinnen und denen verdanken wir heute gleichberechtigte Gesetze (das neue Scheidungsgesetz verpflichtet überigens keine Männer mehr zur Unterhaltszahlungen an die Frau, auch wenn sie noch so viele Jahre für die Familie ihre Karriere zurückgestellt hat, also keine Panik, Jungs! Meiner Tochter würde ich aber trotzdem deshalb dringend zu einem Ehevertrag raten, sobald sie Kinder in die Welt setzen sollte, doch das nur nebenbei), aber die Kultur wird über ganz andere Psychosoziale Mechanismen weiter gegeben und beginnt schon mit der Erziehung im ersten Lebensjahr.

      Also, Leute, ich empfehle, nicht die eigene Verletztheit zu verallgemeinern und zum Geschlechterkampf zu stilisieren und insgesamt respektvoll, vorurteilsfrei (soweit das möglich ist) und offen miteinander umzugehen.
      Nicht jede Frau, die das Wort „Patriarch“ in den Mund nimmt, benutzt diesen als Sündenbock für alles.
      Das Patriarchat und seine Auswirkungen zu leugnen ist albern. Bekennen wir uns besser dazu und versuchen gemeinsam, das Beste daraus zu machen – für ein vielfältigeres und netteres Leben.

      Jan

      P.S: Dass beide Geschlechter Lampenfieber vor neuen und öffentlichen Situation haben, ist natürlich auch ganz klar…

      • Sie spricht nicht von einem Buhmann, einem realen Patriarchen, einem existierenden Verbot, sondern von dem „inneren Patriarchen“.

        ..der durch die systematische Gewaltdrohung im Namen AllerMänner („die Privilegierten“) zustande kommen soll.

        Selbstverständlich ist es eine Schuldzuweisung, jemand zu unterstellen er habe ein inhärentes Interesse an Vergewaltigungen.

        Sie rekurriert ganz eindeutig auf das Konzept der „rape-culture“,
        warum versuchst du uns einzulullen?

        Kennst du den theoretischen Hintergrund nicht?

      • Also, Leute, ich empfehle, nicht die eigene Verletztheit zu verallgemeinern und zum Geschlechterkampf zu stilisieren

        Mir scheint, du bist ein sehr großer Freund der Ironie.

      • @ Jan

        Mit anderen Worten, Jan, am Beispiel einer anderen Ideologie, einer verwandten, expliziert: Du, als Kommunsit, rätst den Nichtkommunisten im kommunistischen Staat doch endlich Kommunisten zu werden. Dann ginge es ihnen gut.

        Schön.

        Dir geht es gut.

      • @ Roslin

        „Du, als Kommunsit, rätst den Nichtkommunisten im kommunistischen Staat doch endlich Kommunisten zu werden. Dann ginge es ihnen gut.“

        Schiefes Beispiel. Die realsozialistischen Staaten haben sich nie als kommunistisch bezeichnet und in einem kommunistischen Staat gäbe es ja keine Kapitalisten, die sich unterdrückt fühlen könnten. Ohne Kapital keine Kapitalisten. Da bliebe höchstens die Vorstellung, in einem kapitalistischen System Kapitalist sein zu können.

        @ Jan

        „nicht verwunderlich für eine Frau aus unserer Kultur, in der Frauen jahrtausendelang gewaltsam zu Schweigen gebracht wurden.“

        Du meinst, es ist nicht verwunderlich für Bürger, in unserer Kultur, in der Bürger jahrtausendelang durch Adlige gewaltsam zum Schweigen gebracht wurden, sich vor adligen Trolls zu fürchten?

        „Das Patriarchat und seine Auswirkungen zu leugnen ist albern.“

        Patriarchatsleugnung, das sollte wohl ein eigener Straftatbestand sein. Gib mir deine Definition von Patriarchat und ich kann überprüfen, ob das Patriarchat existiert.
        Du kannst doch nicht ernsthaft von Leuten fordern, an etwas blind zu glauben, dessen Existenz man empirisch überprüfen könnte.

      • Die Aldi-Brüder sind sicher noch völlig traumatisiert von den ganzen Brückenzöllen, die ihnen unter Demütigungen die Feudalherren jahrhundertelang abgepresst haben. Kein Wunder, dass die immer die Öffentlichkeit so scheuen und sich kaum trauen, Brücken zu überqueren.

      • @ Jan

        „…sondern von dem „inneren Patriarchen.
        Dieser existiert noch in uns allen stärker oder schwächer.“

        Ich vermute, die Wolkenkuckucksbloggerin hat da einfach mal einen unreflektierten Begriff in den Raum geworfen. Das kann jedem mal passieren. Ich wünsche ihr alles Gute und werde hin und wieder mal bei ihrem Blog reinschauen.

