Pornographie und Evolution

Pornografie spricht Menschen an, Männer in anderer Weise als Frauen.

Ich hatte schon ein paar Artikel zum Bereich Pornos:

Alles, was in Verbindung mit der Fortpflanzung und sexueller Erregung steht, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit durch evolutionäre Vorgänge betroffen zu sein. Hier ein paar Mutmaßungen dazu

1. Wann wird man überlicherweise Sex gesehen haben?

Eine evolutionäre Erklärung müsste wohl bei realen Sex ansetzen, den Menschen beobachten, da der Fernseher ja relativ jung ist. Menschen haben in Bezug auf Sex ein gewisses Schamgefühl. In den allermeisten Kulturen (allen?) ist Sex etwas, was einen privaten Kontext hat und was man nach Möglichkeit abgeschieden von der Gruppe macht.

Eine Erklärung, die ich dazu gelesen habe, ist, dass Sex ein knappes Gut ist.

Für Männer lohnt es sich aufgrund geringer Kosten des Nachwuchs mit vielen Frauen Sex zu haben (Quantität des Nachwuchs) und gleichzeitig eine Frau zu monopolisieren (Erhöhte Wahrscheinlichkeit des Nachwuchs und sichere Investition (Qualität des Nachwuchs)) um , für Frauen lohnt es sich mit einem Mann Sex zu haben, der sich an den Kosten des Nachwuchs beteiligt. Männer haben daher ein hohes Interesse an Sex einfach so und Schutz der Frau, die sie monopolisiert haben sowie sich selbst, die Frau ein hohes Interesse an Bindung des Mannes und Schutz vor anderen Männern. Dies ist am einfachsten Sicherzustellen, wenn man den Sex „geheim“ hält.

Ein Bild erläutert dies: Wenn man innerhalb einer hungrigen Gruppe Nahrung hat, die nicht für die Gruppe, wohl aber für einen selbst reicht, dann ist es ungünstig, die Nahrung vor der Gruppe zu essen. Besser ist es sie zu verstecken und sie heimlich zu verzerren, damit keine Begehrlichkeiten geweckt werden, da ansonsten entweder Bettler oder gar Diebe bzw. Räuber zu befürchten sind.

Übertragen auf die konkrete Sex-Situation bedeutet das, dass Sex innerhalb einer Gruppe zunächst erst einmal offen legt, dass eine erregte Frau vorhanden ist, die bereit ist, Sex mit einem Mann zu haben, evtl. bereits feucht ist und in die ein Eindringen unproblematisch wäre. Gleich einem Schinken kann man hier versuchen nach kommen des Mannes auf eine weitere Geilheit der Frau zu setzen und ebenfalls Sex mit ihr zu haben (ungünstig für den Mann) oder aber die Gelegenheit nutzen und entweder Gefälligkeiten von dem Mann einfordern, damit dieser Sex mit der Frau (unabhängig von deren Willen) zustimmt oder gegen den Willen des Mannes etwa aufgrund höherer Körperkraft oder unter Mithilfe von anderen Männern den Sex erzwingen (quasi im Wege der Male-Male-Competition bzw. der intrasexuellen Konkurrenz). Da der Mann notgedrungen beim Sex relativ wehrlos ist, ist es ungünstig für ihn, potentielle Verhinderer in der Nähe zu haben.

Ein weiterer Grund ist, dass man verbergen möchte, dass man überhaupt Sex miteinander hatte. Grund kann sein, dass beide eine Extra-Pair-Copulation haben (also fremdgehen, etwa das Alphamännchen mit einem Betaweibchen). Oder ein Ausschalten der Überwachung durch die Angehörigen, die dies nicht billigen würden (etwa die Eltern, die meinen, dass er nicht gut genug für ihre Tochter ist).

Demnach wird ein Großteil des Sex wie auch in heutigen Zeiten nicht vor allen Augen abgelaufen sein. Sicherlich wird man unter den Felldecken auch so einiges gemacht haben, aber es spricht vieles gegen eine rein kulturelle Begründung des Schamgefühls.

2. Vorteile öffentlichen Sex

Dennoch kann öffentlicher Sex auf ungeachtet dieser Risiken und Lagen Vorteile bieten.

Für Männer habe ich dies im Prinzip schon oben geschildert. Da Sex unter steinzeitlichen Bedingungen die Chance auf Nachwuchs bietet lohnt es sich vorhande Möglichkeiten zu nutzen. War also eine Frau so geil, dass sie öffentlichen Sex hatte, dann bestand die Chance, dass man selbst zum Zug kam. Ebenso wenn der Mann, der mit ihr Sex hatte, ein geringes Interesse an ihr hatte und daher nicht die passenden Sicherungsmaßnahmen durch Absonderung von der Gruppe vornahm. Eine Möglichkeit war auch, dass die Frau als Kriegsgefangene oder Beute von dem Mann mit der Gruppe geteilt wurde, was ihm dann wieder andere Vorteile bringen konnte oder oder sie so wenig Rückhalt innerhalb der Gruppe hatte, dass sie weder ein Mann beschützen wollte noch sie monopolisieren wollte (bzw. es nach einem Überfall zu Gruppenvergewaltigungen kam). Ein Vorteil für die Frau, Sex mit vielen Männern zu haben, ist das keiner Ausschließen kann, dass ihr Kind nicht auch sein Kind ist und sowohl sie als auch das Kind sich damit die (wenn auch geringere Unterstützung vieler Männer sichern konnte. Ein weiterer Grund ist direkte Prostitution.

