Allgemeine Diskriminierungen im Alltag

Die Geschichte bei der Mädchenmannschaft über die Diskriminierung im alltäglichen Unibetrieb brachte mich auf die Idee hier einfach mal die Leser – Männer und Frauen – zu fragen, wo und wie sie selbst Benachteiligungen wegen ihres Geschlechtes im Alltag wahrgenommen haben.

Mir fällt dies insbesondere immer auf, wenn es in Alltagssituationen um Versorgungsleistungen geht. Zwei kurze Vorfälle dazu:

1. Die Bratwurst

Ich bin mit Südländerin auf einem Volksfest. Wir werden hungrig und steuern einen Grillstand an. Südländerin kann sich noch nicht recht entscheiden, was sie nimmt, ich bestelle eine Bratwurst und will nach Erhalt zahlen.

Bratwurstverkäufer: Willste nicht gleich für sie mitzahlen?

Ich: Bis sie sich entschieden hat, hab ich meine Wurst auf.

Bratwurstverkäufer: Ne, so ein hübsches Mädel, da musste mitzahlen, lass dir das mal gesagt sein. Da warten wir noch“

Ich: *Lege das Geld für die Wurst auf den Tisch und trete zurück*

2. Die Eintrittskarte

Ich will mit einer Frau irgendwo in eine Veranstaltung. Die Karten kosten 14 €, für jeden also 7 €. Wir bestellen jeweils eine Karte.

Verkäuferin: (Mich anschauend): Das macht 14 €.

Ich: Wir zahlen getrennt.

Verkäuferin: (Guckt entrüstet, wartet ob ich meine Meinung ob dieses Blickes ändere)

Ich: (lächele sie freundlich an und halte ihr einen 10 € Schein hin und nicke zur Bestätigung meiner Aussage noch einmal)

Sie: (grinst schelmisch) Dann also eine Einzelkarte, macht 10 €! (zwinkert der Frau solidarisch zu und greift sich den Schein)

Natürlich bringen mich die jeweiligen Beträge nicht um. Aber andererseits ist es eben meine Sache, wie ich mein Geld ausgeben möchte und auch wie mein Verhältnis zu der jeweiligen Frau ist und ob ich ungeachtet dieses Verhältnisses Geld für sie ausgeben möchte.

Eine andere Geschichte einer Freundin ist diese:

Sie ist in einer größeren Firma in leitender Funktion angestellt, er baut sich gerade etwas auf, verdient aber gegenwärtig weniger als sie. Nach der Heirat wollen beide ihre Steuernummer ändern und dies auf der damals noch vorhanden Lohnsteuerkarte vermerken lassen und gehen daher zusammen zu der passenden Behörde. Aufgrund der unterschiedlichen Einkommen soll er den Eintrag erhalten, nachdem er mehr Steuern zahlt als sie. Verwaltungsangestellte: „ie haben das falsch ausgfüllt, die Steuerklasse mit der höheren Steuerlast muss zu der Frau“ Sie: (noch freundlich): Nein, das ist schon richtig so, ich habe momentan das höhere Einkommen. Und dann folgte in den Worten der Freundin ein leicht verächtliches verziehen der Mundwinkel und ein Mustern des Mannes von oben nach unten und zurück, wonach sich der Blick mitleidsvoll auf die Freundin verschob, bevor sie seufzend die passenden Eintragungen vorgenommen hat und die Dokumente mit leichten Widerwillen aushändigte. Der Schilderung der Freundin folgten dann noch einige Gewaltphantasien gegen die Verwaltungsangestellte, die ich durchaus dem Gefühl nach nachvollziehen kann.

Das ist ein Beispiel, das meiner Meinung nach für beide diskriminierend ist. Es wertet sie ab, weil erwartet wird, dass sie weniger verdient, ihn aber noch viel mehr, weil er durch den Umstand weniger zu verdienen als seine Frau eine Werteinbusse auf dem Partnermarkt in ihren Augen erfährt und sie ihn das auch spüren läßt.

Andere Bereiche sind Schutzpflichten von Männern gegenüber Frauen, wo ebenfalls gerne solche Erwartungen geweckt werden und das Absprechen von Fähigkeiten, die eher Frauen zugewiesen sind wie etwa Kochen. Oder Mißtrauen aufgrund der Sexualität des Mannes („Man hat ja immer ein ungutes Gefühl, wenn man ein kleines Kind allein mit einem Mann sieht“ wäre ein Extremfall).

Ich bin gespannt auf entsprechende Schilderungen. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, dass im Gegensatz zur Vorstellung von Kiturak auch gerne Lösungsvorschläge und Wertungen in den Kommentaren erfolgen können, wenn auch natürlich innerhalb dieser Höflichkeit und ein gewisser Respekt vor der Betrachtung des Schildernden herrschen sollte.