        Jan geht nun einen Schritt weiter und postuliert den „inneren Patriarchen“ offenbar als eine das gesamte gesellschaftliche Unbewusste strukturierende archetypische Instanz im jungianischen Sinne, die mal stärker, mal schwächer in uns allen (!) existiert. Wird dies Aussage wörtlich verstanden, so ist also niemand ganz frei davon.

        Mit einem solchen Konstrukt setzt man sich natürlich schnell dem Verdacht des Obskurantismus aus. Es könnte hier die Vermutung entstehen, dass wenn man schon partout nicht rational begründen kann, dass Frauen in unserer Gesellschaft heutzutage noch realen Einschränkungen der Meinungsfreiheit unterliegen würden und auch der öffentliche mediale Diskurs weit davon entfernt ist, ein Frauenbild zu vermitteln, nach dem die Frau in der Gesellschaft zu schweigen hätte, man die „patriarchale Unterdrückung“ eben einfach ins kollektive Unbewusste der Gesellschaft verlegt, um nur ja nicht das Patriarchatskonzept für moderne westliche Gesellschaften in Frage stellen zu müssen.

        Ich möchte dazu einmal fragen, Jan: Gibt es denn Deiner Ansicht nach nachvollziehbare Kriterien, wie wir das Wirken des „inneren Patriarchen“ identifizieren und messen können?
        Wie können wir feststellen, ob sich der Einfluss des „inneren Patriarchen “ verringert? Wie können wir wissen, ab wann der „innenere Patriarch“ sich denn endlich aus dem kollektiven Unbewussten unserer Gesellschaft verflüchtigt hat?

      • @Jan

        Ich finde es alarmierend, wenn eine erwachsene, durch 40 Jahre Empanzipation geprägte Frau den Grund ihrer Öffentlichkeitsscheu nicht in sich selbst, sondern in äußeren Umständen sucht.

        Der Weg zur selbstbewussten und freien Meinungsentfaltung ist geebnet, sie muss ihn doch nur beschreiten.

        Sie mag schüchtern sein, aber ich bestreite, dass Frauen allgemein schüchterner sind als Männer. Und schon gar nicht, weil es mal ein Patriarchat gegeben hat. Man braucht Frauen nicht mit Samthandschuhen anfassen, sie sind stark. Aber das begreifen sie nur, wenn sie ihre Stärke erleben. Laufen lernt man durch laufen, nicht durch getragen werden.

        Meiner Meinung nach braucht sie einfach nur ein paar aufmunternde und ermutigende Worte, und vor allem das Erfolgserlebnis, dass sich jemand für ihren Blog interessiert, aber sicher keine Bestätigung, dass das Internet zurück erobert werden müsse, weil das Patriarchat es sich unter den Nagel gerissen habe.

      • wenn man schon partout nicht rational begründen kann, dass Frauen in unserer Gesellschaft heutzutage noch realen Einschränkungen der Meinungsfreiheit unterliegen würden und auch der öffentliche mediale Diskurs weit davon entfernt ist, ein Frauenbild zu vermitteln, nach dem die Frau in der Gesellschaft zu schweigen hätte

        das kann man durchaus rational begründen. nur weil nicht mehr offen gefordert wird, „das weib möge schweigen“, ist diese implizite forderung ja nicht aus der welt. dass du sie nicht erkennst, ist verständlich, denn sie ist nicht an dich adessiert.

        ein beispiel findet sich schon im nachbarstrang: eine frau ist derart gebrainwashed, dass sie ohne beinrasur keinen sex will. das ist doch gaga. von allein ist sie da aber gewiss nicht drauf gekommen, denn vor 20 jahren wäre diese form der selbstsabotage völlig undenkabr gewesen. diesem mädel ist nicht von pfaffen eingetrichtert worden, sie habe nichts zu melden. heutzutage übernehmen diese dressurarbeit bravo, katzenberger, GNTM und die weibliche peergroup mit ihrem intrasexuellen konkurrenzverhalten. das alles lässt sich ganz rational auf traditionen und kultur zurückführen.
        würde man den blogbetreiber fragen, wäre es sogar zu 99% mit der evolution begründbar.
        und du willst das einfach abstreiten???

