Der Rücktritt von Marina Weisband und Frauen in der Politik

Marina Weisband ist vom Vorstand der Piratenpartei zurückgetreten und erläutert dies in einem Spiegelinterview:

Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich nur 30 Stunden pro Woche der Partei widmen kann, doch in Wahrheit geht viel mehr Zeit drauf. Ich stehe unter enormem Druck, mache zwei Jobs gleichzeitig. Einmal die interne politische Arbeit, dann die Öffentlichkeitsarbeit. Nebenbei mache ich mein Diplom. Ich bekomme das auch gesundheitlich nicht mehr unter einen Hut. Ich kann schlichtweg physisch nicht mehr weitermachen.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie das näher erklären?

Weisband: Es ist richtig, dass ich im Moment öfter mal Krankheitsphasen habe. Weiter möchte ich darauf nicht eingehen. Das ist für die Partei aber ein Unsicherheitsfaktor. In dieser Situation ist es mir erst einmal wichtiger, eine Grundlage für mein Leben zu schaffen und meinen Abschluss zu machen – und in einem Jahr zu gucken, wie es aussieht. Ein Jahr möchte ich mindestens Pause machen und mich von der Doppelbelastung erholen.

Vielleicht hat ihr Rücktritt tatsächlich einfach gesundheitliche Probleme, aber er passt auch ganz hervorragend in das Geschlechterschema. Ein von Susan Pinkers Hauptthesen in „Das Geschlechter Paradox“ ist ja, dass Frauen ein geringeres Interesse daran haben, ihr persönliches Leben einer Karriere unterzuordnen und es lieber etwas ruhiger angehen lassen, dafür aber mehr Zeit für persönliche Belange haben. Das wiederum ist eben mit den meisten Spitzenjobs nicht vereinbar, die deswegen ganz überwiegend mit Männern besetzt sind, die den Anreiz des zusätzlichen Statuserwerbs dieser Jobs höher werten.

Das passt ja auch zu der hier bereits einmal zitierten Auffassung von Baum aus der Piratenpartei (auf die Frage, warum so wenig Frauen dort in Führungspositionen sind):

„Die Frauen wollen halt nicht so in der ersten Reihe stehen, da muss man dann ja manchmal vor hundert oder tausend Leuten sprechen.“

Auch eine interessante Stelle:

Ich habe viel Hilfe bekommen, aber es gibt einiges, was ich nicht abgeben kann. Ich kann die Entscheidungen der Bundesvorsitzenden nicht wegdelegieren, ebensowenig meine Medienauftritte. Es ist teilweise so gewesen, dass ich in eine Sendung eingeladen wurde – und wenn ich Ersatz angeboten habe, wurde er nicht genommen. Sondern sie wollten nur mich.

Was eigentlich nicht recht zu einem Patriarchat oder der hegemonialen Männlichkeit passt, denn die hätten ja eigentlich einen männlichen Ersatz mit Kusshand nehmen müssen. Klar, dass sie mitunter auf ihr Aufsehen reduziert wurde,

Marina Weisband Piratenpartei

Foto: Bastian Bringenberg

dass wäre auch ein zu diskutierendes Thema. Aber ungeachtet dessen sieht man hier, dass sich die Presse auf weibliche Politikerinnen stürzt und sie in Talkshows haben will. Was ja auch wieder dagegen spricht, dass sie lediglich aufgrund Diskriminierung nicht in die Spitzenpositionen kommen.

50 Gedanken zu “Der Rücktritt von Marina Weisband und Frauen in der Politik

  1. Ich würde das nicht gleich als tolles Beispiel dafür sehen, dass eine Frau sich weniger gerne in einer Führungsposition aufhält. Ich sehe das eher als ein Beispiel einer reifen Persönlichkeit, die den negativen Einfluss eines zu viel an Aktivitäten wahrnimmt und Prioritäten setzt. Und da kann ich sie nur unterstützen.
    Dass Frauen nicht gerne vor großem Publikum sprechen, kann ich auch nicht bestätigen. Das ist auch nur eine Frage der Übung.

