Steigert eine Frau als Hauptverdiener das Scheidungsrisiko?

Eine Studie zu der Frage, inwieweit Ehen mit weiblicher Hauptverdienerin eher geschieden werden:

Using German panel data from 1984 to 2007, we analyze the impact of labor division between husband and wife on the risk of divorce. Gary Becker’s theory of marriage predicts that specialization in house- and market work, respectively, reduces the risk of separation. Tradition- ally, the breadwinner role is assigned to the husband, however, female employment has risen substantially and egalitarian gender attitudes are more common today. Our results suggest that specialization per se does not enhance marital stability. Female breadwinner-couples have a higher probability of divorce than couples with a traditional labor division, whereas the egalitarian one has no effect.

Quelle: Labor division between wife and husband and the risk of divorce: New evidence for Germany (PDF, Volltext)

Aus der Studie zu vorherigen Studien:

From the international perspective, it is quite common to use the wife’s in-come as proportion of total household income as variable of main interest. With respect to the estimated effect of it the analyses can be divided into two groups. One group consists of those studies that ¯nd a destabilizing im- pact of female’s relative income. Early examples are Booth et al. (1984) and D’Amico (1983) (using wives‘ potential earnings). The second group do not ¯nd any statistically signicant effect of this ratio. Examples are Tzeng and Mare (1995), Bumpass et al. (1991), and Spitze and South (1985). Tzeng and Mare (1995), however, ¯nd that a change in wife’s earnings raises the probability of divorce which cannot be found for changes in husband’s earn- ings. Similarly, Weiss and Willis (1997) suggest that an unexpected increase in wife’s wage earning capacity destabilizes a marriage, whereas an unex- pected increase in husband’s wage earning capacity lowers the probability of divorce. In her review of the relevance of the independence hypothesis, Oppenheimer (1997) emphasizes the weaknesses of those studies that have found a posi- tive relationship between the wife’s income proportion and risk of divorce. The independence hypothesis says that women’s rising labor force partici- pation has increased their financial independence and has therefore reduced the value of marriage (Oppenheimer (1997)). She states that the independence hypothesis is based on the traditional gender-specifc specialization and should not be relevant anymore for modern couples. However, some recent studies show the opposite. Kesselring and Bremmer (2006) (using a sample of the US Current Population Survey), Liu and Vikat (2004) (register-based data for Sweden), as well as Jalovaara (2003) (register-based data for Finland) and evidence for the independence effect despite the fact that Scandinavian countries usually stand for egalitarian gender attitudes. The authors show that if the female’s earnings become a larger proportion of the total family income, the likelihood of divorce increases. This effect is not compensated by the stabilizing effect of a higher family income. Only Sayer and Bianchi (2000) confirm Oppenheimer’s predictions after controlling for a huge set of indicators like demographic characteristics, children, marital duration, time spouses spent together, and a gender ideology index. Hence, empirical evidence is not clear.

Meiner Meinung nach ist es wahrscheinlich eher ein Statusproblem. Demnach hängt viel davon ab, inwieweit anderweitig Status demonstriert werden kann. Die Fähigkeit zu Versorgen ist insoweit ein Kriterium innerhalb des Statusbegriffs, aber natürlich ein wichtiges wie sich an der Sexual Strategies Theorie erkennen lässt.

28 Gedanken zu “Steigert eine Frau als Hauptverdiener das Scheidungsrisiko?

  1. „Meiner Meinung nach ist es wahrscheinlich eher ein Statusproblem. …“

    Sehe ich ähnlich. Außerdem spielen Faktoren wie Zeit mithinein. Ich kann mich noch erinnern, dass es von den Frauen meist akzeptiert wurde als ich antwortete, dass ich noch Student sei. Soll heißen, sie haben damals sicher ein höheres Einkommen gehabt als ich. Das Wissen, dass ich als Student in der Regel gute Jobaussichten habe – na ja, bis 2008 – scheint sicher höher gewichtet worden zu sein, als das Faktum, dass sie nun mehr verdienen als ihr Gegenüber. Der Statusverlust sozusagen im Umfeld.

