„Ultimate Cause“ und „Proximate Cause“

Eine wichtige Unterscheidung zum Verständnis von Evolutionsbiologie und damit auch für das Verständnis des Menschen und der Geschlechterunterschiede ist die Unterscheidung zwischen Ultimate Cause und Proximate Cause.

  • Unter dem Proximate Cause versteht man ein Ereignis, dass direkt zu dem Endzustand geführt hat.
  • Unter dem Ultimate Cause versteht man den „eigentlichen Grund“, der das Ereignis erklärt

Ein Beispiel außerhalb der Biologie wäre (aus dem Wikipedia-Artikel übernommen):

Warum sank das Schiff?

  • „Proximate Cause“: Weil es aufgrund eines Lochs in der Schiffshülle unterhalb der Wasserlinie und des durch dieses eindringende Wasser mehr Gewicht erhielt als das Wasser, was es verdrängte und daher sank.
  • „Ultimate Cause“: Weil es einen Eisberg rammte, der ein Loch in der Hülle verursachte.

In der Biology bietet sich diese Unterscheidung ebenfalls an. Mit dem „Ultimate Cause“ wird dabei der evolutionäre Druck beschrieben, der zur Ausprägung bestimmter Eigenschaften eines Lebewesens geführt hat. Mit dem „Proximate Cause“ wird hingegen die Auswirkung dieses evolutionären Drucks auf das Lebewesen dargestellt.

Ein einfaches Beispiel wäre, die Frage, warum viele Lebewesen mit ihrer Nahrund Fette, Proteine, Kohlenhydrate aufnehmen

Ultimate Cause: Lebewesen benötigen zum Betreiben der Körperfunktionen bestimmte Nährstoffe. Es besteht daher ein evolutionärer Druck sich diese Nährstoffe anzueignen. „

Proximate Cause“: Lebewesen haben Geschmacksnerven, die auf bestimmte Muster, die üblicherweise bei wichtigen Nährstoffen vorliegen ansprechen. Sie haben zudem Geruchssinne, die ebenfalls bestimmte Gerüche, die bei Nährstoffen und deren Zubereitung anfallen, entsprechende Signale senden. Daher bevorzugen Lebewesen Nahrungsmittel, die diese Sinnesorgane ansprechen.

Wie man an der modernen Lebensmittelindustrie des Menschen sieht müssen die Erklärungen nicht übereinstimmen. Süssstoffe beispielsweise haben – zur Freude der Hersteller von Diätprodukten – keinerlei Nährwert. Sie erfüllen also den „Ultimate Cause“ nicht, den Körper mit Nährstoffen zu versorgen. Weil sie aber entsprechende Signale an die Geschmacksnerven senden erfüllen sie den Proximate Cause, nämlich Lebensmittel essen, deren sensorischer Input darauf hindeutet, dass sie den Ultimate Cause dienen. Es handelt sich insoweit um eine „unzureichende Umsetzung“, da eine Täuschung möglich ist. Diese Täuschung war aber evolutionstechnisch egal, da die Umsetzung „dicht genug“ an einer Lösung war um den Ultimate Cause zu erfüllen.

Es finden sich viele solche Fälle in denen die Umsetzung des „Ultimate Cause“ gut genug war, heute aber „fehleranfällig“ ist.

Beispiele:

a. verschiedene Partnerwahlkriterien bei Männern und Frauen

  • Ultimate Cause: Die verschiedenen Kosten der Fortpflanzung (Frau: minimal Schwangerschaft, Stillen etc, minimaler Zeiteinsatz: 9 Monate plus, eher 6-7 Jahre; Mann: minimal Ein Schuß Sperma, 3 Minuten) führen dazu, dass Männer andere Kriterien an einen Partner anlegen, die bei Frauen die Bereitschaft und Möglichkeit, sich an den Kosten der Schwangerschaft und Aufzucht zu beteiligen höher Bewerten als bei Männern.
  • Proximate Cause: Biologisch einprogrammierte Attraktivitätsmerkmale, die Anzeichen dafür geben, inwieweit der andere den biologischen interessen entspricht. Bei Männern in bezug auf Frauen insbesondere Anzeichen für Gesundheit und Fruchtbarkeit sowie bei Eingehung einer langfristigen Bindung Anzeichen für Gebundenheit zur Vermeidung der Fehlinvestition in fremden Nachwuchs. Bei Frauen in Bezug auf Männer Anzeichen für hinreichende Ressourcen und die Fähigkeiten, diese zu erlangen und das Interesse an einer langfristigen Bindung, also die Bereitschaft, diese Ressourcen auch zu teilen sowie Hinweise auf Gesundheit etc. Dabei können Kriterien wie Status innerhalb der Gruppe wichtige Indizien für die Fähigkeit Ressourcen zu erlangen und zu verteidigen sein. 
  • Umgehung: Ressourcen können heutzutage mittels Kredit erworben werden, Statusverhalten ist auf die Kleingruppe bezogen gewesen und erforderte unter Steinzeitbedingungen erheblich mehr Aufwand bzw. war mit einem höheren Risiko verbunden (wer zu dick auftrug wurde dadurch, dass er wenig Essen von einer Jagd mitbrachte schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, weil er betteln muss und sich dann weniger Statusdisplay erlauben kann, während wir heute einen geringen Teil unseres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen). Muskeln sind kein Zeichen einer guten Ernährung über einen längeren Zeitraum mehr verbunden mit vielen Tätigkeiten mehr, sondern dank billiger Nahrung und billiger Fitnessstudios für jeden zu erreichen Symmetrische, große Brüste sind nicht mehr unbedingt Zeichen guter unmutierter Gene und eines geordneten wachstums, sondern evtl. eines Schönheitschirugs oder zumindest eines gut sitzenden, gepolsterten BHs

b. Sex und Fortpflanzung

  • Ultimate Cause: Geschlechtliche Fortpflanzung erfordert eine Übergabe der Gene und deren Verbindung miteinander
  • Proximate Cause: Das Ineinanderstecken von Geschlechtsorganen spricht – richtig gemacht – gewisse Nerven an, die das Belohnungszentrum stimulieren und eine Ausschüttung von Glückshormonen und Bindungshormonen bewirken. Die Ausschüttung bestimmter Hormone durch den Sex vermindert den Sexualtrieb kurzzeitig.
  • Umgehung: Dank Verhütungsmittel haben wir zwar noch den Spass am Sex, aber nicht mehr unbedingt die Fortpflanzung. Paare können ein Leben lang Sex haben, ohne den Ultimate Cause des Sex gerecht zu werden; Cybersex, Masturbation vor Pornos; 

Pornographie und Evolution

Pornografie spricht Menschen an, Männer in anderer Weise als Frauen.