        • @hottehü

          „heutzutage übernehmen diese dressurarbeit bravo, katzenberger, GNTM und die weibliche peergroup mit ihrem intrasexuellen konkurrenzverhalten“

          Das alles ist aber erst einmal nicht das Patriarchat.
          intrasexuelles Konkurrenzverhalten bezüglich Schönheit dem Patriarchat aufzuhalsen benötigt schon ein paar Argumente mehr.

      • @ Hottehü

        Ich bestreite keineswegs, dass Männer wie Frauen auch in modernen kapitalistischen Gesellschaften unter den Einfluss irrationaler Über-Ich-Funktionen und fremdgesteuerter Identitätskonstruktionen geraten können.

        Ich zweifle aber an, dass das Konzept eines die gesamte Gesellschaft tiefenpsychologisch strukturienden und in jedem von uns vorhandenen „inneren Patriarchen“ hierfür das adäquate Erklärungsmodell darstellt.

        Etwas weniger trivialpsychologisch, vulgärfeministisch und monokausal sollten sozialpsychologische Hypothesen dann vielleicht doch ausfallen, wenn sie ernst genommen werden sollen.

      • @ Hottehü

        *ein beispiel findet sich schon im nachbarstrang: eine frau ist derart gebrainwashed, dass sie ohne beinrasur keinen sex will. das ist doch gaga. von allein ist sie da aber gewiss nicht drauf gekommen, denn vor 20 jahren wäre diese form der selbstsabotage völlig undenkabr gewesen. diesem mädel ist nicht von pfaffen eingetrichtert worden, sie habe nichts zu melden. heutzutage übernehmen diese dressurarbeit bravo, katzenberger, GNTM und die weibliche peergroup.*

        Gutes Beispiel, Hottehü.

        Früher hätte die Lehre des Pfaffen dazu gedient, um dem Wunsch des „Mädels“, also der jungen, ERWACHSENEN Frau, noch keinen Sex zu haben, Rückhalt zu geben, als Back Up zu dienen.

        Heute sind’s die nicht gewachsten Beine.

        Die Rationalisierungen weiblichen Verhaltens wechseln mit den kulturellen Leitbildern, das Verhalten weniger.

  3. @thomas

    Angst vor Kritik ist verständlich. Bei einigen Beiträgen ruhte auch bei mir der Finger etwas länger über der Maustaste, gerade am Anfang. Und evolutionär ist mehr Angst bei Frauen ebenfalls nachvollziehbar.
    Mich stört insbesondere die Leichtigkeit mit der diese Angst auf das Patriarchat verschoben wird, hier gar in Gestalt eines gut zu Butler passenden „inneren Patriarchen“.

  4. Der nachfolgende Gedanke bezieht sich jetzt weniger auf den Wolkenkuckucksblog, als auf das zugrundeliegende Argumentationsmuster:

    Der ständige Verweis auf das angebliche Patriarchat bietet folgende Vorteile:

    Wenn frau eine Leistung im Vorfeld nicht zugetraut wird, ist das nur ein Zeichen von Patriarchat, denn frau kann das Gleiche wie jeder Mann.

    Wenn frau etwas tatsächlich nicht schafft, ist nur das Patriarchat schuld.

    Wenn frau eine ganz normale Leistung schafft (Blog eröffnen), dann ist das ganz dolle bewundernswert, weil trotz Patriarchat gelungen.

  5. Mein Leserkommentar im Wolkenkuckucksblog:

    Die Furcht, sich zu exponieren und möglicherweise derb formulierte Kritik einstecken zu müssen ist zunächst mal kein geschlechtsspezifisch weibliches Problem. Derbe und manchmal in agressivem Ton formulierte Kritik oder Trollerei kennt wohl jeder Blogger und jede Bloggerin.

    Ob sich Frauen davon mehr beeindrucken lassen? Ich weiss es nicht.

    Ich habe die interessante Feststellung gemacht, dass meine Leserbeiträge/Leserkommentare fast nie gelöscht werden, wenn ich einen weiblichen Vornamen angebe. Schreibe ich unter meinem richtigen männlichen Vornamen „Peter“, dann muss ich mich um eine moderatere Sprache bemühen, damit mein Beitrag nicht im virtuellen Orkus verschwindet. Daraus schliesse ich: Männern wird vorurteilsbehaftet Agressivität/Trollerei unterstellt. Ein- und derselbe Beitrag wird bezüglich seines „Agressionspotentials“ völlig unterschiedlich bewertet, wenn er einmal scheinbar von einer Frau oder von einem Mann verfasst wurde.