    Ich merke auch oft, dass künstlerische Berufe, welche weniger abwerfen, viel eher akzeptiert werden als z.B. ein Betriebswirt, der weniger verdient als seine Partnerin, die „nur“ Matura hat.

    • „Ich merke auch oft, dass künstlerische Berufe, welche weniger abwerfen, viel eher akzeptiert werden als z.B. ein Betriebswirt, der weniger verdient als seine Partnerin, die „nur“ Matura hat.“

      Vielleicht ist es mit dem Künstler ähnlich wie mit dem Studenten, man kann ein Leben lang auf den Durchbruch hoffen oder evtl. auf den Nachruhm wie bei van Gogh und anderen.

  2. Am besten man schafft das Geld ab (Kommunismus!) und gibt Frauen nur noch bunte Glasperlen. (Z.B. pro Monat, in dem sie leckeres Abendessen kocht, eine Perle, pro 10 Mal Sex eine Perle) Damit können sie sich dann Schmuck basteln und vor ihren Freundinnen damit angeben, wie „reich“ ihr Partner ist. So könnten Frauen ihren Bereicherungstrieb auf eine ungefährliche, sozialverträgliche, Weise ausleben. Intelligente Geschlechterpolitik statt Geschlechterkrieg!

    @Christian: In letzter Zeit bist du wieder verstärkt dem Zensurwahn verfallen. Die Auswahl an Kommentaren, die du zensiert hast, zeugt von akuter Humorlosigkeit bei dir, fast so schlimm wie bei einem Pudel oder einer Feministin. Als PUA müsstest du eigentlich Humor erkennen können, weil du ihn ja einsetzen musst. (Jetzt muss ich dich halt mit einem Zaunpfahl verprügeln.) Außerdem bleibt einem in einem repressiven feministischen Regime nur noch die Satire als einziger Ausweg, um Kritik zu üben. Selbst in der DDR war Satire erlaubt. Wenn du kritische Stimmen auf deinem Blog ausblendest, bist du nicht neutral und wissenschaftlich. Du verfolgst dann eine profeministische Agenda.

    • Zhen: „Am besten man schafft das Geld ab (Kommunismus!) und gibt Frauen nur noch bunte Glasperlen. (Z.B. pro Monat, in dem sie leckeres Abendessen kocht, eine Perle, pro 10 Mal Sex eine Perle) Damit können sie sich dann Schmuck basteln und vor ihren Freundinnen damit angeben, wie „reich“ ihr Partner ist. So könnten Frauen ihren Bereicherungstrieb auf eine ungefährliche, sozialverträgliche, Weise ausleben. Intelligente Geschlechterpolitik statt Geschlechterkrieg!“
      Hm, ein mysoginistische Kommentar par excellence. Bestehst du eigentlich immer noch darauf, kein Frauenhasser zu sein?

      • Du siehst doch, welche schrecklichen Auswirkungen auf Männer und die gesamte Gesellschaft das Status- und Bereicherungsstreben von Frauen hat. Wo in meinen Kommentaren die Grenze zwischen Satire und konstruktiver Kritik verläuft, darf sich – ganz postmodern – der Leser selbst aussuchen.

  3. Ich finde das Wort Frauenhasser sollte verboten werden. Damit gibt man unliebsamen Meinungen nämlich direkt auf den Deckel. Und selbst wenn man Frauen hasst, was ist dabei? Sagen wir mal rein hypothetisch, dass der Großteil der Frauen einfach scheisse ist bzw. hassenswert…darf man dann hassen? Was soll man nem Juden sagen, du bist Ariahasser oder einem Opfer von rechter Gewalt, du bist Rassistenhasser. Es ist dieses Wort, was den Feministen immense Kraft gibt. Sobald jemand nämlcih als Frauenhasser gebrandmarkt ist, nimmt ihn keiner mehr ernst. Armes DSeutschland, freie Meinungsbildung gehört auch hier bald der Geschichte an. Irgendwann wird jede Position rechts.

    @ Zhen

    Lasst dir mal ja kein schlechtes Gewissen einreden. Kämpfe für deine Sache und lass die anderen mal die Frauenhasser-Keule schwingen. Du bist nicht alleine mit deiner Meinung…..

