Vaterschaftstest

Ein Freund von mir wird Vater und freut sich natürlich auf das Ereignis. In einer ruhigen Minute spricht er das Thema „Sicherheit der Vaterschaft“ an:

„Christian, du weist ich bin mit #Frau vollkommen glücklich, ich vertraue ihr vollkommen, ich wollte keine andere Frau haben. Aber ich sage dir mal was: Wenn man Vater wird, dann ist da immer irgendwo ganz leise eine kleine Stimme in deinem Hinterkopf und die flüstert immer mal wieder leise „was, wenn er dir nicht ähnlich sieht? Was, wenn da doch mal irgendwie was war? Wie viele Väter sind ebenso vollkommen glücklich und irgendwann kam dann heraus, dass sie doch nicht die Väter waren?“ Das ist ein ekelhaftes Gefühl, aber es ist irgendwie nicht vollkommen wegzubekommen. Ich meine, natürlich wird es mein Kind sein, es gibt auch keinen Anlass für irgendwelche Zweifel, aber ich sage dir, ich glaube das hat mal als Vater einfach. Ist schon ein Mist“

Ich möchte hinzufügen, dass ich die beiden wirklich für ein glückliches Paar halte und auch keine Zweifel habe und das er weder im Pickup aktiv ist noch Evolutionstheorien besondere Beachtung geschenkt hat noch ich mich ihm ansonsten über „Blogthemen“ unterhalte.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein Gefühl ist, dass viele Männer kennen. Die evolutionären Gründe sind klar: Leichtsinnige Väter verschwenden eher Ressourcen in fremde Gene, die Anzahl ihrer Gene im Genpool verringert sich.

Glücklicherweise haben wir heute die Möglichkeit, die Vaterschaft mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit festzustellen. Ein Vaterschafttest ist heutzutage relativ billig zu haben (ich denke so um die 250 €). Allerdings ist das Ansprechen des Umstandes, dass man gerne einen Vaterschaftstest hätte, ein Umstand, der überaus schwierig ist, weil er als Vertrauensbruch gewertet wird. Die Frau wird meist gefühlsmäßig nicht drum herum kommen einen gewissen Vertrauensbruch darin zu sehen. Und auch das wird man ihr nicht wirklich verübeln können, schließlich impliziert es ja die Möglichkeit eines Seitensprunges.

Ein Versuch es zu Reframen könnte vielleicht wie folgt aussehen:

Ich liebe dich und unser Kind, aber für einen Mann ist es immer etwas unsicherer als für eine Frau, die genau weiß, dass sie das Kind geboren hat. Man hört immer wieder mal eine Geschichte von einem Mann, der nach 10 Jahren glücklicher Ehe plötzlich, vielleicht weil er Blut für sein Kind spenden will, hört, dass er nicht der Vater sein kann und seine Welt zerbricht. Er hätte niemals damit gerechnet, war glücklich, sie war glücklich, und dennoch… Irgendwie hört man diese Geschichten und selbst wenn man vertraut und glücklich ist, dann nagt diese leichte Stimme im Hinterkopf an einem „Auch sie waren glücklich, auch sie haben vertraut, kannst du wirklich so naiv sein, dass du es für unmöglich hältst?“ Und irgendwann kommt jemand und sagt, dass es einem gar nicht ähnlich sieht, vielleicht nur als Scherz. Und irgendwann hat man einen Sreit und die Stimme im Hinterkopf wird etwas lauter „Kannst du wirklich 100% sicher sein? Oder sind es nur 99%?“ Es wäre schon, diese Zweifel nie haben zu müssen. Es wäre schön, mit der gleichen Sicherheit wie du sagen zu können, dass es definitiv mein Kind ist, niemals Zweifeln zu müssen, auf jeden Einwand hin sicher zu sein, dass ich der Vater bin, egal was andere denken oder wie es gerade zwischen uns steht. Ich möchte gar nicht erst in eine Situation kommen, wo ich darüber nachdenken muss, ob es anders sein könnte. Ich möchte ohne die geringsten Zweifel wissen, dass es so ist, genauso wie du keine Zweifel hast.“

Idealerweise würde man die Mutter wohl bereits vor der Schwangerschaft entsprechend vorbereiten. Eine Frau, die mit ähnlichen Worten selbst einen Vaterschaftstest in Auftrag gibt würde in meiner Achtung steigen. Oder man macht einfach einen heimlichen Test. Ein anderes Thema, dass immer wieder hochkommt, sind verpflichtende Vaterschaftstests gleich nach der Geburt. Der Gedanke ist, dass der Mann so etwas nicht verlangen kann, weil es sich entsprechend auf die Beziehung auswirkt und diese „Machtlosigkeit“ des Vaters durch eine entsprechende Regelung auch gegen seinen Willen ausgeglichen wird. Es ist insoweit auch ein Kontrollmittel gegen Kuckuckskinder, mit den entsprechenden positiven Folgen für die Motivation der Väter, das Kind zu versorgen.

Allerdings ist die Frage, ob sich der Staat auf diese Weise einmischen darf. Es gibt sicherlich Väter, dennen es lieber ist, es nicht zu wissen. Einen Pflichttest halte ich daher für einen sehr hohen Eingriff in die Privatautonomie, die dann eben auch Beziehungen zerstörren kann. Klar kann man hier anfügen, dass ja nicht der Test die Beziehung zerstörrt, sondern der Umstand, dass die Frau mit einem anderen geschlafen hat, aber dennoch ist es ersteinmal das Aufdrängen einer Information. Wenn ein Pflichttest erfolgt, dann sollte zumindest ein Recht des Vaters bestehen, die daraus folgende Information abzurufen oder eben nicht.

Gegen einen solchen Pflichttest spricht zudem, dass damit das genetische Profil jedes neu geboren Menschen und auch jedes Vaters in Staatshände gelangen könnte, was Datenschutz und ähnliche Probleme aufwirft. Klar wird eine Löschpflicht bestehen, aber wird man ihr auch sicher nachkommen? Zudem ist zu bedenken, dass die Vaterschaftstest eine gewisse Fehleranfälligkeit haben. Die Vaterschaft steht nicht zu 100%, sondern nur zu 99,9?% fest. Bei umfassenden deutschlandweiten Tests ist zwar die Wahrscheinlichkeit gering, aber es wird bereits aufgrund der Anzahl der Geburten pro Jahr immer wieder Fehler geben, die dann zu Beziehungsproblemen führen. Denn der Test kann eben mit einer gewissen geringen Wahrscheinlichkeit auch dazu führen, dass eine Nichtvaterschaft trotz bestehender Vaterschaft angezeigt wird.

Interessant dazu vielleicht auch ein neues Urteil des BGH nach dem ein Mann, der für ein Kuckuckskind Unterhalt gezahlt hat einen Anspruch auf Auskunft gegen die Mutter hat, die dann mitteilen muss, welche Männer noch in Betracht kommen, damit der Mann dort Rückgriff bezüglich der von ihm geleisteten Zahlungen nehmen kann. Eine Stärkung der Vaterrechte.