Ich hatte schon ein paar Artikel zum Bereich Pornos:

Alles, was in Verbindung mit der Fortpflanzung und sexueller Erregung steht, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit durch evolutionäre Vorgänge betroffen zu sein. Hier ein paar Mutmaßungen dazu

1. Wann wird man überlicherweise Sex gesehen haben?

Eine evolutionäre Erklärung müsste wohl bei realen Sex ansetzen, den Menschen beobachten, da der Fernseher ja relativ jung ist. Menschen haben in Bezug auf Sex ein gewisses Schamgefühl. In den allermeisten Kulturen (allen?) ist Sex etwas, was einen privaten Kontext hat und was man nach Möglichkeit abgeschieden von der Gruppe macht.

Eine Erklärung, die ich dazu gelesen habe, ist, dass Sex ein knappes Gut ist.

Für Männer lohnt es sich aufgrund geringer Kosten des Nachwuchs mit vielen Frauen Sex zu haben (Quantität des Nachwuchs) und gleichzeitig eine Frau zu monopolisieren (Erhöhte Wahrscheinlichkeit des Nachwuchs und sichere Investition (Qualität des Nachwuchs)) um , für Frauen lohnt es sich mit einem Mann Sex zu haben, der sich an den Kosten des Nachwuchs beteiligt. Männer haben daher ein hohes Interesse an Sex einfach so und Schutz der Frau, die sie monopolisiert haben sowie sich selbst, die Frau ein hohes Interesse an Bindung des Mannes und Schutz vor anderen Männern. Dies ist am einfachsten Sicherzustellen, wenn man den Sex „geheim“ hält.

Ein Bild erläutert dies: Wenn man innerhalb einer hungrigen Gruppe Nahrung hat, die nicht für die Gruppe, wohl aber für einen selbst reicht, dann ist es ungünstig, die Nahrung vor der Gruppe zu essen. Besser ist es sie zu verstecken und sie heimlich zu verzerren, damit keine Begehrlichkeiten geweckt werden, da ansonsten entweder Bettler oder gar Diebe bzw. Räuber zu befürchten sind.

Übertragen auf die konkrete Sex-Situation bedeutet das, dass Sex innerhalb einer Gruppe zunächst erst einmal offen legt, dass eine erregte Frau vorhanden ist, die bereit ist, Sex mit einem Mann zu haben, evtl. bereits feucht ist und in die ein Eindringen unproblematisch wäre. Gleich einem Schinken kann man hier versuchen nach kommen des Mannes auf eine weitere Geilheit der Frau zu setzen und ebenfalls Sex mit ihr zu haben (ungünstig für den Mann) oder aber die Gelegenheit nutzen und entweder Gefälligkeiten von dem Mann einfordern, damit dieser Sex mit der Frau (unabhängig von deren Willen) zustimmt oder gegen den Willen des Mannes etwa aufgrund höherer Körperkraft oder unter Mithilfe von anderen Männern den Sex erzwingen (quasi im Wege der Male-Male-Competition bzw. der intrasexuellen Konkurrenz). Da der Mann notgedrungen beim Sex relativ wehrlos ist, ist es ungünstig für ihn, potentielle Verhinderer in der Nähe zu haben.

Ein weiterer Grund ist, dass man verbergen möchte, dass man überhaupt Sex miteinander hatte. Grund kann sein, dass beide eine Extra-Pair-Copulation haben (also fremdgehen, etwa das Alphamännchen mit einem Betaweibchen). Oder ein Ausschalten der Überwachung durch die Angehörigen, die dies nicht billigen würden (etwa die Eltern, die meinen, dass er nicht gut genug für ihre Tochter ist).

Demnach wird ein Großteil des Sex wie auch in heutigen Zeiten nicht vor allen Augen abgelaufen sein. Sicherlich wird man unter den Felldecken auch so einiges gemacht haben, aber es spricht vieles gegen eine rein kulturelle Begründung des Schamgefühls.

2. Vorteile öffentlichen Sex

Dennoch kann öffentlicher Sex auf ungeachtet dieser Risiken und Lagen Vorteile bieten.

Für Männer habe ich dies im Prinzip schon oben geschildert. Da Sex unter steinzeitlichen Bedingungen die Chance auf Nachwuchs bietet lohnt es sich vorhande Möglichkeiten zu nutzen. War also eine Frau so geil, dass sie öffentlichen Sex hatte, dann bestand die Chance, dass man selbst zum Zug kam. Ebenso wenn der Mann, der mit ihr Sex hatte, ein geringes Interesse an ihr hatte und daher nicht die passenden Sicherungsmaßnahmen durch Absonderung von der Gruppe vornahm. Eine Möglichkeit war auch, dass die Frau als Kriegsgefangene oder Beute von dem Mann mit der Gruppe geteilt wurde, was ihm dann wieder andere Vorteile bringen konnte oder oder sie so wenig Rückhalt innerhalb der Gruppe hatte, dass sie weder ein Mann beschützen wollte noch sie monopolisieren wollte (bzw. es nach einem Überfall zu Gruppenvergewaltigungen kam). Ein Vorteil für die Frau, Sex mit vielen Männern zu haben, ist das keiner Ausschließen kann, dass ihr Kind nicht auch sein Kind ist und sowohl sie als auch das Kind sich damit die (wenn auch geringere Unterstützung vieler Männer sichern konnte. Ein weiterer Grund ist direkte Prostitution.

3. Vorteile der Erregbarkeit durch öffentlichen Sex

Für Männer ist der Vorteil recht offensichtlich und oben bereits beschrieben. Für Frauen ist er hingegen aufgrund der geschilderten Nachteile weniger offensichtlich. Allerdings ist Sex eben auch ein Bindungsmittel und gleichzeitig kann es Vorteile für Frauen bieten, durch etwas erregt zu werden, was Männer erregt. Sollte es zum öffentlichen Sex innerhalb der Gruppe im Beisein einer Frau kommen, dann kann es Vorteilhaft sein, wenn ihr Mann, den der öffentliche Sex erregt, dann Sex mit ihr hat, statt mit der Frau, die öffentlich Sex hat. Wofür es wieder vorteilhaft ist, wenn sie durch die Szene zumindest etwas erregt ist. Es kann aber auch vorteilhaft sein, nicht erregt zu sein, sondern eher angewidert, und den Partner davon wegzuziehen. Bei Sex in einem Harem kann es ebenfalls ein Vorteil sein, wenn die Frau durch den Sex des Mannes mit einer anderen Frau erregt ist.

4. Spiegelneuronen

Ein größerer Teil der Wirkung dürfte aber einfach über Empathie und Spiegelneuronen entstehen. Spiegelneuronen sind bestimmte Nervenzellen im Gehirn von Primaten, die beim betrachten eines Vorganges das gleiche Aktivitätsmuster aufweisen, wie es entstünde, wenn dieser Vorgang nicht nur passiv betrachtet, sondern selbst aktiv durchgeführt wird. Pornographie erleichert es uns also die Emotionen zu empfinden, die wir beim Sex haben. Da männlicher Sex wesentlich mehr auf reine Triebbefriedigung ausgelegt ist und auch wesentlich mehr auf optischen Kriterien beruht ist es auch leichter die entsprechenden Empfindungen bei Männern zu aktivieren. Hier stellt sich dann die Frage, was Nebeneffekt der bereits vorhandenen umfassenden Spiegelneuronen ist und was nur „proximate cause“ des „Ultimate cause“ Fortpflanzung, vielleicht nach einem der oben genannten Prinzipien, ist. Den Spiegelneuronen müßen ja nicht auf sexuelle Reize reagieren.