    • @Tit4toe
      „Ich finde das Wort Frauenhasser sollte verboten werden.“
      Oooch … warum? Ich bin eigentlich immer dagegen, Worte verbieten zu wollen. Wenn es den mit den Worten bezeichneten Sachverhalt nun einmal gibt. Dann gerät der Wunsch, ein Wort verbieten zu wollen, oft zur untauglichen Ersatzhandlung.

      Es gibt Frauenhasser. Und Männerhasser. Und Männerhasserinnen. (Frauenhasserinnen fällt mir gerade keine ein, aber es mag auch welche geben.)

      Dass Bruder Zhen eine misogyne Grundhaltung eigen ist, wird man nach seinen Beiträgen hier ja ernsthaft ebensowenig bestreiten können wie dass „Lucia“ eine misandrische Grundhaltung an den Tag legt.

      Die spannendere Frage wäre eigentlich nicht: Soll man Worte verbieten? Sondern: Soll man diese inneren Haltungen irgendwie ächten? (Verbieten wird ja schlecht gehen.)
      Ich denke: Nein. Sollte man nicht. Aber darauf hinweisen, dass dem so ist, dass darf man. (Und sollte man vielleicht auch gelegentlich …)

      Prinzipiell denke ich schon, dass jeder Mensch ein Recht auf seine persönliche Form von Wahnsinn hat. Solange sich dieser rein in Worten austobt. Warum nicht?
      Ich selber würde mir meinen privaten Wahnsinn ungern ausreden oder verbieten lassen. Aber in guter Stimmung bin ich mitunter durchaus geneigt, mich darauf hinweisen zu lassen.

    • Ich finde es eigentlich ziemlich amüsant, das Zhen exakt die gleichen Fehlschlüsse des vorherrschenden Feminismus dadurch ad absurdurdum führt, dass er einfach das Vorzeichen umkehrt.

      Schön vor allem die Übertragung des Marx´schen Klassenantagonismus auf Heterosexualität, nur eben unter umgedrehten Vorzeichen. Köstlich!

      Der latente Rassismus, der beim Dworkin/Mackinnon-Feminismus durch die subtile Adaption des Bildes vom wilden Schwarzen Mann mit Riesenpenis, der die weiße Unschuld vergewaltigt findet seine Entsprechung in der verdorbenen, primitiven und mit einem unheilsstiftenden und sozialschädlichen Narzissmus ausgestatten Südseeschönheit, die mit Glasperlen manipuliert werden muss: Herrlich!

      Ich befürchte nur, dass die Ironie unfreiwillig ist 😦

  4. Ach ja, was ich noch hinzufügen wollte: Ich habe aufgrund jüngster Erfahrungen überlegt, ob ich tatsächlich Frauen hasse. Ich muss zugeben, dass es Exemplare gibt, die ich verachte aber nicht hasse. Aber insgesamt ekel ich mich vor der westlichen modernen Frau. Auch diejenigen unter ihnen, die nicht feministisch oder gar traditionell sind mag ich nicht denn wie sagte einstein einmal

    „Es ist gefärhlich zu leben, nicht weil menschen böses tun, sondern weil andere zugucken und nichts unternehmen“

    Der Anteil unter Frauen, die zugucken und nichts unternehmen ist in diesem LAnd ex orbitant. Deswegen ekel ich mich eigentlich vor ca. 99% der Frauen…aber Hass???? zu anstrengend ^^ Ekel?! Einfach an etwas anderes denken…..

  5. Ihr (Frauen, Feministinnen) solltet mal von der emotionalen, persönlich-aggressiven Diskussionsebene loskommen. „Frauenhass“ ist nichts weiter als ein unsachlicher Kampfbegriff. Kritik impliziert nicht Hass, Verteidigung nicht Liebe. Außerdem kann ich nur hassen oder lieben, wen ich persönlich kenne. Wenn ich über „die Frauen“ (ca. 3,5 Mrd. Menschen) rede, dürft ihr davon ausgehen, dass ich die nicht alle persönlich kenne. 😉
    „Misogyn“ bedeutet übrigens, dass Frauen gehasst werden, dass man keinen Kontakt zu Frauen haben will. Demnach können selbst die extremsten Maskulisten nicht misogyn sein. Die erwarten halt etwas anderes von Frauen als viele Frauen bieten wollen.