    • Ich sage ja gar nicht, dass ihre Lebensentscheidung schlecht ist. Aber sie scheint mir von Frauen häufiger getroffen zu werden als von Männern. Sie nehmen dieses „zuviel“ an Aktivität (was ja auslegbar ist) eher wahr und setzen eben auch eher andere Prioritäten. Was sicherlich auch dazu beiträgt, dass in Führungspositionen weniger Frauen vorhanden sind.

    • @ Martin Bartonitz
      Das ist primär keine Frage der Übung sondern, ob man nun mal eher intro- oder extrovertiert veranlagt ist. Mir scheint, für die meisten Frauen mag gelten, dass sie eher introvertiert sind.

  2. Hallo Christian, ich weiß ja nicht wie weit dein Studium schon ist, aber falls du noch keine Diplomarbeit geschrieben hast (und das gilt auch für die anderen Kommentatoren hier), solltest du dir Kommentare erstmal ersparen. Ich habe vor 2 Jahren in der heißen Phase 10 bis 12 Stunden pro Tag an meiner Masterarbeit gesessen, wenn man Zeit zum Essen hatte war das schon Luxus. Das hat nichts mit Frausein oder Mannsein zu tun. Ich finde es sehr mutig von ihr zu sagen, dass sie lieber eine Sache richtig macht, als an allem ein wenig rumzudoktern.

  3. @ Mr Ed
    Du machst deinem Namen wieder alle Ehre. Dass du soviel Zeit in deine Masterarbeit investieren musstest, was heißt das für mich? Nichts! Stell‘ dir einmal vor, es gibt sogar Menschen, die schreiben in zwei Jahren eine Dissertation und eine Masterarbeit. Solche gibt es, und die kommentieren hier auch. Müssen die sich nun bei dir, Mr Ed, entschuldigen, weil du – aus welchen Gründen auch immer – 10 bis 12 Stunden pro Tag in der „heißen Phase“ an deiner Masterarbeit gesessen bist. Du armer aber auch!

  4. @Mr Ed

    ja, habe ich hinter mir, war anstrengend, kostet Zeit. Aber sie ist im Bundesvorstand einer Partei. Das ist ein wichtiger Posten.
    Eine Diplomarbeit kann man strecken und gestalten. Sich das Thema berufsnah aussuchen, vor der Anmeldung anfangen. Eine Verlängerung beantragen. Sich einn Betreuer (m/w) suchen, der den Piraten nahe steht und Frauen in Führungspositionen will. Sich von Freunden etwas zuarbeiten lassen.

  5. Interessant wäre wie die öffentliche Reaktion sein würde, wenn dasselbe ein Mann machen würde. Ob die Reaktion dann auch überwiegend verständnisvoll wäre?

    • Als Müntefering sein Amt wegen seiner kranken Frau niedergelegt hat, wurde auch Verständnis gezeigt. Oder Lafontaine mit seiner Krebserkrankung. Also ja.

      Ich fände es auch sinniger, wenn mal das Konzept „Buckeln bis man mit Stift in der Hand tot umfällt“ mehr kritisch hinterfragt würde, anstatt sich darüber aufzuregen, dass Männer eher sterben als Frauen und dass Frauen ja quasi zu „bequem“ für höhere Positionen seien, weil sie das nich annehmen.

      • @maren
        „dass Frauen ja quasi zu „bequem“ für höhere Positionen seien, weil sie das nich annehmen.“
        Dabei geht es auch eher darum, das es Frauen möglichst einfach gemacht wird, durch diverse Frauenföderprogramme, Frauenquoten usw.

  6. Aktive Parteiarbeit kostet Zeit. Sie kostet noch mehr Zeit, wenn man in leitender Funktion unterwegs ist. Frau Weissband hat angemerkt der Diplomstudiengang läuft in einem Jahr aus. Das heißt, sie hat noch genau ein Jahr Zeit es zu machen. Mit Strecken ist da nicht mehr viel.

