Entwicklung der Unterschiede zwischen den Geschlechter im Rahmen der Evolution

In einer Diskussion mit Joachim auf seinem Blog Quantenmeinung in dem Artikel „Gender sells“ führte dieser an, dass Männer sich nicht ohne Frauen fortpflanzen können und Frauen nicht ohne Männer. Das wiederum sollte zu Schwierigkeiten bei einer abweichenden Selektion führen.

Johannes fasst es wie folgt:

Man sollte bei den evolutionären Erklärungen nicht vergessen, dass Frauen und Männer sich nicht unabhängig voneinander vermehren können. Die Entwicklung sexueller Unterschiede basiert nicht auf voneinander unabhängigen Selektionsmechanismen. Man muss also bei kognitiven Fähigkeiten, nicht nur begründen, warum sie für ein Geschlecht vorteilhafter sind als für das andere. Erklärungsbedürftig ist auch, warum eine Geschlechterdifferenz für die Art insgesamt vorteilhaft ist. Das ist bei Fähigkeiten, die nicht direkt der Fortpflanzung dienen, schwer begründbar.

Allerdings ist es nur ein Scheinwiderspruch, der sich leicht auflösen lässt, wenn man sich die diesbezüglichen Theorien vor Augen führt.

 Zunächst erst einmal muss man sich bewußt machen, wie Unterschiede bei Mann und Frau genetisch hinterlegt sind. Dabei geht die Theorie von zwei groben Unterschieden aus:

  •  Ein Teil der Unterschiede ist im Y-Chromosom vorhanden, dass immer nur der Vater weiter gibt. Dieses ist allerdings vergleichsweise klein und enthält lediglich ein paar Basisinformationen, darunter die Wachstumsanleitung für die männlichen Hoden.
  • Des weiteren sind in den Genen von Männern und Frauen Wachstumsanleitungen enthalten, die spezifisches auf das Geschlecht ausgerichtete Wachstumsvorgaben enthalten. Die Information, welche Anweisung ausgeführt wird, wird dabei zB über Hormone gegeben. ich hatte das schon einmal in dem Artikel „Wachstum, Hoxgene und hormonelle Steuerung“ ausgeführt.  Da die Hormone wiederum danach differenziert werden, ob der Fötus Hoden hat oder nicht (üblicherweise), ergeben sich darauf Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Wie kann sich hieraus nun eine verschiedene Selektion ergeben?

Ein einfaches Beispiel sind Muskeln. Muskeln haben Vorteile, nämlich eine erhöhte Kraft, die man bei verschiedenen Täigkeiten vom Jagen über das Schleppen von Lasten oder beim Kampf verwenden kann. Sie haben aber auch Nachteile in Gestalt hoher Unterhaltskosten. Mehr Muskeln bedeutet, dass man täglich mehr verbraucht, also auch mehr Nahrung benötigt. Ein Wesen wird demnach um so weniger Muskeln haben um so seltener es sie braucht. Frauen haben dabei als Säugetiere das Problem, dass sie während der Schwangerschaft von vorneherein wenig jagen oder kämpfen können. Männer haben das Problem, dass sie während der Evolution wie am Körper sichtbar einer starken intrasexuellen Konkurrenz ausgesetzt waren, die sich um Ressourcen, Frauen und Nahrung drehte. Sie hatten insofern einen höheren Nutzen von den Zusatzkosten durch die Muskeln. Eine Mutation, die dazu führt, dass sie mehr Muskeln als Frauen hatten, war damit für beide Vorteilhaft, weil die Frauen die Kosten sparten und die Männer die zusätzliche Kraft nutzen konnten.

Das kann sich auch bei zB geistigen Fähigkeiten ergeben. Denn auch hier ist zu berücksichtigen, dass diese nicht umsonst sind. Jeder Gehirnbereich, der vorgehalten wird, ohne genutzt zu werden, kostet Energie und Platz. Eine Lösung, nach der wichtige Eigenschaften, die ein Geschlecht nicht benötigt, das andere aber schon, nur bei dem Geschlecht ausgebaut werden, dass diese Eigenschaft benötigt, bietet einen selektiven Vorteil in diesem Bereich. Zudem erlaubt eine auf ein Geschlecht ausgelegte Vorformatierung eine auf die in der Arbeitsteilung zu erwartetenden Arbeiten abgestimmte Optimierung.