  6. Mich öden diese Diskurssionen unter dem Motto „Alle Männer sind scheisse/Alle Frauen sind scheisse“ nur noch an.

    Der Mensch ist, wie er ist: Weder als Mann noch als Frau besonders edel, hilfreich und gut, sondern im Kern Egoist, Frauen nicht minder als Männer, nicht gleichartig, aber gleichwertig.

    Nicht zuletzt sind, via sexuelle Selektion, Männer für das So-sein von Frauen, Frauen für das So-sein von Männern verantwortlich. Sozialisieren tun sie sich auch gegenseitig.

    Wenn Männer sich also über Frauen beklagen, beklagen sie sich IMMER auch über Männer, die für das So-sein der Frauen mitverantwortlich sind.
    Wenn Frauen sich über Männer beklagen, beklagen sie sich immer auch über Frauen, die für das So-sein der Männer mitverantwortlich sind.

    Darüberhinaus spielen Frauen und Männer Rollen in einem Theaterstück, in dem sie nur sehr begrenzt selbst bewusst Regie führen können, in dem die Weichenstellungen zur Rollenverteilung nur sehr begrenzt von ihrem bewussten Wollen abhängen.

    Sie sind gefangen in einem Spiel, dessen Regeln sie nicht aufgestellt haben, müssen aber nach diesen Regeln spielen, wollen sie erfolgreich sein.

    Der Hauptschuldige ist Gott, wenn er denn existiert.

    Was mich am Feminismus anwidert, u.a., ist dieses dümmlich – kindische „Die Männer sind schuld“.

    Wenn Männer das nun umkehren und „Die Frauen sind schuld“ plärren, ist das nicht intelligenter, nicht weniger widerwärtig, nicht weniger selbst verblendend.
    Feminismus hat viele westliche Frauen zu zur Selbstkritik unfähigen Pauernarzisstinnen aufgedonnert, die nur noch Ansprüche an Männer, aber keinerlei Verpflichtungen gegenüber Männern mehr kennen.

    Es bedarf wenig Mühe, Männer gleichsinnig zu deformieren, denn die natürliche Tendenz des MENSCHEN als Mann und Frau zum Egoismus liefert die eingeseifte, schiefe Ebene, auf der es sich ganz wunderbar leicht, der Schwerkraft folgend, in den egomanischen Orkus rödeln lässt.

    • „Mich öden diese Diskussionen unter dem Motto „Alle Männer sind scheisse/Alle Frauen sind scheisse“ nur noch an.“

      Meine volle Zustimmung zu diesem Satz: man kann häufig wirklich nur den Kopf schütteln über diesen Kindergarten auf beiden Seiten.

      • Leszek

        o „Meine volle Zustimmung zu diesem Satz: man kann häufig wirklich nur den Kopf schütteln über diesen Kindergarten auf beiden Seiten.“

        Auf welscher Seite hast Du dich geortet?

  7. Zum Thema:

    Ich glaube, dass mehr verdienende Frauen tatsächlich für ein erhöhtes Scheidungsrisiko sorgen.

    Die Schuld daran liegt auf beiden Seiten.

    Männer sehnen sich nach Frauen, die einen Kopf kleiner sind, die sie beschützen/versorgen können/müssen, bei denen, von denen sie sich gebraucht fühlen. Das beruhigt auch ihr Misstrauen, eventuell nicht der wirkliche Vater der Kinder zu sein. Da fühlen sie sich bei einer abhängigen Frau sicherer.

    Frauen sehnen sich nach Männern, die einen Kopf größer sind als sie selbst, die bereit und in der Lage sind, Ressourcen heranzuschaffen, zu verteidigen, sie in sie selbst und den Nachwuchs zu investieren. An dieser Investitionsbereitschaft des Mannes ermessen sie ihren eigenen Wert und die Liebesfähigkeit/-bereitschaft des Mannes („Der lässt was für mich springen, also bin ich ihm etwas wert, er wird mich nicht sitzen lassen, wenn ich schwanger bin und stille – diese „Berechnung“ erfolgt unbewusst-instinktiv, genau wie die der Männer auch, selbst dann, wenn bewusst gar keine Kinder geplant sind).