    Es ist genau dieses Vorurteil, das sich artikuliert, wenn auf den „inneren Patriarchen“ als Ursache verwiesen wird. Selbstverständlich gibt es derbe, im Ton völlig unangemessene Beiträge. Allerdings sollte sich der Blogger oder die Bloggerin auch ehrlich die Frage stellen, ob er provoziert. Die Verantwortungsabschiebung für die eigenen Vorurteile an ein Kollektiv „Patriarchat“ oder „Männer“ kann durchaus als provokativ empfunden werden.

  6. Und Männer, die sich eine eigene Meinung leisten, haben heute mit dem externen Feminat zu kämpfen. Auf feministischen Blogs und in „moderierten“ (=zensierten) Foren werden sie mundtot gemacht. Wer im Netz eine nicht genehme Meinung äußert, kann ganz leicht dafür belangt werden, weil alle nötigen Daten bekannt sind. Die Staatsanwaltschaften spielen bei so Scherzen wie „Beleidigung“ in Onlineforen, wo irgendein Anonymus über einen anderen ironisch herzieht, leider mit. Das Feminat hat dieses Klima der Denunziation und Selbstzensur aktiv mitgestaltet. Von Menschenrechten gibt es in D und allg. im Netz keine Spur mehr. Demnächst werden die Femanzen wohl so Märchendelikte wie „schriftliche Vergewaltigung“ und ähnlichen Humbug erfinden, weil die Delikte, um Männer einzuknasten, ja noch nicht ausreichen!

    Ich schütze mich online natürlich auch und empfehle das jedem, auch der vom „inneren Patriarchen“ geplagten Bloggerin. Man kann seine IP-Adresse über TOR verbergen. Heute ist das einfach notwendig, weil Gefahren von allen Seiten drohen (Feminat, beleidigte Spinner, Urhebermafia, BKA, BND, Zoll, Polizei usw.). Schützt euch und eure Menschenrechte!

    • Ergänzung: Ganz nach dem Geschmack der ewigen Meckerfrauen hat es sogar ein Nonsens-Delikt wie „Stalking“ ins Gesetz geschafft. Die Verhältnisse hier und überhaupt in den westlich geprägten Feminaten sind also schon allein wegen solcher Gesetze totalitär. „Stalking“ wurde als Update für den gesamtgesellschaftlichen Shittest vom Feminat erfunden, um sich irgendwelcher Männer zu entledigen, die nicht permanent erstklassige Prinzessinnen-Unterhaltung liefern können oder wollen. Der Stalking-Vorwurf kriminalisiert die freie Meinungsäußerung, sobald Männer sie tätigen. Gegen die Frauen, die häufiger nachstellen als Männer, ist er nicht gerichtet. Nicht, dass ich das forderte. Jede(r) soll das Recht haben, gegenüber jeder/m seine Meinung unzensiert und anonym zu äußern. Das muss man eben verkraften, dass jemand Liebe empfindet.

      Zu überlegen wäre aber, ob nicht die gewaltsame Zurückweisung (=weibliche Variante der Vergewaltigung), die ja der Auslöser für ein etwaiges Stalking ist, unter Strafe gestellt wird. Denn sie verursacht viel größeres Leid als ein paar unerwartete Liebesbriefe, die man leicht im Altpapier entsorgen kann. Sie ist ein absichtlicher, gewaltsamer Angriff auf eine Person, die nachhaltig tiefes psychisches Leid hervorruft. Im Gegensatz zum „Stalking“ ist die Schädigung bei der weiblichen Vergewaltigung real. Ein Gesetz dagegen wäre jedoch nur ein kleines Korrektiv im feministisch durchorganisierten Staat. Mittelfristig muss die kommunistische Revolution her.

      • @Adrian
        Wie immer, ein sehr konstruktiver Beitrag von dir! Deine argumentativ ausgeklügelte Unterstützung hilft dem Anliegen von uns Menschen zweiter Klasse sehr weiter. Bitte mehr davon!

      • @zhen

        Es muss so einfach sein in deiner Welt: Einfach allen verbieten, dich nicht zu mögen und schon ist alles besser. Denn dann mögen dich ja plötzlich alle, weil das Gegenteil verboten ist.
        Klappt nur leider nicht. Ebensowenig wie der Kommunismus

      • Einfach allen verbieten, dich nicht zu mögen und schon ist alles besser.

        Ich lasse mich durch deine Verdrehungen nicht provozieren. Sobald du zu einer ernsthaften inhaltlichen Diskussion bereit bist, melde dich wieder.