Ein Beispiel wäre das räumliche Denken. Dies dürfte sich nach den herrschenden Theorien aufgrund der Jagd und der intrasexuellen Konkurrenz unter Männern entwickelt haben. Dabei bietet ein besseres räumliches Denken mehrere Vorteile bei der Jagd:

  • Jagd erfordert es Spuren von Beute oder gejagte Beute zu verfolgen, wobei man zum einen einen größeren Radius abdeckt und zum anderen das Ziel weniger vorhersagen kann. Den Weg zurück zu finden erfordert dazu eine gute räumliche Orientierung. Deswegen haben die meisten Raubtiere einen besseren Orientierungssinn als Tiere, die nicht jagen.
  • Die Jagd mit Wurfwaffen erfordert die Berechnung des Wurfwinkels und der einzusetzenden Kraft. Dies evtl. abgestimmt auf die Bewegung des Tieres.
  • Der Kampf im intrasexuellen Bereich erforderte bei Wurfwaffen zum einen die bereits angesprochene Treffsicherheit wie bei derJagd. Zum anderen aber auch ein schnelles Einschätzen, wo ein sich auf einen zubewegender Speer landen würde: Würde er einen Treffen oder nicht und in welche Richtung sollte man ausweichen.

Die diesbezüglichen Eigenschaften waren demnach für einen Mann vorteilhaft.

Für eine Frau hingegen konnte es vorteilhaft sein, sie nicht zu haben:

  • Frauen waren durch Schwangerschaft und Stillen zunächst mehr in die Kinderbetreuung eingebunden. Sie hatten daher wesentlich weniger Handlungsspielraum, mussten mehr Rücksicht auf die von ihnen betreuten Kinder nehmen und konnten daher der jagd weit weniger nachgehen
  • Frauen sind aufgrund ihrer geringeren Oberkörperkraft von vorneherein bei einer Jagd mit Speeren und auch beim Kampf mit Speeren einem Mann weit unterlegen, so dass sich hier eine Arbeitsteilung angeboten hat.
  • Da sie weniger kämpften mussten sie auch weitaus weniger Speeren ausweichen. Überdies dürften Frauen im gebährfähigen Alter weitaus eher als lebenige Beute interessant gewesen sein als als Gegner, so dass auch aus diesem Gesichtspunkt eine schwächere Selektion in diesem Bereich wirkte.
  • Es kann sogar ein Vorteil sein, eine schlechtere Eigenschaft in diesem Bereich zu haben, weil es einen von vorneherein von der Pflicht befreit sie auszuüben. Aus dem selben Grund, aus dem der klischeehafte Mann, der nicht mehr abwaschen will, beim Abwaschen den Teller fallen läßt, lohnt sich eine Selektion der Gene hin zu einer Nichtjagd und Nichtkampfbasis, wenn man in diesen ohnehin meist den kürzeren ziehen würde und diese im Wege der Arbeitsteilung auf jemand anders verlagern kann. Wer eine Arbeit nicht durchführen kann, der wird auch nicht mit ihr betraut. Natürlich ist bei einem Genpool zu bedenken, dass es verschiedene Strategien gibt, die erfolgreich sein können, wobei sich bei einer Betrachtung über den Schnitt eine Tendenz der Hauptstrategie abzeichnet.
  • Die Frau spart die Energie für das Vorhalten der Gehirnstruktur für räumliches Denken und kann Platz und Energie in andere Bereiche investieren, die ihr mehr Nutzen bringen als das räumliche Denken.