    Bei einem Mann, an den sie sich anlehnen kann, gewinnt frau das nötige Vertrauen, sich fallen zu lassen. Dann erst kann sie sich verlieben, Sex genießen.

    Ist der Mann gleich groß oder gar kleiner, wird frau schnell unzufrieden, fragt sich, ob sie nicht eigentlich einen besseren Mann verdient hat, ob der, den sie hat, ihr Geld wert ist, wird ihre Verachtung für diesen minderertigen Mann in Auseinandersetzungen häufiger kränkend deutlich werden lassen.

    Umgekehrt: Der Mann, der einen Kopf kleiner ist, wird seine größere Frau besonders empfinlfindlich-misstrauisch beäugen, ob sie ihn nicht vielleicht mit einem „besseren“, größeen Mann betrügt, wird, wird, wg. seines ihr gegenüber geringen Selbstbewusstseins leichter kränkbar sein, empfindlicher reagieren, vielleicht Kränkungen sehen, die gar keine sind, wird tatsächliche Kränkungen weniger leicht verkraften.

    Eine solche Beziehung, die den instinktiven Dispositionen zuwiderläuft, sit also in besonderer Weise spannungsgeladen, damit in besonderer Weise dem Risiko ausgesetzt, zu zerbrechen.

    Sie bedürfte einer ganz besonderen Pflege und Aufmerksamkeit der Frau für die Empfindlichkeiten des Mannes, des Mannes für die Empfindlichkeiten der Frau.

    Das überfordert viele Menschen auf Dauer, denn das Anagieren gegen den natürlichen Strom der Instinkte ist anstrengend und schwer, nicht selbstverständlich.

    Man muss immer gegen eine Strömung rudern. In diesem Falle „Frau verdient mehr als Mann“ gegen eine Strömung, die das Paar auseinander trreibt, wenn nicht gerudert wird: den Mann weg von der „größeren“ Frau, der er misstraut, die ihn demütigt, die er fürchtet, die Frau weg von dem zu kleinen Mann, hin zu „größeren“ Männern, potenteren Männern, die sie als „Hochklassefrau“ doch auch verdient zu haben glaubt (ein Brunhilde-Problem, sozusagen, König Gunther ist nun mal kein Siegfried, aber auch eine Brunhilde möchte von einem Mann überwältigt sein, keine Mann haben, von dem sie den Eindruck hat, dass sie ihn überwältigen kann – das tötet oft die weibliche Lust).

    • @ Meister Roslin

      Off topic: Sender; HD Suisse, Marie Antoinette, Spielfilm. 20.00 Uhr, samstag. Hab zu spät dran gedacht, Ihrer Lordschaft darauf hinzuweisen. Da er die gepuderten Figuren des ancien regime mag, wär das doch ein Film, der ihn ansprechen sollte, auch wenn das (gerechte) Ende für Ihn, den Grafen, wenig erbaulich ist.

      • @ Citoyen Pierre de la République Helvetique

        Ich habe noch keine filmische Repräsentation der Zeit vor der „Großen“Französischen Revolution gesehen, die sich ernsthaft bemüht hätte, dieser Epoche wirklich gerecht zu werden.

        Es werden, aus der Perspektive der Sieger, also des „liberalen“ Bürgertums, Karikaturen fabriziert, sowohl oft formale (schlecht sitzende lächerliche Perücken, die aussehen, als hätte kurz zuvor die Katze in ihnen gejungt, groteske, entstellende Schminke, als sei die Hofgesellschaft ein einziger Tuntenball gewesen) als auch inhaltliche („Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen!“). Der Adel ist grundsätzlich dumm, geil und verkommen, bis auf ein paar Alibiaufgeklärte, das Bürgertum fleißig, edel, gebildet, menschenfreundlich. Nur die Jakobiner, diese Radikalinskis, sind manchmal ein bißchen wild und schießen ein klein wenig über’s edle Ziel hinaus. Und DAS VOLK ist arm und heroisch-leidend, aber auch voller Edelmut und Gerechtigkeitssinn.