5. Folgerungen

Nach dem oben gesagtem müßte Sex zwischen zwei Personen der klassischste Fall sein, wobei Männer insbesondere Wert auf eine hübsche Frau legen würden, Frauen hingegen wohl entweder einen deutlichen Alphamann oder mehr Gefühle verlangen würden.

Der Gangbang mit mehreren Männern müßte bei Männern mehr Anklang finden als bei Frauen, zumindest wenn er keine Gefühle erkennen läßt (zwei gleichwertige Männer gefühlsmäßig an sich zu binden kann ja eine erfolgreiche Strategie sein)

Es wäre zudem zu erwarten, dass Frauen Pornodarstellerinnen aufgrund des Umstandes, dass Männer eher auf öffentlichen Sex ansprechen, neben evtl Stimulation auch als Konkurrenz sehen und daher eher ablehnen und evtl. andere Anregungen, etwa über Liebesgeschichten oder Erotikromane, die mehr auf gefühlsmäßige Spiegelung ausgelegt sind als auf reinen Sex vorziehen.

Der „Cum-Shot“ könnte seine Attraktivität aufgrund der Spiegelneuronen haben, bei denen das sehen eines Orgasmus ebenfalls entsprechende eigene Gefühle erleichtert. Zudem wäre es ein Gedanke, ob das kommen eines Mannes bei Gruppensex bedeutet, dass man ebenfalls besser schnell kommt, um dem Sperma des anderen innerhalb der Spermienkonkurrenz nicht zuviel Vorsprung zu geben. Aber das würde ein kommen in der gleichen Frau erfordern. BeiM Cumshot ins Gesicht der Frau könnten zwei Faktoren zusammen kommen: Der Cumshot selbst regt die Spiegelneuronen an, das Gesicht der Frau erlaubt eine Großaufnahme des Orgasmus und gleichzeitig des Gesichts der Frau, Lust bei der Frau wiederum ist, weil es Bindung signalisiert und Begehren und damit erhöhte Fortpflanzungsoptionen ebenfalls anregend. Das könnte zu dem nicht unbeliebten Ende eines Pornos geführt haben, in der die Frau durch den „Gesichts-Cumshot“ fast einen Orgasmus bekommt, ihn jedenfalls begeistert aufnimmt. Es ist zudem eine gewisse Dominanzgeste, die man am Gesicht ebenfalls am besten aufnehmen kann. Von der Frau als statushoch und dominant (=attraktiv) wahrgenommen zu werden, erhöht aber ebenfalls die Fortpflanzungswahrscheinlichkeit.

Natürlich bedeutet das nicht, dass all diese Praktiken in Pornos in jeder Kultur gut gefunden werden müssen. Sie können dort auch gar nicht vorkommen. Dennoch kann es interessant sein, sich über bestimmte sexuelle Handlungen Gedanken zu machen und zu überlegen, ob etwas hinter ihnen stecken könnte

Pränatales Testosteron und „genderbezogenes Verhalten“

Eine Artikel beleuchtet eines meiner Lieblingsthemen: Pränatales Testosteron und seine Auswirkungen auf das geschlechtliche Verhalten.

Testosterone plays an important role in mammalian brain development. In neural regions with appropriate receptors testosterone, or its metabolites, influences patterns of cell death and survival, neural connectivity and neurochemical characterization. Consequently, testosterone exposure during critical periods of early development produces permanent behavioural changes. In humans, affected behaviours include childhood play behaviour, sexual orientation, core gender identity and other characteristics that show sex differences (i.e. differ on average between males and females). These influences have been demonstrated primarily in individuals who experienced marked prenatal hormone abnormalities and associated ambiguities of genital development (e.g. congenital adrenal hyperplasia). However, there is also evidence that testosterone works within the normal range to make some individuals within each sex more sex-typical than others. The size of testosterone-related influences, and perhaps even their existence, varies from one sex-typed characteristic to another. For instance: prenatal exposure to high levels of testosterone has a substantial influence on sex-typical play behaviour, including sex-typed toy preferences, whereas influences on core gender identify and sexual orientation are less dramatic. In addition: there appears to be little or no influence of prenatal testosterone on mental rotations ability, although mental rotations ability shows a marked sex difference. These findings have implications for basic understanding of the role of testosterone in normative gender development, as well as for the clinical management of individuals with disorders of sex development (formerly called intersex syndromes).

Zu Bedenken ist dabei, dass es hier um pränatales Testosteron geht, nicht um die Wirkung von Testosteron, insbesondere auch postnatalen Testosteron, dass weitere Wirkungen hat.

Aus dem Artikel selbst noch ein paar Auszüge:

Hundreds of studies on species ranging from rodents to non-human primates show that testosterone, and hormones produced from testosterone, play a primary role in neural and behavioural sexual differentiation, just as they do in sexual differentiation of the external genitalia

Also hunderte von Studien, die zeigen, dass geschlechterbezogenes Verhalten bei Menschen und Tieren in einem Zusammenhang mit den Hormonen steht. Hier stellt sich wieder die Frage an gesellschaftliche Erklärungen, warum diese Mechanismen bei Tieren bestehen,  bei Menschen aber nicht, wenn beim Menschen im Prinzip die gleichen Mechanismen vorhanden sind.

Despite these differences in the periods when testosterone manipulations alter brain structure and function, the outcomes of the manipulations are largely consistent across species. In both rodents and non-human primates, exposing developing female animals to high levels of testosterone, for example, by injecting them or their pregnant mothers with the hormone, increases subsequent levels of male-typical behaviour (1). In rats, for instance, a single injection of testosterone on the day of birth produces female animals who show elevated levels of rough-and-tumble play, a behaviour that is normally more common in juvenile males than in juvenile females. Similarly, female rats treated with testosterone neonatally show increased capacity for male-typical sexual behaviour and reduced capacity for female-typical sexual behaviour in adulthood. Removing testosterone from developing male rats (e.g. by neonatal castration) has the opposite effects, reducing male-typical behaviour and increasing female-typical behaviour. Comparable effects, on both juvenile play behaviour and on sexual behaviour in adulthood are seen following prenatal testosterone manipulations in rhesus monkeys

Man findet bei den Säugetieren und bei den Affen die diskutierten Systeme. Wenn man bedenkt, dass Menschenaffen natürlich nicht unsere Intelligenz haben, aber dennoch ein Selbstbewußtsein besitzen und in der Lage sind komplexe Sozialsysteme zu errichten und taktisch zu planen, fragt man sich wiederum, warum all diese Verhalten sich in sehr ähnlicher Form bei Menschen zeigen, aber  bei diesem Kultur sein sollen

As is the case for non-human primates, the critical periods when testosterone is higher in developing males versus females, and thus the periods when testosterone would be hypothesized to influence human neural and behavioural sexual differentiation, appear to be largely prenatal. Although information is limited, there appears to be a dramatic sex difference in testosterone levels in human foetuses from about week 8 to 24 of gestation (5). Another, smaller sex difference in circulating testosterone occurs in the early postnatal period in humans as well as in rhesus monkeys, but studies to date have produced little evidence that it plays a role in sexual differentiation of behaviour (5, 6), and research on the impact of testosterone on human development has focused largely on the prenatal period.