Dabei ist noch ein wichtiger Grundsatz der Arbeitsteilung zu bedenken: Wer ein Produkt besonders gut/schnell herstellt, für den lohnt es sich meist eher, sich auf dieses Produkt zu konzentrieren und die anderen Produkte gegen den Gegenwert des eigenen Produktes zu tauschen, das ein anderer besser herstellen kann. Das macht eine Arbeitsteilung auch zwischen den Geschlechtern sehr effektiv und kann damit alles begünstigen, was die Geschlechter dazu bewegt, sich auf ihre Stärken zu besinnen und die jeweiligen Stärken des anderen Geschlechts zu nutzen

Zu Bedenken ist auch, dass es in der Evolution kein „Team Frau“ und kein „Team Mann“ gibt, die Aufpassen müssen, dass das andere Team nicht mächtigter wird. Es findet keine Gruppenselektion zwischen den Geschlechtern statt, sondern nur eine Selektion der einzelnen Gene, die sich in der nächsten Generation jeweils in einem Mann oder einer Frau wiederfinden können. Die Gene eines Mannes wurden demnach in vorherigen Generationen darauf selektiert, dass sie auch in einem Frauenkörper gut über die Runden kommen, was ebenfalls mit Sonderregelungen am einfachsten geht, die Gene einer Frau wurden demnach in den Generationen davor darauf selektiert, ebenfalls in einem Männerkörper zu überleben. Überleben bedeutet dabei Gene erfolgreich an die nächste Generation weitergeben zu können, denn Gene, die nicht in die nächste Generation gelangen (auch nicht über Verwandte) fallen automatisch aus dem Genpool.

Das bedeutet, dass eine Selektion darauf stattfindet, dass Gene weitergeben werden und nicht darauf, die übergeordneten Interessen eines Geschlechtes zu schützen. Eine Genzusammenstellung, die dafür sorgt, dass sie in einem Frauenkörper besonders hochwertige Männer an sich bindet, die mit ihr in einer Partnerschaft Energie in den Nachwuchs stecken, in einem Männerkörper aber dafür sorgt, dass er zum einen eine hochwertige Partnerin anzieht, in deren von ihm stammenden Nachwuchs er Energie stecken kann, zum anderen aber evtl noch seine Gene streut und die Weitergabe seiner Gene durch ein paar Bastarde absichert, in die er nicht gesondert investieren muss, verbreitet sich damit schnell im Genpool. Gene können damit in einer dualen Anlage sowohl „frauenfeindlich“ als auch „männerfeindlich“ sein, weil Evolution keine Moral kennt (wohl aber zu moralischen Wesen führen kann, wenn dies für die Weitergabe der Gene vorteilhaft ist). In beiden miteinander verwobenen „Wachstumsplänen“ geht es nur darum, die Gene unabhängig vom Geschlecht in die nächsten Generationen zu bringen. Das bedeutet nicht, dass dies gut ist, was ein naturalistischer Fehlschluss wäre. Aber es macht deutlich, dass Gruppeninteressen der Geschlechter insoweit keine Rolle spielen.

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6 Gedanken zu “Entwicklung der Unterschiede zwischen den Geschlechter im Rahmen der Evolution

  1. Das enge Zuammenleben von Mann und Frau bedeutet eben nicht, dass sie die gleichen Leben geführt haben.

    Führten sie über lange Zeiträume verschiedene Leben, mussten sie unterschiedlichen Anforderungen genügen, zwangsläufig.

    WENN Evolution überhaupt stattfindet via Selektion, dann muss dies notwendigerweise zu Männern führen, die sich von Frauen unterscheiden, zu Frauen, die sich von Männern unterscheiden.

    Die körperliche Dichotomie ist so offensichtlich, das sie auch eine Gleichartigkeitsideologin nicht bestreiten kann.

    Sie allein ist übrigens schon Dokument der unterschiedlichen Anforderungen, denen Männer und Frauen zu genügen hatten.

    Denn hätten sie gleichen Anforderungen genügen müssen, hätten sie einen gleichen Körperbau.