        Fortschrittskitsch ist das, der verschweigt, dass JEDER FORTSCHRITT an der einen Front mit Rückzügen an anderen Fronten erkauft wurde und wird, so dass das Ganze wahrscheinlich ein Nullsummenspiel ist.

        Filmisch ist das „Sowjetpropaganda“, „Panzerkreuzer Potjemkin“ auf bürgerlich, nur filmikünstlerisch viel anspruchsloser.

        Wer die Gemälde der Zeit kennt, (die auch Propaganda waren, zugegeben, aber wenigstens auf „Potjemkin“-Niveau und darüber), die Briefe zahlreicher Protagonisten der Epoche, die Memoiren, der shüttelt sich.

        Danke, dass Ihre Unaufmerksamkeit mir Schüttelkrämpfe erspart hat, Bürger Peter.

      • Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch … Wurde in dem Film uebrigens als Propagandaluege dargestellt.
        Nach wie vor aber wuesste ich gerne, ob der Pisspage eine ulkige von Mel Brooks ist oder tatsaechlich existierte. Was die allgemeine Hygiene am Hofe der damaligen Zeit anbelangt: meine Recherchen ergaben, dass die populaere Vorstellung der historischen Wahrheit nahe kommt. Das waren Ferkel, die glaubten, dass Schmutz vor Krankheiten schuetze und dass anstatt eines Bades der abrieb mit parfumgetraenkten Tuechern besser sei, um unangenehme Gerueche zu beseitigen.

      • Empfehle die Lektüre dieses Buches, verfasst vom Leiter des Zentrums zur Erforschung der Geschichte des Schlosses von Versailles. Darin werden sie erfahren, dass Ludwig XIV ein äußerst reinlicher Mensch war.

        http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2011-1/FN/da-vinha_schmid

        Sein Nachfolger, Ludwig XV war noch penibler. Er besaß im Laufe seines Lebens nacheinander 7 Badezimmer im Schloss von Versailles. Das letzte ist noch erhalten, hab’s ja bereits verlinkt.
        Über dem Badezimmer befand sich über einer Zwischendecke der Heizofen für die Warmwasserbereitung. Im Badezimmer gab es 2 Wannen: eine für’s Einseifen und Baden im Seifenwasser, eine zweite zum Klarspülen nach dem Seifenwasserbad. Ludwig XIV hatte dagegen nur eine Wanne in seinem luxuriösen Appartement de bains

        Hier übrigens eine Abbildung eines Appartement de bains mit 2 Wannen aus der berühmten Encyclopédie (li. oben im Grundriß)

        Das war um 1750 Standard beim Hochadel und bei Königs. Oft baute man sich einen eigenen luxiriösen Badepavillon im Park des Schlosses/Palais. Sie sind allerdings sehr selten erhalten. 2 Badepavillons der Zarin Katharina II. von Russland in Zarskoje Selo, der riesigen Sommerresidenz bei St. Petersburg, sind erhalten.

        Hier ihr Oberes Badehaus

        http://v8.cache8.c.bigcache.googleapis.com/static.panoramio.com/photos/original/43067574.jpg?redirect_counter=1

        Auch das Badehaus des Kurfürsten Max Emmanuel, ein Zeitgenosse Ludwig XIV im Schlosspark zu Nymphenburg (München) steht noch mit vergleichsweise großem Badebecken, in dem man tatsächlich schwimmen konnte.

        Der Badepavillon, Badenburg genannt

        Das Badebecken

        Auch dieses Badehaus kann Herr Peter noch besichtigen, heißt sogar so: das Badhaus im Park von Schwetzingen, der Sommerresidenz der Pfälzer Kurfürsten bei Mannheim, nach der allerneuesten Pariser Mode gestaltet vom Hofarchitekten des Kurfürsten Karl Theodor, Zeitgenosse Ludwig XVI., Nicolas de Pigage.