Es bestehen nach bisherigem Forschungsstand verschiedene Zeitfenster für verschiedene Bereiche des Gehirns. Da unser Gehirn nicht konstruiert wird, sonder wächst werden verschiedene Bereiche eben zu verschiedenen Zeiten aufgebaut.

Research on girls and women with CAH has provided some support for the hypothesized influence of testosterone on human behavioural development. Girls with CAH show increased male-typical play behaviour, including increased preferences for toys that are usually chosen by boys, such as vehicles and weapons, increased preferences for boys as playmates and increased interest in rough-and-tumble play. These findings of increased male-typical play behaviour have been seen using varied measures (interviews, standardized questionnaires, analyses of drawings and direct observation of behaviour in playroom settings), and in samples of girls with CAH in several countries (the United States, Canada, The Nether-lands, Sweden, Germany, Japan and the United Kingdom) (2). Like the CAH-related virilization of the external genitalia, CAH-related behavioural virilization is not complete. The toy, activity and playmate preferences of girls with CAH are more male-typical than those of their unaffected female relatives as well as of control girls matched for age and other aspects of demographic background, but they are not as male-typical as those of boys. For instance, in regard to playmates, 80–90% of the playmates of healthy boys and girls of elementary school age are children of the same sex, whereas girls with CAH do not appear to show a preference for playing with one sex over the other. They indicate that about 50% of their favourite playmates are girls and about 50% are boys (9)

As adults, women with CAH are less likely to be exclusively heterosexual than are their unaffected sisters, controls matched for age and demographic background, or women with other disorders that cause different hormone abnormalities or abnormalities of the external genitalia (10–12). The nature of this behavioural change is not necessarily to produce a homosexual orientation. In fact, bisexuality may be a similarly likely outcome. For instance, a study by Hines et al. (11), found that five out of 16 women with CAH reported that they were neither exclusively nor almost exclusively heterosexual. Of these five, one was exclusively homosexual, two were almost exclusively homosexual and two were equally homosexual and heterosexual in their behaviour. In addition, this study provided quantitative data, making it possible to compare the magnitude of the effect of CAH on sexual orientation with the magnitude of the effect on childhood play behaviour (see Fig. 1⇓). For childhood play behaviour, females with CAH were moved about 60% of the distance toward mean male-typical behaviour, whereas for sexual orientation, females with CAH were moved only about 10% of the distance toward mean male-typical orientation.

Hier wird noch einmal deutlich, dass CAH-Mädchen Verhaltensänderungen hin zum männlichen zeigen. Das diese sich auch gerade auf das Spielen auswirkt und diese Mädchen etwas wilder und härter sind ist gut damit zu erklären, dass Spielen dazu dient sich auch das Erwachsenenleben vorzubereiten und die dafür benötigten Fähigkeiten zu erlernen. (vgl. Lebensphasen und Geschlecht). Und das bedeutete in der Steinzeit eben, dass man sich für den intrasexuellen Wettbewerb abhärten musste.

Es folgt die zweite Gruppe: CAIS

Other situations where hormone levels or responses are altered prenatally provide additional support for the conclusion that prenatal levels of testosterone influence human psychosexual development. For instance, genetic males with complete androgen insensitivity syndrome (CAIS), an X-linked disorder in which the cells of XY individuals lack functional androgen receptors, and so cannot respond to the testosterone and other androgenic hormones produced by their gonads, are almost always female-typical not only in physical appearance, but also in terms of behaviour, including core gender identity, sexual orientation and childhood play behaviour (15, 16). This suggests that their functional lack of androgen exposure has produced female-typical psychosexual development, despite the presence of a Y chromosome.

Hieran wird deutlich, dass es sich eher nicht um genetische Unterschiede handelt, da diese ja dann bei den CAIS zu einem männlicheren Verhalten führen müßten (wobei natürlich auch auf dem Y-Chromoson einige Daten gespeichert sind). Vielmehr lässt sich in diesem Bereich gut der hormonelle Anteil erkennnen.

Es werden des weiteren verschiedene Medikamente, die die Mutter genommen hat angeführt:

Similarly, girls whose mothers were prescribed hormones that stimulate androgen receptors prenatally, like girls with CAH, show more male-typical childhood play behaviour and interests.

Zu den Unterschieden in den Fähigkeiten:

Specifically, although men perform better than women on tests of mental rotations ability (that is, the ability to rotate two-or three-dimensional figures in the mind and compare them to other figures), these differences are larger in adults than in children (29, 30). In addition, sex differences in performance on other spatial tasks are smaller than the sex differences in mental rotations performance (29, 30). Indeed, for some tasks, such as those requiring spatial visualization skills, or the ability to take spatial manipulations through several steps, sex differences are virtually non-existent (29). Similarly, sex differences in mathematics performance vary with age and the type of task. Among children, girls perform better on measures of computational ability, although there are no sex differences on computational tasks in adults (31). For mathematical concepts, there are no sex differences in children or adults, however, some standardized measures used to screen for admission to University in the United States (the Scholastic Aptitude Test and the Graduate Record Exam) show a sex difference in favour of males

Einige Fähigkeiten weisen nur geringe Unterschiede auf. Bei einigen anderen fallen diese auch erst auf, wenn man  mit höherem Schwierigkeitsgrad prüft. Zu den verschiedenen Werten hatte ich ja bereits einen Artikel eingestellt. Es ist auch zu bedenken, dass einige Fähigkeiten bei Frauen bei einem relativ (für Frauen) hohem Testosteronspiegel gut ausgeprägt sind, der beste Wert bei Männern aber bei einem für Männer niedrigen Wert erreicht wird (auch wenn dieser noch höher ist als der von Frauen).

Die verschiedenen evolutionären Interessen von Männern und Frauen und der sich daraus ergebende Konflikt

Ein interessanter Artikel zu den verschiedenen Interessen der Geschlechter und die daraus beruhenden Wettstreite:

Coevolutionary arms races between males and females have equipped both sexes with mutually manipulative and defensive adaptations. These adaptations function to benefit individual reproductive interests at the cost of the reproductive interests of oppositesex mates, and arise from evolutionary dynamics such as parental investment (unequal reproductive costs between the sexes) and sexual selection (unequal access to opposite-sex mates). Individuals use these adaptations to hijack others’ reproductive systems, psychological states, and behaviors—essentially using other individuals as extended phenotypes of themselves. Such extended phenotypic manipulation of sexual rivals and opposite-sex mates is enacted by humans with the aid of hormones, pheromones, neurotransmitters, emotions, language, mind-altering substances, social institutions, technologies, and ideologies. Furthermore, sexual conflict may be experienced at an individual level when maternal genes and paternal genes are in conflict within an organism. Sexual conflict may be physically and emotionally destructive, but may also be exciting and constructive for relationships. By extending the biological concept of sexual conflict into social and cultural domains, scholars may successfully bridge many of the interdisciplinary gaps that separate the sciences from the humanities.

