Fehleinschätzungen von sexuellem Interesse bei Männern und Frauen

Eine Studie zu den Einschätzungen des Interesses des anderen Geschlechts bei Männern bzw. Frauen:

The current research evaluated individual differences and contextual effects on men’s robust sexual overperception bias and on women’s tendency to be misperceived . Study 1 pioneered the use of a “speed -meeting” methodology which allowed for a direct calculation of sexual misperception by comparing measures of actual interest to measures of estimated interest across five interactions . As predicted , men demonstrated a robust sexual over -perception bias , a bias that was influenced by their mating strategy and physical attractiveness . Women , on the other hand , consistently underestimated men’s sexual interest in them , and physical attractiveness was a key predictor of their likelihood of being overperceived . Study 2 replicated the prediction tests from Study 1 and narrowed down the exploratory regression models to the most specific and robust effects , namely mating strategy and physical attractiveness . Study 3 examined the effects of testosterone (T ) on men’s sexual misperception by manipulating intrasexual competition in the lab . Men engaged in a computer game , which randomly assigned them to win or lose , against an unseen male competitor . After the game , each participant interacted with a trained female confederate posing as a participant , after which they rated her on multiple traits , including interest in her and his estimate of her interest in him . Salivary assays for T were collected before and after the game , and after interacting with the confederate . The results of the experiment demonstrated that although the competition outcome did not affect men’s T , changes in T during the interaction with the woman predicted men’s sexual misperception . The more attractive the man found her , and the more interested he was in her , the more his T increased during their interaction and the more he overperceived her interest . Taken together , these studies indicate that far from a simple sex difference , men’s overperception bias is predictably nuanced and specific

Quelle: Sexual misperception : individual differences and context effects

Es ist meiner Meinung nach kein überraschendes Ergebnis. Für Männer ist es günstig kleine Anzeichen überzubewerten, da sie dann eher handeln werden und sich weniger Gelegenheiten entgehen lassen. Da sie die geringeren Fix-Kosten von Sex tragen lohnt es sich für sie eher jede Gelegenheit zu nutzen.

Für Frauen hingegen lohnt es sich eher mißtrauisch zu sein und das Interesse der Männer zu unterschätzen. Denn bei einer Überbewertung verlassen sie sich eher auf ein potentielles Bindungsinteresse des Mannes, dass evtl gar nicht vorhanden ist. Zudem wäre es gerade bei sehr schönen Frauen störend, wenn sie das gesamte Interesse, dass sie zwangsläufig generieren, auch so wahrnehmen würden. Es bringt ihnen wenig Vorteile, hier stets daran zu denken, dass alle mit ihr schlafen wollen. Die Ergebnisse passen insoweit zur Sexual Strategies Theory

Dass ein Zusammenhang mit Testosteron besteht ist auch verständlich, denn Testosteron steuert zum einen Erregung und zum anderen Selbstvertrauen. Gerade bei einer großen Differenz wäre sie für den Mann ein besonders hoher Gewinn, da er mit wenig Arbeit seine Gene weitergeben kann. Um so erregter er ist, um so eher sollte er insoweit auch Anzeichen überbewerten.

Dagegen sprechen natürlich die Kosten eines erfolglosen Anmachversuchs. Die können in Abwertung in der Gemeinschaft etc bestehen, aber auch dies ist bei einer fremden Frau und ohne Freunde in der Nähe nicht hoch.

Interessant auch die Auslegung der Studie bei Onyx: Im wesentlichen ein „Da seht ihr mal wie Männer sich überschätzen“. Ich habe dort ebenfalls auf die Sexual Strategies Theorie verwiesen, es kam aber eher nicht an.

Dabei halte ich es für einen um so näher liegenden Schluss, wenn man bedenkt, wer die Studie gemacht hat: Carin Jeanne Perilloux hat im Busslab ihren Postdoc gemacht, also in dem Labor von David Buss. Der die Sexual Strategies Theory entwickelt hat und Mitautor der Studie ist.