        Der Grundriss (Baderaum re. oben in der Ecke mit riesiger Wanne)

        Von außen

        Der wahrhaft luxuriöse Baderaum, warm- und Kaltwasserzuflussrohre sind als Schlangen gestaltet:

        Auch im belgischen Schloss Modave ist noch ein barockes Badezimmer erhalten mit in den Felsboden eingelassener Zinkwanne, ebenso im Schloss Hohenbaden zu Baden-Baden und im Schloß Weilburg an der Lahn das Badekabinett von 1709.

        Das sind nur die, die ich bisher persönlich gesehen habe.

        Die schwarze Legende über die erschröcklichen Zustände bei Hofe gehört zur bürgerlichen Propaganda: „Diese Ferkel, WIR DAGEGEN, reinlich, arbeitsam und hoch moralisch.“

        Ich hoffe damit, Ihr wohliges Gruseln über das stinkend-ungewaschene Pack, das man allein deshalb schon einen Kopf kürzer machen durfte, um die Geruchsbelästigung zu beseitigen, meinerseits ein wenig gedämpft zu haben.

      • Ich habe noch keine filmische Repräsentation der Zeit vor der „Großen“Französischen Revolution gesehen, die sich ernsthaft bemüht hätte, dieser Epoche wirklich gerecht zu werden.

        Es gibt doch eine unüberschaubare Menge an Kitschmovies, welche das höfische Treiben als Ausdruck besonderer Kultiviertheit darstellen.

        Wie dem auch sei: die Fragen, die hier aufgeworfen werden, sind keineswegs so trivial, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Wenn all die Höflinge am Hofe Versailles tatsächlich reinliche Leute waren, dann wäre die populäre Vorstellung, welche die Höflinge als Schmutzfinken charakterisiert wahrscheinlich eine propagandistische Verzerrung der Realität und würde die Frage aufwerfen, wie sehr die Geschichtsschreibung, die sich mit jener vorrevolutionären Zeit befasst, von politischer Propaganda der Revolutionäre von damals durchtränkt ist. Das wäre dann nicht mehr so trivial. Prunkbadewannen allein allerdings können mich nicht von der Reinlichkeit des Hofstaates zu Versailles überzeugen.

        Meine Eingangsfrage aber bleibt unbeantwortet: Ist der Pisspage lediglich ein ulkiger Einfall von Mel Brooks oder existierte er tatsächlich?

        Es ist dem Bürger und Royalisten Roslin offensichtlich ein Anliegen, die Schmutzfinken des Ancien Regime reinzuwaschen.

        Deshalb bleibt die Beantwortung der Frage; „gab es den Pisspagen oder gab es ihn nicht“ weiterhin wichtig.

        Ist off topic, sorry Christian, aber ich kann solch royalistische Propaganda nicht unwidersprochen lassen. Guillotinieren ist ja nicht mehr erlaubt. Deshalb muss ich mit Worten fechten. 😦

  8. @ PS:

    Aus der Roslin-Reihe „Schöner Wohnen“ heute die Folge: „Der revolutionäre Männerrechtler“.

    Kopier’s Dir raus, vergrößere es, drucke es aus und häng Dir’s in’s Wohnzimmer:

    Dazu noch für’s Schlafzimmer: „Scheidung könnte so einfach sein“ oder „Die letzte Feministin“:

    • Guillotine – the french form of impeachement …

      Immerhin ergibt das einen sauberen Schnitt, wie man ihn sonst nur in der Schwarzwaldklinik gewohnt ist!

      • @ Starosczk

        Nur an Katzen.

        Tippse zappelt noch zu sehr.

        Vielleicht sollte ich sie vorher keulen?

        Aber das scheint mir ein wenig brutal.

        Weißt Du Rat?

        @ Peter

        Lies das Buch, dort wird der Alltag des Hofes, auch hinsichtlich der alltäglichen Lebensvollzüge, detailliert beschrieben. Der Autor hat die gebauten und papierenen Quellen durchgearbeitet (Berichte der Kammerdiener, Leibärzte etc.). Interessant.

        Ein Pisspage ist mir dort nicht untergekommen.

        Auch das bürgerliche Zeitalter kennt seine schwarzen (und weißen) Legenden.