    • Christian: „Sich einn Betreuer (m/w) suchen, der den Piraten nahe steht und Frauen in Führungspositionen will. Sich von Freunden etwas zuarbeiten lassen.“
      Mit einem anderen Wort: Bescheissen.

      • @ Haselnuss
        Wir wollen ja nicht so sein. Sonst käme ich noch auf den Gedanken, bei einigen Nationalratsabgeordneten die Diplomarbeiten und Dissertationen aus der Nationalbibliothek zu entleihen. Freilich nur aus wissenschaftlichem Interesse am Werk 🙂

      • @Haselnuss

        „Mit einem anderen Wort: Bescheissen.“

        Klar. Aber alles übliche Praktiken. Die meisten fangen mit ihrer Diplomarbeit vorher an, suchen sich Betreuer, die gute Noten geben oder zu denen sie ein gutes Verhältnis haben und lassen sich von Freunden zuarbeiten. Habe ich auch schon bei Freunden gemacht.

    • @Haselnuss

      Klar, aber möglich wäre es.
      Natürlich ist es ihre Entscheidung, was sie weiter macht. Und es kann auch eine vernünftige Entscheidung sein, da sie ja auch mitgeteilt hat, dass sie eigentlich kein Berufspolitiker werden will.
      Meiner Meinung nach passt sie damit – auch wenn man einen solchen Einzelfall nicht verallgemeinern soll – gut in ein Schema.

      • Warst du zu irgendeinem Zeitpunkt mal in der Politik? Was schätzt du, wieviel Zeit jemand in einer Führungsposition zur Verfügung hat?

  7. @Maren
    „bequem machen“ ist eine Abwertung. Die ich so gar nicht vorgebracht habe. Ich sprach von anderen Schwerpunkten in der Lebensplanung.
    Sie hinterfragen anscheinend eher – wie du es ja auch forderst – das Konzept und lehnen es ab.
    Was meinst du denn: Ist dieses Hinterfragen bei Frauen eher der Fall?

    • Christian, wir wissen beide dass du das vielleicht „nicht so meinst“, aber dass es von diversen Kommentatoren so ausgelegt wird.

      Klar ist es bei vielen Frauen der Fall. Mal ehrlich, was nützt einem ein Arschvoll Geld, wenn man keine Zeit oder Möglichkeit hat es auszugeben? Ich find das klug.

      • @Maren

        „Klar ist es bei vielen Frauen der Fall.“

        Das wäre ja dann schon ein Grund für gewaltige Geschlechterunterschiede. Und eine Erklärung, warum Frauenquoten nicht zu einer Veränderung führen, sondern eher einzelne Frauen, nicht aber Frauen an sich fördern würden

        „Mal ehrlich, was nützt einem ein Arschvoll Geld, wenn man keine Zeit oder Möglichkeit hat es auszugeben? Ich find das klug.“

        Es kann auch klug sein. Aber wenn man bedenkt, dass Männer während einer langen Zeit ihrer Geschichter unter starker intrasexueller Konkurrenz und unter der ANforderung als Versorger standen, dann ist es verständlich, dass es Männer gibt, die die mit dem Geld oder mit dem Posten einhergehende hohe Position in der intrasexuellen Konkurrenz, die Bestätigung unter Männern, die Bewunderung der Frauen etc anziehend finden und deswegen auf Karriere setzen. Die Liebe zu Wettbewerb und die Auseinandersetzung in der Sache ist eben ein Teil unserer Geschichte, der bis heute fortwirkt. Da gibt es kein objektives klug.
        Ich persönlich finde zwar auch eine gewisse Ausgewogenheit zwischen Job und Privatleben erstrebenswert, komme selbst aber spät genug nach Hause.

  8. Heieieieieiei, die ist aber auch eine Hübsche.

    Musste ich mal loswerden 🙂

    Das ist ja mein fleischgewordener Männertraum.

    Mir stockt jetzt noch der Atem.

    Bin schon ganz blau angelaufen.

