Machtmittel im Diskurs: Backlash

Ein interessantes Konzept ist der „Backlash gegen den Feminismus“

Aus der Wikipedia:

Susan Faludi popularisierte den Begriff Backlash in ihrem gleichnamigen Buch (1991). Darin definiert sie die antifeministische Backlash-Bewegung als einen machtvollen Gegenangriff auf Frauenrechte, der es zum Ziel hat, die wenigen und schwer erkämpften Siege des Feminismus zunichte zu machen.[2] Faludi argumentiert darüber hinaus, dass ein antifeministischer Backlash Mitte des 19. Jahrhunderts, um die Jahrhundertwende, sowie in den 1940er und 1970er Jahren zu verzeichnen war und feministische Bestrebungen zum Erliegen brachte.[3] Dem Feminismus wurden die meisten sozialen Probleme, darunter auch die Unzufriedenheit von Frauen[4] sowie solche Mythen wie der „weibliche Burnout“, die „Krise der Unfruchtbarkeit“ und der „Mangel an heiratsfähigen Männern“, angelastet.[1][2]

bell hooks argumentiert, dass jegliche tiefgreifende Kritik an patriarchaler Maskulinität die bestehenden Herrschaftsstrukturen bedroht und einen antifeministischen Backlash hervorruft.[5]

Der Sozialwissenschaftler und Politologe Simon Möller argumentiert in seiner Studie, dass der Diskurs der deutschen Medien in den 90er Jahren durch einen antifeministischen Backlash gekennzechnet war. Dieser Backlash habe die Anti-Politische Korrektheits-(PC)-Rhetorik und insbesondere das medial konstruierte Feindbild eines angeblich übermächtigen, lustfeindlichen und „politisch korrekten“ Feminismus sowie das vermeintliche Phänomen einer „sexuellen Korrektheit“ (SC) instrumentalisiert. „Sexuelle Korrektheit“ fungiere dabei als Teil des Anti-PC-Diskurses mit dem speziellen Angriffsziel Feminismus. Bei diesem antifeministischen Backlash handele es sich um einen „hegemonialen Offensivdiskurs“, der versucht, emazipatorische Bestrebungen als „politisch korrekter“ Nonsens lächerlich zu machen oder zur Gefahr zu stilisieren und frauenfeindliche Positionen zu normalisieren. Die Anti-PC- und Anti-SC-Kampagnen seien männliche Legitimationsstrategien zur Wahrung materieller und sozialer Vorteile gegenüber Frauen. Dem Anti-SC-Diskurs komme dabei insbesondere die Funktion zu, „von dominanter Seite zur Festigung des patriarchalen Konsenses, d. h. zur Herstellung von Akzeptanz gegenüber strukturellen Machtasymmetrien im Geschlechterverhältnis“ beizutragen. Der antifeministische Backlash folgt laut Möller bestimmten Mustern:[6][7][8]

  • Sexismus und sexuelle Gewalt wird erotisiert, trivialisiert sowie singularisiert;
  • eine Täter-Opfer-Umkehr findet statt;
  • die Existenz sexistischer Dominanzverhältnisse wird bestritten;
  • eine feministische Hegemonie an den Universitäten, in den Medien und im Kulturbereich wird suggeriert; und
  • der Begriff „Feminismus“ wird stigmatisiert.

In seiner diskursanalytischen Untersuchung fand John K. Wilson ähnlich wie Simon Möller, dass es sich bei der Debatte über politische Korrektheit und insbesondere sexuelle Korrektheit in den Medien um einen Backlash gegen den Feminismus handelt.[9]

Als Machtmittel im Diskurs ist die Behauptung eines Backlash wirksam. Alle Gegenargumente, die die Gegenseite bringt sind in dem Moment keine Gegenargumente mehr, sondern lediglich Mittel um den Feminismus zurückzudrängen. Man muss sich dann nicht mehr mit ihnen auseinandersetzen, sondern kann einfach auf das Ziel, nämlich die Diskreditierung des Feminismus verweisen.