        Für deine eigene Unlogik bist du anscheinend blind oder als Pudel blind gemacht. Der Nutzen von Stalking-Gesetzen ist noch weitaus geringer und ihr Schaden für elementarste Menschenrechte noch viel höher als bei dem von mir vorgeschlagenen Gesetz gegen weibliche Vergewaltigung. Eine rechtliche Lösung, die nichts an den Ursachen der Gewalt ändert, ist sowieso nicht meine erste Wahl. Wenn wir dich und deinesgleichen gleich in einer Revolution hinwegfegen könnten, bräuchten wir den ganzen bürgerlichen Gesetzeszirkus nicht.

        Klappt nur leider nicht. Ebensowenig wie der Kommunismus

        Das wäre erstmal zu beweisen, was aber unmöglich ist, da es sich auch um eine empirische Frage handelt. Um zu beweisen, dass er nie klappt, müsste man zunächst „unendlich lange“ abwarten. Dass der Kapitalismus für seine Profiteure nur zu gut klappt, wissen wir leider schon, seit es ihn gibt.

        Ich empfehle dir, mal in dich zu gehen und zu erforschen, wie du qua deiner Existenz als Kapitalist Menschen ausbeutest, unterdrückst, verletzt, verelendest und ermordest, bevor du in meiner harmlosen, korrektiven, reformistischen Gesetzesidee einen Übergriff gegen die menschliche Freiheit witterst. Deine Gewalt ist ganz real und schränkt Menschen in lebensbedrohlicher Weise in ihrer Freiheit ein. Du bist hier der einzige, der ein aktiver Schlächter des Kapitals ist. Solange du dich nicht von deinem Eigentum trennst, sind alle deine Weltverbesserungsvorschläge absolut unglaubwürdig. Du bist eine blutrünstige Kapitalistensau, die selbst Wein säuft und allen anderen Wasser (= dein Allheilmittel Game) predigt.

      • @ Zhen

        Ein Rechtsanspruch auf sexuelle Interaktionen oder auf eine Beziehung mit einer anderen Person gegen deren Willen, wäre faktisch nichts anderes als ein Recht eine andere Person zu versklaven.

        Die dementsprechend versklavten Personen würden eine neue unterdrückte Klasse bilden. Mit einer klassenlosen Gesellschaft hat ein solches Konzept also nichts zu tun.

        Das alberne Konstrukt der „weiblichen Vergewaltigung“ ist daher anti-sozialistisch und anti-kommunistisch, (jedenfalls, wenn wir einen freiheitlichen Sozialismus oder Kommunismus voraussetzen – die einzig wünschenswerte Variante von Sozialismus und Kommunismus).

  7. @ Christian

    Du schreibst:

    „und es dürfte eher Mut verlangen, einen maskulistischen Blog aufzumachen, weil das tatsächlich erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen kann („Die innere Matriarchin?“)

    Ich wüsste mal gerne: Wie sehen diese erheblichen Konsequenzen aus? Repressalien bei Beamten (Maulkorberlass, keine Beförderung u. ä.) oder bei Menschen, die in bestimmten Firmen arbeiten? Was kann da so passieren? Und vor allem: Wird man eigentlich als maskulistischer Blogger oder überhaupt als bekannter Maskulist bedroht? Oder in der Stadt angepöbelt?

  8. OT:

    War gerade nach langer Zeit mal wieder auf der „Hass“-Sammelstelle hatr.org.

    Fand dort einen „Loriot“ eingestellt, mit der Zeile (nur diese Zeile, nichts weiter!): Mein Gott, ich hab‘ doch nur „schmeckt’s“ gefragt.

    Und hat prompt 15 Hände vor’s Gesicht geerntet.

    Was ist das für ein Hühnerhaufen dort 🙂

  9. @3ich („Maskulisten als Therapiespinnen?“):
    Sie (die ängstliche Dame) müsste ja nicht gleich in Maskulistenblogs diskutieren, aber einfach irgendwas Bloggen, was nicht nur bei Mitfrauen Bestätigung findet, wäre ja schon mal was fürs Selbstwertgefühl.

  10. „WIE LEBE ICH DEN ANTISEXISMUS 101“ (Der Leitfaden für sinnvolle anti-sexisistische Internet-Diskussion)

    Du hast Dich in die einschlägige Feminismus-Literatur eingelesen? Du hast einige Gender-Studies Seminare besucht? Du bist mittlerweile sensibilisiert und Deine Augen wurden geöffnet, so dass Du den permanenten Sexismus überall auf Anhieb sehen kannst?
    Das ist wunderbar! Dann ist es jetzt an der Zeit, den Kampf gegen Blau und Rosa in die Welt hinauszutragen!