    Hoffentlich merkt Tippse nichts.

  9. Ach Christian! …von Einzelfällen auf die Allgmeinheit schließen!

    Ich kenne eine ganze Menge anderer Frauen, bei denen ist das Verhältnis andersherum. Die haben auch Familie. Zumal man ja vom Parteivorsitz rein kariermäßig gesehen gar nichts hat.

  10. Besser sich Zeit für die Diplomarbeit nehmen als die nebenbei zusammenzukopieren, oder nicht ?
    Und habe ich richtig verstanden, sie will neben dem Schreiben noch in der Partei arbeiten, nur halt nicht an der Spitze ?

    • „Besser sich Zeit für die Diplomarbeit nehmen als die nebenbei zusammenzukopieren, oder nicht ?“

      Definitiv. Ihr Verhalten ist klüger, ehrlicher und zukunftsorierntierter als ein würdeloser Abgang nach monatelangen Rücktrittsaufforderungen, weil man den Hals nicht voll genug bekommen konnte.

  11. OT

    Aber da hier ja hochwissenschaftlich *hust* gedacht wird, passt es trotzdem.

    Wer immer noch glaubt, dass Wissenschaft unabhängig ist, dem ist nicht mehr zu helfen.

      • Aussagen von Wissenschaftlern belegen, dass 95% der Forscher im Bereich Gentechnik von der Industrie bezahlt werden. Nur 5% der Forscher sind unabhängig.

        Mit Adam Riese lässt sich daraus leicht errechnen, dass es mehr als nur zwei Fälle sind. 😉

      • Lucia: „Aussagen von Wissenschaftlern belegen, dass 95% der Forscher im Bereich Gentechnik von der Industrie bezahlt werden. Nur 5% der Forscher sind unabhängig.

        Mit Adam Riese lässt sich daraus leicht errechnen, dass es mehr als nur zwei Fälle sind.“
        Womit du der Überzeugung sein müsstest: Wenn Forschung von „der Industrie“ bezahlt wird, ist sie wertlos und unwissenschaftlich, weil sie gekauft ist.
        Du setzt diese nach deiner Überzeugung wertlose Forschung dann mit den beiden Fällen aus dem Video gleich. Was mich, selbst wenn ich annehme, dass du Recht hättest, zu meiner Frage führt: Die beiden Fälle aus dem Vidoe und gekaufte, wertlose Forschung sind für dich ähnliche analytische Kategorien?

      • @Haselnuss:

        Finanzielle Unabhängigkeit sollte bei allen Forschungen gegeben sein, denn nur so können vollständige (positive und negative Seiten) Ergebnisse erzielt werden.

        Alles andere führt nämlich zu dem, was auch in dem Video angesprochen wird, dass schon junge Wissenschaftler Angst davor haben, ihre Ansichten zu äußern.

        Unis haben geheime Verträge mit Konzernen. In den Medien wird nur das publiziert, was dieselbigen etc. wollen. Und ja, das betrifft auch die Forschungsergebnisse der meisten Evolutionsbiologen.

        Kritik an diesem korrupten System steht aber so gut wie nirgends.

      • Was heißt finanzielle Unabhängigkeit? Ein Beispiel: Alle Lehrstühle für Gender Studies in Deutschland erhalten ihr Geld vom Staat. Sind diese Lehrstühle finanziell unabhängig?

      • Von wem das finanziert wird, spielt ja keine große Rolle.

        Gender Studies?

        Der Staat hat nur an der Reproduktion Interesse, schließlich wird er von den Steuer zahlenden Sklaven finanziert, folglich wird bei Gender Studies bzw. auch bei den Lehrstühlen entsprechend Einfluss genommen. Zumal ja auch die meisten Professoren vom Geld abhängig sind, ist das ja einfach.

        Ergo; ein finanzieller Teufelskreis, der nicht nur die Stimmen der Wissenschaftler_innen knebelt.