Quelle: Human Sexual Conflict from Molecules to Culture (Volltext, PDF)

Fand ich ganz interessant, weil viele der bekannten Konflikte und biologische Lösungsansätze der Geschlechter noch einmal zusammengefasst werden. Auch interessant ist der Gedanke, dass Männer und Frauen einander quasi als erweiterter Phänotyp nutzen, um die eigenen Gene weiterzugeben.

Der Artikel enthält relativ nahe liegende Punkte wie:

Although physical attractiveness is usually correlated with genetic and bodily health, sometimes simply possessing “sexiness” may be enough to attract a mate (Cornwell and Perrett, 2008), even if one’s overall success at survival or parasite resistance is sub-par. Scholars should consider this possibility when accounting for the presence of seemingly useless and even harmful human traits. To stress the point again, the crucible of evolution is reproduction, not survival. Likewise, and in line with parental investment theory, members of the lesser-investing sex (usually males) who may not possess high-quality genes may nonetheless attract sexual partners if they are willing and able to invest in childrearing. Therefore, possessing and displaying material resources and empathetic qualities that communicate nurturance, may be the product of an evolved, long-term mating strategy, notably for males (Khallad, 2005; Kruger, 2008).

Oder diesem:

Sexual conflict takes on psychological dimensions when it is manifested in the expression of certain thoughts, emotions, and behaviors. Thus, sexual differences at the molecular and anatomical levels are reflected at the level of mental functions. Men’s psychology was shaped by selection to be interested in novel sexual partners and to assume that a woman may be interested in sex, whether she is or is not (Haselton and Buss, 2000). For ancestral males, this would have been a profitable reproductive strategy as it was likely to increase a man’s genetic representation in the next generation. Women, on the other hand, were selected to be wary of casual sexual encounters and to assume that a man is uninterested in a long-term relationship, whether he is or is not (Haselton and Buss, 2000). For ancestral females, this reproductive strategy would have been beneficial to their genetic interests as they were thereby less likely to invest in genetically inferior offspring or grant sexual access to males that were unwilling to provide for them or their children.

Aber auch exotischeren wie diesem:

reproductive choice (e.g., Gallup, Burch, and Platek, 2002; Goetz et al., 2005). Research suggests that the per-copulation risk of pregnancy is higher for rape than for consensual sex (Gottschall and Gottschall, 2003). There may be other explanations and criticisms of such findings, but if true, we must further examine the possibility that some men may have evolved predatory adaptations that are activated during coercive sexual encounters with women (Gottschall and Gottschall, 2003). The evidence for this comes from findings demonstrating the presence of follicle-stimulating-hormone (FSH) and luteinizing hormone (LH) in semen. These hormones normally function to stimulate the maturation of an egg and its subsequent release. That semen contains these hormones is indicative of their manipulative function in stimulating female ovulation. Rapists may possess higher concentrations of these hormones than non-rapists, or men’s concentrations of FSH and LH may increase when in coercive sexual encounters with women.

Warum überquert das Huhn die Straße? (Alles Evolution Edition)

Warum überquerte das Huhn die Straße?