    Es ist kinderleicht mit dem bewährten „21 Schritte Plan“!

    Schritt 1:

    Finde einen Stein des Anstoßes. Tippe bei Google „Blog“ und „sexistisch“ ein. Lass Dir Ergebnisse anzeigen, die höchstens eine Woche alt sind. Du wirst sicher etwas finden. Eine aktuelle sexistische Werbekampagne oder ein sexistisches Musikvideo.

    Schritt 2:

    Schau Dir das sexistische Machwerk an. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten
    – Du fühlst Dich tatsächlich unwohl beim Anblick des Bildes/Videos. Es könnten Dir Gedanken kommen wie „vielleicht ist es nur mein persönlicher Geschmack, dass ich es nicht mag“. VERDRÄNGE DIESE GEDANKEN SOFORT! Sobald Du Dich unangenehm fühlst, MUSS es am sexistischen Inhalt liegen, denn Du bist schließlich dahingehend sensibilisiert.

    – Du fühlst Dich nicht angegriffen von dem Bild/Video. Analysiere dann so lange und interpretiere solange daran herum und hinein, bis Dein Ekel geweckt ist und Du das volle Ausmaß des männlichen Machotums darin abgebildet siehst. Das Zauberwort heißt „Details“, Watson. Du merkst, dass Du richtig konstruiert hast, wenn Du sagen kannst „Daran hat der Erschaffer des Werkes sicher nicht gedacht.“ Dann ist es tiefgehend genug. Vergiss nicht, die sprachliche Komponente bis ins Tausendstel zu analysieren!

    Schritt 3:

    Suche eine dazugehörige Forumsdiskussion. Die gibt es eigentlich immer. Melde Dich dazu sofort in dem jeweiligen Forum an, und fühle Dich, als wärst Du dort schon seit Jahren zuhaus.

    Schritt 4:

    Überfliege die Beiträge in dem Thread. Überfliegen solltest Du bitte wörtlich nehmen und Dich dabei an einem Jumbo Jet orientieren. Der fliegt sehr schnell und sehr hoch. Genaues Lesen der Beiträge wäre sowieso nicht gut. Am Ende würdest Du der Illusion erliegen, es wäre tatsächlich Diskussionsbereitschaft da.

    Schritt 5:

    Lese die Forenregeln und suche nach einem Paragraphen, in dem Sexismus vorkommt. Dort könnte z.B stehen „ Politische, sexistische, rassistische oder anderweitig anstößige Parolen, Texte, Nicknames, Avatare, Bilder und Links sind verboten.“

    Jetzt ist es sehr wichtig, dass Du das richtig interpretierst. Man könnte ja meinen, es sei vielleicht nur eine Aufforderung an die User, sich anständig zu verhalten.

    Falsch! Interpretiere es folgendermaßen: „ Die Moderatoren sind Experten in allen Fragen des Sexismus, verfügen über ein enormes Hintergrundwissen zu dem Thema und leben den Kampf gegen den Sexismus mit Feuereifer.“

    Schritt 6:

    Klasse! Du hast es bis hierher geschafft und kannst jetzt Deinen ersten Beitrag in dem Thread schreiben. Da Du die Forenregeln kennst, tust Du jetzt einfach mal irgendwas fordern. Ja, FORDERN! Das ist immer ein guter Einstieg. Fordere eine ausführliche Erklärung der Moderation oder des Boardbetreibers oder fordere Löschung oder fordere ein strikteres Vorgehen. Hauptsache Fordern! Denke an Schritt 3! Du hast Dich extra dafür im Forum angemeldet, also hast Du auch bestimmte Vorzugsrechte.

    Schritt 7:

    Ignoriere die Antworten auf Deine Forderung.

    Beschwere Dich über mangelnde Kritikfähigkeit des Erstellers und/ oder der Moderatoren. Beschwere Dich darüber, dass andere Meinungen (i.c. Deine) nicht zugelassen werden. (Verdränge dabei den Gedanken: „Mir wird doch eine Plattform gegeben, um mich zu äußern.!“)

    Schritt 8:

    Dein nächster Beitrag! Schreibe „Hier scheint sowieso die Meinung XY vorzuherrschen.“

    Die Meinung XY musst Du halt noch formulieren. Nimm dabei aber NICHT die tatsächliche Meinung, die Du beim Überfliegen des Threads wahrgenommen hast, sondern projiziere Deine Vorurteile und den ganzen Sexismus, den Du erlebt hast, sowie Dein Männerbild, um diese Meinung zu formulieren. Das was Du erlebt und gelesen hast, steht sicher auch bis jetzt so in dem Thread.