      • Also ist kein Wissenschaftler finanziell unabhängig. Oder? Deine Aussagen lassen in dieser Hinsicht Raum zur Interpretation. Wie würde man denn die Wissenschaftler finanziell unabhängig bekommen? (Ich hege hinsichtlich der Antwort eine starke Vermutung.)

      • Mal so auf die Schnelle, ob das möglich ist, weiß ich aber nicht.

        Bei euch in Deutschland bspw. mit der Kirchensteuer. Die an einer unabhängigen Stiftung überwiesen werden könnte, die dann mit dem Geld die Studien sowie die Wissenschafter_innen bezahlen kann.

  12. Jeder, der eine Führungsposition in einer Firma inne hatte, kennt die Situation und hatte täglich mit Anfeindungen von rechts, …, und links zu kämpfen. In einer Partei stelle ich mir diese Anfeindungen, Druck, …, auch durch manche Parteimitglieder, viel schlimmer vor.
    Es ist verständlich, dass nur wenige diese Herausforderung gegenüber treten wollen und ständiges öffentliches Onlinesein seinen Tribut fordert. Manche Politiker schalten teilweise das Frausein oder Mannsein ab, was zu ihrem Nachteil ist und die Menschen abschreckt.
    Ein dickes Fell anzulegen bringt auch nichts, weil man den Blick fürdas Menschliche verliert.

    • @ Mazierworld

      Wenn das eine Geschlecht auf Kampf (intrasexuelle Konkurrenz)/Jagd, das andere auf Kinderaufzucht hin optimiert wurde, dann würde es Männern leichter fallen, sich ein dickes Fell zuzulegen als Frauen.

  13. Guten Tag allerseits, ich lese hier ab und zu mit.
    Noch ein Gedanke zum weiblichen Karriereverhalten: Für viele Frauen zählt im Entscheidungsfall Gesundheit mehr als Status. Ohne wirkliche Not mag frau ihre Physis nicht beschädigen oder in Gefahr bringen.
    Das ist nicht nur evolutionär vernünftig, sondern auch im Sinn der persönlichen Lebensplanung. Ganz banal und medizinisch: zuviel Streß kann die Fruchtbarkeit beschädigen, sogar langfristig zerstören.

    Gleichzeitig ist Frau W.s Entscheidung taktisch klug. Das massive „jung & niedlich“-Klischee hätte sie womöglich binnen kurzer Zeit verbrannt.

    Wenn nun les Monsieurs noch ein wenig davon lernen täten und sich NICHT wegen – vermuteter oder realer – weiblicher Erwartungen evolutionsgerecht totarbeiteten, dann… hätten sie sich schon sehr emanzipiert.

    Gruß
    stella

  14. Pardon, aber ich denke, Du bist auf dem Holzweg!

    Marina Weisband ist Diplomstudent. Das bedeutet, ihr Studiengang läuft 2013 aus, und danach müßte sie ihre Leistungen in einem neuen Studiengang anerkennen lassen.

    Des weiteren, bitte, die Frau ist 24!!! Es war wohl für keinen zu erwarten, daß die Medien sich wie die Schmeißfliegen nur noch auf sie stürzen, nachdem Nerz ihre Teilnahme an der Bundespressekonferenz Okt 11 noch erkämpfen mußte.

    Dafür, daß „Frauen“ sonst keine Probleme haben, in der Politik Fuß zu fassen, gibt es haufenweise Beispiele – Merkel, Leutheusser-Schnarrenberger, Thatcher…

    Auch Jens Seipenbusch, ex-Piratenvorsitzender, trat zurück, weil der politische Zirkus zu viel für ihn wurde.

    Wenn man sich Weisbands Positionen in der Bundespressekonferenz anhört und ihr ‚Blog liest, stellt man fest, daß sie ein sehr kompetenter Theoretiker und Programmatiker ist (was BTW auch ihr Job gewesen wäre).

