Die „profeministische Männerorganisierung“ bzw. Männer als Feministen

Die Position von Männern im Feminismus war hier schon häufiger Thema:

Hier noch weitere Gedanken dazu:

Adrian Lang macht sich auf seinem Blog Gedanken darüber, wie eine profeministische Männerorganisierung aussehen könnte

Er startet gleich mit einer interessanten Definition von „Mann“:

Als „Mann“ würde ich in dem Fall Personen definieren, die zeitweise oder immer vom Patriarchat bevorteilt werden. Das können neben cis-Männern auch unter anderem trans* sein.

Die Definition allein ist recht typisch für eine feministische Definition aus dem Privilegienbereich. Auch wenn sie etwas cirulär ist.

Zum einen geht es darum „männlich“ zu definieren, ohne das man damit Geschlechter festlegt. Denn eigentlich gibt es ja Mann und Frau gar nicht, sie sind nur gesellschaftliche Konstrukte. Da aber das männliche in der Gesellschaft die Privilegien hat, ist männlich, was Privilegien hat.

Eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die alle Möglichkeiten die Menschen seitens der patriarchischen Gesellschaft nutzt, könnte danach ja schon fast wieder ein Mann sein. Ein passendere Definition für das gemeinte wäre ja eigentlich:

Alle mit einem männlichen Phänotyp

Den an dem scheinen ja die männlichen Privilegien zu hängen, da die Gesellschaft danach die Privilegien zuweist.

Dann zum Problem von Männern in gemischten Feministengruppen mit Frauen arbeiten wollen:

Bei gemischten Gruppen und Veranstaltungen sehe ich häufig das Problem, dass die (wenigen) Männer ohnehin schon dominieren.

Es ist interessant, wie schnell Männern unzweifelhaft das dominante als Eigenschaft zugewiesen wird, wenn es negativ ist. Da können Männer nicht in Frauengruppen mitarbeiten, weil sie sie dann dominieren.

Interessant wäre es, ob man im gleichen Atemzug auch bestätigen würde, dass Männer in der Arbeitswelt dominieren. Und sich die daraus folgenden Probleme bewusst macht. Warum soll ich eine Frau in leitender Position einstellen, wenn sie in Besprechungen so schnell von Männern dominiert wird? Wie soll sie sich durchsetzen? Kann ich in Verhandlungen um einen Vertrag etc erwartet werden, dass für sie ein Schutzraum errichtet wird oder wird man annehmen können, dass die Gegenseite darauf keine Rücksicht nimmt und sich zB bei einem Kunden besser darstellt?

Klar, in einer perfekten Welt, die nicht patriarchisch wäre, würde es gerecht zugehen und jeder würde seine Entscheidungen nach Leistung, objektiven Angebot und unter beständigen Austausch von Nettigkeiten treffen. Aber in einer perfekten Welt fliegen einem auch gebratene Hühnchen in den Mund.

Zum Vorteil männlicher Mitarbeit:

Andererseits können Männergruppen die Position unterstützen, dass das Bekämpfen des Patriarchats keine Frauenaufgabe ist, sondern Männer als Täter und Profiteure verantwortlich sind.  (…)

Allerdings frage ich mich dann, inwiefern Männer nennenswert feministisch arbeiten können – einerseits haben sie ja kein eigentliches Eigeninteresse daran, nein, es widerspricht sogar eher ihrem Eigeninteresse, andererseits fehlt ihnen auch die Betroffenen-Perspektive. Jesse Lawson schreibt:

feminism is not something that I will ever feel. I can know about it, I can practice it, and I can live it every single day, but the fact of the matter is that feminism is going to be different for men and women, and men will never understand how important feminism is in the same way a woman would.

Auch eine feministische Praxis können Männer nur in eingeschränktem Rahmen umsetzen, da sie auf ihre Privilegien nicht einfach verzichten können. Selbst der Verzicht – so er denn überhaupt nennenswert gelingt – beinhaltet ja einerseits das Privileg, Verzicht geübt, quasi feministische Leistung erbracht zu haben, und andererseits die Sicherheit, dennoch jederzeit wieder darauf zurückgreifen zu können.

Interessant finde ich dabei, dass es in solchen Texten immer nur noch „die Privilegien“ heißt. Genauere Angaben erfolgen selten. Irgendwie ist ja auch alles an einem Mann privilegiert. Interessant dann auch, dass Privileg und Patriarchat nicht nur eine Erbschuld der Männer ist, sondern anscheinend jeder einzelne Mann gleichzeitig Täter (per Geburt anscheinend) ist, der sich durch aktive Gegenarbeit von dieser Täterschaft UND Erbsünde befreien muss.

Mir ist das etwas viel Opfertum und etwas viel Schuldzuweisung.

Wo wir gerade bei Schuldzuweisung sind:

Hier noch eine Betrachtung eines männlichen Feministen zum Alltagssexismus und wie er sich diesen bewusst macht (beim Kegelclub, einem feministischen Piratenblog / auf seinem eigenen Blog):

Ich bin ein Alltagssexist. Ich schaue Frauen auf den Hintern und auf ihre Brüste. In der U-Bahn, im Supermarkt oder auch auf der Straße. Werbung mit leichtbekleideten Frauen darin finde ich gut.

Und warum auch nicht? Warum sollte man sich dafür schämen. Es ist kein Sexismus, sondern vollkommen normal. Ich weigere mich, mich für meine Sexualität zu entschuldigen. Natürlich: Diese findet ihre Grenzen an den Rechten der anderen. Eine normal angezogene Frau penetrant anstarren muss nicht sein. Aber sich einen Blick auf den Hintern oder die Brüste einer Frau zu gönnen, gerade wenn diese sie entsprechend verpackt und betont, dass ist kein Sexismus. Es ist normale Sexualität

An beiden Texten wird deutlich:

Männliche Feministen müssen bereit sein, Schuld auf sich zu nehmen und sich schlecht zu fühlen, weil sie ein Mann sind

Erscheint mir nicht gesund.