    Schritt 9:

    Lese Deinen Beitrag nochmal durch. Lese genau die Meinung XY, die vorherrscht, durch und rege Dich darüber auf, dass diese Meinung vorherrscht. Steigere Dich richtig rein! Du brauchst diese Aggression, um diskutieren zu können.

    Schritt 10:

    Die Aggression auf der Gegenseite fängt an zu brodeln. Die anderen Diskussionsteilnehmer ärgern sich, weil Ihnen etwas vorgeworfen wird. Das ist gut! Ein Stierkampf ist langweilig, wenn der Stier keine Lust hat. Ohne ein bißchen Öl ins Feuer zu gießen, macht der Kampf keinen Spaß. Tue aber so, als hätten sie keinen Grund, sich aufzuregen! (Das ist wichtig! Schließlich haben sie ja auch keinen Grund, sich aufzuregen).

    Schritt 11:

    Vergleiche die Machtstrukturen der Gesellschaft mit den Strukturen des Forums. Schreibe irgendwas von „weißen Männlichen“. Am besten nimmst Du das englische „whitemale“ und „supremacy“. Blende dabei aus, dass das in der amerikanischen Literatur mehr Sinn macht als in einem deutschen Forum. Verwende auch unbedingt den Begriff „Rape Culture“. Unbedingt! Auch wenn er Dir selber irgendwie doof vorkommt. Sage so oft „Rape Culture“ vor Dich hin, bis Du denkst, dass es irgendwie Sinn macht.

    Schritt 12:

    Auch wenn die Qualität des Bildes oder Videos eigentlich nicht zur Diskussion gehört, MUSST Du mindestens in einem Nebensatz erwähnen, wie schlecht es ist.

    Du zeigst damit: „Das Ding ist so schlecht, dass die Aufwertung für die breite Masse nur über sexistische Darstellung funktioniert.“

    Damit hast Du quasi NOCH EINEN BEWEIS, dass das Bild/Video sexistisch ist. Logisch konstruiert!

    Wenn es sich um Werbung handelt, dann sag Dir, DU bist Werbeexperte. Ist doch nur ein bißchen Kreativität und Photoshop. Also erwähne, dass es schlecht gemacht ist. Wenn es sich um ein Musikvideo handelt, bist Du genauso Experte. Was ist bei so einem Video schon dabei? Bißchen Darsteller und Location und Kulisse mieten, fertig. Mainstream Musik hat sowieso keinen Anspruch. Verdränge den Gedanken, dass der Komponist vielleicht ein wirklich guter Musiker ist, der Ben Hur Filmmusik in Variationen auf dem Klavier spielen kann, dass einem die Ohren schlackern.

    Schritt 12:

    Apropos Mainstream-Musik hat eh keinen Anspruch. Genau das kannst Du auf die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer anwenden. Die Mehrheit hat IMMER Unrecht, und die Meinung Vereinzelter hat IMMER mehr Bedeutung. Wenn also jemand schreibt, „die Mehrheit stört sich nicht an dem Bild/Video“, dann weißt Du wiederum, dass Du richtig liegst.

    Schreibe doch auch von der Mehrheit im dritten Reich. Ein guter Vergleich, um zu zeigen, dass die Mehrheit immer die Bösen sind.

    Schritt 13:

    Es wird immer wieder die Frage kommen „Was ist eigentlich Sexismus für Dich genau?“ Genauso „Was ist an dem Bild/Video denn eigentlich sexistisch?“ Lass Dich bloß nicht auf dieses Niveau herab! Da hilft nur Ignorieren. Wer Sexismus nicht selbst sofort erkennt, der ist sowieso völlig daneben.

    Schritt 14:

    Beschwere Dich über Vorurteile und Verallgemeinerungen. Behalte dabei aber IMMER im Kopf, dass DU das Sprachrohr für ALLE Frauen bist. Weil das so wichtig ist, hier nochmal wiederholt: „DU bist das Sprachrohr für ALLE Frauen.“ Wenn eine Frau nicht Deiner Meinung ist, dann liegt das daran, dass sie selber der chauvinistischen Gehirnwäsche erlegen ist.

    Schritt 15:

    Teile niemals Dein Wissen über Sexismus, sondern fordere die anderen auf, sich in einschlägige Literatur einzulesen. Pierre Bourdieu, Judith Butler… Sollte sowieso Pflichtlektüre sein. Ohne dieses Wissen KANN man nicht diskutieren.