    Zusammengefaßt: Sie hat sich für eine Aufgabe beworben – die sie auch hervorragend ausgefüllt hätte! Eigene Meinung. – und einen Zeitrahmen gegeben, den sie ausfüllen hätte können. Am Ende war es ein Vollzeit-Job, ihre eigentliche Aufgabe, Programmentwicklung, konnte sie gar nicht mehr machen, die Zeit für ihren Abschluß hat ihr gefehlt, und sie wurde plötzlich zum „Promi“ im Alter von 24 Jahren, bei dem man jeden Blick zu ihren Freunden und Feinden auf die Goldwaage legt.

    In einigen Bereichen halte ich sie für bemerkenswert naiv und tiefstaplerisch, manchmal ungeschickt (wobei man von einer 24jährigen, die erst mit 7 Jahren in die BRD übergesiedelt ist und die – glücklicherweise!!! – spürbar noch viel von der Ukraine/em. Ostblock in Bezug auf das Frauenbild mitbekommen hat, auch keine 100%ige PR-Kompetenz erwarten darf).

    Daß sie behauptet, sie werde nur wegen ihrem Amt so oft eingeladen, darf man getrost auf Tiefstaplerei schieben – sie weiß schon ziemlich genau, daß das mehr ist. Was sie auch zu Recht stören dürfte: Der kompetente Programmentwickler, der die Ziele und Grundlagen der Piratenpartei in einfachen Worten vermitteln kann und der selbst zu Themen wie „soziale Normen“ eine differenzierte Meinung ohne ideologische Denkverbote hat, wurde nämlich auch nicht eingeladen.

    Ich hoffe mal, daß sie sich bewußt ist, ein gewaltiger Multiplikator für und innerhalb der Piratenpartei zu sein. Ob ein Artikel bei Nutzer12345 oder auf marinaslied ge’blogt wird, und ob der Jean, der Jacques und der Nicolo einen Antrag oder eine Position unterstützen – oder afelia, das ist ein gewaltiger Unterschied.

    Aber mit „Frau“ hat das wenig zu tun – höchstens allerdings, daß eine Frau in der Politik immer noch besondere Beachtung findet und mehr Zeit für PR als für ihre Arbeit aufwenden muß. Den Effekt – der was mit der Presse zu tun hat – hatten wir auch schon 2001, als die ersten Frauen in alle Teile der Bundeswehr eintraten; im ersten Jahr rügt der Wehrbeauftragte, daß ein geregelter Dienst wegen der Presse nicht mehr möglich war.

    • @ dingosaar

      *Daß sie behauptet, sie werde nur wegen ihrem Amt so oft eingeladen, darf man getrost auf Tiefstaplerei schieben – sie weiß schon ziemlich genau, daß das mehr ist. *

      Das muss nicht sein.

      Susan Pinker interviewte für ihr Buch The Sexual Paradox zahlreiche hochkompetente, erfolgreiche Frauen, die TROTZ erwiesener Leistungsfähigkeit von tiefer Unsicherheit/mangelndem Selbstbewußtsein geplagt wurden – dem sogenannten Impostor Syndrome (Hochstapler-Syndrom).
      Sie hatten permanent das Gefühl, ihren Erfolg eigentlich nicht verdient zu haben, ihrer Aufgabe, nicht gewachsen zu sein, lebten ständig in der Erwartung, eines Tages würde ihnen jemand die Maske herunterreißen, ihre „Hochstapelei“ entlarven, ihren Erfolg als zufällig, unverdient, unecht erweisen.

      Auch nach Erscheinen des Buches erhielt Susan Pinker viele Mails/Briefe von Karrierefrauen, die dieses Lebensgefühl teilten.

      Bei erfolgreichen Frauen scheint dieses Hochstaplergefühl sehr viel häufiger vorzukommen als bei erfolgreichen Männern, scheint sie sehr viel mehr zu belasten.

      Dafür – wenn dies der Fall sein sollte, wie Susan Pinker glaubt – könnte es biologische Gründe geben: Testosteron steigert das Selbstbewußtsein – die Psyche der Frauen ist über Jahrzehnte hinweg zyklischen Schwankungen im Monatsrhythmus unterworfen, denen Männer nicht unterliegen.