        Geschichte wird oft von den Siegern gefälscht, auch den bürgerlichen, nicht nur den aristokratischen oder „proletarischen“.
        Ist eine Legende erst einmal als Wahrheit durchgesetzt, repliziert sie sich von alleine, weil Geisteswissenschaft oft so aussieht, dass einer vom anderen abschreibt oder nur ein enger Fundus von Originalquellen ausgewertet wird, der zuerst erschlossen wurde, am Anfang der Legendenbildung steht und auf den man sich immer wieder beruft, weil er das eingeführte/gewünschte Bild bestätigt. Währen Unerschlossenes ungelesen/unbeachtet in den Archiven verstaubt.

        Das ändert sich erst allmählich, weil u.a. die Computerisierung und Digitalisierung eine immer umfassendere, breitere Bestandsaufnahme ermöglicht.

        Wer hat sich denn früher schon um die Berichte/Briefe von Kammerdienern, Leibärzten, Hofmeistern, Köchen gekümmert, zumal dann, wenn die zur Dämoisierung nicht taugten. Im Unterschied etwa zu denen hochmögender Aristokraten (Herzog von Saint Simon z.B.), die ihre Rache wg. gescheiterter politischer Karrieren literatisch übten oder der zeitgenössischen Propaganda außenpolitischer Gegner, in diesem Falle Großbritanniens.

        Verleumdung gehört zum Politgeschäft, zu allen Zeiten.

  9. @ Peter

    Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Gesamtsystem „feudaler Absolutismus“ war verrottet-ungerecht, die Revolution hatte gute Gründe, dass es überhaupt zu ihr kam, ist nicht alleine die Schuld der Revolutionäre, sondern hauptsächlich Schuld der alten Eliten, die reformunfähig nicht in der Lage und nicht Willens waren, das Notwendige zu tun. Auch dass sie zu einer bestialischen GEwaltorgie wurde (die Guillotine ist ja längst nicht das Schlimmste, die Niederschlagung der territorialen Aufstände gegen das revolutionäre Regime, die sind wahrhaft entsetzlich, Massenmorde und SS-mäßiges Vorgehen durch die Colonnes infernales. Das wollte gerechtfertigt sein. Da musste man schwarz in schwarz malen.

    Ähnliche schwarze Legenden richten sich gegen die Katholische Kirche, das Spanische Imperium etc. Dazu wäre viel zu sagen, aber das sprengte den Rahmen dieses Blogs.

    Was nicht heißt, dass die „Opfer“ der schwarzen Legenden weiß wären, unschuldig. Das sind sie nicht.

    Nur nicht so schwarz, wie sie gemalt werden, um Hass zu mobilisieren.

    Grau sind sie, meistens, wie alle Menschen, mal hellgrau, mal dunkelgrau, selten aber schwarz und meist nicht grauer als die Erfinder/Propagandisten schwarzer Legenden.

  10. „Meiner Meinung nach ist es wahrscheinlich eher ein Statusproblem. Demnach hängt viel davon ab, inwieweit anderweitig Status demonstriert werden kann. Die Fähigkeit zu Versorgen ist insoweit ein Kriterium innerhalb des Statusbegriffs, aber natürlich ein wichtiges wie sich an der Sexual Strategies Theorie erkennen lässt.“
    Exakt. Nur müssen das die Paare wissen, die sich darauf einlassen, einen Rollentausch zu vollziehen. Also, das der Trieb der Frau nach einem Versorger befriedigt werden muss, damit der Mann zuhause bleiben kann. Dies wird jedoch durch diesen ganzen „Wir sind gleich“ Schwachsinn verhindert. Wie ich ja schon schrieb, bei mir sind es z. B. die Kampfsportturniere, auf die ich gehe. Ich denke, das da jede Frau so ihre andere Präferenzen hat. Um die rauszufinden, müsste Frau sich aber erstmal im klaren darüber sein, das sie sie hat. Auch das wird den Frauen eingeredet, das sie sie nicht hätten. Sieht man auch hier sehr schön, alle Frauen die mitdiskutieren würden ja nie einen Versorger suchen, wers glaubt. Entweder sie lügen, oder sie wissen es wirklich nicht, beides wäre mehr als Traurig.

  11. Pingback: Betriebswirt Jobaussichten – Betriebswirtschaft Review

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