  • Gleichheitsfeministin: Hühner und Hähne überqueren Straßen. Aber Hühner haben es schwerer dabei.
  • Poststrukturelle Feminstin: Wer sagt, dass es überhaupt ein Huhn ist? Es könnte auch ein Hahn sein! Die Geschlechter sind ein und das selbe. Aber hier sieht man, wie das Geschlecht über die Sprache konstruiert wird! Es ist ein Huhn, wird zum Huhn durch die Sprache gemacht, und das wird thematisiert, gerade in dem Geschlechterkonzept. Der Satz „Das Huhn überqueert die Straße“ läßt das Huhn entstehen!
  • Differenzfeminist: Hühner gehen anders über die Straße als Hähne, sie benötigen andere Überquerungsmöglichkeiten, weil sie weiblich sind. Überhaupt denken wir Frauen gar nicht in den Konzepten zweier Seiten, diese Binärität ist eher Hahnsache. Wir denken eher daran, wo wir gebraucht sind und wo wir uns wohlfühlen.
  • Mutter-Erde-Feministin: Das Huhn würde lieber seine Füße in die von der Sonne gewärmte Erde stecken und das Leben aus dieser in sich aufnehmen, in Einklang mit unserer Muttergöttin. Aber in der patriarchischen Welt ist alles geteert und gepflastert! Das Huhn will zurückkehren zum guten, matriarchischen Lebenstil, aber wie soll es in der patriarchischen Welt seinen Weg darin finden? So versiegen seine lebensschaffenden Kräfte, werden zum Wirtschaftsfaktor, sie produziert über das Ei nicht mehr Leben, sondern arbeitet dem Patriarchat zu!
  • Radikale Feministin: Das Huhn ist verängstigt, es flieht wahrscheinlich vor einer Meute von Hähnen, die Schwänze bereits steil aufgestellt, die es vergewaltigen wollen. Es will sich auf die andere Straßenseite retten. Aber auch dort lauern überall Hähne, die potentielle Vergewaltiger sind. Die Straßenseiten sind Schrödingers Vergewaltiger, erst wenn sie die Straße überquert hat wird das Huhn wissen, auf welcher es vergewaltigt wird.
  • der männliche Feminist: ICH hätte die Straßenseite überqueren sollen, aber so musste es das Huhn tun! Wahrscheinlich hat das Huhn Angst vor mir gehabt und ich habe dieses Privileg übersehen, nicht richtig reagiert! Frauen haben es schwer, immer müssen sie Straßen überqueren!Aber ich werde mich bessern, es soll kein Huhn mehr die Straße wegen mir überqueren sollen!
  • ein weiterer Feminist: Nun gucken alle auf das Huhn, wie es die Straße überquert! Es wird zum Objekt gemacht, bei einer ganz normalen Tätigkeit. Es wird auf sein Geschlecht reduziert. Warum gerade das HUHN die Straße überquert wird gefragt, dabei ist viel interessanter, warum die Straße gebaut ist, wie sie ist. Hühner wollen mehr Beleuchtung auf der Straße, kürzere Überquerungswege, sie tragen schwere Lasten, die sie beim Überqueren behindern.
  • Maskulist:  Das Huhn überquert die Straße und darüber wird berichtet, darüber sorgt man sich, das beachten sie. Aber wer stirbt häufiger auf der Straße, wer baut sie und bezahlt sie? Diese Leistung bleibt unbeachtet. Und es ist auch kein Wunder, dass es kein Hahn ist, der die Straße überquert, denn der Hahn muss arbeiten, er kann nicht einfach so über die Straße gehen.
  • verbitterter Maskulist: Das geht es das hässliche Huhn! Wahrscheinlich betrügt es seinen Hahn, den es ausbeutet. Und dann fordert es noch gleiche Pickrechte, obwohl es bereits eine wesentlich größere Fläche zur Verfügung hat! Das Parasitenhuhn!
  • gemäßigte Maskulisten/Feministen: jedes Huhn und jeder Hahn sollte unabhängig von seinem Geschlecht das Recht haben Straßen zu überqueeren. Wenn einem Geschlecht dabei besondere Steine in den Weg gelegt werden, dann muss man überprüfen, woran das liegt. Es kann sein, dass einige Hühner, bestimmte Straßen gar nicht überqueeren wollen und mit der Nichtüberqueerung glücklich sind. Sie überqueeren statt dessen vielleicht lieber andere Straßen. Dies kann verschiedene Ursachen haben, die nicht zwangsläufig eine Diskriminierung darstellen. Wenn es aber eine Diskriminierung ist, dann sollte man die Ursachen dafür beseitigen und jedem Huhn – was geschlechtsneutral gemeint ist – die Option offen halten, von ihm gewünschte Straßen zu überqueeren
Und als Bonus:
  • Christian: Aufgrund pränatalen Hormone entsteht in dem Huhn der Wunsch seinen Aufenthaltsort zu verändern!Dies war evolutionär eben eine bessere Strategie als am selben Ort zu bleiben. Oder es hat einen sehr dominanten Statushahn auf der anderen Seite gesehen!
  • Onyx: Wäre es ein maskulistisches Huhn würde man diese Frage gar nicht stellen!
  • Roslin: Viele Frauen laufen einfach so irgendwo hin, Tippse zum Beispiel auch. Ich laufe ihr dann hinterher, wie könnte ich anders, sie ist ja der Boss? Wobei mich die Ansicht ihres Hinterteils belohnt. Auch wenn es in letzter Zeit… Tippse nein, Au, lass das, ich hör ja schon auf über deinen Hintern zu reden!
  •  Nick: Es gab da schon mal einen Fall, indem Hühner die Straße überquerten, es begann mit dem Kommunismus meine ich. P.S. Dabei waren allerdings noch viele weitere Umstände zu beachten P.P.S: Und bei diesen Umständen wiederum sind andere Facetten interessant
  • Lucia: Da sieht man es mal wieder, wie sexistisch und rassistisch ihr seid, wie ihr von Hühnern redet, die die Straße überqueren. Widerliche Maskulistenkacke!
  • Manifold: Die Hühner trampeln nicht nur auf den von Männern gebauten Straßen herum, sondern auch auf unseren Rechten! Sollte es hingegen ein männliches Huhn sein, dann ist es gewiss auch dem Weg hin zum maskulistischen Sieg!
  • Maren: Jedes Huhn ist einzigartig, demnach kann es keinen übergeordneten Grund geben, warum gerade dieses Huhn die Straße überquert!
  • El Mocho: Nach Nitsche wäre es wohl der Wille zum Macht, hingegen würde ein Poststrukturalist erst einmal fragen müssen, was überhaupt eine Straße ist und ob man sie wirklich überquert.
  • Salvatore: Wenn einem das Huhn nicht wichtig ist und man einfach auf seiner Straßenseite sein Ding macht, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass das Huhn zu einem will. Aber es ändert nichts daran, dass man das Huhn nicht braucht, egal auf welcher Seite es sich befindet
  • Adrian: Das Huhn interessiert mich nicht, es soll mich eben nur in Ruhe lassen und hingehen wo immer es will. Sagt mir Bescheid, wenn ein Hahn die Straße überquert
  • Starosczyk: „Warum überquert das Huhn die Straße?“ Bei der patriarchalischen Kirche keine Wunder (hihi)
  • Teminatus30: Ich habe hier schon 30 Studien gepostet aus denen sich ergibt, warum das Huhn über die Straße läuft, aber auf mich hört ja wieder keiner
  • Haselnuss: Wenn man die Studie genau liest, dann sind es 1,2 Hühner.

Andere fallen mir gerade nicht ein, wer mag kann gerne ergänzen!

Häufigkeit von Sex nach sexuellem Übergriff

Eine Studie zu der Frage, ob es  nach einem sexuellen Übergriff noch zu Sex kommt:

Among a sample of college students, roughly 30% of the women and 12% of the men reported having been the victim of a sexual assault sometime in their lives. Of the assault victims, approximately 23% of both sexes stated that they had sexual intercourse with their assaulters on at least one subsequent occasion. Female victims of a completed sexual assault were significantly more likely to continue being sexually active with their assailants than were female victims who managed to block the assault, while no such difference was found for male victims. This would imply that some men are using assaultive tactics to secure sex partners beyond a single sexual episode, thereby enhancing their potential reproductive success in evolutionary terms. Also, men who committed sexual assault reported having had more lifetime sex partners than did sexually experienced men with no sexual assault history. Overall, the idea that sexual assault is part of an evolved reproductive strategy is consistent with findings from this study.

Erfolg ist eben sexy. Und ein dominantes Auftreten kann es ebenfalls sein. Ein tatsächlicher unerwünschter sexueller Übergriff sollte aber dennoch nicht das Mittel der Wahl sein, abzugrenzen von einem forschen Vorgehen nach Signalen, dass sie interessiert ist.

Es ist aber dennoch interessant, auch in Bezug auf die „Nein heißt Nein„-Theorien

Lebenserwartung Männer Frauen

Anhand eines Artikels über die Lebenserwartung im Verhältnis zum Einkommen fiel mir auf, dass wir hier die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen hier noch gar nicht in einem eigenen Artikel besprochen haben.

Hier eine Tabelle dazu:

Die Wikipedia zur Lebenserwartung:

Die – heutzutage – im Vergleich zu Frauen niedrigere durchschnittliche Lebenserwartung der Männer wird auf gleiche Art durch die risikobehaftetere Lebensweise der jungen Männer während der Adoleszenz beeinflusst. So sterben viel mehr junge Männer als Frauen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren durch Verkehrsunfälle und andere Risikofaktoren dieser Altersgruppe, was sich auf die statistische Gesamtlebenserwartung auswirkt. Männer bis 65 Jahre sterben 3,6 Mal so häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Frauen. Gerade in den mittleren Jahren, also bis etwa 65 Jahre, versterben nahezu doppelt so viele Männer wie Frauen.