      All das könnte eine sehr viel unstabilere, schwächere Basis für weibliches Selbstbewußtsein schaffen, ein höheres Maß an Unsicherheit, ein vermehrtes Unwohlsein gerade im Erfolgsfall als das bei Männern der Fall ist.

      • Gut, da bin ich von dem ausgegangen, was sie selbst schreibt:
        Ich hasse es schon, dass ich so weit im Vordergrund stehe, während jeder Pirat, der genau so viel arbeitet wie ich, oder noch mehr, nicht gesehen wird, nur weil er kein Amt hat. in http://www.marinaslied.de/?p=675
        Und:
        Es ist teilweise so gewesen, dass ich in eine Sendung eingeladen wurde – und wenn ich Ersatz angeboten habe, wurde er nicht genommen. Sondern sie wollten nur mich. in http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,811409,00.html

        Ich gehe davon aus, daß Weisband hier eher für die Basis tiefgestapelt hat – ein „Star“ – zu dem Weisband gemacht wurde! – in einer Basispartei wie den Piraten IST problematisch.

        Recht haben könntest Du damit, daß sie sich ihrer Stellung als Multiplikator nicht bewußt ist, und daß das für Frauen eher gilt als für Männer – kontrafeministisch bin ich eher geneigt, den Hauptgrund darin weniger in der Präferenz ihres Klos in öffentlichen Gebäuden, als in ihrem Alter zu sehen. „Unter 25“ und „unter 30“ sollte man auch nicht aus den Augen verlieren.

        Ich finde es ungeschickt von ihr, ihre Gesundheit anzusprechen – das Diplom kann nun wirklich jeder auf den zweiten Blick verstehen!

        Ich würde es nicht als „patriarchalisch“ beschreiben (sie übrigens auch nicht, sie verweist auf den Auflagendruck), aber ich denke, wenn sie „genauso viel“ wie Schörmer hätte arbeiten können bzw. ihre Auftritte verteilen hätte können, dann würde sie vielleicht trotz Diplom nochmal kandidieren.

        Stell Dir vor, Du kandidierst für ein Amt, und kommst nicht dazu, Deine Aufgaben zu erledigen. Ich bin schon zweimal aus Vorständen zurückgetreten, weil ich aus der internen Zusammenarbeit des VS komplett abgeklemmt war. Auch hier überzeugt mich ds Geschlechtsargument nicht.

        Vor dem Biologismus warne ich. Testosteron und Östrogen und „zyklische Veränderungen“ sind nicht so bedeutsam; wenn sie es wären, dann hat der Säbelzahntiger die – auch noch sehr gut witterbare – Frau an der Fortpflanzung gehindert.

        Daß Frauen in einer absolut untypischen Position sind, wenn sie aktiven hohen Status haben, und damit keine Rollenmodelle, halte ich für sehr viel kritischer. Wenn alle Schulfreundinnen als Gleichstellungsbeauftragte halbtags oder als Glucke daheim „arbeiten“, dann ist das ein hoher sozialer Druck – genauso auch von Männern erlebt. DER Part ist für mich vollkommen Sexus-frei, vor allem, weil in anderen Ländern Frauen ganz anders mit Kompetenz umgehen. – Und ich denke, alles auf den Zyklus zu schieben, macht die Sache sogar noch schlimmer.

        Ansonsten denke ich, wie sich Marina Weisband fühlt, kann man nur sie selbst fragen – wobei die Antwortwahrscheinlichkeit niedrig sein dürfte (wegen Arbeitspensum und Genervtheit über immer dieselben stereotypen Fragen – wurden die Host Köhler nach seinem Rücktritt gestellt?).

        Übrigens, falls es noch niemandem aufgefallen ist: afelia ist NICHT „zurückgetreten“, sie wird im April für ihr Amt einfach nicht erneut kandidieren.

  15. @ dingosaar

    Biologismus ist kein Argument, sondern nur ein Schlagwort. Biologische Erklrärungen für belegbar geschlechterdifferentes Verhalten auszuschließen, weil man sie „fürchtet“, ist unwissenschaftlich.