    Schritt 16:

    Zitiere viel, denn das macht alles intensiver. Achte auf die goldene Grundregel beim Zitieren! „So kurz wie möglich!“ Zitiere also nie einen großen Teil des Textes, sondern immer nur kleine Ausschnitte. Du wirst merken, dass Du so einen neuen Sinn in diese Textpassagen hineinzaubern kannst, der Dein Anliegen noch verdeutlicht.

    Schritt 17:

    Antworte grundsätzlich nur auf wütende oder Dich angreifende Beiträge. Ignoriere Teilnehmer, die sachlich diskutieren wollen.

    Schritt 18:

    Es gibt eine Ausnahme. Wenn jemand sachlich ist und etwas behauptet, dann fordere von ihm oder ihr einen Beleg für die Behauptung. Bringt er oder sie tatsächlichen einen Beleg, dann ignoriere ihn danach einfach wieder und denke an Schritt 17. (Antworte nur auf Beiträge, die Dich angreifen).

    Schritt 19:

    Es lohnt sich nicht mehr zu diskutieren. Es kommt zu oft die Frage „Was genau ist denn jetzt daran sexistisch?“. So macht Diskutieren keinen Spaß.
    Die Lösung heißt jetzt „Warten“. Warte so lange, bis jemand schreibt „Alle Emanzen sind hässlich“.
    Das wird ganz sicher kommen. Es kommt immer! Ignoriere bis dahin ALLE anderen Beiträge!

    Schritt 20:

    Endlich hat einer geschrieben „Alle Emanzen sind hässlich“. Puh, dabei wurden die langweiligen Beiträge immer mehr.
    Du kannst Dich jetzt auf den finalen großen Schritt vorbereiten! Sammle alle Deine Verachtung und Deine ganze Kraft! Der nächste Schritt wird sie alle umhauen und verblüffen! Das wird deine nuclear weapon.

    Schritt 21:

    Antworte auf den „Alle Emanzen sind hässlich“- Beitrag. Sage, dass Du es Dir ja hättest denken können und dass sich so das Diskutieren nicht lohnt. Beende diese Antwort mit dem Sahnehäubchen, dem Rundumschlag, dem most sophisticated Attack ever. Du wirst sie mit Verachtung strafen:

    Schreibe: „Ich bin hier raus.“

    Epilog:

    Yeah, Du hast es geschafft! Du hast Dich gut geschlagen. Du stehst für Deine Sache ein.
    Wende Dich jetzt etwas einfachem ohne Forendiskussion zu. Schreibe zum Beispiel einen Kommentar zu einem Buffy Comic und beschwere Dich, dass da Lesben mit langen Haaren dargestellt werden, obwohl alle Lesben, die Du kennst, die Haare kurz tragen.

    • @harry

      Du schreibst:

      Pierre Bourdieu, Judith Butler… Sollte sowieso Pflichtlektüre sein. Ohne dieses Wissen KANN man nicht diskutieren.

      Kommentar:

      Ist richtig, ohne die Pflichtlektüre von Bourdieu geht schon mal überhaupt nix. Aber auf Butler kann man ruhig verzichten. Ausser Performativität und Performanz kommt da ja nicht viel Schlaues raus! 🙂

    • @ Harry

      * Warte so lange, bis jemand schreibt „Alle Emanzen sind hässlich“.
      Das wird ganz sicher kommen. Es kommt immer! Ignoriere bis dahin ALLE anderen Beiträge!*

      Da kannste hier aber lange warten.

      Hier schreibt niemand „Alle Emanzen sind häßlich“.

      Weil, nämlich, dass wäre unwissenschaftlich.

      Ich schreibe daher: „Die meisten Emanzen sind häßlich, im Schnitt!“

      Und:

      „Sonst wär’n sie ja keine.“

      Das ist wichtig.

      Das is‘ für’n Anspruch.

      Das is‘ nämlich das evolutionstheoretische Rationale.

      Und darum geht’s ja hier, um Evolution.

      Und um Emanzen.

      Und dass die so eklig sind.

      Obwohl der Christian das nie schreiben tut.

      Der ist nämlich nett und pflegt gegenüber Emanzen eine Willkommenskultur.

      Ich ja nicht.

      Bin ja auch nicht nett.

      Pflege deshalb eine Ihr-könnt-mich-kreuzweise-Kultur.

      Obwohl ich das so direkt auch nicht schreiben tu.

      Muss mich doch anpassen, wenn ich überleben will.

      Das ist wieder Evolution und darum geht’s ja hier.

      Und um eklige Emanzen.

      So schließt sich der Kreis.

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