3. Vorteile der Erregbarkeit durch öffentlichen Sex

Für Männer ist der Vorteil recht offensichtlich und oben bereits beschrieben. Für Frauen ist er hingegen aufgrund der geschilderten Nachteile weniger offensichtlich. Allerdings ist Sex eben auch ein Bindungsmittel und gleichzeitig kann es Vorteile für Frauen bieten, durch etwas erregt zu werden, was Männer erregt. Sollte es zum öffentlichen Sex innerhalb der Gruppe im Beisein einer Frau kommen, dann kann es Vorteilhaft sein, wenn ihr Mann, den der öffentliche Sex erregt, dann Sex mit ihr hat, statt mit der Frau, die öffentlich Sex hat. Wofür es wieder vorteilhaft ist, wenn sie durch die Szene zumindest etwas erregt ist. Es kann aber auch vorteilhaft sein, nicht erregt zu sein, sondern eher angewidert, und den Partner davon wegzuziehen. Bei Sex in einem Harem kann es ebenfalls ein Vorteil sein, wenn die Frau durch den Sex des Mannes mit einer anderen Frau erregt ist.

4. Spiegelneuronen

Ein größerer Teil der Wirkung dürfte aber einfach über Empathie und Spiegelneuronen entstehen. Spiegelneuronen sind bestimmte Nervenzellen im Gehirn von Primaten, die beim betrachten eines Vorganges das gleiche Aktivitätsmuster aufweisen, wie es entstünde, wenn dieser Vorgang nicht nur passiv betrachtet, sondern selbst aktiv durchgeführt wird. Pornographie erleichert es uns also die Emotionen zu empfinden, die wir beim Sex haben. Da männlicher Sex wesentlich mehr auf reine Triebbefriedigung ausgelegt ist und auch wesentlich mehr auf optischen Kriterien beruht ist es auch leichter die entsprechenden Empfindungen bei Männern zu aktivieren. Hier stellt sich dann die Frage, was Nebeneffekt der bereits vorhandenen umfassenden Spiegelneuronen ist und was nur „proximate cause“ des „Ultimate cause“ Fortpflanzung, vielleicht nach einem der oben genannten Prinzipien, ist. Den Spiegelneuronen müßen ja nicht auf sexuelle Reize reagieren.

5. Folgerungen

Nach dem oben gesagtem müßte Sex zwischen zwei Personen der klassischste Fall sein, wobei Männer insbesondere Wert auf eine hübsche Frau legen würden, Frauen hingegen wohl entweder einen deutlichen Alphamann oder mehr Gefühle verlangen würden.

Der Gangbang mit mehreren Männern müßte bei Männern mehr Anklang finden als bei Frauen, zumindest wenn er keine Gefühle erkennen läßt (zwei gleichwertige Männer gefühlsmäßig an sich zu binden kann ja eine erfolgreiche Strategie sein)

Es wäre zudem zu erwarten, dass Frauen Pornodarstellerinnen aufgrund des Umstandes, dass Männer eher auf öffentlichen Sex ansprechen, neben evtl Stimulation auch als Konkurrenz sehen und daher eher ablehnen und evtl. andere Anregungen, etwa über Liebesgeschichten oder Erotikromane, die mehr auf gefühlsmäßige Spiegelung ausgelegt sind als auf reinen Sex vorziehen.

Der „Cum-Shot“ könnte seine Attraktivität aufgrund der Spiegelneuronen haben, bei denen das sehen eines Orgasmus ebenfalls entsprechende eigene Gefühle erleichtert. Zudem wäre es ein Gedanke, ob das kommen eines Mannes bei Gruppensex bedeutet, dass man ebenfalls besser schnell kommt, um dem Sperma des anderen innerhalb der Spermienkonkurrenz nicht zuviel Vorsprung zu geben. Aber das würde ein kommen in der gleichen Frau erfordern. BeiM Cumshot ins Gesicht der Frau könnten zwei Faktoren zusammen kommen: Der Cumshot selbst regt die Spiegelneuronen an, das Gesicht der Frau erlaubt eine Großaufnahme des Orgasmus und gleichzeitig des Gesichts der Frau, Lust bei der Frau wiederum ist, weil es Bindung signalisiert und Begehren und damit erhöhte Fortpflanzungsoptionen ebenfalls anregend. Das könnte zu dem nicht unbeliebten Ende eines Pornos geführt haben, in der die Frau durch den „Gesichts-Cumshot“ fast einen Orgasmus bekommt, ihn jedenfalls begeistert aufnimmt. Es ist zudem eine gewisse Dominanzgeste, die man am Gesicht ebenfalls am besten aufnehmen kann. Von der Frau als statushoch und dominant (=attraktiv) wahrgenommen zu werden, erhöht aber ebenfalls die Fortpflanzungswahrscheinlichkeit.

Natürlich bedeutet das nicht, dass all diese Praktiken in Pornos in jeder Kultur gut gefunden werden müssen. Sie können dort auch gar nicht vorkommen. Dennoch kann es interessant sein, sich über bestimmte sexuelle Handlungen Gedanken zu machen und zu überlegen, ob etwas hinter ihnen stecken könnte