Bzw. aus der englischen Wikipedia:

Women tend to have a lower mortality rate at every age. In the womb, male fetuses have a higher mortality rate (babies are conceived in a ratio estimated to be from 107 to 170 males to 100 females, but the ratio at birth in the United States is only 105 males to 100 females).[42] Among the smallest premature babies (those under 2 pounds or 900 g) females again have a higher survival rate. At the other extreme, about 90% of individuals aged 110 are female. The difference in life expectancy between men and women in the United States dropped from 7.8 years in 1979 to 5.3 years in 2005, with women expected to live to age 80.1 in 2005.[43]

In the past, mortality rates for females in child-bearing age groups were higher than for males at the same age. This is no longer the case, and female human life expectancy is considerably higher than that of men. The reasons for this are not entirely certain. Traditional arguments tend to favor socio-environmental factors: historically, men have generally consumed more tobacco, alcohol and drugs than females in most societies, and are more likely to die from many associated diseases such as lung cancer, tuberculosis and cirrhosis of the liver.[44] Men are also more likely to die from injuries, whether unintentional (such as car accidents) or intentional (suicide, violence, war).[44] A 2005 study found that the level of patriarchy predicts men’s mortality rates. High levels of patriarchy were associated with high levels of male mortality; low levels of patriarchy were correlated with low mortality levels. The researchers argue that while patriarchy grants men certain privileges over women, it also promotes gender stereotypes which harm men.[45] Men are also more likely to die from most of the leading causes of death (some already stated above) than women. Some of these in the United States include: cancer of the respiratory system, motor vehicle accidents, suicide, cirrhosis of the liver, emphysema, and coronary heart disease.[7] These far outweigh the female mortality rate from breast cancer and cervical cancer etc.

Some argue that shorter male life expectancy is merely another manifestation of the general rule, seen in all mammal species, that larger individuals tend on average to have shorter lives.[46][47] This biological difference occurs because women have more resistance to infections and degenerative diseases.[7]

In her extensive review of the existing literature, Kalben concluded that the fact that women live longer than men was observed at least as far back as 1750 and that, with relatively equal treatment, today males in all parts of the world experience greater mortality than females. Of 72 selected causes of death, only 6 yielded greater female than male age-adjusted death rates in 1998 in the United States. With the exception of birds, for almost all of the animal species studied, the males have higher mortality than the females. Evidence suggests that the sex mortality differential in humans is due to both biological/genetic and environmental/behavioral risk and protective factors.[48]

Machtmittel im Diskurs: Backlash

Ein interessantes Konzept ist der „Backlash gegen den Feminismus“

Aus der Wikipedia:

Susan Faludi popularisierte den Begriff Backlash in ihrem gleichnamigen Buch (1991). Darin definiert sie die antifeministische Backlash-Bewegung als einen machtvollen Gegenangriff auf Frauenrechte, der es zum Ziel hat, die wenigen und schwer erkämpften Siege des Feminismus zunichte zu machen.[2] Faludi argumentiert darüber hinaus, dass ein antifeministischer Backlash Mitte des 19. Jahrhunderts, um die Jahrhundertwende, sowie in den 1940er und 1970er Jahren zu verzeichnen war und feministische Bestrebungen zum Erliegen brachte.[3] Dem Feminismus wurden die meisten sozialen Probleme, darunter auch die Unzufriedenheit von Frauen[4] sowie solche Mythen wie der „weibliche Burnout“, die „Krise der Unfruchtbarkeit“ und der „Mangel an heiratsfähigen Männern“, angelastet.[1][2]

bell hooks argumentiert, dass jegliche tiefgreifende Kritik an patriarchaler Maskulinität die bestehenden Herrschaftsstrukturen bedroht und einen antifeministischen Backlash hervorruft.[5]

Der Sozialwissenschaftler und Politologe Simon Möller argumentiert in seiner Studie, dass der Diskurs der deutschen Medien in den 90er Jahren durch einen antifeministischen Backlash gekennzechnet war. Dieser Backlash habe die Anti-Politische Korrektheits-(PC)-Rhetorik und insbesondere das medial konstruierte Feindbild eines angeblich übermächtigen, lustfeindlichen und „politisch korrekten“ Feminismus sowie das vermeintliche Phänomen einer „sexuellen Korrektheit“ (SC) instrumentalisiert. „Sexuelle Korrektheit“ fungiere dabei als Teil des Anti-PC-Diskurses mit dem speziellen Angriffsziel Feminismus. Bei diesem antifeministischen Backlash handele es sich um einen „hegemonialen Offensivdiskurs“, der versucht, emazipatorische Bestrebungen als „politisch korrekter“ Nonsens lächerlich zu machen oder zur Gefahr zu stilisieren und frauenfeindliche Positionen zu normalisieren. Die Anti-PC- und Anti-SC-Kampagnen seien männliche Legitimationsstrategien zur Wahrung materieller und sozialer Vorteile gegenüber Frauen. Dem Anti-SC-Diskurs komme dabei insbesondere die Funktion zu, „von dominanter Seite zur Festigung des patriarchalen Konsenses, d. h. zur Herstellung von Akzeptanz gegenüber strukturellen Machtasymmetrien im Geschlechterverhältnis“ beizutragen. Der antifeministische Backlash folgt laut Möller bestimmten Mustern:[6][7][8]

  • Sexismus und sexuelle Gewalt wird erotisiert, trivialisiert sowie singularisiert;
  • eine Täter-Opfer-Umkehr findet statt;
  • die Existenz sexistischer Dominanzverhältnisse wird bestritten;
  • eine feministische Hegemonie an den Universitäten, in den Medien und im Kulturbereich wird suggeriert; und
  • der Begriff „Feminismus“ wird stigmatisiert.

In seiner diskursanalytischen Untersuchung fand John K. Wilson ähnlich wie Simon Möller, dass es sich bei der Debatte über politische Korrektheit und insbesondere sexuelle Korrektheit in den Medien um einen Backlash gegen den Feminismus handelt.[9]

Als Machtmittel im Diskurs ist die Behauptung eines Backlash wirksam. Alle Gegenargumente, die die Gegenseite bringt sind in dem Moment keine Gegenargumente mehr, sondern lediglich Mittel um den Feminismus zurückzudrängen. Man muss sich dann nicht mehr mit ihnen auseinandersetzen, sondern kann einfach auf das Ziel, nämlich die Diskreditierung des Feminismus verweisen.

Das zeigt sich auch schön an den von Möller aufgezeigten Mustern eines Backlash:

