„Ultimate Cause“ und „Proximate Cause“

Eine wichtige Unterscheidung zum Verständnis von Evolutionsbiologie und damit auch für das Verständnis des Menschen und der Geschlechterunterschiede ist die Unterscheidung zwischen Ultimate Cause und Proximate Cause.

  • Unter dem Proximate Cause versteht man ein Ereignis, dass direkt zu dem Endzustand geführt hat.
  • Unter dem Ultimate Cause versteht man den „eigentlichen Grund“, der das Ereignis erklärt

Ein Beispiel außerhalb der Biologie wäre (aus dem Wikipedia-Artikel übernommen):

Warum sank das Schiff?

  • „Proximate Cause“: Weil es aufgrund eines Lochs in der Schiffshülle unterhalb der Wasserlinie und des durch dieses eindringende Wasser mehr Gewicht erhielt als das Wasser, was es verdrängte und daher sank.
  • „Ultimate Cause“: Weil es einen Eisberg rammte, der ein Loch in der Hülle verursachte.

In der Biology bietet sich diese Unterscheidung ebenfalls an. Mit dem „Ultimate Cause“ wird dabei der evolutionäre Druck beschrieben, der zur Ausprägung bestimmter Eigenschaften eines Lebewesens geführt hat. Mit dem „Proximate Cause“ wird hingegen die Auswirkung dieses evolutionären Drucks auf das Lebewesen dargestellt.

Ein einfaches Beispiel wäre, die Frage, warum viele Lebewesen mit ihrer Nahrund Fette, Proteine, Kohlenhydrate aufnehmen

Ultimate Cause: Lebewesen benötigen zum Betreiben der Körperfunktionen bestimmte Nährstoffe. Es besteht daher ein evolutionärer Druck sich diese Nährstoffe anzueignen. „

Proximate Cause“: Lebewesen haben Geschmacksnerven, die auf bestimmte Muster, die üblicherweise bei wichtigen Nährstoffen vorliegen ansprechen. Sie haben zudem Geruchssinne, die ebenfalls bestimmte Gerüche, die bei Nährstoffen und deren Zubereitung anfallen, entsprechende Signale senden. Daher bevorzugen Lebewesen Nahrungsmittel, die diese Sinnesorgane ansprechen.

Wie man an der modernen Lebensmittelindustrie des Menschen sieht müssen die Erklärungen nicht übereinstimmen. Süssstoffe beispielsweise haben – zur Freude der Hersteller von Diätprodukten – keinerlei Nährwert. Sie erfüllen also den „Ultimate Cause“ nicht, den Körper mit Nährstoffen zu versorgen. Weil sie aber entsprechende Signale an die Geschmacksnerven senden erfüllen sie den Proximate Cause, nämlich Lebensmittel essen, deren sensorischer Input darauf hindeutet, dass sie den Ultimate Cause dienen. Es handelt sich insoweit um eine „unzureichende Umsetzung“, da eine Täuschung möglich ist. Diese Täuschung war aber evolutionstechnisch egal, da die Umsetzung „dicht genug“ an einer Lösung war um den Ultimate Cause zu erfüllen.

Es finden sich viele solche Fälle in denen die Umsetzung des „Ultimate Cause“ gut genug war, heute aber „fehleranfällig“ ist.

Beispiele:

a. verschiedene Partnerwahlkriterien bei Männern und Frauen

  • Ultimate Cause: Die verschiedenen Kosten der Fortpflanzung (Frau: minimal Schwangerschaft, Stillen etc, minimaler Zeiteinsatz: 9 Monate plus, eher 6-7 Jahre; Mann: minimal Ein Schuß Sperma, 3 Minuten) führen dazu, dass Männer andere Kriterien an einen Partner anlegen, die bei Frauen die Bereitschaft und Möglichkeit, sich an den Kosten der Schwangerschaft und Aufzucht zu beteiligen höher Bewerten als bei Männern.
  • Proximate Cause: Biologisch einprogrammierte Attraktivitätsmerkmale, die Anzeichen dafür geben, inwieweit der andere den biologischen interessen entspricht. Bei Männern in bezug auf Frauen insbesondere Anzeichen für Gesundheit und Fruchtbarkeit sowie bei Eingehung einer langfristigen Bindung Anzeichen für Gebundenheit zur Vermeidung der Fehlinvestition in fremden Nachwuchs. Bei Frauen in Bezug auf Männer Anzeichen für hinreichende Ressourcen und die Fähigkeiten, diese zu erlangen und das Interesse an einer langfristigen Bindung, also die Bereitschaft, diese Ressourcen auch zu teilen sowie Hinweise auf Gesundheit etc. Dabei können Kriterien wie Status innerhalb der Gruppe wichtige Indizien für die Fähigkeit Ressourcen zu erlangen und zu verteidigen sein. 
  • Umgehung: Ressourcen können heutzutage mittels Kredit erworben werden, Statusverhalten ist auf die Kleingruppe bezogen gewesen und erforderte unter Steinzeitbedingungen erheblich mehr Aufwand bzw. war mit einem höheren Risiko verbunden (wer zu dick auftrug wurde dadurch, dass er wenig Essen von einer Jagd mitbrachte schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, weil er betteln muss und sich dann weniger Statusdisplay erlauben kann, während wir heute einen geringen Teil unseres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen). Muskeln sind kein Zeichen einer guten Ernährung über einen längeren Zeitraum mehr verbunden mit vielen Tätigkeiten mehr, sondern dank billiger Nahrung und billiger Fitnessstudios für jeden zu erreichen Symmetrische, große Brüste sind nicht mehr unbedingt Zeichen guter unmutierter Gene und eines geordneten wachstums, sondern evtl. eines Schönheitschirugs oder zumindest eines gut sitzenden, gepolsterten BHs

b. Sex und Fortpflanzung

  • Ultimate Cause: Geschlechtliche Fortpflanzung erfordert eine Übergabe der Gene und deren Verbindung miteinander
  • Proximate Cause: Das Ineinanderstecken von Geschlechtsorganen spricht – richtig gemacht – gewisse Nerven an, die das Belohnungszentrum stimulieren und eine Ausschüttung von Glückshormonen und Bindungshormonen bewirken. Die Ausschüttung bestimmter Hormone durch den Sex vermindert den Sexualtrieb kurzzeitig.
  • Umgehung: Dank Verhütungsmittel haben wir zwar noch den Spass am Sex, aber nicht mehr unbedingt die Fortpflanzung. Paare können ein Leben lang Sex haben, ohne den Ultimate Cause des Sex gerecht zu werden; Cybersex, Masturbation vor Pornos;