    Sexualhormone sind hochwirksame Psychopharmaka. Männer und Frauen unterliegen dem Einfluss von unterschieldichen Hormonen in massiv unterschiedlicher Dosierung.

    Die „Säbelzahntiger“, sprich Raubtiere, haben die Evolution des Menschen stark beeinflusst. Als unsere Vorahren die schützenden Wälder verließen und die offene Savanne besiedelten, wurden sie zur interessanten Beute für viele Jäger, die auch erfolgreich waren, wie zahlreiche Verletzungsspruen an Skeletüberresten beweisen.

    Welchem Geschlecht fiel wohl die Aufgabe zu, die Horde vor Raubtieren zu schützen.

    Dem durch Schwangerschaft und Stillen belasteten Geschlecht oder dem, das durch Schwangerschaft und Stillen nicht belastet war?

    Das Geschlecht, das verteidigen musste, musste auch die dazu nötigen psychischen Eigenschaften entwickeln, die ihm außerdem bei seiner intrasexuellen Konkurrenz um Weibchen halfen.

    Männchen wurden also eher auf Mut, ja sogar Übermut, Selbstbewußtsein, ja sogar Selbstüberschätzung hin selektiert als Weibchen, für die es vorteilhafter war, nicht auf Risiko zu spielen, sich hinter Männchen zu „verstecken“, weil sie ohnehin die geringeren Chancen hatten aufgrund ihrer körperlich schwächeren Konstitution, sich erfolgreich zu behaupten.

    • Ja, und da haut’s Dich raus:
      Es wurde keinem „Geschlecht“ zugewiesen, sondern es gibt Skelettfunde von Frauen, die bei der Jagd getötet wurden bzw. Jagdunfälle überlebten. Es wurde kein „Geschlecht“ geschützt, sondern Schwangere und Stillende – der Rest ist mit raus. (Was bei Nomaden sehr vernünftig ist, schließlich konnten Frauem „im Basislager“ nichts tun.)

      Mit Viehzucht und Seßhaftigkeit hat sich das geändert – aber hier im Norden sicherlich erst sehr spät. Wer essen wollte, mußte mitjagen. Eine Viehherde brauchten nicht alle Frauen zusammen zu hüten. Auch der Gemüsegarten ist ohne anwesende Frau nicht weggerannt.

      Auch Männer waren erfolgreich, wenn sie nicht zu stark „auf Risiko“ gespielt haben. Wer ist wohl attraktiver – der narbige, ältere erfahrene Mann oder der junge Hüpfer, der bei der nächsten Jagd am Stoßzahn vom Mammut klebt? Verhalten, das sich heute noch in primitiven Völkern und bei Schimpansen beobachten läßt, übrigens.

      Von der Seite aus, ich bin der letzte, der den Einfluß von Pheromonen und Sexualhormonen (die übrigens bei beiden Geschlechtern vorhanden sind) in Abrede stellt – allerdings muß man die Kirche im Dorf lassen. Weisband zu unterstellen, ihre Zyklen wären ihr zum Verhängnis geworden, ist eine sportliche Interpretation. Vor allem, weil ich ihre Pause auch als Mann nachvollziehen kann und es genauso machen würde – ohne „Zyklen“.

  16. @Alexander Roslin
    In dem Beitrag geht es um Politik.
    Eigentlich bin ich total dagegen ein gutes oder schlechtes Verhalten den Männern oder Frauen anzulasten, aber manchmal zieht es mich zu manchen Politikern weil sie Frauen sind.
    Eigentlich sind die Frauen, die den Männern nachahmen, überflüssig.
    Was haben diese Nieten, was man nacheifern soll!
    Kompetenz ist nicht weiblich auch nicht männlich, der/die/das bessere Politiker soll ohne Quoten(auch Vitamin B ist gemeint) die Menschen vertreten.

  17. Pingback: Shitstorm in Berlin | Blog

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