  • Sexismus und sexuelle Gewalt wird erotisiert, trivialisiert sowie singularisiert;
Das deckt bereits eine Vielzahl von Gegeneinwänden ab. Wenn man beispielsweise behaupten würde, dass Frauen Vergewaltigungsphantasien haben, dann ist das eine Erotisierung sexueller Gewalt, wenn man behauptet, dass sie dominante Männer anziehend finden, dann ist das eine Erotisierung sexueller Gewalt, gleichzeitig wird damit diese Gewalt auch trivialisiert. Wenn man anführt, dass es keine rape culture gibt, sondern einzelne Straftäter oder das die Vergewaltigungszahlen zu hoch sind singularisiert man dies.
  • eine Täter-Opfer-Umkehr findet statt;
Das alte Lied: Frauen können keine Täter sein. Allenfalls Opfer. Wer ihnen eine aktive Täterschaft zuspricht, der betreibt also Backlsh
  • die Existenz sexistischer Dominanzverhältnisse wird bestritten;
Das Patriarchat lebt. Zwar kann es keiner wirklich definieren und was es genau ausmacht und wie es arbeitet bleibt auch unklar, es zu bestreiten ist aber Backlash. Natürlich zählt hier nur das Bestreiten sexistischer Dominanzverhältnisse, die gegen Frauen gerichtet sind. Denn andere kann es im Prinzip auch nicht geben.
  • eine feministische Hegemonie an den Universitäten, in den Medien und im Kulturbereich wird suggeriert; und
Eine feministische Hegemonie kann nicht bestehen. Denn Frauen sind Opfer der hegemonialen Männlichkeit. Demnach sind Frauen immer unterdrückt. Zu behaupten, dass sie bereits etwas erreicht haben und sich eine Machtposition erarbeitet haben, kann nur bedeuteten, dass man ihnen den Opferstatus nehmen will. Das inzwischen Bemerkungen, die feministische Position in Frage stellen, einem Unipräsidenten den Job kosten können  und – gerade an US-Universitäten – die Position des Feminismus sehr stark ist – Backlash
  • der Begriff „Feminismus“ wird stigmatisiert.

Wer etwas gegen unsere Ideologie sagt, der betreibt Backlash. Auf die Argumente kommt es wohl auch hier nicht an.

Diese Seite ist also eine „Alles Backlash“-Seite, aber mir wurden ja eh schon diverse Namensänderungen angeraten.

Eine schöne Kritik des Buches von Susan Faludi finde sich in der Besprechung „The Feminist as Paranoid“ von Jean Bethke Elshtain:

Faludi’s Backlash is an amazing beast, a living, breathing monster possessing irresistible force. Thus: “Just when women’s quest for equal rights seemed closest to achieving its objectives, the backlash struck it down. Just when a ‘gender gap‘ at the voting booth surfaced in 1980, and women in politics began to talk of capitalizing on it, the Republican party elevated Ronald Reagan and both political parties began to shunt women’s rights off their platforms.” On and on in this vein. When Faludi touches on the rise in female poverty (directly correlated with the rise in female-headed households—there’s no doubt about this relationship), the rise in violence against women, the rise of eating disorders, she blames it all on The Backlash.

But suppose someone came along and blamed all these things on feminism—after all, didn’t these phenomena appear after the rise of the feminist movement?—and dredged up the relevant statistics to make the case. This would be the occasion for outrage on Faludi’s part and further evidence of Backlash. The point is that conspiracy theory, no matter in whose hands, is a monument to anti-intellectualism. For serious laborers in the vineyard of the human sciences understand that all social phenomena have very complex roots—they are, as we say, overdetermined—and it takes skill, real acumen, an eye both for detail and the big picture, and, above all, intellectual honesty to explore such matters.

Backlash, on the other hand, is social science manque. The apparatus of scholarship is there, but the book’s each and every claim represents a radical reduction of social reality and experience, particularly Faludi’s presumption that any rethinking undertaken by any feminist at any time, if the thinker in question comes out at some place Faludi dislikes, constitutes a prima facie case that the woman in question has become a backlash pawn. (…)

For Faludi the use of the intellect is a very dangerous thing indeed; it might lead to what she labels “declarations of apostasy,” by which she more or less means disagreement with some or all of her feminist agenda, guaranteed to be the one and only pure product. To deviate in the slightest is to fling oneself over a cliff into the arms of Backlash.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Effektstärken

Eine Metastudie (Hyde 2005, PDF) listet einige interessante Zahlen zu den Unterschieden zwischen Männern und Frauen auf:

(ich hätte sie gerne als Text eingefügt, aber da ist WordPress etwas eigen)

Hyde, Professorin für Psychologie und Women Studies, leitet daraus ihre These her, dass Männer und Frauen sich recht ähnlich sind und nur in einigen kleinen Punkten abweichen. In ihrer Zusammenfassung heißt es:

A few notable exceptions are some motor behaviors (e.g., throwing distance) and some aspects of sexuality, which show large gender differences. Aggression shows a gender difference that is moderate in magnitude

Ich würde es anders sehen. Es zeigen sich durchaus deutliche Unterschiede im sprachlichen Bereich (Spelling – 0,45 Language 0,40); Mechanical Reasoning (+0,76), Spatial perception (+0.44); Mental rotation (+0.73); Sexuality: Masturbation (+0.96) Sexuality: Attitudes about casual sex (+0.81); Agreeableness: Tendermindedness (-0.91);

Agression, von ihr als „Moderat“ bewertet liegt bei +0.50;

„Unterbrechung von Reden anderer“, in vielen Feministischen Texten als typisch männliches, dominantes Redeverhalten dargestellt, liegt bei +0,15.

Hier noch einmal eine Darstellung eine Effektstärke von 0,21

Hier sieht man, dass sich viele Unterschiede bei geringer Effektstärke im täglichen Leben nicht auswirken, aber bereits geringe Effektstärken in den Endbereichen zu erheblichen Abweichungen in den Zahlenverhältnissen von Männern und Frauen führen. Wenn man dann bedenkt, dass ein Studium in einem Bereich üblicherweise höhere Anforderungen stellt und man zudem in diesem Bereich jeweils mit den Besten konkurriert bzw. mit dem Lerntempo des Durchschnitts vorgeht, dann wird deutlich, dass beispielsweise Studiengänge mit höheren Anforderungen an Mechanical Reasoning (+0,76), Spatial perception (+0.44) und Mental rotation (+0.73) wesentlich mehr männliche Studenten anziehen werden.

Hinzu käme noch, dass die kleinen Unterschiede sich gegenseitig verstärken. Eine Frau, die etwas besser in Sprachen ist und etwas schlechter in „Mechanical Reasoning“ wird ihre Stärke eben eher im Sprachlichen Bereich sehen und daher eher diesen Bereich wählen, wenn nicht wirtschaftliche oder gesellschaftliche Gründen deutlich für einen anderen Bereich sprechen.

Ein weiterer Grund für eine Verstärkung von Unterschieden wäre evtl. die Unterscheidung zwischen emotionalen und systematische Gehirn. Eine Person mit einem emotionalen Gehirn mag die passenden Fähigkeiten in anderen Bereichen auch haben, aber Bereiche, die eher mit Personen und Emotionen zu tun haben, ziehen diese dann stärker an. Umgekehrt kann sich eine Person mit einem analytischen-sachlichen Gehirn eher vorstellen, an einem bestimmten Problem zu arbeiten, auch wenn dabei der Kontakt mit anderen Personen und Emotionen begrenzter ist.

„Standard Social Science Model“ und „Integrated Model“

Eine Tabelle, die die Unterschiede zwischen dem „Standard Social Science Model“ und dem „Integrated Model“ kurz zusammenfasst:

(Aus der Wikipedia)

Man sieht, dass hier verschiedene Denkarten gegeneinander stehen, die sich widersprechen. Das Integrierte Model ist das hier vertretene, dass SSSM findet sich in vielen soziologisch ausgerichteteren Denkrichtungen.