Das zeigt sich auch schön an den von Möller aufgezeigten Mustern eines Backlash:

  • Sexismus und sexuelle Gewalt wird erotisiert, trivialisiert sowie singularisiert;
Das deckt bereits eine Vielzahl von Gegeneinwänden ab. Wenn man beispielsweise behaupten würde, dass Frauen Vergewaltigungsphantasien haben, dann ist das eine Erotisierung sexueller Gewalt, wenn man behauptet, dass sie dominante Männer anziehend finden, dann ist das eine Erotisierung sexueller Gewalt, gleichzeitig wird damit diese Gewalt auch trivialisiert. Wenn man anführt, dass es keine rape culture gibt, sondern einzelne Straftäter oder das die Vergewaltigungszahlen zu hoch sind singularisiert man dies.
  • eine Täter-Opfer-Umkehr findet statt;
Das alte Lied: Frauen können keine Täter sein. Allenfalls Opfer. Wer ihnen eine aktive Täterschaft zuspricht, der betreibt also Backlsh
  • die Existenz sexistischer Dominanzverhältnisse wird bestritten;
Das Patriarchat lebt. Zwar kann es keiner wirklich definieren und was es genau ausmacht und wie es arbeitet bleibt auch unklar, es zu bestreiten ist aber Backlash. Natürlich zählt hier nur das Bestreiten sexistischer Dominanzverhältnisse, die gegen Frauen gerichtet sind. Denn andere kann es im Prinzip auch nicht geben.
  • eine feministische Hegemonie an den Universitäten, in den Medien und im Kulturbereich wird suggeriert; und
Eine feministische Hegemonie kann nicht bestehen. Denn Frauen sind Opfer der hegemonialen Männlichkeit. Demnach sind Frauen immer unterdrückt. Zu behaupten, dass sie bereits etwas erreicht haben und sich eine Machtposition erarbeitet haben, kann nur bedeuteten, dass man ihnen den Opferstatus nehmen will. Das inzwischen Bemerkungen, die feministische Position in Frage stellen, einem Unipräsidenten den Job kosten können  und – gerade an US-Universitäten – die Position des Feminismus sehr stark ist – Backlash
  • der Begriff „Feminismus“ wird stigmatisiert.

Wer etwas gegen unsere Ideologie sagt, der betreibt Backlash. Auf die Argumente kommt es wohl auch hier nicht an.

Diese Seite ist also eine „Alles Backlash“-Seite, aber mir wurden ja eh schon diverse Namensänderungen angeraten.

Eine schöne Kritik des Buches von Susan Faludi finde sich in der Besprechung „The Feminist as Paranoid“ von Jean Bethke Elshtain:

Faludi’s Backlash is an amazing beast, a living, breathing monster possessing irresistible force. Thus: “Just when women’s quest for equal rights seemed closest to achieving its objectives, the backlash struck it down. Just when a ‘gender gap‘ at the voting booth surfaced in 1980, and women in politics began to talk of capitalizing on it, the Republican party elevated Ronald Reagan and both political parties began to shunt women’s rights off their platforms.” On and on in this vein. When Faludi touches on the rise in female poverty (directly correlated with the rise in female-headed households—there’s no doubt about this relationship), the rise in violence against women, the rise of eating disorders, she blames it all on The Backlash.

But suppose someone came along and blamed all these things on feminism—after all, didn’t these phenomena appear after the rise of the feminist movement?—and dredged up the relevant statistics to make the case. This would be the occasion for outrage on Faludi’s part and further evidence of Backlash. The point is that conspiracy theory, no matter in whose hands, is a monument to anti-intellectualism. For serious laborers in the vineyard of the human sciences understand that all social phenomena have very complex roots—they are, as we say, overdetermined—and it takes skill, real acumen, an eye both for detail and the big picture, and, above all, intellectual honesty to explore such matters.

Backlash, on the other hand, is social science manque. The apparatus of scholarship is there, but the book’s each and every claim represents a radical reduction of social reality and experience, particularly Faludi’s presumption that any rethinking undertaken by any feminist at any time, if the thinker in question comes out at some place Faludi dislikes, constitutes a prima facie case that the woman in question has become a backlash pawn. (…)

For Faludi the use of the intellect is a very dangerous thing indeed; it might lead to what she labels “declarations of apostasy,” by which she more or less means disagreement with some or all of her feminist agenda, guaranteed to be the one and only pure product. To deviate in the slightest is to fling oneself over a cliff into the arms of Backlash.