    Es sei denn, man bestreitet, das evolutionäre Prozesse den Menschen formten. Dann kann man „erklären“, wie gleiche Anforderungen unterschiedliche Körper produzieren – linker Kreationismus.

    Bleibt das Gehirn, das aufwendigste Organ des menschlichen Körpers, von dem völlig inkonsistent behauptet wird, ausgerechnet es sei von dieser Optimierung auf verschiedene Anforderungen ausgenommen, die am ganzen sonstigen Körper von Männern und Frauen ablesbar ist.

    Und das, obwohl die Unterschiede zwischen Männer-und Frauengehirnen anatomisch fassbar sind (Volumen, Neuronenzahl, Vernetzungsgrad – noch umstritten, einzelne Kerne).

    All das soll in gleichen Leistungsprofilen münden?

    Warum dann die feststellbaren anatomischen Unterschiede?

    Völlig unplausibel, diese Gleichartigkeitsannahme.
    Gleiche Leistungsprofile werden mit unterschiedlicher Anatomie erreicht?

    Hier hilft wieder nur linker Kreationismus aus der Patsche.

    Eine weitere genetische Differenzierung nach Geschlecht ist übrigens wahrscheinlich über die Prägung der väterlichen/mütterlichen X-Chromosomen möglich: Das väterliche, das nur in einem Mädchen landen kann, ist auf „Frau“ optimiert, das mütterliche eher auf „Mann“. Es kann zwar sowohl in einem Jungen als auch in einem Mädchen landen, aber in einem Mädchen trifft es auf ein auf „Frau“ optimiertes X des Vaters, so dass die Optimierung auf „Mann“ dem Mädchen wenig schadet, während es bei einem Jungen, der ja nur sies eine hat, voll wirksam wird.

  2. unter vorraussetzung das evolution in christians sinn existiert:

    christian worin unterscheiden sich die beiden aussagen? beide gehen doch davon aus das mann bzw frau von aussen selektiert werden kampf nahrungsangebot z.b. aber für frau ist man genauso ein faktor von aussen wie umgekehrt. halt eine weitere variable die einfluss ausübt.

    ihr beschreibt beide das gleich bild nur sieht einer mehr die wechselwirkung mann frau stärker im mittelpunkt (wenn überhaupt).

    also wo ist der grundsätzliche unterschied?

    gibt es irgendwo eine wahrscheinlichkeitsabschätzung zu dem thema 2 geschelchter?
    y-chromosom hat 60mio basenpaare x-chromosom 160mio.
    evolution ist ja sowas wie password knacken oder? hat eine zufällige veränderrung etwas funktionierendes ‚geschaffen‘ tritt das in konkurenz zum bestehenden. der besser geeignete für die situation setzt sich durch.
    eine als 128bit verschlüssellung hat 2^128 möglichkeiten oder 3,4*10^38 möglichkeiten.(2 bit wären 2^2 = 4, 3bit 2^3 = 8, …. wenn ich mal ein basenpaar vereinfacht als bit annehme)
    also gibt es zu der problematik untersuchungen? (wieviele basenpaare verändern sich pro generation, wieviel generationen braucht es bis…)
    es sollten doch untersuchungen mit bakterien stämmen existieren.

  3. @ Holger
    M.J. Behe and D.W. Snoke, „Simulating Evolution by Gene Duplication of Protein Features That Require Multiple Amino Acid Residues,“ Protein Science, 13 (2004): 2651-2664.

    In this article, Behe and Snoke show how difficult it is for unguided evolutionary processes to take existing protein structures and add novel proteins whose interface compatibility is such that they could combine functionally with the original proteins. By demonstrating inherent limitations to unguided evolutionary processes, this work gives indirect scientific support to intelligent design and bolsters Behe’s case for intelligent design in answer to some of his critics.

    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022283604007624
    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022283600939974

    Jetzt bin ich einmal gespannt, wie auf die Arbeiten der phösen Design-Apologeten reagiert wird 🙂

  4. Pingback: Evolution oder Gender? Beides! | Quantenmeinung

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